Maga­zin

Wei­ter­bil­dung als Bei­trag zur Bewäl­ti­gung des Fach­kräf­te­man­gels in der Jugend­hil­fe

3. Mai 2022 | Jugend­hil­fe

ein Gast­bei­trag von Anna Zag­i­dul­lin (M.A.), Refe­ren­tin Hil­fen zur Erzie­hung und Jugend­ar­beit

Pari­tä­ti­scher LV Ber­lin e.V.

Die Jugend­hil­fe gehört zu den Arbeits­fel­dern, die signi­fi­kant von gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen beein­flusst

wer­den. Dies lässt sich an der kon­ti­nu­ier­lich stei­gen­den Fall­zah­len­ent­wick­lung in der letz­ten zehn Jah­ren able­sen, die ins­be­son­de­re auf wei­ter stei­gen­de und ver­dich­ten­de Armuts­ri­si­ken, den Zuwachs an allein­er­zie­hen­den Haus­hal­ten, das erhöh­te Migra­ti­ons­ge­sche­hen und die Fol­gen der Flucht, die Zunah­me an psy­chi­schen und

see­li­schen Erkran­kun­gen, den Anstieg der Kin­des­wohl­ge­fähr­dung, den Bevöl­ke­rungs­zu­wachs in Groß­städ­ten usw. zurück­zu­füh­ren ist.

 

Die­se gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen sind bun­des­weit zu ver­zeich­nen und erhö­hen die Nach­fra­ge nach sozi­al­päd­ago­gi­schen Fach­kräf­ten in der Jugend­hil­fe deut­lich. Der Anstieg der Beschäf­tig­ten­zah­len in der Jugend­hil­fe gibt die­se Ent­wick­lung gut wie­der. Laut Bun­des­amt für Sta­tis­tik ist die Zahl der Beschäf­tig­ten in der Kin­der- und Jugend­hil­fe (ohne Kin­der­ta­ges­be­treu­ung) im Jahr 2020 bun­des­weit erneut ange­stie­gen, näm­lich um 4,2 % gegen­über dem Jahr 2018. Fast jede drit­te Per­son des päd­ago­gi­schen und Ver­wal­tungs­per­so­nals war im Jahr 2020 in der Heim­erzie­hung tätig, gefolgt von der öffent­li­chen Jugend­hil­fe (zum Bei­spiel Ver­wal­tung und Jugend­äm­ter) und der offe­nen Jugend­ar­beit.

 

Des Wei­te­ren ver­schär­fen die fach­li­chen und struk­tu­rel­len Anpas­sungs­an­for­de­run­gen unter ande­rem im Zusam­men­hang mit der jüngs­ten Reform des Kin­der- und Jugend­hil­fe­ge­set­zes den Bedarf an sozi­al­päd­ago­gi­schen Fach­kräf­ten, zum Bei­spiel durch die hohe Bedeu­tung des Kin­der­schut­zes und den Schutz­auf­trag bei Kin­des­wohl­ge­fähr­dung, durch die wei­te­re Stär­kung von Kin­der­rech­ten und den Aus­bau von Par­ti­zi­pa­ti­on, Selbst­ver­tre­tung und Betei­li­gung jun­ger Men­schen, durch die inklu­si­ve Aus­ge­stal­tung der Kin­der- und Jugend­hil­fe usw.

 

Zudem befin­den sich die frei­en Trä­ger der Jugend­hil­fe in einem star­ken Wett­be­werb um die sozi­al­päd­ago­gi­schen Fach­kräf­te mit den Kin­der­ta­ges­stät­ten, der außer­schu­li­schen Kin­der­be­treu­ung, der Ein­glie­de­rungs­hil­fe usw. Die­se Arbeits­fel­der wach­sen aktu­ell eben­falls rasant und haben einen hohen Bedarf am Per­so­nal. 

 

Wir haben uns im Lan­des­ver­band in Gre­mi­en mit zahl­rei­chen Geschäfts­füh­run­gen der frei­en Trä­ger der Jugend­hil­fe gefragt, wie die Jugend­hil­fe in Ber­lin im Fort- und Wei­ter­bil­dungs­be­reich so gestärkt wer­den kann, dass sie den wach­sen­den fach­li­chen Anfor­de­run­gen stand­hal­ten und durch attrak­ti­ve Fort- und Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te im Wett­be­werb mit ande­ren sozi­al­päd­ago­gi­schen Arbeits­fel­dern mög­li­cher­wei­se gestärkt wer­den kann.

 

Wir wis­sen, dass die Haupt­al­ters­grup­pe der Beschäf­tig­ten in der Ber­li­ner Jugend­hil­fe bei­spiels­wei­se in den sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen eine eher jün­ge­re Per­so­nen­grup­pe mit mehr­jäh­ri­ger Berufs­er­fah­rung ist. Laut Amt für Sta­tis­tik Ber­lin-Bran­den­burg sind es im Jahr 2020 die 20–30-Jährigen (29,35 %), gefolgt von 30–40-Jährigen (27,74 %), 50–60-Jährigen (18,38 %) und 40–50-Jährigen (17,48 %).

Kom­pakt­kurs Jugend­hil­fe für Quereinsteiger:innen und sozi­al­päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te

Zer­ti­fi­kats­kurs

Wir möch­ten die­se Per­so­nen­grup­pe mit attrak­ti­ven, fami­li­en­freund­li­chen und berufs­be­glei­ten­den

Fort- und Wei­ter­bil­dungs­mo­del­len anspre­chen, um sie vom Arbeits­feld Jugend­hil­fe zu über­zeu­gen, beruf­li­che Ent­wick­lungs­we­ge auf­zu­zei­gen und mög­li­cher­wei­se auch einen beruf­li­chen Wech­sel inner­halb der unter­schied­li­chen sozi­al­päd­ago­gi­schen Arbeits­fel­der zu ermög­li­chen.

 

Dabei haben wir fest­ge­stellt, dass wir auf die­sem Gebiet aus unter­schied­li­chen Grün­den einen Nach­hol­be­darf haben. Es müs­sen mehr fle­xi­ble und berufs­be­glei­ten­de Wei­ter­bil­dungs­mo­del­le ent­wi­ckelt wer­den, die die gesetz­li­chen und fach­li­chen Inhal­te breit auf­stel­len und nicht nur theo­re­tisch, son­dern auch mit einem hohen Pra­xis­be­zug ver­mit­teln. Eine ziel­grup­pen­ad­äqua­te und lebens­welt­be­zo­ge­ne Orga­ni­sa­ti­on von Wei­ter­bil­dungs­for­ma­ten ist dabei ent­schei­dend. Auch die stär­ke­re Ein­be­zie­hung und Anspra­che von Quer­ein­stei­gen­den wird uns künf­tig immer mehr beschäf­ti­gen. 

 

In die­sem Jahr erprobt die Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin ein inno­va­ti­ves, modu­lar auf­ge­bau­tes Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bot, wel­ches den aktu­el­len Anpas­sungs­an­for­de­run­gen in der Jugend­hil­fe weit­rei­chend Rech­nung trägt. Die­ses Ange­bot wur­de in Zusam­men­ar­beit mit dem Pari­tä­ti­schen LV Ber­lin, der Ein­rich­tungs­auf­sicht der Senats­ver­wal­tung, Bil­dung, Jugend und Fami­lie sowie der Uni­ver­si­tät für Wei­ter­bil­dung Krems ent­wi­ckelt.

 

Der neue Kom­pakt- und Zer­ti­fi­kats­kurs Jugend­hil­fe erhöht die Mobi­li­tät der sozi­al­päd­ago­gi­schen Fach­kräf­te in der Jugend­hil­fe, indem er breit ange­leg­te Fel­der abdeckt, wie zum Bei­spiel Hil­fen zur Erzie­hung, Jugend­so­zi­al­ar­beit, Fami­li­en­för­de­rung, Jugend­be­rufs­hil­fe. Nach Vor­ab­spra­che mit der Ein­rich­tungs­auf­sicht kann bei Quer­ein­stei­gen­den aus Ber­lin der erfolg­rei­che Kurs­ab­schluss und/oder je nach indi­vi­du­el­lem Qua­li­fi­ka­ti­ons­be­darf die erfolg­rei­che Teil­nah­me an aus­ge­wähl­ten Kurs­mo­du­len auf den Fach­kräf­te­schlüs­sel ange­rech­net wer­den.

 

Das Allein­stel­lungs­merk­mal die­ses Ange­bo­tes ist der hohe Pra­xis­trans­fer. Der Kom­pakt- und Zer­ti­fi­kats­kurs wird von vie­len erfah­re­nen Füh­rungs- und Lei­tungs­kräf­ten aus den pari­tä­ti­schen Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen und

Dozie­ren­den mit lang­jäh­ri­ger Exper­ti­se und ent­spre­chen­dem Renom­mee im SGB VIII-Feld aktiv mit­ge­stal­tet. Damit möch­ten wir sicher­stel­len, dass die Inhal­te die­ses Zer­ti­fi­kats­kur­ses stets aktu­ell blei­ben.

 

Die Ent­wick­lung die­ses neu­en Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­tes geht auf die her­aus­ra­gen­de Zusam­men­ar­beit aller Betei­lig­ten zurück, die sich in den Inhal­ten deut­lich erken­nen lässt. Wir sind sehr gespannt auf die Rück­mel­dun­gen aus dem ers­ten Durch­gang und sind bei der Imple­men­tie­rung und Erwei­te­rung der Grup­pe von Fort­bil­dungs­in­ter­es­sier­ten offen. Denk­bar sind zum Bei­spiel Anpas­sungs­wei­ter­bil­dun­gen für (sozial-)pädagogisch qua­li­fi­zier­te Geflüch­te­te.

 

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen über den Kom­pakt- und Zer­ti­fi­kats­kurs Jugend­hil­fe fin­den Sie auf der Inter­net­sei­te des Pari­tä­ti­schen Jugend­hil­fe­fo­rums: www.paritaetisches-jugendhilfeforum.de

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