Maga­zin

Wie KI die Bedin­gun­gen emo­tio­na­ler Kom­pe­tenz ver­än­dert

Zukunfts­trends in der Sozi­al­wirt­schaft

Juli 2026

Verändert KI die emotionale Kompetenz?

Wie ste­hen sich emo­tio­na­le Kom­pe­tenz und künst­li­che Intel­li­genz gegen­über? Die­se Fra­ge stel­len wir uns in Bezug auf die Rele­vanz für den sozia­len und the­ra­peu­ti­schen Bereich. Denn für die Beglei­tung von Men­schen ist es wich­tig sich die Fra­ge zu stel­len, was sich auf der Ebe­ne von Emo­ti­ons- und Wahr­neh­mungs­ver­ar­bei­tung durch die Nut­zung von KI ver­än­dert. Sebas­ti­an Sier­ra Bar­ra (Medi­en- und Kul­tur­anthro­po­lo­ge & Pro­fes­sor an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Ber­lin) hat die­sen Bei­trag ver­fasst. Dabei bewegt er sich weg von einer rein tech­ni­schen Per­spek­ti­ve auf KI, hin zu einer gesell­schafts­po­li­ti­schen.

Mit der soge­nann­ten Künst­li­chen Intel­li­genz erle­ben wir einen his­to­risch bei­spiel­lo­sen Feld­ver­such. Nie­mals zuvor haben sich neue Mensch-Gerä­te-Kon­stel­la­tio­nen mit einer ver­gleich­ba­ren Geschwin­dig­keit und glo­ba­len Reich­wei­te ver­brei­tet.

Die eigent­li­che Ver­än­de­rung liegt dabei nicht auf der Ebe­ne tech­ni­scher Funk­tio­nen.

Lar­ge Lan­guage Models erzeu­gen durch ihre sprach­li­che Struk­tur eine beson­ders enge, indi­vi­dua­li­sier­te Kopp­lung zwi­schen Mensch und Gerät. Sie reagie­ren auf For­mu­lie­run­gen, pas­sen sich Gesprächs­ver­läu­fen an und spie­geln zurück. Was dabei ent­steht, ist kei­ne neu­tra­le Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung, son­dern eine neue sozio-tech­ni­sche Kon­stel­la­ti­on, die Emo­tio­nen und Wirk­lich­keits­wahr­neh­mun­gen aktiv her­vor­bringt. Ihre beson­de­re Wirk­sam­keit gewinnt die­se Kopp­lung dar­aus, dass sie Teil jener Mensch-Gerä­te-Kon­stel­la­tio­nen wird, in denen Wahr­neh­mung, Erin­ne­rung, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Wirk­lich­keits­be­zü­ge über­haupt erst orga­ni­siert wer­den.

Dass die Sozia­le Arbeit KI flä­chen­de­ckend ein­set­zen wird, ist Teil lau­fen­der Ent­wick­lun­gen. Die Refle­xi­on dar­über fin­det bis­lang aller­dings vor allem auf der Ebe­ne der Nut­zung statt: Wel­che Sys­te­me sind geeig­net? Wel­che Risi­ken müs­sen regu­liert wer­den? Wo lie­gen die Chan­cen und Gren­zen des Ein­sat­zes? Die Fra­ge nach der rich­ti­gen oder fal­schen Nut­zung setzt jedoch zu spät an. Sie über­geht jene Vor­ent­schei­dun­gen, die bereits in die Sys­te­me ein­ge­schrie­ben sind und Wahr­neh­mung, Auf­merk­sam­keit und Urteils­bil­dung struk­tu­rie­ren. Sie betref­fen die Wahr­neh­mungs­wei­sen, die emo­tio­na­len Archi­tek­tu­ren, also die Wei­sen, wie Auf­merk­sam­keit, Gefüh­le und pro­fes­sio­nel­le Urtei­le orga­ni­siert wer­den, letzt­lich die Art und Wei­se, wie Men­schen ihre Welt erfah­ren. 

Wir bli­cken inzwi­schen auf meh­re­re Jahr­zehn­te digi­ta­ler Kul­tur­prak­ti­ken zurück. Mit die­sen Prak­ti­ken ver­än­dern sich auch die Vor­stel­lun­gen davon, was der Mensch ist. Die Erwei­te­rung durch digi­ta­le Daten­kör­per sowie die Fra­ge, wo wir uns räum­lich und zeit­lich befin­den, wenn wir online sind, ver­wei­sen auf ver­än­der­te Raum-Zeit-Ver­hält­nis­se. Mit KI wird nun im All­tag offen­sicht­lich, dass kogni­ti­ve Pro­zes­se ver­teil­te Pro­zes­se inner­halb von Mensch-Gerä­te-Kon­stel­la­tio­nen sind. Das gilt auch für Emo­tio­nen.

Emo­tio­nen ent­ste­hen nicht nur zwi­schen­mensch­lich, son­dern auch in digi­ta­ler Umge­bung 

Neue­re Ansät­ze der Emo­ti­ons­for­schung gehen davon aus, dass das Gehirn Emo­tio­nen kon­stru­iert, auf der Basis von Erfah­run­gen, kör­per­li­chen Zustän­den und den Umge­bun­gen, in denen Men­schen leben. Emo­ti­ons- und Wirk­lich­keits­kon­struk­ti­on sind dabei mit­ein­an­der ver­wo­ben. Was wir füh­len, ent­steht nicht zuerst in uns und trifft anschlie­ßend auf eine Welt. Es ent­steht in der Welt, durch sie und mit ihr. 

Im Zeit­al­ter digi­ta­ler Infra­struk­tu­ren betrifft dies nicht nur zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen. Gerä­te, Inter­faces und algo­rith­mi­sche Sys­te­me sind längst Teil jener sozia­len Öko­lo­gien gewor­den, in denen Emo­tio­nen, Wahr­neh­mun­gen und Urtei­le her­vor­ge­bracht wer­den. Wahr­neh­mun­gen, Gewohn­hei­ten und Bewer­tun­gen ent­ste­hen dabei häu­fig nicht durch bewuss­te Ent­schei­dun­gen, son­dern durch die wie­der­hol­te Teil­nah­me an sozia­len und tech­ni­schen Umwel­ten.

Die Ein­füh­rung von Lar­ge Lan­guage Models mar­kiert in die­ser Geschich­te eine neue Qua­li­tät. Nicht weil Tech­nik erst­mals auf Men­schen wirkt. Tech­nik und Mensch impli­zie­ren ein­an­der seit jeher gegen­sei­tig. Neu ist die Inten­si­tät die­ser Kopp­lung. Zugleich ent­zie­hen sich die rele­van­ten Ope­ra­tio­nen digi­ta­ler Sys­te­me weit­ge­hend der sinn­li­chen Wahr­neh­mung. Sicht­bar wird nicht die Infra­struk­tur, son­dern das Gespräch. Genau dar­in liegt ihre beson­de­re Wirk­sam­keit. Pro­zes­se emo­tio­na­ler Anpas­sung wer­den damit zu einer all­täg­li­chen Bedin­gung pro­fes­sio­nel­len Han­delns. 

Für die Sozia­le Arbeit bedeu­tet das eine Ver­schie­bung, die tie­fer reicht als die Fra­ge nach dem rich­ti­gen Ein­satz von Tech­no­lo­gie. KI-Sys­te­me, Fall­ma­nage­ment­sys­te­me, Risi­ko­ein­schät­zun­gen und Doku­men­ta­ti­ons­tools sind nicht ein­fach Hilfs­mit­tel. Sie sind Umge­bun­gen, die struk­tu­rie­ren, was wahr­ge­nom­men wird, was als rele­vant gilt und wel­che emo­tio­na­len Kon­struk­ti­ons­pro­zes­se sich wie­der­ho­len. Wer täg­lich in sol­chen Sys­te­men arbei­tet, ent­wi­ckelt eine bestimm­te emo­tio­na­le Archi­tek­tur durch die wie­der­hol­te Teil­nah­me an die­sen Umwel­ten. 

Span­nungs­ver­hält­nis pri­vat­wirt­schaft­li­cher KI-Sys­te­me und gemein­wohl- und teil­ha­be­ori­en­tier­ter Sozia­ler Arbeit 

Hin­zu kommt eine struk­tu­rel­le Span­nung. KI-Sys­te­me gehö­ren wie alle digi­ta­len Anwen­dun­gen eigent­lich einer Pro­dukt­klas­se von Ent­wurfs­prak­ti­ken an. Sie ope­rie­ren im Mög­lich­keits­raum, erzeu­gen Vari­an­ten und laden zum Expe­ri­men­tie­ren ein. Die Sozia­le Arbeit dage­gen ist his­to­risch stark durch Fall­lo­gi­ken, Doku­men­ta­ti­on, Nach­voll­zieh­bar­keit und Risi­ko­be­ar­bei­tung geprägt. Die­se unter­schied­li­chen Ratio­na­li­tä­ten ste­hen nicht span­nungs­frei neben­ein­an­der. Genau die­se Span­nung wird von den Anbie­tern der Sys­te­me sel­ten the­ma­ti­siert. Sie ver­kau­fen Effi­zi­enz­ver­spre­chen an eine Pro­fes­si­on, wäh­rend sie zugleich die Bedin­gun­gen ver­än­dern, unter denen pro­fes­sio­nel­le Wahr­neh­mung, Auf­merk­sam­keit und emo­tio­na­le Kom­pe­tenz ent­ste­hen. 

Das eigent­li­che Pro­blem liegt dabei nicht in der Tech­no­lo­gie selbst. Es liegt dar­in, dass die­se ko-evo­lu­tio­nä­ren Pro­zes­se digi­ta­ler Infra­struk­tu­ren weit­ge­hend pri­vat­wirt­schaft­lich vor­an­ge­trie­ben wer­den und damit den gesell­schaft­li­chen Mög­lich­keits­raum ver­en­gen. Ohne demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on, ohne Mit­be­stim­mung der Fach­kräf­te und ohne Trans­pa­renz über die Wir­kun­gen, die dabei ent­ste­hen.

So wer­den die Bedin­gun­gen pro­fes­sio­nel­ler Wahr­neh­mung und emo­tio­na­ler Kom­pe­tenz zuneh­mend von Unter­neh­men gestal­tet, deren Inter­es­sen nicht not­wen­di­ger­wei­se mit den Inter­es­sen der Men­schen über­ein­stim­men, um die es in der Sozia­len Arbeit geht.

Damit gewinnt die Fra­ge emo­tio­na­ler Kom­pe­tenz eine poli­ti­sche Dimen­si­on. Wer die Umge­bun­gen gestal­tet, in denen Men­schen wahr­neh­men, kom­mu­ni­zie­ren, ent­schei­den und füh­len, gestal­tet nicht ledig­lich tech­ni­sche Infra­struk­tur. Er gestal­tet die Bedin­gun­gen mensch­li­cher Exis­tenz. Die Fra­ge nach künst­li­cher Intel­li­genz wird damit zu einer Fra­ge demo­kra­ti­scher Gestal­tung von Mensch-Gerä­te-Kon­stel­la­tio­nen. Die Zukunft emo­tio­na­ler Kom­pe­tenz ent­schei­det sich eben­so in der Fra­ge, wer die kogni­ti­ven Infra­struk­tu­ren gestal­tet, in denen die­ses Gespräch über­haupt statt­fin­den kann. Die Fra­ge der Künst­li­chen Intel­li­genz ist des­halb nicht pri­mär eine tech­ni­sche. Sie ist eine demo­kra­ti­sche.

Mehr über Zukunfts­trends in der Sozi­al­wirt­schaft erfah­ren? Abon­nie­ren Sie unse­re News­let­ter!

______________________________________

Autor: Sebas­ti­an Sier­ra Bar­ra

Titel­bild: Pexels

Maga­zin

Was bedeu­tet sozia­le Ungleich­heit, Dr. Vera San­tos?

April 2026

Was bedeutet soziale Ungleichheit, Dr. Vera Santos?

Im Inter­view mit unse­rer Dozen­tin Dr. Rocío Vera San­tos

Frau Dr. Vera San­tos, Sie leh­ren sowohl in den Bache­lor­stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit und Heil­päd­ago­gik als auch im Mas­ter­stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment. Wor­um geht es in Ihrem Fach­ge­biet?

Mein Fach­ge­biet ist die Sozio­lo­gie mit dem Schwer­punkt Sozia­le Ungleich­heit, Ras­sis­mus, Gen­der- und Eth­ni­ci­ty Stu­dies.

Was bedeu­tet sozia­le Ungleich­heit? 

Sozia­le Ungleich­heit ist ein mul­ti­di­men­sio­na­les und struk­tu­rel­les Phä­no­men. Sie bezeich­net die Dis­pa­ri­tä­ten zwi­schen sozia­len Grup­pen, die durch eine hier­ar­chi­sche Ord­nung beim Zugang zu Res­sour­cen ent­ste­hen. Die­se gehen über das Öko­no­mi­sche hin­aus und umfas­sen auch poli­ti­sche, sozio­kul­tu­rel­le und öko­lo­gi­sche Dimen­sio­nen.

Womit beschäf­ti­gen Sie sich genau?

Ich unter­su­che sozia­le Ungleich­heit als his­to­ri­sches Ergeb­nis von Kolo­nia­lis­mus, Ver­skla­vung und dem trans­at­lan­ti­schen Skla­ven­han­del sowie als Fol­ge bis heu­te fort­be­stehen­der und trans­na­tio­nal ver­floch­te­ner Macht­ver­hält­nis­se, Macht­struk­tu­ren und Mecha­nis­men des Aus­schlus­ses (z. B. sozia­le Stra­ti­fi­ka­tio­nen, Dis­kur­se und recht­li­che Rah­men­beding­ungen). Dar­über hin­aus beschäf­ti­ge ich mich mit For­men des Wider­stands, Pro­zes­sen der Iden­ti­täts­stär­kung sowie mit Fra­gen der Repa­ra­ti­on und der Aner­ken­nung afri­ka­ni­scher und indi­ge­ner Wis­sens­for­men.

Wie sind Sie zu die­sem Gebiet gekom­men und was genau inter­es­siert Sie?

Ich bin wäh­rend mei­ner Pro­mo­ti­on und mei­nes Post­docs am Latein­ame­ri­ka-Insti­tut zu die­sem The­men­feld gekom­men, als ich begann, mich inten­si­ver mit Fra­gen sozia­ler Ungleich­heit, Kolo­ni­al­ge­schich­te und Ras­sis­mus in Latein­ame­ri­ka zu beschäf­ti­gen. Auf der Mikroebe­ne habe ich ins­be­son­de­re die Kon­struk­ti­on von Afro-Bezir­ken in urba­nen Kon­tex­ten unter­sucht, wobei ich die Rol­le von Frau­en, Reli­gi­on, tra­di­tio­nel­les Wis­sen, Eth­no­bil­dung und Gemein­we­sen­ar­beit beson­ders berück­sich­tigt habe. 

Spä­ter habe ich mei­ne For­schung auf struk­tu­rel­len Ras­sis­mus und insti­tu­tio­nel­le Dis­kri­mi­nie­rung in Bildungs‑, Jus­tiz- und Gesund­heits­be­rei­chen aus­ge­rich­tet. Der­zeit unter­su­che ich die Zusam­men­hän­ge zwi­schen Umwelt-Ras­sis­mus, ras­sis­ti­schem Kapi­ta­lis­mus und den glo­ba­len Ver­flech­tun­gen. 

Mein Anspruch ist es,

Stu­die­ren­de dazu zu befä­hi­gen, sozia­le Gerech­tig­keit, Teil­ha­be und inklu­si­ve Unter­stüt­zungs­sys­te­me sowohl ana­ly­tisch zu ver­ste­hen als auch in pro­fes­sio­nel­len Hand­lungs­fel­dern umzu­set­zen.

Dr. Rocío Vera San­tos

War­um ist es wich­tig, die­ses Feld in der Sozia­len Arbeit zu leh­ren? 

Wie Sie wis­sen, weist das Stu­di­um der Sozia­len Arbeit eine aus­ge­präg­te pra­xis­ori­en­tier­te Dimen­si­on auf. Ich habe in Ber­lin vie­le Jah­re in sozia­len Orga­ni­sa­tio­nen gear­bei­tet, die Migrant*innen, Geflüch­te­te, Frau­en und – in letz­ter Zeit – auch Men­schen mit kör­per­li­chen oder kogni­ti­ven Behin­de­run­gen unter­stüt­zen.

Ich ver­su­che in mei­nen Lehr­ver­an­stal­tun­gen, Stu­die­ren­de an die Lebens­rea­li­tä­ten die­ser vul­ner­ablen Grup­pen her­an­zu­füh­ren. Dabei wen­de ich sozio­lo­gi­sche Theo­rien an, um sozia­le Phä­no­me­ne bes­ser ver­ständ­lich zu machen und zugleich für deren gesell­schaft­li­che Bedeu­tung zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Wie kann man sich den Unter­richt bei Ihnen vor­stel­len?

In mei­ner Lehr­tä­tig­keit arbei­te ich inter­dis­zi­pli­när. Ich unter­rich­te Semi­na­re in den Berei­chen Sozi­al­wirt­schaft, Sozi­al­ma­nage­ment, Sozio­lo­gie und For­schungs­me­tho­den, hal­te Vor­le­sun­gen zum sozia­len Wan­del im inter­na­tio­na­len Ver­gleich und bie­te Wahl­mo­du­le zu Gen­der und Diver­si­tät an.

Ein zen­tra­ler Schwer­punkt mei­ner Leh­re liegt auf den The­men Migra­ti­on, Flucht, sozia­le Ungleich­heit, Inter­sek­tio­na­li­tät, Gewalt, Dis­kri­mi­nie­rung und Ras­sis­mus sowie auf Fra­gen des Zusam­men­le­bens, der Kon­vi­via­li­tät und des Empowerm­ents von Min­der­hei­ten. 

Ziel mei­ner Leh­re ist es, Stu­die­ren­de für die kom­ple­xen Lebens­la­gen von Men­schen in pre­kä­ren sozia­len Situa­tio­nen zu sen­si­bi­li­sie­ren und ihnen fun­dier­te Kennt­nis­se über die struk­tu­rel­len Bedin­gun­gen sozia­ler Ungleich­hei­ten zu ver­mit­teln. Dazu gehö­ren auch die Wech­sel­wir­kun­gen mit lokal-glo­ba­len Macht­ver­hält­nis­sen, Rechts­ord­nun­gen und orga­ni­sa­tio­na­len Prak­ti­ken zu ver­mit­teln.

Dabei lege ich beson­de­ren Wert dar­auf, zen­tra­le sozi­al­wis­sen­schaft­li­che Kon­zep­te theo­rie­ge­lei­tet und zugleich pra­xis­nah zu ver­mit­teln. Mein Anspruch ist es, Stu­die­ren­de dazu zu befä­hi­gen, sozia­le Gerech­tig­keit, Teil­ha­be und inklu­si­ve Unter­stüt­zungs­sys­te­me sowohl ana­ly­tisch zu ver­ste­hen als auch in pro­fes­sio­nel­len Hand­lungs­fel­dern umzu­set­zen.

Was möch­ten Sie den Stu­die­ren­den wei­ter­ge­ben? Wel­chen Ansatz ver­fol­gen Sie?

In mei­ner Leh­re arbei­te ich vor allem mit post­ko­lo­nia­len und deko­lo­nia­len Ansät­zen sowie mit Per­spek­ti­ven des Black Femi­nism. Ich ermu­ti­ge die Stu­die­ren­den, eine reflek­tier­te, ana­ly­ti­sche und zugleich femi­nis­ti­sche, anti­ras­sis­ti­sche und anti­dis­kri­mi­nie­ren­de Hal­tungzu ent­wi­ckeln. Über den Tel­ler­rand hin­aus­zu­bli­cken heißt, Autor*innen aus dem Glo­ba­len Süden zu lesen und damit neue Per­spek­ti­ven ken­nen­zu­ler­nen.

Ich lege außer­dem gro­ßen Wert auf Inklu­si­on und den Respekt vor Viel­falt sowie auf die För­de­rung sozia­ler Pro­jek­te, die die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se vul­nerabler Men­schen berück­sich­ti­gen. Auch unter dem Gesichts­punkt der Inter­sek­tio­na­li­tät.

Wor­auf freu­en Sie sich beson­ders in Ihrer Lehr­tä­tig­keit an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin?

Ich freue mich beson­ders auf die Stu­die­ren­den, da die Mehr­heit über umfang­rei­che Berufs­er­fah­rung und prak­ti­sches Wis­sen im Bereich der Sozia­len Arbeit oder der Päd­ago­gik ver­fügt. Vie­le von ihnen haben Füh­rungs­po­si­tio­nen inne und arbei­ten in öffent­li­chen oder pri­va­ten sozia­len Ein­rich­tun­gen. Eini­ge absol­vie­ren zudem ein Zweit­stu­di­um. Dadurch ist das Niveau und die Betei­li­gung in den Lehr­ver­an­stal­tun­gen sehr hoch, was unse­re Dis­kus­sio­nen sehr berei­chert.

Mei­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen gestal­te ich inklu­siv und lege gro­ßen Wert dar­auf, zu einer posi­ti­ven und respekt­vol­len Lernat­mo­sphä­re bei­zu­tra­gen. Mein Ziel ist es, dass die Stu­die­ren­den an jeder Sit­zung aktiv teil­neh­men. Ihre Mei­nun­gen, Kennt­nis­se und Erfah­run­gen sind mir sehr wich­tig. Die Sit­zun­gen sind eine Zeit des gemein­sa­men Ler­nens.

Die Atmo­sphä­re an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie ist sehr ange­nehm und för­der­lich für das Ler­nen. Wenn Lei­den­schaft für die Leh­re vor­han­den ist, fließt vie­les ganz von selbst – und genau das macht den Aus­tausch mit den Stu­die­ren­den so berei­chernd.

Zur Person:

Dr. Rocío Vera San­tos 

Asso­zi­ier­te Wis­sen­schaft­le­rin, Latein­ame­ri­ka-Insti­tut, Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin

Schwer­punk­te:

  • Sozia­le Ungleich­hei­ten
  • Ras­sis­mus, Anti­ras­sis­mus
  • Dis­kri­mi­nie­rung
  • Migra­ti­on
  • Men­schen­rech­te
  • Gen­der and Diver­si­ty Stu­dies
  • Black Stu­dies

Dr. Vera San­tos ist Dozen­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin in den Koope­ra­ti­ons­stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit (B.A) und Heil­päd­ago­gik (B.A.) mit der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik HSAP und dem Koope­ra­ti­ons­stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment (M.A.) mit der Ali­ce Salo­mon Hoch­schu­le Ber­lin.

Ihr Buch „Diná­mi­cas de la negri­tud y afri­ca­ni­dad. Con­s­truc­cio­nes de la afro­de­s­cen­den­cia en Ecua­dor“ wur­de 2016 mit dem Isa­bel Tobar Guar­de­ras-Preis aus­ge­zeich­net. Ihr zwei­tes Buch „Ent­re el Atlán­ti­co y el Pací­fi­co Negro. Afro­de­s­cen­den­cia y regí­me­nes de desi­gu­aldad en Suda­mé­ri­ca“ (mit Ser­gio Cos­ta und Manu­el Gón­go­ra) erhielt 2021 den LASA Ibe­ro­ame­ri­ca­no Book Award der Latin Ame­ri­can Stu­dies Asso­cia­ti­on.

______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Rocío Vera San­tos

Maga­zin

Unse­re High­lights 2025

Dezem­ber 2025

Unsere Highlights 2025

Was bleibt von einem Jahr? Zah­len, Ter­mi­ne, Abschlüs­se? Oder sind es die Momen­te, in denen sich Hal­tung schärft, Per­spek­ti­ven öff­nen und Men­schen spü­ren: Mei­ne Arbeit macht einen Unter­schied.

2025 war für die Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin genau so ein Jahr.

Fach­ta­gung zu Autis­mus, ADHS und Neu­ro­di­ver­si­tät

Ein beson­de­rer Höhe­punkt war die Fach­ta­gung zu Autis­mus, ADHS und Neu­ro­di­ver­si­tät im Sep­tem­ber.

Das Ver­ständ­nis neu­ro­di­ver­gen­ter Men­schen stand hier im Mit­tel­punkt. Fach­lich, pra­xis­nah und mit gro­ßer Offen­heit wur­de dis­ku­tiert, wie Klient:innen jeden Alters in der Ein­glie­de­rungs­hil­fe und Sozia­len Arbeit res­sour­cen­ori­en­tiert beglei­tet wer­den kön­nen.

Die Reso­nanz zeig­te: Der Bedarf an Wei­ter­bil­dung zu Neu­ro­di­ver­si­tät ist groß. Genau hier setzt die Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie mit ihren Ange­bo­ten in der Wei­ter­bil­dung in Ber­lin an.

Studienabschluss neben dem Beruf – 75 Gründe stolz zu sein

Beruf, Fami­lie, Stu­di­um – und das alles gleich­zei­tig? 2025 haben 75 Absolvent:innen gezeigt, dass es mög­lich ist.

Wir gra­tu­lie­ren 45 Mas­ter- und 30 Bachelor-Absolvent:innen, die mit Aus­dau­er, Lei­den­schaft und fach­li­chem Anspruch ihren Abschluss erreicht haben.

Sie alle haben Wil­len gezeigt, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und Struk­tu­ren aktiv mit­zu­ge­stal­ten. Was die Aka­de­mie ihnen dafür bereit­stellt: zeit­li­che Fle­xi­bi­li­tät, Online-Modu­le und kom­pak­te Prä­senz­pha­sen in Ber­lin, damit sich aka­de­mi­sche Wei­ter­bil­dung und Berufs­all­tag rea­lis­tisch ver­ein­ba­ren las­sen.

Die­se Abschlüs­se ste­hen nicht nur für per­sön­li­che Erfol­ge, son­dern für eine pro­fes­sio­nell gestärk­te Sozia­le Arbeit, die den wach­sen­den gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen gewach­sen ist.

Weiterkommen durch Zertifikatskurse!

Auch jen­seits eines Stu­di­ums war 2025 ein star­kes Jahr: Über 300 Teil­neh­men­de haben erfolg­reich einen unse­rer Zer­ti­fi­kats­kur­se abge­schlos­sen.

Ob Betriebs­wirt­schaft in sozi­al­wirt­schaft­li­chen Dienst­leistungs­unter­nehmen, Qua­li­fi­zie­rung für (ange­hen­de) Geschäftsführer:innen in der Sozi­al­wirt­schaft, Ehren­amts­ma­nage­ment oder die Wei­ter­bil­dung zur Facherzieher:in für Teil­ha­be und Inklu­si­on. Die Nach­fra­ge zeigt, wie viel­fäl­tig die Ent­wick­lungs­we­ge in der Sozia­len Arbeit sind.

Unse­re Zer­ti­fi­kats­kur­se ermög­li­chen eine geziel­te, pra­xis­na­he Wei­ter­bil­dung, die unmit­tel­bar im Berufs­all­tag wirk­sam wird. Hier geht es zu den Zer­ti­fi­kats­kur­sen 2026.

„Zu(sammen)kunft der freien Wohlfahrtspflege“: ein Netzwerktreffen, das Hoffnung macht

Unser Netz­werktref­fen mit dem Mot­to „Zusam­men in die Zukunft“ sorg­te für span­nen­de Impul­se, wert­vol­len Aus­tausch und neue Erkennt­nis­se. Ange­sichts der Unsi­cher­hei­ten, die die Zukunft der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge prä­gen, sind unse­re Netz­werktref­fen im Sin­ne von Begeg­nungs­räu­men wich­ti­ger denn je.

Im Mit­tel­punkt stan­den zukunfts­wei­sen­de The­men wie KI, Kli­ma­wan­del und Wei­ter­bil­dung. Eine zen­tra­le Erkennt­nis: Eine schnel­le Welt braucht kei­ne schnel­len Lösun­gen. Im Gegen­teil, viel­mehr geht es dar­um, Bezie­hungs­fä­hig­keit und Refle­xi­ons­fä­hig­keit wie­der zu erler­nen, sich Zeit zu neh­men, um Kom­pro­mis­se aus­zu­han­deln und sich auf­ein­an­der ein­zu­las­sen. Denn kom­ple­xe Sys­te­me las­sen sich nur durch Ver­trau­en steu­ern. Etwa durch das Eta­blie­ren von Real­uto­pien, indem wir Din­ge gemein­sam den­ken und aus­pro­bie­ren.

Erkennt­nis­se, die sich mit den Ein­drü­cken der Teil­neh­men­den decken:

„Ich bin her­ge­kom­men, um Ver­än­de­run­gen pro­ak­tiv zu gestal­ten und nicht immer nur reak­tiv. Im KI-Work­shop habe ich gelernt, wie man mit KI auf nied­rig­schwel­li­ge Wei­se Auto­ma­ti­sie­run­gen eta­blie­ren kann. Das hat­te ich gar nicht auf dem Schirm. Wenn man sich Zeit nimmt, Struk­tu­ren zu defi­nie­ren, kann das rich­tig gut wer­den.“

(Vanes­sa Schwartz, Stellv. Geschäfts­füh­rung Stadt­teil­zen­trum Ste­glitz)

Man­che Din­ge gesche­hen in einer Grö­ßen­ord­nung, die wir als mit­tel­gro­ßer Trä­ger gar nicht so umset­zen kön­nen. Aber das noch ein­mal inno­va­tiv, anders zu den­ken und in den Aus­tausch zu kom­men – ich den­ke, das ist sehr wich­tig und hilf­reich.“

(Lei­tung Arbeits­kreis Nach­hal­tig­keit bei Lebens­wel­ten e. V.)

„Ich war nicht mehr nur im Hier und Jetzt, son­dern mal wie­der poli­tisch unter­wegs, was sehr gut getan hat – mal wie­der die Scheu­klap­pen weit auf­zu­ma­chen.“

(Bet­ti­na Göbetz, Lebens­hil­fe Ber­lin)

Das Feed­back zeigt uns, auch in Zukunft ver­stärkt Refle­xi­ons­räu­me zu eröff­nen und zum gemein­sa­men Aus­tausch ein­zu­la­den. Mit unse­rem News­let­ter blei­ben Sie auf dem Lau­fen­den.

Wir dan­ken allen Teil­neh­men­den, Dozie­ren­den und Partner:innen, die die­ses Jahr mög­lich gemacht haben: Wir freu­en uns auf alles, was kommt!

______________________________________

Redak­ti­on: Dr. Caro­lin Alex­an­der, Julia Mann & Lucas Frye (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Fotos: Julia Mann und Lucas Frye

Maga­zin

Von der Pfle­ge bis zur Jugend­hil­fe: Pra­xis­bei­spie­le für erfolg­rei­ches Wir­kungs­ma­nage­ment 

Sep­tem­ber 2025 | Wir­kungs­ma­nage­ment

Von der Pflege bis zur Jugendhilfe:

Praxisbeispiele für erfolgreiches Wirkungsmanagement

Wie kön­nen wir die Wir­kung Sozia­ler Arbeit bes­ser dar­stel­len und was bringt das? In die­sem Bei­trag berich­ten uns drei enga­gier­te Men­schen aus der Pra­xis dar­über, wie Sie Wir­kungs­ma­nage­ment in ihrem Arbeits­be­reich mit Erfolg anwen­den. Vom Ehren­amt in Pfle­ge­wohn­ge­mein­schaf­ten bis hin zu nach­hal­ti­ger Jugend­hil­fe.  

Marie Schäff­ler, Kat­ja Wit­t­eck (Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin­nen bei der Ver­trau­ens­stel­le) und Chris­toph Boh­ne (sozi­al­päd­ago­gi­sche Fach­kraft Jugend­hil­fe & Team­lei­tung Schul­so­zi­al­ar­beit beim Krea­ti­vi­täts­schul­zen­trum Ber­lin) haben durch den Zer­ti­fi­kats­kurs in Wir­kungs­ma­nage­ment ihre Pro­jek­te geschärft, neue Ziel­grup­pen erreicht und Enga­ge­ment sicht­bar gemacht haben. Was das für ihren Arbeits­all­tag kon­kret bedeu­te­te, erzäh­len Sie uns in die­sem Inter­view. 

Warum ein Zertifikatskurs? Motivation für Wirkungsmanagement 

Was hat Sie moti­viert, sich inten­si­ver mit Wir­kungs­ma­nage­ment zu beschäf­ti­gen? 

Chris­toph Boh­ne: Mich hat beson­ders inter­es­siert, wie man Ange­bo­te und Pro­zes­se so steu­ern kann, dass sie unter begrenz­ten Res­sour­cen mög­lichst effek­tiv wir­ken. 

Marie Schäff­ler & Kat­ja Wit­t­eck: Die Nen­nung rei­ner Kenn­zah­len sagt zwar viel über den Auf­wand der Pro­jek­te in der sozia­len Arbeit aus, gibt aber in Bezug auf das gewünsch­te Ergeb­nis oft ein schwa­ches Bild ab, da die tat­säch­li­che Wir­kung oft­mals nicht sicht­bar wird. Wir woll­ten ler­nen, wie man das bes­ser dar­stel­len kann. 

Engagement für eine gute Pflege und kreative Kinder- und Jugendhilfe 

Wor­um geht es in Ihren Pro­jek­ten und was sol­len Sie bewir­ken? 

 

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Unser Pro­jekt wid­met sich der Fra­ge, wie gesell­schaft­li­che Teil­ha­be und sozia­le Kon­tak­te für die WG Bewohner:innen einer Pfle­ge­wohn­ge­mein­schaft geför­dert wer­den kön­nen. Hier­für möch­ten wir, neben der guten Bin­dung zu Pfle­ge­diens­ten, Men­schen für ein Ehren­amt als Ver­trau­ens­per­son begeis­tern. Dazu braucht es enga­gier­te Per­so­nen, offe­ne Pfle­ge­wohn­ge­mein­schaf­ten, inter­es­sier­te Mit­ar­bei­ten­de in Pfle­ge­diens­ten sowie eine zuge­wand­te Ver­wal­tung und Poli­tik.  

Lang­fris­tig möch­ten wir ein Sys­tem eta­blie­ren, das Sozi­al­raum­in­te­gra­ti­on und Teil­ha­be struk­tu­rell mit­denkt. Nicht nur optio­nal, son­dern als Teil guter Pfle­ge. Wir ver­su­chen, allen Betei­lig­ten mit unse­ren Ange­bo­ten gerecht zu wer­den, durch Bera­tung, Ver­mitt­lung, Beglei­tung, Aus­tausch und Schu­lun­gen. 

Chris­toph Boh­ne: Wir enga­gie­ren uns für ganz­heit­li­che, krea­ti­ve Kin­der- und Jugend­hil­fe sowie Bil­dung. Unser Ziel ist es, jun­ge Men­schen in ihrer Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und Selbst­stän­dig­keit zu för­dern. In mei­ner Rol­le gestal­te ich päd­ago­gi­sche Pro­zes­se und Reso­nanz­räu­me für Jugend­li­che und beglei­te gleich­zei­tig Mit­ar­bei­ten­de in ihrer Ent­wick­lung. 

 

Mit wel­chen Vor­kennt­nis­sen star­te­ten Sie den Kurs und was haben Sie im Lau­fe der Wei­ter­bil­dung gelernt? 

 

Chris­toph Boh­ne: Ich hat­te bereits ers­te Berüh­rungs­punk­te, zum Bei­spiel im Rah­men von Hil­fe­pla­nung oder Qua­li­täts­ent­wick­lung. Das The­ma tauch­te auch immer wie­der in Lite­ra­tur und Fort­bil­dun­gen auf.  

Ich habe gelernt, vor der Umset­zung bewusst einen Schritt zurück­zu­tre­ten und eine stra­te­gi­sche Per­spek­ti­ve ein­zu­neh­men. Wir­kung zeigt sich nicht nur in End­ergeb­nis­sen, son­dern beginnt bereits im All­tags­pro­zess.  

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Wir hat­ten bereits die Bro­schü­re gele­sen und auch in ande­ren Pro­jek­ten das The­ma Wir­kung beleuch­tet. Die inten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung im Kurs war ein gro­ßer Gewinn. Wir sind wei­ter­hin dabei, wur­den in vie­len bereits gegan­ge­nen Schrit­ten bestä­tigt, haben Neu­es gelernt und uns wei­ter­ent­wi­ckelt. 

Wir­kungs­ma­nage­ment ist zeit­in­ten­siv und erfor­dert Kraft. Manch­mal ist es bedau­er­lich, dass die­se Ener­gie nicht direkt in die Arbeit mit den Men­schen fließt. Auf der ande­ren Sei­te ist es wich­tig und rich­tig, die wert­vol­le Arbeit, die von so vie­len Akteur:innen der sozia­len Arbeit – beson­ders durch frei­wil­lig Enga­gier­te – geleis­tet wird, sicht­bar und greif­bar zu machen 

Wie haben Sie das Wis­sen über Wir­kungs­ma­nage­ment im Zer­ti­fi­kats­kurs kon­kret in Ihrer Arbeit umge­setzt? 

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Wir woll­ten die Auf­ga­be und das Pro­fil unse­res Pro­jekts schär­fen und dabei von Anfang an auch die Wir­kung mit­den­ken und pla­nen. Genau das haben wir im Kurs gemacht. 

Chris­toph Boh­ne: Ich habe eine voll­stän­di­ge Wir­kungs­trep­pe für die regel­mä­ßi­ge Grup­pen­run­de und Pro­jekt­pla­nung in der Jugend­wohn­grup­pe ent­wi­ckelt. Sie hilft mir dabei, mein päd­ago­gi­sches Han­deln geziel­ter zu pla­nen und zu reflek­tie­ren. Die Kurs­struk­tur war gut in mei­nen Arbeits­all­tag inte­grier­bar. Zusätz­lich konn­te ich das Gelern­te auf ande­re For­ma­te über­tra­gen – sogar im pri­va­ten Kon­text, etwa in mei­nem Enga­ge­ment als Ver­eins­vor­sit­zen­der eines Fuß­ball­ver­eins. 

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Es fühl­te sich nicht wie ein zusätz­li­ches The­ma an, son­dern wie eine fach­li­che Unter­stüt­zung durch ein erwei­ter­tes Team. Das Wir­kungs­ma­nage­ment hat nicht nur unser Pro­jekt gestärkt, son­dern auch unse­re Rol­le als Koor­di­na­to­rin­nen ver­än­dert: Wir füh­len uns siche­rer dar­in, unse­re Arbeit stra­te­gisch zu reflek­tie­ren und sicht­bar zu machen. 

„Ich habe gelernt, vor der Umset­zung bewusst einen Schritt zurück­zu­tre­ten und eine stra­te­gi­sche Per­spek­ti­ve ein­zu­neh­men. Wir­kung zeigt sich nicht nur in End­ergeb­nis­sen, son­dern beginnt bereits im All­tags­pro­zess.“ Chris­toph Boh­ne 

Erfolg durch Wirkungsmanagement: Neue Zielgruppen und Auszeichnungen 

 

Marie Schäff­ler & Kat­ja Wit­t­eck: Ein kon­kre­tes Erfolgs­er­leb­nis war, dass wir durch das Wir­kungs­ma­nage­ment unser Selbst­ver­ständ­nis neu geschärft und dadurch eine zusätz­li­che Ziel­grup­pe defi­nie­ren konn­ten. Das hat uns gezeigt, wo unser Out­put beson­ders groß­flä­chig wir­ken kann und wel­che Netz­werk­part­ner wir für die nächs­ten Schrit­te brau­chen. So konn­ten wir das Pro­jekt gezielt neu aus­rich­ten und ers­te Unter­stüt­zer gewin­nen, die uns hel­fen, über unse­re Kern­ziel­grup­pe hin­aus­zu­wach­sen. 

Chris­toph Boh­ne: Ein beson­de­res High­light war, dass unser Enga­ge­ment durch das KIJU­NA-Sie­gel aus­ge­zeich­net wur­de – eine Aner­ken­nung für nach­hal­ti­ge Pro­jek­te, die Par­ti­zi­pa­ti­on und Bil­dung mit­ein­an­der ver­bin­den (mehr lesen) . 

Denn durch geziel­te Betei­li­gungs­for­ma­te und die ver­stärk­te Ein­be­zie­hung der Per­spek­ti­ven der Jugend­li­chen konn­ten wir das Pro­jekt „Rum­mel­was­ser – Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ umset­zen. 

Aus­gangs­punkt war eine gemein­sa­me Refle­xi­on über den Was­ser­ver­brauch in unse­rer Wohn­grup­pe – von der Dusche bis zum Abwasch. Die Jugend­li­chen recher­chier­ten zum Was­ser­fuß­ab­druck von Lebens­mit­teln, dis­ku­tier­ten über nach­hal­ti­gen Ein­kauf und Kon­sum, Fast Fashion, Was­ser­kreis­lauf und Trink­was­ser­qua­li­tät in Ber­lin. Sie hin­ter­frag­ten ihr eige­nes Ein­kaufs­ver­hal­ten, mach­ten Vor­schlä­ge für einen bewuss­te­ren Umgang mit Klei­dung, pro­du­zier­ten kur­ze Clips zum The­ma Was­ser und Nach­hal­tig­keit und über­leg­ten, wie man WG-All­tag und Kli­ma­be­wusst­sein bes­ser ver­bin­den kann. 

So wur­de deut­lich, wie Wir­kungs­ori­en­tie­rung prak­tisch greif­bar wird: von der All­tags­be­ob­ach­tung über gemein­sa­me Pro­jekt­pla­nung bis hin zu ech­ten Ver­än­de­run­gen im Den­ken und Han­deln der Jugend­li­chen. Ziel war es die Hal­tung zu ent­wi­ckeln, das jede:r wich­tig ist einen klei­nen Bei­trag zu leis­ten um so einen Unter­schied aus­zu­ma­chen. 

Vie­len Dank für das Inter­view!

 

Chris­toph Boh­ne, Sozi­al­päd­ago­gi­sche Fach­kraft Jugend­hil­fe & Team­lei­tung Schul­so­zi­al­ar­beit (Web­site) 

Kat­ja Wit­t­eck & Marie Schäff­ler, Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin­nen bei Ver­trau­ens­stel­le Ber­lin (Web­site) 

 

In Ihrem Pro­jekt fehlt noch das rich­ti­ge Wir­kungs­ma­nage­ment? Erfah­ren Sie im Zer­ti­fi­kats­kurs, wie Sie es anwen­den!

______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto im Titel­bild: Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck (Foto: Kris­ti­na Kast

Bei­trags­fo­tos: Doku­men­ta­ti­on „Rum­mel­was­ser – Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ (Foto: Chris­toph Boh­ne) 

Wir­kungs­ma­nage­ment

Online-Zer­ti­fi­kats­kurs

10. Sep­tem­ber 2025 – 19. Febru­ar 2026

Ein­füh­rung in die Wir­kungs­ori­en­tie­rung

Online-Semi­nar

kos­ten­frei für Ber­li­ner Mit­glie­der

18. Sep­tem­ber 2025

Finanzierung Praktisch I – Die erfolgreiche Projektskizze

Online-Seminar

7. Novem­ber 2025

AUCH INTERESSANT