Maga­zin

3 Feh­ler beim Onboar­ding – und was ihr statt­des­sen tun könnt (von Tan­ja Tis­sen)

April 2026

3 Fehler beim Onboarding

und was ihr stattdessen tun könnt (von Tanja Tissen)

Tan­ja Tis­sen beglei­tet sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen in der Organisations­entwicklung und beim Onboar­ding neu­er Mitarbeiter:innen (zum Semi­nar). Wir haben sie um Tipps gebe­ten, wie der Ein­stieg neu­er Kolleg:innen gut gelin­gen kann und wel­che Feh­ler Orga­ni­sa­tio­nen nicht mehr machen soll­ten. Das ist ihre Ant­wort:

Klar, lässt sich Onboar­ding pro­fes­sio­nell auf­set­zen. Indem man Füh­rungs­kräf­te in Work­shops schult oder neue und bestehen­de (!) Kolleg:innen beim Onboar­ding-Pro­zess pro­fes­sio­nell beglei­tet (zum Bei­spiel in die­sem Kurs).

 

Was aber sind Din­ge, die ihr auch jetzt eigen­stän­dig und ohne gro­ßen Mehr­auf­wand umset­zen könnt? In die­sem Bei­trag zei­ge ich euch 3 typi­sche Onboar­ding-Feh­ler und was ihr statt­des­sen machen könnt.

#1 Don’t: Dicke Onboar­ding-Map­pen oder Ord­ner

Do: Redu­ziert es auf das Wesent­li­che!

Oft wird gefragt Was muss alles noch in die Onboar­ding-Map­pe?. Wie wär’s erst ein­mal mit der Fra­ge: Was kann weg?”. Das gilt für Onboar­ding-Map­pen aus Papier genau­so wie für über­füll­te digi­ta­le Ord­ner. Je mehr ihr die­se Infor­ma­ti­ons­flut redu­ziert (oder zumin­dest wochen­wei­se dosiert), des­to ein­fa­cher kön­nen sich neue Kolleg:innen Infor­ma­tio­nen auch lang­fris­tig ein­prä­gen.

Für den Fall, dass nichts so wirk­lich weg kann: wel­che Unter­la­gen oder Infor­ma­tio­nen könn­ten zumin­dest zu einem spä­te­ren Zeit­punkt ein­ge­streut wer­den? Um das her­aus­zu­fin­den, könnt ihr eure zuletzt ein­ge­ar­bei­te­ten Kolleg:innen fra­gen, wel­che Infor­ma­tio­nen sie erst spä­ter oder nie gebraucht haben und ent­spre­chend kür­zen.

Am Anfang ist nahe­zu jede Infor­ma­ti­on neu. Ich ver­glei­che das gern mit dem Auf­wand für euren täg­li­chen, rou­ti­nier­ten Arbeits­weg und dem Auf­wand, wenn ihr zum 1. Mal an einem neu­en Ort seid und bei jeder Abbie­gung die Rou­te prü­fen müsst. Letz­te­res kos­tet deut­lich mehr Denk­leis­tung, bringt aber auch Vor­tei­le mit sich, die ich gern in Punkt 2 erläu­tern möch­te:

#2 Don’t: Feed­back ohne Anpas­sungs­be­darf

Do: Legt fest, wie ihr mit Feed­back umgeht!

Wenn Aus­sa­gen wie Sag uns doch bit­te, wenn dir in den ers­ten Wochen etwas auf­fällt” oder Dein Feed­back ist eine tol­le Chan­ce für uns” nur als Wohl­fühl-Flos­keln gemeint sind, lasst sie weg. Feed­back braucht regel­mä­ßi­ge Räu­me, in denen expli­zit danach gefragt wird, um wirk­lich einen Nut­zen zu stif­ten. Sonst kann es schnell mal pas­sie­ren, dass Gene­ra­tio­nen­kon­flik­te unnö­tig ver­stärkt wer­den, weil neue Kolleg:innen unge­fragt in offe­ner Run­de her­um­kri­ti­sie­ren”.

Ich ver­tre­te den Stand­punkt, dass neue Kolleg:innen gera­de mit ihrer Unwis­sen­heit wert­vol­le Per­spek­ti­ven für die Ver­bes­se­rung von Struk­tu­ren und Pro­zes­sen bei­tra­gen. Genau­so wie die Leu­te, die die­se Pro­zes­se vor Ihnen auf­ge­baut haben. Um die­ses Poten­ti­al zu nut­zen, statt zu ver­bren­nen, emp­feh­le ich fol­gen­de Fra­gen mög­lichst kon­kret und in siche­ren Räu­men, z.B. in Pro­be­zeit­ge­sprä­chen, zu stel­len:

  • Was ist dir bei uns bis­her auf­ge­fal­len, was wir viel­leicht gar nicht mehr sehen?
  • Wovon brauchst du mehr, wovon weni­ger in den kom­men­den Wochen?
  • Wie emp­fin­dest du die Arbeit mit Tool X, Y, Z? Wel­che Fra­gen hät­test du hier­zu? 

Wenn euch sol­che Fra­gen irgend­wie unpas­send erschei­nen, emp­feh­le ich, zumin­dest die Fra­gen von neu­en Kolleg:innen als wert­vol­les Feed­back auf­zu­neh­men. Denn genau die­se Fra­gen sind es, die bestehen­de Inkon­sis­ten­zen, Pro­zess­feh­ler oder Inef­fi­zi­en­zen deut­lich machen – etwas, wofür man sonst auch mal exter­ne Bera­tung ein­kauft!

#3 Don’t: Vor­ei­lig Rück­schlüs­se zie­hen

Do: Zieht an einem Strang! 

Wenn eine neue Per­son Auf­ga­ben oder Pro­zes­se nicht direkt ver­steht oder auto­ma­tisch mit­macht, liegt das manch­mal weni­ger an der Per­son und mehr am Kon­text und Umfeld: Bei­spiels­wei­se habe ich mit­er­lebt, dass eine neue Kol­le­gin sich zu Beginn erst kaum ein­brach­te und dann spä­ter zuneh­mend ihre Ver­wir­rung und ihren Unmut äußer­te. Das hät­te man natür­lich als pas­siv, unmo­ti­viert oder sogar frech deu­ten kön­nen. Was die­se Betrach­tung aber außer Acht las­sen wür­de: an der neu­en Stel­le, die für die­se Per­son geschaf­fen wur­de, lie­fen hau­fen­wei­se Unge­reimt­hei­ten und Inef­fi­zi­en­zen zusam­men. Dies war in der vor­he­ri­gen Arbeits­tei­lung schlicht­weg nicht auf­ge­fal­len.

Statt bestehen­de Vor­ge­hens­wei­sen stumpf zu akzep­tie­ren, konn­te genau die­se Kol­le­gin maß­geb­lich beim Auf­set­zen neu­er Pro­zes­se und Tools in bera­ten­der Funk­ti­on mit­wir­ken. So konn­ten nicht nur Qua­li­täts­lü­cken berei­nigt, son­dern auch der Auf­wand für alle Betei­lig­ten erheb­lich redu­ziert wer­den.   

Die letz­ten bei­den Do’s grei­fen also inein­an­der: wird ein geeig­ne­ter Raum für Kri­tik gege­ben, kann die­se leich­ter geäu­ßert wer­den. Es wird ein Gewinn für alle dar­aus, wenn man die Kri­tik nutzt, um Pro­zes­se (und nicht die Arbeits­wei­se einer Per­son) gemein­sam über­ar­bei­tet.

An die­ser Stel­le möch­te ich erst­mal einen Punkt set­zen. Natür­lich ist das The­ma Onboar­ding damit nicht been­det. Wenn ihr den Pro­zess der Ein­ar­bei­tung neu­er Kolleg:innen umfas­send ange­hen wollt, erfahrt ihr in die­sem Semi­nar mehr!

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Autorin: Tan­ja Tis­sen (Sys­te­mi­sches Coa­ching & Organisations­entwicklung: Frei-Bin­dun­gen)

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Tan­ja Tis­sen

Maga­zin

Sozi­al­ar­beit in den USA vs. in Deutsch­land? Inno­va­ti­ve Kon­zep­te aus New York (5 Fra­gen an Chris Han­way)

April 2026

Sozialarbeit in den USA vs. Deutschland?

Über Inno­va­ti­ve Kon­zep­te aus New York (5 Fra­gen an Chris Han­way)

mit deut­scher Über­set­zung wei­ter unten

Wie wird Sozia­le Arbeit in den USA gedacht und umge­setzt? Und was kön­nen Fach­kräf­te in Deutsch­land dar­aus mit­neh­men? Chris Han­way (Bild Mit­te), Mit­or­ga­ni­sa­tor der jähr­li­chen New-York-Rei­se und ver­ant­wort­lich für das Aus­tausch-Pro­gramm, gibt Ein­bli­cke in sei­ne Arbeit an soge­nann­ten Sett­le­ment Hou­ses vor Ort. Im Inter­view spricht er über die wich­tigs­ten Unter­schie­de zwi­schen Deutsch­land und den USA in der sozia­len Arbeit und dar­über, wel­chen Mehr­wert inter­na­tio­na­le Aus­tausch­for­ma­te wie die­se für die Pra­xis bie­ten.

Dear Chris, you’ve been working at Jacob A. Riis Neigh­bor­hood Sett­le­ment for more than 17 years, inclu­ding seve­ral years as exe­cu­ti­ve direc­tor. What moti­va­ted you per­so­nal­ly to work the­re? 

I had been working at lar­ger NGO rela­ted to health care, archi­tec­tu­re, and sup­port for vic­tims of crime and all of them were gra­ti­fy­ing and chal­len­ging, but I was loo­king for an oppor­tu­ni­ty to work direct­ly in com­mu­ni­ties, par­ti­cu­lar­ly in com­mu­ni­ties that are often over­loo­ked and negle­c­ted. At the time, I had no idea what a Sett­le­ment House was, but the job pos­ting see­med to offer the pos­si­bi­li­ty of working direct­ly with the com­mu­ni­ty, lear­ning from them just as I hoped they could learn from me. I never drea­med that a few years later, I would beco­me Exe­cu­ti­ve Direc­tor and remain at Riis Sett­le­ment for over 17 years and coun­ting!

Sett­le­ment hou­ses like Riis Sett­le­ment are not very com­mon in Ger­ma­ny. Could you descri­be what your work invol­ves and what a typi­cal day is like for you as the exe­cu­ti­ve direc­tor?

My work invol­ves a litt­le bit of ever­y­thing, which is exact­ly why I love it. As a Sett­le­ment House, Riis is neces­s­a­ri­ly a mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­on, so we work with child­ren, youth, adults of all ages espe­ci­al­ly older adults, as well as immi­grants from around the world. I am invol­ved and expo­sed to all of our pro­gram­ma­tic acti­vi­ties from after-school pro­gramming for kids, to Eng­lish lan­guage clas­ses for immi­grants, to pro­vi­si­on of meals to food-inse­cu­re-neigh­bors. But of cour­se, I also fund­rai­se, inter­act with govern­ment offi­ci­als, over­see the finan­ces of the orga­niza­ti­on and a who­le lot more. One thing that I try to ensu­re every sin­gle day is that Riis Sett­le­ment is empowe­ring our com­mu­ni­ty, doing and acting WITH, not for or to the com­mu­ni­ty. Our com­mu­ni­ty is fil­led with strength and power and effect chan­ge them­sel­ves. We are hel­pers.  

The­re is some­thing spe­cial about this inten­se­ly local,

mul­ti-gene­ra­tio­nal/ inter­ge­ne­ra­tio­nal, mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­ons with mul­ti­ple points of ent­ry, which ser­ve as com­mu­ni­ty hubs, town squa­res, safe spaces and places of per­son expres­si­on all at once. 

Chris Han­way

What do you think are the main simi­la­ri­ties and dif­fe­ren­ces bet­ween social work in the United Sta­tes and in Ger­ma­ny? 

I think social work in both the United Sta­tes and Ger­ma­ny is groun­ded in shared values such as pro­mo­ting social jus­ti­ce, sup­port­ing and empowe­ring vul­nerable popu­la­ti­ons, and impro­ving well-being across the life­span. In the U.S. social work is more stron­gly shaped by our decen­tra­li­zed wel­fa­re sys­tem and grea­ter reli­ance on non­pro­fit and pri­va­te ser­vices, while your social work ope­ra­tes within a more com­pre­hen­si­ve, sta­te-cen­te­red model. Despi­te the­se struc­tu­ral dif­fe­ren­ces, social workers in both count­ries face simi­lar chal­lenges, inclu­ding hea­vy casel­oads, emo­tio­nal stress, and the need to adapt prac­ti­ce to chan­ging rea­li­ties, espe­ci­al­ly around migra­ti­on and agin popu­la­ti­ons. 

What do you think social workers in Ger­ma­ny could learn from their col­le­agues in the United Sta­tes, or spe­ci­fi­cal­ly in New York?

I think they could learn how to suc­cessful­ly com­bi­ne advo­ca­cy, com­mu­ni­ty orga­ni­zing, case manage­ment, cli­ni­cal work, and admi­nis­tra­ti­ve fines­se. I say this, not becau­se Ger­man Social Workers don’t do the­se things, but becau­se social workers in New York City seem to have to be able to do all of them every sin­gle day. I am not a trai­ned or licen­sed social worker, but I work with many of them, of cour­se, and I am ama­zed by how they are able to mana­ge and jugg­le all of the­se dif­fe­rent neces­sa­ry skills to make their jobs work and help their cli­ents and neigh­bors.

Having work­ed on seve­ral exch­an­ge pro­grams, what are some moments that par­ti­ci­pan­ts often descri­be as eye-ope­ning? And is the­re any­thing you par­ti­cu­lar­ly like to show Ger­man social workers during their visit?

They love visi­ting Sett­le­ment Hou­ses, of cour­se! 😊 The­re is some­thing spe­cial about this inten­se­ly local,

mul­ti-gene­ra­tio­nal/ inter­ge­ne­ra­tio­nal, mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­ons with mul­ti­ple points of ent­ry, which ser­ve as com­mu­ni­ty hubs, town squa­res, safe spaces and places of per­son expres­si­on all at once. We ser­ve grand­par­ents and their grand­child­ren and bring many dif­fe­rent types of peo­p­le from within the com­mu­ni­ty tog­e­ther and the­re is some­thing magi­cal and life-affir­ming about that. 

Deut­sche Über­set­zung

Lie­ber Chris, du arbei­test seit mehr als 17 Jah­ren bei Jacob A. Riis Neigh­bor­hood Sett­le­ment, davon meh­re­re Jah­re als Geschäfts­füh­rer. Was hat dich per­sön­lich dazu moti­viert, dort zu arbei­ten?  

Ich hat­te zuvor bei grö­ße­ren NGOs in den Berei­chen Gesund­heits­we­sen, Archi­tek­tur und Opfer­hil­fe gear­bei­tet, und all die­se Tätig­kei­ten waren erfül­lend und her­aus­for­dernd, aber ich such­te nach einer Mög­lich­keit, direkt in den Gemein­den zu arbei­ten, ins­be­son­de­re in sol­chen, die oft über­se­hen und ver­nach­läs­sigt wer­den. Damals hat­te ich kei­ne Ahnung, was ein Sett­le­ment Haus ist, aber die Stel­len­an­zei­ge schien die Mög­lich­keit zu bie­ten, direkt mit der Gemein­schaft zu arbei­ten und von ihr zu ler­nen, genau­so wie ich hoff­te, dass sie von mir ler­nen könn­te. Ich hät­te mir nie träu­men las­sen, dass ich weni­ge Jah­re spä­ter Geschäfts­füh­rer wer­den und über 17 Jah­re lang bei Riis Sett­le­ment blei­ben wür­de – und es geht immer noch wei­ter! 

Sett­le­ment-Häu­ser wie das Riis Sett­le­ment sind in Deutsch­land eher unbe­kannt. Könn­ten Sie beschrei­ben, wor­in Ihre Arbeit besteht und wie ein typi­scher Tag für Sie als Geschäfts­füh­rer aus­sieht?

Mei­ne Arbeit umfasst ein biss­chen von allem, und genau des­halb lie­be ich sie. Als „Sett­le­ment House“ ist Riis zwangs­läu­fig eine Orga­ni­sa­ti­on mit viel­fäl­ti­gen Dienst­leis­tungs­an­ge­bo­ten. Des­halb arbei­ten wir mit Kin­dern, Jugend­li­chen, Erwach­se­nen jeden Alters – ins­be­son­de­re mit Senio­ren – sowie mit Migrant:innen aus aller Welt zusam­men. Ich bin an all unse­ren pro­gram­ma­ti­schen Akti­vi­tä­ten betei­ligt und mit ihnen ver­traut, von der Nach­mit­tags­be­treu­ung für Kin­der über Eng­lisch­kur­se für Migrant:innen bis hin zur Essens­aus­ga­be für Nachbar:innen, die unter Ernäh­rungs­un­si­cher­heit leben. Aber natür­lich küm­me­re ich mich auch um das Fund­rai­sing, ste­he im Aus­tausch mit Behördenvertreter:innen, über­wa­che die Finan­zen der Orga­ni­sa­ti­on und vie­les mehr. Eine Sache, die ich jeden Tag sicher­stel­len möch­te, ist, dass Riis Sett­le­ment unse­re Gemein­schaft stärkt und MIT ihr han­delt, nicht FÜR sie oder an ihr. Unse­re Gemein­schaft ist vol­ler Kraft und Stär­ke und kann selbst Ver­än­de­run­gen bewir­ken. Wir sind Hel­fen­de.   

Die­se stark lokal ver­an­ker­ten, gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Orga­ni­sa­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten und zahl­rei­chen Zugangs­mög­lich­kei­ten haben etwas ganz Beson­de­res an sich: Sie die­nen gleich­zei­tig als Dreh- und Angel­punkt der Gemein­schaft, als Stadt­platz, als siche­rer Ort und als Raum für die per­sön­li­che Ent­fal­tung.

Chris Han­way

Was sind Ihrer Mei­nung nach die wich­tigs­ten Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de zwi­schen der Sozi­al­ar­beit in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und in Deutsch­land?  

Ich den­ke, dass die Sozi­al­ar­beit sowohl in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten als auch in Deutsch­land auf gemein­sa­men Wer­ten basiert, wie der För­de­rung sozia­ler Gerech­tig­keit, der Unter­stüt­zung und Stär­kung benach­tei­lig­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen sowie der Ver­bes­se­rung des Wohl­be­fin­dens über alle Lebens­pha­sen hin­weg. In den USA ist die Sozi­al­ar­beit stär­ker von unse­rem dezen­tra­li­sier­ten Sozi­al­sys­tem und einer grö­ße­ren Abhän­gig­keit von gemein­nüt­zi­gen und pri­va­ten Dienst­leis­tun­gen geprägt, wäh­rend Ihre Sozi­al­ar­beit im Rah­men eines umfas­sen­de­ren, staat­lich aus­ge­rich­te­ten Modells funk­tio­niert. Trotz die­ser struk­tu­rel­len Unter­schie­de ste­hen Sozialarbeiter:innen in bei­den Län­dern vor ähn­li­chen Her­aus­for­de­run­gen, dar­un­ter hohe Fall­zah­len, emo­tio­na­ler Stress und die Not­wen­dig­keit, die Pra­xis an sich wan­deln­de Rea­li­tä­ten anzu­pas­sen, ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit Migra­ti­on und einer altern­den Bevöl­ke­rung. 

Was könn­ten Sozialarbeiter:innen in Deutsch­land Ihrer Mei­nung nach von ihren Kolleg:innen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten oder spe­zi­ell in New York ler­nen?

Ich glau­be, sie kön­nen ler­nen, wie man Inter­es­sen­ver­tre­tung, Gemein­schafts­ar­beit, Fall­ma­nage­ment, kli­ni­sche Arbeit und admi­nis­tra­ti­ves Geschick erfolg­reich mit­ein­an­der ver­bin­det. Ich sage das nicht, weil deut­sche Sozialarbeiter:innen die­se Din­ge nicht tun, son­dern weil Sozialarbeiter:innen in New York City offen­bar in der Lage sein müs­sen, all das jeden Tag zu bewäl­ti­gen. Ich bin kein aus­ge­bil­de­ter oder zuge­las­se­ner Sozi­al­ar­bei­ter, aber ich arbei­te natür­lich mit vie­len von ihnen zusam­men und bin beein­druckt davon, wie sie all die­se ver­schie­de­nen not­wen­di­gen Fähig­kei­ten unter einen Hut brin­gen und jon­glie­ren, um ihre Arbeit zu bewäl­ti­gen und ihren Klient:innen und Nachbar:innen zu hel­fen.   

Sie haben bereits an meh­re­ren Aus­tausch­pro­gram­men mit­ge­wirkt – wel­che Momen­te wer­den von den Teil­neh­mern oft als beson­ders auf­schluss­reich erlebt? Und gibt es etwas, das Sie deut­schen Sozi­al­ar­bei­tern wäh­rend ihres Besuchs beson­ders ger­ne zei­gen?

Natür­lich besu­chen sie ger­ne die Sett­le­ment Häu­ser! 😊 Die­se stark lokal ver­an­ker­ten, gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Orga­ni­sa­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten und zahl­rei­chen Zugangs­mög­lich­kei­ten haben etwas ganz Beson­de­res an sich: Sie die­nen gleich­zei­tig als Dreh- und Angel­punkt der Gemein­schaft, als Stadt­platz, als siche­rer Ort und als Raum für die per­sön­li­che Ent­fal­tung. Wir betreu­en Groß­el­tern und ihre Enkel­kin­der und brin­gen vie­le ver­schie­de­ne Men­schen aus der Gemein­schaft zusam­men und das hat etwas Magi­sches und Lebens­be­ja­hen­des an sich.   

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Redak­ti­on: Lucas Frye (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Prof. Stapf-Finé (li), Chris Han­way (mi) und Dilek Yük­sel (re) – 2022, New York