Maga­zin

Sozi­al­ar­beit in den USA vs. in Deutsch­land? Inno­va­ti­ve Kon­zep­te aus New York (5 Fra­gen an Chris Han­way)

April 2026

Sozialarbeit in den USA vs. Deutschland?

Über Inno­va­ti­ve Kon­zep­te aus New York (5 Fra­gen an Chris Han­way)

mit deut­scher Über­set­zung wei­ter unten

Wie wird Sozia­le Arbeit in den USA gedacht und umge­setzt? Und was kön­nen Fach­kräf­te in Deutsch­land dar­aus mit­neh­men? Chris Han­way (Bild Mit­te), Mit­or­ga­ni­sa­tor der jähr­li­chen New-York-Rei­se und ver­ant­wort­lich für das Aus­tausch-Pro­gramm, gibt Ein­bli­cke in sei­ne Arbeit an soge­nann­ten Sett­le­ment Hou­ses vor Ort. Im Inter­view spricht er über die wich­tigs­ten Unter­schie­de zwi­schen Deutsch­land und den USA in der sozia­len Arbeit und dar­über, wel­chen Mehr­wert inter­na­tio­na­le Aus­tausch­for­ma­te wie die­se für die Pra­xis bie­ten.

Dear Chris, you’ve been working at Jacob A. Riis Neigh­bor­hood Sett­le­ment for more than 17 years, inclu­ding seve­ral years as exe­cu­ti­ve direc­tor. What moti­va­ted you per­so­nal­ly to work the­re? 

I had been working at lar­ger NGO rela­ted to health care, archi­tec­tu­re, and sup­port for vic­tims of crime and all of them were gra­ti­fy­ing and chal­len­ging, but I was loo­king for an oppor­tu­ni­ty to work direct­ly in com­mu­ni­ties, par­ti­cu­lar­ly in com­mu­ni­ties that are often over­loo­ked and negle­c­ted. At the time, I had no idea what a Sett­le­ment House was, but the job pos­ting see­med to offer the pos­si­bi­li­ty of working direct­ly with the com­mu­ni­ty, lear­ning from them just as I hoped they could learn from me. I never drea­med that a few years later, I would beco­me Exe­cu­ti­ve Direc­tor and remain at Riis Sett­le­ment for over 17 years and coun­ting!

Sett­le­ment hou­ses like Riis Sett­le­ment are not very com­mon in Ger­ma­ny. Could you descri­be what your work invol­ves and what a typi­cal day is like for you as the exe­cu­ti­ve direc­tor?

My work invol­ves a litt­le bit of ever­y­thing, which is exact­ly why I love it. As a Sett­le­ment House, Riis is neces­s­a­ri­ly a mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­on, so we work with child­ren, youth, adults of all ages espe­ci­al­ly older adults, as well as immi­grants from around the world. I am invol­ved and expo­sed to all of our pro­gram­ma­tic acti­vi­ties from after-school pro­gramming for kids, to Eng­lish lan­guage clas­ses for immi­grants, to pro­vi­si­on of meals to food-inse­cu­re-neigh­bors. But of cour­se, I also fund­rai­se, inter­act with govern­ment offi­ci­als, over­see the finan­ces of the orga­niza­ti­on and a who­le lot more. One thing that I try to ensu­re every sin­gle day is that Riis Sett­le­ment is empowe­ring our com­mu­ni­ty, doing and acting WITH, not for or to the com­mu­ni­ty. Our com­mu­ni­ty is fil­led with strength and power and effect chan­ge them­sel­ves. We are hel­pers.  

The­re is some­thing spe­cial about this inten­se­ly local,

mul­ti-gene­ra­tio­nal/ inter­ge­ne­ra­tio­nal, mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­ons with mul­ti­ple points of ent­ry, which ser­ve as com­mu­ni­ty hubs, town squa­res, safe spaces and places of per­son expres­si­on all at once. 

Chris Han­way

What do you think are the main simi­la­ri­ties and dif­fe­ren­ces bet­ween social work in the United Sta­tes and in Ger­ma­ny? 

I think social work in both the United Sta­tes and Ger­ma­ny is groun­ded in shared values such as pro­mo­ting social jus­ti­ce, sup­port­ing and empowe­ring vul­nerable popu­la­ti­ons, and impro­ving well-being across the life­span. In the U.S. social work is more stron­gly shaped by our decen­tra­li­zed wel­fa­re sys­tem and grea­ter reli­ance on non­pro­fit and pri­va­te ser­vices, while your social work ope­ra­tes within a more com­pre­hen­si­ve, sta­te-cen­te­red model. Despi­te the­se struc­tu­ral dif­fe­ren­ces, social workers in both count­ries face simi­lar chal­lenges, inclu­ding hea­vy casel­oads, emo­tio­nal stress, and the need to adapt prac­ti­ce to chan­ging rea­li­ties, espe­ci­al­ly around migra­ti­on and agin popu­la­ti­ons. 

What do you think social workers in Ger­ma­ny could learn from their col­le­agues in the United Sta­tes, or spe­ci­fi­cal­ly in New York?

I think they could learn how to suc­cessful­ly com­bi­ne advo­ca­cy, com­mu­ni­ty orga­ni­zing, case manage­ment, cli­ni­cal work, and admi­nis­tra­ti­ve fines­se. I say this, not becau­se Ger­man Social Workers don’t do the­se things, but becau­se social workers in New York City seem to have to be able to do all of them every sin­gle day. I am not a trai­ned or licen­sed social worker, but I work with many of them, of cour­se, and I am ama­zed by how they are able to mana­ge and jugg­le all of the­se dif­fe­rent neces­sa­ry skills to make their jobs work and help their cli­ents and neigh­bors.

Having work­ed on seve­ral exch­an­ge pro­grams, what are some moments that par­ti­ci­pan­ts often descri­be as eye-ope­ning? And is the­re any­thing you par­ti­cu­lar­ly like to show Ger­man social workers during their visit?

They love visi­ting Sett­le­ment Hou­ses, of cour­se! 😊 The­re is some­thing spe­cial about this inten­se­ly local,

mul­ti-gene­ra­tio­nal/ inter­ge­ne­ra­tio­nal, mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­ons with mul­ti­ple points of ent­ry, which ser­ve as com­mu­ni­ty hubs, town squa­res, safe spaces and places of per­son expres­si­on all at once. We ser­ve grand­par­ents and their grand­child­ren and bring many dif­fe­rent types of peo­p­le from within the com­mu­ni­ty tog­e­ther and the­re is some­thing magi­cal and life-affir­ming about that. 

Deut­sche Über­set­zung

Lie­ber Chris, du arbei­test seit mehr als 17 Jah­ren bei Jacob A. Riis Neigh­bor­hood Sett­le­ment, davon meh­re­re Jah­re als Geschäfts­füh­rer. Was hat dich per­sön­lich dazu moti­viert, dort zu arbei­ten?  

Ich hat­te zuvor bei grö­ße­ren NGOs in den Berei­chen Gesund­heits­we­sen, Archi­tek­tur und Opfer­hil­fe gear­bei­tet, und all die­se Tätig­kei­ten waren erfül­lend und her­aus­for­dernd, aber ich such­te nach einer Mög­lich­keit, direkt in den Gemein­den zu arbei­ten, ins­be­son­de­re in sol­chen, die oft über­se­hen und ver­nach­läs­sigt wer­den. Damals hat­te ich kei­ne Ahnung, was ein Sett­le­ment Haus ist, aber die Stel­len­an­zei­ge schien die Mög­lich­keit zu bie­ten, direkt mit der Gemein­schaft zu arbei­ten und von ihr zu ler­nen, genau­so wie ich hoff­te, dass sie von mir ler­nen könn­te. Ich hät­te mir nie träu­men las­sen, dass ich weni­ge Jah­re spä­ter Geschäfts­füh­rer wer­den und über 17 Jah­re lang bei Riis Sett­le­ment blei­ben wür­de – und es geht immer noch wei­ter! 

Sett­le­ment-Häu­ser wie das Riis Sett­le­ment sind in Deutsch­land eher unbe­kannt. Könn­ten Sie beschrei­ben, wor­in Ihre Arbeit besteht und wie ein typi­scher Tag für Sie als Geschäfts­füh­rer aus­sieht?

Mei­ne Arbeit umfasst ein biss­chen von allem, und genau des­halb lie­be ich sie. Als „Sett­le­ment House“ ist Riis zwangs­läu­fig eine Orga­ni­sa­ti­on mit viel­fäl­ti­gen Dienst­leis­tungs­an­ge­bo­ten. Des­halb arbei­ten wir mit Kin­dern, Jugend­li­chen, Erwach­se­nen jeden Alters – ins­be­son­de­re mit Senio­ren – sowie mit Migrant:innen aus aller Welt zusam­men. Ich bin an all unse­ren pro­gram­ma­ti­schen Akti­vi­tä­ten betei­ligt und mit ihnen ver­traut, von der Nach­mit­tags­be­treu­ung für Kin­der über Eng­lisch­kur­se für Migrant:innen bis hin zur Essens­aus­ga­be für Nachbar:innen, die unter Ernäh­rungs­un­si­cher­heit leben. Aber natür­lich küm­me­re ich mich auch um das Fund­rai­sing, ste­he im Aus­tausch mit Behördenvertreter:innen, über­wa­che die Finan­zen der Orga­ni­sa­ti­on und vie­les mehr. Eine Sache, die ich jeden Tag sicher­stel­len möch­te, ist, dass Riis Sett­le­ment unse­re Gemein­schaft stärkt und MIT ihr han­delt, nicht FÜR sie oder an ihr. Unse­re Gemein­schaft ist vol­ler Kraft und Stär­ke und kann selbst Ver­än­de­run­gen bewir­ken. Wir sind Hel­fen­de.   

Die­se stark lokal ver­an­ker­ten, gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Orga­ni­sa­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten und zahl­rei­chen Zugangs­mög­lich­kei­ten haben etwas ganz Beson­de­res an sich: Sie die­nen gleich­zei­tig als Dreh- und Angel­punkt der Gemein­schaft, als Stadt­platz, als siche­rer Ort und als Raum für die per­sön­li­che Ent­fal­tung.

Chris Han­way

Was sind Ihrer Mei­nung nach die wich­tigs­ten Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de zwi­schen der Sozi­al­ar­beit in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und in Deutsch­land?  

Ich den­ke, dass die Sozi­al­ar­beit sowohl in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten als auch in Deutsch­land auf gemein­sa­men Wer­ten basiert, wie der För­de­rung sozia­ler Gerech­tig­keit, der Unter­stüt­zung und Stär­kung benach­tei­lig­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen sowie der Ver­bes­se­rung des Wohl­be­fin­dens über alle Lebens­pha­sen hin­weg. In den USA ist die Sozi­al­ar­beit stär­ker von unse­rem dezen­tra­li­sier­ten Sozi­al­sys­tem und einer grö­ße­ren Abhän­gig­keit von gemein­nüt­zi­gen und pri­va­ten Dienst­leis­tun­gen geprägt, wäh­rend Ihre Sozi­al­ar­beit im Rah­men eines umfas­sen­de­ren, staat­lich aus­ge­rich­te­ten Modells funk­tio­niert. Trotz die­ser struk­tu­rel­len Unter­schie­de ste­hen Sozialarbeiter:innen in bei­den Län­dern vor ähn­li­chen Her­aus­for­de­run­gen, dar­un­ter hohe Fall­zah­len, emo­tio­na­ler Stress und die Not­wen­dig­keit, die Pra­xis an sich wan­deln­de Rea­li­tä­ten anzu­pas­sen, ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit Migra­ti­on und einer altern­den Bevöl­ke­rung. 

Was könn­ten Sozialarbeiter:innen in Deutsch­land Ihrer Mei­nung nach von ihren Kolleg:innen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten oder spe­zi­ell in New York ler­nen?

Ich glau­be, sie kön­nen ler­nen, wie man Inter­es­sen­ver­tre­tung, Gemein­schafts­ar­beit, Fall­ma­nage­ment, kli­ni­sche Arbeit und admi­nis­tra­ti­ves Geschick erfolg­reich mit­ein­an­der ver­bin­det. Ich sage das nicht, weil deut­sche Sozialarbeiter:innen die­se Din­ge nicht tun, son­dern weil Sozialarbeiter:innen in New York City offen­bar in der Lage sein müs­sen, all das jeden Tag zu bewäl­ti­gen. Ich bin kein aus­ge­bil­de­ter oder zuge­las­se­ner Sozi­al­ar­bei­ter, aber ich arbei­te natür­lich mit vie­len von ihnen zusam­men und bin beein­druckt davon, wie sie all die­se ver­schie­de­nen not­wen­di­gen Fähig­kei­ten unter einen Hut brin­gen und jon­glie­ren, um ihre Arbeit zu bewäl­ti­gen und ihren Klient:innen und Nachbar:innen zu hel­fen.   

Sie haben bereits an meh­re­ren Aus­tausch­pro­gram­men mit­ge­wirkt – wel­che Momen­te wer­den von den Teil­neh­mern oft als beson­ders auf­schluss­reich erlebt? Und gibt es etwas, das Sie deut­schen Sozi­al­ar­bei­tern wäh­rend ihres Besuchs beson­ders ger­ne zei­gen?

Natür­lich besu­chen sie ger­ne die Sett­le­ment Häu­ser! 😊 Die­se stark lokal ver­an­ker­ten, gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Orga­ni­sa­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten und zahl­rei­chen Zugangs­mög­lich­kei­ten haben etwas ganz Beson­de­res an sich: Sie die­nen gleich­zei­tig als Dreh- und Angel­punkt der Gemein­schaft, als Stadt­platz, als siche­rer Ort und als Raum für die per­sön­li­che Ent­fal­tung. Wir betreu­en Groß­el­tern und ihre Enkel­kin­der und brin­gen vie­le ver­schie­de­ne Men­schen aus der Gemein­schaft zusam­men und das hat etwas Magi­sches und Lebens­be­ja­hen­des an sich.   

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Redak­ti­on: Lucas Frye (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Prof. Stapf-Finé (li), Chris Han­way (mi) und Dilek Yük­sel (re) – 2022, New York

Maga­zin

Neue Pro­fes­so­rin für Heil­päd­ago­gik – Prof. Dr. Mela­nie Knaup stellt sich vor

Febru­ar 2026

Neue Pro­fes­so­rin für Heil­päd­ago­gik

Prof. Dr. Mela­nie Knaup stellt sich vor!

Wer darf mit­re­den? Wer wird gehört? Wer gehört dazu? Für Prof. Dr. Mela­nie Knaup fängt Inklu­si­on bei Spra­che, Bil­dung und kul­tu­rel­ler Teil­ha­be an. Sie beschäf­tigt sich damit, was Teil­ha­be für Men­schen mit kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gun­gen bedeu­tet und was Fach­kräf­te brau­chen, um die­se mög­lich zu machen. Seit 2026 hat sie eine Pro­fes­sur im Stu­di­en­gang Heil­päd­ago­gik an der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP), den die Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin gemein­sam mit ihr durch­führt, inne.

Frau Prof. Dr. Knaup, womit beschäf­ti­gen Sie sich und wie sind Sie dazu gekom­men? 

Mich hat früh beschäf­tigt, wie Men­schen Zugang zu Bil­dung, Spra­che und kul­tu­rel­len Räu­men erhal­ten und wel­che Bar­rie­ren gesell­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Teil­ha­be ver­hin­dern. Die Literatur‑, Kul­tur- und Medi­en­wis­sen­schaft hat dahin­ge­hend mein Den­ken in Bezug auf Fra­gen kul­tu­rel­ler Bil­dung, Teil­ha­be und wie Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen in Medi­en reprä­sen­tiert sind, geprägt. Als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin am Insti­tut für För­der­päd­ago­gik und Inklu­si­ve Bil­dung der Jus­tus-Lie­big-Uni­ver­si­tät Gie­ßen habe ich schwer­punkt­mä­ßig zur Teil­ha­be von Men­schen mit kogni­ti­ver Beein­träch­ti­gung geforscht. 

In mei­ner wis­sen­schaft­li­chen Arbeit und in der päd­ago­gi­schen Pra­xis wur­de deut­lich, dass Inklu­si­on nicht nur sozia­le, son­dern immer auch kul­tu­rel­le Teil­ha­be bedeu­tet. In mei­ner Pro­mo­ti­on unter­such­te ich, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen kul­tu­rel­le Bil­dung und Teil­ha­be für Men­schen mit kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gun­gen ermög­licht wer­den kann und wie erfah­rungs­be­zo­ge­ne und bedeu­tungs­stif­ten­de Zugän­ge all­täg­li­che Lern­pro­zes­se unter­stüt­zen. 

Wor­um geht es in der Heil­päd­ago­gik nach Ihrem Ver­ständ­nis? 

Heil­päd­ago­gik beschäf­tigt sich mit der Unter­stüt­zung von Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen in allen Lebens­pha­sen. Ziel ist es, Selbst­be­stim­mung, Ent­wick­lung und gesell­schaft­li­che Teil­ha­be zu ermög­li­chen. Dazu gehört aus­drück­lich auch kul­tu­rel­le Teil­ha­be – also der Zugang zu Bil­dung, Spra­che, Kunst, Medi­en, Erin­ne­rungs­kul­tur und gesell­schaft­li­cher Aus­drucks­fä­hig­keit. 

Heil­päd­ago­gik ver­bin­det wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se mit einer kla­ren ethi­schen Ori­en­tie­rung: Jeder Mensch hat ein Recht auf Wür­de, Ent­wick­lung, kul­tu­rel­len Aus­druck und gesell­schaft­li­che Zuge­hö­rig­keit. 

Was möch­ten Sie den Stu­die­ren­den wei­ter­ge­ben?  

Mir ist wich­tig, Stu­die­ren­den fach­li­che Sicher­heit, refle­xi­ve Pro­fes­sio­na­li­tät und eine kla­re Hal­tung zu ver­mit­teln. Dazu gehö­ren Res­sour­cen­ori­en­tie­rung, Aner­ken­nung von Viel­falt sowie die Über­zeu­gung, dass jeder Mensch ein Recht auf Bil­dung, Aus­druck und kul­tu­rel­le Teil­ha­be hat. Mein Ansatz ver­bin­det wis­sen­schaft­li­che Fun­die­rung, Pra­xis­nä­he und Bezie­hung. Heil­päd­ago­gi­sches Han­deln ist für mich immer auch eine Fra­ge von Hal­tung, Ver­ant­wor­tung und gesell­schaft­li­cher Zuge­hö­rig­keit. 

Wor­auf freu­en Sie sich beson­ders in Ihrer Lehr­tä­tig­keit an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin? 

Ich freue mich beson­ders auf die Arbeit mit enga­gier­ten Stu­die­ren­den, die Heil­päd­ago­gik als gesell­schaft­lich rele­van­te und gestal­ten­de Pro­fes­si­on ver­ste­hen. Beson­ders wich­tig ist mir der Dia­log – gemein­sam zu reflek­tie­ren, Per­spek­ti­ven zu ent­wi­ckeln und pro­fes­sio­nel­le Hand­lungs­si­cher­heit auf­zu­bau­en. 

Zur Person

Prof. Dr. Mela­nie Knaup

Schwer­punk­te:

  • Inklu­si­on und Teil­ha­be, u.a. kul­tu­rel­le Teil­ha­be und kul­tu­rel­le Bil­dung 
  • Pro­fes­sio­na­li­sie­rung päd­ago­gi­scher Fach­kräf­te 
  • Ein­stel­lun­gen und Hal­tun­gen in inklu­si­ven Kon­tex­ten 
  • Sprach­ent­wick­lung und Sprach­för­de­rung 
  • per­so­nen­zen­trier­te Teil­ha­be­pla­nung  
  • pro­fes­sio­nel­le Hand­lungs­kom­pe­tenz in heil­päd­ago­gi­schen Arbeits­fel­dern 

Seit Janu­ar 2026 ist Mela­nie Knaup Pro­fes­so­rin für Heil­päd­ago­gik und inklu­si­ve Päd­ago­gik an der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP).  In Koope­ra­ti­on mit der HSAP lehrt sie in der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin im Bache­lor­stu­di­en­gang Heil­päd­ago­gik unter ande­rem in den Berei­chen Sprach­heil­päd­ago­gik, Spiel­päd­ago­gik und Teil­ha­be­pla­nung sowie in wei­te­ren heil­päd­ago­gi­schen Modu­len. Dar­über hin­aus unter­rich­tet sie im Koope­ra­ti­ons­stu­di­en­gang Sozia­le Arbeit im Modul „Teil­ha­be und Inklu­si­on“. In den dua­len Stu­di­en­gän­gen der HSAP lehrt sie im Stu­di­en­gang Kind­heits­päd­ago­gik im Bereich Sprach­ent­wick­lung und Sprach­för­de­rung. 

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Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Mela­nie Knaup

Maga­zin

New York, New York! Eine Stu­di­en­rei­se zeig­te auf, wel­che wich­ti­ge Bedeu­tung Peers in der Sozi­al­ar­beit haben

Febru­ar 2025 | Rei­se­be­richt

New York, New York!

Eine Studienreise nach New York zeigt, welche wichtige Bedeutung Peers in der Sozialarbeit haben

Per­so­nen mit ähn­li­chen Erfah­run­gen oder Hin­ter­grün­den wie die Ziel­grup­pe, wer­den unter dem Begriff Peers gefasst. In der sozia­len Arbeit fun­gie­ren Sie als Unter­stüt­zen­de, Beglei­ten­de oder Vor­bil­der.

Suni­ta Maria Kumar lei­tet in Deutsch­land die Geschäf­te beim Zen­trum für psy­cho­so­zia­le Gesund­heit in Schaum­burg (ZeP­GiS e.V.). In die­sem Bei­trag berich­tet sie über die bedeut­sa­me Arbeit mit Peers in der Sozi­al­ar­beit, die sie auf ihrer Rei­se nach New York City beob­ach­tet hat. 

Im Okto­ber 2024 orga­ni­sier­te die Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin erneut eine Bil­dungs­rei­se nach New York. Es haben sich in die­sem Jahr 11 Sozialarbeiter:innen in sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen vor Ort bege­ben. Der us-ame­ri­ka­ni­sche Ansatz der Sozia­len Arbeit beruht vor allem auf einem Grund­satz: der Stär­kung von Com­mu­ni­ties.

In den USA bewährt – in Deutschland unterschätzt: Das Potenzial der Peers

Nicht jede Per­son hat Zugang zu den Ange­bo­ten der sozia­len Arbeit. Dem hin­zu kommt der Man­gel an Fach­kräf­ten sowie die unzu­rei­chen­de Reprä­sen­ta­ti­on von Min­der­hei­ten in der Sozia­len Arbeit. Peers spie­len daher eine ent­schei­den­de Rol­le, da sie durch ihre eige­ne Erfah­rung näher an den betrof­fe­nen Com­mu­ni­ties sind und die­se bes­ser errei­chen kön­nen.  

Das Poten­zi­al der Peers wird in Deutsch­land nicht aus­ge­schöpft. Im US-ame­ri­ka­ni­schen Sys­tem hat es sich bereits gut als Aus­gleich gegen den Fach­kräf­te­man­gel erwie­sen. Doch es ist nicht nur eine Metho­de, um den Per­so­nal­man­gel abzu­mil­dern, son­dern auch eine Mög­lich­keit, die sozia­le Arbeit viel­fäl­ti­ger, inklu­si­ver und näher an den Bedürf­nis­sen der Com­mu­ni­ties zu gestal­ten. 

Peers schaf­fen einen Aus­gleich gegen Fach­kräf­te­man­gel und sor­gen für ein inklu­si­ve­res Ange­bot

Peers brin­gen durch ihre eige­ne Erfah­rung eine beson­de­re Empa­thie und Authen­ti­zi­tät in die Arbeit ein, die her­kömm­li­che Fach­kräf­te oft nicht in glei­chem Maße bie­ten kön­nen. Sie ste­hen als Gleich­ge­sinn­te auf Augen­hö­he mit den Betrof­fe­nen und schaf­fen dadurch eine beson­de­re Ver­trau­ens­ba­sis. Die­se Art der Unter­stüt­zung passt her­vor­ra­gend in den aktu­el­len Zeit­geist mul­ti­pro­fes­sio­nel­ler Teams, die ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven und Exper­ti­sen zusam­men­brin­gen, um den best­mög­li­chen Sup­port zu leis­ten. In Berei­chen wie der psy­chi­schen Gesund­heit, Sucht­hil­fe oder Obdach­lo­sen­hil­fe kön­nen Peers als wich­ti­ge Bin­de­glie­der zwi­schen den betrof­fe­nen Men­schen und den pro­fes­sio­nel­len Fach­kräf­ten agie­ren. 

Durch die Eta­blie­rung von Peers als pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung kön­nen vor­han­de­ne Sozialarbeiter:innen ent­las­tet wer­den. Die Peer-Spe­zia­lis­ten arbei­ten eng mit Fach­kräf­ten zusam­men, bie­ten aber eine zusätz­li­che Dimen­si­on der Betreu­ung, die auf Gleich­wer­tig­keit und Augen­hö­he beruht.  

Unterstützung mit Perspektive und auf Augenhöhe: Beispiele aus New York City 

Den Zugang zu psy­chi­scher Gesund­heits­ver­sor­gung in der gesam­ten Stadt New York för­dert die Orga­ni­sa­ti­on NYC Mayor’s Office of Com­mu­ni­ty Men­tal Health. Peer-Arbeit ist ein inte­gra­ler Bestand­teil der Arbeit. Dort wer­den Peers aus­ge­bil­det, die durch ihre Nähe zu den Betrof­fe­nen eine wich­ti­ge Brü­cken­funk­ti­on zwi­schen der Com­mu­ni­ty und dem for­mel­len Hil­fe­sys­tem ein­neh­men. Das Ziel ist, Men­schen so früh wie mög­lich zu errei­chen, bevor Kri­sen eska­lie­ren. Bei einem Tref­fen mit einer lei­ten­den Mit­ar­bei­te­rin des Büros wur­de deut­lich, wie stark die Arbeit der Orga­ni­sa­ti­on auf den Auf­bau von Com­mu­ni­ty Resi­li­ence abzielt, also der eige­nen Wider­stands­kraft von Gemein­schaf­ten.

Das Pro­gramm von Howie the Harp, das die Teil­neh­men­den eben­falls auf ihrer Rei­se ken­nen­ge­lernt haben, ver­mit­telt den Betrof­fe­nen nicht nur fach­li­che Fähig­kei­ten für einen Ein­stieg ins Arbeits­le­ben, son­dern legt gro­ßen Wert auf Soft Skills wie Kom­mu­ni­ka­ti­on und Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on.  Wich­ti­ger Bestand­teil des Pro­gramms ist die ‚Housing First Cul­tu­re‘ – ein Kon­zept, das ein siche­res Zuhau­se als Basis für Hei­lung und lang­fris­ti­ge Sta­bi­li­tät betrach­tet.

Auch vie­le Peers befin­den sich in pre­kä­ren Lebens­la­gen, bezie­hen gerin­ge staat­li­che Unter­stüt­zung oder haben ein sehr nied­ri­ges Ein­kom­men. Das Trai­ning selbst erfor­dert ein hohes Zeit­auf­wand. Trotz­dem ist die Erfolgs­ge­schich­te des Pro­gramms beein­dru­ckend: Vie­le der ange­hen­den Peer-Spezialist:innen schaf­fen das Aus­bil­dungs­pro­gramm. Die Absolvent:innen haben dann die Mög­lich­keit, nach einem Prak­ti­kum als Peer-Spezialist:innen in ver­schie­de­nen sozia­len Fel­dern zu arbei­ten.

Die Lage in Deutsch­land

Zwar gibt es ers­te Fort­schrit­te, doch das Poten­zi­al bleibt weit­ge­hend unge­nutzt – die Peer-Arbeit fin­det in Deutsch­land noch immer nur in Nischen statt.

Zum Bei­spiel bie­ten die Ergän­zen­den Unab­hän­gi­gen Teil­ha­be­be­ra­tun­gen (EUT­Bs) Men­schen mit Behin­de­run­gen und ihren Ange­hö­ri­gen „nie­der­schwel­li­ge“ Bera­tun­gen an, die oft von Peers durch­ge­führt wer­den. Die­se Bera­tungs­stel­len sind ein Bei­spiel dafür, wie Men­schen mit eige­ner Erfah­rung ande­ren als Berater:innen zur Sei­te ste­hen und die Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen Leben för­dern. 

Auch in der Sucht­hil­fe hat sich der Ein­satz von Peer-Arbeit bewährt. Eben­so gibt es in der (Sozial-)Psychiatrie bereits Ansät­ze, bei denen Peers durch Wei­ter­bil­dun­gen wie ExIn (Expe­ri­en­ced Invol­vement) pro­fes­sio­nell qua­li­fi­ziert wer­den, um Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen zu unter­stüt­zen.

Ein wei­te­rer inno­va­ti­ver Ansatz ist die Inte­gra­ti­on von Ergotherapeut:innen und Physiotherapeut:innen, um auch Men­schen mit Obdach­lo­sig­keit bes­ser zu errei­chen und zu unter­stüt­zen. 

Fazit 

Die Ein­füh­rung und Ver­tie­fung von Peer-Pro­gram­men in Deutsch­land könn­te einen Durch­bruch für eine inklu­si­ve­re und effek­ti­ve­re Sozi­al­ar­beit dar­stel­len. Es bleibt zu hof­fen, dass der Peer-Sup­port hier­zu­lan­de nicht nur als Rand­phä­no­men behan­delt wird, son­dern sich zu einem inte­gra­len Bestand­teil des sozia­len Hil­fe­sys­tems ent­wi­ckelt. 

 

Ein Bericht von Suni­ta Maria Kumar (Sozi­al- und Orga­ni­sa­ti­ons­päd­ago­gin M.A., Geschäfts­lei­tung ZeP­GiS e.V. – www.zepgis.de )

Impres­sio­nen der New York Rei­se:

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Redak­ti­on: Julia Mann & Lucas Frye (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin )

Foto im Titel­bild: Pexels

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Inhal­te und Metho­den der Sozia­len Grup­pen­ar­beit

Aus­gangs­punkt aller (sozial)pädagogischen Akti­vi­tä­ten sind die jewei­li­gen Bedürf­nis­se und Ent­wick­lungs­auf­ga­ben von Kin­dern und Jugend­li­chen. Dabei ste­hen die Grund­sät­ze der Offen­heit, Frei­wil­lig­keit, Ziel­grup­pen ­ und Lebens­welt­ori­en­tie­rung in Ver­bin­dung mit Ver­bind­lich­keit und Kon­ti­nui­tät in den per­so­nel­len und struk­tu­rel­len Gege­ben­hei­ten im Vor­der­grund. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen machen kla­re, ver­läss­li­che Bezie­hungs­an­ge­bo­te, auf deren Basis sich ein ver­trau­ens­vol­les Mitei­nander ent­wi­ckelt. SGA erfolgt ziel- ­ und lösungs­ori­en­tiert unter Berück­sich­ti­gung der Hil­fe­plan­zie­le, unter Anwen­dung eines päd­ago­gi­schen Kon­zep­tes und einer Viel­falt päd­ago­gi­scher Metho­den. Gruppen‑, Einzel‑, Eltern‑, Netz­werk- ­ und Umfeld­ar­beit bil­den die Bau­stei­ne des Ange­bo­tes.

Grup­pen­ar­beit

Eine Grup­pe stellt einen wich­ti­gen sozia­len Rah­men für die Ent­wick­lung und Selbst­ver­wirk­li­chung des jun­gen Men­schen dar. Für eine posi­ti­ve Iden­ti­fi­ka­ti­on und den Auf­bau von Bezie­hun­gen ist es not­wen­dig, den Anfor­de­run­gen, die eine Grup­pe (z.B. Schu­le, Freun­des­kreis) an den Ein­zel­nen stellt, gerecht zu wer­den. Eben­so ist es not­wen­dig, Grup­pen nut­zen zu kön­nen, um Aner­ken­nung und das Gefühl sozia­ler Sicher­heit und Gebor­gen­heit zu erfah­ren. Die sozia­le Grup­pe nimmt selbst als ein bewusst gewähl­tes und von den Grup­pen­päd­ago­gen kon­trol­lier­tes Arran­ge­ment Ein­fluss auf Ver­än­de­rungs­pro­zes­se des Ein­zel­nen. In einer Grup­pe von Gleich­alt­ri­gen wer­den die jun­gen Men­schen unter stützt, Fähig­kei­ten zu ent­wi­ckeln, ihr Selbst­bild und ihre Per­spek­ti­ve zu ver­än­dern, neue Ver­hal­tens­mus­ter ein­zu­üben, um sich auf die Über­nah­me sozi­al akzep­tier­ter Rol­len vor­zu­be­rei­ten. In der Grup­pe tau­schen sie sich über adäqua­tes Ver­hal­ten aus.

Durch ziel­ge­rich­te­te Grup­pen­er­leb­nis­se sol­len die sozia­len Fähig­kei­ten erwei­tert und ange­mes­se­ne Umgangs ­ und Aus­ein­an­der­set­zungs­for­men mit Gleich­alt­ri­gen ent­wi­ckelt wer­den. Im schüt­zen­den Rah­men der Grup­pe kön­nen die Kin­der und Jugend­li­chen wech­sel­sei­tig ler­nen, sich über eige­ne Kon­flikt­kon­stel­la­tio­nen bewusst zu wer­den, über Erleb­nis­se und Gefüh­le, die sie bewe­gen, zu reden, ihr Ver­hal­ten zu reflek­tie­ren und mit den ande­ren Grup­pen­mit­glie­dern gemein­sam nach Lösungsstra­tegien zu suchen. Dadurch kön­nen sie erle­ben, was es heißt, akti­ves Mit­glied einer Grup­pe zu sein sowie ver­ständ­nis­voll und tole­rant mit­ein­an­der umzu­ge­hen. Die Inte­gra­ti­on in eine fes­te Grup­pe för­dert das Erle­ben von sozia­ler Zuge­hö­rig­keit und stei­gert das Selbst­wert­ge­fühl. Dabei wer­den die grup­pen­dy­na­mi­schen Pro­zes­se von den Grup­pen­lei­tern gezielt genutzt.

Metho­den des sozia­len Ler­nens in der Grup­pe wer­den ein­ge­setzt, um mit ­ und von­ein­an­der zu ler­nen, den Umgang mit Kon­flik­ten und mit Kri­tik zu üben, sozia­le Kom­mu­ni­ka­ti­on zu beför­dern, die For­mu­lie­rung eige­ner Wün­sche und Gren­zen zu erler­nen, Ver­hal­ten zu inter­pre­tie­ren und ein inter­kul­tu­rel­les Mit­ein­an­der zu ent­wi­ckeln. Die Grup­pen­teil­neh­me­rin­nen erfah­ren durch Situa­ti­ons­ge­stal­tung, Spie­le, Kom­mu­ni­ka­ti­ons ­ und Inter­ak­ti­ons­übun­gen, wie Kon­flik­te gelöst und Impul­se re­guliert wer­den kön­nen.

Dar­über hin­aus erwer­ben bzw. fes­ti­gen die Teil­neh­me­rin­nen einer SGA eine Viel­zahl an all­tags­prak­ti­schen Kom­pe­ten­zen. Dazu gehö­ren Fer­tig­kei­ten wie Kochen und Backen, Tisch­diens­te, der Um ­ gang mit Geld (z. B. beim Ein­kau­fen für die Grup­pe) oder das ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Han­deln im Stra­ßen­ver­kehr. Hilf­reich für die Ori­en­tie­rung der jun­gen Men­schen im Tages­ver­lauf sind die ritua­lisierten Abläu­fe in der Grup­pe sowie eine kla­re Zeit­pla­nung.

Par­ti­zi­pa­ti­on als grund­le­gen­de Struk­tur­ma­xi­me nimmt einen hohen Stel­len­wert im päd­ago­gi­schen Han­deln ein: Es gilt, jun­ge Men­schen zu moti­vie­ren sich ein­zu­brin­gen – so wie sie sind, mit dem was sie kön­nen und wol­len. Sie dür­fen sich enga­gie­ren, betei­li­gen, mit­ent­schei­den und mit­ge­stal­ten. Sie erhal­ten Gele­gen­heit, ihre eige­nen Inter­es­sen zu ver­tre­ten und in demo­kra­ti­schen Pro­zes­sen aus­zu­han­deln. Gemein­sam gestal­te­te Aus­hand­lungs­pro­zes­se stär­ken selbst­be­wuss­tes Han­deln und befä­hi­gen jun­ge Men­schen dazu, sozia­le Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Vor allem geht es um das Mut machen und die Befä­hi­gung, die Her­aus­for­de­run­gen des Lebens mit eige­nem Enga­ge­ment aktiv wahr­zu­neh­men. Die jun­gen Men­schen erhal­ten Frei­räu­me zur Mit­be­stim­mung, um dar­über ihre Eigen­in­itia­ti­ve zu för­dern. Auf die­se Wei­se wird ange­regt, selbst­stän­dig Kon­flik­te lösen zu ler­nen bzw. eige­ne Inte­gra­ti­ons­mus­ter zu fin­den. Die Ange­bo­te bezie­hen sich auf die Inter­es­sen und Fähig­kei­ten der jun­gen Men­schen und eröff­nen ihnen zugleich neue Per­spek­ti­ven. Auf die­se Wei­se wird Kin­dern und Jugend­li­chen die Mög­lich­keit gege­ben, sich als eigen­ver­ant­wort­lich, selbst­wirk­sam, schöp­fe­risch und wert­voll zu erfah­ren.

In den Feri­en die­nen ganz­tä­gi­ge Grup­pen­tref­fen, Grup­pen­rei­sen, Tages­fahr­ten oder gemein­sa­me Über­nach­tun­gen der inten­si­ven Grup­pen­fin­dung und ­-aus­ein­an­der­set­zung der Teil­neh­mer. Der lau­fen­de Grup­pen­pro­zess erhält star­ke Impul­se. Dar­über hin­aus stär­ken posi­ti­ve gemein­sa­me Erleb­nis­se die gegen­sei­ti­gen Bezie­hun­gen unter­ein­an­der und unter­stüt­zen so den Auf­bau eines ver­trau­ens­vol­len Rah­mens. Die Kin­der wer­den in die Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung aktiv mit­ein­be­zo­gen und erle­ben so ihre Selbst­wirk­sam­keit.

Ein­zel­ar­beit

Neben der Arbeit mit der gesam­ten Grup­pe beinhal­tet die Hil­fe­form der SGA auch ver­schie­de­ne Ele­mente indi­vi­du­el­ler Unter­stüt­zung und Auf­merk­sam­keit, die situa­tions- ­ und bedarfs­ori­en­tiert in die Arbeit ein­flie­ßen. Die Zuwen­dung zu jedem Ein­zel­nen

  • ermög­licht die Wert­schät­zung der indi­vi­du­el­len Inter­es­sen, Mög­lich­kei­ten und Wün­sche der Kin­der
  • wird genutzt, um die per­sön­li­chen Belan­ge, Sor­gen und The­men der jun­gen Men­schen stär­ker the­ma­ti­sie­ren zu kön­nen
  • stärkt und formt die Bezie­hung und das Ver­trau­en der jun­gen Men­schen zu den Fach­kräf­ten und ist somit wich­ti­ger Grund­bau­stein der Zusam­men­ar­beit
  • ist not­wen­dig, um jun­ge Men­schen und ihre Zugän­ge zu The­men ken­nen­zu­ler­nen und so die Ange­bo­te pass­ge­nau gestal­ten zu kön­nen.

For­men der indi­vi­du­el­len För­de­rung sind:

  • indi­vi­du­el­le Gesprä­che, Bio­gra­fie­ar­beit
  • schu­li­sche Unter­stüt­zung, Lern­för­de­rung
  • Ein­zel­ar­beit im Rah­men von Pro­jek­ten
  • Moti­va­ti­on zur Selbst­re­fle­xi­on
  • Benen­nen indi­vi­du­el­ler Res­sour­cen und Stär­ken
  • Ver­ga­be von Auf­trä­gen, die sich an den indi­vi­du­el­len Fähig­kei­ten ori­en­tie­ren
  • Erar­bei­tung indi­vi­du­el­ler Zie­le und Refle­xi­on des Hil­fe­ver­laufs
  • gemein­sa­me Vor ­ und Nach­be­rei­tung der Hil­fe­plan­ge­sprä­che
  • Erar­bei­tung von Lösun­gen bei aktu­el­len Schwierigkeiten/Problemlagen > Kri­sen­in­ter­ven­ti­on

Eltern­ar­beit

Der Eltern­ar­beit kommt in der SGA beson­de­re Bedeu­tung zu, sie ist inte­gra­ler Bestand­teil der päd­ago­gi­schen Arbeit. Der regel­mä­ßi­ge Aus­tausch über die Ent­wick­lung ihrer Kin­der – nicht nur im Kon­flikt­fall, son­dern gera­de auch bei posi­ti­ven Rück­mel­dun­gen über das Ver­hal­ten oder die Leis­tun­gen – sind ein Bei­trag zur Auf­lö­sung von Span­nun­gen inner­halb der Fami­lie oder zwi­schen Fami­lie und Schu­le. Die Eltern­ar­beit hat dar­über hin­aus das Ziel, dys­funk­tio­na­le Mus­ter wahr­zu­neh­men, anzu­sprechen und nach Mög­lich­keit die Fami­lie dabei zu unter­stüt­zen, neue, funk­tio­na­le­re Mus­ter auf­zu­bau­en und zu fes­ti­gen. Dazu gehört:

  • Klar­heit über Regeln, Nor­men, Auf­ga­ben und Bezie­hun­gen inner­halb des Fami­li­en­sys­tems zu schaf­fen
  • Rol­len­klä­rung, zu der eine kla­re Grenz­zie­hung zwi­schen den Gene­ra­tio­nen inner­halb der Fami­lie und den jewei­li­gen Auf­ga­ben gehört
  • Ver­stän­di­gung über alters­an­ge­mes­se­ne Regeln, Nor­men und Auf­ga­ben
  • Klä­rung der Rol­len mög­li­cher Stief­eltern
  • Abstim­mung der Erzie­hungs­zie­le unter­schied­li­cher Erzie­hungs­be­rech­tig­ter.

Die Kin­der erle­ben die gemein­sa­men Gesprä­che in der Regel posi­tiv als Wert­schät­zung und Inter­es­se ihrer Eltern, obwohl sie sich mit dem eige­nen Ver­hal­ten aus­ein­an­der­set­zen müs­sen und auch schwie­ri­ge Situa­tio­nen the­ma­ti­siert wer­den.

Ein­la­dun­gen zu gemein­sa­men Ver­an­stal­tun­gen, Fes­ten und Eltern­aben­den ergän­zen die indi­vi­du­el­len Gesprä­che und stel­len den Bezug zum fami­liä­ren Umfeld der Kin­der und Jugend­li­chen her. Sie geben den Eltern die Mög­lich­keit, sich aktiv zu betei­li­gen und sich mit ande­ren Eltern aus­zu­tau­schen.

Bau­stei­ne der Eltern­ar­beit:

  • gemein­sa­me Ent­wick­lung von Zie­len
  • regel­mä­ßi­ge Bera­tungs­ge­sprä­che zu Erzie­hungs­fra­gen
  • Bera­tung und Unter­stüt­zung der Eltern im Umgang mit den Her­aus­for­de­run­gen des Kin­des
  • Refle­xi­on der päd­ago­gi­schen Pro­zes­se in der SGA und Über­prü­fung der Über­tra­gung in den fami­liä­ren Kon­text
  • Stär­kung der Fami­li­en­res­sour­cen
  • Eltern­grup­pen­an­ge­bo­te, Eltern­aben­de
  • Unter­stüt­zung und Bera­tung in Kri­sen­si­tua­tio­nen

Netz­werk­ar­beit

Die Zusam­men­ar­beit mit für die Hil­fe rele­van­ten Insti­tu­tio­nen und Per­so­nen, wie Schu­len, Jugend­äm­ter, Ärz­te, The­ra­peu­ten, ist eine Bedin­gung für das Gelin­gen der Hil­fen. Vor allem der regel­mä­ßi­ge Aus­tausch mit Leh­rern und Schul­so­zi­al­ar­bei­tern ist von beson­de­rer Bedeu­tung, da der Lern­ort Schu­le die betreu­ten jun­gen Men­schen in der Regel vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen stellt. Des­halb fin­den bedarfs­ent­spre­chend und in Abstim­mung mit den Eltern regel­mä­ßi­ge Gesprä­che mit den Leh­re­rin­nen und Schul­so­zi­al­ar­bei­tern statt. Die Eltern wer­den bei Bedarf im Umgang mit der Schu­le so beglei­tet und bera­ten, dass sie im Sin­ne ihres Kin­des eine kon­struk­ti­ve Form der Zusam­men­ar­beit prak­ti­zie­ren.

Die Ver­net­zung der Fach­kräf­te der SGA durch die Teil­nah­me an rele­van­ten bezirk­li­chen Gre­mi­en ist hilf­reich für die Arbeit, da die Fach­kräf­te so stets über wich­ti­ge Ange­bo­te und Ent­wick­lun­gen in den Sozi­al­räu­men infor­miert sind und die­ses Wis­sen wie­der­um an die Fami­li­en wei­ter­ge­ben kön­nen.

Erschlie­ßung und Nut­zung sozi­al­räum­li­cher Ange­bo­te

Das gemein­sa­me Erkun­den von Ange­bo­ten und Frei­zeit­mög­lich­kei­ten im Kiez erleich­tert den Kin­dern und Jugend­li­chen an den grup­pen­frei­en Tagen oder im Anschluss an eine Hil­fe den Zugang zum Sozi­al­raum. Akti­vi­tä­ten der Grup­pe för­dern das Wis­sen der Grup­pen­teil­neh­mer um die Möglichkei­ten in ihrer Umge­bung, erhö­hen die Selb­stän­dig­keit im öffent­li­chen Raum, die­nen der Interessen­erweiterung und füh­ren idea­ler­wei­se zu neu­en Kon­tak­ten und Ansprech­part­nern für die Kin­der und Jugend­li­chen (z. B. zu Mit­ar­bei­tern von Kin­der ­ und Jugend­frei­zeit­ein­rich­tun­gen).