Von der Pflege bis zur Jugendhilfe:
Praxisbeispiele für erfolgreiches Wirkungsmanagement
Wie können wir die Wirkung Sozialer Arbeit besser darstellen und was bringt das? In diesem Beitrag berichten uns drei engagierte Menschen aus der Praxis darüber, wie Sie Wirkungsmanagement in ihrem Arbeitsbereich mit Erfolg anwenden. Vom Ehrenamt in Pflegewohngemeinschaften bis hin zu nachhaltiger Jugendhilfe.
Marie Schäffler, Katja Witteck (Projektkoordinatorinnen bei der Vertrauensstelle) und Christoph Bohne (sozialpädagogische Fachkraft Jugendhilfe & Teamleitung Schulsozialarbeit beim Kreativitätsschulzentrum Berlin) haben durch den Zertifikatskurs in Wirkungsmanagement ihre Projekte geschärft, neue Zielgruppen erreicht und Engagement sichtbar gemacht haben. Was das für ihren Arbeitsalltag konkret bedeutete, erzählen Sie uns in diesem Interview.
Warum ein Zertifikatskurs? Motivation für Wirkungsmanagement
Was hat Sie motiviert, sich intensiver mit Wirkungsmanagement zu beschäftigen?
Christoph Bohne: Mich hat besonders interessiert, wie man Angebote und Prozesse so steuern kann, dass sie unter begrenzten Ressourcen möglichst effektiv wirken.
Marie Schäffler & Katja Witteck: Die Nennung reiner Kennzahlen sagt zwar viel über den Aufwand der Projekte in der sozialen Arbeit aus, gibt aber in Bezug auf das gewünschte Ergebnis oft ein schwaches Bild ab, da die tatsächliche Wirkung oftmals nicht sichtbar wird. Wir wollten lernen, wie man das besser darstellen kann.
Engagement für eine gute Pflege und kreative Kinder- und Jugendhilfe
Worum geht es in Ihren Projekten und was sollen Sie bewirken?
Marie Schäffler und Katja Witteck: Unser Projekt widmet sich der Frage, wie gesellschaftliche Teilhabe und soziale Kontakte für die WG Bewohner:innen einer Pflegewohngemeinschaft gefördert werden können. Hierfür möchten wir, neben der guten Bindung zu Pflegediensten, Menschen für ein Ehrenamt als Vertrauensperson begeistern. Dazu braucht es engagierte Personen, offene Pflegewohngemeinschaften, interessierte Mitarbeitende in Pflegediensten sowie eine zugewandte Verwaltung und Politik.
Langfristig möchten wir ein System etablieren, das Sozialraumintegration und Teilhabe strukturell mitdenkt. Nicht nur optional, sondern als Teil guter Pflege. Wir versuchen, allen Beteiligten mit unseren Angeboten gerecht zu werden, durch Beratung, Vermittlung, Begleitung, Austausch und Schulungen.
Christoph Bohne: Wir engagieren uns für ganzheitliche, kreative Kinder- und Jugendhilfe sowie Bildung. Unser Ziel ist es, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Selbstständigkeit zu fördern. In meiner Rolle gestalte ich pädagogische Prozesse und Resonanzräume für Jugendliche und begleite gleichzeitig Mitarbeitende in ihrer Entwicklung.
Mit welchen Vorkenntnissen starteten Sie den Kurs und was haben Sie im Laufe der Weiterbildung gelernt?
Christoph Bohne: Ich hatte bereits erste Berührungspunkte, zum Beispiel im Rahmen von Hilfeplanung oder Qualitätsentwicklung. Das Thema tauchte auch immer wieder in Literatur und Fortbildungen auf.
Ich habe gelernt, vor der Umsetzung bewusst einen Schritt zurückzutreten und eine strategische Perspektive einzunehmen. Wirkung zeigt sich nicht nur in Endergebnissen, sondern beginnt bereits im Alltagsprozess.
Marie Schäffler und Katja Witteck: Wir hatten bereits die Broschüre gelesen und auch in anderen Projekten das Thema Wirkung beleuchtet. Die intensive Auseinandersetzung im Kurs war ein großer Gewinn. Wir sind weiterhin dabei, wurden in vielen bereits gegangenen Schritten bestätigt, haben Neues gelernt und uns weiterentwickelt.
Wirkungsmanagement ist zeitintensiv und erfordert Kraft. Manchmal ist es bedauerlich, dass diese Energie nicht direkt in die Arbeit mit den Menschen fließt. Auf der anderen Seite ist es wichtig und richtig, die wertvolle Arbeit, die von so vielen Akteur:innen der sozialen Arbeit – besonders durch freiwillig Engagierte – geleistet wird, sichtbar und greifbar zu machen
Wie haben Sie das Wissen über Wirkungsmanagement im Zertifikatskurs konkret in Ihrer Arbeit umgesetzt?
Marie Schäffler und Katja Witteck: Wir wollten die Aufgabe und das Profil unseres Projekts schärfen und dabei von Anfang an auch die Wirkung mitdenken und planen. Genau das haben wir im Kurs gemacht.
Christoph Bohne: Ich habe eine vollständige Wirkungstreppe für die regelmäßige Gruppenrunde und Projektplanung in der Jugendwohngruppe entwickelt. Sie hilft mir dabei, mein pädagogisches Handeln gezielter zu planen und zu reflektieren. Die Kursstruktur war gut in meinen Arbeitsalltag integrierbar. Zusätzlich konnte ich das Gelernte auf andere Formate übertragen – sogar im privaten Kontext, etwa in meinem Engagement als Vereinsvorsitzender eines Fußballvereins.
Marie Schäffler und Katja Witteck: Es fühlte sich nicht wie ein zusätzliches Thema an, sondern wie eine fachliche Unterstützung durch ein erweitertes Team. Das Wirkungsmanagement hat nicht nur unser Projekt gestärkt, sondern auch unsere Rolle als Koordinatorinnen verändert: Wir fühlen uns sicherer darin, unsere Arbeit strategisch zu reflektieren und sichtbar zu machen.
„Ich habe gelernt, vor der Umsetzung bewusst einen Schritt zurückzutreten und eine strategische Perspektive einzunehmen. Wirkung zeigt sich nicht nur in Endergebnissen, sondern beginnt bereits im Alltagsprozess.“ Christoph Bohne
Erfolg durch Wirkungsmanagement: Neue Zielgruppen und Auszeichnungen
Marie Schäffler & Katja Witteck: Ein konkretes Erfolgserlebnis war, dass wir durch das Wirkungsmanagement unser Selbstverständnis neu geschärft und dadurch eine zusätzliche Zielgruppe definieren konnten. Das hat uns gezeigt, wo unser Output besonders großflächig wirken kann und welche Netzwerkpartner wir für die nächsten Schritte brauchen. So konnten wir das Projekt gezielt neu ausrichten und erste Unterstützer gewinnen, die uns helfen, über unsere Kernzielgruppe hinauszuwachsen.
Christoph Bohne: Ein besonderes Highlight war, dass unser Engagement durch das KIJUNA-Siegel ausgezeichnet wurde – eine Anerkennung für nachhaltige Projekte, die Partizipation und Bildung miteinander verbinden (mehr lesen) .
Denn durch gezielte Beteiligungsformate und die verstärkte Einbeziehung der Perspektiven der Jugendlichen konnten wir das Projekt „Rummelwasser – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ umsetzen.
Ausgangspunkt war eine gemeinsame Reflexion über den Wasserverbrauch in unserer Wohngruppe – von der Dusche bis zum Abwasch. Die Jugendlichen recherchierten zum Wasserfußabdruck von Lebensmitteln, diskutierten über nachhaltigen Einkauf und Konsum, Fast Fashion, Wasserkreislauf und Trinkwasserqualität in Berlin. Sie hinterfragten ihr eigenes Einkaufsverhalten, machten Vorschläge für einen bewussteren Umgang mit Kleidung, produzierten kurze Clips zum Thema Wasser und Nachhaltigkeit und überlegten, wie man WG-Alltag und Klimabewusstsein besser verbinden kann.


So wurde deutlich, wie Wirkungsorientierung praktisch greifbar wird: von der Alltagsbeobachtung über gemeinsame Projektplanung bis hin zu echten Veränderungen im Denken und Handeln der Jugendlichen. Ziel war es die Haltung zu entwickeln, das jede:r wichtig ist einen kleinen Beitrag zu leisten um so einen Unterschied auszumachen.
Vielen Dank für das Interview!
Christoph Bohne, Sozialpädagogische Fachkraft Jugendhilfe & Teamleitung Schulsozialarbeit (Website)
Katja Witteck & Marie Schäffler, Projektkoordinatorinnen bei Vertrauensstelle Berlin (Website)
In Ihrem Projekt fehlt noch das richtige Wirkungsmanagement? Erfahren Sie im Zertifikatskurs, wie Sie es anwenden!
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Marie Schäffler und Katja Witteck (Foto: Kristina Kast)
Beitragsfotos: Dokumentation „Rummelwasser – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Foto: Christoph Bohne)
Einführung in die Wirkungsorientierung
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kostenfrei für Berliner Mitglieder