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Ehren­amts­ma­nage­ment inten­siv: ein Erfah­rungs­be­richt

14. JUNI 2021 | BÜR­GER­SCHAFT­LI­CHES ENGA­GE­MENT

Ehren­amts­ma­nage­ment inten­siv – Zer­ti­fi­kats­kurs

Ein Erfah­rungs­be­richt von Gül Yavuz

Als ich im Novem­ber 2019 den Zer­ti­fi­kats­kurs „Ehren­amts­ma­nage­ment inten­siv“ an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin begann, war ich mir nicht sicher, ob mir die­se Fort­bil­dung wirk­lich nüt­zen wür­de. Ich hat­te schließ­lich schon selbst jah­re­lang als Frei­wil­li­ge gear­bei­tet und auch viel Erfah­rung im Umgang mit Enga­gier­ten in der eige­nen Orga­ni­sa­ti­on gesam­melt. Den­noch war ich neu­gie­rig auf das, was mich erwar­ten wür­de, irgend­et­was Neu­es wäre sicher­lich dabei. Nicht abseh­bar war zu die­sem Zeit­punkt die lan­ge Dau­er die­ser Work­shoprei­he, die sich wegen der Coro­na-Pan­de­mie über ein Jahr hin­ge­zo­gen hat. Rück­wir­kend kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, die­sen Kurs gemacht zu haben, auch trotz der Ver­la­ge­rung von Prä­senz- zu Online- und Misch­for­ma­ten und dem gro­ßen Zeit­fens­ter.


Der Zer­ti­fi­kats­kurs

Der Kurs begann im Novem­ber 2019 in den Räu­men der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie in Ber­lin Mit­te als Prä­senz-Ver­an­stal­tung. Es ging zunächst um das gegen­sei­ti­ge Ken­nen­ler­nen und ers­te Zugän­ge zu dem The­ma. Es wur­de gleich deut­lich: pas­siv konn­te hier nie­mand sein. Unse­re Dozen­tin­nen Bea­te Häring und Chris­tia­ne Bie­der­mann führ­ten uns in abwechs­lungs­rei­chen Ses­si­ons, in Groß- und Klein­grup­pen mit denk­wür­dig chic design­ten Flip­charts von The­ma zu The­ma: War­um eigent­lich der Begriff „Manage­ment“? Wie fin­den Frei­wil­li­ge zu uns und wie blei­ben sie? Wel­che Per­so­nas kön­nen wir unse­ren Frei­wil­li­gen zuord­nen?


Es gab eine schier end­lo­se Palet­te an Berei­chen, die wir behan­del­ten, auch die Abste­ckung des recht­li­chen Rah­mens durch einen Rechts­an­walt gehör­te dazu. Beson­ders im Gedächt­nis geblie­ben ist mir per­sön­lich die Ses­si­on mit den soge­nann­ten „Motiv­la­gen“. Motiv­la­gen sind die indi­vi­du­el­len Antriebs­mo­ti­ve von Men­schen, die es zu ver­ste­hen gilt, wenn sie von einer Sache über­zeugt wer­den sol­len. Oft wer­den Motiv­la­gen falsch inter­pre­tiert: war­um bei­spiels­wei­se jeman­dem Ver­ant­wor­tung anbie­ten, wenn die­se Per­son in ihrem Enga­ge­ment eigent­lich ein­fach nur Kaf­fee kochen will? In die­ser Ses­si­on gab es viel Geläch­ter, alle hat­ten hier ihre indi­vi­du­el­len Geschich­ten von Miss­ver­ständ­nis­sen.


Die indi­vi­du­el­len Arbei­ten zwi­schen den Kur­sen


Im Zuge des Semi­nars hat­ten wir Teil­neh­men­den auch Haus­auf­ga­ben auf: wir soll­ten selbst ein Frei­wil­li­ges Enga­ge­ment auf­neh­men und so eine Ein­rich­tung aus der Per­spek­ti­ve von Frei­wil­li­gen ken­nen­ler­nen. Als zwei­tes soll­ten wir ein selbst­ge­wähl­tes The­ma in unse­rer Arbeit wei­ter vor­an­trei­ben. Zwi­schen­durch tra­fen wir uns in

Klein­grup­pen in Zoom-Mee­tings um uns gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen.

Fazit


Durch den Zer­ti­fi­kat­kurs Ehren­amts­ma­nage­ment inten­siv habe ich nun das Gefühl, bes­ser für mei­ne Arbeit gewapp­net zu sein. Ich ver­ste­he das Feld Ehren­amts­ma­nage­ment als kom­ple­xes Sys­tem, das ich aus jeder mög­li­chen Per­spek­ti­ve reflek­tiert habe. Das ist für mich per­sön­lich etwas Neu­es und ein gro­ßer Gewinn. Wie Arbeit mit Frei­wil­li­gen „gema­nagt“ wer­den muss, wenn sie es erfolg­reich sein soll, habe ich ver­stan­den. Die Ähn­lich­kei­ten zum Manage­ment-Pro­zess im For-Pro­fit-Bereich sind deut­lich. Außer­dem kann ich nun auf kon­kre­te Hand­lungs­stra­te­gien zurück­grei­fen, die wir im Work­shop­p­ro­zess indi­vi­du­ell erar­bei­tet haben.


Eine ech­te Berei­che­rung ist außer­dem das gro­ße Netz­werk an Kolleg:innen aus ganz Deutsch­land, das sich durch die gemein­sa­me Work­shop­ar­beit auto­ma­tisch gebil­det hat. Wir waren wirk­lich eine schö­ne Gemein­schaft in die­ser Zeit.


Nicht zuletzt liegt der Erfolg der Fort­bil­dung aber auch an den zwei tol­len Dozen­tin­nen Bea­te Häring und Chris­tia­ne Bie­der­mann, die uns immer gut gelaunt und kom­pe­tent durch das krea­ti­ve Pro­gramm geführt haben. Einen herz­li­chen Dank an die bei­den.

Zur Autorin: Gül Yavuz arbei­tet als Koor­di­na­to­rin für digi­ta­les Enga­ge­ment bei der oskar | frei­wil­li­genagen­tur lich­ten­berg

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