Unsere Highlights 2025
Was bleibt von einem Jahr? Zahlen, Termine, Abschlüsse? Oder sind es die Momente, in denen sich Haltung schärft, Perspektiven öffnen und Menschen spüren: Meine Arbeit macht einen Unterschied.
2025 war für die Paritätische Akademie Berlin genau so ein Jahr.
Fachtagung zu Autismus, ADHS und Neurodiversität
Ein besonderer Höhepunkt war die Fachtagung zu Autismus, ADHS und Neurodiversität im September.
Das Verständnis neurodivergenter Menschen stand hier im Mittelpunkt. Fachlich, praxisnah und mit großer Offenheit wurde diskutiert, wie Klient:innen jeden Alters in der Eingliederungshilfe und Sozialen Arbeit ressourcenorientiert begleitet werden können.
Die Resonanz zeigte: Der Bedarf an Weiterbildung zu Neurodiversität ist groß. Genau hier setzt die Paritätische Akademie mit ihren Angeboten in der Weiterbildung in Berlin an.


Studienabschluss neben dem Beruf – 75 Gründe stolz zu sein
Beruf, Familie, Studium – und das alles gleichzeitig? 2025 haben 75 Absolvent:innen gezeigt, dass es möglich ist.
Wir gratulieren 45 Master- und 30 Bachelor-Absolvent:innen, die mit Ausdauer, Leidenschaft und fachlichem Anspruch ihren Abschluss erreicht haben.
Sie alle haben Willen gezeigt, Verantwortung zu übernehmen und Strukturen aktiv mitzugestalten. Was die Akademie ihnen dafür bereitstellt: zeitliche Flexibilität, Online-Module und kompakte Präsenzphasen in Berlin, damit sich akademische Weiterbildung und Berufsalltag realistisch vereinbaren lassen.
Diese Abschlüsse stehen nicht nur für persönliche Erfolge, sondern für eine professionell gestärkte Soziale Arbeit, die den wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen gewachsen ist.


Weiterkommen durch Zertifikatskurse!
Auch jenseits eines Studiums war 2025 ein starkes Jahr: Über 300 Teilnehmende haben erfolgreich einen unserer Zertifikatskurse abgeschlossen.
Ob Betriebswirtschaft in sozialwirtschaftlichen Dienstleistungsunternehmen, Qualifizierung für (angehende) Geschäftsführer:innen in der Sozialwirtschaft, Ehrenamtsmanagement oder die Weiterbildung zur Facherzieher:in für Teilhabe und Inklusion. Die Nachfrage zeigt, wie vielfältig die Entwicklungswege in der Sozialen Arbeit sind.
Unsere Zertifikatskurse ermöglichen eine gezielte, praxisnahe Weiterbildung, die unmittelbar im Berufsalltag wirksam wird. Hier geht es zu den Zertifikatskursen 2026.


„Zu(sammen)kunft der freien Wohlfahrtspflege“: ein Netzwerktreffen, das Hoffnung macht
Unser Netzwerktreffen mit dem Motto „Zusammen in die Zukunft“ sorgte für spannende Impulse, wertvollen Austausch und neue Erkenntnisse. Angesichts der Unsicherheiten, die die Zukunft der freien Wohlfahrtspflege prägen, sind unsere Netzwerktreffen im Sinne von Begegnungsräumen wichtiger denn je.
Im Mittelpunkt standen zukunftsweisende Themen wie KI, Klimawandel und Weiterbildung. Eine zentrale Erkenntnis: Eine schnelle Welt braucht keine schnellen Lösungen. Im Gegenteil, vielmehr geht es darum, Beziehungsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit wieder zu erlernen, sich Zeit zu nehmen, um Kompromisse auszuhandeln und sich aufeinander einzulassen. Denn komplexe Systeme lassen sich nur durch Vertrauen steuern. Etwa durch das Etablieren von Realutopien, indem wir Dinge gemeinsam denken und ausprobieren.
Erkenntnisse, die sich mit den Eindrücken der Teilnehmenden decken:
„Ich bin hergekommen, um Veränderungen proaktiv zu gestalten und nicht immer nur reaktiv. Im KI-Workshop habe ich gelernt, wie man mit KI auf niedrigschwellige Weise Automatisierungen etablieren kann. Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Wenn man sich Zeit nimmt, Strukturen zu definieren, kann das richtig gut werden.“
(Vanessa Schwartz, Stellv. Geschäftsführung Stadtteilzentrum Steglitz)
Manche Dinge geschehen in einer Größenordnung, die wir als mittelgroßer Träger gar nicht so umsetzen können. Aber das noch einmal innovativ, anders zu denken und in den Austausch zu kommen – ich denke, das ist sehr wichtig und hilfreich.“
(Leitung Arbeitskreis Nachhaltigkeit bei Lebenswelten e. V.)
„Ich war nicht mehr nur im Hier und Jetzt, sondern mal wieder politisch unterwegs, was sehr gut getan hat – mal wieder die Scheuklappen weit aufzumachen.“
(Bettina Göbetz, Lebenshilfe Berlin)


Das Feedback zeigt uns, auch in Zukunft verstärkt Reflexionsräume zu eröffnen und zum gemeinsamen Austausch einzuladen. Mit unserem Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden.
Wir danken allen Teilnehmenden, Dozierenden und Partner:innen, die dieses Jahr möglich gemacht haben: Wir freuen uns auf alles, was kommt!
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Redaktion: Dr. Carolin Alexander, Julia Mann & Lucas Frye (Paritätische Akademie Berlin)
Fotos: Julia Mann und Lucas Frye
Ehrenamtsmanagement will gelernt sein –
Christiane Biedermann über ihre Erfahrungen in der Qualifizierung von Freiwilligenkoordinator:innen
Seit über 20 Jahren unterstützt Christiane Biedermann Menschen und Organisationen im Freiwilligenmanagement und leitet seit mehreren Jahren den Zertifikatskurs „Ehrenamtsmanagement intensiv“ an der Paritätischen Akademie Berlin. Im Interview spricht sie darüber, warum professionelles Ehrenamtsmanagement so wichtig ist, wie sich freiwilliges Engagement gewandelt hat, vor welchen Herausforderungen Organisationen heute stehen – und welche Fähigkeiten künftig in der Freiwilligenkoordination gefragt sind.
Frau Biedermann, seit über 20 Jahren unterstützen Sie Menschen und gemeinnützige Organisationen in ihrem ehrenamtlichen Engagement. Was begeistert Sie an dieser Arbeit – und warum ist es Ihnen wichtig, Ihre Erfahrung weiterzugeben?
Mich begeistern Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie schenken der Gesellschaft und Organisationen etwas sehr Wertvolles: Ihre Zeit, Talente, Erfahrungen, Kontakte aus ihren Netzwerken – und von ihnen geht meist eine positive Lebenseinstellung und Ausstrahlung aus. Ehrenamtlich Engagierte dürfen von Organisationen entsprechendes Know-how in der Freiwilligenkoordination und im Ehrenamtsmanagement erwarten. Dennoch haben 65 Prozent derjenigen, die sich um ehrenamtlich Engagierte in ihrer Organisation kümmern, keine Aus- oder Weiterbildung dafür. Das zeigt die „Pilotstudie Freiwilligenmanagement“ der Technischen Hochschule Nürnberg. Da gibt es in der Qualifizierung also noch einiges zu tun. Schließlich sind Organisationen, die Engagement fördern, vielfach Orte für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gelebte Demokratie. Auch darum ist es mir wichtig, Erfahrungen immer wieder zu teilen.
Ihr Wissen geben Sie im Kurs „Ehrenamtsmanagement intensiv“ weiter, der ebenfalls seit mehr als 20 Jahren besteht. Wie hat sich das freiwillige Engagement in dieser Zeit verändert – und welche Themen sind bis heute aktuell geblieben?
Keineswegs lässt sich sagen, das Ehrenamt früher „in“ war und heute „out“ ist. Das zeigen auch repräsentative Studien. Doch freiwilliges Engagement wandelt sich. Kurzfristige, anlassbezogene und überschaubare Aktivitäten sind beliebter als zeitintensive, dauerhafte und verantwortungsvolle Aufgaben. Wir haben an neuen Engagementmöglichkeiten dazugewonnen. Dazu zählen die Freiwilligentage, wie sie der Paritätische Berlin mit Partner:innen im Spätsommer durchführt. Hier können Menschen bei Mitmach-Aktionen freiwilliges Engagement ausprobieren und einfach mit anpacken. Auch digitales Engagement gehört dazu. Es kommt jenen entgegen, die sich ortsungebunden engagieren möchten oder aus Gründen der Gesundheit oder eingeschränkter Mobilität bisher oft ausgeschlossen waren. Nach wie vor haben wir ungleiche Zugangschancen zum freiwilligen Engagement. Das müssen wir ändern.
Freiwilliges Engagement wandelt sich, wir haben neue Engagementmöglichkeiten dazugewonnen. Doch nach wie vor haben wir ungleiche Zugangschancen zum Engagement. Das müssen wir ändern.
Gab es eine Situation in einem Ihrer Kurse, die Sie selbst überrascht oder besonders berührt hat?
Immer wieder. Wenn Teilnehmer:innen im Laufe des Kurses berichten, dass sie an Kompetenzen und Sicherheit in ihrer Freiwilligenkoordination gewonnen oder an Rückhalt für das Ehrenamtsmanagement bei ihrer Leitung und im Kolleg:innenkreis gewonnen haben. Wir haben Stellenwechsel im Ehrenamtsmanagement. Die Nachfolger:innen von Teilnehmer:innen aus vorherigen Kursen kommen. Da gibt es schonmal den Aha-Effekt: „Jetzt verstehe ich noch besser, was meine Kollegin / mein Kollege bereits aufgebaut hat.“
Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Organisationen, wenn es um die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen geht – und worauf sollten sie heute besonders achten?
Die Kursteilnehmer:innen bringen zum Start die aktuellen Herausforderungen aus ihren Organisationen mit. Nach einem halben Jahr, also zum Kursende, entwickeln wir – auch mit Gastdozierenden – machbare Ansätze oder Lösungen. Mindestens drei Herausforderungen lassen sich ausmachen, die auch repräsentative Studien zeigen:
- Sicherstellen von Kontinuität bei gleichzeitiger Flexibilität und Zeitsouveränität im Engagement,
- Übernahme von verantwortungsvollen Aufgaben und Nachfolgeplanung
- Abbau von Schwellen im Zugang zum Engagement.
Unterm Strich geht es nicht um einzelne Maßnahmen, sondern um Fragen der Organisations- und Teamentwicklung.
Welche Fähigkeiten werden in den kommenden Jahren besonders gefragt sein, wenn es um die Begleitung von ehrenamtlichem Engagement geht?
Den Stellenangeboten für Freiwilligenkoordinator:innen lassen sich die erforderlichen Fähigkeiten ganz gut entnehmen. Dazu zählen soziale und kommunikative Kompetenzen, aber auch Veranstaltungen organisieren, Schulungen durchführen, zwischen verschiedenen Erwartungen zu moderieren und mit Konflikten umgehen zu können. Noch mehr wird es darauf ankommen, Freiwilligen-Communities etablieren zu können, ehrenamtlich Engagierte in ihrer Selbstorganisation zu unterstützen sowie Teamarbeit und ‑entwicklung zu begleiten.
Vielen Dank für das Interview, Frau Biedermann!
Möchten auch Sie Menschen in ihrem Engagement begleiten und ein bürgerschaftliches, freiwilliges Engagement in Ihrer Organisation fördern? Dann melden Sie sich zum nächsten Zertifikatskurs Ehrenamtsmanagement intensiv an.
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Redaktion: Lucas Frye (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Christiane Biedermann (Foto: Lisa Merk)
Führen, Begleiten und Koordinieren von haupt- und ehrenamtlichen Teams
Seminar
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Frauen und Führung –
Wie können soziale Organisationen Führung diverser gestalten, Frau Dr. Böcker-Giannini?
In kaum einer Branche arbeiten so viele Frauen wie in der Sozialwirtschaft – und doch sind Führungspositionen auch dort häufig männlich besetzt. Woran liegt das? Was können Organisationen tun, um Strukturen gerechter zu gestalten? Was können Frauen selbst tun, wenn sie eine Führungsrolle anstreben?
Dr. Nicola Böcker-Giannini kennt diese Fragen aus langjähriger Praxiserfahrung. Die promovierte Philosophin und Diplomsportlerin war selbst in verschiedenen leitenden Funktionen tätig – unter anderem als Staatssekretärin für Sport im Land Berlin oder als Fachberaterin bei einem Berliner Kitaträger. Heute berät sie als systemische Business-Coach und Change-Managerin Führungskräfte und Organisationen – und setzt sich seit vielen Jahren für mehr Diversität in Führung ein.
Wie sind Sie dazu gekommen, sich für das Thema Frauen in Führung zu engagieren? Gab es prägende Momente oder Erfahrungen in Ihrer Karriere, die Ihre Sicht auf dieses Thema verändert haben?
Dr. Nicola Böcker-Giannini: Mein Engagement für mehr Frauen in Führungspositionen ist das Ergebnis langjähriger Erfahrungen – sowohl aus meinem politischen Ehrenamt als auch aus meiner beruflichen Tätigkeit als Politikerin, Dozentin und Expertin im Bereich der frühkindlichen Bildung. In all diesen Funktionen habe ich erlebt, dass Frauen trotz hoher fachlicher Kompetenz übersehen oder unterschätzt wurden, wenn es um Führungspositionen ging. Diese Diskrepanz zwischen Kompetenz und tatsächlicher Repräsentanz hat mich motiviert, an Veränderung mitzuwirken. Denn Führung darf keine Frage des Geschlechts sein – sondern der Fähigkeit, verantwortungsvoll und mit Haltung zu gestalten.
In der Sozialwirtschaft ist der Frauenanteil insgesamt hoch. Dennoch sind Führungspositionen überwiegend männlich besetzt. Wie lässt sich dieses Missverhältnis erklären?
Die Sozialwirtschaft ist ein gutes Beispiel für eine strukturelle Schieflage: Frauen tragen einen Großteil der inhaltlichen und praktischen Arbeit, doch je höher die Position in der Hierarchie, desto geringer wird ihr Anteil. Das hat viel mit tradierten Rollenbildern, Netzwerken und unbewussten Vorannahmen zu tun – und mit Strukturen, die nicht darauf ausgerichtet sind, Diversität zu fördern. Es fehlt oft an gezielter Strategie, transparenter Karriereplanung und einer Führungskultur, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Teilhabe ernst nimmt.
In Wahrheit geht es um strukturelle Veränderung: um faire Zugänge, transparente Entscheidungsprozesse und eine Unternehmenskultur, die Diversität in Führung nicht nur duldet, sondern aktiv ermöglicht.
Was läuft in der Debatte um Frauen in Führungspositionen falsch? Wo gibt es besonders hartnäckige Missverständnisse?
Ein verbreitetes Missverständnis ist die Idee, es ginge dabei nur um „Frauenförderung“ im Sinne individueller Unterstützung. In Wahrheit geht es um strukturelle Veränderung: um faire Zugänge, transparente Entscheidungsprozesse und eine Unternehmenskultur, die Diversität in Führung nicht nur duldet, sondern aktiv ermöglicht. Auch die Vorstellung, dass Frauen seltener führen wollen, ist ein hartnäckiger Mythos – oft sind es vielmehr die Rahmenbedingungen, die abschrecken. Das Ziel ist deshalb, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Führung für alle selbstverständlich erreichbar wird.
Was können soziale Organisationen tun, um Frauen nachhaltig in Führungspositionen zu bringen – und worin unterscheiden sie sich dabei von anderen Branchen?
Soziale Organisationen bringen eine große Chance mit, denn sie verstehen sich häufig als wertegeleitet, als Orte von Teilhabe und Gerechtigkeit. Diese Werte müssen sich auch in den internen Strukturen widerspiegeln. Dafür braucht es gezielte Maßnahmen wie beispielsweise Mentoring-Programme, transparente Beförderungsverfahren, flexible Arbeitszeitmodelle und eine Überprüfung der eigenen Führungsleitbilder. Im Vergleich zur Privatwirtschaft haben soziale Träger oft flachere Hierarchien und ein anderes Selbstverständnis. Auch das ist eine Chance für neue Formen der Führungskultur.
Was können Frauen selbst tun, wenn sie eine Führungsposition anstreben?
Sich vernetzen, sich sichtbar machen und mutig bleiben – und dabei die eigene Haltung zur Führung reflektieren. Viele Frauen haben internalisierte Zweifel oder den Anspruch, „perfekt vorbereitet“ zu sein, bevor sie den nächsten Schritt gehen. Dabei darf Führung als Prozess verstanden werden: Man wächst hinein. Es hilft, Vorbilder zu suchen, sich weiterzubilden und den Austausch mit anderen Frauen zu suchen, die ähnliche Wege gehen. Und nicht zuletzt sollten Frauen ihren eigenen Führungsstil selbstbewusst definieren und vertreten.
Für soziale Organisationen, die oft mit sehr heterogenen Zielgruppen arbeiten, ist das ein großer Vorteil.
Wie profitieren soziale Organisationen von mehr Diversität in Führungspositionen?
Führungsteams, die divers zusammengesetzt sind, treffen nachweislich bessere Entscheidungen. Sie bringen unterschiedliche Perspektiven ein, fördern Innovation und spiegeln die Vielfalt der Gesellschaft besser wider. Für soziale Organisationen, die oft mit sehr heterogenen Zielgruppen arbeiten, ist das ein großer Vorteil. Zudem machen diverse Führungsteams Arbeitgeber:innen deutlich attraktiver – besonders für jüngere Generationen, die Gleichberechtigung nicht nur fordern, sondern voraussetzen.
Wie sähe Führungskultur in zehn Jahren aus, wenn Sie den Verlauf bestimmen könnten?
Führung wäre kein exklusiver Status mehr, sondern geteilte Verantwortung. Es gäbe fluide Rollen, flache Hierarchien und eine Kultur, die Vertrauen, Lernbereitschaft und Dialog in den Mittelpunkt stellt. Diversität in Führung wäre keine Debatte mehr, sondern gelebter Alltag. Organisationen würden ihre Strukturen so gestalten, dass alle Menschen ihre Potenziale entfalten können – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Lebensmodell. Kurz gesagt: Gute Führung in diversen Teams wäre nicht nur machbar für alle – sondern gelebte Realität.
Vielen Dank für das Interview, Frau Dr. Böcker-Giannini!
Sie möchten mehr darüber erfahren, wie Sie Ihre Organisation so strukturieren, dass Geschlechterdiversität in Führungspositionen selbstverständlich wird? Oder Sie streben als Frau selbst eine Führungsposition an? Melden Sie sich hier zum Seminar Von der Quote zur Selbstverständlichkeit – Frauen und Führung an.
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Redaktion: Lucas Frye (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Dr. Nicola Böcker-Giannini (Foto: Susie Knoll)
Partizipative Führung. Vier Kernkompetenzen für Beteiligung und Veränderungsfähigkeit im Team
Zertifikatskurs
Attraktiver Arbeitgeber werden: Grundlagenseminar für die Sozialwirtschaft
Seminar
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Ziemlich bester Ruhestand –
Wie können Arbeitgeber:innen und Mitarbeiter:innen den Übergang erfolgreich gestalten, Peter Lennartz?
Peter Lennartz weiß, wie herausfordernd der Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand sein kann – und welche Chancen er bietet. Als zertifizierter Coach und Trainer unterstützt er Menschen und Unternehmen dabei, den Ruhestand nicht als Ende, sondern als Beginn einer neuen, sinnvollen Lebensphase zu gestalten.
In diesem Interview spricht Peter Lennartz über die Bedeutung eines gelungenen Übergangs, welche Hindernisse ihn erschweren, wie man sie überwinden kann und welche Vorteile soziale Organisationen aus einer guten Begleitung ihrer Mitarbeitenden ziehen können.
Paritätische Akademie: Viele möchten sich mit dem Alter jünger fühlen – nach dem Motto „60 ist das neue 40“. Woher kommt diese Einstellung und wo sind ihre Grenzen?
Peter Lennartz: Die Vorstellung, dass 60 das neue 40 ist, spiegelt die heutige Vitalität, Mobilität und Lebensfreude vieler Menschen wider. Sie fühlen sich mit 60 nicht so, wie man sich nach überholten Altersklischees eigentlich fühlen sollte. Die Großeltern waren mit 60 eben anders als die heutigen 60-jährigen.
Dennoch bleibt der biologische Alterungsprozess nicht stehen, und irgendwann zeigen sich Grenzen, die Respekt und Anpassung verlangen. Wichtig ist, mit einem Lächeln und mit Selbstbewusstsein zu sagen: „Ich bin 60 – und das ist großartig!“
„Die Gesellschaft verliert an Vielfalt, Stärke und Gemeinschaftsgefühl, wenn sie dem Alter keine aktivere und respektvollere Rolle einräumt.“
Trotz alternder Gesellschaft prägen oft negative Bilder über das Alter unser Denken. Wie wirken sich diese auf alternde Menschen, Arbeitgeber:innen und die Gesellschaft aus?
Peter Lennartz: Negative Altersbilder bis hin zur Altersdiskriminierung fördern Unsicherheiten, senken das Selbstwertgefühl alternder Menschen und können ihnen damit die Chance auf ein erfülltes Leben verbauen. Wenn ältere Mitarbeitende wenig Wertschätzung oder sogar Ablehnung spüren, ziehen sie sich zurück – Stichwort „innere Kündigung“ – und zählen die Tage bis zur Rente. Das kann für das Unternehmen ein echter Verlust sein.
Die Gesellschaft verliert an Vielfalt, Stärke und Gemeinschaftsgefühl, wenn sie dem Alter keine aktivere und respektvollere Rolle einräumt. Daher ist es an der Zeit, das Alter als wertvolle Ressource neu zu denken.
Sie sehen den Ruhestand als „geschenkte Jahre“. Wie kommen Sie zu dieser Sichtweise, und wie kann man diese Haltung für mehr Gesundheit und Zufriedenheit im Ruhestand nutzen?
Peter Lennartz: Ich betrachte den Ruhestand wie eine Einladung, sich selbst neu zu entdecken – wie ein Geschenk, das man auspackt und danach zu schätzen und zu lieben lernt.
Wer mit einer positiven Haltung, mit Vorfreude, Neugierde und dem Mut zu neuen Erfahrungen in diese Phase geht, kann viele erfüllte Jahre erleben. Freude, Herausforderungen, Bewegung und soziale Kontakte bringen Vitalität und Frische. Das hält den Körper fit und den Geist jung. Besser als jede Anti-Aging-Creme!
Unterstützung in dieser Phase bindet wertvolle Kompetenzen, stärkt die Unternehmenskultur und verleiht der Organisation nachhaltige Strahlkraft als sozialer Verantwortungsträger.
Welche Vorteile haben soziale Einrichtungen und Arbeitgeber:innen der Sozialwirtschaft davon, ihren Mitarbeitenden einen erfolgreichen Übergang in den Ruhestand zu erleichtern?
Peter Lennartz: Ein gut vorbereiteter Übergang in den Ruhestand schenkt allen Beteiligten neue Perspektiven: Die Mitarbeitenden gehen gut vorbereitet, selbstbewusster und mit einem Lächeln in die letzten Berufsjahre.
Durch die Unterstützung in dieser Phase und die entgegengebrachte Wertschätzung entsteht ein positives Miteinander, das noch lange nachwirkt – eine echte Win-win-Situation. Sie bindet wertvolle Kompetenzen, stärkt die Unternehmenskultur und verleiht der Organisation nachhaltige Strahlkraft als sozialer Verantwortungsträger.
Engagierte Mitarbeitende können zudem in unterstützender Funktion als Mentor:innen, Berater:innen oder ehrenamtlicher Mitarbeitende erhalten bleiben.
Was können Arbeitgeber:innen noch tun, um ihren Mitarbeitenden einen erfolgreichen Übergang zu ermöglichen?
Peter Lennartz: Der Übergang in den Ruhestand sollte frühzeitig als „Projekt“ angegangen werden – ein Projekt, das Vorfreude weckt und die letzte Berufsphase bewusst gestaltet.
Die Zauberworte lauten hier: Kommunikation, Offenheit und Ehrlichkeit. Frühzeitige Gespräche, regelmäßige Gesprächsrunden, Workshops oder Coachingprogramme helfen, den Übergang in den Ruhestand positiv zu begleiten und die Verbindung zur Belegschaft zu stärken.
Ein besonderer Mehrwehrt entsteht, wenn zukünftige Ruheständler:innen Wissen und Erfahrung als Mentor:innen an Jüngere weitergeben. Dies fördert den Wissenstransfer und schafft gleichzeitig eine Brücke zwischen den Generationen.
Organisationen, die Perspektiven für die Zeit nach der Berufstätigkeit bieten, schaffen Sicherheit und Wertschätzung, stärken die Unternehmenskultur und fördern den Zusammenhalt.
Vielen Dank für das Interview, Peter Lennartz!
Sie möchten mehr darüber erfahren, wie Sie selbst Ihren Ruhestand vorbereiten oder Ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen können? Melden Sie sich hier zu Peter Lennartz Seminar Ziemlich bester Ruhestand – der gelungene Übergang in die neue Lebensphase! an.
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Redaktion: Lucas Frye (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Peter Lennartz (Foto: Lena Stielow)
Ziemlich bester Ruhestand – der gelungene Übergang in die neue Lebensphase!
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Partizipative Führung. Vier Kernkompetenzen für Beteiligung und Veränderungsfähigkeit im Team
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