Maga­zin

Die Mas­ter­ar­beit als Busi­ness­plan

2. Mai 2022 | Mas­ter Sozi­al­ma­nage­ment

Jut­ta Over­mann und Chris­ta Jan­ßen unter­rich­ten mit Schwer­punkt Entre­pre­neurs­hip im Mas­ter Sozi­al­ma­nage­ment an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. Im Inter­view spre­chen sie über die stei­gen­de

Rele­vanz des The­mas und den Weg von der ers­ten Grün­dungs­idee bis zur Umset­zung.

Wo und in wel­cher Posi­ti­on arbei­ten Sie der­zeit, wenn Si nicht gera­de bei uns an der Aka­de­mie unter­rich­ten?

Jan­ßen: Ich bin als Gast­do­zen­tin im Bereich Grün­der­leh­re an der Ber­li­ner Hoch­schu­le für Tech­nik (BHT) tätig.


Over­mann: So wie mei­ne Kol­le­gin bin auch ich der­zeit an einer Hoch­schu­le aktiv. Aktu­ell bin ich wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin im Pro­jekt ASHEXIST an der Ali­ce-Salo­mon-Hoch­schu­le, bei dem wir den Gründer:innengeist wecken und stär­ken wol­len. Zudem arbei­te ich als Bera­te­rin im Grün­dungs­be­reich.


Was ist Ihre Moti­va­ti­on zusätz­lich als Dozen­tin­nen im Stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment tätig zu sein?


Jan­ßen: Social Entre­pre­neurs­hip war mir schon immer ein beson­de­res Anlie­gen. Der Aus­tausch und die kri­ti­schen Fra­gen und Anmer­kung der Stu­die­ren­den sind mir sehr wich­tig.


Over­mann: Ich glau­be auch hier haben wir bei­de etwas gemein­sam: sozia­le Ver­ant­wor­tung mit unter­neh­me­ri­schem Den­ken zu ver­bin­den, hat mich schon lan­ge sehr inter­es­siert. Sol­che The­men las­sen sich in die­sem Stu­di­en­gang wun­der­bar auf­grei­fen und mit den Stu­die­ren­den dis­ku­tie­ren.


Unser Mas­ter Sozi­al­ma­nage­ment rich­tet sich an Men­schen mit Berufs­er­fah­rung, die sich noch wei­ter­ent­wi­ckeln und per­spek­ti­visch auch Füh­rungs­ver­ant­wor­tung über­neh­men möch­ten. Wel­chen Ein­fluss hat das Stu­di­um auf die beruf­li­che Ent­wick­lung der Stu­die­ren­den?


Over­mann: Aus den Gesprä­chen mit den Stu­die­ren­den habe ich mit­ge­nom­men, dass es bei vie­len eine Moti­va­ti­on war, neue beruf­li­che Her­aus­for­de­run­gen zu suchen und auch Füh­rungs­ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Da bie­ten die Manage­ment­the­men in die­sem Stu­di­en­gang vie­le wich­ti­ge Aspek­te und Inhal­te, die sie dann für den nächs­ten beruf­li­chen Ent­wick­lungs­schritt direkt nut­zen kön­nen. Zudem berich­ten die Stu­die­ren­den aus ihrer Berufs­pra­xis, dass die Anfor­de­run­gen und Auf­ga­ben immer kom­ple­xer wer­den und BWL-Wis­sen, Kos­ten­rech­nung, Finan­zen aber auch Füh­rungs­the­men immer mehr an Bedeu­tung gewin­nen.


Jan­ßen: Nach mei­nen Beob­ach­tun­gen kann ich das nur bestä­ti­gen. Nicht sel­ten wird der nächs­te Kar­rie­re­schritt schon wäh­rend des Stu­di­ums gemacht. Die ein­zel­nen Modu­le des Stu­di­en­gangs sind eine sehr gute und

umfas­sen­de Vor­be­rei­tung auf anspruchs­vol­le Fach- und Füh­rungs­auf­ga­ben.


Der Stu­di­en­gang ist bei uns als Fern­stu­di­um mit Prä­sen­z­wo­chen in Ber­lin auf­ge­baut. Wel­che Vor­tei­le sehen Sie in die­sem Modell und viel­leicht im berufs­be­glei­ten­den Stu­die­ren all­ge­mein?


Over­mann: Ich bin immer wie­der beein­druckt, wie Stu­die­ren­de beruf­li­che Anfor­de­run­gen, fami­liä­re Auf­ga­ben und das Stu­di­um mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren. Aller­dings schaf­fen sie das oft nur, da sie durch die­ses Modell eine zeit­li­che Fle­xi­bi­li­tät haben und die Prä­sen­z­wo­chen als Block statt­fin­den. Von Teil­neh­men­den, die nicht aus Ber­lin kom­men, hören wir oft, wie toll die Zeit in Ber­lin ist. Hier ler­nen sich die Grup­pen noch bes­ser ken­nen und nut­zen natür­lich auch gern die Ange­bo­te der Stadt.


Jan­ßen: Ler­nen soll neue Per­spek­ti­ven eröff­nen. In einer inspi­rie­ren­den Stadt wie Ber­lin lässt sich das beruf­li­che Netz­werk in den Prä­senz­zei­ten gut erwei­tern. Auch der Erfah­rungs­aus­tausch ist leich­ter mög­lich als bei einem rei­nen Fern­stu­di­um.

Sozi­al­ma­nage­ment, Mas­ter of Arts

Berufs­be­glei­ten­der Stu­di­en­gang in Koope­ra­ti­on mit der Ali­ce Salo­mon Hoch­schu­le Ber­lin

Start: 10. Okto­ber 2022

Sie sind bei­de Teil eines grö­ße­ren Teams von Dozie­ren­den. Wel­chen The­men­schwer­punkt leh­ren Sie bei uns?


Jan­ßen: Mein Her­zens­the­ma ist Entre­pre­neurs­hip – und das auch schon, als die­se The­ma­tik in der Sozi­al­wirt­schaft eher ver­pönt war. In den letz­ten Semes­tern ist dann das wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten dazu­ge­kom­men.


Over­mann: Mein Fokus liegt auf dem The­ma „Grün­den im sozia­len Bereich“ und das ver­ste­he ich tat­säch­lich sehr umfas­send. Da kön­nen Social Start-Ups dabei sein, aber auch klas­si­sche Grün­dun­gen wie die Arbeit als Berufsbetreuer:in oder eine Selb­stän­dig­keit im päd­ago­gi­schen Bereich. Dabei schaue ich mir den Markt für sol­che

Ange­bo­te gern genau­er an und wie sich aus einer ers­ten Idee, dann tat­säch­lich eine Geschäfts­idee ent­wi­ckelt.


Ist das The­ma Entre­pre­neurs­hip aktu­ell für die Sozi­al­wirt­schaft beson­ders rele­vant? Wenn ja, war­um?


Jan­ßen: Auf Tagun­gen und Kon­fe­ren­zen bemer­ke ich ein gro­ßes Inter­es­se von Sei­ten der gro­ßen Play­er im Markt und zugleich beob­ach­te ich vie­le Grün­dungs­ab­sich­ten von neu­en Markt­teil­neh­mern.


Over­mann: Das The­ma gewinnt auf jeden Fall an Bedeu­tung. Das erle­be ich auch in mei­ner Tätig­keit als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin. Wir haben an einem Bar­camp zum The­ma „Social Entre­pre­neurs­hip macht Hoch­schu­le“ aktiv teil­ge­nom­men, bei dem vie­le Hoch­schu­len und Orga­ni­sa­tio­nen betei­ligt waren. In Ber­lin gibt es aktu­ell das Pro­jekt Social Eco­no­my Ber­lin, bei dem Initia­ti­ven und sozia­le Unter­neh­men kos­ten­freie Bera­tun­gen in Anspruch neh­men kön­nen.


Haben Sie bereits Erfah­run­gen mit Unter­neh­mens­grün­dun­gen durch Absolvent:innen gemacht?


Over­mann: Tat­säch­lich hat­te ich schon eini­ge Mas­ter­ar­bei­ten zu betreu­en, in denen Busi­ness­plä­ne erstellt wur­den. Dabei waren oft­mals die Grün­dun­gen für einen spä­te­ren Zeit­punkt geplant. Als Bera­te­rin war ich dann in die Umset­zungs­pha­se nicht mehr invol­viert. Das kann jetzt anders sein, da wir wei­ter­füh­ren­de Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te im Rah­men des ASHEXIST-Pro­jek­tes anbie­ten. Ins­be­son­de­re für grün­dungs­in­ter­es­sier­te Stu­die­ren­de aus Ber­lin kann das inter­es­sant sein, da wir im Juni 2022 unser Gründer*innenzentrum eröff­nen. Ergän­zend bie­ten wir aber auch vie­le inter­es­san­te Ver­an­stal­tun­gen online an. (Mehr dazu fin­det man hier.)


Gibt es dabei beson­de­re Kom­pe­ten­zen, die beson­ders wich­tig sind?


Jan­ßen: Jede Grün­dung ist anders, aber Ent­schlos­sen­heit Ent­schei­dungs­stär­ke und Freu­de am Netz­wer­ken sind ein guter Aus­gangs­punkt. Bei grö­ße­ren, kom­ple­xen Vor­ha­ben soll­te auf eine gute Team­zu­sam­men­stel­lung geach­tet wer­den, bei der unter­schied­li­che Kennt­nis­se und Stär­ken kom­bi­niert wer­den.


Over­mann: Gera­de der Team­ge­dan­ke spielt eine wich­ti­ge Rol­le. Die Her­aus­for­de­run­gen bei Grün­dungs­vor­ha­ben sind oft­mals so kom­plex, dass eine Per­son allein das gar nicht bewäl­ti­gen kann. Daher ist es sehr hilf­reich, wenn man sei­ne eige­nen Stär­ken kennt und bereit ist, sich Unter­stüt­zung zu holen, wenn die­se benö­tigt wird.

Eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung ist sicher­lich der Weg von der ers­ten Grün­dungs­idee zur tat­säch­li­chen Umset­zung. Wie kann die­ser wich­ti­ge ers­te Schritt gelin­gen?


Jan­ßen: Es emp­fiehlt sich nach Grün­dungs­un­ter­stüt­zung Aus­schau zu hal­ten. Es gibt tat­säch­lich viel­fäl­ti­gen Rat und Coa­ching für Grün­dung all­ge­mein aber auch spe­zi­ell für Grün­dun­gen im sozia­len Bereich.


Over­mann: Bevor man sich nach der För­de­rung umschaut, macht es sicher Sinn, sich den Markt und die Akteur:innen anzu­schau­en. Wer bie­tet schon etwas Ver­gleich­ba­res an?


Sie bei­de betreu­en oft­mals Mas­ter­ar­bei­ten – Wie beur­tei­len Sie die Mög­lich­keit, die Mas­ter­ar­beit als Vor­ar­beit für eine Grün­dung zum Bei­spiel als Busi­ness­plan zu nut­zen?


Jan­ßen: Das ist in der Tat eine gute Mög­lich­keit, sich auf eine Grün­dung vor­zu­be­rei­ten, indem man aus­ge­wähl­te Aspek­te im Rah­men einer Mas­ter­the­sis ver­tie­fend bear­bei­tet.

 

Over­mann: Aus mei­ner Sicht lässt sich in einer Mas­ter­ar­beit ein The­ma inten­siv bear­bei­ten, dabei wer­den theo­re­ti­sche Hin­ter­grün­de aus­ge­führt und die Rele­vanz für die Pra­xis wird erläu­tert. Ein Grün­dungs­vor­ha­ben

kann als prak­ti­sches Umset­zungs­bei­spiel in Form eines Busi­ness­plans beschrie­ben wer­den. So konn­te ich als Teil einer Mas­ter­ar­beit bei­spiels­wei­se die Grün­dung einer Pfle­ge­ein­rich­tung oder die eines Trä­gers begut­ach­ten.


Wel­che Rol­le spielt Nach­hal­tig­keit bei einer Neu­grün­dung in der Sozi­al­wirt­schaft heut­zu­ta­ge?


Over­mann: Aus der Per­spek­ti­ve von Stu­die­ren­den höre ich ver­stärkt, dass ihnen Nach­hal­tig­keit und sinn­stif­ten­des Arbei­ten wich­tig sind. Bei Grün­dungs- und Pro­jekt­ideen sol­len dann auch ent­spre­chen­de Kri­te­ri­en berück­sich­tigt wer­den und res­sour­cen­scho­nen­de Ange­bo­te, wie­der­ver­wend­ba­re Arbeits­ma­te­ria­li­en oder der Ein­satz von Recy­cling­ma­te­ri­al rea­li­siert wer­den.

Vie­len Dank für das Gespräch!


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Das Gespräch führ­te Johan­na Brö­mer, Bil­dungs­re­fe­ren­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin


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