Gesundheitssystem und Soziale Arbeit:
Dozentin Berit Kempe über die Rolle der Sozialmedizin
Krankheit, Überforderung, Bürokratie. Diesen Phänomenen begegnen Fachkräfte in der Sozialen Arbeit häufig. Deshalb sind sozialmedizinische Grundlagen so wichtig für das Berufsfeld Soziale Arbeit, erklärt Berit Kempe. In ihrer Lehre geht es ihr um die Frage von Ressourcen, die für viele Familien und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen wichtig sind, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen: Von der Hilfe, das Recht auf bestimmte Leistungen durchzusetzen, bis hin zur psychosozialen Unterstützung.
Berit Kempe ist Dipl. Sozialarbeiterin und freie Dozentin an der Paritätischen Akademie Berlin. In diesem Interview stellt sie Ihren Weg in das Fachgebiet Gesundheit und Sozialmedizin und die Relevanz ihres Bereichs für den Berufspraxis vor.
Wie sind Sie zur Sozialmedizin gekommen?
Seit 15 Jahren arbeite ich im Gesundheitssystem, in dem neben der medizinischen Versorgung die Soziale Arbeit und Pädagogik eine relevante Rolle spielen. Ich wurde 2020 von einer Professorin der Alice Salomon Hochschule Berlin eingeladen, Studierenden in Seminaren meine praktische Tätigkeit nahezubringen. Das hat sich immer weiterentwickelt. So lehre ich seit einigen Jahren auch an der Paritätischen Akademie Berlin. Neben der Wissensvermittlung ist es mir sehr wichtig das Selbstbewusstsein der Studierenden als Fachkräfte und eine wertschätzende Haltung zu fördern.
Was motiviert Sie?
Eine gute Versorgung von Menschen, die von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind und die eine bestmögliche Teilhabe am Leben liegen mir sehr am Herzen. Die Lehre ist eine Möglichkeit, neuen Fachkräften relevantes Wissen dafür mitzugeben.
Auch ich selbst lerne dabei immer wieder dazu. Die Kenntnisse, Perspektiven und Fragen der Studierenden erweitern stetig meinen Horizont.
Das Zusammenspiel von individuellen und gesellschaftlichen Risikofaktoren, Resilienz und Ressourcenförderung spielt in der Sozialen Arbeit eine große Rolle.
Was lernen Studierende in Ihren Lehrveranstaltungen?
In der Sozialmedizin geht es um die Wechselwirkungen zwischen Gesundheit, Krankheit und sozialen Faktoren. Da wir uns im Bereich Soziale Arbeit bzw. der Heilpädagogik bewegen, geht es zudem immer darum, wie wir Menschen unterstützen können. Das Spektrum reicht hier von Prävention und Gesundheitsförderung bis zu Gesundheitssystem und Versorgung.
Tätigkeitsfelder sind etwa Nachbarschaftszentren, in denen Präventions- und Beratungsgebote stattfinden oder die Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder die Arbeit mit Familien.
So kann es zum Beispiel sein, dass wir als Fachkräfte eine Familie begleiten, in der ein Kind von einer Behinderung betroffen ist. Die Aufgabe ist es, hier nicht nur die passende Behandlung und individuelle Förderung des Kindes zu organisieren, sondern auch den Rest der Familie, Ressourcen und Risikofaktoren im Blick zu behalten.
Womit beschäftigen Sie sich genau?
Aktuell beschäftige ich mich am intensivsten mit dem Bereich Sozialpsychiatrie. Das Zusammenspiel von individuellen und gesellschaftlichen Risikofaktoren, Resilienz und Ressourcenförderung spielt in der Sozialen Arbeit eine große Rolle. Dass – wie sich auch in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte zeigt – sehr viele Menschen von psychischen Erkrankungen betroffen sind, spiegelt sich natürlich auch in unserer praktischen Arbeit wider. Mir ist es daher wichtig, dem Thema auch in der Lehre ausreichend Raum zu geben und den Studierenden ein fundiertes Wissen mitzugeben.
Ich möchte einen Raum schaffen, in dem man sich mit eigenen Erfahrungen und Denkmustern auseinandersetzen kann.
Was macht Ihnen in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin besonders Freude und was möchten Sie den Studierenden mitgeben?
An der Paritätischen Akademie sind die Studierenden oft sehr reflektiert und motiviert. Sie bringen bereits einen großen Erfahrungsschatz mit und setzen sich gern kritisch mit Themen auseinander. So macht das Lehren, Diskutieren, Reflektieren großen Spaß.
Ich möchte einen Raum schaffen, in dem man sich mit eigenen Erfahrungen und Denkmustern auseinandersetzen kann. Zudem halte ich es für wichtig, einen realistischen Einblick in das Versorgungssystem, zu dem ja auch wir gehören, zu erhalten. So versuche ich die Studierenden dabei zu unterstützen, eine wertschätzende, offene, aber auch kritische Haltung zu entwickeln.
Darüber hinaus begleite und berate ich Studierende im Bereich Fallverstehen und Praxisreflexion.
Berit Kempe ist Dozentin für den Bereich Gesundheit und Sozialmedizin an der Paritätischen Akademie Berlin in den Studiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik, die in Kooperation mit der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP) durchgeführt werden.
Sie arbeiten im sozialen Beruf und fragen sich, ob ein berufsbegleitendes Studium etwas für Sie ist? Informieren Sie sich auf der Seite unserer Studiengänge.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Titelbild: Berit Kempe (Foto: Klaus Fehring)
Neue Professorin für Heilpädagogik
Prof. Dr. Melanie Knaup stellt sich vor!
Wer darf mitreden? Wer wird gehört? Wer gehört dazu? Für Prof. Dr. Melanie Knaup fängt Inklusion bei Sprache, Bildung und kultureller Teilhabe an. Sie beschäftigt sich damit, was Teilhabe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen bedeutet und was Fachkräfte brauchen, um diese möglich zu machen. Seit 2026 hat sie eine Professur im Studiengang Heilpädagogik an der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP), den die Paritätischen Akademie Berlin gemeinsam mit ihr durchführt, inne.
Frau Prof. Dr. Knaup, womit beschäftigen Sie sich und wie sind Sie dazu gekommen?
Mich hat früh beschäftigt, wie Menschen Zugang zu Bildung, Sprache und kulturellen Räumen erhalten und welche Barrieren gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe verhindern. Die Literatur‑, Kultur- und Medienwissenschaft hat dahingehend mein Denken in Bezug auf Fragen kultureller Bildung, Teilhabe und wie Menschen mit Beeinträchtigungen in Medien repräsentiert sind, geprägt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Förderpädagogik und Inklusive Bildung der Justus-Liebig-Universität Gießen habe ich schwerpunktmäßig zur Teilhabe von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung geforscht.
In meiner wissenschaftlichen Arbeit und in der pädagogischen Praxis wurde deutlich, dass Inklusion nicht nur soziale, sondern immer auch kulturelle Teilhabe bedeutet. In meiner Promotion untersuchte ich, unter welchen Voraussetzungen kulturelle Bildung und Teilhabe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen ermöglicht werden kann und wie erfahrungsbezogene und bedeutungsstiftende Zugänge alltägliche Lernprozesse unterstützen.
Worum geht es in der Heilpädagogik nach Ihrem Verständnis?
Heilpädagogik beschäftigt sich mit der Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen in allen Lebensphasen. Ziel ist es, Selbstbestimmung, Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Dazu gehört ausdrücklich auch kulturelle Teilhabe – also der Zugang zu Bildung, Sprache, Kunst, Medien, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Ausdrucksfähigkeit.
Heilpädagogik verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer klaren ethischen Orientierung: Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde, Entwicklung, kulturellen Ausdruck und gesellschaftliche Zugehörigkeit.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben?
Mir ist wichtig, Studierenden fachliche Sicherheit, reflexive Professionalität und eine klare Haltung zu vermitteln. Dazu gehören Ressourcenorientierung, Anerkennung von Vielfalt sowie die Überzeugung, dass jeder Mensch ein Recht auf Bildung, Ausdruck und kulturelle Teilhabe hat. Mein Ansatz verbindet wissenschaftliche Fundierung, Praxisnähe und Beziehung. Heilpädagogisches Handeln ist für mich immer auch eine Frage von Haltung, Verantwortung und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
Worauf freuen Sie sich besonders in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin?
Ich freue mich besonders auf die Arbeit mit engagierten Studierenden, die Heilpädagogik als gesellschaftlich relevante und gestaltende Profession verstehen. Besonders wichtig ist mir der Dialog – gemeinsam zu reflektieren, Perspektiven zu entwickeln und professionelle Handlungssicherheit aufzubauen.
Zur Person
Prof. Dr. Melanie Knaup
Schwerpunkte:
- Inklusion und Teilhabe, u.a. kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung
- Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte
- Einstellungen und Haltungen in inklusiven Kontexten
- Sprachentwicklung und Sprachförderung
- personenzentrierte Teilhabeplanung
- professionelle Handlungskompetenz in heilpädagogischen Arbeitsfeldern
Seit Januar 2026 ist Melanie Knaup Professorin für Heilpädagogik und inklusive Pädagogik an der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP). In Kooperation mit der HSAP lehrt sie in der Paritätischen Akademie Berlin im Bachelorstudiengang Heilpädagogik unter anderem in den Bereichen Sprachheilpädagogik, Spielpädagogik und Teilhabeplanung sowie in weiteren heilpädagogischen Modulen. Darüber hinaus unterrichtet sie im Kooperationsstudiengang Soziale Arbeit im Modul „Teilhabe und Inklusion“. In den dualen Studiengängen der HSAP lehrt sie im Studiengang Kindheitspädagogik im Bereich Sprachentwicklung und Sprachförderung.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Melanie Knaup
Was macht ein:e Heilpädagog:in?
Beruf, Aufgaben und Chancen
Heilpädagog:innen werden dringend gebraucht! Doch was genau steckt hinter dem Berufsfeld? In diesem Beitrag stellen wir die Tätigkeitsfelder und Aufgaben von Heilpädagog:innen vor, die sich durch eine hohe Kreativität und sozialer wie psychologischer Betreuung auszeichnen. Und wir erläutern die Chancen eines heilpädagogischen Studiums.
Drei spannende Berufsfelder in der Heilpädagogik
Frühförderung und inklusive Pädagogik
In der Frühförderung arbeiten Heilpädagog:innen mit Kleinkindern, die Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen haben. Sie begleiten Kinder in Kitas oder im häuslichen Umfeld, um ihre motorischen, sprachlichen oder sozialen Fähigkeiten gezielt zu fördern. Besonders spannend ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen und Psycholog:innen.
Heilpädagogische Unterstützung in der Jugend- und Eingliederungshilfe
In der Jugend- und Eingliederungshilfe betreuen Heilpädagog:innen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit sozialen oder emotionalen Schwierigkeiten. Sie arbeiten z. B. in Wohngruppen, Schulen oder Beratungsstellen und unterstützen Menschen dabei, Konflikte zu bewältigen, soziale Kompetenzen zu stärken und einen stabilen Lebensweg zu finden. Besonders spannend ist hier die individuelle Förderung und die kreative Arbeit mit Theater, Musik oder Erlebnispädagogik.
Heilpädagogische Begleitung in der Arbeit mit älteren Menschen
Auch im Bereich der Gerontopsychiatrie oder in Pflegeeinrichtungen sind Heilpädagog:innen gefragt. Sie begleiten ältere Menschen mit Demenz oder geistigen Beeinträchtigungen, um die Lebensqualität zu erhalten. Durch kreative und alltagsnahe Methoden wie Biografiearbeit, Musik- oder Kunsttherapie helfen sie, Erinnerungen zu aktivieren, soziale Kontakte zu fördern und das Wohlbefinden zu steigern.
Warum lohnt sich ein Studium in der Heilpädagogik? Vier gute Gründe
Zunahme von Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten
Immer mehr Menschen – von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter – haben Diagnosen wie Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), ADHS, Lernbehinderungen oder psychische Erkrankungen. Sie benötigen heilpädagogische Unterstützung in Schule, Beruf und Alltag.
Inklusion und gesellschaftlicher Wandel
Durch die UN-Behindertenrechtskonvention wächst der Anspruch, Menschen mit Behinderungen in Schule, Beruf und Gesellschaft gleichberechtigt zu integrieren. Heilpädagog:innen spielen eine Schlüsselrolle bei der individuellen Begleitung und Assistenz.
Steigender Unterstützungsbedarf in Krisenzeiten
Pandemie, soziale Unsicherheiten und psychische Belastungen haben zu einem Anstieg von Ängsten, Depressionen und Verhaltensproblemen geführt – sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. Heilpädagogische Angebote helfen bei der Bewältigung von Krisen.
Fachkräftemangel in der Sozial- und Heilpädagogik
Ob in Kitas, Schulen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder in der Erwachsenenbildung – überall fehlen Fachkräfte, die eine individuelle und professionelle Unterstützung leisten können.
Berufsbegleitend studieren – Besonders vorteilhaft!
Studieren und dabei trotzdem weiter im Beruf bleiben? An der Paritätischen Akademie bieten wir den Studiengang Heilpädagogik berufsbegleitend an. Er ist verpflichtend mit einer Berufstätigkeit verknüpft und gut mit damit vereinbar: mit nur wenigen Präsenztagen im Jahr! Viele Inhalte, wie auch einige Prüfungen, können online absolviert werden.
Mehr Infos erhalten Sie auf unserer Website zum Studiengang Heilpädagogik (Bachelor of Arts).
Unser Apell an Organisationen und Arbeitgeber: Wer Mitarbeitende in ihrer Weiterbildung fördert, holt sich Kompetenz ins Team und fördert die Bindung von Fachkräften.
Weiterführende Quellen:
- Seite der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (hier)
- UN-Behindertenrechtskonvention (hier)
- Seite des Deutschen Instituts für Menschenrechte (hier)
- Die Angebote des Paritätischen Berlin zum Thema Menschen mit Behinderung (hier)
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Verfasserin des Beitrags: Regina Schödl (Paritätischer Landesverband Berlin e. V.)
Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Pexels
Rechtliches Basiswissen für die Beratung von Menschen mit Behinderungen
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