Maga­zin

Leh­re: Gesund­heits­sys­tem und Sozia­le Arbeit – Dozen­tin Berit Kem­pe über die Rol­le der Sozi­al­me­di­zin

aus der Leh­re

Mai 2026

Gesundheitssystem und Soziale Arbeit:

Dozentin Berit Kempe über die Rolle der Sozialmedizin

Krank­heit, Über­for­de­rung, Büro­kra­tie. Die­sen Phä­no­me­nen begeg­nen Fach­kräf­te in der Sozia­len Arbeit häu­fig. Des­halb sind sozi­al­me­di­zi­ni­sche Grund­la­gen so wich­tig für das Berufs­feld Sozia­le Arbeit, erklärt Berit Kem­pe. In ihrer Leh­re geht es ihr um die Fra­ge von Res­sour­cen, die für vie­le Fami­li­en und Men­schen mit gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen wich­tig sind, um am gesell­schaft­li­chen Leben teil­zu­neh­men: Von der Hil­fe, das Recht auf bestimm­te Leis­tun­gen durch­zu­set­zen, bis hin zur psy­cho­so­zia­len Unter­stüt­zung.

Berit Kem­pe ist Dipl. Sozi­al­ar­bei­te­rin und freie Dozen­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. In die­sem Inter­view stellt sie Ihren Weg in das Fach­ge­biet Gesund­heit und Sozi­al­me­di­zin und die Rele­vanz ihres Bereichs für den Berufs­pra­xis vor.

Wie sind Sie zur Sozi­al­me­di­zin gekom­men? 

Seit 15 Jah­ren arbei­te ich im Gesund­heits­sys­tem, in dem neben der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung die Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik eine rele­van­te Rol­le spie­len. Ich wur­de 2020 von einer Pro­fes­so­rin der Ali­ce Salo­mon Hoch­schu­le Ber­lin ein­ge­la­den, Stu­die­ren­den in Semi­na­ren mei­ne prak­ti­sche Tätig­keit nahe­zu­brin­gen. Das hat sich immer wei­ter­ent­wi­ckelt. So leh­re ich seit eini­gen Jah­ren auch an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. Neben der Wis­sens­ver­mitt­lung ist es mir sehr wich­tig das Selbst­be­wusst­sein der Stu­die­ren­den als Fach­kräf­te und eine wert­schät­zen­de Hal­tung zu för­dern. 

Was moti­viert Sie?  

Eine gute Ver­sor­gung von Men­schen, die von gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen betrof­fen sind und die eine best­mög­li­che Teil­ha­be am Leben lie­gen mir sehr am Her­zen. Die Leh­re ist eine Mög­lich­keit, neu­en Fach­kräf­ten rele­van­tes Wis­sen dafür mit­zu­ge­ben.  

 

Auch ich selbst ler­ne dabei immer wie­der dazu. Die Kennt­nis­se, Per­spek­ti­ven und Fra­gen der Stu­die­ren­den erwei­tern ste­tig mei­nen Hori­zont.  

Das Zusam­men­spiel von indi­vi­du­el­len und gesell­schaft­li­chen Risi­ko­fak­to­ren, Resi­li­enz und Res­sour­cen­för­de­rung spielt in der Sozia­len Arbeit eine gro­ße Rol­le.  

Was lernen Studierende in Ihren Lehrveranstaltungen?  

In der Sozi­al­me­di­zin geht es um die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Gesund­heit, Krank­heit und sozia­len Fak­to­ren. Da wir uns im Bereich Sozia­le Arbeit bzw. der Heil­päd­ago­gik bewe­gen, geht es zudem immer dar­um, wie wir Men­schen unter­stüt­zen kön­nen. Das Spek­trum reicht hier von Prä­ven­ti­on und Gesund­heits­för­de­rung bis zu Gesund­heits­sys­tem und Ver­sor­gung.

Tätig­keits­fel­der sind etwa Nach­bar­schafts­zen­tren, in denen Prä­ven­ti­ons- und Bera­tungs­ge­bo­te statt­fin­den oder die Betreu­ung von Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen oder die Arbeit mit Fami­li­en.  

 

So kann es zum Bei­spiel sein, dass wir als Fach­kräf­te eine Fami­lie beglei­ten, in der ein Kind von einer Behin­de­rung betrof­fen ist. Die Auf­ga­be ist es, hier nicht nur die pas­sen­de Behand­lung und indi­vi­du­el­le För­de­rung des Kin­des zu orga­ni­sie­ren, son­dern auch den Rest der Fami­lie, Res­sour­cen und Risi­ko­fak­to­ren im Blick zu behal­ten. 

 Womit beschäf­ti­gen Sie sich genau?   

Aktu­ell beschäf­ti­ge ich mich am inten­sivs­ten mit dem Bereich Sozi­al­psych­ia­trieDas Zusam­men­spiel von indi­vi­du­el­len und gesell­schaft­li­chen Risi­ko­fak­to­ren, Resi­li­enz und Res­sour­cen­för­de­rung spielt in der Sozia­len Arbeit eine gro­ße Rol­le. Dass – wie sich auch in der aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Debat­te zeigt – sehr vie­le Men­schen von psy­chi­schen Erkran­kun­gen betrof­fen sind, spie­gelt sich natür­lich auch in unse­rer prak­ti­schen Arbeit wider. Mir ist es daher wich­tig, dem The­ma auch in der Leh­re aus­rei­chend Raum zu geben und den Stu­die­ren­den ein fun­dier­tes Wis­sen mit­zu­ge­ben. 

Ich möch­te einen Raum schaf­fen, in dem man sich mit eige­nen Erfah­run­gen und Denk­mus­tern aus­ein­an­der­set­zen kann.

Was macht Ihnen in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin besonders Freude und was möchten Sie den Studierenden mitgeben? 

An der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie sind die Stu­die­ren­den oft sehr reflek­tiert und moti­viert. Sie brin­gen bereits einen gro­ßen Erfah­rungs­schatz mit und set­zen sich gern kri­tisch mit The­men aus­ein­an­der. So macht das Leh­ren, Dis­ku­tie­ren, Reflek­tie­ren gro­ßen Spaß. 

 

Ich möch­te einen Raum schaf­fen, in dem man sich mit eige­nen Erfah­run­gen und Denk­mus­tern aus­ein­an­der­set­zen kann. Zudem hal­te ich es für wich­tig, einen rea­lis­ti­schen Ein­blick in das Ver­sor­gungs­sys­tem, zu dem ja auch wir gehö­ren, zu erhal­ten. So ver­su­che ich die Stu­die­ren­den dabei zu unter­stüt­zen, eine wert­schät­zen­de, offe­ne, aber auch kri­ti­sche Hal­tung zu ent­wi­ckeln.  

Dar­über hin­aus beglei­te und bera­te ich Stu­die­ren­de im Bereich Fall­ver­ste­hen und Pra­xis­re­fle­xi­on. 


Berit Kem­pe ist Dozen­tin für den Bereich Gesund­heit und Sozi­al­me­di­zin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin in den Stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit und Heil­päd­ago­gik, die in Koope­ra­ti­on mit der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP) durch­ge­führt wer­den. 

 

Sie arbei­ten im sozia­len Beruf und fra­gen sich, ob ein berufs­be­glei­ten­des Stu­di­um etwas für Sie ist? Infor­mie­ren Sie sich auf der Sei­te unse­rer Stu­di­en­gän­ge

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Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Titel­bild: Berit Kem­pe (Foto: Klaus Feh­ring)