Maga­zin

Coa­ching für Stu­die­ren­de mit Herz und Ver­stand

Stu­di­um

Juni 2026

Coaching für Studierende mit Herz und Verstand

Interview mit Juliane Link

Wie schafft man es, Stu­di­um, Beruf und Pri­vat­le­ben unter einen Hut zu brin­gen? Was tun bei Über­for­de­rung, Selbst­zwei­feln oder Moti­va­ti­ons­lö­chern? Julia­ne Link bie­tet Coa­ching für die Stu­die­ren­de zu genau sol­chen Fra­gen an. Dabei kann es um per­sön­li­che Her­aus­for­de­run­gen oder beruf­li­che Ent­schei­dun­gen gehen. Im Stu­di­um Sozi­al­ma­nage­ment (M. A.) ist das Coa­ching ein fes­ter Bestand­teil des Pro­gramms. Auch in den Bache­lor-Stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit und Heil­päd­ago­gik gibt es regel­mä­ßi­ge Super­vi­si­ons­an­ge­bo­te von ihr. In die­sem Inter­view stellt Julia­ne Link sich näher vor.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf als Coach gekom­men? 

Auf mei­ner ers­ten Stel­le war ich Refe­ren­tin für eine Katho­li­sche Stu­die­ren­den­ge­mein­de. Dort habe ich Ver­an­stal­tun­gen orga­ni­siert und Medi­ta­ti­ons­kur­se gege­ben, vor allem aber war ich als Seel­sor­ge­rin für Stu­die­ren­de da, die gera­de eine Kri­se durch­leb­ten. Außer­dem war ich Ansprech­part­ne­rin für Stu­die­ren­de, die sich für spi­ri­tu­el­le The­men inter­es­sier­ten und dazu Fra­gen hat­ten. In den Gesprä­chen habe ich dann schnell gemerkt, dass die meis­ten aber noch mit ganz ande­ren Din­ge beschäf­tigt waren. Oft ging es um über­for­dern­de Situa­tio­nen im Stu­di­en­all­tag und die vie­len Ent­schei­dun­gen, die in die­ser Lebens­pha­se anste­hen. So kam ich auf die Idee, mich als Coach aus­bil­den zu las­sen. 

Was ist Ihre Moti­va­ti­on, Stu­die­ren­de als Coach zu beglei­ten?

Vie­le erle­ben wäh­rend des Stu­di­ums einen rasan­ten per­sön­li­chen Ent­wick­lungs­pro­zess. Das Stu­di­um erwei­tert ihren Hori­zont und ver­än­dert ihre Per­spek­ti­ve auf die Din­ge. Sol­che Pro­zes­se zu beglei­ten, bedeu­tet häu­fig auch Bio­gra­phie­ar­beit und das ist eine sehr schö­ne Auf­ga­be. Stu­die­ren­de sind tol­le Klient:innen. Sie sind meis­tens sehr offen und es fällt ihnen leicht, über kom­ple­xe Zusam­men­hän­ge und Wech­sel­wir­kun­gen nach­zu­den­ken und Neu­es aus­zu­pro­bie­ren. Die­se Fähig­kei­ten brin­gen sie ins Coa­ching ein und das eröff­net mir vie­le Mög­lich­kei­ten für mei­ne Arbeit.   

Ich ver­su­che im Gespräch einen Raum zu eröff­nen, in dem nicht nur kogni­ti­ve Über­le­gun­gen ihren Platz haben, son­dern auch Gefüh­le und Kör­per­emp­fin­dun­gen. Man muss nicht immer nach ihnen han­deln, aber es lohnt sich, sie zu ver­ste­hen. 

Was möchten Sie den Studierenden weitergeben? Welche Ansätze und welche Haltung verfolgen Sie? 

Ich möch­te Stu­die­ren­de ermu­ti­gen, krea­tiv zu sein, wenn sie vor Her­aus­for­de­run­gen ste­hen. Das gilt für jeden ein­zel­nen Lebens­weg, aber auch für die glo­ba­le Kri­sen und Pro­ble­me, mit denen wir aktu­ell und in Zukunft zurecht­kom­men müs­sen. 

Außer­dem arbei­te ich viel mit Ansät­zen aus dem Embo­di­ment, bei denen die Syn­chro­ni­sa­ti­on von Herz und Ver­stand wich­tig ist. Wenn wir kein gutes Bauch­ge­fühl haben, bringt es auf Dau­er nichts, die Zäh­ne zusam­men­zu­bei­ßen. Ich ver­su­che im Gespräch einen Raum zu eröff­nen, in dem nicht nur kogni­ti­ve Über­le­gun­gen ihren Platz haben, son­dern auch Gefüh­le und Kör­per­emp­fin­dun­gen. Man muss nicht immer nach ihnen han­deln, aber es lohnt sich, sie zu ver­ste­hen. 

Was macht Ihnen in Ihrer Coa­ching-Tätig­keit an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin beson­ders Freu­de?  

An der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie habe ich mit sehr sym­pa­thi­schen Stu­die­ren­den zu tun, die sozi­al und emo­tio­nal kom­pe­tent sind und eine hohe Moti­va­ti­on mit­brin­gen. Fast alle haben schon Super­vi­si­ons- oder Coa­chin­g­er­fah­rung und kön­nen sich gut reflek­tie­ren.  

Die Coa­chings fin­den in klei­nen Grup­pen statt, in denen sich die Stu­die­ren­den mit viel Empa­thie gegen­sei­tig unter­stüt­zen und Mut machen. Das mit­er­le­ben und mit­ge­stal­ten zu kön­nen macht mir gro­ße Freu­de. 

Vie­len Dank für das Inter­view, Julia­ne Link!

Das Coa­ching ist fes­ter Bestand­teil des Mas­ter­stu­di­ums Sozi­al­ma­nage­ment und kann Stu­die­ren­de in fol­gen­den Berei­chen unter­stüt­zen: 

  • beruf­li­che Neu­ori­en­tie­rung  
  • Rol­len­klä­rung zwi­schen Job und Stu­di­um  
  • Füh­rungs­kom­pe­tenz, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Selbst­ma­nage­ment  
  • Umgang mit Per­fek­tio­nis­mus oder inne­rem Druck 

In ers­ter Linie geht es in die­sem Stu­di­en­gang um die Ver­mitt­lung von Wis­sen über Betriebs­wirt­schaft und Manage­ment für den sozia­len Bereich. Aber auch gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen spie­len eine Rol­le. Die Stu­die­ren­den sind bereits berufs­tä­tig und beschäf­ti­gen sich daher mit der über­ge­ord­ne­ten Fra­ge: Wie kann eine sozia­le Orga­ni­sa­ti­on nach­hal­tig, zukunfts­si­cher und ver­ant­wor­tungs­be­wusst gelei­tet wer­den? 

Erfah­ren Sie hier mehr über den Stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment (Mas­ter of Arts), den wir in Koope­ra­ti­on mit der Ali­ce Salo­mon Hoch­schu­le Ber­lin anbie­ten.  

Auch in unse­ren berufs­be­glei­ten­den Bache­lor­stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit und Heil­päd­ago­gik gibt es Super­vi­si­on als regel­mä­ßi­ges Ange­bot für Stu­die­ren­de. Die­se Stu­di­en­gän­ge wer­den in Koope­ra­ti­on mit der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik Ber­lin ange­bo­ten.

Sie kön­nen sich jetzt bis zum 30. Juni 2026 für den Stu­di­en­start der Stu­di­en­gän­ge im Okto­ber 2026 bewer­ben!

______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Titel­bild: Julia­ne Link (Foto: Jörg Farys, Gra­fik: Julia Mann)

Maga­zin

Leh­re: Gesund­heits­sys­tem und Sozia­le Arbeit – Dozen­tin Berit Kem­pe über die Rol­le der Sozi­al­me­di­zin

aus der Leh­re

Mai 2026

Gesundheitssystem und Soziale Arbeit:

Dozentin Berit Kempe über die Rolle der Sozialmedizin

Krank­heit, Über­for­de­rung, Büro­kra­tie. Die­sen Phä­no­me­nen begeg­nen Fach­kräf­te in der Sozia­len Arbeit häu­fig. Des­halb sind sozi­al­me­di­zi­ni­sche Grund­la­gen so wich­tig für das Berufs­feld Sozia­le Arbeit, erklärt Berit Kem­pe. In ihrer Leh­re geht es ihr um die Fra­ge von Res­sour­cen, die für vie­le Fami­li­en und Men­schen mit gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen wich­tig sind, um am gesell­schaft­li­chen Leben teil­zu­neh­men: Von der Hil­fe, das Recht auf bestimm­te Leis­tun­gen durch­zu­set­zen, bis hin zur psy­cho­so­zia­len Unter­stüt­zung.

Berit Kem­pe ist Dipl. Sozi­al­ar­bei­te­rin und freie Dozen­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. In die­sem Inter­view stellt sie Ihren Weg in das Fach­ge­biet Gesund­heit und Sozi­al­me­di­zin und die Rele­vanz ihres Bereichs für den Berufs­pra­xis vor.

Wie sind Sie zur Sozi­al­me­di­zin gekom­men? 

Seit 15 Jah­ren arbei­te ich im Gesund­heits­sys­tem, in dem neben der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung die Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik eine rele­van­te Rol­le spie­len. Ich wur­de 2020 von einer Pro­fes­so­rin der Ali­ce Salo­mon Hoch­schu­le Ber­lin ein­ge­la­den, Stu­die­ren­den in Semi­na­ren mei­ne prak­ti­sche Tätig­keit nahe­zu­brin­gen. Das hat sich immer wei­ter­ent­wi­ckelt. So leh­re ich seit eini­gen Jah­ren auch an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. Neben der Wis­sens­ver­mitt­lung ist es mir sehr wich­tig das Selbst­be­wusst­sein der Stu­die­ren­den als Fach­kräf­te und eine wert­schät­zen­de Hal­tung zu för­dern. 

Was moti­viert Sie?  

Eine gute Ver­sor­gung von Men­schen, die von gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen betrof­fen sind und die eine best­mög­li­che Teil­ha­be am Leben lie­gen mir sehr am Her­zen. Die Leh­re ist eine Mög­lich­keit, neu­en Fach­kräf­ten rele­van­tes Wis­sen dafür mit­zu­ge­ben.  

 

Auch ich selbst ler­ne dabei immer wie­der dazu. Die Kennt­nis­se, Per­spek­ti­ven und Fra­gen der Stu­die­ren­den erwei­tern ste­tig mei­nen Hori­zont.  

Das Zusam­men­spiel von indi­vi­du­el­len und gesell­schaft­li­chen Risi­ko­fak­to­ren, Resi­li­enz und Res­sour­cen­för­de­rung spielt in der Sozia­len Arbeit eine gro­ße Rol­le.  

Was lernen Studierende in Ihren Lehrveranstaltungen?  

In der Sozi­al­me­di­zin geht es um die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Gesund­heit, Krank­heit und sozia­len Fak­to­ren. Da wir uns im Bereich Sozia­le Arbeit bzw. der Heil­päd­ago­gik bewe­gen, geht es zudem immer dar­um, wie wir Men­schen unter­stüt­zen kön­nen. Das Spek­trum reicht hier von Prä­ven­ti­on und Gesund­heits­för­de­rung bis zu Gesund­heits­sys­tem und Ver­sor­gung.

Tätig­keits­fel­der sind etwa Nach­bar­schafts­zen­tren, in denen Prä­ven­ti­ons- und Bera­tungs­ge­bo­te statt­fin­den oder die Betreu­ung von Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen oder die Arbeit mit Fami­li­en.  

 

So kann es zum Bei­spiel sein, dass wir als Fach­kräf­te eine Fami­lie beglei­ten, in der ein Kind von einer Behin­de­rung betrof­fen ist. Die Auf­ga­be ist es, hier nicht nur die pas­sen­de Behand­lung und indi­vi­du­el­le För­de­rung des Kin­des zu orga­ni­sie­ren, son­dern auch den Rest der Fami­lie, Res­sour­cen und Risi­ko­fak­to­ren im Blick zu behal­ten. 

 Womit beschäf­ti­gen Sie sich genau?   

Aktu­ell beschäf­ti­ge ich mich am inten­sivs­ten mit dem Bereich Sozi­al­psych­ia­trieDas Zusam­men­spiel von indi­vi­du­el­len und gesell­schaft­li­chen Risi­ko­fak­to­ren, Resi­li­enz und Res­sour­cen­för­de­rung spielt in der Sozia­len Arbeit eine gro­ße Rol­le. Dass – wie sich auch in der aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Debat­te zeigt – sehr vie­le Men­schen von psy­chi­schen Erkran­kun­gen betrof­fen sind, spie­gelt sich natür­lich auch in unse­rer prak­ti­schen Arbeit wider. Mir ist es daher wich­tig, dem The­ma auch in der Leh­re aus­rei­chend Raum zu geben und den Stu­die­ren­den ein fun­dier­tes Wis­sen mit­zu­ge­ben. 

Ich möch­te einen Raum schaf­fen, in dem man sich mit eige­nen Erfah­run­gen und Denk­mus­tern aus­ein­an­der­set­zen kann.

Was macht Ihnen in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin besonders Freude und was möchten Sie den Studierenden mitgeben? 

An der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie sind die Stu­die­ren­den oft sehr reflek­tiert und moti­viert. Sie brin­gen bereits einen gro­ßen Erfah­rungs­schatz mit und set­zen sich gern kri­tisch mit The­men aus­ein­an­der. So macht das Leh­ren, Dis­ku­tie­ren, Reflek­tie­ren gro­ßen Spaß. 

 

Ich möch­te einen Raum schaf­fen, in dem man sich mit eige­nen Erfah­run­gen und Denk­mus­tern aus­ein­an­der­set­zen kann. Zudem hal­te ich es für wich­tig, einen rea­lis­ti­schen Ein­blick in das Ver­sor­gungs­sys­tem, zu dem ja auch wir gehö­ren, zu erhal­ten. So ver­su­che ich die Stu­die­ren­den dabei zu unter­stüt­zen, eine wert­schät­zen­de, offe­ne, aber auch kri­ti­sche Hal­tung zu ent­wi­ckeln.  

Dar­über hin­aus beglei­te und bera­te ich Stu­die­ren­de im Bereich Fall­ver­ste­hen und Pra­xis­re­fle­xi­on. 

Berit Kem­pe ist Dozen­tin für den Bereich Gesund­heit und Sozi­al­me­di­zin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin in den Stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit und Heil­päd­ago­gik, die in Koope­ra­ti­on mit der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP) durch­ge­führt wer­den. 

 

Sie arbei­ten im sozia­len Beruf und fra­gen sich, ob ein berufs­be­glei­ten­des Stu­di­um etwas für Sie ist? Infor­mie­ren Sie sich auf der Sei­te unse­rer Stu­di­en­gän­ge

______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Titel­bild: Berit Kem­pe (Foto: Klaus Feh­ring)

Maga­zin

3 Feh­ler beim Onboar­ding – und was ihr statt­des­sen tun könnt (von Tan­ja Tis­sen)

April 2026

3 Fehler beim Onboarding

und was ihr stattdessen tun könnt (von Tanja Tissen)

Tan­ja Tis­sen beglei­tet sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen in der Organisations­entwicklung und beim Onboar­ding neu­er Mitarbeiter:innen (zum Semi­nar). Wir haben sie um Tipps gebe­ten, wie der Ein­stieg neu­er Kolleg:innen gut gelin­gen kann und wel­che Feh­ler Orga­ni­sa­tio­nen nicht mehr machen soll­ten. Das ist ihre Ant­wort:

Klar, lässt sich Onboar­ding pro­fes­sio­nell auf­set­zen. Indem man Füh­rungs­kräf­te in Work­shops schult oder neue und bestehen­de (!) Kolleg:innen beim Onboar­ding-Pro­zess pro­fes­sio­nell beglei­tet (zum Bei­spiel in die­sem Kurs).

 

Was aber sind Din­ge, die ihr auch jetzt eigen­stän­dig und ohne gro­ßen Mehr­auf­wand umset­zen könnt? In die­sem Bei­trag zei­ge ich euch 3 typi­sche Onboar­ding-Feh­ler und was ihr statt­des­sen machen könnt.

#1 Don’t: Dicke Onboar­ding-Map­pen oder Ord­ner

Do: Redu­ziert es auf das Wesent­li­che!

Oft wird gefragt Was muss alles noch in die Onboar­ding-Map­pe?. Wie wär’s erst ein­mal mit der Fra­ge: Was kann weg?”. Das gilt für Onboar­ding-Map­pen aus Papier genau­so wie für über­füll­te digi­ta­le Ord­ner. Je mehr ihr die­se Infor­ma­ti­ons­flut redu­ziert (oder zumin­dest wochen­wei­se dosiert), des­to ein­fa­cher kön­nen sich neue Kolleg:innen Infor­ma­tio­nen auch lang­fris­tig ein­prä­gen.

Für den Fall, dass nichts so wirk­lich weg kann: wel­che Unter­la­gen oder Infor­ma­tio­nen könn­ten zumin­dest zu einem spä­te­ren Zeit­punkt ein­ge­streut wer­den? Um das her­aus­zu­fin­den, könnt ihr eure zuletzt ein­ge­ar­bei­te­ten Kolleg:innen fra­gen, wel­che Infor­ma­tio­nen sie erst spä­ter oder nie gebraucht haben und ent­spre­chend kür­zen.

Am Anfang ist nahe­zu jede Infor­ma­ti­on neu. Ich ver­glei­che das gern mit dem Auf­wand für euren täg­li­chen, rou­ti­nier­ten Arbeits­weg und dem Auf­wand, wenn ihr zum 1. Mal an einem neu­en Ort seid und bei jeder Abbie­gung die Rou­te prü­fen müsst. Letz­te­res kos­tet deut­lich mehr Denk­leis­tung, bringt aber auch Vor­tei­le mit sich, die ich gern in Punkt 2 erläu­tern möch­te:

#2 Don’t: Feed­back ohne Anpas­sungs­be­darf

Do: Legt fest, wie ihr mit Feed­back umgeht!

Wenn Aus­sa­gen wie Sag uns doch bit­te, wenn dir in den ers­ten Wochen etwas auf­fällt” oder Dein Feed­back ist eine tol­le Chan­ce für uns” nur als Wohl­fühl-Flos­keln gemeint sind, lasst sie weg. Feed­back braucht regel­mä­ßi­ge Räu­me, in denen expli­zit danach gefragt wird, um wirk­lich einen Nut­zen zu stif­ten. Sonst kann es schnell mal pas­sie­ren, dass Gene­ra­tio­nen­kon­flik­te unnö­tig ver­stärkt wer­den, weil neue Kolleg:innen unge­fragt in offe­ner Run­de her­um­kri­ti­sie­ren”.

Ich ver­tre­te den Stand­punkt, dass neue Kolleg:innen gera­de mit ihrer Unwis­sen­heit wert­vol­le Per­spek­ti­ven für die Ver­bes­se­rung von Struk­tu­ren und Pro­zes­sen bei­tra­gen. Genau­so wie die Leu­te, die die­se Pro­zes­se vor Ihnen auf­ge­baut haben. Um die­ses Poten­ti­al zu nut­zen, statt zu ver­bren­nen, emp­feh­le ich fol­gen­de Fra­gen mög­lichst kon­kret und in siche­ren Räu­men, z.B. in Pro­be­zeit­ge­sprä­chen, zu stel­len:

  • Was ist dir bei uns bis­her auf­ge­fal­len, was wir viel­leicht gar nicht mehr sehen?
  • Wovon brauchst du mehr, wovon weni­ger in den kom­men­den Wochen?
  • Wie emp­fin­dest du die Arbeit mit Tool X, Y, Z? Wel­che Fra­gen hät­test du hier­zu? 

Wenn euch sol­che Fra­gen irgend­wie unpas­send erschei­nen, emp­feh­le ich, zumin­dest die Fra­gen von neu­en Kolleg:innen als wert­vol­les Feed­back auf­zu­neh­men. Denn genau die­se Fra­gen sind es, die bestehen­de Inkon­sis­ten­zen, Pro­zess­feh­ler oder Inef­fi­zi­en­zen deut­lich machen – etwas, wofür man sonst auch mal exter­ne Bera­tung ein­kauft!

#3 Don’t: Vor­ei­lig Rück­schlüs­se zie­hen

Do: Zieht an einem Strang! 

Wenn eine neue Per­son Auf­ga­ben oder Pro­zes­se nicht direkt ver­steht oder auto­ma­tisch mit­macht, liegt das manch­mal weni­ger an der Per­son und mehr am Kon­text und Umfeld: Bei­spiels­wei­se habe ich mit­er­lebt, dass eine neue Kol­le­gin sich zu Beginn erst kaum ein­brach­te und dann spä­ter zuneh­mend ihre Ver­wir­rung und ihren Unmut äußer­te. Das hät­te man natür­lich als pas­siv, unmo­ti­viert oder sogar frech deu­ten kön­nen. Was die­se Betrach­tung aber außer Acht las­sen wür­de: an der neu­en Stel­le, die für die­se Per­son geschaf­fen wur­de, lie­fen hau­fen­wei­se Unge­reimt­hei­ten und Inef­fi­zi­en­zen zusam­men. Dies war in der vor­he­ri­gen Arbeits­tei­lung schlicht­weg nicht auf­ge­fal­len.

Statt bestehen­de Vor­ge­hens­wei­sen stumpf zu akzep­tie­ren, konn­te genau die­se Kol­le­gin maß­geb­lich beim Auf­set­zen neu­er Pro­zes­se und Tools in bera­ten­der Funk­ti­on mit­wir­ken. So konn­ten nicht nur Qua­li­täts­lü­cken berei­nigt, son­dern auch der Auf­wand für alle Betei­lig­ten erheb­lich redu­ziert wer­den.   

Die letz­ten bei­den Do’s grei­fen also inein­an­der: wird ein geeig­ne­ter Raum für Kri­tik gege­ben, kann die­se leich­ter geäu­ßert wer­den. Es wird ein Gewinn für alle dar­aus, wenn man die Kri­tik nutzt, um Pro­zes­se (und nicht die Arbeits­wei­se einer Per­son) gemein­sam über­ar­bei­tet.

An die­ser Stel­le möch­te ich erst­mal einen Punkt set­zen. Natür­lich ist das The­ma Onboar­ding damit nicht been­det. Wenn ihr den Pro­zess der Ein­ar­bei­tung neu­er Kolleg:innen umfas­send ange­hen wollt, erfahrt ihr in die­sem Semi­nar mehr!

______________________________________

Autorin: Tan­ja Tis­sen (Sys­te­mi­sches Coa­ching & Organisations­entwicklung: Frei-Bin­dun­gen)

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Tan­ja Tis­sen

Maga­zin

Sozi­al­ar­beit in den USA vs. in Deutsch­land? Inno­va­ti­ve Kon­zep­te aus New York (5 Fra­gen an Chris Han­way)

April 2026

Sozialarbeit in den USA vs. Deutschland?

Über Inno­va­ti­ve Kon­zep­te aus New York (5 Fra­gen an Chris Han­way)

mit deut­scher Über­set­zung wei­ter unten

Wie wird Sozia­le Arbeit in den USA gedacht und umge­setzt? Und was kön­nen Fach­kräf­te in Deutsch­land dar­aus mit­neh­men? Chris Han­way (Bild Mit­te), Mit­or­ga­ni­sa­tor der jähr­li­chen New-York-Rei­se und ver­ant­wort­lich für das Aus­tausch-Pro­gramm, gibt Ein­bli­cke in sei­ne Arbeit an soge­nann­ten Sett­le­ment Hou­ses vor Ort. Im Inter­view spricht er über die wich­tigs­ten Unter­schie­de zwi­schen Deutsch­land und den USA in der sozia­len Arbeit und dar­über, wel­chen Mehr­wert inter­na­tio­na­le Aus­tausch­for­ma­te wie die­se für die Pra­xis bie­ten.

Dear Chris, you’ve been working at Jacob A. Riis Neigh­bor­hood Sett­le­ment for more than 17 years, inclu­ding seve­ral years as exe­cu­ti­ve direc­tor. What moti­va­ted you per­so­nal­ly to work the­re? 

I had been working at lar­ger NGO rela­ted to health care, archi­tec­tu­re, and sup­port for vic­tims of crime and all of them were gra­ti­fy­ing and chal­len­ging, but I was loo­king for an oppor­tu­ni­ty to work direct­ly in com­mu­ni­ties, par­ti­cu­lar­ly in com­mu­ni­ties that are often over­loo­ked and negle­c­ted. At the time, I had no idea what a Sett­le­ment House was, but the job pos­ting see­med to offer the pos­si­bi­li­ty of working direct­ly with the com­mu­ni­ty, lear­ning from them just as I hoped they could learn from me. I never drea­med that a few years later, I would beco­me Exe­cu­ti­ve Direc­tor and remain at Riis Sett­le­ment for over 17 years and coun­ting!

Sett­le­ment hou­ses like Riis Sett­le­ment are not very com­mon in Ger­ma­ny. Could you descri­be what your work invol­ves and what a typi­cal day is like for you as the exe­cu­ti­ve direc­tor?

My work invol­ves a litt­le bit of ever­y­thing, which is exact­ly why I love it. As a Sett­le­ment House, Riis is neces­s­a­ri­ly a mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­on, so we work with child­ren, youth, adults of all ages espe­ci­al­ly older adults, as well as immi­grants from around the world. I am invol­ved and expo­sed to all of our pro­gram­ma­tic acti­vi­ties from after-school pro­gramming for kids, to Eng­lish lan­guage clas­ses for immi­grants, to pro­vi­si­on of meals to food-inse­cu­re-neigh­bors. But of cour­se, I also fund­rai­se, inter­act with govern­ment offi­ci­als, over­see the finan­ces of the orga­niza­ti­on and a who­le lot more. One thing that I try to ensu­re every sin­gle day is that Riis Sett­le­ment is empowe­ring our com­mu­ni­ty, doing and acting WITH, not for or to the com­mu­ni­ty. Our com­mu­ni­ty is fil­led with strength and power and effect chan­ge them­sel­ves. We are hel­pers.  

The­re is some­thing spe­cial about this inten­se­ly local,

mul­ti-gene­ra­tio­nal/ inter­ge­ne­ra­tio­nal, mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­ons with mul­ti­ple points of ent­ry, which ser­ve as com­mu­ni­ty hubs, town squa­res, safe spaces and places of per­son expres­si­on all at once. 

Chris Han­way

What do you think are the main simi­la­ri­ties and dif­fe­ren­ces bet­ween social work in the United Sta­tes and in Ger­ma­ny? 

I think social work in both the United Sta­tes and Ger­ma­ny is groun­ded in shared values such as pro­mo­ting social jus­ti­ce, sup­port­ing and empowe­ring vul­nerable popu­la­ti­ons, and impro­ving well-being across the life­span. In the U.S. social work is more stron­gly shaped by our decen­tra­li­zed wel­fa­re sys­tem and grea­ter reli­ance on non­pro­fit and pri­va­te ser­vices, while your social work ope­ra­tes within a more com­pre­hen­si­ve, sta­te-cen­te­red model. Despi­te the­se struc­tu­ral dif­fe­ren­ces, social workers in both count­ries face simi­lar chal­lenges, inclu­ding hea­vy casel­oads, emo­tio­nal stress, and the need to adapt prac­ti­ce to chan­ging rea­li­ties, espe­ci­al­ly around migra­ti­on and agin popu­la­ti­ons. 

What do you think social workers in Ger­ma­ny could learn from their col­le­agues in the United Sta­tes, or spe­ci­fi­cal­ly in New York?

I think they could learn how to suc­cessful­ly com­bi­ne advo­ca­cy, com­mu­ni­ty orga­ni­zing, case manage­ment, cli­ni­cal work, and admi­nis­tra­ti­ve fines­se. I say this, not becau­se Ger­man Social Workers don’t do the­se things, but becau­se social workers in New York City seem to have to be able to do all of them every sin­gle day. I am not a trai­ned or licen­sed social worker, but I work with many of them, of cour­se, and I am ama­zed by how they are able to mana­ge and jugg­le all of the­se dif­fe­rent neces­sa­ry skills to make their jobs work and help their cli­ents and neigh­bors.

Having work­ed on seve­ral exch­an­ge pro­grams, what are some moments that par­ti­ci­pan­ts often descri­be as eye-ope­ning? And is the­re any­thing you par­ti­cu­lar­ly like to show Ger­man social workers during their visit?

They love visi­ting Sett­le­ment Hou­ses, of cour­se! 😊 The­re is some­thing spe­cial about this inten­se­ly local,

mul­ti-gene­ra­tio­nal/ inter­ge­ne­ra­tio­nal, mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­ons with mul­ti­ple points of ent­ry, which ser­ve as com­mu­ni­ty hubs, town squa­res, safe spaces and places of per­son expres­si­on all at once. We ser­ve grand­par­ents and their grand­child­ren and bring many dif­fe­rent types of peo­p­le from within the com­mu­ni­ty tog­e­ther and the­re is some­thing magi­cal and life-affir­ming about that. 

Deut­sche Über­set­zung

Lie­ber Chris, du arbei­test seit mehr als 17 Jah­ren bei Jacob A. Riis Neigh­bor­hood Sett­le­ment, davon meh­re­re Jah­re als Geschäfts­füh­rer. Was hat dich per­sön­lich dazu moti­viert, dort zu arbei­ten?  

Ich hat­te zuvor bei grö­ße­ren NGOs in den Berei­chen Gesund­heits­we­sen, Archi­tek­tur und Opfer­hil­fe gear­bei­tet, und all die­se Tätig­kei­ten waren erfül­lend und her­aus­for­dernd, aber ich such­te nach einer Mög­lich­keit, direkt in den Gemein­den zu arbei­ten, ins­be­son­de­re in sol­chen, die oft über­se­hen und ver­nach­läs­sigt wer­den. Damals hat­te ich kei­ne Ahnung, was ein Sett­le­ment Haus ist, aber die Stel­len­an­zei­ge schien die Mög­lich­keit zu bie­ten, direkt mit der Gemein­schaft zu arbei­ten und von ihr zu ler­nen, genau­so wie ich hoff­te, dass sie von mir ler­nen könn­te. Ich hät­te mir nie träu­men las­sen, dass ich weni­ge Jah­re spä­ter Geschäfts­füh­rer wer­den und über 17 Jah­re lang bei Riis Sett­le­ment blei­ben wür­de – und es geht immer noch wei­ter! 

Sett­le­ment-Häu­ser wie das Riis Sett­le­ment sind in Deutsch­land eher unbe­kannt. Könn­ten Sie beschrei­ben, wor­in Ihre Arbeit besteht und wie ein typi­scher Tag für Sie als Geschäfts­füh­rer aus­sieht?

Mei­ne Arbeit umfasst ein biss­chen von allem, und genau des­halb lie­be ich sie. Als „Sett­le­ment House“ ist Riis zwangs­läu­fig eine Orga­ni­sa­ti­on mit viel­fäl­ti­gen Dienst­leis­tungs­an­ge­bo­ten. Des­halb arbei­ten wir mit Kin­dern, Jugend­li­chen, Erwach­se­nen jeden Alters – ins­be­son­de­re mit Senio­ren – sowie mit Migrant:innen aus aller Welt zusam­men. Ich bin an all unse­ren pro­gram­ma­ti­schen Akti­vi­tä­ten betei­ligt und mit ihnen ver­traut, von der Nach­mit­tags­be­treu­ung für Kin­der über Eng­lisch­kur­se für Migrant:innen bis hin zur Essens­aus­ga­be für Nachbar:innen, die unter Ernäh­rungs­un­si­cher­heit leben. Aber natür­lich küm­me­re ich mich auch um das Fund­rai­sing, ste­he im Aus­tausch mit Behördenvertreter:innen, über­wa­che die Finan­zen der Orga­ni­sa­ti­on und vie­les mehr. Eine Sache, die ich jeden Tag sicher­stel­len möch­te, ist, dass Riis Sett­le­ment unse­re Gemein­schaft stärkt und MIT ihr han­delt, nicht FÜR sie oder an ihr. Unse­re Gemein­schaft ist vol­ler Kraft und Stär­ke und kann selbst Ver­än­de­run­gen bewir­ken. Wir sind Hel­fen­de.   

Die­se stark lokal ver­an­ker­ten, gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Orga­ni­sa­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten und zahl­rei­chen Zugangs­mög­lich­kei­ten haben etwas ganz Beson­de­res an sich: Sie die­nen gleich­zei­tig als Dreh- und Angel­punkt der Gemein­schaft, als Stadt­platz, als siche­rer Ort und als Raum für die per­sön­li­che Ent­fal­tung.

Chris Han­way

Was sind Ihrer Mei­nung nach die wich­tigs­ten Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de zwi­schen der Sozi­al­ar­beit in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und in Deutsch­land?  

Ich den­ke, dass die Sozi­al­ar­beit sowohl in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten als auch in Deutsch­land auf gemein­sa­men Wer­ten basiert, wie der För­de­rung sozia­ler Gerech­tig­keit, der Unter­stüt­zung und Stär­kung benach­tei­lig­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen sowie der Ver­bes­se­rung des Wohl­be­fin­dens über alle Lebens­pha­sen hin­weg. In den USA ist die Sozi­al­ar­beit stär­ker von unse­rem dezen­tra­li­sier­ten Sozi­al­sys­tem und einer grö­ße­ren Abhän­gig­keit von gemein­nüt­zi­gen und pri­va­ten Dienst­leis­tun­gen geprägt, wäh­rend Ihre Sozi­al­ar­beit im Rah­men eines umfas­sen­de­ren, staat­lich aus­ge­rich­te­ten Modells funk­tio­niert. Trotz die­ser struk­tu­rel­len Unter­schie­de ste­hen Sozialarbeiter:innen in bei­den Län­dern vor ähn­li­chen Her­aus­for­de­run­gen, dar­un­ter hohe Fall­zah­len, emo­tio­na­ler Stress und die Not­wen­dig­keit, die Pra­xis an sich wan­deln­de Rea­li­tä­ten anzu­pas­sen, ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit Migra­ti­on und einer altern­den Bevöl­ke­rung. 

Was könn­ten Sozialarbeiter:innen in Deutsch­land Ihrer Mei­nung nach von ihren Kolleg:innen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten oder spe­zi­ell in New York ler­nen?

Ich glau­be, sie kön­nen ler­nen, wie man Inter­es­sen­ver­tre­tung, Gemein­schafts­ar­beit, Fall­ma­nage­ment, kli­ni­sche Arbeit und admi­nis­tra­ti­ves Geschick erfolg­reich mit­ein­an­der ver­bin­det. Ich sage das nicht, weil deut­sche Sozialarbeiter:innen die­se Din­ge nicht tun, son­dern weil Sozialarbeiter:innen in New York City offen­bar in der Lage sein müs­sen, all das jeden Tag zu bewäl­ti­gen. Ich bin kein aus­ge­bil­de­ter oder zuge­las­se­ner Sozi­al­ar­bei­ter, aber ich arbei­te natür­lich mit vie­len von ihnen zusam­men und bin beein­druckt davon, wie sie all die­se ver­schie­de­nen not­wen­di­gen Fähig­kei­ten unter einen Hut brin­gen und jon­glie­ren, um ihre Arbeit zu bewäl­ti­gen und ihren Klient:innen und Nachbar:innen zu hel­fen.   

Sie haben bereits an meh­re­ren Aus­tausch­pro­gram­men mit­ge­wirkt – wel­che Momen­te wer­den von den Teil­neh­mern oft als beson­ders auf­schluss­reich erlebt? Und gibt es etwas, das Sie deut­schen Sozi­al­ar­bei­tern wäh­rend ihres Besuchs beson­ders ger­ne zei­gen?

Natür­lich besu­chen sie ger­ne die Sett­le­ment Häu­ser! 😊 Die­se stark lokal ver­an­ker­ten, gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Orga­ni­sa­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten und zahl­rei­chen Zugangs­mög­lich­kei­ten haben etwas ganz Beson­de­res an sich: Sie die­nen gleich­zei­tig als Dreh- und Angel­punkt der Gemein­schaft, als Stadt­platz, als siche­rer Ort und als Raum für die per­sön­li­che Ent­fal­tung. Wir betreu­en Groß­el­tern und ihre Enkel­kin­der und brin­gen vie­le ver­schie­de­ne Men­schen aus der Gemein­schaft zusam­men und das hat etwas Magi­sches und Lebens­be­ja­hen­des an sich.   

______________________________________

Redak­ti­on: Lucas Frye (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Prof. Stapf-Finé (li), Chris Han­way (mi) und Dilek Yük­sel (re) – 2022, New York

Maga­zin

Was bedeu­tet sozia­le Ungleich­heit, Dr. Vera San­tos?

April 2026

Was bedeutet soziale Ungleichheit, Dr. Vera Santos?

Im Inter­view mit unse­rer Dozen­tin Dr. Rocío Vera San­tos

Frau Dr. Vera San­tos, Sie leh­ren sowohl in den Bache­lor­stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit und Heil­päd­ago­gik als auch im Mas­ter­stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment. Wor­um geht es in Ihrem Fach­ge­biet?

Mein Fach­ge­biet ist die Sozio­lo­gie mit dem Schwer­punkt Sozia­le Ungleich­heit, Ras­sis­mus, Gen­der- und Eth­ni­ci­ty Stu­dies.

Was bedeu­tet sozia­le Ungleich­heit? 

Sozia­le Ungleich­heit ist ein mul­ti­di­men­sio­na­les und struk­tu­rel­les Phä­no­men. Sie bezeich­net die Dis­pa­ri­tä­ten zwi­schen sozia­len Grup­pen, die durch eine hier­ar­chi­sche Ord­nung beim Zugang zu Res­sour­cen ent­ste­hen. Die­se gehen über das Öko­no­mi­sche hin­aus und umfas­sen auch poli­ti­sche, sozio­kul­tu­rel­le und öko­lo­gi­sche Dimen­sio­nen.

Womit beschäf­ti­gen Sie sich genau?

Ich unter­su­che sozia­le Ungleich­heit als his­to­ri­sches Ergeb­nis von Kolo­nia­lis­mus, Ver­skla­vung und dem trans­at­lan­ti­schen Skla­ven­han­del sowie als Fol­ge bis heu­te fort­be­stehen­der und trans­na­tio­nal ver­floch­te­ner Macht­ver­hält­nis­se, Macht­struk­tu­ren und Mecha­nis­men des Aus­schlus­ses (z. B. sozia­le Stra­ti­fi­ka­tio­nen, Dis­kur­se und recht­li­che Rah­men­beding­ungen). Dar­über hin­aus beschäf­ti­ge ich mich mit For­men des Wider­stands, Pro­zes­sen der Iden­ti­täts­stär­kung sowie mit Fra­gen der Repa­ra­ti­on und der Aner­ken­nung afri­ka­ni­scher und indi­ge­ner Wis­sens­for­men.

Wie sind Sie zu die­sem Gebiet gekom­men und was genau inter­es­siert Sie?

Ich bin wäh­rend mei­ner Pro­mo­ti­on und mei­nes Post­docs am Latein­ame­ri­ka-Insti­tut zu die­sem The­men­feld gekom­men, als ich begann, mich inten­si­ver mit Fra­gen sozia­ler Ungleich­heit, Kolo­ni­al­ge­schich­te und Ras­sis­mus in Latein­ame­ri­ka zu beschäf­ti­gen. Auf der Mikroebe­ne habe ich ins­be­son­de­re die Kon­struk­ti­on von Afro-Bezir­ken in urba­nen Kon­tex­ten unter­sucht, wobei ich die Rol­le von Frau­en, Reli­gi­on, tra­di­tio­nel­les Wis­sen, Eth­no­bil­dung und Gemein­we­sen­ar­beit beson­ders berück­sich­tigt habe. 

Spä­ter habe ich mei­ne For­schung auf struk­tu­rel­len Ras­sis­mus und insti­tu­tio­nel­le Dis­kri­mi­nie­rung in Bildungs‑, Jus­tiz- und Gesund­heits­be­rei­chen aus­ge­rich­tet. Der­zeit unter­su­che ich die Zusam­men­hän­ge zwi­schen Umwelt-Ras­sis­mus, ras­sis­ti­schem Kapi­ta­lis­mus und den glo­ba­len Ver­flech­tun­gen. 

Mein Anspruch ist es,

Stu­die­ren­de dazu zu befä­hi­gen, sozia­le Gerech­tig­keit, Teil­ha­be und inklu­si­ve Unter­stüt­zungs­sys­te­me sowohl ana­ly­tisch zu ver­ste­hen als auch in pro­fes­sio­nel­len Hand­lungs­fel­dern umzu­set­zen.

Dr. Rocío Vera San­tos

War­um ist es wich­tig, die­ses Feld in der Sozia­len Arbeit zu leh­ren? 

Wie Sie wis­sen, weist das Stu­di­um der Sozia­len Arbeit eine aus­ge­präg­te pra­xis­ori­en­tier­te Dimen­si­on auf. Ich habe in Ber­lin vie­le Jah­re in sozia­len Orga­ni­sa­tio­nen gear­bei­tet, die Migrant*innen, Geflüch­te­te, Frau­en und – in letz­ter Zeit – auch Men­schen mit kör­per­li­chen oder kogni­ti­ven Behin­de­run­gen unter­stüt­zen.

Ich ver­su­che in mei­nen Lehr­ver­an­stal­tun­gen, Stu­die­ren­de an die Lebens­rea­li­tä­ten die­ser vul­ner­ablen Grup­pen her­an­zu­füh­ren. Dabei wen­de ich sozio­lo­gi­sche Theo­rien an, um sozia­le Phä­no­me­ne bes­ser ver­ständ­lich zu machen und zugleich für deren gesell­schaft­li­che Bedeu­tung zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Wie kann man sich den Unter­richt bei Ihnen vor­stel­len?

In mei­ner Lehr­tä­tig­keit arbei­te ich inter­dis­zi­pli­när. Ich unter­rich­te Semi­na­re in den Berei­chen Sozi­al­wirt­schaft, Sozi­al­ma­nage­ment, Sozio­lo­gie und For­schungs­me­tho­den, hal­te Vor­le­sun­gen zum sozia­len Wan­del im inter­na­tio­na­len Ver­gleich und bie­te Wahl­mo­du­le zu Gen­der und Diver­si­tät an.

Ein zen­tra­ler Schwer­punkt mei­ner Leh­re liegt auf den The­men Migra­ti­on, Flucht, sozia­le Ungleich­heit, Inter­sek­tio­na­li­tät, Gewalt, Dis­kri­mi­nie­rung und Ras­sis­mus sowie auf Fra­gen des Zusam­men­le­bens, der Kon­vi­via­li­tät und des Empowerm­ents von Min­der­hei­ten. 

Ziel mei­ner Leh­re ist es, Stu­die­ren­de für die kom­ple­xen Lebens­la­gen von Men­schen in pre­kä­ren sozia­len Situa­tio­nen zu sen­si­bi­li­sie­ren und ihnen fun­dier­te Kennt­nis­se über die struk­tu­rel­len Bedin­gun­gen sozia­ler Ungleich­hei­ten zu ver­mit­teln. Dazu gehö­ren auch die Wech­sel­wir­kun­gen mit lokal-glo­ba­len Macht­ver­hält­nis­sen, Rechts­ord­nun­gen und orga­ni­sa­tio­na­len Prak­ti­ken zu ver­mit­teln.

Dabei lege ich beson­de­ren Wert dar­auf, zen­tra­le sozi­al­wis­sen­schaft­li­che Kon­zep­te theo­rie­ge­lei­tet und zugleich pra­xis­nah zu ver­mit­teln. Mein Anspruch ist es, Stu­die­ren­de dazu zu befä­hi­gen, sozia­le Gerech­tig­keit, Teil­ha­be und inklu­si­ve Unter­stüt­zungs­sys­te­me sowohl ana­ly­tisch zu ver­ste­hen als auch in pro­fes­sio­nel­len Hand­lungs­fel­dern umzu­set­zen.

Was möch­ten Sie den Stu­die­ren­den wei­ter­ge­ben? Wel­chen Ansatz ver­fol­gen Sie?

In mei­ner Leh­re arbei­te ich vor allem mit post­ko­lo­nia­len und deko­lo­nia­len Ansät­zen sowie mit Per­spek­ti­ven des Black Femi­nism. Ich ermu­ti­ge die Stu­die­ren­den, eine reflek­tier­te, ana­ly­ti­sche und zugleich femi­nis­ti­sche, anti­ras­sis­ti­sche und anti­dis­kri­mi­nie­ren­de Hal­tungzu ent­wi­ckeln. Über den Tel­ler­rand hin­aus­zu­bli­cken heißt, Autor*innen aus dem Glo­ba­len Süden zu lesen und damit neue Per­spek­ti­ven ken­nen­zu­ler­nen.

Ich lege außer­dem gro­ßen Wert auf Inklu­si­on und den Respekt vor Viel­falt sowie auf die För­de­rung sozia­ler Pro­jek­te, die die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se vul­nerabler Men­schen berück­sich­ti­gen. Auch unter dem Gesichts­punkt der Inter­sek­tio­na­li­tät.

Wor­auf freu­en Sie sich beson­ders in Ihrer Lehr­tä­tig­keit an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin?

Ich freue mich beson­ders auf die Stu­die­ren­den, da die Mehr­heit über umfang­rei­che Berufs­er­fah­rung und prak­ti­sches Wis­sen im Bereich der Sozia­len Arbeit oder der Päd­ago­gik ver­fügt. Vie­le von ihnen haben Füh­rungs­po­si­tio­nen inne und arbei­ten in öffent­li­chen oder pri­va­ten sozia­len Ein­rich­tun­gen. Eini­ge absol­vie­ren zudem ein Zweit­stu­di­um. Dadurch ist das Niveau und die Betei­li­gung in den Lehr­ver­an­stal­tun­gen sehr hoch, was unse­re Dis­kus­sio­nen sehr berei­chert.

Mei­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen gestal­te ich inklu­siv und lege gro­ßen Wert dar­auf, zu einer posi­ti­ven und respekt­vol­len Lernat­mo­sphä­re bei­zu­tra­gen. Mein Ziel ist es, dass die Stu­die­ren­den an jeder Sit­zung aktiv teil­neh­men. Ihre Mei­nun­gen, Kennt­nis­se und Erfah­run­gen sind mir sehr wich­tig. Die Sit­zun­gen sind eine Zeit des gemein­sa­men Ler­nens.

Die Atmo­sphä­re an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie ist sehr ange­nehm und för­der­lich für das Ler­nen. Wenn Lei­den­schaft für die Leh­re vor­han­den ist, fließt vie­les ganz von selbst – und genau das macht den Aus­tausch mit den Stu­die­ren­den so berei­chernd.

Zur Person:

Dr. Rocío Vera San­tos 

Asso­zi­ier­te Wis­sen­schaft­le­rin, Latein­ame­ri­ka-Insti­tut, Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin

Schwer­punk­te:

  • Sozia­le Ungleich­hei­ten
  • Ras­sis­mus, Anti­ras­sis­mus
  • Dis­kri­mi­nie­rung
  • Migra­ti­on
  • Men­schen­rech­te
  • Gen­der and Diver­si­ty Stu­dies
  • Black Stu­dies

Dr. Vera San­tos ist Dozen­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin in den Koope­ra­ti­ons­stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit (B.A) und Heil­päd­ago­gik (B.A.) mit der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik HSAP und dem Koope­ra­ti­ons­stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment (M.A.) mit der Ali­ce Salo­mon Hoch­schu­le Ber­lin.

Ihr Buch „Diná­mi­cas de la negri­tud y afri­ca­ni­dad. Con­s­truc­cio­nes de la afro­de­s­cen­den­cia en Ecua­dor“ wur­de 2016 mit dem Isa­bel Tobar Guar­de­ras-Preis aus­ge­zeich­net. Ihr zwei­tes Buch „Ent­re el Atlán­ti­co y el Pací­fi­co Negro. Afro­de­s­cen­den­cia y regí­me­nes de desi­gu­aldad en Suda­mé­ri­ca“ (mit Ser­gio Cos­ta und Manu­el Gón­go­ra) erhielt 2021 den LASA Ibe­ro­ame­ri­ca­no Book Award der Latin Ame­ri­can Stu­dies Asso­cia­ti­on.

______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Rocío Vera San­tos

Maga­zin

Neue Pro­fes­so­rin für Heil­päd­ago­gik – Prof. Dr. Mela­nie Knaup stellt sich vor

Febru­ar 2026

Neue Pro­fes­so­rin für Heil­päd­ago­gik

Prof. Dr. Mela­nie Knaup stellt sich vor!

Wer darf mit­re­den? Wer wird gehört? Wer gehört dazu? Für Prof. Dr. Mela­nie Knaup fängt Inklu­si­on bei Spra­che, Bil­dung und kul­tu­rel­ler Teil­ha­be an. Sie beschäf­tigt sich damit, was Teil­ha­be für Men­schen mit kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gun­gen bedeu­tet und was Fach­kräf­te brau­chen, um die­se mög­lich zu machen. Seit 2026 hat sie eine Pro­fes­sur im Stu­di­en­gang Heil­päd­ago­gik an der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP), den die Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin gemein­sam mit ihr durch­führt, inne.

Frau Prof. Dr. Knaup, womit beschäf­ti­gen Sie sich und wie sind Sie dazu gekom­men? 

Mich hat früh beschäf­tigt, wie Men­schen Zugang zu Bil­dung, Spra­che und kul­tu­rel­len Räu­men erhal­ten und wel­che Bar­rie­ren gesell­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Teil­ha­be ver­hin­dern. Die Literatur‑, Kul­tur- und Medi­en­wis­sen­schaft hat dahin­ge­hend mein Den­ken in Bezug auf Fra­gen kul­tu­rel­ler Bil­dung, Teil­ha­be und wie Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen in Medi­en reprä­sen­tiert sind, geprägt. Als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin am Insti­tut für För­der­päd­ago­gik und Inklu­si­ve Bil­dung der Jus­tus-Lie­big-Uni­ver­si­tät Gie­ßen habe ich schwer­punkt­mä­ßig zur Teil­ha­be von Men­schen mit kogni­ti­ver Beein­träch­ti­gung geforscht. 

In mei­ner wis­sen­schaft­li­chen Arbeit und in der päd­ago­gi­schen Pra­xis wur­de deut­lich, dass Inklu­si­on nicht nur sozia­le, son­dern immer auch kul­tu­rel­le Teil­ha­be bedeu­tet. In mei­ner Pro­mo­ti­on unter­such­te ich, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen kul­tu­rel­le Bil­dung und Teil­ha­be für Men­schen mit kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gun­gen ermög­licht wer­den kann und wie erfah­rungs­be­zo­ge­ne und bedeu­tungs­stif­ten­de Zugän­ge all­täg­li­che Lern­pro­zes­se unter­stüt­zen. 

Wor­um geht es in der Heil­päd­ago­gik nach Ihrem Ver­ständ­nis? 

Heil­päd­ago­gik beschäf­tigt sich mit der Unter­stüt­zung von Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen in allen Lebens­pha­sen. Ziel ist es, Selbst­be­stim­mung, Ent­wick­lung und gesell­schaft­li­che Teil­ha­be zu ermög­li­chen. Dazu gehört aus­drück­lich auch kul­tu­rel­le Teil­ha­be – also der Zugang zu Bil­dung, Spra­che, Kunst, Medi­en, Erin­ne­rungs­kul­tur und gesell­schaft­li­cher Aus­drucks­fä­hig­keit. 

Heil­päd­ago­gik ver­bin­det wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se mit einer kla­ren ethi­schen Ori­en­tie­rung: Jeder Mensch hat ein Recht auf Wür­de, Ent­wick­lung, kul­tu­rel­len Aus­druck und gesell­schaft­li­che Zuge­hö­rig­keit. 

Was möch­ten Sie den Stu­die­ren­den wei­ter­ge­ben?  

Mir ist wich­tig, Stu­die­ren­den fach­li­che Sicher­heit, refle­xi­ve Pro­fes­sio­na­li­tät und eine kla­re Hal­tung zu ver­mit­teln. Dazu gehö­ren Res­sour­cen­ori­en­tie­rung, Aner­ken­nung von Viel­falt sowie die Über­zeu­gung, dass jeder Mensch ein Recht auf Bil­dung, Aus­druck und kul­tu­rel­le Teil­ha­be hat. Mein Ansatz ver­bin­det wis­sen­schaft­li­che Fun­die­rung, Pra­xis­nä­he und Bezie­hung. Heil­päd­ago­gi­sches Han­deln ist für mich immer auch eine Fra­ge von Hal­tung, Ver­ant­wor­tung und gesell­schaft­li­cher Zuge­hö­rig­keit. 

Wor­auf freu­en Sie sich beson­ders in Ihrer Lehr­tä­tig­keit an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin? 

Ich freue mich beson­ders auf die Arbeit mit enga­gier­ten Stu­die­ren­den, die Heil­päd­ago­gik als gesell­schaft­lich rele­van­te und gestal­ten­de Pro­fes­si­on ver­ste­hen. Beson­ders wich­tig ist mir der Dia­log – gemein­sam zu reflek­tie­ren, Per­spek­ti­ven zu ent­wi­ckeln und pro­fes­sio­nel­le Hand­lungs­si­cher­heit auf­zu­bau­en. 

Zur Person

Prof. Dr. Mela­nie Knaup

Schwer­punk­te:

  • Inklu­si­on und Teil­ha­be, u.a. kul­tu­rel­le Teil­ha­be und kul­tu­rel­le Bil­dung 
  • Pro­fes­sio­na­li­sie­rung päd­ago­gi­scher Fach­kräf­te 
  • Ein­stel­lun­gen und Hal­tun­gen in inklu­si­ven Kon­tex­ten 
  • Sprach­ent­wick­lung und Sprach­för­de­rung 
  • per­so­nen­zen­trier­te Teil­ha­be­pla­nung  
  • pro­fes­sio­nel­le Hand­lungs­kom­pe­tenz in heil­päd­ago­gi­schen Arbeits­fel­dern 

Seit Janu­ar 2026 ist Mela­nie Knaup Pro­fes­so­rin für Heil­päd­ago­gik und inklu­si­ve Päd­ago­gik an der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP).  In Koope­ra­ti­on mit der HSAP lehrt sie in der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin im Bache­lor­stu­di­en­gang Heil­päd­ago­gik unter ande­rem in den Berei­chen Sprach­heil­päd­ago­gik, Spiel­päd­ago­gik und Teil­ha­be­pla­nung sowie in wei­te­ren heil­päd­ago­gi­schen Modu­len. Dar­über hin­aus unter­rich­tet sie im Koope­ra­ti­ons­stu­di­en­gang Sozia­le Arbeit im Modul „Teil­ha­be und Inklu­si­on“. In den dua­len Stu­di­en­gän­gen der HSAP lehrt sie im Stu­di­en­gang Kind­heits­päd­ago­gik im Bereich Sprach­ent­wick­lung und Sprach­för­de­rung. 

______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Mela­nie Knaup

Maga­zin

Von der Pfle­ge bis zur Jugend­hil­fe: Pra­xis­bei­spie­le für erfolg­rei­ches Wir­kungs­ma­nage­ment 

Sep­tem­ber 2025 | Wir­kungs­ma­nage­ment

Von der Pflege bis zur Jugendhilfe:

Praxisbeispiele für erfolgreiches Wirkungsmanagement

Wie kön­nen wir die Wir­kung Sozia­ler Arbeit bes­ser dar­stel­len und was bringt das? In die­sem Bei­trag berich­ten uns drei enga­gier­te Men­schen aus der Pra­xis dar­über, wie Sie Wir­kungs­ma­nage­ment in ihrem Arbeits­be­reich mit Erfolg anwen­den. Vom Ehren­amt in Pfle­ge­wohn­ge­mein­schaf­ten bis hin zu nach­hal­ti­ger Jugend­hil­fe.  

Marie Schäff­ler, Kat­ja Wit­t­eck (Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin­nen bei der Ver­trau­ens­stel­le) und Chris­toph Boh­ne (sozi­al­päd­ago­gi­sche Fach­kraft Jugend­hil­fe & Team­lei­tung Schul­so­zi­al­ar­beit beim Krea­ti­vi­täts­schul­zen­trum Ber­lin) haben durch den Zer­ti­fi­kats­kurs in Wir­kungs­ma­nage­ment ihre Pro­jek­te geschärft, neue Ziel­grup­pen erreicht und Enga­ge­ment sicht­bar gemacht haben. Was das für ihren Arbeits­all­tag kon­kret bedeu­te­te, erzäh­len Sie uns in die­sem Inter­view. 

Warum ein Zertifikatskurs? Motivation für Wirkungsmanagement 

Was hat Sie moti­viert, sich inten­si­ver mit Wir­kungs­ma­nage­ment zu beschäf­ti­gen? 

Chris­toph Boh­ne: Mich hat beson­ders inter­es­siert, wie man Ange­bo­te und Pro­zes­se so steu­ern kann, dass sie unter begrenz­ten Res­sour­cen mög­lichst effek­tiv wir­ken. 

Marie Schäff­ler & Kat­ja Wit­t­eck: Die Nen­nung rei­ner Kenn­zah­len sagt zwar viel über den Auf­wand der Pro­jek­te in der sozia­len Arbeit aus, gibt aber in Bezug auf das gewünsch­te Ergeb­nis oft ein schwa­ches Bild ab, da die tat­säch­li­che Wir­kung oft­mals nicht sicht­bar wird. Wir woll­ten ler­nen, wie man das bes­ser dar­stel­len kann. 

Engagement für eine gute Pflege und kreative Kinder- und Jugendhilfe 

Wor­um geht es in Ihren Pro­jek­ten und was sol­len Sie bewir­ken? 

 

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Unser Pro­jekt wid­met sich der Fra­ge, wie gesell­schaft­li­che Teil­ha­be und sozia­le Kon­tak­te für die WG Bewohner:innen einer Pfle­ge­wohn­ge­mein­schaft geför­dert wer­den kön­nen. Hier­für möch­ten wir, neben der guten Bin­dung zu Pfle­ge­diens­ten, Men­schen für ein Ehren­amt als Ver­trau­ens­per­son begeis­tern. Dazu braucht es enga­gier­te Per­so­nen, offe­ne Pfle­ge­wohn­ge­mein­schaf­ten, inter­es­sier­te Mit­ar­bei­ten­de in Pfle­ge­diens­ten sowie eine zuge­wand­te Ver­wal­tung und Poli­tik.  

Lang­fris­tig möch­ten wir ein Sys­tem eta­blie­ren, das Sozi­al­raum­in­te­gra­ti­on und Teil­ha­be struk­tu­rell mit­denkt. Nicht nur optio­nal, son­dern als Teil guter Pfle­ge. Wir ver­su­chen, allen Betei­lig­ten mit unse­ren Ange­bo­ten gerecht zu wer­den, durch Bera­tung, Ver­mitt­lung, Beglei­tung, Aus­tausch und Schu­lun­gen. 

Chris­toph Boh­ne: Wir enga­gie­ren uns für ganz­heit­li­che, krea­ti­ve Kin­der- und Jugend­hil­fe sowie Bil­dung. Unser Ziel ist es, jun­ge Men­schen in ihrer Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und Selbst­stän­dig­keit zu för­dern. In mei­ner Rol­le gestal­te ich päd­ago­gi­sche Pro­zes­se und Reso­nanz­räu­me für Jugend­li­che und beglei­te gleich­zei­tig Mit­ar­bei­ten­de in ihrer Ent­wick­lung. 

 

Mit wel­chen Vor­kennt­nis­sen star­te­ten Sie den Kurs und was haben Sie im Lau­fe der Wei­ter­bil­dung gelernt? 

 

Chris­toph Boh­ne: Ich hat­te bereits ers­te Berüh­rungs­punk­te, zum Bei­spiel im Rah­men von Hil­fe­pla­nung oder Qua­li­täts­ent­wick­lung. Das The­ma tauch­te auch immer wie­der in Lite­ra­tur und Fort­bil­dun­gen auf.  

Ich habe gelernt, vor der Umset­zung bewusst einen Schritt zurück­zu­tre­ten und eine stra­te­gi­sche Per­spek­ti­ve ein­zu­neh­men. Wir­kung zeigt sich nicht nur in End­ergeb­nis­sen, son­dern beginnt bereits im All­tags­pro­zess.  

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Wir hat­ten bereits die Bro­schü­re gele­sen und auch in ande­ren Pro­jek­ten das The­ma Wir­kung beleuch­tet. Die inten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung im Kurs war ein gro­ßer Gewinn. Wir sind wei­ter­hin dabei, wur­den in vie­len bereits gegan­ge­nen Schrit­ten bestä­tigt, haben Neu­es gelernt und uns wei­ter­ent­wi­ckelt. 

Wir­kungs­ma­nage­ment ist zeit­in­ten­siv und erfor­dert Kraft. Manch­mal ist es bedau­er­lich, dass die­se Ener­gie nicht direkt in die Arbeit mit den Men­schen fließt. Auf der ande­ren Sei­te ist es wich­tig und rich­tig, die wert­vol­le Arbeit, die von so vie­len Akteur:innen der sozia­len Arbeit – beson­ders durch frei­wil­lig Enga­gier­te – geleis­tet wird, sicht­bar und greif­bar zu machen 

Wie haben Sie das Wis­sen über Wir­kungs­ma­nage­ment im Zer­ti­fi­kats­kurs kon­kret in Ihrer Arbeit umge­setzt? 

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Wir woll­ten die Auf­ga­be und das Pro­fil unse­res Pro­jekts schär­fen und dabei von Anfang an auch die Wir­kung mit­den­ken und pla­nen. Genau das haben wir im Kurs gemacht. 

Chris­toph Boh­ne: Ich habe eine voll­stän­di­ge Wir­kungs­trep­pe für die regel­mä­ßi­ge Grup­pen­run­de und Pro­jekt­pla­nung in der Jugend­wohn­grup­pe ent­wi­ckelt. Sie hilft mir dabei, mein päd­ago­gi­sches Han­deln geziel­ter zu pla­nen und zu reflek­tie­ren. Die Kurs­struk­tur war gut in mei­nen Arbeits­all­tag inte­grier­bar. Zusätz­lich konn­te ich das Gelern­te auf ande­re For­ma­te über­tra­gen – sogar im pri­va­ten Kon­text, etwa in mei­nem Enga­ge­ment als Ver­eins­vor­sit­zen­der eines Fuß­ball­ver­eins. 

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Es fühl­te sich nicht wie ein zusätz­li­ches The­ma an, son­dern wie eine fach­li­che Unter­stüt­zung durch ein erwei­ter­tes Team. Das Wir­kungs­ma­nage­ment hat nicht nur unser Pro­jekt gestärkt, son­dern auch unse­re Rol­le als Koor­di­na­to­rin­nen ver­än­dert: Wir füh­len uns siche­rer dar­in, unse­re Arbeit stra­te­gisch zu reflek­tie­ren und sicht­bar zu machen. 

„Ich habe gelernt, vor der Umset­zung bewusst einen Schritt zurück­zu­tre­ten und eine stra­te­gi­sche Per­spek­ti­ve ein­zu­neh­men. Wir­kung zeigt sich nicht nur in End­ergeb­nis­sen, son­dern beginnt bereits im All­tags­pro­zess.“ Chris­toph Boh­ne 

Erfolg durch Wirkungsmanagement: Neue Zielgruppen und Auszeichnungen 

 

Marie Schäff­ler & Kat­ja Wit­t­eck: Ein kon­kre­tes Erfolgs­er­leb­nis war, dass wir durch das Wir­kungs­ma­nage­ment unser Selbst­ver­ständ­nis neu geschärft und dadurch eine zusätz­li­che Ziel­grup­pe defi­nie­ren konn­ten. Das hat uns gezeigt, wo unser Out­put beson­ders groß­flä­chig wir­ken kann und wel­che Netz­werk­part­ner wir für die nächs­ten Schrit­te brau­chen. So konn­ten wir das Pro­jekt gezielt neu aus­rich­ten und ers­te Unter­stüt­zer gewin­nen, die uns hel­fen, über unse­re Kern­ziel­grup­pe hin­aus­zu­wach­sen. 

Chris­toph Boh­ne: Ein beson­de­res High­light war, dass unser Enga­ge­ment durch das KIJU­NA-Sie­gel aus­ge­zeich­net wur­de – eine Aner­ken­nung für nach­hal­ti­ge Pro­jek­te, die Par­ti­zi­pa­ti­on und Bil­dung mit­ein­an­der ver­bin­den (mehr lesen) . 

Denn durch geziel­te Betei­li­gungs­for­ma­te und die ver­stärk­te Ein­be­zie­hung der Per­spek­ti­ven der Jugend­li­chen konn­ten wir das Pro­jekt „Rum­mel­was­ser – Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ umset­zen. 

Aus­gangs­punkt war eine gemein­sa­me Refle­xi­on über den Was­ser­ver­brauch in unse­rer Wohn­grup­pe – von der Dusche bis zum Abwasch. Die Jugend­li­chen recher­chier­ten zum Was­ser­fuß­ab­druck von Lebens­mit­teln, dis­ku­tier­ten über nach­hal­ti­gen Ein­kauf und Kon­sum, Fast Fashion, Was­ser­kreis­lauf und Trink­was­ser­qua­li­tät in Ber­lin. Sie hin­ter­frag­ten ihr eige­nes Ein­kaufs­ver­hal­ten, mach­ten Vor­schlä­ge für einen bewuss­te­ren Umgang mit Klei­dung, pro­du­zier­ten kur­ze Clips zum The­ma Was­ser und Nach­hal­tig­keit und über­leg­ten, wie man WG-All­tag und Kli­ma­be­wusst­sein bes­ser ver­bin­den kann. 

So wur­de deut­lich, wie Wir­kungs­ori­en­tie­rung prak­tisch greif­bar wird: von der All­tags­be­ob­ach­tung über gemein­sa­me Pro­jekt­pla­nung bis hin zu ech­ten Ver­än­de­run­gen im Den­ken und Han­deln der Jugend­li­chen. Ziel war es die Hal­tung zu ent­wi­ckeln, das jede:r wich­tig ist einen klei­nen Bei­trag zu leis­ten um so einen Unter­schied aus­zu­ma­chen. 

Vie­len Dank für das Inter­view!

 

Chris­toph Boh­ne, Sozi­al­päd­ago­gi­sche Fach­kraft Jugend­hil­fe & Team­lei­tung Schul­so­zi­al­ar­beit (Web­site) 

Kat­ja Wit­t­eck & Marie Schäff­ler, Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin­nen bei Ver­trau­ens­stel­le Ber­lin (Web­site) 

 

In Ihrem Pro­jekt fehlt noch das rich­ti­ge Wir­kungs­ma­nage­ment? Erfah­ren Sie im Zer­ti­fi­kats­kurs, wie Sie es anwen­den!

______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto im Titel­bild: Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck (Foto: Kris­ti­na Kast

Bei­trags­fo­tos: Doku­men­ta­ti­on „Rum­mel­was­ser – Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ (Foto: Chris­toph Boh­ne) 

Wir­kungs­ma­nage­ment

Online-Zer­ti­fi­kats­kurs

10. Sep­tem­ber 2025 – 19. Febru­ar 2026

Ein­füh­rung in die Wir­kungs­ori­en­tie­rung

Online-Semi­nar

kos­ten­frei für Ber­li­ner Mit­glie­der

18. Sep­tem­ber 2025

Finanzierung Praktisch I – Die erfolgreiche Projektskizze

Online-Seminar

7. Novem­ber 2025

AUCH INTERESSANT

Maga­zin

„Star­re Hier­ar­chien sind unge­sund – und füh­ren zu kei­nen Lösun­gen“

Mai 2025 | Füh­rung & Arbeits­kul­tur

„Starre Hierarchien sind ungesund – und führen zu keinen Lösungen“

Was pas­siert in der Arbeits­welt, wenn wir Füh­rung von Grund auf anders gestal­ten? – und war­um das vor allem für sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen gut ist. 

Radi­kal koope­ra­tiv! Das ist der Gegen­ent­wurf zu einer Füh­rungs­kul­tur, die Men­schen nur aus­brennt. Die drei Trai­ne­rin­nen Dr. Ute Schü­rings, Ele­na Schmitz und Kat­ja Gün­ther nen­nen es „Par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung“.

Wer füh­ren will, muss allein ent­schei­den, sich auch mal über ande­re hin­weg­set­zen und den Kurs hal­ten? Die­ses Füh­rungs­bild hat Ris­se bekom­men – und es eig­net sich für den sozia­len Bereich abso­lut nicht. Beson­ders dort, wo star­re Hier­ar­chien domi­nie­ren, hat dies Nach­tei­le für vor allem für Men­schen, die die­sen ver­meint­lich männ­lich asso­zi­ier­ten Eigen­schaf­ten nicht ent­spre­chen. In sol­chen Struk­tu­ren wer­den sie häu­fig weni­ger gehört und ernst genom­men. Denn Macht und Abgren­zung regie­ren hier oft stär­ker als Offen­heit und Ver­trau­en. 

Gera­de im sozia­len Bereich, wo Über­en­ga­ge­ment und Selbst­auf­op­fe­rung ver­brei­tet sind, führt die­ser Druck nicht sel­ten in die Erschöp­fung. Wer dau­er­haft über die eige­nen Gren­zen geht, ver­liert das Gespür für die Balan­ce – und fürs Team. Dabei braucht es genau das: Füh­rung, die sich traut, Schwä­chen zu zei­gen, Ver­ant­wor­tung zu tei­len und Räu­me zu schaf­fen, in denen alle sich betei­li­gen kön­nen. 

Statt Burnout – Kreatives Potenzial entfachen 

„Ich war extrem über­en­ga­giert“, erzählt Kat­ja Gün­ther. Ihr Burn­out wur­de zur Zäsur. Heu­te coacht sie Wis­sen­schaft­le­rin­nen und bringt Psy­cho­lo­gie mit Struk­tur­ar­beit zusam­men. Ihre Mis­si­on: „Ein Team so auf­stel­len, dass man sich auch gegen­sei­tig schützt – vor Über­for­de­rung und vor der Vor­stel­lung, alles allein tra­gen zu müs­sen.“ 

Auch Ele­na Schmitz kennt die­ses Sys­tem von innen – und hat es bewusst ver­las­sen. „Ich war genau ein Jahr ange­stellt. Danach war klar: Star­re Hier­ar­chien sind nicht mein Ding.“ Heu­te gestal­tet sie For­ma­te, die Ver­trau­en ermög­li­chen – und die krea­ti­ven Poten­zia­le ent­fal­ten. Ihre Mis­si­on: Alle Mit­ar­bei­ten­den dabei zu unter­stüt­zen, die eige­nen Poten­zia­le selbst zu sehen, zu schät­zen und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. 

Dr. Ute Schü­rings hat in ihrer Lauf­bahn als Lehr­be­auf­trag­te an der Uni­ver­si­tät gelernt, dass Betei­li­gung auch bedeu­tet, Unter­schie­de aus­zu­hal­ten. „Ob Stadt-Land-Gefäl­le oder kul­tu­rel­le Dif­fe­ren­zen – es geht immer um Zuhö­ren. Und dar­um, von der eige­nen Idee wie­der abrü­cken zu kön­nen.“ 

Was sie gemein­sam ent­wi­ckelt haben, ist ein Werk­zeug­kas­ten für ech­te Team­ar­beit. Mit ihren Kur­sen – unter ande­rem für die Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie (mehr Infos) – beglei­ten sie Lei­tungs­kräf­te in sozia­len Trä­gern auf dem Weg zu mehr Betei­li­gung. 

Ihre Devi­se lau­tet:

Echte Lösungen entstehen nicht im Alleingang, sondern in Verbindung

Dabei geht es um die Ver­bin­dung mit ande­ren, aber auch mit sich selbst. Das beginnt bei schein­bar simp­len Din­gen wie Mee­ting­struk­tu­ren. „Schon die Art, wie ein Gespräch eröff­net wird, ver­än­dert alles“, sagt Kat­ja Gün­ther. Ein kur­zer Check-in – wie geht’s dir heu­te wirk­lich? – kön­ne den Unter­schied machen. 

Ver­trau­en ist die Grund­la­ge dafür, dass Men­schen Risi­ken ein­ge­hen.

Was viel­leicht banal klingt, hat eine tie­fe­re Wir­kung: Wer sei­ne aktu­el­le Lage benen­nen darf, bringt sich danach kla­rer ein. Es ent­steht psy­cho­lo­gi­sches Ver­trau­en. Und Ver­trau­en ist die Grund­la­ge dafür, dass Men­schen Risi­ken ein­ge­hen – etwa eine neue Idee äußern oder einen Feh­ler zuge­ben, ohne Angst vor Sank­tio­nen. 

„Was ist, darf sein – und was sein darf, kann sich ver­än­dern“, ist eines der Lieb­lings­sät­ze des Tri­os. Dahin­ter steht der Anspruch, zuerst die Rea­li­tät anzu­neh­men, bevor man sie ver­bes­sern will. Wer­den Unsi­cher­hei­ten, Bedürf­nis­se und Gren­zen sicht­bar gemacht, ent­ste­hen oft krea­ti­ve Wege, wie man mit begrenz­ten Res­sour­cen bes­ser umgeht – ohne dass Ein­zel­ne aus­bren­nen. Es geht nicht um erzwun­ge­ne Har­mo­nie oder Feel­good-Fas­sa­de, son­dern um Struk­tu­ren, die Betei­li­gung ermög­li­chen. 

Genau des­halb arbei­ten die drei viel mit Rol­len­klar­heit, Wer­ten, Gesprächs­re­geln und par­ti­zi­pa­ti­ven For­ma­ten zur Lösungs­fin­dung. Ihr gemein­sa­mes Semi­nar lebt vom erfah­rungs­ba­sier­ten Ler­nen. Das bedeu­tet kon­kret, Din­ge aus­zu­pro­bie­ren und gemein­sam zu eva­lu­ie­ren, ob sie fürs Team gut funk­tio­nie­ren. 

Die Lösun­gen der Zukunft wer­den im Team gefun­den.

Denn: Ein Team, das sei­ne Bedürf­nis­se und Span­nun­gen ehr­lich reflek­tie­ren kann, fin­det bes­se­re Lösun­gen, weil es geziel­ter denkt und sich auf Pro­ble­me ein­las­sen kann. Und weil es nicht auf eine Ein­zel­ne ange­wie­sen ist, die alles ent­schei­det. „Die Lösun­gen der Zukunft wer­den im Team gefun­den“, sagt Ele­na. Für sie ist das kei­ne Theo­rie. Es ist geleb­te Pra­xis – und ein Gegen­ent­wurf zum alten Füh­rungs­den­ken. 

_______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto im Titel­bild: Sabi­ne Streck­hardt

Par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung – Teams stär­ken und Ver­ant­wor­tung tei­len

Zer­ti­fi­kats­kurs

Start: 11. Sep­tem­ber 2025

Kollegiale Fallberatung – gemeinsam neue Lösungen generieren

Seminar

9. Sep­tem­ber 2025

Ein attrak­ti­ver Arbeit­ge­ber wer­den: Grund­la­gen­se­mi­nar für die Sozi­al­wirt­schaft

Online-Semi­nar

16. & 17. Sep­tem­ber 2025

AUCH INTERESSANT

Maga­zin

Pfle­ge­el­tern gesucht: Was sich in der Pfle­ge­kin­der­hil­fe ändern muss! Inter­view mit Mas­ter­ab­sol­ven­tin Han­nah von der Mark.

Mai 2025 | Stu­di­um Sozi­al­ma­nage­ment

Pflegeeltern gesucht: Was sich in der Pflegekinderhilfe ändern muss

Interview zur Praxisforschung zum Thema Diversität im Rahmen des Masterstudiums Sozialmanagement 

Pfle­ge­fa­mi­li­en spie­geln kaum die Viel­falt unse­rer Gesell­schaft wider – das hat Han­nah von der Mark als Sozi­al­ar­bei­te­rin in Ber­lin selbst erlebt. Die Absol­ven­tin der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin stellt daher in ihrer Mas­ter­ar­beit die Fra­ge: Wie las­sen sich mehr Pfle­ge­el­tern of Colour gewin­nen? Wie kann Diver­si­ty Manage­ment in der Pfle­ge­kin­der­hil­fe kon­kret umge­setzt wer­den?

Dazu befrag­te Sie Pfle­ge­kin­der, Pfle­ge­el­tern und Fach­kräf­ten der Pfle­ge­kin­der­hil­fe nach ihren Erfah­run­gen der mit den Insti­tu­tio­nen. Wir haben mit ihr über die Ergeb­nis­se ihrer Unter­su­chung und ihre Arbeit in der Pfle­ge­kin­der­hil­fe gespro­chen. 

 

Frau von der Mark, wie ist Ihrer Ein­schät­zung nach die Pfle­ge­kin­der­hil­fe auf­ge­stellt, ins­be­son­de­re in Bezug auf das The­ma Diver­si­tät? 

Han­nah von der Mark: Die Pfle­ge­kin­der­hil­fe ist gesell­schaft­lich wie auch in der Sozia­len Arbeit ein Nischen­be­reich, mit dem sich nur sehr wenig befasst wird und der im öffent­li­chen Dis­kurs eher nega­tiv behaf­tet ist.  Zu weni­ge Men­schen sind über die Mög­lich­keit, ein Pfle­ge­kind auf­zu­neh­men und was dies in der Rea­li­tät bedeu­tet, infor­miert. Die Kin­der, für die eine Pfle­ge­fa­mi­lie gesucht wird, kom­men aus vie­len ver­schie­de­nen Fami­li­en und brin­gen ver­schie­de­ne eth­ni­sche Iden­ti­tä­ten mit. Auf der ande­ren Sei­te gibt es jedoch nur sehr weni­ge Pfle­ge­el­tern, die nicht weiß sind.  

Um auch BIPoC-Kin­dern ein Umfeld zu geben, in dem sie sich abglei­chen und wie­der­fin­den kön­nen, und ins­ge­samt dafür zu sor­gen, dass eine Viel­falt an Pfle­ge­el­tern zur Ver­fü­gung steht, ist es wich­tig, auch Com­mu­ni­ties of Color in Über­le­gun­gen zur Aus­wei­tung von Pfle­ge­el­tern­ak­qui­se mit ein­zu­be­zie­hen. Bis­her pas­siert dies kaum.  

 Zu weni­ge Men­schen sind über die Mög­lich­keit, ein Pfle­ge­kind auf­zu­neh­men und was dies in der Rea­li­tät bedeu­tet, infor­miert. 

Migran­ti­sche und geflüch­te­te Müt­ter, ins­be­son­de­re auch schwar­ze Frau­en, sind oft selbst von insti­tu­tio­nel­lem Ras­sis­mus – etwa sei­tens der Jugend­äm­ter – betrof­fen. (Anmer­kung der Redak­ti­on)*

Gut gelun­gen ist in der Ver­gan­gen­heit die Auf­klä­rung dar­über, dass auch gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re sowie ande­re Men­schen aus der LGBTQIA+-Community Pfle­ge­el­tern wer­den kön­nen. Es gibt vie­le gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re, die Pfle­ge­kin­der auf­ge­nom­men haben. Ich wür­de mir wün­schen, dass künf­tig zusätz­lich auch Com­mu­ni­ties of Color erreicht wer­den kön­nen.  

Ein häu­fi­ges Miss­ver­ständ­nis: Pfle­ge­kin­der müss­ten ihre Pfle­ge­fa­mi­lie bald wie­der ver­las­sen. Das stimmt nur sel­ten – die meis­ten blei­ben bis zur Voll­jäh­rig­keit. Die­ses Vor­ur­teil schreckt vie­le Inter­es­sier­te ab. In Ber­lin feh­len aktu­ell rund 700 Pfle­ge­fa­mi­li­en – eine alar­mie­ren­de Zahl.  

Was sind laut Ihrer Unter­su­chung die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen? Wel­che Maß­nah­men gibt es, um die Situa­ti­on zu ver­bes­sern?  

Han­nah von der Mark: Es ist eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Ver­än­de­rung not­wen­dig statt allein in der Pfle­ge­kin­der­hil­fe. Der aktu­el­le poli­ti­sche Dis­kurs zum The­ma Migra­ti­on ist von so viel Ras­sis­mus und Hass geprägt – da ist es abso­lut ver­ständ­lich, dass Men­schen mit Migra­ti­ons­ge­schich­te allen deut­schen Ämtern mit Vor­sicht begeg­nen. Die Pfle­ge­kin­der­hil­fe als Insti­tu­ti­on, die eng mit dem Jugend­amt zusam­men­ar­bei­tet, ist hier­von selbst­ver­ständ­lich mit betrof­fen. Auch All­tags­ras­sis­mus und Mikro­ag­gres­sio­nen sind so weit ver­brei­tet, dass es eine nach­voll­zieh­ba­re Sor­ge ist, die­sen auch in Pro­zes­sen der Pfle­ge­kin­der­hil­fe zu begeg­nen. Sich dem nicht aus­set­zen zu wol­len, ist sehr ver­ständ­lich. Ich kann, basie­rend auf mei­nen Inter­views, auch nicht aus­schlie­ßen, dass es zu sol­chen Erfah­run­gen kommt.  

Eine Stär­kung der Fach­kräf­te sowohl der Pfle­ge­kin­der­hil­fe als auch des Jugend­am­tes hin­sicht­lich einer dis­kri­mi­nie­rungs­sen­si­blen Hal­tung stellt eine gro­ße Her­aus­for­de­rung dar, die bei­spiels­wei­se mit­hil­fe von Fort­bil­dun­gen ange­gan­gen wer­den kann.  

Was muss sich ändern, um mehr BIPoC-Pfle­ge­el­tern zu gewin­nen? 

Han­nah von der Mark: Die Akqui­se fin­det zu wenig im öffent­li­chen Raum statt. In mei­nen Inter­views erhielt ich vor allem die Rück­mel­dung, dass es an Infor­ma­tio­nen fehlt.  

Mehr Infor­ma­tio­nen soll­ten bei­spiels­wei­se über Pla­ka­te oder Social Media ver­brei­tet wer­den. Letz­te­res beginnt lang­sam, jedoch fin­det auch hier Diver­si­ty bis­her nur bedingt Ein­zug. Für eine Pla­kat­kam­pa­gne feh­len aktu­ell – wie über­all in der Sozia­len Arbeit – die finan­zi­el­len Res­sour­cen. 

Wur­de das The­ma Diver­si­tät im Mas­ter­stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment, den sie berufs­be­glei­tend stu­diert haben, auf­ge­grif­fen? Wie hat Ihnen das für Ihr The­ma wei­ter­ge­hol­fen? 

Han­nah von der Mark: Ja, es gab ein Modul zum The­ma Diver­si­ty-Manage­ment. Hier erhielt ich einen ers­ten Ein­blick in Diver­si­ty als Manage­ment­auf­ga­be und konn­te mei­nen Blick für die Her­aus­for­de­run­gen dies­be­züg­lich in der Pfle­ge­kin­der­hil­fe schär­fen. Zudem konn­te ich die Exper­tin, die den Kurs doziert hat, als Erst­gut­ach­te­rin für mei­ne Mas­ter­ar­beit gewin­nen.  

Wie geht es jetzt für Sie und Ihren Bereich wei­ter? 

Han­nah von der Mark:  Die Anre­gun­gen und Ideen, die ich in der Mas­ter­ar­beit gesam­melt habe, möch­te ich nun umset­zen. Damit möch­te ich nach­hal­ti­ge Ver­än­de­run­gen in mei­nem Arbeits­be­reich errei­chen.  

Das heißt kon­kret: 

  • Com­mu­ni­ties of Color sowie der LGBTQIA+-Community sol­len in die aktu­ell statt­fin­den­de Social-Media-Kam­pa­gne auf­ge­nom­men wer­den.  
  • Fort­bil­dungs­pro­gram­men für Pfle­ge­fa­mi­li­en, die ein BIPoC-Kind auf­ge­nom­men haben, sol­len das The­ma ein­be­zie­hen 
  • Netz­wer­ke für die­se Pfle­ge­fa­mi­li­en sol­len auf­ge­baut wer­den, um die Kin­der in der Ent­wick­lung ihrer eth­ni­schen Iden­ti­tät zu stär­ken.  
  • Fort­bil­dungs­maß­nah­men für die Fach­kräf­te der Pfle­ge­kin­der­hil­fe wer­den geplant, um die Pfle­ge­kin­der­hil­fe so dis­kri­mi­nie­rungs­sen­si­bel wie mög­lich zu gestal­ten. 

 

Ziel ist es, dass alle Men­schen erreicht wer­den kön­nen und wir mög­lichst vie­le neue Pfle­ge­el­tern akqui­rie­ren kön­nen. Das wird zwar noch dau­ern, ich bin jedoch guter Din­ge, dass die not­wen­di­gen Ver­än­de­run­gen auch durch­ge­führt wer­den.  

Vie­len Dank für das Inter­view und viel Erfolg!

 

Zur Per­son: Han­nah von der Mark (Foto unter dem Text) war als Sozi­al­ar­bei­te­rin in der Jugend­hil­fe tätig. Doch durch ihren Wunsch neben dem Beruf Sozi­al­ma­nage­ment zu stu­die­ren, such­te sie nach einer neu­en Stel­le, die mit fle­xi­ble­ren Arbeits­zei­ten ein berufs­be­glei­ten­des Stu­di­um ermög­li­chen könn­te. Auf die­sem Weg kam sie zu einer Stel­le in der Pfle­ge­kin­der­hil­fe. In die­sem Inter­view gibt sie Ein­bli­cke in die Ergeb­nis­se ihrer umfang­rei­chen Unter­su­chung des The­mas Diver­si­tät in die­sem Bereich, die sie im Rah­men ihrer Abschluss­ar­beit an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin durch­führ­te. 

*Hin­weis der Redak­ti­on: Das Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­netz­werk Ber­lin (ADNB) bie­tet Bera­tung und Unter­stüt­zung für Men­schen, die ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung erfah­ren haben. Es setzt sich für die sozia­le, recht­li­che und poli­ti­sche Gleich­be­hand­lung ein und för­dert eine Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­kul­tur auf loka­ler Ebe­ne. Mehr Infos auf der Web­site von SEKIS Ber­lin.

Sie möch­ten mehr über Pfle­ge­el­tern­schaft in Ber­lin erfah­ren? Dann besu­chen Sie Pfle­ge­kin­der Ber­lin – das Infor­ma­ti­ons­por­tal für Pfle­ge­fa­mi­li­en auf www.pflegekinder-berlin.de.

_______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto im Titel­bild: Pexels

Foto im Text: Han­nah von der Mark

Sozi­al­ma­nage­ment

(Mas­ter of Arts)

Berufs­be­glei­ten­der Stu­di­en­gang

Start: Okto­ber 2026

Soziale Arbeit

(Bachelor of Arts)

Berufsbegleitender Studiengang

Start: Okto­ber 2026

Ein­füh­rung ins Diver­si­ty Manage­ment

Semi­nar

30. Juni 2026

AUCH INTERESSANT

Maga­zin

Was macht ein:e Heilpädagog:in? Beruf, Auf­ga­ben und Chan­cen

Febru­ar 2025 | Stu­di­um & Beruf

Was macht ein:e Heilpädagog:in?

Beruf, Aufgaben und Chancen

Heilpädagog:innen wer­den drin­gend gebraucht! Doch was genau steckt hin­ter dem Berufs­feld? In die­sem Bei­trag stel­len wir die Tätig­keits­fel­der und Auf­ga­ben von Heilpädagog:innen vor, die sich durch eine hohe Krea­ti­vi­tät und sozia­ler wie psy­cho­lo­gi­scher Betreu­ung aus­zeich­nen. Und wir erläu­tern die Chan­cen eines heil­päd­ago­gi­schen Stu­di­ums.

Drei spannende Berufsfelder in der Heilpädagogik

Frühförderung und inklusive Pädagogik

In der Früh­för­de­rung arbei­ten Heilpädagog:innen mit Klein­kin­dern, die Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­run­gen oder Behin­de­run­gen haben. Sie beglei­ten Kin­der in Kitas oder im häus­li­chen Umfeld, um ihre moto­ri­schen, sprach­li­chen oder sozia­len Fähig­kei­ten gezielt zu för­dern. Beson­ders span­nend ist die inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit mit Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen und Psycholog:innen.

Heil­päd­ago­gi­sche Unter­stüt­zung in der Jugend- und Ein­glie­de­rungs­hil­fe

In der Jugend- und Ein­glie­de­rungs­hil­fe betreu­en Heilpädagog:innen Kin­der, Jugend­li­che und Erwach­se­ne mit sozia­len oder emo­tio­na­len Schwie­rig­kei­ten. Sie arbei­ten z. B. in Wohn­grup­pen, Schu­len oder Bera­tungs­stel­len und unter­stüt­zen Men­schen dabei, Kon­flik­te zu bewäl­ti­gen, sozia­le Kom­pe­ten­zen zu stär­ken und einen sta­bi­len Lebens­weg zu fin­den. Beson­ders span­nend ist hier die indi­vi­du­el­le För­de­rung und die krea­ti­ve Arbeit mit Thea­ter, Musik oder Erleb­nis­päd­ago­gik.

Heil­päd­ago­gi­sche Beglei­tung in der Arbeit mit älte­ren Men­schen

Auch im Bereich der Geron­to­psych­ia­trie oder in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sind Heilpädagog:innen gefragt. Sie beglei­ten älte­re Men­schen mit Demenz oder geis­ti­gen Beein­träch­ti­gun­gen, um die Lebens­qua­li­tät zu erhal­ten. Durch krea­ti­ve und all­tags­na­he Metho­den wie Bio­gra­fie­ar­beit, Musik- oder Kunst­the­ra­pie hel­fen sie, Erin­ne­run­gen zu akti­vie­ren, sozia­le Kon­tak­te zu för­dern und das Wohl­be­fin­den zu stei­gern.

Warum lohnt sich ein Studium in der Heilpädagogik? Vier gute Gründe

Zunahme von Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten

Immer mehr Men­schen – von der frü­hen Kind­heit bis ins Erwach­se­nen­al­ter – haben Dia­gno­sen wie Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen (ASS), ADHS, Lern­be­hin­de­run­gen oder psy­chi­sche Erkran­kun­gen. Sie benö­ti­gen heil­päd­ago­gi­sche Unter­stüt­zung in Schu­le, Beruf und All­tag.

Inklusion und gesellschaftlicher Wandel

Durch die UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on wächst der Anspruch, Men­schen mit Behin­de­run­gen in Schu­le, Beruf und Gesell­schaft gleich­be­rech­tigt zu inte­grie­ren. Heilpädagog:innen spie­len eine Schlüs­sel­rol­le bei der indi­vi­du­el­len Beglei­tung und Assis­tenz.

Steigender Unterstützungsbedarf in Krisenzeiten

Pan­de­mie, sozia­le Unsi­cher­hei­ten und psy­chi­sche Belas­tun­gen haben zu einem Anstieg von Ängs­ten, Depres­sio­nen und Ver­hal­tens­pro­ble­men geführt – sowohl bei Jugend­li­chen als auch bei Erwach­se­nen. Heil­päd­ago­gi­sche Ange­bo­te hel­fen bei der Bewäl­ti­gung von Kri­sen.

Fachkräftemangel in der Sozial- und Heilpädagogik

Ob in Kitas, Schu­len, Ein­rich­tun­gen für Men­schen mit Behin­de­run­gen oder in der Erwach­se­nen­bil­dung – über­all feh­len Fach­kräf­te, die eine indi­vi­du­el­le und pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung leis­ten kön­nen.

Berufs­be­glei­tend stu­die­ren – Beson­ders vor­teil­haft!

Stu­die­ren und dabei trotz­dem wei­ter im Beruf blei­ben? An der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie bie­ten wir den Stu­di­en­gang Heil­päd­ago­gik berufs­be­glei­tend an. Er ist ver­pflich­tend mit einer Berufs­tä­tig­keit ver­knüpft und gut mit damit ver­ein­bar: mit nur weni­gen Prä­senz­ta­gen im Jahr! Vie­le Inhal­te, wie auch eini­ge Prü­fun­gen, kön­nen online absol­viert wer­den.

Mehr Infos erhal­ten Sie auf unse­rer Web­site zum Stu­di­en­gang Heil­päd­ago­gik (Bache­lor of Arts).

Unser Apell an Orga­ni­sa­tio­nen und Arbeit­ge­ber: Wer Mit­ar­bei­ten­de in ihrer Wei­ter­bil­dung för­dert, holt sich Kom­pe­tenz ins Team und för­dert die Bin­dung von Fach­kräf­ten.

Wei­ter­füh­ren­de Quel­len:

  • Sei­te der Bun­des­re­gie­rung für die Belan­ge von Men­schen mit Behin­de­run­gen (hier)
  • UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on (hier)
  • Sei­te des Deut­schen Insti­tuts für Men­schen­rech­te (hier)
  • Die Ange­bo­te des Pari­tä­ti­schen Ber­lin zum The­ma Men­schen mit Behin­de­rung (hier)

_______________________________________

Ver­fas­se­rin des Bei­trags: Regi­na Schödl (Pari­tä­ti­scher Lan­des­ver­band Ber­lin e. V.)

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto im Titel­bild: Pexels

Heil­päd­ago­gik (Bache­lor of Arts)

Berufs­be­glei­ten­der Stu­di­en­gang

Start: Okto­ber 2026

Facherzieher:in für Teilhabe und Inklusion

Zertifikatskurs

Start: 22. Sep­tem­ber 2026

Recht­li­ches Basis­wis­sen für die Bera­tung von Men­schen mit Behin­de­run­gen

Semi­nar

14. Sep­tem­ber 2026

AUCH INTERESSANT