UNSER BILDUNGSKONZEPT
Als Paritätische Akademie Berlin gGmbH folgen wir einem umfassenden Bildungsverständnis, das unser Handeln als pädagogisch-professionelle Erwachsenenbildner:innen leitet.
Ein umfassendes Bildungsverständnis begreift den Menschen als sozial eingebundenes Wesen, das in einer modernen ausdifferenzierten Gesellschaft unterschiedliche Rollenerwartungen zu bewältigen hat (Beruf, Familie, Politik, Gesundheit, Freizeit etc.). Bildung zielt in einer komplexen und anspruchsvollen Welt auf die Entwicklung der Fähigkeit, das eigene Denken und Handeln zum Gegenstand bewusster Entscheidungen zu machen. Dabei folgen wir klaren Prinzipien der Erwachsenenbildung:
Handlungsleitend ist für uns die Anerkennung der Erwachsenen als eigenverantwortlich und selbstbestimmt. Im Gegensatz zum schulischen Lernen folgt das Lernen von Erwachsenen einer gewissen Freiwilligkeit, die allerdings an die jeweiligen persönlichen, politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen und Ressourcen gebunden ist. Diesen Umstand berücksichtigen wir in der Konzeption unserer Bildungsveranstaltungen. Einerseits orientieren wir uns an den Bedarfen und Erfahrungen der Adressat:innen und Teilnehmenden und andererseits schaffen wir mit unserem Leitbild und dem Bildungskonzept einen Rahmen, den es für alle Akteur:innen zu beachten gilt. Innerhalb dieses Rahmens ermöglichen wir gemeinsame Lehr-Lern-Prozesse zwischen den Dozierenden und den Teilnehmenden, in denen die jeweiligen (beruflichen) Erfahrungs- und Lebenswelten Berücksichtigung finden. Gleichzeitig wird eine Wissensdifferenz anerkannt, der allerdings widerständig entgegnet werden darf. Daraus ergibt sich eine Spannungslage, die die Selbstbestimmtheit der Erwachsenen berücksichtigt.
Diese besondere und anspruchsvolle didaktische Leistung betrifft einmal die Planungsebene, auf der Entscheidungen über angemessene Organisationsformen der Weiterbildung getroffen werden. Zum anderen betrifft sie maßgeblich die Durchführungsebene, auf der mit der Wahl entsprechender Lehr- und Lernmethoden eben die beschriebenen Spannungsverhältnisse produktiv gestaltet werden können.
Ganz im Sinne des Lebensbegleitenden Lernens begreifen wir Weiterbildung als wesentlichen Bestandteil des Lebens. Unser breit aufgestelltes Bildungsangebot richtet sich daher entlang der unterschiedlichen Lebensphasen und Lebenslagen des Erwachsenenalters aus und umfasst diverse zeitgemäße und zukunftsorientierte Themen. Die Formen und Formate der Weiterbildung sind entsprechend ihrer Themen und Bildungsanliegen organisiert:

Abbildung 1: Weiterbildung in der Paritätischen Akademie Berlin gGmbH (eigene Darstellung)
Ihre Funktionsbestimmung erhält die Paritätische Akademie Berlin gGmbH durch ihre Organisationsform als gemeinnütziger Bildungsträger und Tochtergesellschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes – Landesverband Berlin (Makroebene). Aus dem politischen und gesellschaftlichen Zusammenhang leitet sich unser Auftrag ab, durch Qualifizierung und Vernetzung zur Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit und Sozialwirtschaft beizutragen. In enger Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Landesverband, Wohlfahrtsverbänden, Senatsverwaltungen, sozialen Organisationen, Hochschulen und anderen Bildungsträgern entwickeln wir innovative und fachpolitisch relevante Themen, die den aktuellen Herausforderungen und Bedarfen unserer Zielgruppe entsprechen, und setzen damit zugleich zukunftsweisende Akzente für den sozialen Sektor. Das folgende Model stellt die unterschiedlichen Organisationsebenen der Akademie dar:

Abbildung 2: Organisationsebenen der Paritätischen Akademie Berlin gGmbH (eigene Darstellung, in Anlehnung an Schäffter 2003, S.67)
Unsere pädagogische Professionalität in der Akademie (Mesoebene) richtet sich nach den benannten erwachsenenpädagogischen Grundannahmen und verbindet diese mit den Wesensmerkmalen der Akademie (Solidarität, Chancengleichheit/Gleichberechtigung, demokratische Prinzipien, soziale Verantwortung), die sich durch ihre Funktionsbestimmung ergeben und sich in unserem Leitbild wiederfinden. In der Konzeption und Organisation unserer Weiterbildungsangebote handeln wir also nach unseren Grundwerten, die den Wesensmerkmalen der Akademie entsprechen und zugleich erwachsenenpädagogisch ausgelegt sind:
Solidarität
Wir stehen für ein starkes Miteinander und machen uns mit den Menschen solidarisch, indem wir unser Angebot spezifisch für den sozialen Sektor ausrichten. Sowohl auf der Planungsebene als auch auf der Durchführungsebene unserer Bildungsveranstaltungen erfolgt die thematische Schwerpunktlegung unter besonderer Berücksichtigung der Bedarfe des sozialen Sektors. Dementsprechend sind bei uns allgemein relevante Themen partizipativ und werteorientiert gestaltet. Weiterhin fördern wir durch unser spezifisches Angebot solidarisches Handeln in der Gesellschaft, indem wir Veränderungsprozesse anstoßen, die professionell und beteiligungsorientiert ausgerichtet sind.
Chancengleichheit/Gleichberechtigung
Wir sprechen in der Akademie eine breite Zielgruppe an und richten unser Angebot an Fach- und Führungskräfte der Sozialen Arbeit und der Sozialwirtschaft – sowohl haupt- als auch ehrenamtlich Tätige, an Interessierte und Berufseinsteiger:innen. Wir erreichen unseren großen Adressat:innenbereich über ein weit gefächertes Weiterbildungsangebot. Darüber hinaus gestalten wir den Zugang zu unseren Bildungsveranstaltungen so niedrigschwellig wie möglich. Dies gelingt uns über individuelle Beratungen und die enge Begleitung unserer Teilnehmenden über den gesamten Prozess.
Demokratische Prinzipien
Wir fördern eine Kultur des Austauschs und der Mitbestimmung, indem wir mit unseren Foren und Netzwerktreffen Räume schaffen, in denen sich unterschiedliche Akteur:innen des sozialen Sektors begegnen. Unsere Plattformen richten sich in erster Linie an unsere Mitgliedsorganisationen, stehen aber auch allen Interessierten offen. Wir bieten damit die Möglichkeit des fachlichen Austauschs und der gemeinsamen Entwicklungen aktueller Themen. Aus dem Diskurs heraus leiten wir bedarfsorientierte Bildungsangebote ab und nutzen den Austausch zugleich als stetige Evaluation, Rückversicherung und Weiterentwicklung unseres bestehenden Angebots.
Soziale Verantwortung
Wir übernehmen soziale Verantwortung, indem wir die Konsequenzen unseres Handelns für die Gesellschaft, d. h. die Auswirkungen unserer Bildungsmaßnahmen für einzelne Teilnehmende als auch für die Organisationen, im Blick behalten und in der Konzeption versuchen zu antizipieren. Die enge Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Landesverband Berlin dient uns durch die politische Perspektive als Korrektiv, während wir pädagogische Impulse setzen. Gemeinsam unterstützen wir soziale Organisationen darin, ihrer Profession nachzukommen und ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden – der Landesverband im Medium der Politik und wir als Akademie im Medium der Bildung.
Unser Bildungskonzept ist das Produkt aus unserer politischen und gesellschaftlichen Legitimation und den erwachsenenpädagogischen Grundannahmen. Es ist für uns in der Akademie auf einer Planungsebene handlungsleitend, um Entscheidungen über adäquate Weiterbildungsorganisationen treffen zu können. Auf der Durchführungsebene (Mikroebene) dient es den Dozierenden als Orientierungsrahmen, um entsprechende didaktische Entscheidungen zu treffen, die die konkreten Lehr- und Lernsituationen betreffen. Über die je eigenen lebensweltlichen Aneignungsstrukturen der Teilnehmenden, aber auch aller anderen beteiligten Akteur:innen werden wiederum Veränderungsprozesse im sozialen Sektor angestoßen, die von gesellschaftlicher und politischer Relevanz sind.
Referenzen:
Dinkelaker, Jörg (2019). Lernen Erwachsener. Stuttgart: Kohlhammer.
Holzer, Daniela (2017). Weiterbildungswiderstand. Eine kritische Theorie der Verweigerung. Bielefeld: transcript.
Schäffter, Ortfried (2003). Erwachsenenpädagogische Organisationstheorie. In Wiltrud Gieseke (Hrsg.). Institutionelle Innensichten der Weiterbildung. Bielefeld: wbv, 59–81.