Maga­zin

Leh­re: Gesund­heits­sys­tem und Sozia­le Arbeit – Dozen­tin Berit Kem­pe über die Rol­le der Sozi­al­me­di­zin

aus der Leh­re

Mai 2026

Gesundheitssystem und Soziale Arbeit:

Dozentin Berit Kempe über die Rolle der Sozialmedizin

Krank­heit, Über­for­de­rung, Büro­kra­tie. Die­sen Phä­no­me­nen begeg­nen Fach­kräf­te in der Sozia­len Arbeit häu­fig. Des­halb sind sozi­al­me­di­zi­ni­sche Grund­la­gen so wich­tig für das Berufs­feld Sozia­le Arbeit, erklärt Berit Kem­pe. In ihrer Leh­re geht es ihr um die Fra­ge von Res­sour­cen, die für vie­le Fami­li­en und Men­schen mit gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen wich­tig sind, um am gesell­schaft­li­chen Leben teil­zu­neh­men: Von der Hil­fe, das Recht auf bestimm­te Leis­tun­gen durch­zu­set­zen, bis hin zur psy­cho­so­zia­len Unter­stüt­zung.

Berit Kem­pe ist Dipl. Sozi­al­ar­bei­te­rin und freie Dozen­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. In die­sem Inter­view stellt sie Ihren Weg in das Fach­ge­biet Gesund­heit und Sozi­al­me­di­zin und die Rele­vanz ihres Bereichs für den Berufs­pra­xis vor.

Wie sind Sie zur Sozi­al­me­di­zin gekom­men? 

Seit 15 Jah­ren arbei­te ich im Gesund­heits­sys­tem, in dem neben der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung die Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik eine rele­van­te Rol­le spie­len. Ich wur­de 2020 von einer Pro­fes­so­rin der Ali­ce Salo­mon Hoch­schu­le Ber­lin ein­ge­la­den, Stu­die­ren­den in Semi­na­ren mei­ne prak­ti­sche Tätig­keit nahe­zu­brin­gen. Das hat sich immer wei­ter­ent­wi­ckelt. So leh­re ich seit eini­gen Jah­ren auch an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. Neben der Wis­sens­ver­mitt­lung ist es mir sehr wich­tig das Selbst­be­wusst­sein der Stu­die­ren­den als Fach­kräf­te und eine wert­schät­zen­de Hal­tung zu för­dern. 

Was moti­viert Sie?  

Eine gute Ver­sor­gung von Men­schen, die von gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen betrof­fen sind und die eine best­mög­li­che Teil­ha­be am Leben lie­gen mir sehr am Her­zen. Die Leh­re ist eine Mög­lich­keit, neu­en Fach­kräf­ten rele­van­tes Wis­sen dafür mit­zu­ge­ben.  

 

Auch ich selbst ler­ne dabei immer wie­der dazu. Die Kennt­nis­se, Per­spek­ti­ven und Fra­gen der Stu­die­ren­den erwei­tern ste­tig mei­nen Hori­zont.  

Das Zusam­men­spiel von indi­vi­du­el­len und gesell­schaft­li­chen Risi­ko­fak­to­ren, Resi­li­enz und Res­sour­cen­för­de­rung spielt in der Sozia­len Arbeit eine gro­ße Rol­le.  

Was lernen Studierende in Ihren Lehrveranstaltungen?  

In der Sozi­al­me­di­zin geht es um die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Gesund­heit, Krank­heit und sozia­len Fak­to­ren. Da wir uns im Bereich Sozia­le Arbeit bzw. der Heil­päd­ago­gik bewe­gen, geht es zudem immer dar­um, wie wir Men­schen unter­stüt­zen kön­nen. Das Spek­trum reicht hier von Prä­ven­ti­on und Gesund­heits­för­de­rung bis zu Gesund­heits­sys­tem und Ver­sor­gung.

Tätig­keits­fel­der sind etwa Nach­bar­schafts­zen­tren, in denen Prä­ven­ti­ons- und Bera­tungs­ge­bo­te statt­fin­den oder die Betreu­ung von Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen oder die Arbeit mit Fami­li­en.  

 

So kann es zum Bei­spiel sein, dass wir als Fach­kräf­te eine Fami­lie beglei­ten, in der ein Kind von einer Behin­de­rung betrof­fen ist. Die Auf­ga­be ist es, hier nicht nur die pas­sen­de Behand­lung und indi­vi­du­el­le För­de­rung des Kin­des zu orga­ni­sie­ren, son­dern auch den Rest der Fami­lie, Res­sour­cen und Risi­ko­fak­to­ren im Blick zu behal­ten. 

 Womit beschäf­ti­gen Sie sich genau?   

Aktu­ell beschäf­ti­ge ich mich am inten­sivs­ten mit dem Bereich Sozi­al­psych­ia­trieDas Zusam­men­spiel von indi­vi­du­el­len und gesell­schaft­li­chen Risi­ko­fak­to­ren, Resi­li­enz und Res­sour­cen­för­de­rung spielt in der Sozia­len Arbeit eine gro­ße Rol­le. Dass – wie sich auch in der aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Debat­te zeigt – sehr vie­le Men­schen von psy­chi­schen Erkran­kun­gen betrof­fen sind, spie­gelt sich natür­lich auch in unse­rer prak­ti­schen Arbeit wider. Mir ist es daher wich­tig, dem The­ma auch in der Leh­re aus­rei­chend Raum zu geben und den Stu­die­ren­den ein fun­dier­tes Wis­sen mit­zu­ge­ben. 

Ich möch­te einen Raum schaf­fen, in dem man sich mit eige­nen Erfah­run­gen und Denk­mus­tern aus­ein­an­der­set­zen kann.

Was macht Ihnen in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin besonders Freude und was möchten Sie den Studierenden mitgeben? 

An der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie sind die Stu­die­ren­den oft sehr reflek­tiert und moti­viert. Sie brin­gen bereits einen gro­ßen Erfah­rungs­schatz mit und set­zen sich gern kri­tisch mit The­men aus­ein­an­der. So macht das Leh­ren, Dis­ku­tie­ren, Reflek­tie­ren gro­ßen Spaß. 

 

Ich möch­te einen Raum schaf­fen, in dem man sich mit eige­nen Erfah­run­gen und Denk­mus­tern aus­ein­an­der­set­zen kann. Zudem hal­te ich es für wich­tig, einen rea­lis­ti­schen Ein­blick in das Ver­sor­gungs­sys­tem, zu dem ja auch wir gehö­ren, zu erhal­ten. So ver­su­che ich die Stu­die­ren­den dabei zu unter­stüt­zen, eine wert­schät­zen­de, offe­ne, aber auch kri­ti­sche Hal­tung zu ent­wi­ckeln.  

Dar­über hin­aus beglei­te und bera­te ich Stu­die­ren­de im Bereich Fall­ver­ste­hen und Pra­xis­re­fle­xi­on. 

Berit Kem­pe ist Dozen­tin für den Bereich Gesund­heit und Sozi­al­me­di­zin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin in den Stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit und Heil­päd­ago­gik, die in Koope­ra­ti­on mit der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP) durch­ge­führt wer­den. 

 

Sie arbei­ten im sozia­len Beruf und fra­gen sich, ob ein berufs­be­glei­ten­des Stu­di­um etwas für Sie ist? Infor­mie­ren Sie sich auf der Sei­te unse­rer Stu­di­en­gän­ge

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Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Titel­bild: Berit Kem­pe (Foto: Klaus Feh­ring)

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3 Feh­ler beim Onboar­ding – und was ihr statt­des­sen tun könnt (von Tan­ja Tis­sen)

April 2026

3 Fehler beim Onboarding

und was ihr stattdessen tun könnt (von Tanja Tissen)

Tan­ja Tis­sen beglei­tet sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen in der Organisations­entwicklung und beim Onboar­ding neu­er Mitarbeiter:innen (zum Semi­nar). Wir haben sie um Tipps gebe­ten, wie der Ein­stieg neu­er Kolleg:innen gut gelin­gen kann und wel­che Feh­ler Orga­ni­sa­tio­nen nicht mehr machen soll­ten. Das ist ihre Ant­wort:

Klar, lässt sich Onboar­ding pro­fes­sio­nell auf­set­zen. Indem man Füh­rungs­kräf­te in Work­shops schult oder neue und bestehen­de (!) Kolleg:innen beim Onboar­ding-Pro­zess pro­fes­sio­nell beglei­tet (zum Bei­spiel in die­sem Kurs).

 

Was aber sind Din­ge, die ihr auch jetzt eigen­stän­dig und ohne gro­ßen Mehr­auf­wand umset­zen könnt? In die­sem Bei­trag zei­ge ich euch 3 typi­sche Onboar­ding-Feh­ler und was ihr statt­des­sen machen könnt.

#1 Don’t: Dicke Onboar­ding-Map­pen oder Ord­ner

Do: Redu­ziert es auf das Wesent­li­che!

Oft wird gefragt Was muss alles noch in die Onboar­ding-Map­pe?. Wie wär’s erst ein­mal mit der Fra­ge: Was kann weg?”. Das gilt für Onboar­ding-Map­pen aus Papier genau­so wie für über­füll­te digi­ta­le Ord­ner. Je mehr ihr die­se Infor­ma­ti­ons­flut redu­ziert (oder zumin­dest wochen­wei­se dosiert), des­to ein­fa­cher kön­nen sich neue Kolleg:innen Infor­ma­tio­nen auch lang­fris­tig ein­prä­gen.

Für den Fall, dass nichts so wirk­lich weg kann: wel­che Unter­la­gen oder Infor­ma­tio­nen könn­ten zumin­dest zu einem spä­te­ren Zeit­punkt ein­ge­streut wer­den? Um das her­aus­zu­fin­den, könnt ihr eure zuletzt ein­ge­ar­bei­te­ten Kolleg:innen fra­gen, wel­che Infor­ma­tio­nen sie erst spä­ter oder nie gebraucht haben und ent­spre­chend kür­zen.

Am Anfang ist nahe­zu jede Infor­ma­ti­on neu. Ich ver­glei­che das gern mit dem Auf­wand für euren täg­li­chen, rou­ti­nier­ten Arbeits­weg und dem Auf­wand, wenn ihr zum 1. Mal an einem neu­en Ort seid und bei jeder Abbie­gung die Rou­te prü­fen müsst. Letz­te­res kos­tet deut­lich mehr Denk­leis­tung, bringt aber auch Vor­tei­le mit sich, die ich gern in Punkt 2 erläu­tern möch­te:

#2 Don’t: Feed­back ohne Anpas­sungs­be­darf

Do: Legt fest, wie ihr mit Feed­back umgeht!

Wenn Aus­sa­gen wie Sag uns doch bit­te, wenn dir in den ers­ten Wochen etwas auf­fällt” oder Dein Feed­back ist eine tol­le Chan­ce für uns” nur als Wohl­fühl-Flos­keln gemeint sind, lasst sie weg. Feed­back braucht regel­mä­ßi­ge Räu­me, in denen expli­zit danach gefragt wird, um wirk­lich einen Nut­zen zu stif­ten. Sonst kann es schnell mal pas­sie­ren, dass Gene­ra­tio­nen­kon­flik­te unnö­tig ver­stärkt wer­den, weil neue Kolleg:innen unge­fragt in offe­ner Run­de her­um­kri­ti­sie­ren”.

Ich ver­tre­te den Stand­punkt, dass neue Kolleg:innen gera­de mit ihrer Unwis­sen­heit wert­vol­le Per­spek­ti­ven für die Ver­bes­se­rung von Struk­tu­ren und Pro­zes­sen bei­tra­gen. Genau­so wie die Leu­te, die die­se Pro­zes­se vor Ihnen auf­ge­baut haben. Um die­ses Poten­ti­al zu nut­zen, statt zu ver­bren­nen, emp­feh­le ich fol­gen­de Fra­gen mög­lichst kon­kret und in siche­ren Räu­men, z.B. in Pro­be­zeit­ge­sprä­chen, zu stel­len:

  • Was ist dir bei uns bis­her auf­ge­fal­len, was wir viel­leicht gar nicht mehr sehen?
  • Wovon brauchst du mehr, wovon weni­ger in den kom­men­den Wochen?
  • Wie emp­fin­dest du die Arbeit mit Tool X, Y, Z? Wel­che Fra­gen hät­test du hier­zu? 

Wenn euch sol­che Fra­gen irgend­wie unpas­send erschei­nen, emp­feh­le ich, zumin­dest die Fra­gen von neu­en Kolleg:innen als wert­vol­les Feed­back auf­zu­neh­men. Denn genau die­se Fra­gen sind es, die bestehen­de Inkon­sis­ten­zen, Pro­zess­feh­ler oder Inef­fi­zi­en­zen deut­lich machen – etwas, wofür man sonst auch mal exter­ne Bera­tung ein­kauft!

#3 Don’t: Vor­ei­lig Rück­schlüs­se zie­hen

Do: Zieht an einem Strang! 

Wenn eine neue Per­son Auf­ga­ben oder Pro­zes­se nicht direkt ver­steht oder auto­ma­tisch mit­macht, liegt das manch­mal weni­ger an der Per­son und mehr am Kon­text und Umfeld: Bei­spiels­wei­se habe ich mit­er­lebt, dass eine neue Kol­le­gin sich zu Beginn erst kaum ein­brach­te und dann spä­ter zuneh­mend ihre Ver­wir­rung und ihren Unmut äußer­te. Das hät­te man natür­lich als pas­siv, unmo­ti­viert oder sogar frech deu­ten kön­nen. Was die­se Betrach­tung aber außer Acht las­sen wür­de: an der neu­en Stel­le, die für die­se Per­son geschaf­fen wur­de, lie­fen hau­fen­wei­se Unge­reimt­hei­ten und Inef­fi­zi­en­zen zusam­men. Dies war in der vor­he­ri­gen Arbeits­tei­lung schlicht­weg nicht auf­ge­fal­len.

Statt bestehen­de Vor­ge­hens­wei­sen stumpf zu akzep­tie­ren, konn­te genau die­se Kol­le­gin maß­geb­lich beim Auf­set­zen neu­er Pro­zes­se und Tools in bera­ten­der Funk­ti­on mit­wir­ken. So konn­ten nicht nur Qua­li­täts­lü­cken berei­nigt, son­dern auch der Auf­wand für alle Betei­lig­ten erheb­lich redu­ziert wer­den.   

Die letz­ten bei­den Do’s grei­fen also inein­an­der: wird ein geeig­ne­ter Raum für Kri­tik gege­ben, kann die­se leich­ter geäu­ßert wer­den. Es wird ein Gewinn für alle dar­aus, wenn man die Kri­tik nutzt, um Pro­zes­se (und nicht die Arbeits­wei­se einer Per­son) gemein­sam über­ar­bei­tet.

An die­ser Stel­le möch­te ich erst­mal einen Punkt set­zen. Natür­lich ist das The­ma Onboar­ding damit nicht been­det. Wenn ihr den Pro­zess der Ein­ar­bei­tung neu­er Kolleg:innen umfas­send ange­hen wollt, erfahrt ihr in die­sem Semi­nar mehr!

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Autorin: Tan­ja Tis­sen (Sys­te­mi­sches Coa­ching & Organisations­entwicklung: Frei-Bin­dun­gen)

Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Tan­ja Tis­sen

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Sozi­al­ar­beit in den USA vs. in Deutsch­land? Inno­va­ti­ve Kon­zep­te aus New York (5 Fra­gen an Chris Han­way)

April 2026

Sozialarbeit in den USA vs. Deutschland?

Über Inno­va­ti­ve Kon­zep­te aus New York (5 Fra­gen an Chris Han­way)

mit deut­scher Über­set­zung wei­ter unten

Wie wird Sozia­le Arbeit in den USA gedacht und umge­setzt? Und was kön­nen Fach­kräf­te in Deutsch­land dar­aus mit­neh­men? Chris Han­way (Bild Mit­te), Mit­or­ga­ni­sa­tor der jähr­li­chen New-York-Rei­se und ver­ant­wort­lich für das Aus­tausch-Pro­gramm, gibt Ein­bli­cke in sei­ne Arbeit an soge­nann­ten Sett­le­ment Hou­ses vor Ort. Im Inter­view spricht er über die wich­tigs­ten Unter­schie­de zwi­schen Deutsch­land und den USA in der sozia­len Arbeit und dar­über, wel­chen Mehr­wert inter­na­tio­na­le Aus­tausch­for­ma­te wie die­se für die Pra­xis bie­ten.

Dear Chris, you’ve been working at Jacob A. Riis Neigh­bor­hood Sett­le­ment for more than 17 years, inclu­ding seve­ral years as exe­cu­ti­ve direc­tor. What moti­va­ted you per­so­nal­ly to work the­re? 

I had been working at lar­ger NGO rela­ted to health care, archi­tec­tu­re, and sup­port for vic­tims of crime and all of them were gra­ti­fy­ing and chal­len­ging, but I was loo­king for an oppor­tu­ni­ty to work direct­ly in com­mu­ni­ties, par­ti­cu­lar­ly in com­mu­ni­ties that are often over­loo­ked and negle­c­ted. At the time, I had no idea what a Sett­le­ment House was, but the job pos­ting see­med to offer the pos­si­bi­li­ty of working direct­ly with the com­mu­ni­ty, lear­ning from them just as I hoped they could learn from me. I never drea­med that a few years later, I would beco­me Exe­cu­ti­ve Direc­tor and remain at Riis Sett­le­ment for over 17 years and coun­ting!

Sett­le­ment hou­ses like Riis Sett­le­ment are not very com­mon in Ger­ma­ny. Could you descri­be what your work invol­ves and what a typi­cal day is like for you as the exe­cu­ti­ve direc­tor?

My work invol­ves a litt­le bit of ever­y­thing, which is exact­ly why I love it. As a Sett­le­ment House, Riis is neces­s­a­ri­ly a mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­on, so we work with child­ren, youth, adults of all ages espe­ci­al­ly older adults, as well as immi­grants from around the world. I am invol­ved and expo­sed to all of our pro­gram­ma­tic acti­vi­ties from after-school pro­gramming for kids, to Eng­lish lan­guage clas­ses for immi­grants, to pro­vi­si­on of meals to food-inse­cu­re-neigh­bors. But of cour­se, I also fund­rai­se, inter­act with govern­ment offi­ci­als, over­see the finan­ces of the orga­niza­ti­on and a who­le lot more. One thing that I try to ensu­re every sin­gle day is that Riis Sett­le­ment is empowe­ring our com­mu­ni­ty, doing and acting WITH, not for or to the com­mu­ni­ty. Our com­mu­ni­ty is fil­led with strength and power and effect chan­ge them­sel­ves. We are hel­pers.  

The­re is some­thing spe­cial about this inten­se­ly local,

mul­ti-gene­ra­tio­nal/ inter­ge­ne­ra­tio­nal, mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­ons with mul­ti­ple points of ent­ry, which ser­ve as com­mu­ni­ty hubs, town squa­res, safe spaces and places of per­son expres­si­on all at once. 

Chris Han­way

What do you think are the main simi­la­ri­ties and dif­fe­ren­ces bet­ween social work in the United Sta­tes and in Ger­ma­ny? 

I think social work in both the United Sta­tes and Ger­ma­ny is groun­ded in shared values such as pro­mo­ting social jus­ti­ce, sup­port­ing and empowe­ring vul­nerable popu­la­ti­ons, and impro­ving well-being across the life­span. In the U.S. social work is more stron­gly shaped by our decen­tra­li­zed wel­fa­re sys­tem and grea­ter reli­ance on non­pro­fit and pri­va­te ser­vices, while your social work ope­ra­tes within a more com­pre­hen­si­ve, sta­te-cen­te­red model. Despi­te the­se struc­tu­ral dif­fe­ren­ces, social workers in both count­ries face simi­lar chal­lenges, inclu­ding hea­vy casel­oads, emo­tio­nal stress, and the need to adapt prac­ti­ce to chan­ging rea­li­ties, espe­ci­al­ly around migra­ti­on and agin popu­la­ti­ons. 

What do you think social workers in Ger­ma­ny could learn from their col­le­agues in the United Sta­tes, or spe­ci­fi­cal­ly in New York?

I think they could learn how to suc­cessful­ly com­bi­ne advo­ca­cy, com­mu­ni­ty orga­ni­zing, case manage­ment, cli­ni­cal work, and admi­nis­tra­ti­ve fines­se. I say this, not becau­se Ger­man Social Workers don’t do the­se things, but becau­se social workers in New York City seem to have to be able to do all of them every sin­gle day. I am not a trai­ned or licen­sed social worker, but I work with many of them, of cour­se, and I am ama­zed by how they are able to mana­ge and jugg­le all of the­se dif­fe­rent neces­sa­ry skills to make their jobs work and help their cli­ents and neigh­bors.

Having work­ed on seve­ral exch­an­ge pro­grams, what are some moments that par­ti­ci­pan­ts often descri­be as eye-ope­ning? And is the­re any­thing you par­ti­cu­lar­ly like to show Ger­man social workers during their visit?

They love visi­ting Sett­le­ment Hou­ses, of cour­se! 😊 The­re is some­thing spe­cial about this inten­se­ly local,

mul­ti-gene­ra­tio­nal/ inter­ge­ne­ra­tio­nal, mul­ti-ser­vice orga­niza­ti­ons with mul­ti­ple points of ent­ry, which ser­ve as com­mu­ni­ty hubs, town squa­res, safe spaces and places of per­son expres­si­on all at once. We ser­ve grand­par­ents and their grand­child­ren and bring many dif­fe­rent types of peo­p­le from within the com­mu­ni­ty tog­e­ther and the­re is some­thing magi­cal and life-affir­ming about that. 

Deut­sche Über­set­zung

Lie­ber Chris, du arbei­test seit mehr als 17 Jah­ren bei Jacob A. Riis Neigh­bor­hood Sett­le­ment, davon meh­re­re Jah­re als Geschäfts­füh­rer. Was hat dich per­sön­lich dazu moti­viert, dort zu arbei­ten?  

Ich hat­te zuvor bei grö­ße­ren NGOs in den Berei­chen Gesund­heits­we­sen, Archi­tek­tur und Opfer­hil­fe gear­bei­tet, und all die­se Tätig­kei­ten waren erfül­lend und her­aus­for­dernd, aber ich such­te nach einer Mög­lich­keit, direkt in den Gemein­den zu arbei­ten, ins­be­son­de­re in sol­chen, die oft über­se­hen und ver­nach­läs­sigt wer­den. Damals hat­te ich kei­ne Ahnung, was ein Sett­le­ment Haus ist, aber die Stel­len­an­zei­ge schien die Mög­lich­keit zu bie­ten, direkt mit der Gemein­schaft zu arbei­ten und von ihr zu ler­nen, genau­so wie ich hoff­te, dass sie von mir ler­nen könn­te. Ich hät­te mir nie träu­men las­sen, dass ich weni­ge Jah­re spä­ter Geschäfts­füh­rer wer­den und über 17 Jah­re lang bei Riis Sett­le­ment blei­ben wür­de – und es geht immer noch wei­ter! 

Sett­le­ment-Häu­ser wie das Riis Sett­le­ment sind in Deutsch­land eher unbe­kannt. Könn­ten Sie beschrei­ben, wor­in Ihre Arbeit besteht und wie ein typi­scher Tag für Sie als Geschäfts­füh­rer aus­sieht?

Mei­ne Arbeit umfasst ein biss­chen von allem, und genau des­halb lie­be ich sie. Als „Sett­le­ment House“ ist Riis zwangs­läu­fig eine Orga­ni­sa­ti­on mit viel­fäl­ti­gen Dienst­leis­tungs­an­ge­bo­ten. Des­halb arbei­ten wir mit Kin­dern, Jugend­li­chen, Erwach­se­nen jeden Alters – ins­be­son­de­re mit Senio­ren – sowie mit Migrant:innen aus aller Welt zusam­men. Ich bin an all unse­ren pro­gram­ma­ti­schen Akti­vi­tä­ten betei­ligt und mit ihnen ver­traut, von der Nach­mit­tags­be­treu­ung für Kin­der über Eng­lisch­kur­se für Migrant:innen bis hin zur Essens­aus­ga­be für Nachbar:innen, die unter Ernäh­rungs­un­si­cher­heit leben. Aber natür­lich küm­me­re ich mich auch um das Fund­rai­sing, ste­he im Aus­tausch mit Behördenvertreter:innen, über­wa­che die Finan­zen der Orga­ni­sa­ti­on und vie­les mehr. Eine Sache, die ich jeden Tag sicher­stel­len möch­te, ist, dass Riis Sett­le­ment unse­re Gemein­schaft stärkt und MIT ihr han­delt, nicht FÜR sie oder an ihr. Unse­re Gemein­schaft ist vol­ler Kraft und Stär­ke und kann selbst Ver­än­de­run­gen bewir­ken. Wir sind Hel­fen­de.   

Die­se stark lokal ver­an­ker­ten, gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Orga­ni­sa­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten und zahl­rei­chen Zugangs­mög­lich­kei­ten haben etwas ganz Beson­de­res an sich: Sie die­nen gleich­zei­tig als Dreh- und Angel­punkt der Gemein­schaft, als Stadt­platz, als siche­rer Ort und als Raum für die per­sön­li­che Ent­fal­tung.

Chris Han­way

Was sind Ihrer Mei­nung nach die wich­tigs­ten Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de zwi­schen der Sozi­al­ar­beit in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und in Deutsch­land?  

Ich den­ke, dass die Sozi­al­ar­beit sowohl in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten als auch in Deutsch­land auf gemein­sa­men Wer­ten basiert, wie der För­de­rung sozia­ler Gerech­tig­keit, der Unter­stüt­zung und Stär­kung benach­tei­lig­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen sowie der Ver­bes­se­rung des Wohl­be­fin­dens über alle Lebens­pha­sen hin­weg. In den USA ist die Sozi­al­ar­beit stär­ker von unse­rem dezen­tra­li­sier­ten Sozi­al­sys­tem und einer grö­ße­ren Abhän­gig­keit von gemein­nüt­zi­gen und pri­va­ten Dienst­leis­tun­gen geprägt, wäh­rend Ihre Sozi­al­ar­beit im Rah­men eines umfas­sen­de­ren, staat­lich aus­ge­rich­te­ten Modells funk­tio­niert. Trotz die­ser struk­tu­rel­len Unter­schie­de ste­hen Sozialarbeiter:innen in bei­den Län­dern vor ähn­li­chen Her­aus­for­de­run­gen, dar­un­ter hohe Fall­zah­len, emo­tio­na­ler Stress und die Not­wen­dig­keit, die Pra­xis an sich wan­deln­de Rea­li­tä­ten anzu­pas­sen, ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit Migra­ti­on und einer altern­den Bevöl­ke­rung. 

Was könn­ten Sozialarbeiter:innen in Deutsch­land Ihrer Mei­nung nach von ihren Kolleg:innen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten oder spe­zi­ell in New York ler­nen?

Ich glau­be, sie kön­nen ler­nen, wie man Inter­es­sen­ver­tre­tung, Gemein­schafts­ar­beit, Fall­ma­nage­ment, kli­ni­sche Arbeit und admi­nis­tra­ti­ves Geschick erfolg­reich mit­ein­an­der ver­bin­det. Ich sage das nicht, weil deut­sche Sozialarbeiter:innen die­se Din­ge nicht tun, son­dern weil Sozialarbeiter:innen in New York City offen­bar in der Lage sein müs­sen, all das jeden Tag zu bewäl­ti­gen. Ich bin kein aus­ge­bil­de­ter oder zuge­las­se­ner Sozi­al­ar­bei­ter, aber ich arbei­te natür­lich mit vie­len von ihnen zusam­men und bin beein­druckt davon, wie sie all die­se ver­schie­de­nen not­wen­di­gen Fähig­kei­ten unter einen Hut brin­gen und jon­glie­ren, um ihre Arbeit zu bewäl­ti­gen und ihren Klient:innen und Nachbar:innen zu hel­fen.   

Sie haben bereits an meh­re­ren Aus­tausch­pro­gram­men mit­ge­wirkt – wel­che Momen­te wer­den von den Teil­neh­mern oft als beson­ders auf­schluss­reich erlebt? Und gibt es etwas, das Sie deut­schen Sozi­al­ar­bei­tern wäh­rend ihres Besuchs beson­ders ger­ne zei­gen?

Natür­lich besu­chen sie ger­ne die Sett­le­ment Häu­ser! 😊 Die­se stark lokal ver­an­ker­ten, gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­den Orga­ni­sa­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen Ange­bo­ten und zahl­rei­chen Zugangs­mög­lich­kei­ten haben etwas ganz Beson­de­res an sich: Sie die­nen gleich­zei­tig als Dreh- und Angel­punkt der Gemein­schaft, als Stadt­platz, als siche­rer Ort und als Raum für die per­sön­li­che Ent­fal­tung. Wir betreu­en Groß­el­tern und ihre Enkel­kin­der und brin­gen vie­le ver­schie­de­ne Men­schen aus der Gemein­schaft zusam­men und das hat etwas Magi­sches und Lebens­be­ja­hen­des an sich.   

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Redak­ti­on: Lucas Frye (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Prof. Stapf-Finé (li), Chris Han­way (mi) und Dilek Yük­sel (re) – 2022, New York

Maga­zin

Was bedeu­tet sozia­le Ungleich­heit, Dr. Vera San­tos?

April 2026

Was bedeutet soziale Ungleichheit, Dr. Vera Santos?

Im Inter­view mit unse­rer Dozen­tin Dr. Rocío Vera San­tos

Frau Dr. Vera San­tos, Sie leh­ren sowohl in den Bache­lor­stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit und Heil­päd­ago­gik als auch im Mas­ter­stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment. Wor­um geht es in Ihrem Fach­ge­biet?

Mein Fach­ge­biet ist die Sozio­lo­gie mit dem Schwer­punkt Sozia­le Ungleich­heit, Ras­sis­mus, Gen­der- und Eth­ni­ci­ty Stu­dies.

Was bedeu­tet sozia­le Ungleich­heit? 

Sozia­le Ungleich­heit ist ein mul­ti­di­men­sio­na­les und struk­tu­rel­les Phä­no­men. Sie bezeich­net die Dis­pa­ri­tä­ten zwi­schen sozia­len Grup­pen, die durch eine hier­ar­chi­sche Ord­nung beim Zugang zu Res­sour­cen ent­ste­hen. Die­se gehen über das Öko­no­mi­sche hin­aus und umfas­sen auch poli­ti­sche, sozio­kul­tu­rel­le und öko­lo­gi­sche Dimen­sio­nen.

Womit beschäf­ti­gen Sie sich genau?

Ich unter­su­che sozia­le Ungleich­heit als his­to­ri­sches Ergeb­nis von Kolo­nia­lis­mus, Ver­skla­vung und dem trans­at­lan­ti­schen Skla­ven­han­del sowie als Fol­ge bis heu­te fort­be­stehen­der und trans­na­tio­nal ver­floch­te­ner Macht­ver­hält­nis­se, Macht­struk­tu­ren und Mecha­nis­men des Aus­schlus­ses (z. B. sozia­le Stra­ti­fi­ka­tio­nen, Dis­kur­se und recht­li­che Rah­men­beding­ungen). Dar­über hin­aus beschäf­ti­ge ich mich mit For­men des Wider­stands, Pro­zes­sen der Iden­ti­täts­stär­kung sowie mit Fra­gen der Repa­ra­ti­on und der Aner­ken­nung afri­ka­ni­scher und indi­ge­ner Wis­sens­for­men.

Wie sind Sie zu die­sem Gebiet gekom­men und was genau inter­es­siert Sie?

Ich bin wäh­rend mei­ner Pro­mo­ti­on und mei­nes Post­docs am Latein­ame­ri­ka-Insti­tut zu die­sem The­men­feld gekom­men, als ich begann, mich inten­si­ver mit Fra­gen sozia­ler Ungleich­heit, Kolo­ni­al­ge­schich­te und Ras­sis­mus in Latein­ame­ri­ka zu beschäf­ti­gen. Auf der Mikroebe­ne habe ich ins­be­son­de­re die Kon­struk­ti­on von Afro-Bezir­ken in urba­nen Kon­tex­ten unter­sucht, wobei ich die Rol­le von Frau­en, Reli­gi­on, tra­di­tio­nel­les Wis­sen, Eth­no­bil­dung und Gemein­we­sen­ar­beit beson­ders berück­sich­tigt habe. 

Spä­ter habe ich mei­ne For­schung auf struk­tu­rel­len Ras­sis­mus und insti­tu­tio­nel­le Dis­kri­mi­nie­rung in Bildungs‑, Jus­tiz- und Gesund­heits­be­rei­chen aus­ge­rich­tet. Der­zeit unter­su­che ich die Zusam­men­hän­ge zwi­schen Umwelt-Ras­sis­mus, ras­sis­ti­schem Kapi­ta­lis­mus und den glo­ba­len Ver­flech­tun­gen. 

Mein Anspruch ist es,

Stu­die­ren­de dazu zu befä­hi­gen, sozia­le Gerech­tig­keit, Teil­ha­be und inklu­si­ve Unter­stüt­zungs­sys­te­me sowohl ana­ly­tisch zu ver­ste­hen als auch in pro­fes­sio­nel­len Hand­lungs­fel­dern umzu­set­zen.

Dr. Rocío Vera San­tos

War­um ist es wich­tig, die­ses Feld in der Sozia­len Arbeit zu leh­ren? 

Wie Sie wis­sen, weist das Stu­di­um der Sozia­len Arbeit eine aus­ge­präg­te pra­xis­ori­en­tier­te Dimen­si­on auf. Ich habe in Ber­lin vie­le Jah­re in sozia­len Orga­ni­sa­tio­nen gear­bei­tet, die Migrant*innen, Geflüch­te­te, Frau­en und – in letz­ter Zeit – auch Men­schen mit kör­per­li­chen oder kogni­ti­ven Behin­de­run­gen unter­stüt­zen.

Ich ver­su­che in mei­nen Lehr­ver­an­stal­tun­gen, Stu­die­ren­de an die Lebens­rea­li­tä­ten die­ser vul­ner­ablen Grup­pen her­an­zu­füh­ren. Dabei wen­de ich sozio­lo­gi­sche Theo­rien an, um sozia­le Phä­no­me­ne bes­ser ver­ständ­lich zu machen und zugleich für deren gesell­schaft­li­che Bedeu­tung zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Wie kann man sich den Unter­richt bei Ihnen vor­stel­len?

In mei­ner Lehr­tä­tig­keit arbei­te ich inter­dis­zi­pli­när. Ich unter­rich­te Semi­na­re in den Berei­chen Sozi­al­wirt­schaft, Sozi­al­ma­nage­ment, Sozio­lo­gie und For­schungs­me­tho­den, hal­te Vor­le­sun­gen zum sozia­len Wan­del im inter­na­tio­na­len Ver­gleich und bie­te Wahl­mo­du­le zu Gen­der und Diver­si­tät an.

Ein zen­tra­ler Schwer­punkt mei­ner Leh­re liegt auf den The­men Migra­ti­on, Flucht, sozia­le Ungleich­heit, Inter­sek­tio­na­li­tät, Gewalt, Dis­kri­mi­nie­rung und Ras­sis­mus sowie auf Fra­gen des Zusam­men­le­bens, der Kon­vi­via­li­tät und des Empowerm­ents von Min­der­hei­ten. 

Ziel mei­ner Leh­re ist es, Stu­die­ren­de für die kom­ple­xen Lebens­la­gen von Men­schen in pre­kä­ren sozia­len Situa­tio­nen zu sen­si­bi­li­sie­ren und ihnen fun­dier­te Kennt­nis­se über die struk­tu­rel­len Bedin­gun­gen sozia­ler Ungleich­hei­ten zu ver­mit­teln. Dazu gehö­ren auch die Wech­sel­wir­kun­gen mit lokal-glo­ba­len Macht­ver­hält­nis­sen, Rechts­ord­nun­gen und orga­ni­sa­tio­na­len Prak­ti­ken zu ver­mit­teln.

Dabei lege ich beson­de­ren Wert dar­auf, zen­tra­le sozi­al­wis­sen­schaft­li­che Kon­zep­te theo­rie­ge­lei­tet und zugleich pra­xis­nah zu ver­mit­teln. Mein Anspruch ist es, Stu­die­ren­de dazu zu befä­hi­gen, sozia­le Gerech­tig­keit, Teil­ha­be und inklu­si­ve Unter­stüt­zungs­sys­te­me sowohl ana­ly­tisch zu ver­ste­hen als auch in pro­fes­sio­nel­len Hand­lungs­fel­dern umzu­set­zen.

Was möch­ten Sie den Stu­die­ren­den wei­ter­ge­ben? Wel­chen Ansatz ver­fol­gen Sie?

In mei­ner Leh­re arbei­te ich vor allem mit post­ko­lo­nia­len und deko­lo­nia­len Ansät­zen sowie mit Per­spek­ti­ven des Black Femi­nism. Ich ermu­ti­ge die Stu­die­ren­den, eine reflek­tier­te, ana­ly­ti­sche und zugleich femi­nis­ti­sche, anti­ras­sis­ti­sche und anti­dis­kri­mi­nie­ren­de Hal­tungzu ent­wi­ckeln. Über den Tel­ler­rand hin­aus­zu­bli­cken heißt, Autor*innen aus dem Glo­ba­len Süden zu lesen und damit neue Per­spek­ti­ven ken­nen­zu­ler­nen.

Ich lege außer­dem gro­ßen Wert auf Inklu­si­on und den Respekt vor Viel­falt sowie auf die För­de­rung sozia­ler Pro­jek­te, die die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se vul­nerabler Men­schen berück­sich­ti­gen. Auch unter dem Gesichts­punkt der Inter­sek­tio­na­li­tät.

Wor­auf freu­en Sie sich beson­ders in Ihrer Lehr­tä­tig­keit an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin?

Ich freue mich beson­ders auf die Stu­die­ren­den, da die Mehr­heit über umfang­rei­che Berufs­er­fah­rung und prak­ti­sches Wis­sen im Bereich der Sozia­len Arbeit oder der Päd­ago­gik ver­fügt. Vie­le von ihnen haben Füh­rungs­po­si­tio­nen inne und arbei­ten in öffent­li­chen oder pri­va­ten sozia­len Ein­rich­tun­gen. Eini­ge absol­vie­ren zudem ein Zweit­stu­di­um. Dadurch ist das Niveau und die Betei­li­gung in den Lehr­ver­an­stal­tun­gen sehr hoch, was unse­re Dis­kus­sio­nen sehr berei­chert.

Mei­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen gestal­te ich inklu­siv und lege gro­ßen Wert dar­auf, zu einer posi­ti­ven und respekt­vol­len Lernat­mo­sphä­re bei­zu­tra­gen. Mein Ziel ist es, dass die Stu­die­ren­den an jeder Sit­zung aktiv teil­neh­men. Ihre Mei­nun­gen, Kennt­nis­se und Erfah­run­gen sind mir sehr wich­tig. Die Sit­zun­gen sind eine Zeit des gemein­sa­men Ler­nens.

Die Atmo­sphä­re an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie ist sehr ange­nehm und för­der­lich für das Ler­nen. Wenn Lei­den­schaft für die Leh­re vor­han­den ist, fließt vie­les ganz von selbst – und genau das macht den Aus­tausch mit den Stu­die­ren­den so berei­chernd.

Zur Person:

Dr. Rocío Vera San­tos 

Asso­zi­ier­te Wis­sen­schaft­le­rin, Latein­ame­ri­ka-Insti­tut, Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin

Schwer­punk­te:

  • Sozia­le Ungleich­hei­ten
  • Ras­sis­mus, Anti­ras­sis­mus
  • Dis­kri­mi­nie­rung
  • Migra­ti­on
  • Men­schen­rech­te
  • Gen­der and Diver­si­ty Stu­dies
  • Black Stu­dies

Dr. Vera San­tos ist Dozen­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin in den Koope­ra­ti­ons­stu­di­en­gän­gen Sozia­le Arbeit (B.A) und Heil­päd­ago­gik (B.A.) mit der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik HSAP und dem Koope­ra­ti­ons­stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment (M.A.) mit der Ali­ce Salo­mon Hoch­schu­le Ber­lin.

Ihr Buch „Diná­mi­cas de la negri­tud y afri­ca­ni­dad. Con­s­truc­cio­nes de la afro­de­s­cen­den­cia en Ecua­dor“ wur­de 2016 mit dem Isa­bel Tobar Guar­de­ras-Preis aus­ge­zeich­net. Ihr zwei­tes Buch „Ent­re el Atlán­ti­co y el Pací­fi­co Negro. Afro­de­s­cen­den­cia y regí­me­nes de desi­gu­aldad en Suda­mé­ri­ca“ (mit Ser­gio Cos­ta und Manu­el Gón­go­ra) erhielt 2021 den LASA Ibe­ro­ame­ri­ca­no Book Award der Latin Ame­ri­can Stu­dies Asso­cia­ti­on.

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Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Rocío Vera San­tos

Maga­zin

Neue Pro­fes­so­rin für Heil­päd­ago­gik – Prof. Dr. Mela­nie Knaup stellt sich vor

Febru­ar 2026

Neue Pro­fes­so­rin für Heil­päd­ago­gik

Prof. Dr. Mela­nie Knaup stellt sich vor!

Wer darf mit­re­den? Wer wird gehört? Wer gehört dazu? Für Prof. Dr. Mela­nie Knaup fängt Inklu­si­on bei Spra­che, Bil­dung und kul­tu­rel­ler Teil­ha­be an. Sie beschäf­tigt sich damit, was Teil­ha­be für Men­schen mit kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gun­gen bedeu­tet und was Fach­kräf­te brau­chen, um die­se mög­lich zu machen. Seit 2026 hat sie eine Pro­fes­sur im Stu­di­en­gang Heil­päd­ago­gik an der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP), den die Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin gemein­sam mit ihr durch­führt, inne.

Frau Prof. Dr. Knaup, womit beschäf­ti­gen Sie sich und wie sind Sie dazu gekom­men? 

Mich hat früh beschäf­tigt, wie Men­schen Zugang zu Bil­dung, Spra­che und kul­tu­rel­len Räu­men erhal­ten und wel­che Bar­rie­ren gesell­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Teil­ha­be ver­hin­dern. Die Literatur‑, Kul­tur- und Medi­en­wis­sen­schaft hat dahin­ge­hend mein Den­ken in Bezug auf Fra­gen kul­tu­rel­ler Bil­dung, Teil­ha­be und wie Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen in Medi­en reprä­sen­tiert sind, geprägt. Als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin am Insti­tut für För­der­päd­ago­gik und Inklu­si­ve Bil­dung der Jus­tus-Lie­big-Uni­ver­si­tät Gie­ßen habe ich schwer­punkt­mä­ßig zur Teil­ha­be von Men­schen mit kogni­ti­ver Beein­träch­ti­gung geforscht. 

In mei­ner wis­sen­schaft­li­chen Arbeit und in der päd­ago­gi­schen Pra­xis wur­de deut­lich, dass Inklu­si­on nicht nur sozia­le, son­dern immer auch kul­tu­rel­le Teil­ha­be bedeu­tet. In mei­ner Pro­mo­ti­on unter­such­te ich, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen kul­tu­rel­le Bil­dung und Teil­ha­be für Men­schen mit kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gun­gen ermög­licht wer­den kann und wie erfah­rungs­be­zo­ge­ne und bedeu­tungs­stif­ten­de Zugän­ge all­täg­li­che Lern­pro­zes­se unter­stüt­zen. 

Wor­um geht es in der Heil­päd­ago­gik nach Ihrem Ver­ständ­nis? 

Heil­päd­ago­gik beschäf­tigt sich mit der Unter­stüt­zung von Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen in allen Lebens­pha­sen. Ziel ist es, Selbst­be­stim­mung, Ent­wick­lung und gesell­schaft­li­che Teil­ha­be zu ermög­li­chen. Dazu gehört aus­drück­lich auch kul­tu­rel­le Teil­ha­be – also der Zugang zu Bil­dung, Spra­che, Kunst, Medi­en, Erin­ne­rungs­kul­tur und gesell­schaft­li­cher Aus­drucks­fä­hig­keit. 

Heil­päd­ago­gik ver­bin­det wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se mit einer kla­ren ethi­schen Ori­en­tie­rung: Jeder Mensch hat ein Recht auf Wür­de, Ent­wick­lung, kul­tu­rel­len Aus­druck und gesell­schaft­li­che Zuge­hö­rig­keit. 

Was möch­ten Sie den Stu­die­ren­den wei­ter­ge­ben?  

Mir ist wich­tig, Stu­die­ren­den fach­li­che Sicher­heit, refle­xi­ve Pro­fes­sio­na­li­tät und eine kla­re Hal­tung zu ver­mit­teln. Dazu gehö­ren Res­sour­cen­ori­en­tie­rung, Aner­ken­nung von Viel­falt sowie die Über­zeu­gung, dass jeder Mensch ein Recht auf Bil­dung, Aus­druck und kul­tu­rel­le Teil­ha­be hat. Mein Ansatz ver­bin­det wis­sen­schaft­li­che Fun­die­rung, Pra­xis­nä­he und Bezie­hung. Heil­päd­ago­gi­sches Han­deln ist für mich immer auch eine Fra­ge von Hal­tung, Ver­ant­wor­tung und gesell­schaft­li­cher Zuge­hö­rig­keit. 

 

Wor­auf freu­en Sie sich beson­ders in Ihrer Lehr­tä­tig­keit an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin? 

Ich freue mich beson­ders auf die Arbeit mit enga­gier­ten Stu­die­ren­den, die Heil­päd­ago­gik als gesell­schaft­lich rele­van­te und gestal­ten­de Pro­fes­si­on ver­ste­hen. Beson­ders wich­tig ist mir der Dia­log – gemein­sam zu reflek­tie­ren, Per­spek­ti­ven zu ent­wi­ckeln und pro­fes­sio­nel­le Hand­lungs­si­cher­heit auf­zu­bau­en. 

Zur Person

Prof. Dr. Mela­nie Knaup

Schwer­punk­te:

  • Inklu­si­on und Teil­ha­be, u.a. kul­tu­rel­le Teil­ha­be und kul­tu­rel­le Bil­dung 
  • Pro­fes­sio­na­li­sie­rung päd­ago­gi­scher Fach­kräf­te 
  • Ein­stel­lun­gen und Hal­tun­gen in inklu­si­ven Kon­tex­ten 
  • Sprach­ent­wick­lung und Sprach­för­de­rung 
  • per­so­nen­zen­trier­te Teil­ha­be­pla­nung  
  • pro­fes­sio­nel­le Hand­lungs­kom­pe­tenz in heil­päd­ago­gi­schen Arbeits­fel­dern 

Seit Janu­ar 2026 ist Mela­nie Knaup Pro­fes­so­rin für Heil­päd­ago­gik und inklu­si­ve Päd­ago­gik an der Hoch­schu­le für Sozia­le Arbeit und Päd­ago­gik (HSAP).  In Koope­ra­ti­on mit der HSAP lehrt sie in der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin im Bache­lor­stu­di­en­gang Heil­päd­ago­gik unter ande­rem in den Berei­chen Sprach­heil­päd­ago­gik, Spiel­päd­ago­gik und Teil­ha­be­pla­nung sowie in wei­te­ren heil­päd­ago­gi­schen Modu­len. Dar­über hin­aus unter­rich­tet sie im Koope­ra­ti­ons­stu­di­en­gang Sozia­le Arbeit im Modul „Teil­ha­be und Inklu­si­on“. In den dua­len Stu­di­en­gän­gen der HSAP lehrt sie im Stu­di­en­gang Kind­heits­päd­ago­gik im Bereich Sprach­ent­wick­lung und Sprach­för­de­rung. 

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Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto: Mela­nie Knaup

Maga­zin

Unse­re High­lights 2025

Dezem­ber 2025

Unsere Highlights 2025

Was bleibt von einem Jahr? Zah­len, Ter­mi­ne, Abschlüs­se? Oder sind es die Momen­te, in denen sich Hal­tung schärft, Per­spek­ti­ven öff­nen und Men­schen spü­ren: Mei­ne Arbeit macht einen Unter­schied.

2025 war für die Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin genau so ein Jahr.

Fach­ta­gung zu Autis­mus, ADHS und Neu­ro­di­ver­si­tät

Ein beson­de­rer Höhe­punkt war die Fach­ta­gung zu Autis­mus, ADHS und Neu­ro­di­ver­si­tät im Sep­tem­ber.

Das Ver­ständ­nis neu­ro­di­ver­gen­ter Men­schen stand hier im Mit­tel­punkt. Fach­lich, pra­xis­nah und mit gro­ßer Offen­heit wur­de dis­ku­tiert, wie Klient:innen jeden Alters in der Ein­glie­de­rungs­hil­fe und Sozia­len Arbeit res­sour­cen­ori­en­tiert beglei­tet wer­den kön­nen.

Die Reso­nanz zeig­te: Der Bedarf an Wei­ter­bil­dung zu Neu­ro­di­ver­si­tät ist groß. Genau hier setzt die Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie mit ihren Ange­bo­ten in der Wei­ter­bil­dung in Ber­lin an.

Studienabschluss neben dem Beruf – 75 Gründe stolz zu sein

Beruf, Fami­lie, Stu­di­um – und das alles gleich­zei­tig? 2025 haben 75 Absolvent:innen gezeigt, dass es mög­lich ist.

Wir gra­tu­lie­ren 45 Mas­ter- und 30 Bachelor-Absolvent:innen, die mit Aus­dau­er, Lei­den­schaft und fach­li­chem Anspruch ihren Abschluss erreicht haben.

Sie alle haben Wil­len gezeigt, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und Struk­tu­ren aktiv mit­zu­ge­stal­ten. Was die Aka­de­mie ihnen dafür bereit­stellt: zeit­li­che Fle­xi­bi­li­tät, Online-Modu­le und kom­pak­te Prä­senz­pha­sen in Ber­lin, damit sich aka­de­mi­sche Wei­ter­bil­dung und Berufs­all­tag rea­lis­tisch ver­ein­ba­ren las­sen.

Die­se Abschlüs­se ste­hen nicht nur für per­sön­li­che Erfol­ge, son­dern für eine pro­fes­sio­nell gestärk­te Sozia­le Arbeit, die den wach­sen­den gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen gewach­sen ist.

Weiterkommen durch Zertifikatskurse!

Auch jen­seits eines Stu­di­ums war 2025 ein star­kes Jahr: Über 300 Teil­neh­men­de haben erfolg­reich einen unse­rer Zer­ti­fi­kats­kur­se abge­schlos­sen.

Ob Betriebs­wirt­schaft in sozi­al­wirt­schaft­li­chen Dienst­leistungs­unter­nehmen, Qua­li­fi­zie­rung für (ange­hen­de) Geschäftsführer:innen in der Sozi­al­wirt­schaft, Ehren­amts­ma­nage­ment oder die Wei­ter­bil­dung zur Facherzieher:in für Teil­ha­be und Inklu­si­on. Die Nach­fra­ge zeigt, wie viel­fäl­tig die Ent­wick­lungs­we­ge in der Sozia­len Arbeit sind.

Unse­re Zer­ti­fi­kats­kur­se ermög­li­chen eine geziel­te, pra­xis­na­he Wei­ter­bil­dung, die unmit­tel­bar im Berufs­all­tag wirk­sam wird. Hier geht es zu den Zer­ti­fi­kats­kur­sen 2026.

„Zu(sammen)kunft der freien Wohlfahrtspflege“: ein Netzwerktreffen, das Hoffnung macht

Unser Netz­werktref­fen mit dem Mot­to „Zusam­men in die Zukunft“ sorg­te für span­nen­de Impul­se, wert­vol­len Aus­tausch und neue Erkennt­nis­se. Ange­sichts der Unsi­cher­hei­ten, die die Zukunft der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge prä­gen, sind unse­re Netz­werktref­fen im Sin­ne von Begeg­nungs­räu­men wich­ti­ger denn je.

Im Mit­tel­punkt stan­den zukunfts­wei­sen­de The­men wie KI, Kli­ma­wan­del und Wei­ter­bil­dung. Eine zen­tra­le Erkennt­nis: Eine schnel­le Welt braucht kei­ne schnel­len Lösun­gen. Im Gegen­teil, viel­mehr geht es dar­um, Bezie­hungs­fä­hig­keit und Refle­xi­ons­fä­hig­keit wie­der zu erler­nen, sich Zeit zu neh­men, um Kom­pro­mis­se aus­zu­han­deln und sich auf­ein­an­der ein­zu­las­sen. Denn kom­ple­xe Sys­te­me las­sen sich nur durch Ver­trau­en steu­ern. Etwa durch das Eta­blie­ren von Real­uto­pien, indem wir Din­ge gemein­sam den­ken und aus­pro­bie­ren.

Erkennt­nis­se, die sich mit den Ein­drü­cken der Teil­neh­men­den decken:

„Ich bin her­ge­kom­men, um Ver­än­de­run­gen pro­ak­tiv zu gestal­ten und nicht immer nur reak­tiv. Im KI-Work­shop habe ich gelernt, wie man mit KI auf nied­rig­schwel­li­ge Wei­se Auto­ma­ti­sie­run­gen eta­blie­ren kann. Das hat­te ich gar nicht auf dem Schirm. Wenn man sich Zeit nimmt, Struk­tu­ren zu defi­nie­ren, kann das rich­tig gut wer­den.“

(Vanes­sa Schwartz, Stellv. Geschäfts­füh­rung Stadt­teil­zen­trum Ste­glitz)

Man­che Din­ge gesche­hen in einer Grö­ßen­ord­nung, die wir als mit­tel­gro­ßer Trä­ger gar nicht so umset­zen kön­nen. Aber das noch ein­mal inno­va­tiv, anders zu den­ken und in den Aus­tausch zu kom­men – ich den­ke, das ist sehr wich­tig und hilf­reich.“

(Lei­tung Arbeits­kreis Nach­hal­tig­keit bei Lebens­wel­ten e. V.)

„Ich war nicht mehr nur im Hier und Jetzt, son­dern mal wie­der poli­tisch unter­wegs, was sehr gut getan hat – mal wie­der die Scheu­klap­pen weit auf­zu­ma­chen.“

(Bet­ti­na Göbetz, Lebens­hil­fe Ber­lin)

Das Feed­back zeigt uns, auch in Zukunft ver­stärkt Refle­xi­ons­räu­me zu eröff­nen und zum gemein­sa­men Aus­tausch ein­zu­la­den. Mit unse­rem News­let­ter blei­ben Sie auf dem Lau­fen­den.

Wir dan­ken allen Teil­neh­men­den, Dozie­ren­den und Partner:innen, die die­ses Jahr mög­lich gemacht haben: Wir freu­en uns auf alles, was kommt!

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Redak­ti­on: Dr. Caro­lin Alex­an­der, Julia Mann & Lucas Frye (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Fotos: Julia Mann und Lucas Frye

Maga­zin

Von der Pfle­ge bis zur Jugend­hil­fe: Pra­xis­bei­spie­le für erfolg­rei­ches Wir­kungs­ma­nage­ment 

Sep­tem­ber 2025 | Wir­kungs­ma­nage­ment

Von der Pflege bis zur Jugendhilfe:

Praxisbeispiele für erfolgreiches Wirkungsmanagement

Wie kön­nen wir die Wir­kung Sozia­ler Arbeit bes­ser dar­stel­len und was bringt das? In die­sem Bei­trag berich­ten uns drei enga­gier­te Men­schen aus der Pra­xis dar­über, wie Sie Wir­kungs­ma­nage­ment in ihrem Arbeits­be­reich mit Erfolg anwen­den. Vom Ehren­amt in Pfle­ge­wohn­ge­mein­schaf­ten bis hin zu nach­hal­ti­ger Jugend­hil­fe.  

Marie Schäff­ler, Kat­ja Wit­t­eck (Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin­nen bei der Ver­trau­ens­stel­le) und Chris­toph Boh­ne (sozi­al­päd­ago­gi­sche Fach­kraft Jugend­hil­fe & Team­lei­tung Schul­so­zi­al­ar­beit beim Krea­ti­vi­täts­schul­zen­trum Ber­lin) haben durch den Zer­ti­fi­kats­kurs in Wir­kungs­ma­nage­ment ihre Pro­jek­te geschärft, neue Ziel­grup­pen erreicht und Enga­ge­ment sicht­bar gemacht haben. Was das für ihren Arbeits­all­tag kon­kret bedeu­te­te, erzäh­len Sie uns in die­sem Inter­view. 

Warum ein Zertifikatskurs? Motivation für Wirkungsmanagement 

Was hat Sie moti­viert, sich inten­si­ver mit Wir­kungs­ma­nage­ment zu beschäf­ti­gen? 

Chris­toph Boh­ne: Mich hat beson­ders inter­es­siert, wie man Ange­bo­te und Pro­zes­se so steu­ern kann, dass sie unter begrenz­ten Res­sour­cen mög­lichst effek­tiv wir­ken. 

Marie Schäff­ler & Kat­ja Wit­t­eck: Die Nen­nung rei­ner Kenn­zah­len sagt zwar viel über den Auf­wand der Pro­jek­te in der sozia­len Arbeit aus, gibt aber in Bezug auf das gewünsch­te Ergeb­nis oft ein schwa­ches Bild ab, da die tat­säch­li­che Wir­kung oft­mals nicht sicht­bar wird. Wir woll­ten ler­nen, wie man das bes­ser dar­stel­len kann. 

Engagement für eine gute Pflege und kreative Kinder- und Jugendhilfe 

Wor­um geht es in Ihren Pro­jek­ten und was sol­len Sie bewir­ken? 

 

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Unser Pro­jekt wid­met sich der Fra­ge, wie gesell­schaft­li­che Teil­ha­be und sozia­le Kon­tak­te für die WG Bewohner:innen einer Pfle­ge­wohn­ge­mein­schaft geför­dert wer­den kön­nen. Hier­für möch­ten wir, neben der guten Bin­dung zu Pfle­ge­diens­ten, Men­schen für ein Ehren­amt als Ver­trau­ens­per­son begeis­tern. Dazu braucht es enga­gier­te Per­so­nen, offe­ne Pfle­ge­wohn­ge­mein­schaf­ten, inter­es­sier­te Mit­ar­bei­ten­de in Pfle­ge­diens­ten sowie eine zuge­wand­te Ver­wal­tung und Poli­tik.  

Lang­fris­tig möch­ten wir ein Sys­tem eta­blie­ren, das Sozi­al­raum­in­te­gra­ti­on und Teil­ha­be struk­tu­rell mit­denkt. Nicht nur optio­nal, son­dern als Teil guter Pfle­ge. Wir ver­su­chen, allen Betei­lig­ten mit unse­ren Ange­bo­ten gerecht zu wer­den, durch Bera­tung, Ver­mitt­lung, Beglei­tung, Aus­tausch und Schu­lun­gen. 

Chris­toph Boh­ne: Wir enga­gie­ren uns für ganz­heit­li­che, krea­ti­ve Kin­der- und Jugend­hil­fe sowie Bil­dung. Unser Ziel ist es, jun­ge Men­schen in ihrer Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und Selbst­stän­dig­keit zu för­dern. In mei­ner Rol­le gestal­te ich päd­ago­gi­sche Pro­zes­se und Reso­nanz­räu­me für Jugend­li­che und beglei­te gleich­zei­tig Mit­ar­bei­ten­de in ihrer Ent­wick­lung. 

 

Mit wel­chen Vor­kennt­nis­sen star­te­ten Sie den Kurs und was haben Sie im Lau­fe der Wei­ter­bil­dung gelernt? 

 

Chris­toph Boh­ne: Ich hat­te bereits ers­te Berüh­rungs­punk­te, zum Bei­spiel im Rah­men von Hil­fe­pla­nung oder Qua­li­täts­ent­wick­lung. Das The­ma tauch­te auch immer wie­der in Lite­ra­tur und Fort­bil­dun­gen auf.  

Ich habe gelernt, vor der Umset­zung bewusst einen Schritt zurück­zu­tre­ten und eine stra­te­gi­sche Per­spek­ti­ve ein­zu­neh­men. Wir­kung zeigt sich nicht nur in End­ergeb­nis­sen, son­dern beginnt bereits im All­tags­pro­zess.  

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Wir hat­ten bereits die Bro­schü­re gele­sen und auch in ande­ren Pro­jek­ten das The­ma Wir­kung beleuch­tet. Die inten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung im Kurs war ein gro­ßer Gewinn. Wir sind wei­ter­hin dabei, wur­den in vie­len bereits gegan­ge­nen Schrit­ten bestä­tigt, haben Neu­es gelernt und uns wei­ter­ent­wi­ckelt. 

Wir­kungs­ma­nage­ment ist zeit­in­ten­siv und erfor­dert Kraft. Manch­mal ist es bedau­er­lich, dass die­se Ener­gie nicht direkt in die Arbeit mit den Men­schen fließt. Auf der ande­ren Sei­te ist es wich­tig und rich­tig, die wert­vol­le Arbeit, die von so vie­len Akteur:innen der sozia­len Arbeit – beson­ders durch frei­wil­lig Enga­gier­te – geleis­tet wird, sicht­bar und greif­bar zu machen 

Wie haben Sie das Wis­sen über Wir­kungs­ma­nage­ment im Zer­ti­fi­kats­kurs kon­kret in Ihrer Arbeit umge­setzt? 

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Wir woll­ten die Auf­ga­be und das Pro­fil unse­res Pro­jekts schär­fen und dabei von Anfang an auch die Wir­kung mit­den­ken und pla­nen. Genau das haben wir im Kurs gemacht. 

Chris­toph Boh­ne: Ich habe eine voll­stän­di­ge Wir­kungs­trep­pe für die regel­mä­ßi­ge Grup­pen­run­de und Pro­jekt­pla­nung in der Jugend­wohn­grup­pe ent­wi­ckelt. Sie hilft mir dabei, mein päd­ago­gi­sches Han­deln geziel­ter zu pla­nen und zu reflek­tie­ren. Die Kurs­struk­tur war gut in mei­nen Arbeits­all­tag inte­grier­bar. Zusätz­lich konn­te ich das Gelern­te auf ande­re For­ma­te über­tra­gen – sogar im pri­va­ten Kon­text, etwa in mei­nem Enga­ge­ment als Ver­eins­vor­sit­zen­der eines Fuß­ball­ver­eins. 

Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck: Es fühl­te sich nicht wie ein zusätz­li­ches The­ma an, son­dern wie eine fach­li­che Unter­stüt­zung durch ein erwei­ter­tes Team. Das Wir­kungs­ma­nage­ment hat nicht nur unser Pro­jekt gestärkt, son­dern auch unse­re Rol­le als Koor­di­na­to­rin­nen ver­än­dert: Wir füh­len uns siche­rer dar­in, unse­re Arbeit stra­te­gisch zu reflek­tie­ren und sicht­bar zu machen. 

„Ich habe gelernt, vor der Umset­zung bewusst einen Schritt zurück­zu­tre­ten und eine stra­te­gi­sche Per­spek­ti­ve ein­zu­neh­men. Wir­kung zeigt sich nicht nur in End­ergeb­nis­sen, son­dern beginnt bereits im All­tags­pro­zess.“ Chris­toph Boh­ne 

Erfolg durch Wirkungsmanagement: Neue Zielgruppen und Auszeichnungen 

 

Marie Schäff­ler & Kat­ja Wit­t­eck: Ein kon­kre­tes Erfolgs­er­leb­nis war, dass wir durch das Wir­kungs­ma­nage­ment unser Selbst­ver­ständ­nis neu geschärft und dadurch eine zusätz­li­che Ziel­grup­pe defi­nie­ren konn­ten. Das hat uns gezeigt, wo unser Out­put beson­ders groß­flä­chig wir­ken kann und wel­che Netz­werk­part­ner wir für die nächs­ten Schrit­te brau­chen. So konn­ten wir das Pro­jekt gezielt neu aus­rich­ten und ers­te Unter­stüt­zer gewin­nen, die uns hel­fen, über unse­re Kern­ziel­grup­pe hin­aus­zu­wach­sen. 

Chris­toph Boh­ne: Ein beson­de­res High­light war, dass unser Enga­ge­ment durch das KIJU­NA-Sie­gel aus­ge­zeich­net wur­de – eine Aner­ken­nung für nach­hal­ti­ge Pro­jek­te, die Par­ti­zi­pa­ti­on und Bil­dung mit­ein­an­der ver­bin­den (mehr lesen) . 

Denn durch geziel­te Betei­li­gungs­for­ma­te und die ver­stärk­te Ein­be­zie­hung der Per­spek­ti­ven der Jugend­li­chen konn­ten wir das Pro­jekt „Rum­mel­was­ser – Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ umset­zen. 

Aus­gangs­punkt war eine gemein­sa­me Refle­xi­on über den Was­ser­ver­brauch in unse­rer Wohn­grup­pe – von der Dusche bis zum Abwasch. Die Jugend­li­chen recher­chier­ten zum Was­ser­fuß­ab­druck von Lebens­mit­teln, dis­ku­tier­ten über nach­hal­ti­gen Ein­kauf und Kon­sum, Fast Fashion, Was­ser­kreis­lauf und Trink­was­ser­qua­li­tät in Ber­lin. Sie hin­ter­frag­ten ihr eige­nes Ein­kaufs­ver­hal­ten, mach­ten Vor­schlä­ge für einen bewuss­te­ren Umgang mit Klei­dung, pro­du­zier­ten kur­ze Clips zum The­ma Was­ser und Nach­hal­tig­keit und über­leg­ten, wie man WG-All­tag und Kli­ma­be­wusst­sein bes­ser ver­bin­den kann. 

So wur­de deut­lich, wie Wir­kungs­ori­en­tie­rung prak­tisch greif­bar wird: von der All­tags­be­ob­ach­tung über gemein­sa­me Pro­jekt­pla­nung bis hin zu ech­ten Ver­än­de­run­gen im Den­ken und Han­deln der Jugend­li­chen. Ziel war es die Hal­tung zu ent­wi­ckeln, das jede:r wich­tig ist einen klei­nen Bei­trag zu leis­ten um so einen Unter­schied aus­zu­ma­chen. 

Vie­len Dank für das Inter­view!

 

Chris­toph Boh­ne, Sozi­al­päd­ago­gi­sche Fach­kraft Jugend­hil­fe & Team­lei­tung Schul­so­zi­al­ar­beit (Web­site) 

Kat­ja Wit­t­eck & Marie Schäff­ler, Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin­nen bei Ver­trau­ens­stel­le Ber­lin (Web­site) 

 

In Ihrem Pro­jekt fehlt noch das rich­ti­ge Wir­kungs­ma­nage­ment? Erfah­ren Sie im Zer­ti­fi­kats­kurs, wie Sie es anwen­den!

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Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto im Titel­bild: Marie Schäff­ler und Kat­ja Wit­t­eck (Foto: Kris­ti­na Kast

Bei­trags­fo­tos: Doku­men­ta­ti­on „Rum­mel­was­ser – Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ (Foto: Chris­toph Boh­ne) 

Wir­kungs­ma­nage­ment

Online-Zer­ti­fi­kats­kurs

10. Sep­tem­ber 2025 – 19. Febru­ar 2026

Ein­füh­rung in die Wir­kungs­ori­en­tie­rung

Online-Semi­nar

kos­ten­frei für Ber­li­ner Mit­glie­der

18. Sep­tem­ber 2025

Finanzierung Praktisch I – Die erfolgreiche Projektskizze

Online-Seminar

7. Novem­ber 2025

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Maga­zin

New York, New York! Eine Stu­di­en­rei­se zeig­te auf, wel­che wich­ti­ge Bedeu­tung Peers in der Sozi­al­ar­beit haben

Febru­ar 2025 | Rei­se­be­richt

New York, New York!

Eine Studienreise nach New York zeigt, welche wichtige Bedeutung Peers in der Sozialarbeit haben

Per­so­nen mit ähn­li­chen Erfah­run­gen oder Hin­ter­grün­den wie die Ziel­grup­pe, wer­den unter dem Begriff Peers gefasst. In der sozia­len Arbeit fun­gie­ren Sie als Unter­stüt­zen­de, Beglei­ten­de oder Vor­bil­der.

Suni­ta Maria Kumar lei­tet in Deutsch­land die Geschäf­te beim Zen­trum für psy­cho­so­zia­le Gesund­heit in Schaum­burg (ZeP­GiS e.V.). In die­sem Bei­trag berich­tet sie über die bedeut­sa­me Arbeit mit Peers in der Sozi­al­ar­beit, die sie auf ihrer Rei­se nach New York City beob­ach­tet hat. 

Im Okto­ber 2024 orga­ni­sier­te die Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin erneut eine Bil­dungs­rei­se nach New York. Es haben sich in die­sem Jahr 11 Sozialarbeiter:innen in sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen vor Ort bege­ben. Der us-ame­ri­ka­ni­sche Ansatz der Sozia­len Arbeit beruht vor allem auf einem Grund­satz: der Stär­kung von Com­mu­ni­ties.

In den USA bewährt – in Deutschland unterschätzt: Das Potenzial der Peers

Nicht jede Per­son hat Zugang zu den Ange­bo­ten der sozia­len Arbeit. Dem hin­zu kommt der Man­gel an Fach­kräf­ten sowie die unzu­rei­chen­de Reprä­sen­ta­ti­on von Min­der­hei­ten in der Sozia­len Arbeit. Peers spie­len daher eine ent­schei­den­de Rol­le, da sie durch ihre eige­ne Erfah­rung näher an den betrof­fe­nen Com­mu­ni­ties sind und die­se bes­ser errei­chen kön­nen.  

Das Poten­zi­al der Peers wird in Deutsch­land nicht aus­ge­schöpft. Im US-ame­ri­ka­ni­schen Sys­tem hat es sich bereits gut als Aus­gleich gegen den Fach­kräf­te­man­gel erwie­sen. Doch es ist nicht nur eine Metho­de, um den Per­so­nal­man­gel abzu­mil­dern, son­dern auch eine Mög­lich­keit, die sozia­le Arbeit viel­fäl­ti­ger, inklu­si­ver und näher an den Bedürf­nis­sen der Com­mu­ni­ties zu gestal­ten. 

Peers schaf­fen einen Aus­gleich gegen Fach­kräf­te­man­gel und sor­gen für ein inklu­si­ve­res Ange­bot

Peers brin­gen durch ihre eige­ne Erfah­rung eine beson­de­re Empa­thie und Authen­ti­zi­tät in die Arbeit ein, die her­kömm­li­che Fach­kräf­te oft nicht in glei­chem Maße bie­ten kön­nen. Sie ste­hen als Gleich­ge­sinn­te auf Augen­hö­he mit den Betrof­fe­nen und schaf­fen dadurch eine beson­de­re Ver­trau­ens­ba­sis. Die­se Art der Unter­stüt­zung passt her­vor­ra­gend in den aktu­el­len Zeit­geist mul­ti­pro­fes­sio­nel­ler Teams, die ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven und Exper­ti­sen zusam­men­brin­gen, um den best­mög­li­chen Sup­port zu leis­ten. In Berei­chen wie der psy­chi­schen Gesund­heit, Sucht­hil­fe oder Obdach­lo­sen­hil­fe kön­nen Peers als wich­ti­ge Bin­de­glie­der zwi­schen den betrof­fe­nen Men­schen und den pro­fes­sio­nel­len Fach­kräf­ten agie­ren. 

Durch die Eta­blie­rung von Peers als pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung kön­nen vor­han­de­ne Sozialarbeiter:innen ent­las­tet wer­den. Die Peer-Spe­zia­lis­ten arbei­ten eng mit Fach­kräf­ten zusam­men, bie­ten aber eine zusätz­li­che Dimen­si­on der Betreu­ung, die auf Gleich­wer­tig­keit und Augen­hö­he beruht.  

Unterstützung mit Perspektive und auf Augenhöhe: Beispiele aus New York City 

Den Zugang zu psy­chi­scher Gesund­heits­ver­sor­gung in der gesam­ten Stadt New York för­dert die Orga­ni­sa­ti­on NYC Mayor’s Office of Com­mu­ni­ty Men­tal Health. Peer-Arbeit ist ein inte­gra­ler Bestand­teil der Arbeit. Dort wer­den Peers aus­ge­bil­det, die durch ihre Nähe zu den Betrof­fe­nen eine wich­ti­ge Brü­cken­funk­ti­on zwi­schen der Com­mu­ni­ty und dem for­mel­len Hil­fe­sys­tem ein­neh­men. Das Ziel ist, Men­schen so früh wie mög­lich zu errei­chen, bevor Kri­sen eska­lie­ren. Bei einem Tref­fen mit einer lei­ten­den Mit­ar­bei­te­rin des Büros wur­de deut­lich, wie stark die Arbeit der Orga­ni­sa­ti­on auf den Auf­bau von Com­mu­ni­ty Resi­li­ence abzielt, also der eige­nen Wider­stands­kraft von Gemein­schaf­ten.

Das Pro­gramm von Howie the Harp, das die Teil­neh­men­den eben­falls auf ihrer Rei­se ken­nen­ge­lernt haben, ver­mit­telt den Betrof­fe­nen nicht nur fach­li­che Fähig­kei­ten für einen Ein­stieg ins Arbeits­le­ben, son­dern legt gro­ßen Wert auf Soft Skills wie Kom­mu­ni­ka­ti­on und Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on.  Wich­ti­ger Bestand­teil des Pro­gramms ist die ‚Housing First Cul­tu­re‘ – ein Kon­zept, das ein siche­res Zuhau­se als Basis für Hei­lung und lang­fris­ti­ge Sta­bi­li­tät betrach­tet.

Auch vie­le Peers befin­den sich in pre­kä­ren Lebens­la­gen, bezie­hen gerin­ge staat­li­che Unter­stüt­zung oder haben ein sehr nied­ri­ges Ein­kom­men. Das Trai­ning selbst erfor­dert ein hohes Zeit­auf­wand. Trotz­dem ist die Erfolgs­ge­schich­te des Pro­gramms beein­dru­ckend: Vie­le der ange­hen­den Peer-Spezialist:innen schaf­fen das Aus­bil­dungs­pro­gramm. Die Absolvent:innen haben dann die Mög­lich­keit, nach einem Prak­ti­kum als Peer-Spezialist:innen in ver­schie­de­nen sozia­len Fel­dern zu arbei­ten.

Die Lage in Deutsch­land

Zwar gibt es ers­te Fort­schrit­te, doch das Poten­zi­al bleibt weit­ge­hend unge­nutzt – die Peer-Arbeit fin­det in Deutsch­land noch immer nur in Nischen statt.

Zum Bei­spiel bie­ten die Ergän­zen­den Unab­hän­gi­gen Teil­ha­be­be­ra­tun­gen (EUT­Bs) Men­schen mit Behin­de­run­gen und ihren Ange­hö­ri­gen „nie­der­schwel­li­ge“ Bera­tun­gen an, die oft von Peers durch­ge­führt wer­den. Die­se Bera­tungs­stel­len sind ein Bei­spiel dafür, wie Men­schen mit eige­ner Erfah­rung ande­ren als Berater:innen zur Sei­te ste­hen und die Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen Leben för­dern. 

Auch in der Sucht­hil­fe hat sich der Ein­satz von Peer-Arbeit bewährt. Eben­so gibt es in der (Sozial-)Psychiatrie bereits Ansät­ze, bei denen Peers durch Wei­ter­bil­dun­gen wie ExIn (Expe­ri­en­ced Invol­vement) pro­fes­sio­nell qua­li­fi­ziert wer­den, um Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen zu unter­stüt­zen.

Ein wei­te­rer inno­va­ti­ver Ansatz ist die Inte­gra­ti­on von Ergotherapeut:innen und Physiotherapeut:innen, um auch Men­schen mit Obdach­lo­sig­keit bes­ser zu errei­chen und zu unter­stüt­zen. 

Fazit 

Die Ein­füh­rung und Ver­tie­fung von Peer-Pro­gram­men in Deutsch­land könn­te einen Durch­bruch für eine inklu­si­ve­re und effek­ti­ve­re Sozi­al­ar­beit dar­stel­len. Es bleibt zu hof­fen, dass der Peer-Sup­port hier­zu­lan­de nicht nur als Rand­phä­no­men behan­delt wird, son­dern sich zu einem inte­gra­len Bestand­teil des sozia­len Hil­fe­sys­tems ent­wi­ckelt. 

 

Ein Bericht von Suni­ta Maria Kumar (Sozi­al- und Orga­ni­sa­ti­ons­päd­ago­gin M.A., Geschäfts­lei­tung ZeP­GiS e.V. – www.zepgis.de )

Impres­sio­nen der New York Rei­se:

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Redak­ti­on: Julia Mann & Lucas Frye (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin )

Foto im Titel­bild: Pexels

Sozi­al­ar­beit in New York City. Aktu­el­le Ein­bli­cke in die US-ame­ri­ka­ni­sche Sozi­al­ar­beit

Bil­dungs­rei­se nach New York

27. Sept – 4. Okt 2025

Umgang mit Klas­sis­mus in der Sozia­len Arbeit und in sozia­len Orga­ni­sa­tio­nen

Online-Semi­nar

16. Mai 2025

Ehrenamtsmanagement intensiv

Zertifikatskurs

Start: 19. Novem­ber 2025

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Juli 2024 | Stu­di­um

Studieren mit Kind – im Masterstudium Sozialmanagement

Stu­die­ren und Eltern­schaft. Wie klappt das? Nika stu­diert aktu­ell den berufs­be­glei­ten­den Mas­ter­stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment. Mit dabei in den Vor­le­sun­gen ist auch ihr gera­de acht Mona­te altes Kind. Die Sozi­al­ar­bei­te­rin erzählt uns im Inter­view, wie ihr das Stu­di­um mit Kind gelingt. 

 

Paritätische Akademie: In welchem Semester befindest du dich gerade und was ist deine berufliche Tätigkeit?  

Nika: Ich arbei­te seit vier Jah­ren in einem Trä­ger der sta­tio­nä­ren Jugend­hil­fe in Ber­lin als Sozi­al­ar­bei­te­rin. Aktu­ell befin­de ich mich in Eltern­zeit und stu­die­re im drit­ten Semes­ter den Mas­ter in Sozi­al­ma­nage­ment. 

Wie kam es zu der Entscheidung, das Masterstudium aufzunehmen? 

 

Nika: Es war schon lan­ge mein Wunsch, ein Mas­ter­stu­di­um zu machen. Ich war mir nur lan­ge nicht sicher, in wel­chem Bereich. Als ich mich für die­sen Mas­ter ent­schie­den hat­te, habe ich ziem­lich zeit­gleich fest­ge­stellt, dass ich schwan­ger bin. Nach kur­zem Über­le­gen habe ich die Zusa­ge zum Stu­di­um trotz­dem abge­schickt. 

 

Da du jetzt in Elternzeit bist, hast du neben dem Studium noch die Verpflichtung, dein Kind zu betreuen. Wie organisierst und finanzierst du das alles? 

 

Nika: Ich bekom­me noch Eltern­geld. So kann ich für mein Kind da sein und stu­die­ren. Zusätz­li­che Ein­künf­te wür­den wie­der vom Eltern­geld abge­zo­gen wer­den. Ich habe ein gut funk­tio­nie­ren­des pri­va­tes Netz­werk, wofür ich sehr dank­bar bin. Mei­ne Freun­din­nen unter­stüt­zen mich und haben seit Beginn an eine Bezie­hung zu mei­nem Kind. In die­ser Situa­ti­on habe ich gemerkt, wie wich­tig Freund­schaf­ten sind.  

 

Was motiviert dich besonders daran, Sozialmanagement zu studieren?

 

Nika: Eine wich­ti­ge Rol­le spielt mei­ne intrin­si­sche Moti­va­ti­on. Mich inter­es­siert die betriebs­wirt­schaft­li­che Per­spek­ti­ve auf ein gemein­nüt­zi­ges und sozi­al­wirt­schaft­li­ches Unter­neh­men. Ich bin über­zeugt, dass mir die­ses Stu­di­um neue Türen öff­net und bin froh, die Eltern­zeit dafür nut­zen zu kön­nen, mich wei­ter zu qua­li­fi­zie­ren. 

Was möchtest du mit dem Studium machen? 

 

Nika: Das wird sich viel­leicht erst im Nach­hin­ein her­aus­stel­len. Ich fin­de es zum Bei­spiel inter­es­sant, dadurch die Mög­lich­keit und das Wis­sen zu haben, ein­mal zu grün­den.  Außer­dem schlie­ße ich es auch nicht aus, mich damit auf eine Lei­tungs­po­si­ti­on zu bewer­ben.  

 

Welche Inhalte des Studiums waren für dich bisher besonders wertvoll?  

 

Nika: In Arbeits­recht zum Bei­spiel kann­te ich mich vor dem Stu­di­um wenig aus. Auch die Finan­zie­rungs­fra­gen, die im Stu­di­um behan­delt wer­den, emp­fin­de ich als sehr wich­tig. Wenn ich weiß, was sich hin­ter bestimm­ten Begrif­fen ver­steckt, kann ich pro­fes­sio­nel­ler in die­sem Gebiet han­deln. Wo muss ich nach­schau­en, um zu prü­fen, ob etwas geset­zes­kon­form ist? Die­ses Wis­sen fin­de ich sehr nütz­lich, da es mir Sicher­heit im Berufs­all­tag ver­schafft.

 

Wie erlebst du das Studieren mit Kind an der Paritätischen Akademie Berlin? 

Nika: Die Tole­ranz gegen­über stu­die­ren­den Eltern ist recht hoch. Das liegt sicher auch am sozia­len Bereich. Ich kann zum Bei­spiel mein Kind mit in die Aka­de­mie brin­gen, wenn ich das vor­her mit den Dozie­ren­den und der Grup­pe abspre­che. Das ist eine gro­ße Unter­stüt­zung.  

Ein Kind ent­wi­ckelt sich per­ma­nent und somit ver­än­dert sich die Situa­ti­on stän­dig. Mein Kind ist jetzt acht Mona­te alt. Bald wird es anfan­gen zu Lau­fen und weni­ger schla­fen. Dem muss ich mich anpas­sen. Dadurch habe ich aber auch das Gefühl, immer wie­der über mich hin­aus­zu­wach­sen.  

 

Was wünscht du dir von der von der Politik und von Arbeitgeber:innen? 

 

Nika: Ich fin­de, dass Eltern­schaft gene­rell zu wenig wert­ge­schätzt wird. Und das fängt schon bei der Bezah­lung der Kita­kräf­te an, die in Deutsch­land ver­gleichs­wei­se sehr gering ist. 

 

Das Stu­di­um ist auch noch­mal etwas ande­res als die Arbeits­welt. Ich wür­de mir grund­sätz­lich mehr eine Inte­gra­ti­on von Kin­dern in der Arbeits­welt wün­schen. 

Vie­len Dank für das Gespräch und dei­ne Offen­heit. Wir wün­schen dir viel Erfolg im Stu­di­um!

Mehr Infos zum Stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment (M.A.) hier.

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Redak­ti­on: Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin

Foto im Titel­bild: Stu­den­tin Nika (Foto: Ele­na Gav­risch)

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Start: Okto­ber 2024

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Juni 2024 | Stu­di­um

Ein Benefit für Organisation und Mitarbeiter:in –  

im Gespräch über das Studium Sozialmanagement (M.A.) mit Daniela Radlbeck 

In die­sem kur­zen Inter­view spre­chen wir mit Danie­la Radl­beck, Alum­ni des Mas­ter­stu­di­en­gangs Sozi­al­ma­nage­ment an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie, und heu­te Fach­re­fe­ren­tin beim Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­band Ber­lin, über ihren beruf­li­chen Wer­de­gang. 

Paritätische Akademie: Liebe Frau Radlbeck, Sie sind Fachreferentin beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin für die Themenbereiche Wohnungsnotfallhilfe und Wohnungspolitik. Wie genau sieht Ihr Tätigkeitsbereich aus? 

Danie­la Radl­beck:  Mein Tätig­keits­be­reich umfasst The­men, die mit Woh­nungs­lo­sig­keit in Zusam­men­hang ste­hen. Dies beinhal­tet die Sozia­le Arbeit, die spe­zi­ell für woh­nungs­lo­se Men­schen in der Stadt not­wen­dig ist. Ich ver­tre­te die Inter­es­sen unse­rer Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen und set­ze mich für woh­nungs­lo­se Men­schen ein. Ich enga­gie­re mich im Bereich der Woh­nungs­po­li­tik im Sin­ne unse­rer Trä­ger. Ziel ist es, dass jeder Mensch in Ber­lin eine Woh­nung oder eine Unter­kunft fin­det, unab­hän­gig von Alter, Ein­kom­men oder Armut. 

 

In Ber­lin ist der Wohn­raum knapp, wes­halb wir uns als Sozi­al- und Wohl­fahrts­ver­band dazu ent­schie­den haben, uns nicht nur sozi­al­po­li­tisch, son­dern auch woh­nungs­po­li­tisch zu enga­gie­ren. In mei­ner Funk­ti­on ste­he ich im Aus­tausch mit den zustän­di­gen Senats­ver­wal­tun­gen. Dabei wird deut­lich: auch sozia­le Ange­bo­te benö­ti­gen Räu­me, nicht nur Wohn­räu­me sind teu­er, son­dern auch Gewer­be­räu­me für eine sozia­le Nut­zung. Die­ses The­ma bear­bei­te ich eben­falls als Refe­ren­tin. 

 

Als Refe­ren­tin bera­te ich kei­ne woh­nungs­lo­sen Men­schen direkt, son­dern unter­stüt­ze die Struk­tu­ren und Orga­ni­sa­tio­nen, die die­se Bera­tung durch­füh­ren. Häu­fig neh­me ich eine Ver­mitt­le­rin­nen­rol­le ein und ver­net­ze ver­schie­de­ne Akteu­re inner­halb der Stadt. Unser Lan­des­ver­band ver­fügt über Exper­ti­se in vie­len Berei­chen, die es gilt, mit­ein­an­der zu ver­bin­den. 

Wann haben Sie Sozialmanagement berufsbegleitend studiert und in welchem Bereich haben Sie in dieser Zeit tätig?

 

Danie­la Radl­beck: 2014 habe ich das Stu­di­um in Sozi­al­ma­nage­ment (M.A.) an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin begon­nen und 2018 abge­schlos­sen. Vor dem Stu­di­um war ich als Bereichs­lei­te­rin in einem Wohn­pro­jekt für Frau­en mit Sucht­er­kran­kun­gen tätig. Die­se Arbeit war sehr inten­siv und viel­fäl­tig. Wäh­rend des Stu­di­ums habe ich Voll­zeit gear­bei­tet, daher habe ich mir wäh­rend der Mas­ter­ar­beit etwas mehr Zeit genom­men, um alles par­al­lel zu bewäl­ti­gen. 

„Nach vie­len Jah­ren in Lei­tungs­po­si­tio­nen woll­te ich mein betriebs­wirt­schaft­li­ches Wis­sen erwei­tern und über den Tel­ler­rand hin­aus­bli­cken. Mir war es wich­tig, auch die theo­re­ti­schen Grund­la­gen ken­nen­zu­ler­nen und die Sozia­le Arbeit inno­va­tiv, wir­kungs­voll und effi­zi­en­ter zu gestal­ten.“

 

Sie hatten also bereits Leitungsverantwortung, bevor Sie den Master in Sozialmanagement studiert haben. Wie kam es dazu?

 

Danie­la Radl­beck: Nach mei­nem Stu­di­um der Sozia­len Arbeit über­nahm ich schnell Lei­tungs­ver­ant­wor­tung. Zunächst befris­tet als Eltern­zeit­ver­tre­tung. Wenn man ein­mal Lei­tungs­ver­ant­wor­tung über­nom­men hat, ist es schwie­rig, wie­der zurück­zu­tre­ten. So zog sich Lei­tungs- und Per­so­nal­ver­ant­wor­tung durch mei­ne gesam­te beruf­li­che Lauf­bahn. Zusätz­lich absol­vier­te ich eine drei­ein­halb­jäh­ri­ge Aus­bil­dung zur sys­te­mi­schen The­ra­peu­tin, um die Per­spek­ti­ven von Kin­dern, Jugend­li­chen und Eltern bes­ser ver­ste­hen und bestehen­de Kon­flik­te inner­halb der Fami­lie bes­ser lösen zu kön­nen. 

 

Warum haben Sie sich dann noch für ein Masterstudium in Sozialmanagement entschieden? 

 

Danie­la Radl­beck: Nach vie­len Jah­ren in Lei­tungs­po­si­tio­nen woll­te ich mein betriebs­wirt­schaft­li­ches Wis­sen erwei­tern und über den Tel­ler­rand hin­aus­bli­cken. Mir war es wich­tig, auch die theo­re­ti­schen Grund­la­gen ken­nen­zu­ler­nen und die Sozia­le Arbeit inno­va­tiv, wir­kungs­voll und effi­zi­en­ter zu gestal­ten. 

Was waren die wertvollsten Dinge, die Sie im Masterstudiengang erlernt haben? Was hat Ihnen in Ihrem Berufsleben weitergeholfen? 

 

Danie­la Radl­beck: Beson­ders span­nend fand ich den The­men­be­reich Organisations­entwicklung und Chan­ge Manage­ment. Ich habe stets bei frei­en, gemein­nüt­zi­gen Trä­gern gear­bei­tet. Auf­grund von sich ver­än­dern­den Rah­men­beding­ungen müs­sen Men­schen in Lei­tungs­ver­ant­wor­tung Ver­än­de­run­gen und Inno­va­tio­nen in der Orga­ni­sa­ti­on umset­zen. Man nutzt dabei meist bekann­te Metho­den inner­halb der eige­nen Kom­fort­zo­ne. In der Organisations­entwicklung geht es dar­um, Ver­än­de­rungs­im­pul­se zu star­ten und mit Wider­stand kon­struk­tiv umzu­ge­hen. Hier konn­te ich viel ler­nen. 

 

Im Stu­di­um wur­den wir durch ein Coa­ching beglei­tet, was sich als sehr hilf­reich erwies. Der Aus­tausch mit ande­ren Stu­die­ren­den und Coa­ches hat mei­nen „Hand­werks­kof­fer“ deut­lich erwei­tert und mich „muti­ger“ gemacht, neue Instru­men­te aus­zu­pro­bie­ren und mei­nen Stil zu fin­den. 

 

Zu Beginn mei­ner beruf­li­chen Tätig­keit als Sozi­al­ar­bei­te­rin hät­te ich nicht gedacht, dass ich ein­mal als Refe­ren­tin bei einem Wohl­fahrts­ver­band arbei­ten wür­de. Ich dach­te, ich wür­de wei­ter in der direk­ten Bera­tung oder in einer the­ra­peu­ti­schen Bezie­hung mit Men­schen arbei­ten. Durch das Stu­di­um hat sich mein beruf­li­cher Hori­zont erheb­lich erwei­tert.  

 

Konnten Sie sich das Studium selbst finanzieren? Und wie haben Sie es geschafft, Arbeit und Studium zu vereinbaren?

 

Danie­la Radl­beck: Ja, ich habe das Stu­di­um kom­plett selbst finan­ziert. Neben dem Stu­di­um hat­te ich eine Voll­zeit­stel­le und muss­te mei­ne Zeit gut orga­ni­sie­ren. Für die Prä­senz­zei­ten konn­te ich Bil­dungs­ur­laub neh­men, aber alle zusätz­li­chen Stu­di­en­leis­tun­gen wur­den neben­bei erbracht. Aus dem Grund gestal­te­te ich Prä­sen­ta­tio­nen oder Stu­di­en­lei­tun­gen so, dass mein Arbeit­ge­ber davon pro­fi­tie­ren konn­te. 

 

Wäh­rend des Stu­di­ums hat­te ich einen Unfall, der mich zu einer Pau­se zwang. Die­se Zeit nutz­te ich, um mich zu sor­tie­ren und mei­ne Prio­ri­tä­ten zu über­den­ken. Nach dem Unfall wech­sel­te ich zum Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­band und arbei­te­te dort zunächst in Teil­zeit, um mei­ne Mas­ter­ar­beit abzu­schlie­ßen, der Lan­des­ver­band kam mir dabei sehr ent­ge­gen. 

 

Wenn mir etwas Spaß und Freu­de macht, kann ich sehr viel leis­ten. Das Stu­di­um hat mir größ­ten­teils Spaß gemacht und ich hat­te wun­der­ba­re Kom­mi­li­to­nin­nen und Kom­mi­li­to­nen. 

 

Haben Sie durch das Studium ein gutes Netzwerk aufgebaut? 

 

Danie­la Radl­beck: Ja. Mit eini­gen ehe­ma­li­gen Mit­stu­die­ren­den bin ich wei­ter­hin in losem Kon­takt. Beim letz­ten Alum­ni-Tref­fen war sogar eine klei­ne Grup­pe von ehe­ma­li­gen Kom­mi­li­to­nen anwe­send. Mit mei­nen engs­ten Stu­di­en­freun­den bin ich über eine Mes­sen­ger-Grup­pe ver­bun­den und wir ver­su­chen, uns min­des­tens ein­mal im Jahr zu tref­fen. 

„Zu Beginn mei­ner beruf­li­chen Tätig­keit als Sozi­al­ar­bei­te­rin hät­te ich nicht gedacht, dass ich ein­mal als Refe­ren­tin bei einem Wohl­fahrts­ver­band arbei­ten wür­de. Ich dach­te, ich wür­de wei­ter in der direk­ten Bera­tung oder in einer the­ra­peu­ti­schen Bezie­hung mit Men­schen arbei­ten. Durch das Stu­di­um hat sich mein beruf­li­cher Hori­zont erheb­lich erwei­tert.“  

 

Wenn Mitarbeitende den Wunsch haben, sich beispielsweise durch ein Studium weiterzubilden, welche Inhalte und Fähigkeiten würden dem Arbeitgeber Ihrer Meinung nach zugutekommen? 

 

Danie­la Radl­beck: Sowohl die Orga­ni­sa­ti­on als auch die Per­son pro­fi­tie­ren. Die Stu­di­en­in­hal­te sind immer pro­jekt- oder pro­zess­be­zo­gen bzw. pra­xis­be­zo­gen. Es wird immer einen Aus­tausch zwi­schen den The­men des Stu­di­ums und der Orga­ni­sa­ti­on geben. Ich glau­be, dass es einen Bene­fit für bei­de hat. Wich­tig ist, dass die Orga­ni­sa­ti­on die­sen Aus­tausch ermög­licht, för­dert und die dann gute aus­ge­bil­de­te Per­son hält. 

 

Die Ver­bin­dung von Theo­rie und Pra­xis ist sehr wich­tig. Stu­die­ren­de erwer­ben nicht nur theo­re­ti­sches Wis­sen, son­dern soll­ten die­ses Wis­sen auch in Pro­jek­ten oder in Ihrem Tätig­keits­feld umset­zen. Es ist wich­tig, dass Stu­die­ren­de zum Bei­spiel nicht nur etwas über das Zuwen­dungs­recht ler­nen, son­dern auch die Mög­lich­keit haben beim Pro­jekt oder beim Trä­ger die Umset­zung ken­nen­zu­ler­nen und das gelern­te Wis­sen in der Pra­xis anwen­den. 

 

Seit mei­nem Abschluss 2018 hat sich die Arbeits­welt stark ver­än­dert, vor allem durch Coro­na. Digi­ta­le Medi­en und künst­li­che Intel­li­genz spie­len eine immer grö­ße­re Rol­le. Auch in der sozia­len Arbeit ist es wich­tig, auf dem neu­es­ten Stand zu blei­ben, inno­va­tiv zu sein aber auch wei­ter­hin per­sön­li­che Begeg­nun­gen zu ermög­li­chen. 

Vie­len Dank für das Inter­view! Wir freu­en uns dar­auf, in einem wei­te­ren Gespräch mehr über Ihren Arbeits­be­reich zu erfah­ren. 

Das Inter­view führ­ten Ele­na Gav­risch und Julia Mann von der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin.  

 

Wei­ter­füh­ren­de Links: 

Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band Ber­lin:  https://www.paritaet-berlin.de

Mehr Infos zum Stu­di­en­gang Sozi­al­ma­nage­ment (M.A.) hier.

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Redak­ti­on: Julia Mann (Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin)

Foto im Titel­bild: Danie­la Radl­beck (Foto: Ele­na Gav­risch)

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