Coaching für Studierende mit Herz und Verstand
Interview mit Juliane Link
Wie schafft man es, Studium, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen? Was tun bei Überforderung, Selbstzweifeln oder Motivationslöchern? Juliane Link bietet Coaching für die Studierende zu genau solchen Fragen an. Dabei kann es um persönliche Herausforderungen oder berufliche Entscheidungen gehen. Im Studium Sozialmanagement (M. A.) ist das Coaching ein fester Bestandteil des Programms. Auch in den Bachelor-Studiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik gibt es regelmäßige Supervisionsangebote von ihr. In diesem Interview stellt Juliane Link sich näher vor.
Wie sind Sie zu Ihrem Beruf als Coach gekommen?
Auf meiner ersten Stelle war ich Referentin für eine Katholische Studierendengemeinde. Dort habe ich Veranstaltungen organisiert und Meditationskurse gegeben, vor allem aber war ich als Seelsorgerin für Studierende da, die gerade eine Krise durchlebten. Außerdem war ich Ansprechpartnerin für Studierende, die sich für spirituelle Themen interessierten und dazu Fragen hatten. In den Gesprächen habe ich dann schnell gemerkt, dass die meisten aber noch mit ganz anderen Dinge beschäftigt waren. Oft ging es um überfordernde Situationen im Studienalltag und die vielen Entscheidungen, die in dieser Lebensphase anstehen. So kam ich auf die Idee, mich als Coach ausbilden zu lassen.
Was ist Ihre Motivation, Studierende als Coach zu begleiten?
Viele erleben während des Studiums einen rasanten persönlichen Entwicklungsprozess. Das Studium erweitert ihren Horizont und verändert ihre Perspektive auf die Dinge. Solche Prozesse zu begleiten, bedeutet häufig auch Biographiearbeit und das ist eine sehr schöne Aufgabe. Studierende sind tolle Klient:innen. Sie sind meistens sehr offen und es fällt ihnen leicht, über komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen nachzudenken und Neues auszuprobieren. Diese Fähigkeiten bringen sie ins Coaching ein und das eröffnet mir viele Möglichkeiten für meine Arbeit.
Ich versuche im Gespräch einen Raum zu eröffnen, in dem nicht nur kognitive Überlegungen ihren Platz haben, sondern auch Gefühle und Körperempfindungen. Man muss nicht immer nach ihnen handeln, aber es lohnt sich, sie zu verstehen.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben? Welche Ansätze und welche Haltung verfolgen Sie?
Ich möchte Studierende ermutigen, kreativ zu sein, wenn sie vor Herausforderungen stehen. Das gilt für jeden einzelnen Lebensweg, aber auch für die globale Krisen und Probleme, mit denen wir aktuell und in Zukunft zurechtkommen müssen.
Außerdem arbeite ich viel mit Ansätzen aus dem Embodiment, bei denen die Synchronisation von Herz und Verstand wichtig ist. Wenn wir kein gutes Bauchgefühl haben, bringt es auf Dauer nichts, die Zähne zusammenzubeißen. Ich versuche im Gespräch einen Raum zu eröffnen, in dem nicht nur kognitive Überlegungen ihren Platz haben, sondern auch Gefühle und Körperempfindungen. Man muss nicht immer nach ihnen handeln, aber es lohnt sich, sie zu verstehen.
Was macht Ihnen in Ihrer Coaching-Tätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin besonders Freude?
An der Paritätischen Akademie habe ich mit sehr sympathischen Studierenden zu tun, die sozial und emotional kompetent sind und eine hohe Motivation mitbringen. Fast alle haben schon Supervisions- oder Coachingerfahrung und können sich gut reflektieren.
Die Coachings finden in kleinen Gruppen statt, in denen sich die Studierenden mit viel Empathie gegenseitig unterstützen und Mut machen. Das miterleben und mitgestalten zu können macht mir große Freude.
Vielen Dank für das Interview, Juliane Link!
Das Coaching ist fester Bestandteil des Masterstudiums Sozialmanagement und kann Studierende in folgenden Bereichen unterstützen:
- berufliche Neuorientierung
- Rollenklärung zwischen Job und Studium
- Führungskompetenz, Kommunikation, Selbstmanagement
- Umgang mit Perfektionismus oder innerem Druck
In erster Linie geht es in diesem Studiengang um die Vermittlung von Wissen über Betriebswirtschaft und Management für den sozialen Bereich. Aber auch gesellschaftliche Entwicklungen spielen eine Rolle. Die Studierenden sind bereits berufstätig und beschäftigen sich daher mit der übergeordneten Frage: Wie kann eine soziale Organisation nachhaltig, zukunftssicher und verantwortungsbewusst geleitet werden?
Erfahren Sie hier mehr über den Studiengang Sozialmanagement (Master of Arts), den wir in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin anbieten.
Auch in unseren berufsbegleitenden Bachelorstudiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik gibt es Supervision als regelmäßiges Angebot für Studierende. Diese Studiengänge werden in Kooperation mit der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik Berlin angeboten.
Sie können sich jetzt bis zum 30. Juni 2026 für den Studienstart der Studiengänge im Oktober 2026 bewerben!
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Titelbild: Juliane Link (Foto: Jörg Farys, Grafik: Julia Mann)
Was bedeutet soziale Ungleichheit, Dr. Vera Santos?
Im Interview mit unserer Dozentin Dr. Rocío Vera Santos
Frau Dr. Vera Santos, Sie lehren sowohl in den Bachelorstudiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik als auch im Masterstudiengang Sozialmanagement. Worum geht es in Ihrem Fachgebiet?
Mein Fachgebiet ist die Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit, Rassismus, Gender- und Ethnicity Studies.
Was bedeutet soziale Ungleichheit?
Soziale Ungleichheit ist ein multidimensionales und strukturelles Phänomen. Sie bezeichnet die Disparitäten zwischen sozialen Gruppen, die durch eine hierarchische Ordnung beim Zugang zu Ressourcen entstehen. Diese gehen über das Ökonomische hinaus und umfassen auch politische, soziokulturelle und ökologische Dimensionen.
Womit beschäftigen Sie sich genau?
Ich untersuche soziale Ungleichheit als historisches Ergebnis von Kolonialismus, Versklavung und dem transatlantischen Sklavenhandel sowie als Folge bis heute fortbestehender und transnational verflochtener Machtverhältnisse, Machtstrukturen und Mechanismen des Ausschlusses (z. B. soziale Stratifikationen, Diskurse und rechtliche Rahmenbedingungen). Darüber hinaus beschäftige ich mich mit Formen des Widerstands, Prozessen der Identitätsstärkung sowie mit Fragen der Reparation und der Anerkennung afrikanischer und indigener Wissensformen.
Wie sind Sie zu diesem Gebiet gekommen und was genau interessiert Sie?
Ich bin während meiner Promotion und meines Postdocs am Lateinamerika-Institut zu diesem Themenfeld gekommen, als ich begann, mich intensiver mit Fragen sozialer Ungleichheit, Kolonialgeschichte und Rassismus in Lateinamerika zu beschäftigen. Auf der Mikroebene habe ich insbesondere die Konstruktion von Afro-Bezirken in urbanen Kontexten untersucht, wobei ich die Rolle von Frauen, Religion, traditionelles Wissen, Ethnobildung und Gemeinwesenarbeit besonders berücksichtigt habe.
Später habe ich meine Forschung auf strukturellen Rassismus und institutionelle Diskriminierung in Bildungs‑, Justiz- und Gesundheitsbereichen ausgerichtet. Derzeit untersuche ich die Zusammenhänge zwischen Umwelt-Rassismus, rassistischem Kapitalismus und den globalen Verflechtungen.
Mein Anspruch ist es,
Studierende dazu zu befähigen, soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und inklusive Unterstützungssysteme sowohl analytisch zu verstehen als auch in professionellen Handlungsfeldern umzusetzen.
Dr. Rocío Vera Santos
Warum ist es wichtig, dieses Feld in der Sozialen Arbeit zu lehren?
Wie Sie wissen, weist das Studium der Sozialen Arbeit eine ausgeprägte praxisorientierte Dimension auf. Ich habe in Berlin viele Jahre in sozialen Organisationen gearbeitet, die Migrant*innen, Geflüchtete, Frauen und – in letzter Zeit – auch Menschen mit körperlichen oder kognitiven Behinderungen unterstützen.
Ich versuche in meinen Lehrveranstaltungen, Studierende an die Lebensrealitäten dieser vulnerablen Gruppen heranzuführen. Dabei wende ich soziologische Theorien an, um soziale Phänomene besser verständlich zu machen und zugleich für deren gesellschaftliche Bedeutung zu sensibilisieren.
Wie kann man sich den Unterricht bei Ihnen vorstellen?
In meiner Lehrtätigkeit arbeite ich interdisziplinär. Ich unterrichte Seminare in den Bereichen Sozialwirtschaft, Sozialmanagement, Soziologie und Forschungsmethoden, halte Vorlesungen zum sozialen Wandel im internationalen Vergleich und biete Wahlmodule zu Gender und Diversität an.
Ein zentraler Schwerpunkt meiner Lehre liegt auf den Themen Migration, Flucht, soziale Ungleichheit, Intersektionalität, Gewalt, Diskriminierung und Rassismus sowie auf Fragen des Zusammenlebens, der Konvivialität und des Empowerments von Minderheiten.
Ziel meiner Lehre ist es, Studierende für die komplexen Lebenslagen von Menschen in prekären sozialen Situationen zu sensibilisieren und ihnen fundierte Kenntnisse über die strukturellen Bedingungen sozialer Ungleichheiten zu vermitteln. Dazu gehören auch die Wechselwirkungen mit lokal-globalen Machtverhältnissen, Rechtsordnungen und organisationalen Praktiken zu vermitteln.
Dabei lege ich besonderen Wert darauf, zentrale sozialwissenschaftliche Konzepte theoriegeleitet und zugleich praxisnah zu vermitteln. Mein Anspruch ist es, Studierende dazu zu befähigen, soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und inklusive Unterstützungssysteme sowohl analytisch zu verstehen als auch in professionellen Handlungsfeldern umzusetzen.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben? Welchen Ansatz verfolgen Sie?
In meiner Lehre arbeite ich vor allem mit postkolonialen und dekolonialen Ansätzen sowie mit Perspektiven des Black Feminism. Ich ermutige die Studierenden, eine reflektierte, analytische und zugleich feministische, antirassistische und antidiskriminierende Haltung zu entwickeln. Über den Tellerrand hinauszublicken heißt, Autor*innen aus dem Globalen Süden zu lesen und damit neue Perspektiven kennenzulernen.
Ich lege außerdem großen Wert auf Inklusion und den Respekt vor Vielfalt sowie auf die Förderung sozialer Projekte, die die individuellen Bedürfnisse vulnerabler Menschen berücksichtigen. Auch unter dem Gesichtspunkt der Intersektionalität.
Worauf freuen Sie sich besonders in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin?
Ich freue mich besonders auf die Studierenden, da die Mehrheit über umfangreiche Berufserfahrung und praktisches Wissen im Bereich der Sozialen Arbeit oder der Pädagogik verfügt. Viele von ihnen haben Führungspositionen inne und arbeiten in öffentlichen oder privaten sozialen Einrichtungen. Einige absolvieren zudem ein Zweitstudium. Dadurch ist das Niveau und die Beteiligung in den Lehrveranstaltungen sehr hoch, was unsere Diskussionen sehr bereichert.
Meine Lehrveranstaltungen gestalte ich inklusiv und lege großen Wert darauf, zu einer positiven und respektvollen Lernatmosphäre beizutragen. Mein Ziel ist es, dass die Studierenden an jeder Sitzung aktiv teilnehmen. Ihre Meinungen, Kenntnisse und Erfahrungen sind mir sehr wichtig. Die Sitzungen sind eine Zeit des gemeinsamen Lernens.
Die Atmosphäre an der Paritätischen Akademie ist sehr angenehm und förderlich für das Lernen. Wenn Leidenschaft für die Lehre vorhanden ist, fließt vieles ganz von selbst – und genau das macht den Austausch mit den Studierenden so bereichernd.
Zur Person:
Dr. Rocío Vera Santos
Assoziierte Wissenschaftlerin, Lateinamerika-Institut, Freie Universität Berlin
Schwerpunkte:
- Soziale Ungleichheiten
- Rassismus, Antirassismus
- Diskriminierung
- Migration
- Menschenrechte
- Gender and Diversity Studies
- Black Studies
Dr. Vera Santos ist Dozentin an der Paritätischen Akademie Berlin in den Kooperationsstudiengängen Soziale Arbeit (B.A) und Heilpädagogik (B.A.) mit der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik HSAP und dem Kooperationsstudiengang Sozialmanagement (M.A.) mit der Alice Salomon Hochschule Berlin.
Ihr Buch „Dinámicas de la negritud y africanidad. Construcciones de la afrodescendencia en Ecuador“ wurde 2016 mit dem Isabel Tobar Guarderas-Preis ausgezeichnet. Ihr zweites Buch „Entre el Atlántico y el Pacífico Negro. Afrodescendencia y regímenes de desigualdad en Sudamérica“ (mit Sergio Costa und Manuel Góngora) erhielt 2021 den LASA Iberoamericano Book Award der Latin American Studies Association.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Rocío Vera Santos
Neue Professorin für Heilpädagogik
Prof. Dr. Melanie Knaup stellt sich vor!
Wer darf mitreden? Wer wird gehört? Wer gehört dazu? Für Prof. Dr. Melanie Knaup fängt Inklusion bei Sprache, Bildung und kultureller Teilhabe an. Sie beschäftigt sich damit, was Teilhabe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen bedeutet und was Fachkräfte brauchen, um diese möglich zu machen. Seit 2026 hat sie eine Professur im Studiengang Heilpädagogik an der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP), den die Paritätischen Akademie Berlin gemeinsam mit ihr durchführt, inne.
Frau Prof. Dr. Knaup, womit beschäftigen Sie sich und wie sind Sie dazu gekommen?
Mich hat früh beschäftigt, wie Menschen Zugang zu Bildung, Sprache und kulturellen Räumen erhalten und welche Barrieren gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe verhindern. Die Literatur‑, Kultur- und Medienwissenschaft hat dahingehend mein Denken in Bezug auf Fragen kultureller Bildung, Teilhabe und wie Menschen mit Beeinträchtigungen in Medien repräsentiert sind, geprägt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Förderpädagogik und Inklusive Bildung der Justus-Liebig-Universität Gießen habe ich schwerpunktmäßig zur Teilhabe von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung geforscht.
In meiner wissenschaftlichen Arbeit und in der pädagogischen Praxis wurde deutlich, dass Inklusion nicht nur soziale, sondern immer auch kulturelle Teilhabe bedeutet. In meiner Promotion untersuchte ich, unter welchen Voraussetzungen kulturelle Bildung und Teilhabe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen ermöglicht werden kann und wie erfahrungsbezogene und bedeutungsstiftende Zugänge alltägliche Lernprozesse unterstützen.
Worum geht es in der Heilpädagogik nach Ihrem Verständnis?
Heilpädagogik beschäftigt sich mit der Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen in allen Lebensphasen. Ziel ist es, Selbstbestimmung, Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Dazu gehört ausdrücklich auch kulturelle Teilhabe – also der Zugang zu Bildung, Sprache, Kunst, Medien, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Ausdrucksfähigkeit.
Heilpädagogik verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer klaren ethischen Orientierung: Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde, Entwicklung, kulturellen Ausdruck und gesellschaftliche Zugehörigkeit.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben?
Mir ist wichtig, Studierenden fachliche Sicherheit, reflexive Professionalität und eine klare Haltung zu vermitteln. Dazu gehören Ressourcenorientierung, Anerkennung von Vielfalt sowie die Überzeugung, dass jeder Mensch ein Recht auf Bildung, Ausdruck und kulturelle Teilhabe hat. Mein Ansatz verbindet wissenschaftliche Fundierung, Praxisnähe und Beziehung. Heilpädagogisches Handeln ist für mich immer auch eine Frage von Haltung, Verantwortung und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
Worauf freuen Sie sich besonders in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin?
Ich freue mich besonders auf die Arbeit mit engagierten Studierenden, die Heilpädagogik als gesellschaftlich relevante und gestaltende Profession verstehen. Besonders wichtig ist mir der Dialog – gemeinsam zu reflektieren, Perspektiven zu entwickeln und professionelle Handlungssicherheit aufzubauen.
Zur Person
Prof. Dr. Melanie Knaup
Schwerpunkte:
- Inklusion und Teilhabe, u.a. kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung
- Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte
- Einstellungen und Haltungen in inklusiven Kontexten
- Sprachentwicklung und Sprachförderung
- personenzentrierte Teilhabeplanung
- professionelle Handlungskompetenz in heilpädagogischen Arbeitsfeldern
Seit Januar 2026 ist Melanie Knaup Professorin für Heilpädagogik und inklusive Pädagogik an der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP). In Kooperation mit der HSAP lehrt sie in der Paritätischen Akademie Berlin im Bachelorstudiengang Heilpädagogik unter anderem in den Bereichen Sprachheilpädagogik, Spielpädagogik und Teilhabeplanung sowie in weiteren heilpädagogischen Modulen. Darüber hinaus unterrichtet sie im Kooperationsstudiengang Soziale Arbeit im Modul „Teilhabe und Inklusion“. In den dualen Studiengängen der HSAP lehrt sie im Studiengang Kindheitspädagogik im Bereich Sprachentwicklung und Sprachförderung.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Melanie Knaup
Pflegeeltern gesucht: Was sich in der Pflegekinderhilfe ändern muss
Interview zur Praxisforschung zum Thema Diversität im Rahmen des Masterstudiums Sozialmanagement
Pflegefamilien spiegeln kaum die Vielfalt unserer Gesellschaft wider – das hat Hannah von der Mark als Sozialarbeiterin in Berlin selbst erlebt. Die Absolventin der Paritätischen Akademie Berlin stellt daher in ihrer Masterarbeit die Frage: Wie lassen sich mehr Pflegeeltern of Colour gewinnen? Wie kann Diversity Management in der Pflegekinderhilfe konkret umgesetzt werden?
Dazu befragte Sie Pflegekinder, Pflegeeltern und Fachkräften der Pflegekinderhilfe nach ihren Erfahrungen der mit den Institutionen. Wir haben mit ihr über die Ergebnisse ihrer Untersuchung und ihre Arbeit in der Pflegekinderhilfe gesprochen.
Frau von der Mark, wie ist Ihrer Einschätzung nach die Pflegekinderhilfe aufgestellt, insbesondere in Bezug auf das Thema Diversität?
Hannah von der Mark: Die Pflegekinderhilfe ist gesellschaftlich wie auch in der Sozialen Arbeit ein Nischenbereich, mit dem sich nur sehr wenig befasst wird und der im öffentlichen Diskurs eher negativ behaftet ist. Zu wenige Menschen sind über die Möglichkeit, ein Pflegekind aufzunehmen und was dies in der Realität bedeutet, informiert. Die Kinder, für die eine Pflegefamilie gesucht wird, kommen aus vielen verschiedenen Familien und bringen verschiedene ethnische Identitäten mit. Auf der anderen Seite gibt es jedoch nur sehr wenige Pflegeeltern, die nicht weiß sind.
Um auch BIPoC-Kindern ein Umfeld zu geben, in dem sie sich abgleichen und wiederfinden können, und insgesamt dafür zu sorgen, dass eine Vielfalt an Pflegeeltern zur Verfügung steht, ist es wichtig, auch Communities of Color in Überlegungen zur Ausweitung von Pflegeelternakquise mit einzubeziehen. Bisher passiert dies kaum.
Zu wenige Menschen sind über die Möglichkeit, ein Pflegekind aufzunehmen und was dies in der Realität bedeutet, informiert.
Migrantische und geflüchtete Mütter, insbesondere auch schwarze Frauen, sind oft selbst von institutionellem Rassismus – etwa seitens der Jugendämter – betroffen. (Anmerkung der Redaktion)*
Gut gelungen ist in der Vergangenheit die Aufklärung darüber, dass auch gleichgeschlechtliche Paare sowie andere Menschen aus der LGBTQIA+-Community Pflegeeltern werden können. Es gibt viele gleichgeschlechtliche Paare, die Pflegekinder aufgenommen haben. Ich würde mir wünschen, dass künftig zusätzlich auch Communities of Color erreicht werden können.
Ein häufiges Missverständnis: Pflegekinder müssten ihre Pflegefamilie bald wieder verlassen. Das stimmt nur selten – die meisten bleiben bis zur Volljährigkeit. Dieses Vorurteil schreckt viele Interessierte ab. In Berlin fehlen aktuell rund 700 Pflegefamilien – eine alarmierende Zahl.
Was sind laut Ihrer Untersuchung die größten Herausforderungen? Welche Maßnahmen gibt es, um die Situation zu verbessern?
Hannah von der Mark: Es ist eine gesamtgesellschaftliche Veränderung notwendig statt allein in der Pflegekinderhilfe. Der aktuelle politische Diskurs zum Thema Migration ist von so viel Rassismus und Hass geprägt – da ist es absolut verständlich, dass Menschen mit Migrationsgeschichte allen deutschen Ämtern mit Vorsicht begegnen. Die Pflegekinderhilfe als Institution, die eng mit dem Jugendamt zusammenarbeitet, ist hiervon selbstverständlich mit betroffen. Auch Alltagsrassismus und Mikroaggressionen sind so weit verbreitet, dass es eine nachvollziehbare Sorge ist, diesen auch in Prozessen der Pflegekinderhilfe zu begegnen. Sich dem nicht aussetzen zu wollen, ist sehr verständlich. Ich kann, basierend auf meinen Interviews, auch nicht ausschließen, dass es zu solchen Erfahrungen kommt.
Eine Stärkung der Fachkräfte sowohl der Pflegekinderhilfe als auch des Jugendamtes hinsichtlich einer diskriminierungssensiblen Haltung stellt eine große Herausforderung dar, die beispielsweise mithilfe von Fortbildungen angegangen werden kann.
Was muss sich ändern, um mehr BIPoC-Pflegeeltern zu gewinnen?
Hannah von der Mark: Die Akquise findet zu wenig im öffentlichen Raum statt. In meinen Interviews erhielt ich vor allem die Rückmeldung, dass es an Informationen fehlt.
Mehr Informationen sollten beispielsweise über Plakate oder Social Media verbreitet werden. Letzteres beginnt langsam, jedoch findet auch hier Diversity bisher nur bedingt Einzug. Für eine Plakatkampagne fehlen aktuell – wie überall in der Sozialen Arbeit – die finanziellen Ressourcen.
Wurde das Thema Diversität im Masterstudiengang Sozialmanagement, den sie berufsbegleitend studiert haben, aufgegriffen? Wie hat Ihnen das für Ihr Thema weitergeholfen?
Hannah von der Mark: Ja, es gab ein Modul zum Thema Diversity-Management. Hier erhielt ich einen ersten Einblick in Diversity als Managementaufgabe und konnte meinen Blick für die Herausforderungen diesbezüglich in der Pflegekinderhilfe schärfen. Zudem konnte ich die Expertin, die den Kurs doziert hat, als Erstgutachterin für meine Masterarbeit gewinnen.
Wie geht es jetzt für Sie und Ihren Bereich weiter?
Hannah von der Mark: Die Anregungen und Ideen, die ich in der Masterarbeit gesammelt habe, möchte ich nun umsetzen. Damit möchte ich nachhaltige Veränderungen in meinem Arbeitsbereich erreichen.
Das heißt konkret:
- Communities of Color sowie der LGBTQIA+-Community sollen in die aktuell stattfindende Social-Media-Kampagne aufgenommen werden.
- Fortbildungsprogrammen für Pflegefamilien, die ein BIPoC-Kind aufgenommen haben, sollen das Thema einbeziehen
- Netzwerke für diese Pflegefamilien sollen aufgebaut werden, um die Kinder in der Entwicklung ihrer ethnischen Identität zu stärken.
- Fortbildungsmaßnahmen für die Fachkräfte der Pflegekinderhilfe werden geplant, um die Pflegekinderhilfe so diskriminierungssensibel wie möglich zu gestalten.
Ziel ist es, dass alle Menschen erreicht werden können und wir möglichst viele neue Pflegeeltern akquirieren können. Das wird zwar noch dauern, ich bin jedoch guter Dinge, dass die notwendigen Veränderungen auch durchgeführt werden.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!
Zur Person: Hannah von der Mark (Foto unter dem Text) war als Sozialarbeiterin in der Jugendhilfe tätig. Doch durch ihren Wunsch neben dem Beruf Sozialmanagement zu studieren, suchte sie nach einer neuen Stelle, die mit flexibleren Arbeitszeiten ein berufsbegleitendes Studium ermöglichen könnte. Auf diesem Weg kam sie zu einer Stelle in der Pflegekinderhilfe. In diesem Interview gibt sie Einblicke in die Ergebnisse ihrer umfangreichen Untersuchung des Themas Diversität in diesem Bereich, die sie im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Paritätischen Akademie Berlin durchführte.

*Hinweis der Redaktion: Das Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin (ADNB) bietet Beratung und Unterstützung für Menschen, die rassistische Diskriminierung erfahren haben. Es setzt sich für die soziale, rechtliche und politische Gleichbehandlung ein und fördert eine Antidiskriminierungskultur auf lokaler Ebene. Mehr Infos auf der Website von SEKIS Berlin.
Sie möchten mehr über Pflegeelternschaft in Berlin erfahren? Dann besuchen Sie Pflegekinder Berlin – das Informationsportal für Pflegefamilien auf www.pflegekinder-berlin.de.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Pexels
Foto im Text: Hannah von der Mark