Verändert KI die emotionale Kompetenz?
Wie stehen sich emotionale Kompetenz und künstliche Intelligenz gegenüber? Diese Frage stellen wir uns in Bezug auf die Relevanz für den sozialen und therapeutischen Bereich. Denn für die Begleitung von Menschen ist es wichtig sich die Frage zu stellen, was sich auf der Ebene von Emotions- und Wahrnehmungsverarbeitung durch die Nutzung von KI verändert. Sebastian Sierra Barra (Medien- und Kulturanthropologe & Professor an der Evangelischen Hochschule Berlin) hat diesen Beitrag verfasst. Dabei bewegt er sich weg von einer rein technischen Perspektive auf KI, hin zu einer gesellschaftspolitischen.
Mit der sogenannten Künstlichen Intelligenz erleben wir einen historisch beispiellosen Feldversuch. Niemals zuvor haben sich neue Mensch-Geräte-Konstellationen mit einer vergleichbaren Geschwindigkeit und globalen Reichweite verbreitet.
Die eigentliche Veränderung liegt dabei nicht auf der Ebene technischer Funktionen.
Large Language Models erzeugen durch ihre sprachliche Struktur eine besonders enge, individualisierte Kopplung zwischen Mensch und Gerät. Sie reagieren auf Formulierungen, passen sich Gesprächsverläufen an und spiegeln zurück. Was dabei entsteht, ist keine neutrale Informationsverarbeitung, sondern eine neue sozio-technische Konstellation, die Emotionen und Wirklichkeitswahrnehmungen aktiv hervorbringt. Ihre besondere Wirksamkeit gewinnt diese Kopplung daraus, dass sie Teil jener Mensch-Geräte-Konstellationen wird, in denen Wahrnehmung, Erinnerung, Kommunikation und Wirklichkeitsbezüge überhaupt erst organisiert werden.
Dass die Soziale Arbeit KI flächendeckend einsetzen wird, ist Teil laufender Entwicklungen. Die Reflexion darüber findet bislang allerdings vor allem auf der Ebene der Nutzung statt: Welche Systeme sind geeignet? Welche Risiken müssen reguliert werden? Wo liegen die Chancen und Grenzen des Einsatzes? Die Frage nach der richtigen oder falschen Nutzung setzt jedoch zu spät an. Sie übergeht jene Vorentscheidungen, die bereits in die Systeme eingeschrieben sind und Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Urteilsbildung strukturieren. Sie betreffen die Wahrnehmungsweisen, die emotionalen Architekturen, also die Weisen, wie Aufmerksamkeit, Gefühle und professionelle Urteile organisiert werden, letztlich die Art und Weise, wie Menschen ihre Welt erfahren.
Wir blicken inzwischen auf mehrere Jahrzehnte digitaler Kulturpraktiken zurück. Mit diesen Praktiken verändern sich auch die Vorstellungen davon, was der Mensch ist. Die Erweiterung durch digitale Datenkörper sowie die Frage, wo wir uns räumlich und zeitlich befinden, wenn wir online sind, verweisen auf veränderte Raum-Zeit-Verhältnisse. Mit KI wird nun im Alltag offensichtlich, dass kognitive Prozesse verteilte Prozesse innerhalb von Mensch-Geräte-Konstellationen sind. Das gilt auch für Emotionen.
Emotionen entstehen nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch in digitaler Umgebung
Neuere Ansätze der Emotionsforschung gehen davon aus, dass das Gehirn Emotionen konstruiert, auf der Basis von Erfahrungen, körperlichen Zuständen und den Umgebungen, in denen Menschen leben. Emotions- und Wirklichkeitskonstruktion sind dabei miteinander verwoben. Was wir fühlen, entsteht nicht zuerst in uns und trifft anschließend auf eine Welt. Es entsteht in der Welt, durch sie und mit ihr.
Im Zeitalter digitaler Infrastrukturen betrifft dies nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen. Geräte, Interfaces und algorithmische Systeme sind längst Teil jener sozialen Ökologien geworden, in denen Emotionen, Wahrnehmungen und Urteile hervorgebracht werden. Wahrnehmungen, Gewohnheiten und Bewertungen entstehen dabei häufig nicht durch bewusste Entscheidungen, sondern durch die wiederholte Teilnahme an sozialen und technischen Umwelten.
Die Einführung von Large Language Models markiert in dieser Geschichte eine neue Qualität. Nicht weil Technik erstmals auf Menschen wirkt. Technik und Mensch implizieren einander seit jeher gegenseitig. Neu ist die Intensität dieser Kopplung. Zugleich entziehen sich die relevanten Operationen digitaler Systeme weitgehend der sinnlichen Wahrnehmung. Sichtbar wird nicht die Infrastruktur, sondern das Gespräch. Genau darin liegt ihre besondere Wirksamkeit. Prozesse emotionaler Anpassung werden damit zu einer alltäglichen Bedingung professionellen Handelns.
Für die Soziale Arbeit bedeutet das eine Verschiebung, die tiefer reicht als die Frage nach dem richtigen Einsatz von Technologie. KI-Systeme, Fallmanagementsysteme, Risikoeinschätzungen und Dokumentationstools sind nicht einfach Hilfsmittel. Sie sind Umgebungen, die strukturieren, was wahrgenommen wird, was als relevant gilt und welche emotionalen Konstruktionsprozesse sich wiederholen. Wer täglich in solchen Systemen arbeitet, entwickelt eine bestimmte emotionale Architektur durch die wiederholte Teilnahme an diesen Umwelten.
Spannungsverhältnis privatwirtschaftlicher KI-Systeme und gemeinwohl- und teilhabeorientierter Sozialer Arbeit
Hinzu kommt eine strukturelle Spannung. KI-Systeme gehören wie alle digitalen Anwendungen eigentlich einer Produktklasse von Entwurfspraktiken an. Sie operieren im Möglichkeitsraum, erzeugen Varianten und laden zum Experimentieren ein. Die Soziale Arbeit dagegen ist historisch stark durch Falllogiken, Dokumentation, Nachvollziehbarkeit und Risikobearbeitung geprägt. Diese unterschiedlichen Rationalitäten stehen nicht spannungsfrei nebeneinander. Genau diese Spannung wird von den Anbietern der Systeme selten thematisiert. Sie verkaufen Effizienzversprechen an eine Profession, während sie zugleich die Bedingungen verändern, unter denen professionelle Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und emotionale Kompetenz entstehen.
Das eigentliche Problem liegt dabei nicht in der Technologie selbst. Es liegt darin, dass diese ko-evolutionären Prozesse digitaler Infrastrukturen weitgehend privatwirtschaftlich vorangetrieben werden und damit den gesellschaftlichen Möglichkeitsraum verengen. Ohne demokratische Legitimation, ohne Mitbestimmung der Fachkräfte und ohne Transparenz über die Wirkungen, die dabei entstehen.
So werden die Bedingungen professioneller Wahrnehmung und emotionaler Kompetenz zunehmend von Unternehmen gestaltet, deren Interessen nicht notwendigerweise mit den Interessen der Menschen übereinstimmen, um die es in der Sozialen Arbeit geht.
Damit gewinnt die Frage emotionaler Kompetenz eine politische Dimension. Wer die Umgebungen gestaltet, in denen Menschen wahrnehmen, kommunizieren, entscheiden und fühlen, gestaltet nicht lediglich technische Infrastruktur. Er gestaltet die Bedingungen menschlicher Existenz. Die Frage nach künstlicher Intelligenz wird damit zu einer Frage demokratischer Gestaltung von Mensch-Geräte-Konstellationen. Die Zukunft emotionaler Kompetenz entscheidet sich ebenso in der Frage, wer die kognitiven Infrastrukturen gestaltet, in denen dieses Gespräch überhaupt stattfinden kann. Die Frage der Künstlichen Intelligenz ist deshalb nicht primär eine technische. Sie ist eine demokratische.
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Autor: Sebastian Sierra Barra
Titelbild: Pexels
Was bedeutet soziale Ungleichheit, Dr. Vera Santos?
Im Interview mit unserer Dozentin Dr. Rocío Vera Santos
Frau Dr. Vera Santos, Sie lehren sowohl in den Bachelorstudiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik als auch im Masterstudiengang Sozialmanagement. Worum geht es in Ihrem Fachgebiet?
Mein Fachgebiet ist die Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit, Rassismus, Gender- und Ethnicity Studies.
Was bedeutet soziale Ungleichheit?
Soziale Ungleichheit ist ein multidimensionales und strukturelles Phänomen. Sie bezeichnet die Disparitäten zwischen sozialen Gruppen, die durch eine hierarchische Ordnung beim Zugang zu Ressourcen entstehen. Diese gehen über das Ökonomische hinaus und umfassen auch politische, soziokulturelle und ökologische Dimensionen.
Womit beschäftigen Sie sich genau?
Ich untersuche soziale Ungleichheit als historisches Ergebnis von Kolonialismus, Versklavung und dem transatlantischen Sklavenhandel sowie als Folge bis heute fortbestehender und transnational verflochtener Machtverhältnisse, Machtstrukturen und Mechanismen des Ausschlusses (z. B. soziale Stratifikationen, Diskurse und rechtliche Rahmenbedingungen). Darüber hinaus beschäftige ich mich mit Formen des Widerstands, Prozessen der Identitätsstärkung sowie mit Fragen der Reparation und der Anerkennung afrikanischer und indigener Wissensformen.
Wie sind Sie zu diesem Gebiet gekommen und was genau interessiert Sie?
Ich bin während meiner Promotion und meines Postdocs am Lateinamerika-Institut zu diesem Themenfeld gekommen, als ich begann, mich intensiver mit Fragen sozialer Ungleichheit, Kolonialgeschichte und Rassismus in Lateinamerika zu beschäftigen. Auf der Mikroebene habe ich insbesondere die Konstruktion von Afro-Bezirken in urbanen Kontexten untersucht, wobei ich die Rolle von Frauen, Religion, traditionelles Wissen, Ethnobildung und Gemeinwesenarbeit besonders berücksichtigt habe.
Später habe ich meine Forschung auf strukturellen Rassismus und institutionelle Diskriminierung in Bildungs‑, Justiz- und Gesundheitsbereichen ausgerichtet. Derzeit untersuche ich die Zusammenhänge zwischen Umwelt-Rassismus, rassistischem Kapitalismus und den globalen Verflechtungen.
Mein Anspruch ist es,
Studierende dazu zu befähigen, soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und inklusive Unterstützungssysteme sowohl analytisch zu verstehen als auch in professionellen Handlungsfeldern umzusetzen.
Dr. Rocío Vera Santos
Warum ist es wichtig, dieses Feld in der Sozialen Arbeit zu lehren?
Wie Sie wissen, weist das Studium der Sozialen Arbeit eine ausgeprägte praxisorientierte Dimension auf. Ich habe in Berlin viele Jahre in sozialen Organisationen gearbeitet, die Migrant*innen, Geflüchtete, Frauen und – in letzter Zeit – auch Menschen mit körperlichen oder kognitiven Behinderungen unterstützen.
Ich versuche in meinen Lehrveranstaltungen, Studierende an die Lebensrealitäten dieser vulnerablen Gruppen heranzuführen. Dabei wende ich soziologische Theorien an, um soziale Phänomene besser verständlich zu machen und zugleich für deren gesellschaftliche Bedeutung zu sensibilisieren.
Wie kann man sich den Unterricht bei Ihnen vorstellen?
In meiner Lehrtätigkeit arbeite ich interdisziplinär. Ich unterrichte Seminare in den Bereichen Sozialwirtschaft, Sozialmanagement, Soziologie und Forschungsmethoden, halte Vorlesungen zum sozialen Wandel im internationalen Vergleich und biete Wahlmodule zu Gender und Diversität an.
Ein zentraler Schwerpunkt meiner Lehre liegt auf den Themen Migration, Flucht, soziale Ungleichheit, Intersektionalität, Gewalt, Diskriminierung und Rassismus sowie auf Fragen des Zusammenlebens, der Konvivialität und des Empowerments von Minderheiten.
Ziel meiner Lehre ist es, Studierende für die komplexen Lebenslagen von Menschen in prekären sozialen Situationen zu sensibilisieren und ihnen fundierte Kenntnisse über die strukturellen Bedingungen sozialer Ungleichheiten zu vermitteln. Dazu gehören auch die Wechselwirkungen mit lokal-globalen Machtverhältnissen, Rechtsordnungen und organisationalen Praktiken zu vermitteln.
Dabei lege ich besonderen Wert darauf, zentrale sozialwissenschaftliche Konzepte theoriegeleitet und zugleich praxisnah zu vermitteln. Mein Anspruch ist es, Studierende dazu zu befähigen, soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und inklusive Unterstützungssysteme sowohl analytisch zu verstehen als auch in professionellen Handlungsfeldern umzusetzen.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben? Welchen Ansatz verfolgen Sie?
In meiner Lehre arbeite ich vor allem mit postkolonialen und dekolonialen Ansätzen sowie mit Perspektiven des Black Feminism. Ich ermutige die Studierenden, eine reflektierte, analytische und zugleich feministische, antirassistische und antidiskriminierende Haltung zu entwickeln. Über den Tellerrand hinauszublicken heißt, Autor*innen aus dem Globalen Süden zu lesen und damit neue Perspektiven kennenzulernen.
Ich lege außerdem großen Wert auf Inklusion und den Respekt vor Vielfalt sowie auf die Förderung sozialer Projekte, die die individuellen Bedürfnisse vulnerabler Menschen berücksichtigen. Auch unter dem Gesichtspunkt der Intersektionalität.
Worauf freuen Sie sich besonders in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin?
Ich freue mich besonders auf die Studierenden, da die Mehrheit über umfangreiche Berufserfahrung und praktisches Wissen im Bereich der Sozialen Arbeit oder der Pädagogik verfügt. Viele von ihnen haben Führungspositionen inne und arbeiten in öffentlichen oder privaten sozialen Einrichtungen. Einige absolvieren zudem ein Zweitstudium. Dadurch ist das Niveau und die Beteiligung in den Lehrveranstaltungen sehr hoch, was unsere Diskussionen sehr bereichert.
Meine Lehrveranstaltungen gestalte ich inklusiv und lege großen Wert darauf, zu einer positiven und respektvollen Lernatmosphäre beizutragen. Mein Ziel ist es, dass die Studierenden an jeder Sitzung aktiv teilnehmen. Ihre Meinungen, Kenntnisse und Erfahrungen sind mir sehr wichtig. Die Sitzungen sind eine Zeit des gemeinsamen Lernens.
Die Atmosphäre an der Paritätischen Akademie ist sehr angenehm und förderlich für das Lernen. Wenn Leidenschaft für die Lehre vorhanden ist, fließt vieles ganz von selbst – und genau das macht den Austausch mit den Studierenden so bereichernd.
Zur Person:
Dr. Rocío Vera Santos
Assoziierte Wissenschaftlerin, Lateinamerika-Institut, Freie Universität Berlin
Schwerpunkte:
- Soziale Ungleichheiten
- Rassismus, Antirassismus
- Diskriminierung
- Migration
- Menschenrechte
- Gender and Diversity Studies
- Black Studies
Dr. Vera Santos ist Dozentin an der Paritätischen Akademie Berlin in den Kooperationsstudiengängen Soziale Arbeit (B.A) und Heilpädagogik (B.A.) mit der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik HSAP und dem Kooperationsstudiengang Sozialmanagement (M.A.) mit der Alice Salomon Hochschule Berlin.
Ihr Buch „Dinámicas de la negritud y africanidad. Construcciones de la afrodescendencia en Ecuador“ wurde 2016 mit dem Isabel Tobar Guarderas-Preis ausgezeichnet. Ihr zweites Buch „Entre el Atlántico y el Pacífico Negro. Afrodescendencia y regímenes de desigualdad en Sudamérica“ (mit Sergio Costa und Manuel Góngora) erhielt 2021 den LASA Iberoamericano Book Award der Latin American Studies Association.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Rocío Vera Santos
Unsere Highlights 2025
Was bleibt von einem Jahr? Zahlen, Termine, Abschlüsse? Oder sind es die Momente, in denen sich Haltung schärft, Perspektiven öffnen und Menschen spüren: Meine Arbeit macht einen Unterschied.
2025 war für die Paritätische Akademie Berlin genau so ein Jahr.
Fachtagung zu Autismus, ADHS und Neurodiversität
Ein besonderer Höhepunkt war die Fachtagung zu Autismus, ADHS und Neurodiversität im September.
Das Verständnis neurodivergenter Menschen stand hier im Mittelpunkt. Fachlich, praxisnah und mit großer Offenheit wurde diskutiert, wie Klient:innen jeden Alters in der Eingliederungshilfe und Sozialen Arbeit ressourcenorientiert begleitet werden können.
Die Resonanz zeigte: Der Bedarf an Weiterbildung zu Neurodiversität ist groß. Genau hier setzt die Paritätische Akademie mit ihren Angeboten in der Weiterbildung in Berlin an.


Studienabschluss neben dem Beruf – 75 Gründe stolz zu sein
Beruf, Familie, Studium – und das alles gleichzeitig? 2025 haben 75 Absolvent:innen gezeigt, dass es möglich ist.
Wir gratulieren 45 Master- und 30 Bachelor-Absolvent:innen, die mit Ausdauer, Leidenschaft und fachlichem Anspruch ihren Abschluss erreicht haben.
Sie alle haben Willen gezeigt, Verantwortung zu übernehmen und Strukturen aktiv mitzugestalten. Was die Akademie ihnen dafür bereitstellt: zeitliche Flexibilität, Online-Module und kompakte Präsenzphasen in Berlin, damit sich akademische Weiterbildung und Berufsalltag realistisch vereinbaren lassen.
Diese Abschlüsse stehen nicht nur für persönliche Erfolge, sondern für eine professionell gestärkte Soziale Arbeit, die den wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen gewachsen ist.


Weiterkommen durch Zertifikatskurse!
Auch jenseits eines Studiums war 2025 ein starkes Jahr: Über 300 Teilnehmende haben erfolgreich einen unserer Zertifikatskurse abgeschlossen.
Ob Betriebswirtschaft in sozialwirtschaftlichen Dienstleistungsunternehmen, Qualifizierung für (angehende) Geschäftsführer:innen in der Sozialwirtschaft, Ehrenamtsmanagement oder die Weiterbildung zur Facherzieher:in für Teilhabe und Inklusion. Die Nachfrage zeigt, wie vielfältig die Entwicklungswege in der Sozialen Arbeit sind.
Unsere Zertifikatskurse ermöglichen eine gezielte, praxisnahe Weiterbildung, die unmittelbar im Berufsalltag wirksam wird. Hier geht es zu den Zertifikatskursen 2026.


„Zu(sammen)kunft der freien Wohlfahrtspflege“: ein Netzwerktreffen, das Hoffnung macht
Unser Netzwerktreffen mit dem Motto „Zusammen in die Zukunft“ sorgte für spannende Impulse, wertvollen Austausch und neue Erkenntnisse. Angesichts der Unsicherheiten, die die Zukunft der freien Wohlfahrtspflege prägen, sind unsere Netzwerktreffen im Sinne von Begegnungsräumen wichtiger denn je.
Im Mittelpunkt standen zukunftsweisende Themen wie KI, Klimawandel und Weiterbildung. Eine zentrale Erkenntnis: Eine schnelle Welt braucht keine schnellen Lösungen. Im Gegenteil, vielmehr geht es darum, Beziehungsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit wieder zu erlernen, sich Zeit zu nehmen, um Kompromisse auszuhandeln und sich aufeinander einzulassen. Denn komplexe Systeme lassen sich nur durch Vertrauen steuern. Etwa durch das Etablieren von Realutopien, indem wir Dinge gemeinsam denken und ausprobieren.
Erkenntnisse, die sich mit den Eindrücken der Teilnehmenden decken:
„Ich bin hergekommen, um Veränderungen proaktiv zu gestalten und nicht immer nur reaktiv. Im KI-Workshop habe ich gelernt, wie man mit KI auf niedrigschwellige Weise Automatisierungen etablieren kann. Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Wenn man sich Zeit nimmt, Strukturen zu definieren, kann das richtig gut werden.“
(Vanessa Schwartz, Stellv. Geschäftsführung Stadtteilzentrum Steglitz)
Manche Dinge geschehen in einer Größenordnung, die wir als mittelgroßer Träger gar nicht so umsetzen können. Aber das noch einmal innovativ, anders zu denken und in den Austausch zu kommen – ich denke, das ist sehr wichtig und hilfreich.“
(Leitung Arbeitskreis Nachhaltigkeit bei Lebenswelten e. V.)
„Ich war nicht mehr nur im Hier und Jetzt, sondern mal wieder politisch unterwegs, was sehr gut getan hat – mal wieder die Scheuklappen weit aufzumachen.“
(Bettina Göbetz, Lebenshilfe Berlin)


Das Feedback zeigt uns, auch in Zukunft verstärkt Reflexionsräume zu eröffnen und zum gemeinsamen Austausch einzuladen. Mit unserem Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden.
Wir danken allen Teilnehmenden, Dozierenden und Partner:innen, die dieses Jahr möglich gemacht haben: Wir freuen uns auf alles, was kommt!
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Redaktion: Dr. Carolin Alexander, Julia Mann & Lucas Frye (Paritätische Akademie Berlin)
Fotos: Julia Mann und Lucas Frye
Von der Pflege bis zur Jugendhilfe:
Praxisbeispiele für erfolgreiches Wirkungsmanagement
Wie können wir die Wirkung Sozialer Arbeit besser darstellen und was bringt das? In diesem Beitrag berichten uns drei engagierte Menschen aus der Praxis darüber, wie Sie Wirkungsmanagement in ihrem Arbeitsbereich mit Erfolg anwenden. Vom Ehrenamt in Pflegewohngemeinschaften bis hin zu nachhaltiger Jugendhilfe.
Marie Schäffler, Katja Witteck (Projektkoordinatorinnen bei der Vertrauensstelle) und Christoph Bohne (sozialpädagogische Fachkraft Jugendhilfe & Teamleitung Schulsozialarbeit beim Kreativitätsschulzentrum Berlin) haben durch den Zertifikatskurs in Wirkungsmanagement ihre Projekte geschärft, neue Zielgruppen erreicht und Engagement sichtbar gemacht haben. Was das für ihren Arbeitsalltag konkret bedeutete, erzählen Sie uns in diesem Interview.
Warum ein Zertifikatskurs? Motivation für Wirkungsmanagement
Was hat Sie motiviert, sich intensiver mit Wirkungsmanagement zu beschäftigen?
Christoph Bohne: Mich hat besonders interessiert, wie man Angebote und Prozesse so steuern kann, dass sie unter begrenzten Ressourcen möglichst effektiv wirken.
Marie Schäffler & Katja Witteck: Die Nennung reiner Kennzahlen sagt zwar viel über den Aufwand der Projekte in der sozialen Arbeit aus, gibt aber in Bezug auf das gewünschte Ergebnis oft ein schwaches Bild ab, da die tatsächliche Wirkung oftmals nicht sichtbar wird. Wir wollten lernen, wie man das besser darstellen kann.
Engagement für eine gute Pflege und kreative Kinder- und Jugendhilfe
Worum geht es in Ihren Projekten und was sollen Sie bewirken?
Marie Schäffler und Katja Witteck: Unser Projekt widmet sich der Frage, wie gesellschaftliche Teilhabe und soziale Kontakte für die WG Bewohner:innen einer Pflegewohngemeinschaft gefördert werden können. Hierfür möchten wir, neben der guten Bindung zu Pflegediensten, Menschen für ein Ehrenamt als Vertrauensperson begeistern. Dazu braucht es engagierte Personen, offene Pflegewohngemeinschaften, interessierte Mitarbeitende in Pflegediensten sowie eine zugewandte Verwaltung und Politik.
Langfristig möchten wir ein System etablieren, das Sozialraumintegration und Teilhabe strukturell mitdenkt. Nicht nur optional, sondern als Teil guter Pflege. Wir versuchen, allen Beteiligten mit unseren Angeboten gerecht zu werden, durch Beratung, Vermittlung, Begleitung, Austausch und Schulungen.
Christoph Bohne: Wir engagieren uns für ganzheitliche, kreative Kinder- und Jugendhilfe sowie Bildung. Unser Ziel ist es, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Selbstständigkeit zu fördern. In meiner Rolle gestalte ich pädagogische Prozesse und Resonanzräume für Jugendliche und begleite gleichzeitig Mitarbeitende in ihrer Entwicklung.
Mit welchen Vorkenntnissen starteten Sie den Kurs und was haben Sie im Laufe der Weiterbildung gelernt?
Christoph Bohne: Ich hatte bereits erste Berührungspunkte, zum Beispiel im Rahmen von Hilfeplanung oder Qualitätsentwicklung. Das Thema tauchte auch immer wieder in Literatur und Fortbildungen auf.
Ich habe gelernt, vor der Umsetzung bewusst einen Schritt zurückzutreten und eine strategische Perspektive einzunehmen. Wirkung zeigt sich nicht nur in Endergebnissen, sondern beginnt bereits im Alltagsprozess.
Marie Schäffler und Katja Witteck: Wir hatten bereits die Broschüre gelesen und auch in anderen Projekten das Thema Wirkung beleuchtet. Die intensive Auseinandersetzung im Kurs war ein großer Gewinn. Wir sind weiterhin dabei, wurden in vielen bereits gegangenen Schritten bestätigt, haben Neues gelernt und uns weiterentwickelt.
Wirkungsmanagement ist zeitintensiv und erfordert Kraft. Manchmal ist es bedauerlich, dass diese Energie nicht direkt in die Arbeit mit den Menschen fließt. Auf der anderen Seite ist es wichtig und richtig, die wertvolle Arbeit, die von so vielen Akteur:innen der sozialen Arbeit – besonders durch freiwillig Engagierte – geleistet wird, sichtbar und greifbar zu machen
Wie haben Sie das Wissen über Wirkungsmanagement im Zertifikatskurs konkret in Ihrer Arbeit umgesetzt?
Marie Schäffler und Katja Witteck: Wir wollten die Aufgabe und das Profil unseres Projekts schärfen und dabei von Anfang an auch die Wirkung mitdenken und planen. Genau das haben wir im Kurs gemacht.
Christoph Bohne: Ich habe eine vollständige Wirkungstreppe für die regelmäßige Gruppenrunde und Projektplanung in der Jugendwohngruppe entwickelt. Sie hilft mir dabei, mein pädagogisches Handeln gezielter zu planen und zu reflektieren. Die Kursstruktur war gut in meinen Arbeitsalltag integrierbar. Zusätzlich konnte ich das Gelernte auf andere Formate übertragen – sogar im privaten Kontext, etwa in meinem Engagement als Vereinsvorsitzender eines Fußballvereins.
Marie Schäffler und Katja Witteck: Es fühlte sich nicht wie ein zusätzliches Thema an, sondern wie eine fachliche Unterstützung durch ein erweitertes Team. Das Wirkungsmanagement hat nicht nur unser Projekt gestärkt, sondern auch unsere Rolle als Koordinatorinnen verändert: Wir fühlen uns sicherer darin, unsere Arbeit strategisch zu reflektieren und sichtbar zu machen.
„Ich habe gelernt, vor der Umsetzung bewusst einen Schritt zurückzutreten und eine strategische Perspektive einzunehmen. Wirkung zeigt sich nicht nur in Endergebnissen, sondern beginnt bereits im Alltagsprozess.“ Christoph Bohne
Erfolg durch Wirkungsmanagement: Neue Zielgruppen und Auszeichnungen
Marie Schäffler & Katja Witteck: Ein konkretes Erfolgserlebnis war, dass wir durch das Wirkungsmanagement unser Selbstverständnis neu geschärft und dadurch eine zusätzliche Zielgruppe definieren konnten. Das hat uns gezeigt, wo unser Output besonders großflächig wirken kann und welche Netzwerkpartner wir für die nächsten Schritte brauchen. So konnten wir das Projekt gezielt neu ausrichten und erste Unterstützer gewinnen, die uns helfen, über unsere Kernzielgruppe hinauszuwachsen.
Christoph Bohne: Ein besonderes Highlight war, dass unser Engagement durch das KIJUNA-Siegel ausgezeichnet wurde – eine Anerkennung für nachhaltige Projekte, die Partizipation und Bildung miteinander verbinden (mehr lesen) .
Denn durch gezielte Beteiligungsformate und die verstärkte Einbeziehung der Perspektiven der Jugendlichen konnten wir das Projekt „Rummelwasser – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ umsetzen.
Ausgangspunkt war eine gemeinsame Reflexion über den Wasserverbrauch in unserer Wohngruppe – von der Dusche bis zum Abwasch. Die Jugendlichen recherchierten zum Wasserfußabdruck von Lebensmitteln, diskutierten über nachhaltigen Einkauf und Konsum, Fast Fashion, Wasserkreislauf und Trinkwasserqualität in Berlin. Sie hinterfragten ihr eigenes Einkaufsverhalten, machten Vorschläge für einen bewussteren Umgang mit Kleidung, produzierten kurze Clips zum Thema Wasser und Nachhaltigkeit und überlegten, wie man WG-Alltag und Klimabewusstsein besser verbinden kann.


So wurde deutlich, wie Wirkungsorientierung praktisch greifbar wird: von der Alltagsbeobachtung über gemeinsame Projektplanung bis hin zu echten Veränderungen im Denken und Handeln der Jugendlichen. Ziel war es die Haltung zu entwickeln, das jede:r wichtig ist einen kleinen Beitrag zu leisten um so einen Unterschied auszumachen.
Vielen Dank für das Interview!
Christoph Bohne, Sozialpädagogische Fachkraft Jugendhilfe & Teamleitung Schulsozialarbeit (Website)
Katja Witteck & Marie Schäffler, Projektkoordinatorinnen bei Vertrauensstelle Berlin (Website)
In Ihrem Projekt fehlt noch das richtige Wirkungsmanagement? Erfahren Sie im Zertifikatskurs, wie Sie es anwenden!
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Marie Schäffler und Katja Witteck (Foto: Kristina Kast)
Beitragsfotos: Dokumentation „Rummelwasser – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Foto: Christoph Bohne)
Einführung in die Wirkungsorientierung
Online-Seminar
kostenfrei für Berliner Mitglieder