Maga­zin

Leh­re: Gesund­heits­sys­tem und Sozia­le Arbeit – Dozen­tin Berit Kem­pe über die Rol­le der Sozi­al­me­di­zin

aus der Leh­re

Mai 2026

Gesundheitssystem und Soziale Arbeit:

Dozentin Berit Kempe über die Rolle der Sozialmedizin

Krank­heit, Über­for­de­rung, Büro­kra­tie. Die­sen Phä­no­me­nen begeg­nen Fach­kräf­te in der Sozia­len Arbeit häu­fig. Des­halb sind sozi­al­me­di­zi­ni­sche Grund­la­gen so wich­tig für das Berufs­feld Sozia­le Arbeit, erklärt Berit Kem­pe. In ihrer Leh­re geht es ihr um die Fra­ge von Res­sour­cen, die für vie­le Fami­li­en und Men­schen mit gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen wich­tig sind, um am gesell­schaft­li­chen Leben teil­zu­neh­men: Von der Hil­fe, das Recht auf bestimm­te Leis­tun­gen durch­zu­set­zen, bis hin zur psy­cho­so­zia­len Unter­stüt­zung.

Berit Kem­pe ist Dipl. Sozi­al­ar­bei­te­rin und freie Dozen­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. In die­sem Inter­view stellt sie Ihren Weg in das Fach­ge­biet Gesund­heit und Sozi­al­me­di­zin und die Rele­vanz ihres Bereichs für den Berufs­pra­xis vor.

Wie sind Sie zur Sozi­al­me­di­zin gekom­men? 

Seit 15 Jah­ren arbei­te ich im Gesund­heits­sys­tem, in dem neben der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung die Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik eine rele­van­te Rol­le spie­len. Ich wur­de 2020 von einer Pro­fes­so­rin der Ali­ce Salo­mon Hoch­schu­le Ber­lin ein­ge­la­den, Stu­die­ren­den in Semi­na­ren mei­ne prak­ti­sche Tätig­keit nahe­zu­brin­gen. Das hat sich immer wei­ter­ent­wi­ckelt. So leh­re ich seit eini­gen Jah­ren auch an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. Neben der Wis­sens­ver­mitt­lung ist es mir sehr wich­tig das Selbst­be­wusst­sein der Stu­die­ren­den als Fach­kräf­te und eine wert­schät­zen­de Hal­tung zu för­dern. 

Was moti­viert Sie?  

Eine gute Ver­sor­gung von Men­schen, die von gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen betrof­fen sind und die eine best­mög­li­che Teil­ha­be am Leben lie­gen mir sehr am Her­zen. Die Leh­re ist eine Mög­lich­keit, neu­en Fach­kräf­ten rele­van­tes Wis­sen dafür mit­zu­ge­ben.  

 

Auch ich selbst ler­ne dabei immer wie­der dazu. Die Kennt­nis­se, Per­spek­ti­ven und Fra­gen der Stu­die­ren­den erwei­tern ste­tig mei­nen Hori­zont.  

Das Zusam­men­spiel von indi­vi­du­el­len und gesell­schaft­li­chen Risi­ko­fak­to­ren, Resi­li­enz und Res­sour­cen­för­de­rung spielt in der Sozia­len Arbeit eine gro­ße Rol­le.  

Was lernen Studierende in Ihren Lehrveranstaltungen?  

In der Sozi­al­me­di­zin geht es um die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Gesund­heit, Krank­heit und sozia­len Fak­to­ren. Da wir uns im Bereich Sozia­le Arbeit bzw. der Heil­päd­ago­gik bewe­gen, geht es zudem immer dar­um, wie wir Men­schen unter­stüt­zen kön­nen. Das Spek­trum reicht hier von Prä­ven­ti­on und Gesund­heits­för­de­rung bis zu Gesund­heits­sys­tem und Ver­sor­gung.

Tätig­keits­fel­der sind etwa Nach­bar­schafts­zen­tren, in denen Prä­ven­ti­ons- und Bera­tungs­ge­bo­te statt­fin­den oder die Betreu­ung von Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen oder die Arbeit mit Fami­li­en.  

 

So kann es zum Bei­spiel sein, dass wir als Fach­kräf­te eine Fami­lie beglei­ten, in der ein Kind von einer Behin­de­rung betrof­fen ist. Die Auf­ga­be ist es, hier nicht nur die pas­sen­de Behand­lung und indi­vi­du­el­le För­de­rung des Kin­des zu orga­ni­sie­ren, son­dern auch den Rest der Fami­lie, Res­sour­cen und Risi­ko­fak­to­ren im Blick zu behal­ten. 

 Womit beschäf­ti­gen Sie sich genau?   

Aktu­ell beschäf­ti­ge ich mich am inten­sivs­ten mit dem Bereich Sozi­al­psych­ia­trieDas Zusam­men­spiel von indi­vi­du­el­len und gesell­schaft­li­chen Risi­ko­fak­to­ren, Resi­li­enz und Res­sour­cen­för­de­rung spielt in der Sozia­len Arbeit eine gro­ße Rol­le. Dass – wie sich auch in der aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Debat­te zeigt – sehr vie­le Men­schen von psy­chi­schen Erkran­kun­gen betrof­fen sind, spie­gelt sich natür­lich auch in unse­rer prak­ti­schen Arbeit wider. Mir ist es daher wich­tig, dem The­ma auch in der Leh­re aus­rei­chend Raum zu geben und den Stu­die­ren­den ein fun­dier­tes Wis­sen mit­zu­ge­ben. 

Ich möch­te einen Raum schaf­fen, in dem man sich mit eige­nen Erfah­run­gen und Denk­mus­tern aus­ein­an­der­set­zen kann.

Was macht Ihnen in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin besonders Freude und was möchten Sie den Studierenden mitgeben? 

An der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie sind die Stu­die­ren­den oft sehr reflek­tiert und moti­viert. Sie brin­gen bereits einen gro­ßen Erfah­rungs­schatz mit und set­zen sich gern kri­tisch mit The­men aus­ein­an­der. So macht das Leh­ren, Dis­ku­tie­ren, Reflek­tie­ren gro­ßen Spaß. 

 

Ich möch­te einen Raum schaf­fen, in dem man sich mit eige­nen Erfah­run­gen und Denk­mus­tern aus­ein­an­der­set­zen kann. Zudem hal­te ich es für wich­tig, einen rea­lis­ti­schen Ein­blick in das Ver­sor­gungs­sys­tem, zu dem ja auch wir gehö­ren, zu erhal­ten. So ver­su­che ich die Stu­die­ren­den dabei zu unter­stüt­zen, eine wert­schät­zen­de, offe­ne, aber auch kri­ti­sche Hal­tung zu ent­wi­ckeln.  

Dar­über hin­aus beglei­te und bera­te ich Stu­die­ren­de im Bereich Fall­ver­ste­hen und Pra­xis­re­fle­xi­on. 

Berit Kem­pe ist Dozen­tin für den Bereich Gesund­heit und Sozi­al­me­di­zin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin in den Stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit und Heil­päd­ago­gik, die in Koope­ra­ti­on mit der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP) durch­ge­führt wer­den. 

 

Sie arbei­ten im sozia­len Beruf und fra­gen sich, ob ein berufs­be­glei­ten­des Stu­di­um etwas für Sie ist? Infor­mie­ren Sie sich auf der Sei­te unse­rer Stu­di­en­gän­ge

______________________________________

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Titel­bild: Berit Kem­pe (Foto: Klaus Feh­ring)

Maga­zin

Ziem­lich bes­ter Ruhe­stand – wie gelingt ein erfolg­rei­cher Über­gang auf bei­den Sei­ten, Peter Lenn­artz?

Dezem­ber 2024 | Per­so­nal­ent­wick­lung & Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment

Ziemlich bester Ruhestand –  

Wie können Arbeitgeber:innen und Mitarbeiter:innen den Übergang erfolgreich gestalten, Peter Lennartz?

Peter Lenn­artz weiß, wie her­aus­for­dernd der Über­gang vom Berufs­le­ben in den Ruhe­stand sein kann – und wel­che Chan­cen er bie­tet. Als zer­ti­fi­zier­ter Coach und Trai­ner unter­stützt er Men­schen und Unter­neh­men dabei, den Ruhe­stand nicht als Ende, son­dern als Beginn einer neu­en, sinn­vol­len Lebens­pha­se zu gestal­ten.

In die­sem Inter­view spricht Peter Lenn­artz über die Bedeu­tung eines gelun­ge­nen Über­gangs, wel­che Hin­der­nis­se ihn erschwe­ren, wie man sie über­win­den kann und wel­che Vor­tei­le sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen aus einer guten Beglei­tung ihrer Mit­ar­bei­ten­den zie­hen kön­nen.

Paritätische Akademie: Viele möchten sich mit dem Alter jünger fühlen – nach dem Motto „60 ist das neue 40“. Woher kommt diese Einstellung und wo sind ihre Grenzen?

Peter Lenn­artz:  Die Vor­stel­lung, dass 60 das neue 40 ist, spie­gelt die heu­ti­ge Vita­li­tät, Mobi­li­tät und Lebens­freu­de vie­ler Men­schen wider. Sie füh­len sich mit 60 nicht so, wie man sich nach über­hol­ten Alters­kli­schees eigent­lich füh­len soll­te. Die Groß­el­tern waren mit 60 eben anders als die heu­ti­gen 60-jäh­ri­gen.

Den­noch bleibt der bio­lo­gi­sche Alte­rungs­pro­zess nicht ste­hen, und irgend­wann zei­gen sich Gren­zen, die Respekt und Anpas­sung ver­lan­gen. Wich­tig ist, mit einem Lächeln und mit Selbst­be­wusst­sein zu sagen: „Ich bin 60 – und das ist groß­ar­tig!“

Die Gesell­schaft ver­liert an Viel­falt, Stär­ke und Gemein­schafts­ge­fühl, wenn sie dem Alter kei­ne akti­ve­re und respekt­vol­le­re Rol­le ein­räumt.

Trotz alternder Gesellschaft prägen oft negative Bilder über das Alter unser Denken. Wie wirken sich diese auf alternde Menschen, Arbeitgeber:innen und die Gesellschaft aus? 

 

Peter Lenn­artz: Nega­ti­ve Alters­bil­der bis hin zur Alters­dis­kri­mi­nie­rung för­dern Unsi­cher­hei­ten, sen­ken das Selbst­wert­ge­fühl altern­der Men­schen und kön­nen ihnen damit die Chan­ce auf ein erfüll­tes Leben ver­bau­en. Wenn älte­re Mit­ar­bei­ten­de wenig Wert­schät­zung oder sogar Ableh­nung spü­ren, zie­hen sie sich zurück – Stich­wort „inne­re Kün­di­gung“ – und zäh­len die Tage bis zur Ren­te. Das kann für das Unter­neh­men ein ech­ter Ver­lust sein. 

Die Gesell­schaft ver­liert an Viel­falt, Stär­ke und Gemein­schafts­ge­fühl, wenn sie dem Alter kei­ne akti­ve­re und respekt­vol­le­re Rol­le ein­räumt. Daher ist es an der Zeit, das Alter als wert­vol­le Res­sour­ce neu zu den­ken.

 

Sie sehen den Ruhestand als „geschenkte Jahre“. Wie kommen Sie zu dieser Sichtweise, und wie kann man diese Haltung für mehr Gesundheit und Zufriedenheit im Ruhestand nutzen?

 

Peter Lenn­artz: Ich betrach­te den Ruhe­stand wie eine Ein­la­dung, sich selbst neu zu ent­de­cken – wie ein Geschenk, das man aus­packt und danach zu schät­zen und zu lie­ben lernt.

Wer mit einer posi­ti­ven Hal­tung, mit Vor­freu­de, Neu­gier­de und dem Mut zu neu­en Erfah­run­gen in die­se Pha­se geht, kann vie­le erfüll­te Jah­re erle­ben. Freu­de, Her­aus­for­de­run­gen, Bewe­gung und sozia­le Kon­tak­te brin­gen Vita­li­tät und Fri­sche. Das hält den Kör­per fit und den Geist jung. Bes­ser als jede Anti-Aging-Creme!

Unter­stüt­zung in die­ser Pha­se bin­det wert­vol­le Kom­pe­ten­zen, stärkt die Unter­neh­mens­kul­tur und ver­leiht der Orga­ni­sa­ti­on nach­hal­ti­ge Strahl­kraft als sozia­ler Ver­ant­wor­tungs­trä­ger. 

 

Welche Vorteile haben soziale Einrichtungen und Arbeitgeber:innen der Sozialwirtschaft davon, ihren Mitarbeitenden einen erfolgreichen Übergang in den Ruhestand zu erleichtern? 

 

Peter Lenn­artz: Ein gut vor­be­rei­te­ter Über­gang in den Ruhe­stand schenkt allen Betei­lig­ten neue Per­spek­ti­ven: Die Mit­ar­bei­ten­den gehen gut vor­be­rei­tet, selbst­be­wuss­ter und mit einem Lächeln in die letz­ten Berufs­jah­re.

Durch die Unter­stüt­zung in die­ser Pha­se und die ent­ge­gen­ge­brach­te Wert­schät­zung ent­steht ein posi­ti­ves Mit­ein­an­der, das noch lan­ge nach­wirkt – eine ech­te Win-win-Situa­ti­on. Sie bin­det wert­vol­le Kom­pe­ten­zen, stärkt die Unter­neh­mens­kul­tur und ver­leiht der Orga­ni­sa­ti­on nach­hal­ti­ge Strahl­kraft als sozia­ler Ver­ant­wor­tungs­trä­ger.

Enga­gier­te Mit­ar­bei­ten­de kön­nen zudem in unter­stüt­zen­der Funk­ti­on als Mentor:innen, Berater:innen oder ehren­amt­li­cher Mit­ar­bei­ten­de erhal­ten blei­ben.

Was können Arbeitgeber:innen noch tun, um ihren Mitarbeitenden einen erfolgreichen Übergang zu ermöglichen?  

 

Peter Lenn­artz: Der Über­gang in den Ruhe­stand soll­te früh­zei­tig als „Pro­jekt“ ange­gan­gen wer­den – ein Pro­jekt, das Vor­freu­de weckt und die letz­te Berufs­pha­se bewusst gestal­tet.

Die Zau­ber­wor­te lau­ten hier: Kom­mu­ni­ka­ti­on, Offen­heit und Ehr­lich­keit. Früh­zei­ti­ge Gesprä­che, regel­mä­ßi­ge Gesprächs­run­den, Work­shops oder Coa­ching­pro­gram­me hel­fen, den Über­gang in den Ruhe­stand posi­tiv zu beglei­ten und die Ver­bin­dung zur Beleg­schaft zu stär­ken.

Ein beson­de­rer Mehr­wehrt ent­steht, wenn zukünf­ti­ge Ruheständler:innen Wis­sen und Erfah­rung als Mentor:innen an Jün­ge­re wei­ter­ge­ben. Dies för­dert den Wis­sens­trans­fer und schafft gleich­zei­tig eine Brü­cke zwi­schen den Gene­ra­tio­nen.

Orga­ni­sa­tio­nen, die Per­spek­ti­ven für die Zeit nach der Berufs­tä­tig­keit bie­ten, schaf­fen Sicher­heit und Wert­schät­zung, stär­ken die Unter­neh­mens­kul­tur und för­dern den Zusam­men­halt. 

Vie­len Dank für das Inter­view, Peter Lenn­artz! 

 

Sie möch­ten mehr dar­über erfah­ren, wie Sie selbst Ihren Ruhe­stand vor­be­rei­ten oder Ihre Mit­ar­bei­ten­den dabei unter­stüt­zen kön­nen? Mel­den Sie sich hier zu Peter Lenn­artz Semi­nar Ziem­lich bes­ter Ruhe­stand – der gelun­ge­ne Über­gang in die neue Lebens­pha­se! an. 

_______________________________________

Redak­ti­on: Lucas Frye (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto im Titel­bild: Peter Lenn­artz (Foto: Lena Stie­low) 

Ziem­lich bes­ter Ruhe­stand – der gelun­ge­ne Über­gang in die neue Lebens­pha­se!

Semi­nar

16. Okto­ber 2025

Par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung. Vier Kern­kom­pe­ten­zen für Betei­li­gung und Ver­än­de­rungs­fä­hig­keit im Team

Zer­ti­fi­kats­kurs

Start: 11. Sep­tem­ber 2025

Kollegiale Fallberatung – gemeinsam neue Lösungen generieren

Seminar

9. Sep­tem­ber 2025

AUCH INTERESSANT

Maga­zin

Janu­ar 2024 | Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment

Soziale Gerechtigkeit und soziale Arbeit machen gesund!

Unter sozialer Gerechtigkeit verstehen Menschen meistens gute Lebens- und Arbeitsbedingungen. Diese sind mit vielen Faktoren verbunden wie Bezahlung und Absicherung, aber auch der Zugang zu Bildung und die gerechte Verteilung von Lasten in der Gesellschaft, zum Beispiel zwischen den Geschlechtern und Generationen. So entsteht schließlich das Gefühl an einer Gemeinschaft teilzuhaben, in diese eingebunden zu sein und an ihr mitwirken zu können.

In diesem Beitrag behandeln wir die Frage, warum soziale Gerechtigkeit wichtig für unsere Gesundheit ist, und welchen Beitrag soziale Arbeit dazu leisten kann.

Die Wissenschaft der Psycho-Neuro-Immunologie (PNI) belegt eindrücklich: Seele und Geist, Gehirn, Nerven‑, Hormon- und Immunsystem beeinflussen wechselseitig Gesundheit und Krankheit. Das individuelle und soziale Befinden des einzelnen Menschen wird durch das soziale Umfeld beeinflusst. So fördern Teilhabe und soziale Gerechtigkeit die individuelle wie auch gesellschaftliche Gesundheit.

Wie genau hängen soziale Gerechtigkeit und soziale Arbeit mit Gesundheit zusammen?

Armut und soziale Ausgrenzung machen krank. Wenn Beziehungen, soziale Ausgrenzung oder der Job chronisch stressen, macht das anfälliger für Infektionen: Chronischer Stress verkürzt unser Leben erheblich und führt langfristig zu schweren Leiden und kann den Ausbruch von Krebs und Autoimmunkrankheiten fördern, so Ellis Huber (Vorstandsvorsitzender des Berufsverbandes der Präventologen e.V.). Umgekehrt mobilisieren soziale

Einbindung, positive Gedanken oder seelische Ausgeglichenheit und inneres Wohlbefinden unsere Selbstheilungskräfte und unser Gesundheitspotential. 

Das Ziel der Medizin und der sozialen Arbeit sollte sein: Gesunde Menschen in gesunden Lebenswelten. Dafür müssen beide ihren Teil zur Gesundheitsförderung beitragen. Die Medizin muss lernen, sich sozialer zu orientieren und mit den Trägern der sozialen Arbeit kooperieren. Denn um die Krankheiten unserer Zeit zu bewältigen, brauchen wir die Pflege sowie sozialpädagogische, psychosoziale und soziokulturelle Dienste. Deshalb sind Gemeinwesenarbeit, die zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation, psychosoziale und sozialpflegerische Versorgungsdienste oder die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche so wichtige Pfeiler einer gesunden Zukunft.

Sind Orga­ni­sa­tio­nen, die ein effek­ti­ves Gesund­heits­ma­nage­ment umset­zen, erfolg­rei­cher?

Eine Gesellschaft ist umso sozial gerechter, je mehr Menschen an ihr teilhaben, sie mitbestimmen und aktiv eingebunden sind. Diese Faktoren haben eine ebenso heilsame Wirkung, wie Medikamente oder medizinische

Interventionen. Herzinfarkte sind zum Beispiel häufiger, wenn Menschen sozial entwurzelt sind und unter ständigem Existenzdruck stehen. Das gilt auch für die Verhältnisse innerhalb eines Betriebs, die sich auf die Mitarbeitenden und Klient:innen auswirken.

Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit in Arbeitsprozessen, Kooperationsgeist im gemeinsamen Wirken oder einer wertschätzender Führungskultur beflügeln Produktivität und Ergebnisse der Arbeit in Organisationen und autonomen Teams. Sind die Arbeitsverhältnisse hingegen mit einem hohen Maß an Kontrolle und Autorität verbunden, gehen damit erhöhte Krankenstände und mangelndes Engagement für die gemeinsame Sache einher.

In betrieblichen, sozialen oder kommunalen Settings kann das Gesundheitsmanagement die Produktivität und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden ebenso verbessern wie die Arbeitsergebnisse und die Zufriedenheit von Klient:innen, Patient:innen oder Hilfsbedürftigen. Gesundheit kann als Maßstab für gelingende soziale Dienstleistung gesehen und eingesetzt werden.

Wie können Organisationen Gesundheitskompetenz und ‑förderung angehen?

Macht und Geld als Anreiz und Ziel machen kein gesundes Arbeiten möglich. Gesunde Organisationen setzen auf:

1. Freie Selbstorganisation

Um eigenverantwortlich zu agieren, müssen Teams ihre Verantwortungsbereiche kennen und Methoden erwerben,

mit denen sie gute Entscheidungen treffen können. Das bedeutet auch ein neues Führungsverständnis. Auch für Führungskräfte, die dabei „loslassen“ lernen müssen.

 

Das viertägige Seminar „Agile Führung“ hilft Ihnen dabei, mit dieser Umstellung reflektiert und bewusst umzugehen.

2. Selbstwirksamkeit

Wie gehe ich beispielsweise konstruktiv mit Konflikten und herausfordernden Lebenssituationen um? Salutogenese, also die Entstehung von Gesundheit durch eine gute Stressbewältigung und Selbstwirksamkeit, zählt zu einem der Grundkonzepte des gesundheitsförderlichen Handelns. Diese Kompetenz können Mitarbeitende der Organisation erlernen oder als zertifizierte Trainer:innen in Kursen weitergeben.

3. Interdisziplinäre Teamkulturen

Oft hapert es schon am gegenseitigen Verständnis unterschiedlicher Abteilungen füreinander. Interdisziplinäre Teams arbeiten von Beginn an fachübergreifend eng miteinander zusammen. So wird eine ganzheitliche Perspektive geschaffen. Komplexe Probleme werden eher erkannt und Lösungen gemeinsam erarbeitet.

4. Eine Orientierung an Sinn und Wirkung

Wozu gibt es uns? Ein Sinn in der Arbeit gibt Orientierung und motiviert Mitarbeitende, sich in die Organisation einzubringen. Es braucht aber auch das Gefühl der Wirkung. Führen die Kraft und Energie, die wir täglich aufbringen, zu einem guten Ergebnis? Hier hilft es, gemeinsam klare, wirkungsorientierte Ziele aufzustellen und die eigene Praxis regelmäßig zu reflektieren.

Der Zertifikatskurs Wirkungsmanagement führt Sie in die Denkweisen der Wirkungsorientierung ein und befähigt Sie dazu, Prozesse in Ihrer Organisation auf eine wirkungsorientierte Arbeitsweise umzustellen.

Gesundheitsförderliche Führungskulturen und lebendige Teams entwickeln ihre eigene Gesundheitskompetenz stetig weiter und achten auf ein gesundheitsdienliches Arbeitsklima. Das macht Organisationen krisenfest und

resilient. Es macht auch soziale, pflegerische und pädagogische Arbeit leistungsstark.

Mit diesem Ziel und in diesem Sinne hat die Paritätische Akademie in enger Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Präventologen eine breite Palette unterschiedlicher und innovativer Qualifizierungsangebote

entwickelt. Sie können die damit verbundenen Chancen zur persönlichen Entwicklung und zur Organisations- und Trägerentwicklung nutzen. Wenn Sie für sich selbst, für ihre Klient:innen und Patient:innen oder ihre Organisation

mehr Gesundheitskompetenz und Gesundheitsnutzen anstreben, finden Sie hier bei der Paritätischen Akademie das passende Angebot unter der Kategorie Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Wir bilden sozialpädagogische Fachkräfte auch als Gesundheits- und Lebenskompetenz Trainer:innen (GLK) aus, wodurch eine selbstständige Durchführung von Gesundheitskursen ermöglicht wird.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Ellis Huber entstanden. Er ist Vorstandsvorsitzender des Berufsverbandes der Präventologen e.V. und seit 30 Jahren Mitglied im Vorstand des Paritätischen Landesverbands Berlin. Sein Ziel ist es, das Thema Gesundheit in der sozialen Arbeit stärker zu verankern.

Qua­li­fi­zie­rung zur/m GLK-Gesund­heits- und Lebens­kom­pe­tenz Trai­ne­rIn

Zer­ti­fi­kats­kurs

Start: April 2024

Gesundheitskompetenzen und Salutogenese – eine Einladung zur Schatzsuche

Seminar

16. & 17.März 2024

Die Psy­cho­neu­ro­im­mu­no­lo­gie und ihre Aus­wir­kung auf das sozia­le Leben

Semi­nar

27. & 28. April 2024

AUCH INTERESSANT