Coaching für Studierende mit Herz und Verstand
Interview mit Juliane Link
Wie schafft man es, Studium, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen? Was tun bei Überforderung, Selbstzweifeln oder Motivationslöchern? Juliane Link bietet Coaching für die Studierende zu genau solchen Fragen an. Dabei kann es um persönliche Herausforderungen oder berufliche Entscheidungen gehen. Im Studium Sozialmanagement (M. A.) ist das Coaching ein fester Bestandteil des Programms. Auch in den Bachelor-Studiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik gibt es regelmäßige Supervisionsangebote von ihr. In diesem Interview stellt Juliane Link sich näher vor.
Wie sind Sie zu Ihrem Beruf als Coach gekommen?
Auf meiner ersten Stelle war ich Referentin für eine Katholische Studierendengemeinde. Dort habe ich Veranstaltungen organisiert und Meditationskurse gegeben, vor allem aber war ich als Seelsorgerin für Studierende da, die gerade eine Krise durchlebten. Außerdem war ich Ansprechpartnerin für Studierende, die sich für spirituelle Themen interessierten und dazu Fragen hatten. In den Gesprächen habe ich dann schnell gemerkt, dass die meisten aber noch mit ganz anderen Dinge beschäftigt waren. Oft ging es um überfordernde Situationen im Studienalltag und die vielen Entscheidungen, die in dieser Lebensphase anstehen. So kam ich auf die Idee, mich als Coach ausbilden zu lassen.
Was ist Ihre Motivation, Studierende als Coach zu begleiten?
Viele erleben während des Studiums einen rasanten persönlichen Entwicklungsprozess. Das Studium erweitert ihren Horizont und verändert ihre Perspektive auf die Dinge. Solche Prozesse zu begleiten, bedeutet häufig auch Biographiearbeit und das ist eine sehr schöne Aufgabe. Studierende sind tolle Klient:innen. Sie sind meistens sehr offen und es fällt ihnen leicht, über komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen nachzudenken und Neues auszuprobieren. Diese Fähigkeiten bringen sie ins Coaching ein und das eröffnet mir viele Möglichkeiten für meine Arbeit.
Ich versuche im Gespräch einen Raum zu eröffnen, in dem nicht nur kognitive Überlegungen ihren Platz haben, sondern auch Gefühle und Körperempfindungen. Man muss nicht immer nach ihnen handeln, aber es lohnt sich, sie zu verstehen.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben? Welche Ansätze und welche Haltung verfolgen Sie?
Ich möchte Studierende ermutigen, kreativ zu sein, wenn sie vor Herausforderungen stehen. Das gilt für jeden einzelnen Lebensweg, aber auch für die globale Krisen und Probleme, mit denen wir aktuell und in Zukunft zurechtkommen müssen.
Außerdem arbeite ich viel mit Ansätzen aus dem Embodiment, bei denen die Synchronisation von Herz und Verstand wichtig ist. Wenn wir kein gutes Bauchgefühl haben, bringt es auf Dauer nichts, die Zähne zusammenzubeißen. Ich versuche im Gespräch einen Raum zu eröffnen, in dem nicht nur kognitive Überlegungen ihren Platz haben, sondern auch Gefühle und Körperempfindungen. Man muss nicht immer nach ihnen handeln, aber es lohnt sich, sie zu verstehen.
Was macht Ihnen in Ihrer Coaching-Tätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin besonders Freude?
An der Paritätischen Akademie habe ich mit sehr sympathischen Studierenden zu tun, die sozial und emotional kompetent sind und eine hohe Motivation mitbringen. Fast alle haben schon Supervisions- oder Coachingerfahrung und können sich gut reflektieren.
Die Coachings finden in kleinen Gruppen statt, in denen sich die Studierenden mit viel Empathie gegenseitig unterstützen und Mut machen. Das miterleben und mitgestalten zu können macht mir große Freude.
Vielen Dank für das Interview, Juliane Link!
Das Coaching ist fester Bestandteil des Masterstudiums Sozialmanagement und kann Studierende in folgenden Bereichen unterstützen:
- berufliche Neuorientierung
- Rollenklärung zwischen Job und Studium
- Führungskompetenz, Kommunikation, Selbstmanagement
- Umgang mit Perfektionismus oder innerem Druck
In erster Linie geht es in diesem Studiengang um die Vermittlung von Wissen über Betriebswirtschaft und Management für den sozialen Bereich. Aber auch gesellschaftliche Entwicklungen spielen eine Rolle. Die Studierenden sind bereits berufstätig und beschäftigen sich daher mit der übergeordneten Frage: Wie kann eine soziale Organisation nachhaltig, zukunftssicher und verantwortungsbewusst geleitet werden?
Erfahren Sie hier mehr über den Studiengang Sozialmanagement (Master of Arts), den wir in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin anbieten.
Auch in unseren berufsbegleitenden Bachelorstudiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik gibt es Supervision als regelmäßiges Angebot für Studierende. Diese Studiengänge werden in Kooperation mit der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik Berlin angeboten.
Sie können sich jetzt bis zum 30. Juni 2026 für den Studienstart der Studiengänge im Oktober 2026 bewerben!
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Titelbild: Juliane Link (Foto: Jörg Farys, Grafik: Julia Mann)
Gesundheitssystem und Soziale Arbeit:
Dozentin Berit Kempe über die Rolle der Sozialmedizin
Krankheit, Überforderung, Bürokratie. Diesen Phänomenen begegnen Fachkräfte in der Sozialen Arbeit häufig. Deshalb sind sozialmedizinische Grundlagen so wichtig für das Berufsfeld Soziale Arbeit, erklärt Berit Kempe. In ihrer Lehre geht es ihr um die Frage von Ressourcen, die für viele Familien und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen wichtig sind, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen: Von der Hilfe, das Recht auf bestimmte Leistungen durchzusetzen, bis hin zur psychosozialen Unterstützung.
Berit Kempe ist Dipl. Sozialarbeiterin und freie Dozentin an der Paritätischen Akademie Berlin. In diesem Interview stellt sie Ihren Weg in das Fachgebiet Gesundheit und Sozialmedizin und die Relevanz ihres Bereichs für den Berufspraxis vor.
Wie sind Sie zur Sozialmedizin gekommen?
Seit 15 Jahren arbeite ich im Gesundheitssystem, in dem neben der medizinischen Versorgung die Soziale Arbeit und Pädagogik eine relevante Rolle spielen. Ich wurde 2020 von einer Professorin der Alice Salomon Hochschule Berlin eingeladen, Studierenden in Seminaren meine praktische Tätigkeit nahezubringen. Das hat sich immer weiterentwickelt. So lehre ich seit einigen Jahren auch an der Paritätischen Akademie Berlin. Neben der Wissensvermittlung ist es mir sehr wichtig das Selbstbewusstsein der Studierenden als Fachkräfte und eine wertschätzende Haltung zu fördern.
Was motiviert Sie?
Eine gute Versorgung von Menschen, die von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind und die eine bestmögliche Teilhabe am Leben liegen mir sehr am Herzen. Die Lehre ist eine Möglichkeit, neuen Fachkräften relevantes Wissen dafür mitzugeben.
Auch ich selbst lerne dabei immer wieder dazu. Die Kenntnisse, Perspektiven und Fragen der Studierenden erweitern stetig meinen Horizont.
Das Zusammenspiel von individuellen und gesellschaftlichen Risikofaktoren, Resilienz und Ressourcenförderung spielt in der Sozialen Arbeit eine große Rolle.
Was lernen Studierende in Ihren Lehrveranstaltungen?
In der Sozialmedizin geht es um die Wechselwirkungen zwischen Gesundheit, Krankheit und sozialen Faktoren. Da wir uns im Bereich Soziale Arbeit bzw. der Heilpädagogik bewegen, geht es zudem immer darum, wie wir Menschen unterstützen können. Das Spektrum reicht hier von Prävention und Gesundheitsförderung bis zu Gesundheitssystem und Versorgung.
Tätigkeitsfelder sind etwa Nachbarschaftszentren, in denen Präventions- und Beratungsgebote stattfinden oder die Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder die Arbeit mit Familien.
So kann es zum Beispiel sein, dass wir als Fachkräfte eine Familie begleiten, in der ein Kind von einer Behinderung betroffen ist. Die Aufgabe ist es, hier nicht nur die passende Behandlung und individuelle Förderung des Kindes zu organisieren, sondern auch den Rest der Familie, Ressourcen und Risikofaktoren im Blick zu behalten.
Womit beschäftigen Sie sich genau?
Aktuell beschäftige ich mich am intensivsten mit dem Bereich Sozialpsychiatrie. Das Zusammenspiel von individuellen und gesellschaftlichen Risikofaktoren, Resilienz und Ressourcenförderung spielt in der Sozialen Arbeit eine große Rolle. Dass – wie sich auch in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte zeigt – sehr viele Menschen von psychischen Erkrankungen betroffen sind, spiegelt sich natürlich auch in unserer praktischen Arbeit wider. Mir ist es daher wichtig, dem Thema auch in der Lehre ausreichend Raum zu geben und den Studierenden ein fundiertes Wissen mitzugeben.
Ich möchte einen Raum schaffen, in dem man sich mit eigenen Erfahrungen und Denkmustern auseinandersetzen kann.
Was macht Ihnen in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin besonders Freude und was möchten Sie den Studierenden mitgeben?
An der Paritätischen Akademie sind die Studierenden oft sehr reflektiert und motiviert. Sie bringen bereits einen großen Erfahrungsschatz mit und setzen sich gern kritisch mit Themen auseinander. So macht das Lehren, Diskutieren, Reflektieren großen Spaß.
Ich möchte einen Raum schaffen, in dem man sich mit eigenen Erfahrungen und Denkmustern auseinandersetzen kann. Zudem halte ich es für wichtig, einen realistischen Einblick in das Versorgungssystem, zu dem ja auch wir gehören, zu erhalten. So versuche ich die Studierenden dabei zu unterstützen, eine wertschätzende, offene, aber auch kritische Haltung zu entwickeln.
Darüber hinaus begleite und berate ich Studierende im Bereich Fallverstehen und Praxisreflexion.
Berit Kempe ist Dozentin für den Bereich Gesundheit und Sozialmedizin an der Paritätischen Akademie Berlin in den Studiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik, die in Kooperation mit der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP) durchgeführt werden.
Sie arbeiten im sozialen Beruf und fragen sich, ob ein berufsbegleitendes Studium etwas für Sie ist? Informieren Sie sich auf der Seite unserer Studiengänge.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Titelbild: Berit Kempe (Foto: Klaus Fehring)
3 Fehler beim Onboarding
und was ihr stattdessen tun könnt (von Tanja Tissen)
Tanja Tissen begleitet soziale Organisationen in der Organisationsentwicklung und beim Onboarding neuer Mitarbeiter:innen (zum Seminar). Wir haben sie um Tipps gebeten, wie der Einstieg neuer Kolleg:innen gut gelingen kann und welche Fehler Organisationen nicht mehr machen sollten. Das ist ihre Antwort:
Klar, lässt sich Onboarding professionell aufsetzen. Indem man Führungskräfte in Workshops schult oder neue und bestehende (!) Kolleg:innen beim Onboarding-Prozess professionell begleitet (zum Beispiel in diesem Kurs).
Was aber sind Dinge, die ihr auch jetzt eigenständig und ohne großen Mehraufwand umsetzen könnt? In diesem Beitrag zeige ich euch 3 typische Onboarding-Fehler und was ihr stattdessen machen könnt.
#1 Don’t: Dicke Onboarding-Mappen oder Ordner
Do: Reduziert es auf das Wesentliche!
Oft wird gefragt „Was muss alles noch in die Onboarding-Mappe?“. Wie wär’s erst einmal mit der Frage: „Was kann weg?”. Das gilt für Onboarding-Mappen aus Papier genauso wie für überfüllte digitale Ordner. Je mehr ihr diese Informationsflut reduziert (oder zumindest wochenweise dosiert), desto einfacher können sich neue Kolleg:innen Informationen auch langfristig einprägen.
Für den Fall, dass nichts so wirklich weg kann: welche Unterlagen oder Informationen könnten zumindest zu einem späteren Zeitpunkt eingestreut werden? Um das herauszufinden, könnt ihr eure zuletzt eingearbeiteten Kolleg:innen fragen, welche Informationen sie erst später oder nie gebraucht haben und entsprechend kürzen.
Am Anfang ist nahezu jede Information neu. Ich vergleiche das gern mit dem Aufwand für euren täglichen, routinierten Arbeitsweg und dem Aufwand, wenn ihr zum 1. Mal an einem neuen Ort seid und bei jeder Abbiegung die Route prüfen müsst. Letzteres kostet deutlich mehr Denkleistung, bringt aber auch Vorteile mit sich, die ich gern in Punkt 2 erläutern möchte:
#2 Don’t: Feedback ohne Anpassungsbedarf
Do: Legt fest, wie ihr mit Feedback umgeht!
Wenn Aussagen wie „Sag uns doch bitte, wenn dir in den ersten Wochen etwas auffällt” oder „Dein Feedback ist eine tolle Chance für uns” nur als Wohlfühl-Floskeln gemeint sind, lasst sie weg. Feedback braucht regelmäßige Räume, in denen explizit danach gefragt wird, um wirklich einen Nutzen zu stiften. Sonst kann es schnell mal passieren, dass Generationenkonflikte unnötig verstärkt werden, weil neue Kolleg:innen „ungefragt in offener Runde herumkritisieren”.
Ich vertrete den Standpunkt, dass neue Kolleg:innen gerade mit ihrer Unwissenheit wertvolle Perspektiven für die Verbesserung von Strukturen und Prozessen beitragen. Genauso wie die Leute, die diese Prozesse vor Ihnen aufgebaut haben. Um dieses Potential zu nutzen, statt zu verbrennen, empfehle ich folgende Fragen möglichst konkret und in sicheren Räumen, z.B. in Probezeitgesprächen, zu stellen:
- Was ist dir bei uns bisher aufgefallen, was wir vielleicht gar nicht mehr sehen?
- Wovon brauchst du mehr, wovon weniger in den kommenden Wochen?
- Wie empfindest du die Arbeit mit Tool X, Y, Z? Welche Fragen hättest du hierzu?
Wenn euch solche Fragen irgendwie unpassend erscheinen, empfehle ich, zumindest die Fragen von neuen Kolleg:innen als wertvolles Feedback aufzunehmen. Denn genau diese Fragen sind es, die bestehende Inkonsistenzen, Prozessfehler oder Ineffizienzen deutlich machen – etwas, wofür man sonst auch mal externe Beratung einkauft!
#3 Don’t: Voreilig Rückschlüsse ziehen
Do: Zieht an einem Strang!
Wenn eine neue Person Aufgaben oder Prozesse nicht direkt versteht oder automatisch mitmacht, liegt das manchmal weniger an der Person und mehr am Kontext und Umfeld: Beispielsweise habe ich miterlebt, dass eine neue Kollegin sich zu Beginn erst kaum einbrachte und dann später zunehmend ihre Verwirrung und ihren Unmut äußerte. Das hätte man natürlich als passiv, unmotiviert oder sogar frech deuten können. Was diese Betrachtung aber außer Acht lassen würde: an der neuen Stelle, die für diese Person geschaffen wurde, liefen haufenweise Ungereimtheiten und Ineffizienzen zusammen. Dies war in der vorherigen Arbeitsteilung schlichtweg nicht aufgefallen.
Statt bestehende Vorgehensweisen stumpf zu akzeptieren, konnte genau diese Kollegin maßgeblich beim Aufsetzen neuer Prozesse und Tools in beratender Funktion mitwirken. So konnten nicht nur Qualitätslücken bereinigt, sondern auch der Aufwand für alle Beteiligten erheblich reduziert werden.
Die letzten beiden Do’s greifen also ineinander: wird ein geeigneter Raum für Kritik gegeben, kann diese leichter geäußert werden. Es wird ein Gewinn für alle daraus, wenn man die Kritik nutzt, um Prozesse (und nicht die Arbeitsweise einer Person) gemeinsam überarbeitet.
An dieser Stelle möchte ich erstmal einen Punkt setzen. Natürlich ist das Thema Onboarding damit nicht beendet. Wenn ihr den Prozess der Einarbeitung neuer Kolleg:innen umfassend angehen wollt, erfahrt ihr in diesem Seminar mehr!
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Autorin: Tanja Tissen (Systemisches Coaching & Organisationsentwicklung: Frei-Bindungen)
Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Tanja Tissen
Sozialarbeit in den USA vs. Deutschland?
Über Innovative Konzepte aus New York (5 Fragen an Chris Hanway)
mit deutscher Übersetzung weiter unten
Wie wird Soziale Arbeit in den USA gedacht und umgesetzt? Und was können Fachkräfte in Deutschland daraus mitnehmen? Chris Hanway (Bild Mitte), Mitorganisator der jährlichen New-York-Reise und verantwortlich für das Austausch-Programm, gibt Einblicke in seine Arbeit an sogenannten Settlement Houses vor Ort. Im Interview spricht er über die wichtigsten Unterschiede zwischen Deutschland und den USA in der sozialen Arbeit und darüber, welchen Mehrwert internationale Austauschformate wie diese für die Praxis bieten.
Dear Chris, you’ve been working at Jacob A. Riis Neighborhood Settlement for more than 17 years, including several years as executive director. What motivated you personally to work there?
I had been working at larger NGO related to health care, architecture, and support for victims of crime and all of them were gratifying and challenging, but I was looking for an opportunity to work directly in communities, particularly in communities that are often overlooked and neglected. At the time, I had no idea what a Settlement House was, but the job posting seemed to offer the possibility of working directly with the community, learning from them just as I hoped they could learn from me. I never dreamed that a few years later, I would become Executive Director and remain at Riis Settlement for over 17 years and counting!
Settlement houses like Riis Settlement are not very common in Germany. Could you describe what your work involves and what a typical day is like for you as the executive director?
My work involves a little bit of everything, which is exactly why I love it. As a Settlement House, Riis is necessarily a multi-service organization, so we work with children, youth, adults of all ages especially older adults, as well as immigrants from around the world. I am involved and exposed to all of our programmatic activities from after-school programming for kids, to English language classes for immigrants, to provision of meals to food-insecure-neighbors. But of course, I also fundraise, interact with government officials, oversee the finances of the organization and a whole lot more. One thing that I try to ensure every single day is that Riis Settlement is empowering our community, doing and acting WITH, not for or to the community. Our community is filled with strength and power and effect change themselves. We are helpers.
There is something special about this intensely local,
multi-generational/ intergenerational, multi-service organizations with multiple points of entry, which serve as community hubs, town squares, safe spaces and places of person expression all at once.
Chris Hanway
What do you think are the main similarities and differences between social work in the United States and in Germany?
I think social work in both the United States and Germany is grounded in shared values such as promoting social justice, supporting and empowering vulnerable populations, and improving well-being across the lifespan. In the U.S. social work is more strongly shaped by our decentralized welfare system and greater reliance on nonprofit and private services, while your social work operates within a more comprehensive, state-centered model. Despite these structural differences, social workers in both countries face similar challenges, including heavy caseloads, emotional stress, and the need to adapt practice to changing realities, especially around migration and agin populations.
What do you think social workers in Germany could learn from their colleagues in the United States, or specifically in New York?
I think they could learn how to successfully combine advocacy, community organizing, case management, clinical work, and administrative finesse. I say this, not because German Social Workers don’t do these things, but because social workers in New York City seem to have to be able to do all of them every single day. I am not a trained or licensed social worker, but I work with many of them, of course, and I am amazed by how they are able to manage and juggle all of these different necessary skills to make their jobs work and help their clients and neighbors.
Having worked on several exchange programs, what are some moments that participants often describe as eye-opening? And is there anything you particularly like to show German social workers during their visit?
They love visiting Settlement Houses, of course! 😊 There is something special about this intensely local,
multi-generational/ intergenerational, multi-service organizations with multiple points of entry, which serve as community hubs, town squares, safe spaces and places of person expression all at once. We serve grandparents and their grandchildren and bring many different types of people from within the community together and there is something magical and life-affirming about that.
Deutsche Übersetzung
Lieber Chris, du arbeitest seit mehr als 17 Jahren bei Jacob A. Riis Neighborhood Settlement, davon mehrere Jahre als Geschäftsführer. Was hat dich persönlich dazu motiviert, dort zu arbeiten?
Ich hatte zuvor bei größeren NGOs in den Bereichen Gesundheitswesen, Architektur und Opferhilfe gearbeitet, und all diese Tätigkeiten waren erfüllend und herausfordernd, aber ich suchte nach einer Möglichkeit, direkt in den Gemeinden zu arbeiten, insbesondere in solchen, die oft übersehen und vernachlässigt werden. Damals hatte ich keine Ahnung, was ein Settlement Haus ist, aber die Stellenanzeige schien die Möglichkeit zu bieten, direkt mit der Gemeinschaft zu arbeiten und von ihr zu lernen, genauso wie ich hoffte, dass sie von mir lernen könnte. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich wenige Jahre später Geschäftsführer werden und über 17 Jahre lang bei Riis Settlement bleiben würde – und es geht immer noch weiter!
Settlement-Häuser wie das Riis Settlement sind in Deutschland eher unbekannt. Könnten Sie beschreiben, worin Ihre Arbeit besteht und wie ein typischer Tag für Sie als Geschäftsführer aussieht?
Meine Arbeit umfasst ein bisschen von allem, und genau deshalb liebe ich sie. Als „Settlement House“ ist Riis zwangsläufig eine Organisation mit vielfältigen Dienstleistungsangeboten. Deshalb arbeiten wir mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen jeden Alters – insbesondere mit Senioren – sowie mit Migrant:innen aus aller Welt zusammen. Ich bin an all unseren programmatischen Aktivitäten beteiligt und mit ihnen vertraut, von der Nachmittagsbetreuung für Kinder über Englischkurse für Migrant:innen bis hin zur Essensausgabe für Nachbar:innen, die unter Ernährungsunsicherheit leben. Aber natürlich kümmere ich mich auch um das Fundraising, stehe im Austausch mit Behördenvertreter:innen, überwache die Finanzen der Organisation und vieles mehr. Eine Sache, die ich jeden Tag sicherstellen möchte, ist, dass Riis Settlement unsere Gemeinschaft stärkt und MIT ihr handelt, nicht FÜR sie oder an ihr. Unsere Gemeinschaft ist voller Kraft und Stärke und kann selbst Veränderungen bewirken. Wir sind Helfende.
Diese stark lokal verankerten, generationsübergreifenden Organisationen mit vielfältigen Angeboten und zahlreichen Zugangsmöglichkeiten haben etwas ganz Besonderes an sich: Sie dienen gleichzeitig als Dreh- und Angelpunkt der Gemeinschaft, als Stadtplatz, als sicherer Ort und als Raum für die persönliche Entfaltung.
Chris Hanway
Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Sozialarbeit in den Vereinigten Staaten und in Deutschland?
Ich denke, dass die Sozialarbeit sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland auf gemeinsamen Werten basiert, wie der Förderung sozialer Gerechtigkeit, der Unterstützung und Stärkung benachteiligter Bevölkerungsgruppen sowie der Verbesserung des Wohlbefindens über alle Lebensphasen hinweg. In den USA ist die Sozialarbeit stärker von unserem dezentralisierten Sozialsystem und einer größeren Abhängigkeit von gemeinnützigen und privaten Dienstleistungen geprägt, während Ihre Sozialarbeit im Rahmen eines umfassenderen, staatlich ausgerichteten Modells funktioniert. Trotz dieser strukturellen Unterschiede stehen Sozialarbeiter:innen in beiden Ländern vor ähnlichen Herausforderungen, darunter hohe Fallzahlen, emotionaler Stress und die Notwendigkeit, die Praxis an sich wandelnde Realitäten anzupassen, insbesondere im Zusammenhang mit Migration und einer alternden Bevölkerung.
Was könnten Sozialarbeiter:innen in Deutschland Ihrer Meinung nach von ihren Kolleg:innen in den Vereinigten Staaten oder speziell in New York lernen?
Ich glaube, sie können lernen, wie man Interessenvertretung, Gemeinschaftsarbeit, Fallmanagement, klinische Arbeit und administratives Geschick erfolgreich miteinander verbindet. Ich sage das nicht, weil deutsche Sozialarbeiter:innen diese Dinge nicht tun, sondern weil Sozialarbeiter:innen in New York City offenbar in der Lage sein müssen, all das jeden Tag zu bewältigen. Ich bin kein ausgebildeter oder zugelassener Sozialarbeiter, aber ich arbeite natürlich mit vielen von ihnen zusammen und bin beeindruckt davon, wie sie all diese verschiedenen notwendigen Fähigkeiten unter einen Hut bringen und jonglieren, um ihre Arbeit zu bewältigen und ihren Klient:innen und Nachbar:innen zu helfen.
Sie haben bereits an mehreren Austauschprogrammen mitgewirkt – welche Momente werden von den Teilnehmern oft als besonders aufschlussreich erlebt? Und gibt es etwas, das Sie deutschen Sozialarbeitern während ihres Besuchs besonders gerne zeigen?
Natürlich besuchen sie gerne die Settlement Häuser! 😊 Diese stark lokal verankerten, generationsübergreifenden Organisationen mit vielfältigen Angeboten und zahlreichen Zugangsmöglichkeiten haben etwas ganz Besonderes an sich: Sie dienen gleichzeitig als Dreh- und Angelpunkt der Gemeinschaft, als Stadtplatz, als sicherer Ort und als Raum für die persönliche Entfaltung. Wir betreuen Großeltern und ihre Enkelkinder und bringen viele verschiedene Menschen aus der Gemeinschaft zusammen und das hat etwas Magisches und Lebensbejahendes an sich.
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Redaktion: Lucas Frye (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Prof. Stapf-Finé (li), Chris Hanway (mi) und Dilek Yüksel (re) – 2022, New York
Was bedeutet soziale Ungleichheit, Dr. Vera Santos?
Im Interview mit unserer Dozentin Dr. Rocío Vera Santos
Frau Dr. Vera Santos, Sie lehren sowohl in den Bachelorstudiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik als auch im Masterstudiengang Sozialmanagement. Worum geht es in Ihrem Fachgebiet?
Mein Fachgebiet ist die Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit, Rassismus, Gender- und Ethnicity Studies.
Was bedeutet soziale Ungleichheit?
Soziale Ungleichheit ist ein multidimensionales und strukturelles Phänomen. Sie bezeichnet die Disparitäten zwischen sozialen Gruppen, die durch eine hierarchische Ordnung beim Zugang zu Ressourcen entstehen. Diese gehen über das Ökonomische hinaus und umfassen auch politische, soziokulturelle und ökologische Dimensionen.
Womit beschäftigen Sie sich genau?
Ich untersuche soziale Ungleichheit als historisches Ergebnis von Kolonialismus, Versklavung und dem transatlantischen Sklavenhandel sowie als Folge bis heute fortbestehender und transnational verflochtener Machtverhältnisse, Machtstrukturen und Mechanismen des Ausschlusses (z. B. soziale Stratifikationen, Diskurse und rechtliche Rahmenbedingungen). Darüber hinaus beschäftige ich mich mit Formen des Widerstands, Prozessen der Identitätsstärkung sowie mit Fragen der Reparation und der Anerkennung afrikanischer und indigener Wissensformen.
Wie sind Sie zu diesem Gebiet gekommen und was genau interessiert Sie?
Ich bin während meiner Promotion und meines Postdocs am Lateinamerika-Institut zu diesem Themenfeld gekommen, als ich begann, mich intensiver mit Fragen sozialer Ungleichheit, Kolonialgeschichte und Rassismus in Lateinamerika zu beschäftigen. Auf der Mikroebene habe ich insbesondere die Konstruktion von Afro-Bezirken in urbanen Kontexten untersucht, wobei ich die Rolle von Frauen, Religion, traditionelles Wissen, Ethnobildung und Gemeinwesenarbeit besonders berücksichtigt habe.
Später habe ich meine Forschung auf strukturellen Rassismus und institutionelle Diskriminierung in Bildungs‑, Justiz- und Gesundheitsbereichen ausgerichtet. Derzeit untersuche ich die Zusammenhänge zwischen Umwelt-Rassismus, rassistischem Kapitalismus und den globalen Verflechtungen.
Mein Anspruch ist es,
Studierende dazu zu befähigen, soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und inklusive Unterstützungssysteme sowohl analytisch zu verstehen als auch in professionellen Handlungsfeldern umzusetzen.
Dr. Rocío Vera Santos
Warum ist es wichtig, dieses Feld in der Sozialen Arbeit zu lehren?
Wie Sie wissen, weist das Studium der Sozialen Arbeit eine ausgeprägte praxisorientierte Dimension auf. Ich habe in Berlin viele Jahre in sozialen Organisationen gearbeitet, die Migrant*innen, Geflüchtete, Frauen und – in letzter Zeit – auch Menschen mit körperlichen oder kognitiven Behinderungen unterstützen.
Ich versuche in meinen Lehrveranstaltungen, Studierende an die Lebensrealitäten dieser vulnerablen Gruppen heranzuführen. Dabei wende ich soziologische Theorien an, um soziale Phänomene besser verständlich zu machen und zugleich für deren gesellschaftliche Bedeutung zu sensibilisieren.
Wie kann man sich den Unterricht bei Ihnen vorstellen?
In meiner Lehrtätigkeit arbeite ich interdisziplinär. Ich unterrichte Seminare in den Bereichen Sozialwirtschaft, Sozialmanagement, Soziologie und Forschungsmethoden, halte Vorlesungen zum sozialen Wandel im internationalen Vergleich und biete Wahlmodule zu Gender und Diversität an.
Ein zentraler Schwerpunkt meiner Lehre liegt auf den Themen Migration, Flucht, soziale Ungleichheit, Intersektionalität, Gewalt, Diskriminierung und Rassismus sowie auf Fragen des Zusammenlebens, der Konvivialität und des Empowerments von Minderheiten.
Ziel meiner Lehre ist es, Studierende für die komplexen Lebenslagen von Menschen in prekären sozialen Situationen zu sensibilisieren und ihnen fundierte Kenntnisse über die strukturellen Bedingungen sozialer Ungleichheiten zu vermitteln. Dazu gehören auch die Wechselwirkungen mit lokal-globalen Machtverhältnissen, Rechtsordnungen und organisationalen Praktiken zu vermitteln.
Dabei lege ich besonderen Wert darauf, zentrale sozialwissenschaftliche Konzepte theoriegeleitet und zugleich praxisnah zu vermitteln. Mein Anspruch ist es, Studierende dazu zu befähigen, soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und inklusive Unterstützungssysteme sowohl analytisch zu verstehen als auch in professionellen Handlungsfeldern umzusetzen.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben? Welchen Ansatz verfolgen Sie?
In meiner Lehre arbeite ich vor allem mit postkolonialen und dekolonialen Ansätzen sowie mit Perspektiven des Black Feminism. Ich ermutige die Studierenden, eine reflektierte, analytische und zugleich feministische, antirassistische und antidiskriminierende Haltung zu entwickeln. Über den Tellerrand hinauszublicken heißt, Autor*innen aus dem Globalen Süden zu lesen und damit neue Perspektiven kennenzulernen.
Ich lege außerdem großen Wert auf Inklusion und den Respekt vor Vielfalt sowie auf die Förderung sozialer Projekte, die die individuellen Bedürfnisse vulnerabler Menschen berücksichtigen. Auch unter dem Gesichtspunkt der Intersektionalität.
Worauf freuen Sie sich besonders in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin?
Ich freue mich besonders auf die Studierenden, da die Mehrheit über umfangreiche Berufserfahrung und praktisches Wissen im Bereich der Sozialen Arbeit oder der Pädagogik verfügt. Viele von ihnen haben Führungspositionen inne und arbeiten in öffentlichen oder privaten sozialen Einrichtungen. Einige absolvieren zudem ein Zweitstudium. Dadurch ist das Niveau und die Beteiligung in den Lehrveranstaltungen sehr hoch, was unsere Diskussionen sehr bereichert.
Meine Lehrveranstaltungen gestalte ich inklusiv und lege großen Wert darauf, zu einer positiven und respektvollen Lernatmosphäre beizutragen. Mein Ziel ist es, dass die Studierenden an jeder Sitzung aktiv teilnehmen. Ihre Meinungen, Kenntnisse und Erfahrungen sind mir sehr wichtig. Die Sitzungen sind eine Zeit des gemeinsamen Lernens.
Die Atmosphäre an der Paritätischen Akademie ist sehr angenehm und förderlich für das Lernen. Wenn Leidenschaft für die Lehre vorhanden ist, fließt vieles ganz von selbst – und genau das macht den Austausch mit den Studierenden so bereichernd.
Zur Person:
Dr. Rocío Vera Santos
Assoziierte Wissenschaftlerin, Lateinamerika-Institut, Freie Universität Berlin
Schwerpunkte:
- Soziale Ungleichheiten
- Rassismus, Antirassismus
- Diskriminierung
- Migration
- Menschenrechte
- Gender and Diversity Studies
- Black Studies
Dr. Vera Santos ist Dozentin an der Paritätischen Akademie Berlin in den Kooperationsstudiengängen Soziale Arbeit (B.A) und Heilpädagogik (B.A.) mit der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik HSAP und dem Kooperationsstudiengang Sozialmanagement (M.A.) mit der Alice Salomon Hochschule Berlin.
Ihr Buch „Dinámicas de la negritud y africanidad. Construcciones de la afrodescendencia en Ecuador“ wurde 2016 mit dem Isabel Tobar Guarderas-Preis ausgezeichnet. Ihr zweites Buch „Entre el Atlántico y el Pacífico Negro. Afrodescendencia y regímenes de desigualdad en Sudamérica“ (mit Sergio Costa und Manuel Góngora) erhielt 2021 den LASA Iberoamericano Book Award der Latin American Studies Association.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Rocío Vera Santos
Neue Professorin für Heilpädagogik
Prof. Dr. Melanie Knaup stellt sich vor!
Wer darf mitreden? Wer wird gehört? Wer gehört dazu? Für Prof. Dr. Melanie Knaup fängt Inklusion bei Sprache, Bildung und kultureller Teilhabe an. Sie beschäftigt sich damit, was Teilhabe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen bedeutet und was Fachkräfte brauchen, um diese möglich zu machen. Seit 2026 hat sie eine Professur im Studiengang Heilpädagogik an der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP), den die Paritätischen Akademie Berlin gemeinsam mit ihr durchführt, inne.
Frau Prof. Dr. Knaup, womit beschäftigen Sie sich und wie sind Sie dazu gekommen?
Mich hat früh beschäftigt, wie Menschen Zugang zu Bildung, Sprache und kulturellen Räumen erhalten und welche Barrieren gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe verhindern. Die Literatur‑, Kultur- und Medienwissenschaft hat dahingehend mein Denken in Bezug auf Fragen kultureller Bildung, Teilhabe und wie Menschen mit Beeinträchtigungen in Medien repräsentiert sind, geprägt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Förderpädagogik und Inklusive Bildung der Justus-Liebig-Universität Gießen habe ich schwerpunktmäßig zur Teilhabe von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung geforscht.
In meiner wissenschaftlichen Arbeit und in der pädagogischen Praxis wurde deutlich, dass Inklusion nicht nur soziale, sondern immer auch kulturelle Teilhabe bedeutet. In meiner Promotion untersuchte ich, unter welchen Voraussetzungen kulturelle Bildung und Teilhabe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen ermöglicht werden kann und wie erfahrungsbezogene und bedeutungsstiftende Zugänge alltägliche Lernprozesse unterstützen.
Worum geht es in der Heilpädagogik nach Ihrem Verständnis?
Heilpädagogik beschäftigt sich mit der Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen in allen Lebensphasen. Ziel ist es, Selbstbestimmung, Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Dazu gehört ausdrücklich auch kulturelle Teilhabe – also der Zugang zu Bildung, Sprache, Kunst, Medien, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Ausdrucksfähigkeit.
Heilpädagogik verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer klaren ethischen Orientierung: Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde, Entwicklung, kulturellen Ausdruck und gesellschaftliche Zugehörigkeit.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben?
Mir ist wichtig, Studierenden fachliche Sicherheit, reflexive Professionalität und eine klare Haltung zu vermitteln. Dazu gehören Ressourcenorientierung, Anerkennung von Vielfalt sowie die Überzeugung, dass jeder Mensch ein Recht auf Bildung, Ausdruck und kulturelle Teilhabe hat. Mein Ansatz verbindet wissenschaftliche Fundierung, Praxisnähe und Beziehung. Heilpädagogisches Handeln ist für mich immer auch eine Frage von Haltung, Verantwortung und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
Worauf freuen Sie sich besonders in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin?
Ich freue mich besonders auf die Arbeit mit engagierten Studierenden, die Heilpädagogik als gesellschaftlich relevante und gestaltende Profession verstehen. Besonders wichtig ist mir der Dialog – gemeinsam zu reflektieren, Perspektiven zu entwickeln und professionelle Handlungssicherheit aufzubauen.
Zur Person
Prof. Dr. Melanie Knaup
Schwerpunkte:
- Inklusion und Teilhabe, u.a. kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung
- Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte
- Einstellungen und Haltungen in inklusiven Kontexten
- Sprachentwicklung und Sprachförderung
- personenzentrierte Teilhabeplanung
- professionelle Handlungskompetenz in heilpädagogischen Arbeitsfeldern
Seit Januar 2026 ist Melanie Knaup Professorin für Heilpädagogik und inklusive Pädagogik an der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP). In Kooperation mit der HSAP lehrt sie in der Paritätischen Akademie Berlin im Bachelorstudiengang Heilpädagogik unter anderem in den Bereichen Sprachheilpädagogik, Spielpädagogik und Teilhabeplanung sowie in weiteren heilpädagogischen Modulen. Darüber hinaus unterrichtet sie im Kooperationsstudiengang Soziale Arbeit im Modul „Teilhabe und Inklusion“. In den dualen Studiengängen der HSAP lehrt sie im Studiengang Kindheitspädagogik im Bereich Sprachentwicklung und Sprachförderung.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Melanie Knaup
Von der Pflege bis zur Jugendhilfe:
Praxisbeispiele für erfolgreiches Wirkungsmanagement
Wie können wir die Wirkung Sozialer Arbeit besser darstellen und was bringt das? In diesem Beitrag berichten uns drei engagierte Menschen aus der Praxis darüber, wie Sie Wirkungsmanagement in ihrem Arbeitsbereich mit Erfolg anwenden. Vom Ehrenamt in Pflegewohngemeinschaften bis hin zu nachhaltiger Jugendhilfe.
Marie Schäffler, Katja Witteck (Projektkoordinatorinnen bei der Vertrauensstelle) und Christoph Bohne (sozialpädagogische Fachkraft Jugendhilfe & Teamleitung Schulsozialarbeit beim Kreativitätsschulzentrum Berlin) haben durch den Zertifikatskurs in Wirkungsmanagement ihre Projekte geschärft, neue Zielgruppen erreicht und Engagement sichtbar gemacht haben. Was das für ihren Arbeitsalltag konkret bedeutete, erzählen Sie uns in diesem Interview.
Warum ein Zertifikatskurs? Motivation für Wirkungsmanagement
Was hat Sie motiviert, sich intensiver mit Wirkungsmanagement zu beschäftigen?
Christoph Bohne: Mich hat besonders interessiert, wie man Angebote und Prozesse so steuern kann, dass sie unter begrenzten Ressourcen möglichst effektiv wirken.
Marie Schäffler & Katja Witteck: Die Nennung reiner Kennzahlen sagt zwar viel über den Aufwand der Projekte in der sozialen Arbeit aus, gibt aber in Bezug auf das gewünschte Ergebnis oft ein schwaches Bild ab, da die tatsächliche Wirkung oftmals nicht sichtbar wird. Wir wollten lernen, wie man das besser darstellen kann.
Engagement für eine gute Pflege und kreative Kinder- und Jugendhilfe
Worum geht es in Ihren Projekten und was sollen Sie bewirken?
Marie Schäffler und Katja Witteck: Unser Projekt widmet sich der Frage, wie gesellschaftliche Teilhabe und soziale Kontakte für die WG Bewohner:innen einer Pflegewohngemeinschaft gefördert werden können. Hierfür möchten wir, neben der guten Bindung zu Pflegediensten, Menschen für ein Ehrenamt als Vertrauensperson begeistern. Dazu braucht es engagierte Personen, offene Pflegewohngemeinschaften, interessierte Mitarbeitende in Pflegediensten sowie eine zugewandte Verwaltung und Politik.
Langfristig möchten wir ein System etablieren, das Sozialraumintegration und Teilhabe strukturell mitdenkt. Nicht nur optional, sondern als Teil guter Pflege. Wir versuchen, allen Beteiligten mit unseren Angeboten gerecht zu werden, durch Beratung, Vermittlung, Begleitung, Austausch und Schulungen.
Christoph Bohne: Wir engagieren uns für ganzheitliche, kreative Kinder- und Jugendhilfe sowie Bildung. Unser Ziel ist es, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Selbstständigkeit zu fördern. In meiner Rolle gestalte ich pädagogische Prozesse und Resonanzräume für Jugendliche und begleite gleichzeitig Mitarbeitende in ihrer Entwicklung.
Mit welchen Vorkenntnissen starteten Sie den Kurs und was haben Sie im Laufe der Weiterbildung gelernt?
Christoph Bohne: Ich hatte bereits erste Berührungspunkte, zum Beispiel im Rahmen von Hilfeplanung oder Qualitätsentwicklung. Das Thema tauchte auch immer wieder in Literatur und Fortbildungen auf.
Ich habe gelernt, vor der Umsetzung bewusst einen Schritt zurückzutreten und eine strategische Perspektive einzunehmen. Wirkung zeigt sich nicht nur in Endergebnissen, sondern beginnt bereits im Alltagsprozess.
Marie Schäffler und Katja Witteck: Wir hatten bereits die Broschüre gelesen und auch in anderen Projekten das Thema Wirkung beleuchtet. Die intensive Auseinandersetzung im Kurs war ein großer Gewinn. Wir sind weiterhin dabei, wurden in vielen bereits gegangenen Schritten bestätigt, haben Neues gelernt und uns weiterentwickelt.
Wirkungsmanagement ist zeitintensiv und erfordert Kraft. Manchmal ist es bedauerlich, dass diese Energie nicht direkt in die Arbeit mit den Menschen fließt. Auf der anderen Seite ist es wichtig und richtig, die wertvolle Arbeit, die von so vielen Akteur:innen der sozialen Arbeit – besonders durch freiwillig Engagierte – geleistet wird, sichtbar und greifbar zu machen
Wie haben Sie das Wissen über Wirkungsmanagement im Zertifikatskurs konkret in Ihrer Arbeit umgesetzt?
Marie Schäffler und Katja Witteck: Wir wollten die Aufgabe und das Profil unseres Projekts schärfen und dabei von Anfang an auch die Wirkung mitdenken und planen. Genau das haben wir im Kurs gemacht.
Christoph Bohne: Ich habe eine vollständige Wirkungstreppe für die regelmäßige Gruppenrunde und Projektplanung in der Jugendwohngruppe entwickelt. Sie hilft mir dabei, mein pädagogisches Handeln gezielter zu planen und zu reflektieren. Die Kursstruktur war gut in meinen Arbeitsalltag integrierbar. Zusätzlich konnte ich das Gelernte auf andere Formate übertragen – sogar im privaten Kontext, etwa in meinem Engagement als Vereinsvorsitzender eines Fußballvereins.
Marie Schäffler und Katja Witteck: Es fühlte sich nicht wie ein zusätzliches Thema an, sondern wie eine fachliche Unterstützung durch ein erweitertes Team. Das Wirkungsmanagement hat nicht nur unser Projekt gestärkt, sondern auch unsere Rolle als Koordinatorinnen verändert: Wir fühlen uns sicherer darin, unsere Arbeit strategisch zu reflektieren und sichtbar zu machen.
„Ich habe gelernt, vor der Umsetzung bewusst einen Schritt zurückzutreten und eine strategische Perspektive einzunehmen. Wirkung zeigt sich nicht nur in Endergebnissen, sondern beginnt bereits im Alltagsprozess.“ Christoph Bohne
Erfolg durch Wirkungsmanagement: Neue Zielgruppen und Auszeichnungen
Marie Schäffler & Katja Witteck: Ein konkretes Erfolgserlebnis war, dass wir durch das Wirkungsmanagement unser Selbstverständnis neu geschärft und dadurch eine zusätzliche Zielgruppe definieren konnten. Das hat uns gezeigt, wo unser Output besonders großflächig wirken kann und welche Netzwerkpartner wir für die nächsten Schritte brauchen. So konnten wir das Projekt gezielt neu ausrichten und erste Unterstützer gewinnen, die uns helfen, über unsere Kernzielgruppe hinauszuwachsen.
Christoph Bohne: Ein besonderes Highlight war, dass unser Engagement durch das KIJUNA-Siegel ausgezeichnet wurde – eine Anerkennung für nachhaltige Projekte, die Partizipation und Bildung miteinander verbinden (mehr lesen) .
Denn durch gezielte Beteiligungsformate und die verstärkte Einbeziehung der Perspektiven der Jugendlichen konnten wir das Projekt „Rummelwasser – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ umsetzen.
Ausgangspunkt war eine gemeinsame Reflexion über den Wasserverbrauch in unserer Wohngruppe – von der Dusche bis zum Abwasch. Die Jugendlichen recherchierten zum Wasserfußabdruck von Lebensmitteln, diskutierten über nachhaltigen Einkauf und Konsum, Fast Fashion, Wasserkreislauf und Trinkwasserqualität in Berlin. Sie hinterfragten ihr eigenes Einkaufsverhalten, machten Vorschläge für einen bewussteren Umgang mit Kleidung, produzierten kurze Clips zum Thema Wasser und Nachhaltigkeit und überlegten, wie man WG-Alltag und Klimabewusstsein besser verbinden kann.


So wurde deutlich, wie Wirkungsorientierung praktisch greifbar wird: von der Alltagsbeobachtung über gemeinsame Projektplanung bis hin zu echten Veränderungen im Denken und Handeln der Jugendlichen. Ziel war es die Haltung zu entwickeln, das jede:r wichtig ist einen kleinen Beitrag zu leisten um so einen Unterschied auszumachen.
Vielen Dank für das Interview!
Christoph Bohne, Sozialpädagogische Fachkraft Jugendhilfe & Teamleitung Schulsozialarbeit (Website)
Katja Witteck & Marie Schäffler, Projektkoordinatorinnen bei Vertrauensstelle Berlin (Website)
In Ihrem Projekt fehlt noch das richtige Wirkungsmanagement? Erfahren Sie im Zertifikatskurs, wie Sie es anwenden!
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Marie Schäffler und Katja Witteck (Foto: Kristina Kast)
Beitragsfotos: Dokumentation „Rummelwasser – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Foto: Christoph Bohne)
Einführung in die Wirkungsorientierung
Online-Seminar
kostenfrei für Berliner Mitglieder
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„Starre Hierarchien sind ungesund – und führen zu keinen Lösungen“
Was passiert in der Arbeitswelt, wenn wir Führung von Grund auf anders gestalten? – und warum das vor allem für soziale Organisationen gut ist.
Radikal kooperativ! Das ist der Gegenentwurf zu einer Führungskultur, die Menschen nur ausbrennt. Die drei Trainerinnen Dr. Ute Schürings, Elena Schmitz und Katja Günther nennen es „Partizipative Führung“.
Wer führen will, muss allein entscheiden, sich auch mal über andere hinwegsetzen und den Kurs halten? Dieses Führungsbild hat Risse bekommen – und es eignet sich für den sozialen Bereich absolut nicht. Besonders dort, wo starre Hierarchien dominieren, hat dies Nachteile für vor allem für Menschen, die diesen vermeintlich männlich assoziierten Eigenschaften nicht entsprechen. In solchen Strukturen werden sie häufig weniger gehört und ernst genommen. Denn Macht und Abgrenzung regieren hier oft stärker als Offenheit und Vertrauen.
Gerade im sozialen Bereich, wo Überengagement und Selbstaufopferung verbreitet sind, führt dieser Druck nicht selten in die Erschöpfung. Wer dauerhaft über die eigenen Grenzen geht, verliert das Gespür für die Balance – und fürs Team. Dabei braucht es genau das: Führung, die sich traut, Schwächen zu zeigen, Verantwortung zu teilen und Räume zu schaffen, in denen alle sich beteiligen können.
Statt Burnout – Kreatives Potenzial entfachen
„Ich war extrem überengagiert“, erzählt Katja Günther. Ihr Burnout wurde zur Zäsur. Heute coacht sie Wissenschaftlerinnen und bringt Psychologie mit Strukturarbeit zusammen. Ihre Mission: „Ein Team so aufstellen, dass man sich auch gegenseitig schützt – vor Überforderung und vor der Vorstellung, alles allein tragen zu müssen.“
Auch Elena Schmitz kennt dieses System von innen – und hat es bewusst verlassen. „Ich war genau ein Jahr angestellt. Danach war klar: Starre Hierarchien sind nicht mein Ding.“ Heute gestaltet sie Formate, die Vertrauen ermöglichen – und die kreativen Potenziale entfalten. Ihre Mission: Alle Mitarbeitenden dabei zu unterstützen, die eigenen Potenziale selbst zu sehen, zu schätzen und weiterzuentwickeln.
Dr. Ute Schürings hat in ihrer Laufbahn als Lehrbeauftragte an der Universität gelernt, dass Beteiligung auch bedeutet, Unterschiede auszuhalten. „Ob Stadt-Land-Gefälle oder kulturelle Differenzen – es geht immer um Zuhören. Und darum, von der eigenen Idee wieder abrücken zu können.“
Was sie gemeinsam entwickelt haben, ist ein Werkzeugkasten für echte Teamarbeit. Mit ihren Kursen – unter anderem für die Paritätische Akademie (mehr Infos) – begleiten sie Leitungskräfte in sozialen Trägern auf dem Weg zu mehr Beteiligung.
Ihre Devise lautet:
Echte Lösungen entstehen nicht im Alleingang, sondern in Verbindung
Dabei geht es um die Verbindung mit anderen, aber auch mit sich selbst. Das beginnt bei scheinbar simplen Dingen wie Meetingstrukturen. „Schon die Art, wie ein Gespräch eröffnet wird, verändert alles“, sagt Katja Günther. Ein kurzer Check-in – wie geht’s dir heute wirklich? – könne den Unterschied machen.
Vertrauen ist die Grundlage dafür, dass Menschen Risiken eingehen.
Was vielleicht banal klingt, hat eine tiefere Wirkung: Wer seine aktuelle Lage benennen darf, bringt sich danach klarer ein. Es entsteht psychologisches Vertrauen. Und Vertrauen ist die Grundlage dafür, dass Menschen Risiken eingehen – etwa eine neue Idee äußern oder einen Fehler zugeben, ohne Angst vor Sanktionen.
„Was ist, darf sein – und was sein darf, kann sich verändern“, ist eines der Lieblingssätze des Trios. Dahinter steht der Anspruch, zuerst die Realität anzunehmen, bevor man sie verbessern will. Werden Unsicherheiten, Bedürfnisse und Grenzen sichtbar gemacht, entstehen oft kreative Wege, wie man mit begrenzten Ressourcen besser umgeht – ohne dass Einzelne ausbrennen. Es geht nicht um erzwungene Harmonie oder Feelgood-Fassade, sondern um Strukturen, die Beteiligung ermöglichen.
Genau deshalb arbeiten die drei viel mit Rollenklarheit, Werten, Gesprächsregeln und partizipativen Formaten zur Lösungsfindung. Ihr gemeinsames Seminar lebt vom erfahrungsbasierten Lernen. Das bedeutet konkret, Dinge auszuprobieren und gemeinsam zu evaluieren, ob sie fürs Team gut funktionieren.
Die Lösungen der Zukunft werden im Team gefunden.
Denn: Ein Team, das seine Bedürfnisse und Spannungen ehrlich reflektieren kann, findet bessere Lösungen, weil es gezielter denkt und sich auf Probleme einlassen kann. Und weil es nicht auf eine Einzelne angewiesen ist, die alles entscheidet. „Die Lösungen der Zukunft werden im Team gefunden“, sagt Elena. Für sie ist das keine Theorie. Es ist gelebte Praxis – und ein Gegenentwurf zum alten Führungsdenken.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Sabine Streckhardt
Partizipative Führung – Teams stärken und Verantwortung teilen
Zertifikatskurs
Ein attraktiver Arbeitgeber werden: Grundlagenseminar für die Sozialwirtschaft
Online-Seminar
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Pflegeeltern gesucht: Was sich in der Pflegekinderhilfe ändern muss
Interview zur Praxisforschung zum Thema Diversität im Rahmen des Masterstudiums Sozialmanagement
Pflegefamilien spiegeln kaum die Vielfalt unserer Gesellschaft wider – das hat Hannah von der Mark als Sozialarbeiterin in Berlin selbst erlebt. Die Absolventin der Paritätischen Akademie Berlin stellt daher in ihrer Masterarbeit die Frage: Wie lassen sich mehr Pflegeeltern of Colour gewinnen? Wie kann Diversity Management in der Pflegekinderhilfe konkret umgesetzt werden?
Dazu befragte Sie Pflegekinder, Pflegeeltern und Fachkräften der Pflegekinderhilfe nach ihren Erfahrungen der mit den Institutionen. Wir haben mit ihr über die Ergebnisse ihrer Untersuchung und ihre Arbeit in der Pflegekinderhilfe gesprochen.
Frau von der Mark, wie ist Ihrer Einschätzung nach die Pflegekinderhilfe aufgestellt, insbesondere in Bezug auf das Thema Diversität?
Hannah von der Mark: Die Pflegekinderhilfe ist gesellschaftlich wie auch in der Sozialen Arbeit ein Nischenbereich, mit dem sich nur sehr wenig befasst wird und der im öffentlichen Diskurs eher negativ behaftet ist. Zu wenige Menschen sind über die Möglichkeit, ein Pflegekind aufzunehmen und was dies in der Realität bedeutet, informiert. Die Kinder, für die eine Pflegefamilie gesucht wird, kommen aus vielen verschiedenen Familien und bringen verschiedene ethnische Identitäten mit. Auf der anderen Seite gibt es jedoch nur sehr wenige Pflegeeltern, die nicht weiß sind.
Um auch BIPoC-Kindern ein Umfeld zu geben, in dem sie sich abgleichen und wiederfinden können, und insgesamt dafür zu sorgen, dass eine Vielfalt an Pflegeeltern zur Verfügung steht, ist es wichtig, auch Communities of Color in Überlegungen zur Ausweitung von Pflegeelternakquise mit einzubeziehen. Bisher passiert dies kaum.
Zu wenige Menschen sind über die Möglichkeit, ein Pflegekind aufzunehmen und was dies in der Realität bedeutet, informiert.
Migrantische und geflüchtete Mütter, insbesondere auch schwarze Frauen, sind oft selbst von institutionellem Rassismus – etwa seitens der Jugendämter – betroffen. (Anmerkung der Redaktion)*
Gut gelungen ist in der Vergangenheit die Aufklärung darüber, dass auch gleichgeschlechtliche Paare sowie andere Menschen aus der LGBTQIA+-Community Pflegeeltern werden können. Es gibt viele gleichgeschlechtliche Paare, die Pflegekinder aufgenommen haben. Ich würde mir wünschen, dass künftig zusätzlich auch Communities of Color erreicht werden können.
Ein häufiges Missverständnis: Pflegekinder müssten ihre Pflegefamilie bald wieder verlassen. Das stimmt nur selten – die meisten bleiben bis zur Volljährigkeit. Dieses Vorurteil schreckt viele Interessierte ab. In Berlin fehlen aktuell rund 700 Pflegefamilien – eine alarmierende Zahl.
Was sind laut Ihrer Untersuchung die größten Herausforderungen? Welche Maßnahmen gibt es, um die Situation zu verbessern?
Hannah von der Mark: Es ist eine gesamtgesellschaftliche Veränderung notwendig statt allein in der Pflegekinderhilfe. Der aktuelle politische Diskurs zum Thema Migration ist von so viel Rassismus und Hass geprägt – da ist es absolut verständlich, dass Menschen mit Migrationsgeschichte allen deutschen Ämtern mit Vorsicht begegnen. Die Pflegekinderhilfe als Institution, die eng mit dem Jugendamt zusammenarbeitet, ist hiervon selbstverständlich mit betroffen. Auch Alltagsrassismus und Mikroaggressionen sind so weit verbreitet, dass es eine nachvollziehbare Sorge ist, diesen auch in Prozessen der Pflegekinderhilfe zu begegnen. Sich dem nicht aussetzen zu wollen, ist sehr verständlich. Ich kann, basierend auf meinen Interviews, auch nicht ausschließen, dass es zu solchen Erfahrungen kommt.
Eine Stärkung der Fachkräfte sowohl der Pflegekinderhilfe als auch des Jugendamtes hinsichtlich einer diskriminierungssensiblen Haltung stellt eine große Herausforderung dar, die beispielsweise mithilfe von Fortbildungen angegangen werden kann.
Was muss sich ändern, um mehr BIPoC-Pflegeeltern zu gewinnen?
Hannah von der Mark: Die Akquise findet zu wenig im öffentlichen Raum statt. In meinen Interviews erhielt ich vor allem die Rückmeldung, dass es an Informationen fehlt.
Mehr Informationen sollten beispielsweise über Plakate oder Social Media verbreitet werden. Letzteres beginnt langsam, jedoch findet auch hier Diversity bisher nur bedingt Einzug. Für eine Plakatkampagne fehlen aktuell – wie überall in der Sozialen Arbeit – die finanziellen Ressourcen.
Wurde das Thema Diversität im Masterstudiengang Sozialmanagement, den sie berufsbegleitend studiert haben, aufgegriffen? Wie hat Ihnen das für Ihr Thema weitergeholfen?
Hannah von der Mark: Ja, es gab ein Modul zum Thema Diversity-Management. Hier erhielt ich einen ersten Einblick in Diversity als Managementaufgabe und konnte meinen Blick für die Herausforderungen diesbezüglich in der Pflegekinderhilfe schärfen. Zudem konnte ich die Expertin, die den Kurs doziert hat, als Erstgutachterin für meine Masterarbeit gewinnen.
Wie geht es jetzt für Sie und Ihren Bereich weiter?
Hannah von der Mark: Die Anregungen und Ideen, die ich in der Masterarbeit gesammelt habe, möchte ich nun umsetzen. Damit möchte ich nachhaltige Veränderungen in meinem Arbeitsbereich erreichen.
Das heißt konkret:
- Communities of Color sowie der LGBTQIA+-Community sollen in die aktuell stattfindende Social-Media-Kampagne aufgenommen werden.
- Fortbildungsprogrammen für Pflegefamilien, die ein BIPoC-Kind aufgenommen haben, sollen das Thema einbeziehen
- Netzwerke für diese Pflegefamilien sollen aufgebaut werden, um die Kinder in der Entwicklung ihrer ethnischen Identität zu stärken.
- Fortbildungsmaßnahmen für die Fachkräfte der Pflegekinderhilfe werden geplant, um die Pflegekinderhilfe so diskriminierungssensibel wie möglich zu gestalten.
Ziel ist es, dass alle Menschen erreicht werden können und wir möglichst viele neue Pflegeeltern akquirieren können. Das wird zwar noch dauern, ich bin jedoch guter Dinge, dass die notwendigen Veränderungen auch durchgeführt werden.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!
Zur Person: Hannah von der Mark (Foto unter dem Text) war als Sozialarbeiterin in der Jugendhilfe tätig. Doch durch ihren Wunsch neben dem Beruf Sozialmanagement zu studieren, suchte sie nach einer neuen Stelle, die mit flexibleren Arbeitszeiten ein berufsbegleitendes Studium ermöglichen könnte. Auf diesem Weg kam sie zu einer Stelle in der Pflegekinderhilfe. In diesem Interview gibt sie Einblicke in die Ergebnisse ihrer umfangreichen Untersuchung des Themas Diversität in diesem Bereich, die sie im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Paritätischen Akademie Berlin durchführte.

*Hinweis der Redaktion: Das Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin (ADNB) bietet Beratung und Unterstützung für Menschen, die rassistische Diskriminierung erfahren haben. Es setzt sich für die soziale, rechtliche und politische Gleichbehandlung ein und fördert eine Antidiskriminierungskultur auf lokaler Ebene. Mehr Infos auf der Website von SEKIS Berlin.
Sie möchten mehr über Pflegeelternschaft in Berlin erfahren? Dann besuchen Sie Pflegekinder Berlin – das Informationsportal für Pflegefamilien auf www.pflegekinder-berlin.de.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Pexels
Foto im Text: Hannah von der Mark
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Was macht ein:e Heilpädagog:in?
Beruf, Aufgaben und Chancen
Heilpädagog:innen werden dringend gebraucht! Doch was genau steckt hinter dem Berufsfeld? In diesem Beitrag stellen wir die Tätigkeitsfelder und Aufgaben von Heilpädagog:innen vor, die sich durch eine hohe Kreativität und sozialer wie psychologischer Betreuung auszeichnen. Und wir erläutern die Chancen eines heilpädagogischen Studiums.
Drei spannende Berufsfelder in der Heilpädagogik
Frühförderung und inklusive Pädagogik
In der Frühförderung arbeiten Heilpädagog:innen mit Kleinkindern, die Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen haben. Sie begleiten Kinder in Kitas oder im häuslichen Umfeld, um ihre motorischen, sprachlichen oder sozialen Fähigkeiten gezielt zu fördern. Besonders spannend ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen und Psycholog:innen.
Heilpädagogische Unterstützung in der Jugend- und Eingliederungshilfe
In der Jugend- und Eingliederungshilfe betreuen Heilpädagog:innen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit sozialen oder emotionalen Schwierigkeiten. Sie arbeiten z. B. in Wohngruppen, Schulen oder Beratungsstellen und unterstützen Menschen dabei, Konflikte zu bewältigen, soziale Kompetenzen zu stärken und einen stabilen Lebensweg zu finden. Besonders spannend ist hier die individuelle Förderung und die kreative Arbeit mit Theater, Musik oder Erlebnispädagogik.
Heilpädagogische Begleitung in der Arbeit mit älteren Menschen
Auch im Bereich der Gerontopsychiatrie oder in Pflegeeinrichtungen sind Heilpädagog:innen gefragt. Sie begleiten ältere Menschen mit Demenz oder geistigen Beeinträchtigungen, um die Lebensqualität zu erhalten. Durch kreative und alltagsnahe Methoden wie Biografiearbeit, Musik- oder Kunsttherapie helfen sie, Erinnerungen zu aktivieren, soziale Kontakte zu fördern und das Wohlbefinden zu steigern.
Warum lohnt sich ein Studium in der Heilpädagogik? Vier gute Gründe
Zunahme von Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten
Immer mehr Menschen – von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter – haben Diagnosen wie Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), ADHS, Lernbehinderungen oder psychische Erkrankungen. Sie benötigen heilpädagogische Unterstützung in Schule, Beruf und Alltag.
Inklusion und gesellschaftlicher Wandel
Durch die UN-Behindertenrechtskonvention wächst der Anspruch, Menschen mit Behinderungen in Schule, Beruf und Gesellschaft gleichberechtigt zu integrieren. Heilpädagog:innen spielen eine Schlüsselrolle bei der individuellen Begleitung und Assistenz.
Steigender Unterstützungsbedarf in Krisenzeiten
Pandemie, soziale Unsicherheiten und psychische Belastungen haben zu einem Anstieg von Ängsten, Depressionen und Verhaltensproblemen geführt – sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. Heilpädagogische Angebote helfen bei der Bewältigung von Krisen.
Fachkräftemangel in der Sozial- und Heilpädagogik
Ob in Kitas, Schulen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder in der Erwachsenenbildung – überall fehlen Fachkräfte, die eine individuelle und professionelle Unterstützung leisten können.
Berufsbegleitend studieren – Besonders vorteilhaft!
Studieren und dabei trotzdem weiter im Beruf bleiben? An der Paritätischen Akademie bieten wir den Studiengang Heilpädagogik berufsbegleitend an. Er ist verpflichtend mit einer Berufstätigkeit verknüpft und gut mit damit vereinbar: mit nur wenigen Präsenztagen im Jahr! Viele Inhalte, wie auch einige Prüfungen, können online absolviert werden.
Mehr Infos erhalten Sie auf unserer Website zum Studiengang Heilpädagogik (Bachelor of Arts).
Unser Apell an Organisationen und Arbeitgeber: Wer Mitarbeitende in ihrer Weiterbildung fördert, holt sich Kompetenz ins Team und fördert die Bindung von Fachkräften.
Weiterführende Quellen:
- Seite der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (hier)
- UN-Behindertenrechtskonvention (hier)
- Seite des Deutschen Instituts für Menschenrechte (hier)
- Die Angebote des Paritätischen Berlin zum Thema Menschen mit Behinderung (hier)
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Verfasserin des Beitrags: Regina Schödl (Paritätischer Landesverband Berlin e. V.)
Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Pexels
Rechtliches Basiswissen für die Beratung von Menschen mit Behinderungen
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