Maga­zin

Durch Qua­li­fi­ka­ti­on zu Wert­schät­zung und Selbst­wirk­sam­keit

30. Juni 2021 | Bache­lor Sozia­le Arbeit

Im Gespräch mit Prof. Dr. Jörg Kay­ser

Seit 2019 bie­ten wir den Bache­lor Sozia­le Arbeit an, der zur saat­li­chen Aner­ken­nung als Sozialarbeiter:in führt und auch Quereinsteiger:innen für sozia­le Beru­fe aus­bil­det. Wich­ti­ger Koope­ra­ti­ons­part­ner für den Stu­di­en­gang ist die Hoch­schu­le für ange­wand­te Päd­ago­gik Ber­lin. Prä­si­dent der Hoch­schu­le ist Prof. Dr. Jörg Kay­ser. Im Gespräch mit unse­rer Stu­di­en­gangs­lei­te­rin Chris­tin Friz­sche spricht er über die Qua­li­fi­ka­ti­on von Fach­kräf­ten und die Beson­der­hei­ten von berufs­be­glei­ten­den Stu­di­en­gän­gen für Stu­die­ren­de und Arbeitgeber:innen.

Sie sind seit Sep­tem­ber 2020 Prä­si­dent der Hoch­schu­le für ange­wand­te Päd­ago­gik und haben dort eben­falls die Pro­fes­sur für das Lehr­ge­biet all­ge­mei­ne Päd­ago­gik über­nom­men. Herz­li­chen Glück­wunsch!

Vie­len Dank!

Zu unse­rer gemein­sa­men Koope­ra­ti­on, also der Koope­ra­ti­on zwi­schen der Hoch­schu­le für ange­wand­te Päd­ago­gik und der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin gehört unter ande­rem der berufs­be­glei­ten­de Bache­lor­stu­di­en­gang Sozia­le Arbeit. Wor­in sehen Sie die Beson­der­hei­ten und Vor­tei­le die­ser Koope­ra­ti­on für sich aber auch für unse­ren gemein­sa­men Stu­die­ren­den?

Ich glau­be, dass es immer gut ist, einen Part­ner an der Sei­te zu haben, der noch eine zusätz­li­che Per­spek­ti­ve und auch Exper­ti­se in so einem wich­ti­gen Feld wie der ziel­ge­rich­te­ten Berufs­aus­bil­dung und dem Stu­di­um ein­bringt. Der Part­ner hat eine enge Ver­bin­dung zu den Men­schen in den Ein­satz­stel­len. Das ist, glau­be ich, eine ganz wich­ti­ge Grund­la­ge, um ein Stu­di­um zu gestal­ten, wo es immer dar­auf ankommt, Bezü­ge zwi­schen Theo­rie und Pra­xis her­zu­stel­len und sich gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen.

Der Bedarf an gut aus­ge­bil­de­ten Fach­kräf­ten im Bereich der Sozia­len Arbeit in Deutsch­land, aber auch ins­be­son­de­re in Ber­lin, ist ja nach wie vor beson­ders hoch. Inwie­fern kann die­ser Stu­di­en­gang dazu bei­tra­gen, dem ent­ge­gen­zu­wir­ken?

Ich wür­de erst­mal zu noch etwas ganz Wich­ti­ges ergän­zen. Ja, der Bedarf ist hoch in den Fel­dern, die wir nor­ma­ler­wei­se schon im Blick haben: also bei­spiels­wei­se Pro­ble­me in der Schu­le oder in der Fami­lie, Kon­flik­te im Freun­des­kreis, Sucht­pro­ble­ma­tik, Umgang mit Leis­tung, Ein­sam­keit, Umgang mit Sozia­len Medi­en

in der Gesell­schaft, Kli­ma­kri­se und so wei­ter. Das Gan­ze ist schon ein Rie­sen­pa­ket bis dahin! Und jetzt haben wir auch noch die Coro­na-Kri­se. Sie hat für mich zwei, drei wich­ti­ge Aspek­te noch hin­zu­ge­bracht. Die jun­gen Men­schen, mit denen wir arbei­ten und die sich pro­fes­sio­na­li­sie­ren wol­len, set­zen sich ganz anders mit ihrer eige­nen Gesund­heit, aber auch mit der Gesund­heit ihrer Mit­men­schen aus­ein­an­der. Gleich­zei­tig hat die­se Coro­na­kri­se so eine Art Brenn­glas-Funk­ti­on gehabt und Pro­ble­me und ihre Dring­lich­keit noch ein­mal ver­schärft.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es von gro­ßer Bedeu­tung, dass die Men­schen die Sozia­le Arbeit leis­ten, mit einem hohen Grad an Qua­li­fi­ka­ti­on in die­se Arbeit hin­ein­ge­hen und dass die­se Arbeits­pro­zes­se durch Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung und Aus­tausch ver­nünf­tig beglei­tet wer­den. Nur so kön­nen ein hoher Grad an Pro­fes­sio­na­li­tät und letz­ten Endes auch pro­fes­sio­nel­ler Distanz zu den Men­schen, mit denen man arbei­tet erreicht wer­den. Zum ande­ren ist die Qua­li­fi­ka­ti­on auch für die gute Arbeit in einem Team – mög­lichst in einem mul­ti­pro­fes­sio­nel­len Team oder sogar in einem trans­pro­fes­sio­nel­len Team – von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Dabei geht es auch dar­um, Wert­schät­zung und Selbst­wirk­sam­keit zu erfah­ren. In unse­rem berufs­be­glei­ten­den Stu­di­en­gang wer­den die­se Din­ge in beson­de­rer Art und Wei­se unter­stützt, weil das Erle­ben im Han­deln einer­seits und das Reflek­tie­ren die­ser Pro­zes­se ande­rer­seits zu Grund­re­geln wer­den.

Es ist, als ob Sie die nächs­te Fra­ge schon vor­weg­ge­nom­men haben, denn da hät­te ich jetzt nach den inhalt­li­chen Schwer­punk­ten gefragt, die Sie für beson­ders rele­vant hal­ten. Vie­les habe ich gera­de schon raus­ge­hört.

Das stimmt! Wenn ich da jetzt einen zusam­men­fas­sen­den, opti­mis­ti­schen Wunsch for­mu­lie­ren dürf­te: Ich wür­de mir wün­schen, in die­sem Stu­di­um Men­schen für solch ein mul­ti- bezie­hungs­wei­se trans­pro­fes­sio­nel­les Team zu qua­li­fi­zie­ren, in dem gemein­sam mit ande­ren Pro­fes­sio­nen wie Son­der­päd­ago­gin­nen und Son­der­päd­ago­gen, Lehr­kräf­ten, Psy­cho­lo­gin­nen und Psy­cho­lo­gen sowie Schul­hel­fe­rin­nen und Schul­hel­fern, die alle ihre Rol­le und ihre Pro­fes­si­on ein­brin­gen, mit gegen­sei­ti­ger Aner­ken­nung und Wert­schät­zung, gear­bei­tet wür­de. Und das bei ange­mes­se­ner Bezah­lung! In den ein­zel­nen Fel­dern kann eine ange­mes­se­ne Bezah­lung nur über eine sehr qua­li­fi­zier­te Aus­bil­dung, also ein Stu­di­um lau­fen. Wenn in dem gemein­sa­men Wir­ken deut­lich wird, dass die Arbeit von einem Men­schen aus dem Feld der Sozia­len Arbeit, die­sel­be Qua­li­tät, die sel­be Aner­ken­nung hat, wie zum Bei­spiel die einer Lehr­kraft, wird sie eine viel höhe­re Akzep­tanz erfah­ren.

Damit wären wir schon bei der nächs­ten Fra­ge, die in Rich­tung der Ein­rich­tun­gen und Trä­ger geht: Wor­in soll­ten denn die Arbeitgeber:innen die Vor­tei­le sehen, in die Wei­ter­bil­dung ihrer Fach­kräf­te zu inves­tie­ren? Wel­che über­ge­ord­ne­ten Zie­le lie­ßen sich damit ver­bin­den?

Das Ent­schei­den­de sind hier der Theo­rie-Pra­xis-Abgleich und der zuge­hö­ri­ge Refle­xi­ons­an­teil. Die­ser hohe Refle­xi­ons­an­teil muss dazu füh­ren, dass der ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter, die ein­zel­ne Mit­ar­bei­te­rin auch an seine:ihre Ein­rich­tung zurück­spie­geln kann, wie die Arbeits­pro­zes­se lau­fen bezie­hungs­wei­se wo Opti­mie­rungs­be­darf besteht. So kann eine kri­ti­sche Hin­ter­fra­gung oder auch ein Moni­to­ring der eige­nen Arbeits­pro­zes­se und der eige­nen Ent­wick­lung in die Ein­rich­tung hin­ein­ge­bracht wer­den.

Das glei­che gilt auch in die ande­re Rich­tung. Natür­lich gehört es dazu, dass sowohl die Ein­rich­tung als auch die Hoch­schu­le unmit­tel­bar in Eva­lua­ti­ons­pro­zes­se mit­ein­be­zo­gen wer­den und auch Gegen­stand der Eva­lua­tio­nen wer­den, um dann auf die­ser Basis auch ihre eige­nen Pro­zes­se kri­tisch zu reflek­tie­ren. Die­ser dau­er­haf­te Aus­tausch spielt eine gro­ße Rol­le.

Wenn man es dann noch schafft, ein mehr­di­men­sio­na­les Super­vi­si­ons­sys­tem zu imple­men­tie­ren, kommt man ganz weit vor­an. Es muss für den Ein­zel­nen die Mög­lich­keit geben im eige­nen Arbeits­feld oder Pra­xis­feld eine Super­vi­si­on zu erfah­ren. Für die Stu­die­ren­den muss es genau­so die Mög­lich­keit geben, in der Hoch­schu­le eine Super­vi­si­on zu erfah­ren. Die­ses Zusam­men­spiel zwi­schen Trä­ger und Hoch­schu­le kann viel bewir­ken. Einer­seits kann eine gemein­sa­me Metho­de ein­ge­setzt wer­den, hier mit dem Stich­wort Super­vi­si­on. Dann kann das gan­ze theo­re­tisch reflek­tiert wer­den. Auf der ande­ren Sei­te kann die­se theo­re­ti­sche Reflek­ti­on aus den Semi­na­ren wie­der in die eige­ne Ein­rich­tung zurück­ge­spie­gelt wer­den. Also bes­ser kann man über das per­sön­li­che Wir­ken in so einem wich­ti­gen Arbeits­feld gar nicht mit­ein­an­der in eine Aus­ein­an­der­set­zung tre­ten. Das ist der gro­ße Wert von berufs­be­glei­ten­den Aus­bil­dun­gen!

Vie­len Dank für die­se Aus­füh­run­gen! Wem wür­den Sie denn zu einem Stu­di­um der Sozia­len Arbeit raten?

Jedem Men­schen, dem es wich­tig ist, mit ande­ren Men­schen gut zu arbei­ten, sie zu unter­stüt­zen und zu för­dern, dies in ers­ter Linie für die ande­ren Men­schen macht. Gleich­zei­tig soll­te er oder sie aber auch in der Lage sein,

eine pro­fes­sio­nel­le Distanz auf­zu­brin­gen.

Und wel­che Erkennt­nis­se wür­den Sie den Stu­die­ren­den wün­schen, was sie im Rah­men des Stu­di­ums errei­chen? Was liegt Ihnen da beson­ders am Her­zen?

Es ist ein unglaub­lich wert­vol­les Arbeits­feld. Ein Arbeits­feld, das iden­ti­täts­schaf­fend und bestär­kend sein kann, in dem ich aus mir selbst her­aus­ge­hen und eine eige­ne Stär­ke ent­wi­ckeln kann, die ich in das Arbeits­feld ein­brin­gen kann. Ande­rer­seits muss ich auch ganz klar Situa­tio­nen schaf­fen kön­nen, in denen ich mich von die­sen gan­zen Pro­zes­sen distan­zie­re und wie­der zu mir selbst zurück­keh­re, Kraft schöp­fe und nicht von mor­gens bis abends gedank­lich und emo­tio­nal in der Sozia­len Arbeit hän­ge.

Eine abschlie­ßen­de Fra­ge habe ich noch: Kön­nen wir als Aka­de­mie oder Sie als Leh­ren­der auch etwas von den Stu­die­ren­den ler­nen?

Ele­men­tar viel! Ich glau­be, dass die Stu­die­ren­den eine wirk­lich wich­ti­ge Auf­ga­be haben: näm­lich uns mit den The­men zu ver­sor­gen! Man kann sich Pro­blem­la­gen vor Augen füh­ren, man kann ganz vie­le Fall­ana­ly­sen machen. Doch das Wich­tigs­te ist doch, dass immer wie­der Leben in die­se Fel­der hin­ein­kommt, sowohl in den Ein­rich­tun­gen als auch in der Hoch­schu­le.

Damit sind wir eigent­lich auch wie­der bei dem The­ma vom Anfang, an dem wir im Moment nicht vor­bei­kom­men. Wer hät­te vor andert­halb Jah­ren gedacht, dass die Coro­na­kri­se die Bezie­hun­gen so ver­än­dert. Wie sol­len wir das in unse­re Arbeits­wirk­lich­keit inte­grie­ren, in unse­re Qua­li­fi­zie­rungs­an­ge­bo­te, in die Hoch­schu­len, wenn nicht die Stu­die­ren­den ganz klar zurück­spie­geln, was es eigent­lich bedeu­tet? Das glei­che gilt auch für die Zukunft bei ganz

ele­men­ta­ren Fra­gen rund um Kli­ma, um euro­päi­sche Sicher­heit, um all die­se gan­zen Din­ge. Was bedeu­ten sie für den ein­zel­nen Men­schen? Wie geht er oder sie damit um? Das krie­gen wir durch die Berich­te aus der Pra­xis, durch das eige­ne Erle­ben und durch die eige­nen Schwie­rig­kei­ten von den­je­ni­gen mit, die bei uns arbei­ten oder die sich bei uns qua­li­fi­zie­ren.

Vie­len Dank für das Gespräch!

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Zivil­ge­sell­schaft unter Druck – mit Wir­kungs­ori­en­tie­rung die Kri­se meis­tern

15. Juni 2021 | Wir­kung

ein Gast­bei­trag von Anne Jeg­lin­ski

Gera­de in Pan­de­mie-Zei­ten hat sich durch ihre Prä­senz und ihre inno­va­ti­ven Ideen wie­der gezeigt, dass freie

gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen, als Teil der Zivil­ge­sell­schaft, sys­tem­re­le­vant sind und unse­re Gesell­schaft zusam­men­hal­ten. Den­noch wird die Wir­kung ihrer Arbeit gleich­zei­tig auch in Fra­ge gestellt, wenn es um aus­kömm­li­che Finan­zie­rung und um Augen­hö­he bei Ver­hand­lun­gen mit Poli­tik und Ver­wal­tung geht. Errei­chen sie

wirk­lich das bei den Ziel­grup­pen, was sie sich vor­ge­nom­men haben? Sind die Ziel­grup­pen ein­ge­bun­den? Sind die Orga­ni­sa­tio­nen fähig in der Kri­se zu agie­ren?

Dabei neh­men die gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen zu. Die gegen­wär­ti­ge Coro­na-Pan­de­mie hat die­se wie durch ein Brenn­glas sicht­bar gemacht. Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen wie Kitas, Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, Woh­nungs­lo­sen­hil­fe, Nach­bar­schafts­zen­tren, Jugend­clubs oder Hilfs­diens­te haben seit Beginn der Pan­de­mie ihr Mög­lichs­tes getan, um auch wei­ter­hin für Men­schen da sein zu kön­nen.

Gera­de jetzt müss­te sozia­le Arbeit mehr unter­stützt und finan­ziert wer­den, denn die Fol­gen der Coro­na­kri­se sind

gra­vie­rend. Die Gefahr besteht jedoch, dass es im Hin­blick auf Haus­halts­ver­hand­lun­gen ver­mehrt um finan­zi­el­le

Kür­zun­gen auch im sozia­len Bereich gehen wird.

Augen­hö­he durch wir­kungs­ori­en­tier­tes Arbei­ten erzeu­gen

Wie kön­nen gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen damit umge­hen? Wie kön­nen wir selbst dazu bei­tra­gen, dass

Dis­kus­sio­nen auf Augen­hö­he geführt wer­den? Wie kön­nen wir von einem Dis­kurs über Ein­spa­run­gen zu einem gemein­sa­men Aus­tausch über gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen und erwünsch­te Wir­kun­gen von Ange­bo­ten und Vor­ha­ben kom­men?

Der Fokus auf der Wir­kung sozia­ler Arbeit bie­tet enor­me Vor­tei­le für den Dia­log mit rele­van­ten Sta­ke­hol­dern wie Poli­tik, Ver­wal­tung und Geld­ge­bern. Einer­seits kann die Wir­kungs­ori­en­tie­rung als Steue­rungs­hil­fe trans­pa­ren­ter auf­zei­gen, ob beab­sich­tig­te Ver­än­de­run­gen ein­ge­tre­ten sind. Ande­rer­seits ist sie hilf­reich dabei dem Trend zur exter­nen ex-post Eva­lua­ti­on etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Denn was bringt es, Leis­tun­gen auf ihre Wir­kun­gen hin zu über­prü­fen, wenn vor­her nicht wir­kungs­ori­en­tiert kon­zi­piert, geplant, umge­setzt und ana­ly­siert wur­de? Die­ses Wis­sen kann ein­ge­setzt wer­den, um Wir­kungs­dia­lo­ge mit Poli­tik, Ver­wal­tung sowie wei­te­ren Sta­ke­hol­dern anzu­re­gen, ein­zu­for­dern und aktiv mit­zu­ge­stal­ten.

Fokus auf die Wir­kun­gen sozia­ler Arbeit set­zen

Mit­ar­bei­ten­de in gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­tio­nen haben oft ein untrüg­li­ches Gespür für die Ziel­grup­pen ihrer

Arbeit und die Wir­kun­gen, die sie erzie­len. Es gelingt aller­dings nicht immer, das für Exter­ne ver­ständ­lich und struk­tu­riert zu ana­ly­sie­ren und zu kom­mu­ni­zie­ren.

Der Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band hat sich bereits Ende 2014 auf den Weg gemacht Wir­kungs­ori­en­tie­rung für die Zivil­ge­sell­schaft zugäng­lich zu machen. Seit­dem haben wir von ver­schie­de­nen Akteu­ren im Gebiet der Wir­kungs­ori­en­tie­rung wie z.B. dem gemein­nüt­zi­gen Ana­ly­se- und Bera­tungs­haus Phineo gAG und vie­len ande­ren gelernt. Aus­ge­hend von die­sen Erfah­run­gen, hat der Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band Ber­lin ein eige­nes Wir­kungs­mo­dell erstellt, erprobt und für sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen nutz­bar gemacht. Es basiert auf bestehen­den Model­len, kom­bi­niert, ergänzt und ent­wi­ckelt die­se wei­ter.

Wozu wur­de das Wir­kungs­mo­dell ent­wi­ckelt?

Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen sind Seis­mo­gra­fen der Gesell­schaft und müs­sen als Kri­sen-Bewäl­ti­ge­rin­nen sozi­al-inno­va­tiv den­ken und han­deln. Dafür brau­chen sie Werk­zeu­ge und Metho­den. Dabei kann die Wir­kungs­ori­en­tie­rung und das Wir­kungs­mo­dell des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des Ber­lin unter­stüt­zen. Wir­kungs­ori­en­tiert Vor­ha­ben zu kon­zi­pie­ren, zu pla­nen, durch­zu­füh­ren, zu ana­ly­sie­ren und dar­über zu berich­ten sehen wir als Schlüs­sel zu mehr Augen­hö­he mit Poli­tik, Ver­wal­tung, Geld­ge­bern und ande­ren rele­van­ten Akteu­ren.

Ange­mes­sen dar­stel­len zu kön­nen, wozu sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen ihre Leis­tun­gen bzw. Akti­vi­tä­ten durch­füh­ren, auf wel­cher Grund­la­ge sie die­se kon­zi­piert haben und wel­che Ergeb­nis­se und Wir­kun­gen sie auf Ebe­ne der Ziel­grup­pen damit erreicht haben, ermög­licht ihnen, kon­kret und struk­tu­riert zu berich­ten.

Wir­kungs­ori­en­tie­rung als Hal­tung beför­dert das pro­zess­ori­en­tier­te ite­ra­ti­ve Arbei­ten. Das Wir­kungs­mo­dell des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrt­ver­ban­des ermög­licht es gemein­nüt­zi­gen und gemein­wohl­ori­en­tier­ten Orga­ni­sa­tio­nen Wir­kungs­ori­en­tie­rung in die Denk­wei­se von Mit­ar­bei­ten­den ein­flie­ßen zu las­sen.

Wie funk­tio­niert das Wir­kungs­mo­dell?

Das Wir­kungs­mo­dell ist eine ver­ein­fach­te Dar­stel­lung davon, wozu und wie Wir­kun­gen bei Ziel­grup­pen bzw. dar­über hin­aus in Bezug auf die Gesell­schaft erzielt wer­den. Es erleich­tert die Pla­nung und Ana­ly­se von Ergeb­nis­sen und Wir­kun­gen, indem vor Beginn der Umset­zungs­pha­se Annah­men über Zusam­men­hän­ge zwi­schen den

Inter­ven­tio­nen und den dar­aus fol­gen­den Wir­kun­gen getä­tigt wer­den.

Wir­kungs­zu­sam­men­hän­ge wer­den nach Zie­len, Inhal­ten und Metho­den hypo­the­tisch ent­wor­fen. Es ent­steht die spe­zi­fi­sche Wir­kungs­lo­gik für das Vor­ha­ben. Die Wir­kungs­zie­le glie­dern sich in Wir­kun­gen in Bezug auf die

gesell­schaft­li­che Ebe­ne (Impact) und Wir­kun­gen auf Ebe­ne der Zielgruppe(n) (Out­co­mes). Die ange­dach­ten Leis­tun­gen bzw. Akti­vi­tä­ten (Out­puts) die­nen dazu, die Zielgruppe(n) zu errei­chen, um Wir­kun­gen auf der Ebe­ne der Zielgruppe(n) zu ermög­li­chen. Die Umset­zung der Leis­tun­gen bzw. Akti­vi­tä­ten ist also essen­zi­ell, um über­haupt Wir­kung erzeu­gen zu kön­nen.

Wir­kungs­ori­en­tiert zu arbei­ten bedeu­tet, Vor­ha­ben von der Wir­kung her zu pla­nen. Es geht dar­um eine Rück­kopp­lung zu der gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­rung ein­zu­bau­en und die Rah­men­beding­ungen immer wie­der zu über­prü­fen. Es geht auch um die Ein­be­zie­hung und Par­ti­zi­pa­ti­on der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer (Ziel­grup­pen)

der Ange­bo­te, näm­lich dar­um, die Res­sour­cen die­ser Men­schen zu erken­nen, ein­zu­be­zie­hen und sich das Feed­back die­ser adres­sier­ten Ziel­grup­pen ein­zu­ho­len.

Her­aus­for­de­run­gen der Wir­kungs­ori­en­tie­rung in der sozia­len Arbeit

Selbst­ver­ständ­lich fin­det sozia­le Arbeit unter Bedin­gun­gen statt, die von wach­sen­der Kom­ple­xi­tät geprägt sind. Wir­kungs­mo­del­le sind eine Reduk­ti­on der Wirk­lich­keit. Wenn wir Wir­kun­gen ana­ly­sie­ren machen wir Aus­sa­gen über Ursa­che-Wir­kungs-Bezie­hun­gen. Kei­ne Metho­dik bil­det alle Ebe­nen sozia­ler Wir­kung ab. Wir kön­nen aber Annä­he­run­gen zwi­schen Tätig­keit und Wir­kung tref­fen. Nach­hal­ti­ge­re Wir­kun­gen sind sicher schwe­rer nach­zu­wei­sen, als Wir­kun­gen auf Ebe­ne der Ziel­grup­pen, die wir befra­gen kön­nen. Das Wir­kungs-Modell des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des Ber­lin ist aus der Pra­xis her­aus ent­stan­den. Es wur­de ent­wi­ckelt, um in der Pra­xis Men­schen und Orga­ni­sa­tio­nen der sozia­len Arbeit zu die­nen.

Wir wol­len Mut machen wir­kungs­ori­en­tiert zu arbei­ten, denn über die Beschrei­bung der inten­dier­ten Wir­kun­gen, die For­mu­lie­rung von Wir­kungs­zie­len und Wir­kungs­hy­po­the­sen kön­nen wir Aus­sa­gen über den Zusam­men­hang zwi­schen Leis­tun­gen und vor­ab ver­mu­te­ter Wir­kung tref­fen.  Selbst wenn wir uns nur annä­hern, sind das doch wich­ti­ge Hin­wei­se für sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen und deren Sta­ke­hol­der.

Wir­kungs­ori­en­tie­rung anwen­den ler­nen

Wer ler­nen möch­te wir­kungs­ori­en­tiert  zu arbei­ten, fin­det dazu Kur­se an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie. Inner­halb des Inno­va­ti­ons­fo­rums gibt es sowohl Ein­stei­ger­kur­se, also auch den Zer­ti­fi­kats­kurs Wir­kungs­ori­en­tie­rung.

Gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on, Insti­tu­tio­nen und Ver­bän­de, die sich außer­dem als Gan­zes auf den Weg machen möch­ten und mit dem Ansatz der Wir­kungs­ori­en­tie­rung Ver­än­de­rungs­pro­zes­se ansto­ßen möch­ten, bera­ten wir selbst­ver­ständ­lich auch indi­vi­du­ell für maß­ge­schnei­der­te Inhouse-Ange­bo­te oder beglei­ten­de Coa­chings.

Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen sind die Basis auf der unse­re Demo­kra­tie steht. Sie ste­hen für gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt, für Soli­da­ri­tät und für Mensch­lich­keit. Die Leis­tun­gen, die sie erbrin­gen und die

Wir­kun­gen, die sie mit ihrer Arbeit erzie­len gilt es noch viel deut­li­cher sicht­bar zu machen. Denn sie wir­ken.

Zur Autorin:

Anne Jeg­lin­ski ist Lei­te­rin der Geschäfts­stel­le Bezir­ke, Inno­va­ti­on und Wir­kung beim Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band Ber­lin

Wir­kungs­ma­nage­ment

Zer­ti­fi­kats­kurs

Ein­füh­rung in die Wir­kungs­ori­en­tie­rung

Semi­nar

Wir­kungs­ori­en­tie­rung Pra­xis­tag: Fall­bei­spiel und Übun­gen

Semi­nar

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und indi­vi­du­el­le Bera­tung zu Inhouse Ange­bo­ten und

beglei­ten­dem Coa­ching

Annet­te Loy

Bereichs­lei­tung Semi­na­re

Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin

loy@akademie.org

030 275 8282 15

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Ehren­amts­ma­nage­ment inten­siv –

ein Erfah­rungs­be­richt

14. JUNI 2021 | BÜR­GER­SCHAFT­LI­CHES ENGA­GE­MENT

Ehren­amts­ma­nage­ment inten­siv – Zer­ti­fi­kats­kurs

Ein Erfah­rungs­be­richt von Gül Yavuz

Als ich im Novem­ber 2019 den Zer­ti­fi­kats­kurs „Ehren­amts­ma­nage­ment inten­siv“ an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin begann, war ich mir nicht sicher, ob mir die­se Fort­bil­dung wirk­lich nüt­zen wür­de. Ich hat­te schließ­lich schon selbst jah­re­lang als Frei­wil­li­ge gear­bei­tet und auch viel Erfah­rung im Umgang mit Enga­gier­ten in der eige­nen Orga­ni­sa­ti­on gesam­melt. Den­noch war ich neu­gie­rig auf das, was mich erwar­ten wür­de, irgend­et­was Neu­es wäre sicher­lich dabei. Nicht abseh­bar war zu die­sem Zeit­punkt die lan­ge Dau­er die­ser Work­shoprei­he, die sich wegen der Coro­na-Pan­de­mie über ein Jahr hin­ge­zo­gen hat. Rück­wir­kend kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, die­sen Kurs gemacht zu haben, auch trotz der Ver­la­ge­rung von Prä­senz- zu Online- und Misch­for­ma­ten und dem gro­ßen Zeit­fens­ter.

Der Zer­ti­fi­kats­kurs

Der Kurs begann im Novem­ber 2019 in den Räu­men der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie in Ber­lin Mit­te als Prä­senz-Ver­an­stal­tung. Es ging zunächst um das gegen­sei­ti­ge Ken­nen­ler­nen und ers­te Zugän­ge zu dem The­ma. Es wur­de gleich deut­lich: pas­siv konn­te hier nie­mand sein. Unse­re Dozen­tin­nen Bea­te Häring und Chris­tia­ne Bie­der­mann führ­ten uns in abwechs­lungs­rei­chen Ses­si­ons, in Groß- und Klein­grup­pen mit denk­wür­dig chic design­ten Flip­charts von The­ma zu The­ma: War­um eigent­lich der Begriff „Manage­ment“? Wie fin­den Frei­wil­li­ge zu uns und wie blei­ben sie? Wel­che Per­so­nas kön­nen wir unse­ren Frei­wil­li­gen zuord­nen?

Es gab eine schier end­lo­se Palet­te an Berei­chen, die wir behan­del­ten, auch die Abste­ckung des recht­li­chen Rah­mens durch einen Rechts­an­walt gehör­te dazu. Beson­ders im Gedächt­nis geblie­ben ist mir per­sön­lich die Ses­si­on mit den soge­nann­ten „Motiv­la­gen“. Motiv­la­gen sind die indi­vi­du­el­len Antriebs­mo­ti­ve von Men­schen, die es zu ver­ste­hen gilt, wenn sie von einer Sache über­zeugt wer­den sol­len. Oft wer­den Motiv­la­gen falsch inter­pre­tiert: war­um bei­spiels­wei­se jeman­dem Ver­ant­wor­tung anbie­ten, wenn die­se Per­son in ihrem Enga­ge­ment eigent­lich ein­fach nur Kaf­fee kochen will? In die­ser Ses­si­on gab es viel Geläch­ter, alle hat­ten hier ihre indi­vi­du­el­len Geschich­ten von Miss­ver­ständ­nis­sen.

Die indi­vi­du­el­len Arbei­ten zwi­schen den Kur­sen

Im Zuge des Semi­nars hat­ten wir Teil­neh­men­den auch Haus­auf­ga­ben auf: wir soll­ten selbst ein Frei­wil­li­ges Enga­ge­ment auf­neh­men und so eine Ein­rich­tung aus der Per­spek­ti­ve von Frei­wil­li­gen ken­nen­ler­nen. Als zwei­tes soll­ten wir ein selbst­ge­wähl­tes The­ma in unse­rer Arbeit wei­ter vor­an­trei­ben. Zwi­schen­durch tra­fen wir uns in

Klein­grup­pen in Zoom-Mee­tings um uns gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen.

Fazit

Durch den Zer­ti­fi­kat­kurs Ehren­amts­ma­nage­ment inten­siv habe ich nun das Gefühl, bes­ser für mei­ne Arbeit gewapp­net zu sein. Ich ver­ste­he das Feld Ehren­amts­ma­nage­ment als kom­ple­xes Sys­tem, das ich aus jeder mög­li­chen Per­spek­ti­ve reflek­tiert habe. Das ist für mich per­sön­lich etwas Neu­es und ein gro­ßer Gewinn. Wie Arbeit mit Frei­wil­li­gen „gema­nagt“ wer­den muss, wenn sie es erfolg­reich sein soll, habe ich ver­stan­den. Die Ähn­lich­kei­ten zum Manage­ment-Pro­zess im For-Pro­fit-Bereich sind deut­lich. Außer­dem kann ich nun auf kon­kre­te Hand­lungs­stra­te­gien zurück­grei­fen, die wir im Work­shop­p­ro­zess indi­vi­du­ell erar­bei­tet haben.

Eine ech­te Berei­che­rung ist außer­dem das gro­ße Netz­werk an Kolleg:innen aus ganz Deutsch­land, das sich durch die gemein­sa­me Work­shop­ar­beit auto­ma­tisch gebil­det hat. Wir waren wirk­lich eine schö­ne Gemein­schaft in die­ser Zeit.

Nicht zuletzt liegt der Erfolg der Fort­bil­dung aber auch an den zwei tol­len Dozen­tin­nen Bea­te Häring und Chris­tia­ne Bie­der­mann, die uns immer gut gelaunt und kom­pe­tent durch das krea­ti­ve Pro­gramm geführt haben. Einen herz­li­chen Dank an die bei­den.

Zur Autorin: Gül Yavuz arbei­tet als Koor­di­na­to­rin für digi­ta­les Enga­ge­ment bei der oskar | frei­wil­li­genagen­tur lich­ten­berg

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Maga­zin

Von 0 auf 100 in 

einer Pan­de­mie?

20. MAI 2021 | Inno­va­ti­on & Digi­ta­li­sie­rung

Digi­ta­li­sie­rung der Sozia­len Arbeit im Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­band Ber­lin und der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin

Ein Gast­bei­trag von Chris­ti­an Sie­vert

Nach der gefühlt 1000sten Video­kon­fe­renz und end­los voll­ge­schrie­be­nen Pads fra­gen sich wohl mitt­ler­wei­le vie­le:

Ist das jetzt die Digi­ta­li­sie­rung der Sozia­len Arbeit von der immer gespro­chen wird? Und wahr­schein­lich noch viel öfter: Bleibt das jetzt so? Dies und noch eini­ges mehr woll­ten wir auch von unse­ren mehr als 800 Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des Ber­lin wis­sen. Aber der Rei­he nach.

Mit der Ein­füh­rung eines neu­en Arbeits­be­rei­ches, der Digi­ta­li­sie­rung in der Sozia­len Arbeit, trägt der Pari­tä­ti­sche

Ber­lin den sich immer wei­ter­ent­wi­ckeln­den Rah­men­beding­ungen Rech­nung. Im ers­ten Jahr der Coro­na-Pan­de­mie lag der Fokus noch dar­auf, gemein­sam mit der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin schnel­le Unter­stüt­zung für unse­re

Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen anzu­bie­ten. Wir haben unse­re Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen zum Bei­spiel bei der tech­ni­schen Aus­stat­tung, beim The­ma Daten­schutz, oder auch bei der Durch­füh­rung von Online­ver­an­stal­tun­gen unter­stützt und geschult. Somit konn­ten wir einen wich­ti­gen Bei­trag dazu leis­ten, dass unse­re Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen trotz der Pan­de­mie arbeits­fä­hig blie­ben. Aller­dings sind dabei auch The­men lie­gen geblie­ben.

Wo der Schuh drückt.

Eines unse­rer Anlie­gen war es, zunächst ein Ver­ständ­nis dafür zu ent­wi­ckeln, wo das The­ma Digi­ta­li­sie­rung in der

Sozia­len Arbeit bei unse­ren Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen im Ver­band aktu­ell ver­or­tet ist. Dazu grif­fen wir, ganz ana­log, zum Tele­fon. Neben Fra­gen zu Bedar­fen und Her­aus­for­de­run­gen inter­es­sier­te uns ins­be­son­de­re, wie wir als Ver­band unse­re Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen am bes­ten unter­stüt­zen kön­nen. Wäh­rend die Umfra­ge und deren Aus­wer­tung noch eini­ge Zeit in Anspruch neh­men wird, las­sen sich schon jetzt eini­ge inter­es­san­te Schlüs­se dar­aus zie­hen. Als ers­tes sticht her­vor, dass die Coro­na-Pan­de­mie in vie­len Orga­ni­sa­tio­nen Pro­zes­se beschleu­nigt hat, die schon län­ger anstan­den. Wo im Janu­ar 2020 viel­leicht doch dis­ku­tiert wor­den ist, ob man ein­mal Video­kon­fe­renz­sys­te­me aus­pro­bie­ren soll­te, war spä­tes­tens im März klar, dass ohne eine digi­ta­le Infra­struk­tur,

vul­nerable Ziel­grup­pen even­tu­ell gar nicht mehr erreicht wer­den kön­nen. Dem­entspre­chend waren Eile und Prag­ma­tis­mus gebo­ten. Dies hat im sel­ben Atem­zug aber auch ver­deut­licht, mit wel­chen Her­aus­for­de­run­gen sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen im Bereich Digi­ta­li­sie­rung kon­fron­tiert sind. Hier ste­hen vor allem man­geln­de Res­sour­cen im Vor­der­grund. Ins­be­son­de­re klei­ne­re Orga­ni­sa­tio­nen haben immer wie­der damit zu kämp­fen, dass

in ihren Zuwen­dun­gen die wach­sen­de digi­ta­le Infra­struk­tur, die für moder­ne Sozia­le Arbeit not­wen­dig ist, nicht vor­ge­se­hen ist. Dem­entspre­chend hoch ist auch der Wei­ter­bil­dungs­be­darf in die­sem Bereich. Sei es Daten­schutz, Pro­zess­op­ti­mie­rung, agi­le Füh­rung, oder auch die Fra­ge, wie teu­er eine eigent­lich eine gute IT-Bera­tung sein soll­te. Ein Fakt sticht aber beson­ders her­vor: alle Orga­ni­sa­tio­nen mes­sen der Digi­ta­li­sie­rung im Fach­be­reich der Sozia­len Arbeit eine gro­ße Bedeu­tung zu und noch viel wich­ti­ger: fast alle haben auch Lust, sich mit die­sem The­ma inten­siv zu beschäf­ti­gen.

Und jetzt?

Genau die­se Dyna­mik auf­zu­grei­fen und dar­aus zusam­men mit der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie pass­ge­naue Ange­bo­te für unse­re Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen zu ent­wi­ckeln, ist das Anlie­gen des Ver­ban­des. Eine zen­tra­le Rol­le spielt dabei

schon jetzt das Pari­tä­ti­sche Digi­tal­fo­rum (https://paritaetisches-digitalforum.de). Hier gibt es schon jetzt zahl­rei­che Ange­bo­te zu Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung und die Inhal­te und For­ma­te wer­den kon­ti­nu­ier­lich wei­ter aus­ge­baut. Ange­fan­gen mit kur­zen und bün­di­gen Vor­trags­rei­hen über regel­mä­ßi­ge Bera­tungs­an­ge­bo­te bis hin zu neu­en Netz­werk­ver­an­stal­tun­gen wol­len wir noch mehr Platz bie­ten für Aus­tausch und neue Ideen. Gleich­zei­tig geben wir unse­ren Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen mit Wei­ter­bil­dun­gen die Instru­men­te an die Hand, die sie brau­chen, um den digi­ta­len Wan­del nicht nur zu erle­ben, son­dern auch mit­zu­ge­stal­ten.

Zum Autor:

Chris­ti­an Sie­vert ­­arbei­tet für den Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band LV Ber­lin e.V. im Bereich Digi­ta­li­sie­rung

Foto © Stef­fen Herb­rechts­mei­er-Kauffmann

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Maga­zin

Die Sozi­al­wirt­schaft ist ein Arbeits­feld mit Zukunft

10. MAI 2021 | Mas­ter Sozi­al­ma­nage­ment

Im Gespräch mit Dr. Joa­chim Rock, Dozent im Mas­ter Sozi­al­ma­nage­ment

Unser berufs­be­glei­ten­der Mas­ter­stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment ver­mit­telt die Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten, sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen auf der Basis fun­dier­ter recht­li­cher und betriebs­wirt­schaft­li­cher Manage­ment­kennt­nis­se zu füh­ren und zu lei­ten. Wie vie­le unse­rer Dozie­ren­den ver­bin­det Dr. Joa­chim Rock dort Pra­xis und Leh­re. Im Inter­view mit unse­rer Refe­ren­tin Johan­na Brö­mer gibt er Ein­bli­cke in sei­ne Arbeit und spricht über die Her­aus­for­de­run­gen für Füh­rungs­kräf­te in der Sozi­al­wirt­schaft.

Herr Rock, neben Ihrer Tätig­keit als Dozent bei uns im Stu­di­en­gang arbei­ten Sie für den Pari­tä­ti­schen Gesamt­ver­band. Wel­che Auf­ga­ben haben Sie dort genau?

Im Pari­tä­ti­schen Gesamt­ver­band lei­te ich die Abtei­lung „Arbeit, Sozia­les und Euro­pa“. Hier bear­bei­ten wir das gesam­te Arbeits­feld der „Archi­tek­tur der Sozia­len Siche­rungs­sys­te­me“, vom Hartz-IV-Sys­tem über Arbeits­markt- und Alters­si­che­rungs­po­li­tik bis hin zu den Inter­es­sen der Beschäf­ti­gungs­trä­ger im Pari­tä­ti­schen. Wei­te­re Refe­ra­te sind der kom­mu­na­len Sozi­al­po­li­tik und der Euro­pa- und Bil­dungs­po­li­tik gewid­met. In unse­rer Abtei­lung ist auch die Pari­tä­ti­sche For­schungs­stel­le ange­sie­delt. Wir arbei­ten dort an der Wei­ter­ent­wick­lung der Sozi­al­staa­tes und der Sozia­len Arbeit im Sin­ne des Pari­tä­ti­schen und sei­ner Mit­glie­der. Lang­wei­lig wird’s nicht.

Was ist Ihre Moti­va­ti­on, zusätz­lich als Dozent im Stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment zu unter­rich­ten?

In den Stu­di­en­gän­gen tref­fen sehr enga­gier­te und moti­vier­te Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen mit unter­schied­li­chen

Hin­ter­grün­den, aus den ver­schie­dens­ten Arbeits­fel­dern und Regio­nen zusam­men. Die Aka­de­mie schafft damit eine inspi­rie­ren­de Lern­um­ge­bung, selbst für die Dozen­tin­nen und Dozen­ten. Das reizt mich. Die Ver­net­zungs­mög­lich­kei­ten sind ein zusätz­li­ches Plus. Vie­le der Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten tref­fe ich spä­ter

in der Pra­xis, häu­fig in Lei­tungs­po­si­tio­nen, wie­der.

Was sind die inhalt­li­chen Schwer­punk­te Ihrer Ver­an­stal­tun­gen? Wel­che The­men leh­ren Sie bei uns?

Ich wid­me die Leh­re den soge­nann­ten Rah­men­beding­ungen des Sozi­al­ma­nage­ments und ver­su­che Ent­wick­lungs­li­ni­en auf­zu­zei­gen: wie hat sich Sozia­le Arbeit, wie hat sich Wohl­fahrts­pfle­ge und Sozi­al­wirt­schaft ent­wi­ckelt? Was bedeu­te­te das heu­te für uns, und wel­che Her­aus­for­de­run­gen erge­ben sich dar­aus für die Zukunft? Was machen wir damit?

Ein Schwer­punkt des Mas­ter­stu­di­en­gangs Sozi­al­ma­nage­ment ist ja die Qua­li­fi­zie­rung von (zukünf­ti­gen) Füh­rungs­kräf­ten in der Sozi­al­wirt­schaft. War­um ist die­se Qua­li­fi­zie­rung wich­tig und wel­chen Bei­trag leis­tet das Stu­di­um an der Aka­de­mie dabei?

Die Sozi­al­wirt­schaft, vor allem aber die gemein­nüt­zi­ge Wohl­fahrts­pfle­ge, ist ein Arbeits­feld mit Zukunft. Der

Bedarf an Leis­tun­gen in die­sem Bereich wird künf­tig noch wei­ter wach­sen. Die damit ver­bun­de­nen Her­aus­for­de­run­gen las­sen sich nicht mit Lösun­gen von der Stan­ge bewäl­ti­gen. Dazu braucht es Kom­pe­ten­zen aus Theo­rie und Pra­xis, vor allem aber die ange­wand­te Lie­be zur Welt und den Men­schen, wie es Johan­nes Rau ger­ne for­mu­lier­te.

Inwie­fern ist das The­ma „Wohl­fahrts­staat­li­che Rah­men­beding­ungen“ dafür rele­vant?

Nie­mand schafft sich sei­ne Umwelt selbst, wir alle leben in einem Rah­men, der gege­ben ist, aber gestal­tet wer­den

kann. Wir müs­sen dazu wis­sen, was ges­tern war und was das Heu­te geprägt hat, wenn wir uns heu­te schon für mor­gen enga­gie­ren möch­ten. Die Bedin­gun­gen dafür müs­sen wir uns bewusst machen.

Haben Sie bei Ihren Vor­le­sun­gen bestimm­te Lern- oder Qua­li­fi­ka­ti­ons­zie­le vor Augen?

Natür­lich. Vor allem geht es nicht dar­um, ein­zel­ne Zah­len, Daten und Fak­ten zu wie­der­ho­len. Es geht dar­um, sich die „Regeln des Spiels“, sei­ne Grund­la­gen und Mecha­nis­men nicht nur zu erschlie­ßen und trans­pa­rent zu machen, son­dern immer wie­der neue Ant­wor­ten auf die Fra­gen zu for­mu­lie­ren, wie wir Wir­kung in der Welt, in der wir leben, erzie­len kön­nen: Nicht abs­trakt, son­dern ganz kon­kret, für die Gesell­schaft und die Men­schen, die sie aus­ma­chen.

Wel­che Erkennt­nis­se wün­schen Sie sich für die Stu­die­ren­den im Rah­men des Stu­di­ums? Gibt es irgend­et­was, das Ihnen beson­ders am Her­zen liegt?

Weni­ge hun­dert Meter tren­nen die Aka­de­mie vom Lebens‑, Arbeits- und Ruheort Ber­tolt Brechts. Er hat uns einen Impe­ra­tiv über­las­sen, den es zu beher­zi­gen gilt: Ände­re die Welt. Sie braucht es.

Vie­len Dank für das Gespräch!

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Maga­zin

Kon­flikt – ewi­ger Fluch oder Chan­ce im Job?

23. MÄRZ 2021 | ORGA­NI­SA­TI­ON & ENT­WICK­LUNG

Kon­flikt – ewi­ger Fluch oder Chan­ce im Job?

Ein Gast­bei­trag von Judit Tei­chert

Unru­he und Kon­flik­te in Teams und Orga­ni­sa­tio­nen sind läs­tig und ärger­lich und ner­vig und so wahn­sin­nig unpro­duk­tiv. Streit ist doch eigent­lich immer über­flüs­sig und kräf­te­zeh­rend. Wie schön wäre die Welt ohne Kon­flik­te?

Wirk­lich? Ja, irgend­wie schon. Natür­lich wäre es toll, wenn alles immer nur har­mo­nisch wäre. Wir ver­wen­den ent­spre­chend auch sehr viel Zeit, Ener­gie und Geld dar­auf, Kon­flik­te mög­lichst gar nicht erst ent­ste­hen zu las­sen oder zumin­dest so schnell wie mög­lich aus dem Weg zu räu­men. Die Füh­rungs­kräf­te, die ich beglei­te, berich­ten oft davon, wie­viel „Druck von oben“ sie nicht an ihr Team wei­ter­ge­ben, um kei­nen Kon­flikt auf­kom­men zu las­sen.

Aber wenn ich ehr­lich bin, habe ich immer dann am meis­ten gelernt, wenn ich mich einem Kon­flikt gestellt habe und ihm so rich­tig auf den Grund gegan­gen bin. Ich möch­te dich ein­la­den, eine neue Per­spek­ti­ve auf Kon­flik­te im Arbeits­um­feld ein­zu­neh­men: Kon­flik­te sind – fast immer – pro­duk­tiv und bie­ten eine Chan­ce, das Ler­nen und Fort­schritt statt­fin­det. Das alles ist natür­lich ein­fa­cher gesagt als getan. Des­we­gen stel­le ich eini­ge Ideen vor, wie du erkennst, ob ein Kon­flikt pro­duk­tiv ist, wie du ihn in pro­duk­ti­ve Bah­nen len­ken kannst und wie du dei­ne eige­ne Kon­flikt­to­le­ranz auf­bau­en kannst.

Die eige­ne Kon­flikt­to­le­ranz ent­wi­ckeln

Für Men­schen ist es unter­schied­lich leicht, Kon­flik­te aus­zu­hal­ten. Mir fällt es beruf­lich als Trai­ne­rin und Bera­te­rin recht leicht, weil ich dort von außen beob­ach­te und Impul­se gebe. Pri­vat tue ich mich schwe­rer. Hier bin ich selbst Teil des Sys­tems und ver­tre­te eige­ne Inter­es­sen. Ob jemand Kon­flik­te gut tole­riert hängt also nicht nur von der Per­sön­lich­keit ab, son­dern vari­iert auch je nach Situa­ti­on.

Vie­le Men­schen reagie­ren inner­lich panisch, wenn es kon­flikt­haft wird und ver­su­chen dann Har­mo­nie her­zu­stel­len: Lösun­gen anbie­ten oder durch­set­zen, beru­hi­gen und

besänf­ti­gen, den Kon­flikt ver­mei­den oder es „schön“ machen. Dadurch wird es schwer, den Kon­flikt als Lern­mo­ment zu nut­zen.

Kon­flik­te aus­zu­hal­ten und in pro­duk­ti­ve Bah­nen zu len­ken kann man ler­nen. Ähn­lich wie

Schwim­men. So wie man schwim­men nicht im offe­nen Atlan­tik lernt, son­dern im Nicht­schwim­mer­be­cken, so geht es im ers­ten Schritt dar­um, den Kon­flikt zu beob­ach­ten und bes­ser zu ver­ste­hen.

Kon­flik­te als Lern­mo­men­te

Wenn du das nächs­te Mal mit einem Kon­flikt kon­fron­tiert bist – mit einem Kol­le­gen oder einer Kol­le­gin, im Team oder in dei­ner Orga­ni­sa­ti­on –­ dann hal­te inne und sage dir: Was für eine groß­ar­ti­ge Gele­gen­heit! Was mag mir die­ser Kon­flikt auf­zei­gen? (Schon okay, wenn dir das zunächst nur schwer über die Lip­pen kommt).

Hier zwei typi­sche Bei­spie­le, die mir in der Arbeit mit Sozi­al­or­ga­ni­sa­tio­nen häu­fig begeg­nen:

1.     In einer Jugend­hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on ran­gel­ten Abtei­lun­gen mit wirt­schaft­li­chem Hin­ter­grund (Con­trol­ling, Per­so­nal­bü­ro, betriebs­wirt­schaft­li­ches Manage­ment) mit den päd­ago­gi­schen Abtei­lun­gen dar­um, wer wich­ti­ger für das Fort­kom­men der Orga­ni­sa­ti­on ist. Nicht so direkt natür­lich, aber immer wie­der schwan­gen in Sit­zun­gen Sti­che­lei­en mit, dass die einen „nur auf die Zah­len ach­ten“ wäh­rend die ande­ren „kein Gespür dafür haben,

dass es finan­zi­el­le Gren­zen gibt“. Es gab wenig Aus­tausch zwi­schen den ver­schie­de­nen Lagern, die Päd­ago­gen fühl­ten sich zu wenig als wert­schöp­fen­de Kraft wert­ge­schätzt und die admi­nis­tra­ti­ven Abtei­lun­gen fühl­ten sich zu wenig in ihrer Arbeit unter­stützt und in ihrer Wich­tig­keit eben­falls nicht aner­kannt.

2.     In einer ande­ren Orga­ni­sa­ti­on fand ein Genera­tio­nen­wech­sel statt. Vie­le lang­jäh­ri­ge Mit­ar­bei­ten­de soll­ten nun mit eini­gen neu­en, deut­lich jün­ge­ren Kolleg:innen zusam­men­ar­bei­ten, die ande­re Vor­stel­lun­gen von Zusam­men­ar­beit hat­ten und sehr moti­viert Ver­än­de­run­gen dies­be­züg­lich ansto­ßen woll­ten. Auch hier war die Atmo­sphä­re in Team­termi­nen ange­spannt, immer wie­der ent­stan­den Rei­bun­gen dar­um, wie Pro­zes­se bis­her

gestal­tet waren, wie drin­gend Ver­än­de­run­gen ange­gan­gen wer­den soll­ten und was gut lief, so wie es war.

Kon­flik­te sind zunächst ein span­nen­der Indi­ka­tor dafür, dass es sich lohnt, genau hin­zu­schau­en und hin­zu­hö­ren. Denn Kon­flik­te zei­gen auf:

  • wo Ver­än­de­rungs­ar­beit statt­fin­den muss.
  • wo Dis­sens in einem Team vor­herrscht und ernst genom­men wer­den muss.
  • wo Brü­cken zwi­schen ver­schie­de­nen Tei­len eines Teams oder eines Unter­neh­mens gebaut wer­den soll­ten.
  • wo Lei­tung und ande­re Team­mit­glie­der neu­gie­rig nach­fra­gen kön­nen: Du scheinst das anders als ich

zu sehen. Kannst du mir bit­te mehr erzäh­len?

Die Pro­duk­ti­vi­tät von Kon­flik­ten ein­schät­zen

Natür­lich sind nicht alle Kon­flik­te pro­duk­tiv. Nur: Wor­an mer­ke ich, dass ein Kon­flikt scha­det und nicht nützt? Eine Mög­lich­keit ist sich vor­zu­stel­len, dass bei einem Kon­flikt „Hit­ze“ oder auch „Unru­he“ ent­steht. Das Aus­maß der Hit­ze kann jedoch schwan­ken:

1 Gerin­ge Hit­ze = Kom­fort­zo­ne: Hier fin­det wenig pro­duk­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung statt. Oft ist das der Zustand, in dem Men­schen einen Kon­flikt unter den Tep­pich keh­ren.

2 Sehr hohe Hit­ze = Panik­zo­ne: Hier fin­det auch wenig pro­duk­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung statt, denn die Men­schen füh­len sich durch den Kon­flikt über­for­dert.

3 Zwi­schen die­sen bei­den Zonen = Lern­zo­ne: Der Bereich, in dem Ler­nen und nach­hal­ti­ge Ver­än­de­rung statt­fin­det, in dem die Men­schen sich betei­li­gen und Fort­schrit­te erzie­len.

Kon­flik­te sind also immer dann pro­duk­tiv, wenn die Hit­ze ange­mes­sen dosiert ist: Es muss drin­gend und heiß genug sein, dass sich die betrof­fe­nen Per­so­nen aus ihrer Kom­fort­zo­ne her­aus­be­we­gen und dass Ler­nen und Aus­ein­an­der­set­zung mög­lich sind. Gleich­zei­tig darf die Tole­ranz­schwel­le der Per­so­nen für Hit­ze nicht über­schrit­ten wer­den – es darf nicht zu heiß wer­den. Es lohnt sich, gut ein­zu­ord­nen, ob das, was man beob­ach­tet, Anzei­chen

für Ler­nen, für Panik oder für Kom­fort ist.

Mög­li­che Indi­ka­to­ren für Ler­nen sind:

  • Es wird inhalt­lich und authen­tisch dis­ku­tiert.
  • Es wer­den offen kon­tro­ver­se Stand­punk­te ange­spro­chen.

Eini­ge Indi­ka­to­ren für Panik (und Ach­tung! Panik bedeu­tet nicht nur „wüten­des oder ängst­li­ches Aus­agie­ren“ son­dern kann alle For­men von Kämp­fen, Flüch­ten und Erstar­ren anneh­men), z.B.:

  • men­ta­les Raus­bea­men
  • tat­säch­li­ches Ver­las­sen des Rau­mes
  • Atta­ckie­ren, Bloß­stel­len, schwar­ze Peter zuschie­ben
  • Dis­kus­sio­nen über die Art der Tref­fen, die Art der Mode­ra­ti­on, …
  • Fest­hal­ten an tech­ni­schen Aspek­ten des Pro­blems

Eini­ge Indi­ka­to­ren für Kom­fort kön­nen sein:

  • pas­si­ve Teil­nah­mekei­ne oder nur ver­ein­zel­te Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me
  • wenig Betei­li­gung (expli­zit ver­bal oder auch wenig Mit­den­ken)

Pro­duk­ti­ve Kon­flik­te regu­lie­ren und Ler­nen beför­dern

Im ers­ten Schritt lohnt es sich, bes­ser dar­in zu wer­den, Kon­flik­te, die Hit­ze, die dadurch ent­steht und den Umgang damit gelas­se­ner zu beob­ach­ten. Anschlie­ßend stel­len sich natür­lich die Fra­gen: Wie kann ich die Tem­pe­ra­tur regu­lie­ren? Wann und wie grei­fe ich in Kon­flik­te ein, damit Ler­nen statt­fin­det?

Um die Tem­pe­ra­tur zu erhö­hen eig­nen sich fol­gen­de Stra­te­gien:

1.    schwie­ri­ge und zen­tra­le Fra­gen fokus­sie­ren

2.    den Betei­lig­ten mehr Ver­ant­wor­tung geben als das Maß, mit dem sie sich wohl füh­len (wohl dosier­te (Über-)Forderung)

3.    Kon­flik­te spür­bar und expli­zit wer­den las­sen

4.    pro­vo­ka­ti­ve Kom­men­ta­re tole­rie­ren

5.    die Grup­pen­dy­na­mik im Hier-und-Jetzt benen­nen und als Spie­gel zen­tra­ler Her­aus­for­de­run­gen der Grup­pe nutz­bar machen (z.B. die Ver­ant­wor­tung kom­plett an die Auto­ri­tät abge­ben bei einer Orga­ni­sa­ti­on, die mit stei­ler Hier­ar­chie hadert; jemand ein­zel­nen als schwar­zen Peter brand­mar­ken und alle Ver­ant­wor­tung bei die­ser Per­son sehen bei einer Orga­ni­sa­ti­on, die sich mit der Mar­gi­na­li­sie­rung von Min­der­hei­ten beschäf­tigt)

Wenn es zu heiß wird, wird Ler­nen unmög­lich. Die­se Stra­te­gien redu­zie­ren Hit­ze:

1.     die­je­ni­gen Aspek­te mit den offen­sicht­lichs­ten Lösun­gen adres­sie­ren, eben­so wie sol­che, die

durch Exper­ti­se oder Auto­ri­tät ent­schie­den wer­den kön­nen

2.     Struk­tur geben, indem (a) das Pro­blem in Tei­le auf­ge­bro­chen wird, (b) ein zeit­li­cher Hori­zont vor­ge­ge­ben wird oder © Regeln für Ent­schei­dun­gen und Auf­ga­ben für

ver­schie­de­ne Rol­len auf­ge­stellt wer­den

3.     kurz­zei­tig die Ver­ant­wor­tung für schwie­ri­ge Pro­ble­me über­neh­men (aber nicht ver­ges­sen, die Men­schen wie­der zu betei­li­gen bei kol­lek­ti­ven Her­aus­for­de­run­gen!)

4.     Ver­mei­dungs­me­cha­nis­men nut­zen (eine Pau­se neh­men, eine Geschich­te oder einen Witz erzäh­len, eine Übung machen, …)

5.     den Pro­zess ent­schleu­ni­gen: Nor­men und Erwar­tun­gen weni­ger rasant oder weni­ger auf ein­mal hin­ter­fra­gen

Ins­be­son­de­re Füh­rungs­kräf­te regu­lie­ren die Hit­ze oft all­zu schnell her­un­ter, um für Har­mo­nie zu sor­gen. Im obi­gen Bei­spiel der Jugend­hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on war die Ver­su­chung für den Geschäfts­füh­rer groß, die ver­schie­de­nen

Lager (Pädagog:innen, admi­nis­tra­ti­ve Abtei­lun­gen) immer wie­der zu besänf­ti­gen und sich an den hohen Erwar­tun­gen bei­der Sei­ten auf­zu­rei­ben anstatt den Kon­flikt direkt zu benen­nen und einen pro­duk­ti­ven Aus­tausch der betei­lig­ten Per­so­nen zu för­dern. Die­ses Ver­hal­ten einer Füh­rungs­kraft ist sehr ver­ständ­lich. Sie möch­te damit eine Eska­la­ti­on ver­mei­den, nicht an ange­spann­ter Atmo­sphä­re schul­dig sein und für gute Stim­mung sor­gen. Doch oft­mals ist genau das kon­tra­pro­duk­tiv und ver­hin­dert Ler­nen. Ins­be­son­de­re Füh­rungs­kräf­te soll­ten des­halb ihre

Fähig­keit, Kon­flik­te aus­zu­hal­ten, zu regu­lie­ren und gar zu orches­trie­ren bewusst ent­wi­ckeln.

Quel­len und Wei­ter­füh­ren­de Lite­ra­tur

Hei­fetz, R. A., Grashow, A., & Lin­sky, M. (2009). The prac­ti­ce of adap­ti­ve lea­ders­hip: Tools and tac­tics

for chan­ging your orga­niz­a­ti­on and the world. Bos­ton, MA: Har­vard Busi­ness Press.

O’Bri­en, T. (2019, June 18). When Your Job Is Your Iden­ti­ty, Pro­fes­sio­nal Fail­u­re Hurts More [Web log post]. Retrie­ved from https://hbr.org/2019/06/how-we-confuse-our-roles-with-our-self

Foto: © Lupo // Cor­de­ro

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Maga­zin

Mehr Teil­ha­be von Men­schen mit schwe­rer Behin­de­rung

9. MÄRZ 2021 | EIN­GLIE­DE­RUNGS­HIL­FE

Die neue Multiplikator:innen-Qualifikation der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie in Koope­ra­ti­on mit der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin

Die Wei­ter­bil­dung wird von Herrn Prof. Dr. Wolf­gang Lamers und Frau Dr. Nad­ja Meli­na Bur­gio, wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, koor­di­niert und unter ihrer Lei­tung in die Pra­xis umge­setzt. Dafür haben sie her­vor­ra­gen­de Dozie­ren­de aus dem Fach­be­reich Päd­ago­gik bei geis­ti­ger Behin­de­rung gewin­nen kön­nen, um gemein­sam eine umfas­sen­de und auf das Auf­ga­ben­feld bezo­ge­ne (Weiter-)Qualifizierung der Multiplikator:innen zu gewähr­leis­ten. Im Fol­gen­den stellt Frau Dr. Bur­gio Hin­ter­grün­de und Zie­le der Wei­ter­bil­dung aus­führ­lich vor.

Hin­ter­grund der Wei­ter­bil­dung

In meh­re­ren For­schungs­pro­jek­ten hat sich gezeigt, dass ein bis dato orga­ni­sa­to­risch und qua­li­ta­tiv sehr unter­schied­li­ches Bild bezo­gen auf die För­der- und Bil­dungs­an­ge­bo­te in För­der- und Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen besteht. Teil­wei­se ori­en­tie­ren sich die­se nicht an den Bedürf­nis­sen und Fähig­kei­ten der Men­schen mit schwe­rer und mehr­fa­cher Behin­de­rung. Es man­gelt an arbeits­welt­be­zo­ge­nen Ange­bo­ten und einer damit ver­bun­de­nen Bil­dungs­be­glei­tung für die­sen Per­so­nen­kreis. Dies konn­te u.a. dar­auf zurück­ge­führt wer­den, dass für die tages­struk­tu­rie­ren­den Ein­rich­tun­gen bis­her weder in der Pra­xis noch im Bereich der Fach­wis­sen­schaft umfäng­li­che und fun­dier­te Kon­zep­te exis­tie­ren, die für die Pla­nung und Gestal­tung von Ange­bo­ten als Ori­en­tie­rung die­nen kön­nen. Dar­über hin­aus wur­de deut­lich, dass bei vie­len Mitarbeiter:innen ein Qua­li­fi­ka­ti­ons­be­darf hin­sicht­lich des päd­ago­gi­schen Grund­la­gen­wis­sens und der metho­disch-didak­ti­schen Fähig­kei­ten besteht.

Den hier skiz­zier­ten Pro­blem­fel­dern hat sich das For­schungs­pro­jekt Qua­li­täts­of­fen­si­ve För­der­be­reich (Quo F) der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin ange­nom­men. Für die Wissenschaftler:innen war es Motiv und Her­aus­for­de­rung zugleich, sich mit der Fra­ge aus­ein­an­der zu set­zen, wel­chen Bei­trag sie für die Pra­xis leis­ten kön­nen, der Mitarbeiter:innen dar­in unter­stützt, erwach­se­nen Men­schen mit schwe­rer Behin­de­rung einen viel­fäl­ti­gen und inter­es­san­ten All­tag durch eine umfas­sen­de gesell­schaft­li­che Teil­ha­be zu ermög­li­chen.

Dabei sind Mate­ria­li­en ent­stan­den, die im Rah­men eines Multiplikator:innenprogramms dazu

bei­tra­gen, Fach­kräf­te in der Arbeit mit Men­schen mit schwe­ren und mehr­fa­chen Behin­de­run­gen im Erwach­se­nen­al­ter wei­ter zu pro­fes­sio­na­li­sie­ren und sie dar­in unter­stützt adäqua­te För­der- und Bil­dungs­an­ge­bo­te zu pla­nen und durch­zu­füh­ren.

Zie­le der Multiplikator:innen-Qualifikation

Die Multiplikator:innen-Qualifikation ver­folgt zwei wesent­li­che Zie­le:

1. Ziel: Aus­bau von Hand­lungs­kom­pe­ten­zen der Fach­kräf­te in der Arbeit mit Men­schen mit schwe­ren und mehr­fa­chen Behin­de­run­gen

Im For­schungs­pro­jekt Quo F wur­den aus­ge­hend von theo­re­ti­schen Über­le­gun­gen zur Lebens­qua­li­tät und ‑zufrie­den­heit sowie zu Ent­wick­lungs­auf­ga­ben im Erwach­se­nen­al­ter von Men­schen mit schwe­ren und mehr­fa­chen Behin­de­run­gen zen­tra­le The­men­fel­der für die inhalt­li­che Arbeit in den Berei­chen All­tag, Arbeit und Kul­tur bestimmt. Es wur­den spe­zi­fi­sche Modu­le ent­wi­ckelt, die pra­xis­re­le­van­tes Grund­la­gen­wis­sen in unter­schied­li­chen

The­men­be­rei­chen bei­spiels­wei­se Bio­gra­fie­ar­beit, Erken­nen und För­dern von Kom­pe­ten­zen sowie Wis­sen zu Kom­mu­ni­ka­ti­on und Spra­che ver­mit­teln. In der Wei­ter­bil­dung wird zum einen die­ses Wis­sen gemein­sam mit den Teil­neh­men­den erar­bei­tet, zum ande­ren wird metho­disch-didak­ti­sches Know­how zur Ange­bots­ge­stal­tung erfah­ren. Fach­kräf­te mit unter­schied­li­chem Qua­li­fi­ka­ti­ons­hin­ter­grund in ver­schie­de­nen Berei­chen sol­len so pro­fes­sio­na­li­siert wer­den, im All­tag arbeits­welt­ori­en­tier­te, all­tags­ori­en­tier­te und kul­tu­rel­le Ange­bo­te ent­spre­chend der indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se der schwer und mehr­fach­be­hin­der­ten Men­schen zu pla­nen, umzu­set­zen und zu reflek­tie­ren.

2. Ziel: Tätig­keit als Multiplikator:in

Als zukünftige:r Multiplikator:in soll das in der Wei­ter­bil­dung ver­mit­tel­te Wis­sen an ande­re Fach­kräf­te wei­ter­ge­ben wer­den kön­nen, des­halb beinhal­tet die Qua­li­fi­ka­ti­on zudem die Ver­mitt­lung von didak­tisch-metho­di­schen Ele­men­ten aus der Erwach­se­nen­päd­ago­gik. Da der E‑Lear­ning-Bereich ein essen­ti­el­ler Bestand­teil aktu­el­len und zukünf­ti­gen Ler­nens dar­stellt und durch den der­zei­ti­gen Digi­ta­li­sie­rungs­schub sich immer wei­ter ent­wi­ckeln wird, sind auch Ele­men­te des Online-Lear­ning bei der Kon­zep­ti­on berück­sich­tigt und wer­den den Teil­neh­men­den im Rah­men der Wei­ter­bil­dung vor­ge­stellt.

Bedeu­tung der Multiplikator:innen-Qualifikation

Fach­kräf­te erhal­ten durch die Teil­nah­me an der Wei­ter­bil­dung die Mög­lich­keit sich bezüg­lich der metho­disch-didak­ti­schen Gestal­tung von Ange­bo­ten wei­ter zu qua­li­fi­zie­ren. Sie erler­nen für den Per­so­nen­kreis ent­spre­chen­de Ange­bo­te zu kon­zi­pie­ren und umzu­set­zen. Men­schen mit schwe­rer und mehr­fa­cher Behin­de­rung kön­nen nur durch eine ent­spre­chen­de Bil­dung und För­de­rung ihre eige­ne (Selbst-)Wirksamkeit und Pro­duk­ti­vi­tät erfah­ren und damit auch ihre Chan­ce auf sozia­le und gesell­schaft­li­che Teil­ha­be ver­bes­sern. Durch die Qua­li­fi­zie­rung von Multiplikator:innen erhal­ten Ein­rich­tun­gen die Mög­lich­keit das erwor­be­ne Wis­sen an Mitarbeiter:innen wei­ter­zu­ge­ben und inner­halb der Orga­ni­sa­ti­on zu sichern. Kom­pe­ten­zen kön­nen dadurch lang­fris­tig erhal­ten blei­ben. Dies ist nicht nur wich­tig für die Ein­rich­tun­gen, son­dern auch bedeut­sam für die Men­schen mit schwe­rer und mehr­fa­cher Behin­de­rung. Sie haben damit die Chan­ce lang­fris­tig auf sie abge­stimm­te Bil­dungs- und För­der­an­ge­bo­te durch qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zu erhal­ten.

Foto: © Mar­cus Schlich­t­ing

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Maga­zin

Sozia­le Arbeit

lebt vom Dis­kus

04. FEBRU­AR 2021 | FÜH­RUNG

Unser Dozent Marek Kör­ner im Inter­view

In unse­rem Mas­ter­lehr­gang Manage­ment von Sozi­al­ein­rich­tun­gen – Schwer­punkt Kin­der- und Jugend­ein­rich­tun­gen wer­den Fähig­kei­ten ver­mit­telt, sozia­le Ein­rich­tun­gen auf der Basis recht­li­cher, betriebs­wirt­schaft­li­cher und in der Pra­xis bewähr­ter Manage­ment­kennt­nis­se zu füh­ren und zu lei­ten. Mit wis­sen­schaft­li­cher Her­an­ge­hens­wei­se ent­wi­ckeln die Stu­die­ren­den ein Ver­ständ­nis für Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren in kom­ple­xen gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Zusam­men­hän­gen. Das pra­xis­ori­en­tier­te Stu­di­um ist so kon­zi­piert, dass durch die Bear­bei­tung rea­ler und aktu­el­ler Pro­blem­stel­lun­gen das Gelern­te sofort im Berufs­all­tag anwend­bar ist. In den Stu­di­en­gän­gen leh­ren neben Professor:innen und Lehr­be­auf­trag­ten auch Praktiker:innen aus der Sozi­al­wirt­schaft. Seit 6 Jah­ren gehört auch Marek Kör­ner zu unse­ren Dozie­ren­den.

Im Inter­view mit Vio­la Stritt­mat­ter spricht er über sei­ne Moti­va­ti­on, in die­sem Stu­di­en­gang zu leh­ren und über die Beson­der­hei­ten des Stu­di­en­an­ge­bots.

Wo und in wel­cher Posi­ti­on arbei­ten Sie der­zeit?

Ich arbei­te Bei FRÖ­BEL Bil­dung und Erzie­hung gGmbH als Pro­ku­rist, Bereichs­lei­ter West, sowie als Geschäfts­lei­ter der Regi­on Köln-Berg. FRÖ­BEL Bil­dung und Erzie­hung gGmbH ist im Bereich der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen mit knapp 17.000 betreu­ten Kin­dern und ca. 4.000 Mitarbeiter:innen Deutsch­lands größ­ter Frei­er Trä­ger.

Was ist Ihre Moti­va­ti­on als Dozent in die­sem Stu­di­en­gang tätig zu sein? Was führ­te sie zu uns?

Durch mei­ne lang­jäh­ri­ge Beschäf­ti­gung beim Pari­tä­ti­schen Hes­sen als Refe­rent für Sozia­le Arbeit war mir die Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie als Fort- und Wei­ter­bil­dungs­stät­te natür­lich umfas­send bekannt und geschätzt. Die Ver­bin­dung und auch Gren­zen von wis­sen­schaft­li­cher Theo­rie und Leh­re sowie deren Ent­spre­chung und Umset­zung in die Pra­xis Sozia­ler Arbeit sind span­nend und her­aus­for­dernd.

Was leh­ren Sie im Stu­di­en­gang und war­um ist die­ses The­ma für die Qua­li­fi­zie­rung von (zukünf­ti­gen) Füh­rungs­kräf­ten in Ein­rich­tun­gen der Kin­der- und Jugend­hil­fe so wich­tig?

Mei­ne Leh­re befasst sich mit den Rah­men­beding­ungen und Grund­sät­zen der Finan­zie­rung in der Kin­der- und Jugend­hil­fe, sowie der Theo­rie und Pra­xis der Sozi­al­raum­ori­en­tie­rung. Die Befas­sung mit den indi­vi­du­el­len, aber auch sozi­al­räum­li­chen Bedürf­nis­sen und Bedar­fen der betrof­fe­nen Men­schen, deren sozi­al­recht­li­che Inter­pre­ta­ti­on und gesetz­li­che Ein­ord­nung, ist eine bedeu­ten­de Grund­la­ge der Sozia­len Arbeit und des Sozi­al­staats­prin­zips. Füh­rungs­kräf­te haben u.a. die Auf­ga­be die­sen Anspruch in stra­te­gi­sches, wirt­schaft­li­ches und finan­zi­el­les Han­deln für ihre sozia­le Insti­tu­ti­on umzu­set­zen. Die gelun­ge­ne Aus­hand­lung von Koope­ra­tio­nen, Ver­trä­gen und Ver­ein­ba­run­gen stellt dabei eine wich­ti­ge Basis des Erfol­ges und letzt­lich der guten Wir­kung für die Betrof­fe­nen dar.

Was ist aus ihrer Sicht das Beson­de­re an dem Stu­di­en­gang?

Ein­deu­tig die Teilnehmer:innen! Sie kom­men aus den unter­schied­li­chen Fel­dern der Sozia­len Arbeit, brin­gen ihre bereits gemach­ten per­sön­li­chen und fach­li­chen Erfah­run­gen, Kennt­nis­se, aber natür­lich auch Fra­gen und kri­ti­schen Aspek­te direkt ein und tra­gen dazu bei, eine beson­de­re Atmo­sphä­re des Dia­lo­ges, Nach­den­kens und Ler­nens zu gestal­ten.

Haben Sie von den Stu­die­ren­den etwas gelernt und wenn ja, was?

Sozia­le Arbeit – über­haupt die Arbeit mit Men­schen – lebt vom Dis­kurs und vom Betrach­tungs­stand­punkt. Ich habe mit den Stu­die­ren­den gelernt, Din­ge aus ihren ver­schie­de­nen fach­li­chen Per­spek­ti­ven zu betrach­ten und dabei ande­re Her­an­ge­hens­wei­sen und Lösun­gen zu sehen.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Foto: © Bet­ti­na Straub

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Maga­zin

Wir­kungs-

manage­ment 2018

09. MAI 2018 | SEMI­NA­RE

Eine Wei­ter­bil­dung für Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des Ber­lin

Was uns antreibt

Sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen wol­len etwas in der Gesell­schaft zum Posi­ti­ven ver­än­dern. Sie wol­len die Situa­ti­on ihrer Ziel­grup­pe ver­bes­sern – älte­re, kran­ke oder abhän­gi­ge Men­schen, Fami­li­en, arme Men­schen oder Men­schen mit Behin­de­rung. Das heißt, sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen bemü­hen sich dar­um, dass ihre Arbeit eine gesell­schaft­li­che Wir­kung zeigt. Aber wie kön­nen sie beur­tei­len, ob ihre Arbeit die gewünsch­te Ver­än­de­rung erreicht?

Die­se Kon­zept­viel­falt erschwert Geld­ge­bern wie auch Ver­tre­tern der Sozi­al­wirt­schaft mög­lich­wei­se, sich mit den Ansät­zen der Wir­kungs­ori­en­tie­rung ver­tieft aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die­se Wei­ter­bil­dung Wir­kungs­ma­nage­ment führt in die Denk­wei­sen der Wir­kungs­ori­en­tie­rung ein und befä­higt die Teil­neh­men­den dazu, die Arbeits­pro­zes­se in ihrer Orga­ni­sa­ti­on wir­kungs­ori­en­tiert zu pla­nen, zu steu­ern und ihre Wir­kung trans­pa­rent zu machen.

Als Dach- und Spit­zen­ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge wol­len wir das The­ma Wir­kungs­ori­en­tie­rung im Kon­text der sozia­len Arbeit kon­kret mit­ge­stal­ten, die Debat­te um die Wirk­sam­keit sozia­ler Arbeit wei­ter vor­an­brin­gen, und bie­ten des­halb ein Pro­gramm zur Wir­kungs­ori­en­tie­rung an. Unse­re Erfah­run­gen damit zei­gen: Es gibt Metho­den, die uns hel­fen, die Wir­kungs­ori­en­tie­rung zum Nut­zen sozia­ler Orga­ni­sa­tio­nen und deren Kli­en­tel zu imple­men­tie­ren.

Zwei Part­ner – ein gemein­sa­mes Ziel

Der Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band Ber­lin hat in Koope­ra­ti­on mit der Phineo gAG, einem gemein­nüt­zi­gen Ana­ly­se- und Bera­tungs­haus für wir­kungs­vol­les gesell­schaft­li­ches Enga­ge­ment, von 2014 bis 2017 ein umfang­rei­ches Pilot­pro­jekt zur Wir­kungs­ori­en­tie­rung durch­ge­führt. Der Pilot umfass­te 17 Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen aus zwei Refe­ra­ten (Jugend­hil­fe /Hilfen zur Erzie­hung und Sucht/HIV/Aids/Gesundheit). Die Erfah­run­gen der sozia­len Orga­ni­sa­tio­nen und ihren Mit­ar­bei­ten­den in der prak­ti­schen Umset­zung von Wir­kungs­ori­en­tie­rung wur­den als äußerst gewinn­brin­gend ein­ge­schätzt. Der Fokus lag dar­auf, Vor­aus­set­zun­gen, Chan­cen und Gren­zen von Wir­kungs­ori­en­tie­rung aus­zu­lo­ten.

Zie­le und Ziel­grup­pen – wen wir errei­chen wol­len

Wir wol­len Mit­ar­bei­ten­de der teil­neh­men­den Orga­ni­sa­tio­nen und all­ge­mein Inter­es­sier­te zu Wir­kungs­ma­na­ge­rin­nen und ‑mana­gern aus­bil­den. Im Zusam­men­hang mit der Wei­ter­bil­dung sol­len Wir­kungs­pro­jek­te in den Orga­ni­sa­tio­nen umge­setzt wer­den. Ziel­grup­pen der Wei­ter­bil­dung sind Pari­tä­ti­sche Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie deren Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter auf der Fach‑, Pro­jekt- und Lei­tungs­ebe­ne und all­ge­mein Inter­es­sier­te an dem Bereich Wir­kungs­ori­en­tie­rung.

Ansatz und Aus­rich­tung

Die Wir­kungs­ma­nage­ment-Wei­ter­bil­dung basiert auf dem Ansatz, Pro­jek­te und Ange­bo­te sozia­ler Arbeit auf ihre Wir­kung hin zu ana­ly­sie­ren, zu pla­nen und umzu­set­zen. Wir­kungs­ori­en­tier­te Orga­ni­sa­tio­nen betrei­ben die­sen Pro­zess bewusst und steu­ern ihn aktiv. Sie klä­ren ihre Wir­kungs­lo­gik, for­mu­lie­ren kon­kre­te Wir­kungs­zie­le, lei­ten Indi­ka­to­ren ab und über­prü­fen sys­te­ma­tisch ihre Ziel­er­rei­chung mit ange­mes­se­nen Metho­den. In der Wei­ter­bil­dung ste­hen das Üben der Metho­den und ihre Anwen­dung im Vor­der­grund, wobei Dis­kus­sio­nen theo­re­ti­scher Model­le unver­zicht­ba­rer Bestand­teil sind. Eine Pro­zess­be­glei­tung der ein­zel­nen Wir­kungs-Pro­jek­te der Teil­neh­men­den erfolgt.

Aus­blick in die Zukunft – nach der Wei­ter­bil­dung geht es wei­ter

Die Wei­ter­bil­dung „Wir­kungs­ma­nage­ment“ in der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie ist ein ers­ter und wich­ti­ger Schritt, der das The­ma Wir­kungs­ori­en­tie­rung für Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen zugäng­lich machen soll – aber bei Wei­tem nicht der letz­te. Mit­tel­fris­tig wol­len wir im Lan­des­ver­band Ber­lin zusam­men mit der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie und den Pari­tä­ti­schen Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen den Bereich Wir­kungs­ori­en­tie­rung wei­ter aus­bau­en. Wir wol­len Raum schaf­fen für Ver­net­zung und Aus­tausch und uns kol­le­gi­al dar­in unter­stüt­zen, die Wirk­sam­keit unse­rer Pro­jek­te zu stär­ken und zu kom­mu­ni­zie­ren.

Ziel ist dabei immer, einen sozia­len Mehr­wert für die Gesell­schaft zu schaf­fen.

Gabrie­le Schlim­per,

Geschäfts­füh­re­rin Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band LV Ber­lin e.V.

Die Aus­schrei­bung zur Wei­ter­bil­dung Wir­kungs­ma­nage­ment fin­den Sie hier.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Bei­spie­le aus der Pra­xis lesen Sie hier im aktu­el­len Arti­kel zur Wir­kungs­ori­en­tie­rung in der sozia­len Arbeit in der Fach­zeit­schrift „Sozi­al­wirt­schaft aktu­ell“.

Nach­fra­gen beant­wor­ten:

Hans-Jür­gen Wan­ke, Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band LV Ber­lin e.V.

Tel: 030 86001 186

Anne Jeg­lin­ski, Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band LV Ber­lin e.V.

Tel: 030 86001 601

Dilek Yüksel, Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin gGmbH

Tel: 030 2758282 17

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