Gesundheitssystem und Soziale Arbeit:
Dozentin Berit Kempe über die Rolle der Sozialmedizin
Krankheit, Überforderung, Bürokratie. Diesen Phänomenen begegnen Fachkräfte in der Sozialen Arbeit häufig. Deshalb sind sozialmedizinische Grundlagen so wichtig für das Berufsfeld Soziale Arbeit, erklärt Berit Kempe. In ihrer Lehre geht es ihr um die Frage von Ressourcen, die für viele Familien und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen wichtig sind, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen: Von der Hilfe, das Recht auf bestimmte Leistungen durchzusetzen, bis hin zur psychosozialen Unterstützung.
Berit Kempe ist Dipl. Sozialarbeiterin und freie Dozentin an der Paritätischen Akademie Berlin. In diesem Interview stellt sie Ihren Weg in das Fachgebiet Gesundheit und Sozialmedizin und die Relevanz ihres Bereichs für den Berufspraxis vor.
Wie sind Sie zur Sozialmedizin gekommen?
Seit 15 Jahren arbeite ich im Gesundheitssystem, in dem neben der medizinischen Versorgung die Soziale Arbeit und Pädagogik eine relevante Rolle spielen. Ich wurde 2020 von einer Professorin der Alice Salomon Hochschule Berlin eingeladen, Studierenden in Seminaren meine praktische Tätigkeit nahezubringen. Das hat sich immer weiterentwickelt. So lehre ich seit einigen Jahren auch an der Paritätischen Akademie Berlin. Neben der Wissensvermittlung ist es mir sehr wichtig das Selbstbewusstsein der Studierenden als Fachkräfte und eine wertschätzende Haltung zu fördern.
Was motiviert Sie?
Eine gute Versorgung von Menschen, die von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind und die eine bestmögliche Teilhabe am Leben liegen mir sehr am Herzen. Die Lehre ist eine Möglichkeit, neuen Fachkräften relevantes Wissen dafür mitzugeben.
Auch ich selbst lerne dabei immer wieder dazu. Die Kenntnisse, Perspektiven und Fragen der Studierenden erweitern stetig meinen Horizont.
Das Zusammenspiel von individuellen und gesellschaftlichen Risikofaktoren, Resilienz und Ressourcenförderung spielt in der Sozialen Arbeit eine große Rolle.
Was lernen Studierende in Ihren Lehrveranstaltungen?
In der Sozialmedizin geht es um die Wechselwirkungen zwischen Gesundheit, Krankheit und sozialen Faktoren. Da wir uns im Bereich Soziale Arbeit bzw. der Heilpädagogik bewegen, geht es zudem immer darum, wie wir Menschen unterstützen können. Das Spektrum reicht hier von Prävention und Gesundheitsförderung bis zu Gesundheitssystem und Versorgung.
Tätigkeitsfelder sind etwa Nachbarschaftszentren, in denen Präventions- und Beratungsgebote stattfinden oder die Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder die Arbeit mit Familien.
So kann es zum Beispiel sein, dass wir als Fachkräfte eine Familie begleiten, in der ein Kind von einer Behinderung betroffen ist. Die Aufgabe ist es, hier nicht nur die passende Behandlung und individuelle Förderung des Kindes zu organisieren, sondern auch den Rest der Familie, Ressourcen und Risikofaktoren im Blick zu behalten.
Womit beschäftigen Sie sich genau?
Aktuell beschäftige ich mich am intensivsten mit dem Bereich Sozialpsychiatrie. Das Zusammenspiel von individuellen und gesellschaftlichen Risikofaktoren, Resilienz und Ressourcenförderung spielt in der Sozialen Arbeit eine große Rolle. Dass – wie sich auch in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte zeigt – sehr viele Menschen von psychischen Erkrankungen betroffen sind, spiegelt sich natürlich auch in unserer praktischen Arbeit wider. Mir ist es daher wichtig, dem Thema auch in der Lehre ausreichend Raum zu geben und den Studierenden ein fundiertes Wissen mitzugeben.
Ich möchte einen Raum schaffen, in dem man sich mit eigenen Erfahrungen und Denkmustern auseinandersetzen kann.
Was macht Ihnen in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin besonders Freude und was möchten Sie den Studierenden mitgeben?
An der Paritätischen Akademie sind die Studierenden oft sehr reflektiert und motiviert. Sie bringen bereits einen großen Erfahrungsschatz mit und setzen sich gern kritisch mit Themen auseinander. So macht das Lehren, Diskutieren, Reflektieren großen Spaß.
Ich möchte einen Raum schaffen, in dem man sich mit eigenen Erfahrungen und Denkmustern auseinandersetzen kann. Zudem halte ich es für wichtig, einen realistischen Einblick in das Versorgungssystem, zu dem ja auch wir gehören, zu erhalten. So versuche ich die Studierenden dabei zu unterstützen, eine wertschätzende, offene, aber auch kritische Haltung zu entwickeln.
Darüber hinaus begleite und berate ich Studierende im Bereich Fallverstehen und Praxisreflexion.
Berit Kempe ist Dozentin für den Bereich Gesundheit und Sozialmedizin an der Paritätischen Akademie Berlin in den Studiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik, die in Kooperation mit der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP) durchgeführt werden.
Sie arbeiten im sozialen Beruf und fragen sich, ob ein berufsbegleitendes Studium etwas für Sie ist? Informieren Sie sich auf der Seite unserer Studiengänge.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Titelbild: Berit Kempe (Foto: Klaus Fehring)
3 Fehler beim Onboarding
und was ihr stattdessen tun könnt (von Tanja Tissen)
Tanja Tissen begleitet soziale Organisationen in der Organisationsentwicklung und beim Onboarding neuer Mitarbeiter:innen (zum Seminar). Wir haben sie um Tipps gebeten, wie der Einstieg neuer Kolleg:innen gut gelingen kann und welche Fehler Organisationen nicht mehr machen sollten. Das ist ihre Antwort:
Klar, lässt sich Onboarding professionell aufsetzen. Indem man Führungskräfte in Workshops schult oder neue und bestehende (!) Kolleg:innen beim Onboarding-Prozess professionell begleitet (zum Beispiel in diesem Kurs).
Was aber sind Dinge, die ihr auch jetzt eigenständig und ohne großen Mehraufwand umsetzen könnt? In diesem Beitrag zeige ich euch 3 typische Onboarding-Fehler und was ihr stattdessen machen könnt.
#1 Don’t: Dicke Onboarding-Mappen oder Ordner
Do: Reduziert es auf das Wesentliche!
Oft wird gefragt „Was muss alles noch in die Onboarding-Mappe?“. Wie wär’s erst einmal mit der Frage: „Was kann weg?”. Das gilt für Onboarding-Mappen aus Papier genauso wie für überfüllte digitale Ordner. Je mehr ihr diese Informationsflut reduziert (oder zumindest wochenweise dosiert), desto einfacher können sich neue Kolleg:innen Informationen auch langfristig einprägen.
Für den Fall, dass nichts so wirklich weg kann: welche Unterlagen oder Informationen könnten zumindest zu einem späteren Zeitpunkt eingestreut werden? Um das herauszufinden, könnt ihr eure zuletzt eingearbeiteten Kolleg:innen fragen, welche Informationen sie erst später oder nie gebraucht haben und entsprechend kürzen.
Am Anfang ist nahezu jede Information neu. Ich vergleiche das gern mit dem Aufwand für euren täglichen, routinierten Arbeitsweg und dem Aufwand, wenn ihr zum 1. Mal an einem neuen Ort seid und bei jeder Abbiegung die Route prüfen müsst. Letzteres kostet deutlich mehr Denkleistung, bringt aber auch Vorteile mit sich, die ich gern in Punkt 2 erläutern möchte:
#2 Don’t: Feedback ohne Anpassungsbedarf
Do: Legt fest, wie ihr mit Feedback umgeht!
Wenn Aussagen wie „Sag uns doch bitte, wenn dir in den ersten Wochen etwas auffällt” oder „Dein Feedback ist eine tolle Chance für uns” nur als Wohlfühl-Floskeln gemeint sind, lasst sie weg. Feedback braucht regelmäßige Räume, in denen explizit danach gefragt wird, um wirklich einen Nutzen zu stiften. Sonst kann es schnell mal passieren, dass Generationenkonflikte unnötig verstärkt werden, weil neue Kolleg:innen „ungefragt in offener Runde herumkritisieren”.
Ich vertrete den Standpunkt, dass neue Kolleg:innen gerade mit ihrer Unwissenheit wertvolle Perspektiven für die Verbesserung von Strukturen und Prozessen beitragen. Genauso wie die Leute, die diese Prozesse vor Ihnen aufgebaut haben. Um dieses Potential zu nutzen, statt zu verbrennen, empfehle ich folgende Fragen möglichst konkret und in sicheren Räumen, z.B. in Probezeitgesprächen, zu stellen:
- Was ist dir bei uns bisher aufgefallen, was wir vielleicht gar nicht mehr sehen?
- Wovon brauchst du mehr, wovon weniger in den kommenden Wochen?
- Wie empfindest du die Arbeit mit Tool X, Y, Z? Welche Fragen hättest du hierzu?
Wenn euch solche Fragen irgendwie unpassend erscheinen, empfehle ich, zumindest die Fragen von neuen Kolleg:innen als wertvolles Feedback aufzunehmen. Denn genau diese Fragen sind es, die bestehende Inkonsistenzen, Prozessfehler oder Ineffizienzen deutlich machen – etwas, wofür man sonst auch mal externe Beratung einkauft!
#3 Don’t: Voreilig Rückschlüsse ziehen
Do: Zieht an einem Strang!
Wenn eine neue Person Aufgaben oder Prozesse nicht direkt versteht oder automatisch mitmacht, liegt das manchmal weniger an der Person und mehr am Kontext und Umfeld: Beispielsweise habe ich miterlebt, dass eine neue Kollegin sich zu Beginn erst kaum einbrachte und dann später zunehmend ihre Verwirrung und ihren Unmut äußerte. Das hätte man natürlich als passiv, unmotiviert oder sogar frech deuten können. Was diese Betrachtung aber außer Acht lassen würde: an der neuen Stelle, die für diese Person geschaffen wurde, liefen haufenweise Ungereimtheiten und Ineffizienzen zusammen. Dies war in der vorherigen Arbeitsteilung schlichtweg nicht aufgefallen.
Statt bestehende Vorgehensweisen stumpf zu akzeptieren, konnte genau diese Kollegin maßgeblich beim Aufsetzen neuer Prozesse und Tools in beratender Funktion mitwirken. So konnten nicht nur Qualitätslücken bereinigt, sondern auch der Aufwand für alle Beteiligten erheblich reduziert werden.
Die letzten beiden Do’s greifen also ineinander: wird ein geeigneter Raum für Kritik gegeben, kann diese leichter geäußert werden. Es wird ein Gewinn für alle daraus, wenn man die Kritik nutzt, um Prozesse (und nicht die Arbeitsweise einer Person) gemeinsam überarbeitet.
An dieser Stelle möchte ich erstmal einen Punkt setzen. Natürlich ist das Thema Onboarding damit nicht beendet. Wenn ihr den Prozess der Einarbeitung neuer Kolleg:innen umfassend angehen wollt, erfahrt ihr in diesem Seminar mehr!
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Autorin: Tanja Tissen (Systemisches Coaching & Organisationsentwicklung: Frei-Bindungen)
Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Tanja Tissen
Sozialarbeit in den USA vs. Deutschland?
Über Innovative Konzepte aus New York (5 Fragen an Chris Hanway)
mit deutscher Übersetzung weiter unten
Wie wird Soziale Arbeit in den USA gedacht und umgesetzt? Und was können Fachkräfte in Deutschland daraus mitnehmen? Chris Hanway (Bild Mitte), Mitorganisator der jährlichen New-York-Reise und verantwortlich für das Austausch-Programm, gibt Einblicke in seine Arbeit an sogenannten Settlement Houses vor Ort. Im Interview spricht er über die wichtigsten Unterschiede zwischen Deutschland und den USA in der sozialen Arbeit und darüber, welchen Mehrwert internationale Austauschformate wie diese für die Praxis bieten.
Dear Chris, you’ve been working at Jacob A. Riis Neighborhood Settlement for more than 17 years, including several years as executive director. What motivated you personally to work there?
I had been working at larger NGO related to health care, architecture, and support for victims of crime and all of them were gratifying and challenging, but I was looking for an opportunity to work directly in communities, particularly in communities that are often overlooked and neglected. At the time, I had no idea what a Settlement House was, but the job posting seemed to offer the possibility of working directly with the community, learning from them just as I hoped they could learn from me. I never dreamed that a few years later, I would become Executive Director and remain at Riis Settlement for over 17 years and counting!
Settlement houses like Riis Settlement are not very common in Germany. Could you describe what your work involves and what a typical day is like for you as the executive director?
My work involves a little bit of everything, which is exactly why I love it. As a Settlement House, Riis is necessarily a multi-service organization, so we work with children, youth, adults of all ages especially older adults, as well as immigrants from around the world. I am involved and exposed to all of our programmatic activities from after-school programming for kids, to English language classes for immigrants, to provision of meals to food-insecure-neighbors. But of course, I also fundraise, interact with government officials, oversee the finances of the organization and a whole lot more. One thing that I try to ensure every single day is that Riis Settlement is empowering our community, doing and acting WITH, not for or to the community. Our community is filled with strength and power and effect change themselves. We are helpers.
There is something special about this intensely local,
multi-generational/ intergenerational, multi-service organizations with multiple points of entry, which serve as community hubs, town squares, safe spaces and places of person expression all at once.
Chris Hanway
What do you think are the main similarities and differences between social work in the United States and in Germany?
I think social work in both the United States and Germany is grounded in shared values such as promoting social justice, supporting and empowering vulnerable populations, and improving well-being across the lifespan. In the U.S. social work is more strongly shaped by our decentralized welfare system and greater reliance on nonprofit and private services, while your social work operates within a more comprehensive, state-centered model. Despite these structural differences, social workers in both countries face similar challenges, including heavy caseloads, emotional stress, and the need to adapt practice to changing realities, especially around migration and agin populations.
What do you think social workers in Germany could learn from their colleagues in the United States, or specifically in New York?
I think they could learn how to successfully combine advocacy, community organizing, case management, clinical work, and administrative finesse. I say this, not because German Social Workers don’t do these things, but because social workers in New York City seem to have to be able to do all of them every single day. I am not a trained or licensed social worker, but I work with many of them, of course, and I am amazed by how they are able to manage and juggle all of these different necessary skills to make their jobs work and help their clients and neighbors.
Having worked on several exchange programs, what are some moments that participants often describe as eye-opening? And is there anything you particularly like to show German social workers during their visit?
They love visiting Settlement Houses, of course! 😊 There is something special about this intensely local,
multi-generational/ intergenerational, multi-service organizations with multiple points of entry, which serve as community hubs, town squares, safe spaces and places of person expression all at once. We serve grandparents and their grandchildren and bring many different types of people from within the community together and there is something magical and life-affirming about that.
Deutsche Übersetzung
Lieber Chris, du arbeitest seit mehr als 17 Jahren bei Jacob A. Riis Neighborhood Settlement, davon mehrere Jahre als Geschäftsführer. Was hat dich persönlich dazu motiviert, dort zu arbeiten?
Ich hatte zuvor bei größeren NGOs in den Bereichen Gesundheitswesen, Architektur und Opferhilfe gearbeitet, und all diese Tätigkeiten waren erfüllend und herausfordernd, aber ich suchte nach einer Möglichkeit, direkt in den Gemeinden zu arbeiten, insbesondere in solchen, die oft übersehen und vernachlässigt werden. Damals hatte ich keine Ahnung, was ein Settlement Haus ist, aber die Stellenanzeige schien die Möglichkeit zu bieten, direkt mit der Gemeinschaft zu arbeiten und von ihr zu lernen, genauso wie ich hoffte, dass sie von mir lernen könnte. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich wenige Jahre später Geschäftsführer werden und über 17 Jahre lang bei Riis Settlement bleiben würde – und es geht immer noch weiter!
Settlement-Häuser wie das Riis Settlement sind in Deutschland eher unbekannt. Könnten Sie beschreiben, worin Ihre Arbeit besteht und wie ein typischer Tag für Sie als Geschäftsführer aussieht?
Meine Arbeit umfasst ein bisschen von allem, und genau deshalb liebe ich sie. Als „Settlement House“ ist Riis zwangsläufig eine Organisation mit vielfältigen Dienstleistungsangeboten. Deshalb arbeiten wir mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen jeden Alters – insbesondere mit Senioren – sowie mit Migrant:innen aus aller Welt zusammen. Ich bin an all unseren programmatischen Aktivitäten beteiligt und mit ihnen vertraut, von der Nachmittagsbetreuung für Kinder über Englischkurse für Migrant:innen bis hin zur Essensausgabe für Nachbar:innen, die unter Ernährungsunsicherheit leben. Aber natürlich kümmere ich mich auch um das Fundraising, stehe im Austausch mit Behördenvertreter:innen, überwache die Finanzen der Organisation und vieles mehr. Eine Sache, die ich jeden Tag sicherstellen möchte, ist, dass Riis Settlement unsere Gemeinschaft stärkt und MIT ihr handelt, nicht FÜR sie oder an ihr. Unsere Gemeinschaft ist voller Kraft und Stärke und kann selbst Veränderungen bewirken. Wir sind Helfende.
Diese stark lokal verankerten, generationsübergreifenden Organisationen mit vielfältigen Angeboten und zahlreichen Zugangsmöglichkeiten haben etwas ganz Besonderes an sich: Sie dienen gleichzeitig als Dreh- und Angelpunkt der Gemeinschaft, als Stadtplatz, als sicherer Ort und als Raum für die persönliche Entfaltung.
Chris Hanway
Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Sozialarbeit in den Vereinigten Staaten und in Deutschland?
Ich denke, dass die Sozialarbeit sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland auf gemeinsamen Werten basiert, wie der Förderung sozialer Gerechtigkeit, der Unterstützung und Stärkung benachteiligter Bevölkerungsgruppen sowie der Verbesserung des Wohlbefindens über alle Lebensphasen hinweg. In den USA ist die Sozialarbeit stärker von unserem dezentralisierten Sozialsystem und einer größeren Abhängigkeit von gemeinnützigen und privaten Dienstleistungen geprägt, während Ihre Sozialarbeit im Rahmen eines umfassenderen, staatlich ausgerichteten Modells funktioniert. Trotz dieser strukturellen Unterschiede stehen Sozialarbeiter:innen in beiden Ländern vor ähnlichen Herausforderungen, darunter hohe Fallzahlen, emotionaler Stress und die Notwendigkeit, die Praxis an sich wandelnde Realitäten anzupassen, insbesondere im Zusammenhang mit Migration und einer alternden Bevölkerung.
Was könnten Sozialarbeiter:innen in Deutschland Ihrer Meinung nach von ihren Kolleg:innen in den Vereinigten Staaten oder speziell in New York lernen?
Ich glaube, sie können lernen, wie man Interessenvertretung, Gemeinschaftsarbeit, Fallmanagement, klinische Arbeit und administratives Geschick erfolgreich miteinander verbindet. Ich sage das nicht, weil deutsche Sozialarbeiter:innen diese Dinge nicht tun, sondern weil Sozialarbeiter:innen in New York City offenbar in der Lage sein müssen, all das jeden Tag zu bewältigen. Ich bin kein ausgebildeter oder zugelassener Sozialarbeiter, aber ich arbeite natürlich mit vielen von ihnen zusammen und bin beeindruckt davon, wie sie all diese verschiedenen notwendigen Fähigkeiten unter einen Hut bringen und jonglieren, um ihre Arbeit zu bewältigen und ihren Klient:innen und Nachbar:innen zu helfen.
Sie haben bereits an mehreren Austauschprogrammen mitgewirkt – welche Momente werden von den Teilnehmern oft als besonders aufschlussreich erlebt? Und gibt es etwas, das Sie deutschen Sozialarbeitern während ihres Besuchs besonders gerne zeigen?
Natürlich besuchen sie gerne die Settlement Häuser! 😊 Diese stark lokal verankerten, generationsübergreifenden Organisationen mit vielfältigen Angeboten und zahlreichen Zugangsmöglichkeiten haben etwas ganz Besonderes an sich: Sie dienen gleichzeitig als Dreh- und Angelpunkt der Gemeinschaft, als Stadtplatz, als sicherer Ort und als Raum für die persönliche Entfaltung. Wir betreuen Großeltern und ihre Enkelkinder und bringen viele verschiedene Menschen aus der Gemeinschaft zusammen und das hat etwas Magisches und Lebensbejahendes an sich.
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Redaktion: Lucas Frye (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Prof. Stapf-Finé (li), Chris Hanway (mi) und Dilek Yüksel (re) – 2022, New York
Was bedeutet soziale Ungleichheit, Dr. Vera Santos?
Im Interview mit unserer Dozentin Dr. Rocío Vera Santos
Frau Dr. Vera Santos, Sie lehren sowohl in den Bachelorstudiengängen Soziale Arbeit und Heilpädagogik als auch im Masterstudiengang Sozialmanagement. Worum geht es in Ihrem Fachgebiet?
Mein Fachgebiet ist die Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit, Rassismus, Gender- und Ethnicity Studies.
Was bedeutet soziale Ungleichheit?
Soziale Ungleichheit ist ein multidimensionales und strukturelles Phänomen. Sie bezeichnet die Disparitäten zwischen sozialen Gruppen, die durch eine hierarchische Ordnung beim Zugang zu Ressourcen entstehen. Diese gehen über das Ökonomische hinaus und umfassen auch politische, soziokulturelle und ökologische Dimensionen.
Womit beschäftigen Sie sich genau?
Ich untersuche soziale Ungleichheit als historisches Ergebnis von Kolonialismus, Versklavung und dem transatlantischen Sklavenhandel sowie als Folge bis heute fortbestehender und transnational verflochtener Machtverhältnisse, Machtstrukturen und Mechanismen des Ausschlusses (z. B. soziale Stratifikationen, Diskurse und rechtliche Rahmenbedingungen). Darüber hinaus beschäftige ich mich mit Formen des Widerstands, Prozessen der Identitätsstärkung sowie mit Fragen der Reparation und der Anerkennung afrikanischer und indigener Wissensformen.
Wie sind Sie zu diesem Gebiet gekommen und was genau interessiert Sie?
Ich bin während meiner Promotion und meines Postdocs am Lateinamerika-Institut zu diesem Themenfeld gekommen, als ich begann, mich intensiver mit Fragen sozialer Ungleichheit, Kolonialgeschichte und Rassismus in Lateinamerika zu beschäftigen. Auf der Mikroebene habe ich insbesondere die Konstruktion von Afro-Bezirken in urbanen Kontexten untersucht, wobei ich die Rolle von Frauen, Religion, traditionelles Wissen, Ethnobildung und Gemeinwesenarbeit besonders berücksichtigt habe.
Später habe ich meine Forschung auf strukturellen Rassismus und institutionelle Diskriminierung in Bildungs‑, Justiz- und Gesundheitsbereichen ausgerichtet. Derzeit untersuche ich die Zusammenhänge zwischen Umwelt-Rassismus, rassistischem Kapitalismus und den globalen Verflechtungen.
Mein Anspruch ist es,
Studierende dazu zu befähigen, soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und inklusive Unterstützungssysteme sowohl analytisch zu verstehen als auch in professionellen Handlungsfeldern umzusetzen.
Dr. Rocío Vera Santos
Warum ist es wichtig, dieses Feld in der Sozialen Arbeit zu lehren?
Wie Sie wissen, weist das Studium der Sozialen Arbeit eine ausgeprägte praxisorientierte Dimension auf. Ich habe in Berlin viele Jahre in sozialen Organisationen gearbeitet, die Migrant*innen, Geflüchtete, Frauen und – in letzter Zeit – auch Menschen mit körperlichen oder kognitiven Behinderungen unterstützen.
Ich versuche in meinen Lehrveranstaltungen, Studierende an die Lebensrealitäten dieser vulnerablen Gruppen heranzuführen. Dabei wende ich soziologische Theorien an, um soziale Phänomene besser verständlich zu machen und zugleich für deren gesellschaftliche Bedeutung zu sensibilisieren.
Wie kann man sich den Unterricht bei Ihnen vorstellen?
In meiner Lehrtätigkeit arbeite ich interdisziplinär. Ich unterrichte Seminare in den Bereichen Sozialwirtschaft, Sozialmanagement, Soziologie und Forschungsmethoden, halte Vorlesungen zum sozialen Wandel im internationalen Vergleich und biete Wahlmodule zu Gender und Diversität an.
Ein zentraler Schwerpunkt meiner Lehre liegt auf den Themen Migration, Flucht, soziale Ungleichheit, Intersektionalität, Gewalt, Diskriminierung und Rassismus sowie auf Fragen des Zusammenlebens, der Konvivialität und des Empowerments von Minderheiten.
Ziel meiner Lehre ist es, Studierende für die komplexen Lebenslagen von Menschen in prekären sozialen Situationen zu sensibilisieren und ihnen fundierte Kenntnisse über die strukturellen Bedingungen sozialer Ungleichheiten zu vermitteln. Dazu gehören auch die Wechselwirkungen mit lokal-globalen Machtverhältnissen, Rechtsordnungen und organisationalen Praktiken zu vermitteln.
Dabei lege ich besonderen Wert darauf, zentrale sozialwissenschaftliche Konzepte theoriegeleitet und zugleich praxisnah zu vermitteln. Mein Anspruch ist es, Studierende dazu zu befähigen, soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und inklusive Unterstützungssysteme sowohl analytisch zu verstehen als auch in professionellen Handlungsfeldern umzusetzen.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben? Welchen Ansatz verfolgen Sie?
In meiner Lehre arbeite ich vor allem mit postkolonialen und dekolonialen Ansätzen sowie mit Perspektiven des Black Feminism. Ich ermutige die Studierenden, eine reflektierte, analytische und zugleich feministische, antirassistische und antidiskriminierende Haltung zu entwickeln. Über den Tellerrand hinauszublicken heißt, Autor*innen aus dem Globalen Süden zu lesen und damit neue Perspektiven kennenzulernen.
Ich lege außerdem großen Wert auf Inklusion und den Respekt vor Vielfalt sowie auf die Förderung sozialer Projekte, die die individuellen Bedürfnisse vulnerabler Menschen berücksichtigen. Auch unter dem Gesichtspunkt der Intersektionalität.
Worauf freuen Sie sich besonders in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin?
Ich freue mich besonders auf die Studierenden, da die Mehrheit über umfangreiche Berufserfahrung und praktisches Wissen im Bereich der Sozialen Arbeit oder der Pädagogik verfügt. Viele von ihnen haben Führungspositionen inne und arbeiten in öffentlichen oder privaten sozialen Einrichtungen. Einige absolvieren zudem ein Zweitstudium. Dadurch ist das Niveau und die Beteiligung in den Lehrveranstaltungen sehr hoch, was unsere Diskussionen sehr bereichert.
Meine Lehrveranstaltungen gestalte ich inklusiv und lege großen Wert darauf, zu einer positiven und respektvollen Lernatmosphäre beizutragen. Mein Ziel ist es, dass die Studierenden an jeder Sitzung aktiv teilnehmen. Ihre Meinungen, Kenntnisse und Erfahrungen sind mir sehr wichtig. Die Sitzungen sind eine Zeit des gemeinsamen Lernens.
Die Atmosphäre an der Paritätischen Akademie ist sehr angenehm und förderlich für das Lernen. Wenn Leidenschaft für die Lehre vorhanden ist, fließt vieles ganz von selbst – und genau das macht den Austausch mit den Studierenden so bereichernd.
Zur Person:
Dr. Rocío Vera Santos
Assoziierte Wissenschaftlerin, Lateinamerika-Institut, Freie Universität Berlin
Schwerpunkte:
- Soziale Ungleichheiten
- Rassismus, Antirassismus
- Diskriminierung
- Migration
- Menschenrechte
- Gender and Diversity Studies
- Black Studies
Dr. Vera Santos ist Dozentin an der Paritätischen Akademie Berlin in den Kooperationsstudiengängen Soziale Arbeit (B.A) und Heilpädagogik (B.A.) mit der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik HSAP und dem Kooperationsstudiengang Sozialmanagement (M.A.) mit der Alice Salomon Hochschule Berlin.
Ihr Buch „Dinámicas de la negritud y africanidad. Construcciones de la afrodescendencia en Ecuador“ wurde 2016 mit dem Isabel Tobar Guarderas-Preis ausgezeichnet. Ihr zweites Buch „Entre el Atlántico y el Pacífico Negro. Afrodescendencia y regímenes de desigualdad en Sudamérica“ (mit Sergio Costa und Manuel Góngora) erhielt 2021 den LASA Iberoamericano Book Award der Latin American Studies Association.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Rocío Vera Santos
Neue Professorin für Heilpädagogik
Prof. Dr. Melanie Knaup stellt sich vor!
Wer darf mitreden? Wer wird gehört? Wer gehört dazu? Für Prof. Dr. Melanie Knaup fängt Inklusion bei Sprache, Bildung und kultureller Teilhabe an. Sie beschäftigt sich damit, was Teilhabe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen bedeutet und was Fachkräfte brauchen, um diese möglich zu machen. Seit 2026 hat sie eine Professur im Studiengang Heilpädagogik an der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP), den die Paritätischen Akademie Berlin gemeinsam mit ihr durchführt, inne.
Frau Prof. Dr. Knaup, womit beschäftigen Sie sich und wie sind Sie dazu gekommen?
Mich hat früh beschäftigt, wie Menschen Zugang zu Bildung, Sprache und kulturellen Räumen erhalten und welche Barrieren gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe verhindern. Die Literatur‑, Kultur- und Medienwissenschaft hat dahingehend mein Denken in Bezug auf Fragen kultureller Bildung, Teilhabe und wie Menschen mit Beeinträchtigungen in Medien repräsentiert sind, geprägt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Förderpädagogik und Inklusive Bildung der Justus-Liebig-Universität Gießen habe ich schwerpunktmäßig zur Teilhabe von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung geforscht.
In meiner wissenschaftlichen Arbeit und in der pädagogischen Praxis wurde deutlich, dass Inklusion nicht nur soziale, sondern immer auch kulturelle Teilhabe bedeutet. In meiner Promotion untersuchte ich, unter welchen Voraussetzungen kulturelle Bildung und Teilhabe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen ermöglicht werden kann und wie erfahrungsbezogene und bedeutungsstiftende Zugänge alltägliche Lernprozesse unterstützen.
Worum geht es in der Heilpädagogik nach Ihrem Verständnis?
Heilpädagogik beschäftigt sich mit der Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen in allen Lebensphasen. Ziel ist es, Selbstbestimmung, Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Dazu gehört ausdrücklich auch kulturelle Teilhabe – also der Zugang zu Bildung, Sprache, Kunst, Medien, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Ausdrucksfähigkeit.
Heilpädagogik verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer klaren ethischen Orientierung: Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde, Entwicklung, kulturellen Ausdruck und gesellschaftliche Zugehörigkeit.
Was möchten Sie den Studierenden weitergeben?
Mir ist wichtig, Studierenden fachliche Sicherheit, reflexive Professionalität und eine klare Haltung zu vermitteln. Dazu gehören Ressourcenorientierung, Anerkennung von Vielfalt sowie die Überzeugung, dass jeder Mensch ein Recht auf Bildung, Ausdruck und kulturelle Teilhabe hat. Mein Ansatz verbindet wissenschaftliche Fundierung, Praxisnähe und Beziehung. Heilpädagogisches Handeln ist für mich immer auch eine Frage von Haltung, Verantwortung und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
Worauf freuen Sie sich besonders in Ihrer Lehrtätigkeit an der Paritätischen Akademie Berlin?
Ich freue mich besonders auf die Arbeit mit engagierten Studierenden, die Heilpädagogik als gesellschaftlich relevante und gestaltende Profession verstehen. Besonders wichtig ist mir der Dialog – gemeinsam zu reflektieren, Perspektiven zu entwickeln und professionelle Handlungssicherheit aufzubauen.
Zur Person
Prof. Dr. Melanie Knaup
Schwerpunkte:
- Inklusion und Teilhabe, u.a. kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung
- Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte
- Einstellungen und Haltungen in inklusiven Kontexten
- Sprachentwicklung und Sprachförderung
- personenzentrierte Teilhabeplanung
- professionelle Handlungskompetenz in heilpädagogischen Arbeitsfeldern
Seit Januar 2026 ist Melanie Knaup Professorin für Heilpädagogik und inklusive Pädagogik an der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP). In Kooperation mit der HSAP lehrt sie in der Paritätischen Akademie Berlin im Bachelorstudiengang Heilpädagogik unter anderem in den Bereichen Sprachheilpädagogik, Spielpädagogik und Teilhabeplanung sowie in weiteren heilpädagogischen Modulen. Darüber hinaus unterrichtet sie im Kooperationsstudiengang Soziale Arbeit im Modul „Teilhabe und Inklusion“. In den dualen Studiengängen der HSAP lehrt sie im Studiengang Kindheitspädagogik im Bereich Sprachentwicklung und Sprachförderung.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto: Melanie Knaup
Unsere Highlights 2025
Was bleibt von einem Jahr? Zahlen, Termine, Abschlüsse? Oder sind es die Momente, in denen sich Haltung schärft, Perspektiven öffnen und Menschen spüren: Meine Arbeit macht einen Unterschied.
2025 war für die Paritätische Akademie Berlin genau so ein Jahr.
Fachtagung zu Autismus, ADHS und Neurodiversität
Ein besonderer Höhepunkt war die Fachtagung zu Autismus, ADHS und Neurodiversität im September.
Das Verständnis neurodivergenter Menschen stand hier im Mittelpunkt. Fachlich, praxisnah und mit großer Offenheit wurde diskutiert, wie Klient:innen jeden Alters in der Eingliederungshilfe und Sozialen Arbeit ressourcenorientiert begleitet werden können.
Die Resonanz zeigte: Der Bedarf an Weiterbildung zu Neurodiversität ist groß. Genau hier setzt die Paritätische Akademie mit ihren Angeboten in der Weiterbildung in Berlin an.


Studienabschluss neben dem Beruf – 75 Gründe stolz zu sein
Beruf, Familie, Studium – und das alles gleichzeitig? 2025 haben 75 Absolvent:innen gezeigt, dass es möglich ist.
Wir gratulieren 45 Master- und 30 Bachelor-Absolvent:innen, die mit Ausdauer, Leidenschaft und fachlichem Anspruch ihren Abschluss erreicht haben.
Sie alle haben Willen gezeigt, Verantwortung zu übernehmen und Strukturen aktiv mitzugestalten. Was die Akademie ihnen dafür bereitstellt: zeitliche Flexibilität, Online-Module und kompakte Präsenzphasen in Berlin, damit sich akademische Weiterbildung und Berufsalltag realistisch vereinbaren lassen.
Diese Abschlüsse stehen nicht nur für persönliche Erfolge, sondern für eine professionell gestärkte Soziale Arbeit, die den wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen gewachsen ist.


Weiterkommen durch Zertifikatskurse!
Auch jenseits eines Studiums war 2025 ein starkes Jahr: Über 300 Teilnehmende haben erfolgreich einen unserer Zertifikatskurse abgeschlossen.
Ob Betriebswirtschaft in sozialwirtschaftlichen Dienstleistungsunternehmen, Qualifizierung für (angehende) Geschäftsführer:innen in der Sozialwirtschaft, Ehrenamtsmanagement oder die Weiterbildung zur Facherzieher:in für Teilhabe und Inklusion. Die Nachfrage zeigt, wie vielfältig die Entwicklungswege in der Sozialen Arbeit sind.
Unsere Zertifikatskurse ermöglichen eine gezielte, praxisnahe Weiterbildung, die unmittelbar im Berufsalltag wirksam wird. Hier geht es zu den Zertifikatskursen 2026.


„Zu(sammen)kunft der freien Wohlfahrtspflege“: ein Netzwerktreffen, das Hoffnung macht
Unser Netzwerktreffen mit dem Motto „Zusammen in die Zukunft“ sorgte für spannende Impulse, wertvollen Austausch und neue Erkenntnisse. Angesichts der Unsicherheiten, die die Zukunft der freien Wohlfahrtspflege prägen, sind unsere Netzwerktreffen im Sinne von Begegnungsräumen wichtiger denn je.
Im Mittelpunkt standen zukunftsweisende Themen wie KI, Klimawandel und Weiterbildung. Eine zentrale Erkenntnis: Eine schnelle Welt braucht keine schnellen Lösungen. Im Gegenteil, vielmehr geht es darum, Beziehungsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit wieder zu erlernen, sich Zeit zu nehmen, um Kompromisse auszuhandeln und sich aufeinander einzulassen. Denn komplexe Systeme lassen sich nur durch Vertrauen steuern. Etwa durch das Etablieren von Realutopien, indem wir Dinge gemeinsam denken und ausprobieren.
Erkenntnisse, die sich mit den Eindrücken der Teilnehmenden decken:
„Ich bin hergekommen, um Veränderungen proaktiv zu gestalten und nicht immer nur reaktiv. Im KI-Workshop habe ich gelernt, wie man mit KI auf niedrigschwellige Weise Automatisierungen etablieren kann. Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Wenn man sich Zeit nimmt, Strukturen zu definieren, kann das richtig gut werden.“
(Vanessa Schwartz, Stellv. Geschäftsführung Stadtteilzentrum Steglitz)
Manche Dinge geschehen in einer Größenordnung, die wir als mittelgroßer Träger gar nicht so umsetzen können. Aber das noch einmal innovativ, anders zu denken und in den Austausch zu kommen – ich denke, das ist sehr wichtig und hilfreich.“
(Leitung Arbeitskreis Nachhaltigkeit bei Lebenswelten e. V.)
„Ich war nicht mehr nur im Hier und Jetzt, sondern mal wieder politisch unterwegs, was sehr gut getan hat – mal wieder die Scheuklappen weit aufzumachen.“
(Bettina Göbetz, Lebenshilfe Berlin)


Das Feedback zeigt uns, auch in Zukunft verstärkt Reflexionsräume zu eröffnen und zum gemeinsamen Austausch einzuladen. Mit unserem Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden.
Wir danken allen Teilnehmenden, Dozierenden und Partner:innen, die dieses Jahr möglich gemacht haben: Wir freuen uns auf alles, was kommt!
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Redaktion: Dr. Carolin Alexander, Julia Mann & Lucas Frye (Paritätische Akademie Berlin)
Fotos: Julia Mann und Lucas Frye
Von der Pflege bis zur Jugendhilfe:
Praxisbeispiele für erfolgreiches Wirkungsmanagement
Wie können wir die Wirkung Sozialer Arbeit besser darstellen und was bringt das? In diesem Beitrag berichten uns drei engagierte Menschen aus der Praxis darüber, wie Sie Wirkungsmanagement in ihrem Arbeitsbereich mit Erfolg anwenden. Vom Ehrenamt in Pflegewohngemeinschaften bis hin zu nachhaltiger Jugendhilfe.
Marie Schäffler, Katja Witteck (Projektkoordinatorinnen bei der Vertrauensstelle) und Christoph Bohne (sozialpädagogische Fachkraft Jugendhilfe & Teamleitung Schulsozialarbeit beim Kreativitätsschulzentrum Berlin) haben durch den Zertifikatskurs in Wirkungsmanagement ihre Projekte geschärft, neue Zielgruppen erreicht und Engagement sichtbar gemacht haben. Was das für ihren Arbeitsalltag konkret bedeutete, erzählen Sie uns in diesem Interview.
Warum ein Zertifikatskurs? Motivation für Wirkungsmanagement
Was hat Sie motiviert, sich intensiver mit Wirkungsmanagement zu beschäftigen?
Christoph Bohne: Mich hat besonders interessiert, wie man Angebote und Prozesse so steuern kann, dass sie unter begrenzten Ressourcen möglichst effektiv wirken.
Marie Schäffler & Katja Witteck: Die Nennung reiner Kennzahlen sagt zwar viel über den Aufwand der Projekte in der sozialen Arbeit aus, gibt aber in Bezug auf das gewünschte Ergebnis oft ein schwaches Bild ab, da die tatsächliche Wirkung oftmals nicht sichtbar wird. Wir wollten lernen, wie man das besser darstellen kann.
Engagement für eine gute Pflege und kreative Kinder- und Jugendhilfe
Worum geht es in Ihren Projekten und was sollen Sie bewirken?
Marie Schäffler und Katja Witteck: Unser Projekt widmet sich der Frage, wie gesellschaftliche Teilhabe und soziale Kontakte für die WG Bewohner:innen einer Pflegewohngemeinschaft gefördert werden können. Hierfür möchten wir, neben der guten Bindung zu Pflegediensten, Menschen für ein Ehrenamt als Vertrauensperson begeistern. Dazu braucht es engagierte Personen, offene Pflegewohngemeinschaften, interessierte Mitarbeitende in Pflegediensten sowie eine zugewandte Verwaltung und Politik.
Langfristig möchten wir ein System etablieren, das Sozialraumintegration und Teilhabe strukturell mitdenkt. Nicht nur optional, sondern als Teil guter Pflege. Wir versuchen, allen Beteiligten mit unseren Angeboten gerecht zu werden, durch Beratung, Vermittlung, Begleitung, Austausch und Schulungen.
Christoph Bohne: Wir engagieren uns für ganzheitliche, kreative Kinder- und Jugendhilfe sowie Bildung. Unser Ziel ist es, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Selbstständigkeit zu fördern. In meiner Rolle gestalte ich pädagogische Prozesse und Resonanzräume für Jugendliche und begleite gleichzeitig Mitarbeitende in ihrer Entwicklung.
Mit welchen Vorkenntnissen starteten Sie den Kurs und was haben Sie im Laufe der Weiterbildung gelernt?
Christoph Bohne: Ich hatte bereits erste Berührungspunkte, zum Beispiel im Rahmen von Hilfeplanung oder Qualitätsentwicklung. Das Thema tauchte auch immer wieder in Literatur und Fortbildungen auf.
Ich habe gelernt, vor der Umsetzung bewusst einen Schritt zurückzutreten und eine strategische Perspektive einzunehmen. Wirkung zeigt sich nicht nur in Endergebnissen, sondern beginnt bereits im Alltagsprozess.
Marie Schäffler und Katja Witteck: Wir hatten bereits die Broschüre gelesen und auch in anderen Projekten das Thema Wirkung beleuchtet. Die intensive Auseinandersetzung im Kurs war ein großer Gewinn. Wir sind weiterhin dabei, wurden in vielen bereits gegangenen Schritten bestätigt, haben Neues gelernt und uns weiterentwickelt.
Wirkungsmanagement ist zeitintensiv und erfordert Kraft. Manchmal ist es bedauerlich, dass diese Energie nicht direkt in die Arbeit mit den Menschen fließt. Auf der anderen Seite ist es wichtig und richtig, die wertvolle Arbeit, die von so vielen Akteur:innen der sozialen Arbeit – besonders durch freiwillig Engagierte – geleistet wird, sichtbar und greifbar zu machen
Wie haben Sie das Wissen über Wirkungsmanagement im Zertifikatskurs konkret in Ihrer Arbeit umgesetzt?
Marie Schäffler und Katja Witteck: Wir wollten die Aufgabe und das Profil unseres Projekts schärfen und dabei von Anfang an auch die Wirkung mitdenken und planen. Genau das haben wir im Kurs gemacht.
Christoph Bohne: Ich habe eine vollständige Wirkungstreppe für die regelmäßige Gruppenrunde und Projektplanung in der Jugendwohngruppe entwickelt. Sie hilft mir dabei, mein pädagogisches Handeln gezielter zu planen und zu reflektieren. Die Kursstruktur war gut in meinen Arbeitsalltag integrierbar. Zusätzlich konnte ich das Gelernte auf andere Formate übertragen – sogar im privaten Kontext, etwa in meinem Engagement als Vereinsvorsitzender eines Fußballvereins.
Marie Schäffler und Katja Witteck: Es fühlte sich nicht wie ein zusätzliches Thema an, sondern wie eine fachliche Unterstützung durch ein erweitertes Team. Das Wirkungsmanagement hat nicht nur unser Projekt gestärkt, sondern auch unsere Rolle als Koordinatorinnen verändert: Wir fühlen uns sicherer darin, unsere Arbeit strategisch zu reflektieren und sichtbar zu machen.
„Ich habe gelernt, vor der Umsetzung bewusst einen Schritt zurückzutreten und eine strategische Perspektive einzunehmen. Wirkung zeigt sich nicht nur in Endergebnissen, sondern beginnt bereits im Alltagsprozess.“ Christoph Bohne
Erfolg durch Wirkungsmanagement: Neue Zielgruppen und Auszeichnungen
Marie Schäffler & Katja Witteck: Ein konkretes Erfolgserlebnis war, dass wir durch das Wirkungsmanagement unser Selbstverständnis neu geschärft und dadurch eine zusätzliche Zielgruppe definieren konnten. Das hat uns gezeigt, wo unser Output besonders großflächig wirken kann und welche Netzwerkpartner wir für die nächsten Schritte brauchen. So konnten wir das Projekt gezielt neu ausrichten und erste Unterstützer gewinnen, die uns helfen, über unsere Kernzielgruppe hinauszuwachsen.
Christoph Bohne: Ein besonderes Highlight war, dass unser Engagement durch das KIJUNA-Siegel ausgezeichnet wurde – eine Anerkennung für nachhaltige Projekte, die Partizipation und Bildung miteinander verbinden (mehr lesen) .
Denn durch gezielte Beteiligungsformate und die verstärkte Einbeziehung der Perspektiven der Jugendlichen konnten wir das Projekt „Rummelwasser – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ umsetzen.
Ausgangspunkt war eine gemeinsame Reflexion über den Wasserverbrauch in unserer Wohngruppe – von der Dusche bis zum Abwasch. Die Jugendlichen recherchierten zum Wasserfußabdruck von Lebensmitteln, diskutierten über nachhaltigen Einkauf und Konsum, Fast Fashion, Wasserkreislauf und Trinkwasserqualität in Berlin. Sie hinterfragten ihr eigenes Einkaufsverhalten, machten Vorschläge für einen bewussteren Umgang mit Kleidung, produzierten kurze Clips zum Thema Wasser und Nachhaltigkeit und überlegten, wie man WG-Alltag und Klimabewusstsein besser verbinden kann.


So wurde deutlich, wie Wirkungsorientierung praktisch greifbar wird: von der Alltagsbeobachtung über gemeinsame Projektplanung bis hin zu echten Veränderungen im Denken und Handeln der Jugendlichen. Ziel war es die Haltung zu entwickeln, das jede:r wichtig ist einen kleinen Beitrag zu leisten um so einen Unterschied auszumachen.
Vielen Dank für das Interview!
Christoph Bohne, Sozialpädagogische Fachkraft Jugendhilfe & Teamleitung Schulsozialarbeit (Website)
Katja Witteck & Marie Schäffler, Projektkoordinatorinnen bei Vertrauensstelle Berlin (Website)
In Ihrem Projekt fehlt noch das richtige Wirkungsmanagement? Erfahren Sie im Zertifikatskurs, wie Sie es anwenden!
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Marie Schäffler und Katja Witteck (Foto: Kristina Kast)
Beitragsfotos: Dokumentation „Rummelwasser – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Foto: Christoph Bohne)
Einführung in die Wirkungsorientierung
Online-Seminar
kostenfrei für Berliner Mitglieder
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New York, New York!
Eine Studienreise nach New York zeigt, welche wichtige Bedeutung Peers in der Sozialarbeit haben
Personen mit ähnlichen Erfahrungen oder Hintergründen wie die Zielgruppe, werden unter dem Begriff Peers gefasst. In der sozialen Arbeit fungieren Sie als Unterstützende, Begleitende oder Vorbilder.
Sunita Maria Kumar leitet in Deutschland die Geschäfte beim Zentrum für psychosoziale Gesundheit in Schaumburg (ZePGiS e.V.). In diesem Beitrag berichtet sie über die bedeutsame Arbeit mit Peers in der Sozialarbeit, die sie auf ihrer Reise nach New York City beobachtet hat.
Im Oktober 2024 organisierte die Paritätische Akademie Berlin erneut eine Bildungsreise nach New York. Es haben sich in diesem Jahr 11 Sozialarbeiter:innen in soziale Organisationen vor Ort begeben. Der us-amerikanische Ansatz der Sozialen Arbeit beruht vor allem auf einem Grundsatz: der Stärkung von Communities.
In den USA bewährt – in Deutschland unterschätzt: Das Potenzial der Peers
Nicht jede Person hat Zugang zu den Angeboten der sozialen Arbeit. Dem hinzu kommt der Mangel an Fachkräften sowie die unzureichende Repräsentation von Minderheiten in der Sozialen Arbeit. Peers spielen daher eine entscheidende Rolle, da sie durch ihre eigene Erfahrung näher an den betroffenen Communities sind und diese besser erreichen können.
Das Potenzial der Peers wird in Deutschland nicht ausgeschöpft. Im US-amerikanischen System hat es sich bereits gut als Ausgleich gegen den Fachkräftemangel erwiesen. Doch es ist nicht nur eine Methode, um den Personalmangel abzumildern, sondern auch eine Möglichkeit, die soziale Arbeit vielfältiger, inklusiver und näher an den Bedürfnissen der Communities zu gestalten.
Peers schaffen einen Ausgleich gegen Fachkräftemangel und sorgen für ein inklusiveres Angebot
Peers bringen durch ihre eigene Erfahrung eine besondere Empathie und Authentizität in die Arbeit ein, die herkömmliche Fachkräfte oft nicht in gleichem Maße bieten können. Sie stehen als Gleichgesinnte auf Augenhöhe mit den Betroffenen und schaffen dadurch eine besondere Vertrauensbasis. Diese Art der Unterstützung passt hervorragend in den aktuellen Zeitgeist multiprofessioneller Teams, die verschiedene Perspektiven und Expertisen zusammenbringen, um den bestmöglichen Support zu leisten. In Bereichen wie der psychischen Gesundheit, Suchthilfe oder Obdachlosenhilfe können Peers als wichtige Bindeglieder zwischen den betroffenen Menschen und den professionellen Fachkräften agieren.
Durch die Etablierung von Peers als professionelle Unterstützung können vorhandene Sozialarbeiter:innen entlastet werden. Die Peer-Spezialisten arbeiten eng mit Fachkräften zusammen, bieten aber eine zusätzliche Dimension der Betreuung, die auf Gleichwertigkeit und Augenhöhe beruht.
Unterstützung mit Perspektive und auf Augenhöhe: Beispiele aus New York City
Den Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung in der gesamten Stadt New York fördert die Organisation NYC Mayor’s Office of Community Mental Health. Peer-Arbeit ist ein integraler Bestandteil der Arbeit. Dort werden Peers ausgebildet, die durch ihre Nähe zu den Betroffenen eine wichtige Brückenfunktion zwischen der Community und dem formellen Hilfesystem einnehmen. Das Ziel ist, Menschen so früh wie möglich zu erreichen, bevor Krisen eskalieren. Bei einem Treffen mit einer leitenden Mitarbeiterin des Büros wurde deutlich, wie stark die Arbeit der Organisation auf den Aufbau von Community Resilience abzielt, also der eigenen Widerstandskraft von Gemeinschaften.
Das Programm von Howie the Harp, das die Teilnehmenden ebenfalls auf ihrer Reise kennengelernt haben, vermittelt den Betroffenen nicht nur fachliche Fähigkeiten für einen Einstieg ins Arbeitsleben, sondern legt großen Wert auf Soft Skills wie Kommunikation und Selbstorganisation. Wichtiger Bestandteil des Programms ist die ‚Housing First Culture‘ – ein Konzept, das ein sicheres Zuhause als Basis für Heilung und langfristige Stabilität betrachtet.
Auch viele Peers befinden sich in prekären Lebenslagen, beziehen geringe staatliche Unterstützung oder haben ein sehr niedriges Einkommen. Das Training selbst erfordert ein hohes Zeitaufwand. Trotzdem ist die Erfolgsgeschichte des Programms beeindruckend: Viele der angehenden Peer-Spezialist:innen schaffen das Ausbildungsprogramm. Die Absolvent:innen haben dann die Möglichkeit, nach einem Praktikum als Peer-Spezialist:innen in verschiedenen sozialen Feldern zu arbeiten.
Die Lage in Deutschland
Zwar gibt es erste Fortschritte, doch das Potenzial bleibt weitgehend ungenutzt – die Peer-Arbeit findet in Deutschland noch immer nur in Nischen statt.
Zum Beispiel bieten die Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatungen (EUTBs) Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen „niederschwellige“ Beratungen an, die oft von Peers durchgeführt werden. Diese Beratungsstellen sind ein Beispiel dafür, wie Menschen mit eigener Erfahrung anderen als Berater:innen zur Seite stehen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördern.
Auch in der Suchthilfe hat sich der Einsatz von Peer-Arbeit bewährt. Ebenso gibt es in der (Sozial-)Psychiatrie bereits Ansätze, bei denen Peers durch Weiterbildungen wie ExIn (Experienced Involvement) professionell qualifiziert werden, um Menschen mit psychischen Erkrankungen zu unterstützen.
Ein weiterer innovativer Ansatz ist die Integration von Ergotherapeut:innen und Physiotherapeut:innen, um auch Menschen mit Obdachlosigkeit besser zu erreichen und zu unterstützen.
Fazit
Die Einführung und Vertiefung von Peer-Programmen in Deutschland könnte einen Durchbruch für eine inklusivere und effektivere Sozialarbeit darstellen. Es bleibt zu hoffen, dass der Peer-Support hierzulande nicht nur als Randphänomen behandelt wird, sondern sich zu einem integralen Bestandteil des sozialen Hilfesystems entwickelt.
Ein Bericht von Sunita Maria Kumar (Sozial- und Organisationspädagogin M.A., Geschäftsleitung ZePGiS e.V. – www.zepgis.de )
Impressionen der New York Reise:




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Redaktion: Julia Mann & Lucas Frye (Paritätische Akademie Berlin )
Foto im Titelbild: Pexels
Sozialarbeit in New York City. Aktuelle Einblicke in die US-amerikanische Sozialarbeit
Bildungsreise nach New York
Umgang mit Klassismus in der Sozialen Arbeit und in sozialen Organisationen
Online-Seminar
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Studieren mit Kind – im Masterstudium Sozialmanagement
Studieren und Elternschaft. Wie klappt das? Nika studiert aktuell den berufsbegleitenden Masterstudiengang Sozialmanagement. Mit dabei in den Vorlesungen ist auch ihr gerade acht Monate altes Kind. Die Sozialarbeiterin erzählt uns im Interview, wie ihr das Studium mit Kind gelingt.
Paritätische Akademie: In welchem Semester befindest du dich gerade und was ist deine berufliche Tätigkeit?
Nika: Ich arbeite seit vier Jahren in einem Träger der stationären Jugendhilfe in Berlin als Sozialarbeiterin. Aktuell befinde ich mich in Elternzeit und studiere im dritten Semester den Master in Sozialmanagement.
Wie kam es zu der Entscheidung, das Masterstudium aufzunehmen?
Nika: Es war schon lange mein Wunsch, ein Masterstudium zu machen. Ich war mir nur lange nicht sicher, in welchem Bereich. Als ich mich für diesen Master entschieden hatte, habe ich ziemlich zeitgleich festgestellt, dass ich schwanger bin. Nach kurzem Überlegen habe ich die Zusage zum Studium trotzdem abgeschickt.
Da du jetzt in Elternzeit bist, hast du neben dem Studium noch die Verpflichtung, dein Kind zu betreuen. Wie organisierst und finanzierst du das alles?
Nika: Ich bekomme noch Elterngeld. So kann ich für mein Kind da sein und studieren. Zusätzliche Einkünfte würden wieder vom Elterngeld abgezogen werden. Ich habe ein gut funktionierendes privates Netzwerk, wofür ich sehr dankbar bin. Meine Freundinnen unterstützen mich und haben seit Beginn an eine Beziehung zu meinem Kind. In dieser Situation habe ich gemerkt, wie wichtig Freundschaften sind.
Was motiviert dich besonders daran, Sozialmanagement zu studieren?
Nika: Eine wichtige Rolle spielt meine intrinsische Motivation. Mich interessiert die betriebswirtschaftliche Perspektive auf ein gemeinnütziges und sozialwirtschaftliches Unternehmen. Ich bin überzeugt, dass mir dieses Studium neue Türen öffnet und bin froh, die Elternzeit dafür nutzen zu können, mich weiter zu qualifizieren.
Was möchtest du mit dem Studium machen?
Nika: Das wird sich vielleicht erst im Nachhinein herausstellen. Ich finde es zum Beispiel interessant, dadurch die Möglichkeit und das Wissen zu haben, einmal zu gründen. Außerdem schließe ich es auch nicht aus, mich damit auf eine Leitungsposition zu bewerben.
Welche Inhalte des Studiums waren für dich bisher besonders wertvoll?
Nika: In Arbeitsrecht zum Beispiel kannte ich mich vor dem Studium wenig aus. Auch die Finanzierungsfragen, die im Studium behandelt werden, empfinde ich als sehr wichtig. Wenn ich weiß, was sich hinter bestimmten Begriffen versteckt, kann ich professioneller in diesem Gebiet handeln. Wo muss ich nachschauen, um zu prüfen, ob etwas gesetzeskonform ist? Dieses Wissen finde ich sehr nützlich, da es mir Sicherheit im Berufsalltag verschafft.
Wie erlebst du das Studieren mit Kind an der Paritätischen Akademie Berlin?
Nika: Die Toleranz gegenüber studierenden Eltern ist recht hoch. Das liegt sicher auch am sozialen Bereich. Ich kann zum Beispiel mein Kind mit in die Akademie bringen, wenn ich das vorher mit den Dozierenden und der Gruppe abspreche. Das ist eine große Unterstützung.
Ein Kind entwickelt sich permanent und somit verändert sich die Situation ständig. Mein Kind ist jetzt acht Monate alt. Bald wird es anfangen zu Laufen und weniger schlafen. Dem muss ich mich anpassen. Dadurch habe ich aber auch das Gefühl, immer wieder über mich hinauszuwachsen.
Was wünscht du dir von der von der Politik und von Arbeitgeber:innen?
Nika: Ich finde, dass Elternschaft generell zu wenig wertgeschätzt wird. Und das fängt schon bei der Bezahlung der Kitakräfte an, die in Deutschland vergleichsweise sehr gering ist.
Das Studium ist auch nochmal etwas anderes als die Arbeitswelt. Ich würde mir grundsätzlich mehr eine Integration von Kindern in der Arbeitswelt wünschen.
Vielen Dank für das Gespräch und deine Offenheit. Wir wünschen dir viel Erfolg im Studium!
Mehr Infos zum Studiengang Sozialmanagement (M.A.) hier.
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Redaktion: Paritätische Akademie Berlin
Foto im Titelbild: Studentin Nika (Foto: Elena Gavrisch)
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Ein Benefit für Organisation und Mitarbeiter:in –
im Gespräch über das Studium Sozialmanagement (M.A.) mit Daniela Radlbeck
In diesem kurzen Interview sprechen wir mit Daniela Radlbeck, Alumni des Masterstudiengangs Sozialmanagement an der Paritätischen Akademie, und heute Fachreferentin beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, über ihren beruflichen Werdegang.
Paritätische Akademie: Liebe Frau Radlbeck, Sie sind Fachreferentin beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin für die Themenbereiche Wohnungsnotfallhilfe und Wohnungspolitik. Wie genau sieht Ihr Tätigkeitsbereich aus?
Daniela Radlbeck: Mein Tätigkeitsbereich umfasst Themen, die mit Wohnungslosigkeit in Zusammenhang stehen. Dies beinhaltet die Soziale Arbeit, die speziell für wohnungslose Menschen in der Stadt notwendig ist. Ich vertrete die Interessen unserer Mitgliedsorganisationen und setze mich für wohnungslose Menschen ein. Ich engagiere mich im Bereich der Wohnungspolitik im Sinne unserer Träger. Ziel ist es, dass jeder Mensch in Berlin eine Wohnung oder eine Unterkunft findet, unabhängig von Alter, Einkommen oder Armut.
In Berlin ist der Wohnraum knapp, weshalb wir uns als Sozial- und Wohlfahrtsverband dazu entschieden haben, uns nicht nur sozialpolitisch, sondern auch wohnungspolitisch zu engagieren. In meiner Funktion stehe ich im Austausch mit den zuständigen Senatsverwaltungen. Dabei wird deutlich: auch soziale Angebote benötigen Räume, nicht nur Wohnräume sind teuer, sondern auch Gewerberäume für eine soziale Nutzung. Dieses Thema bearbeite ich ebenfalls als Referentin.
Als Referentin berate ich keine wohnungslosen Menschen direkt, sondern unterstütze die Strukturen und Organisationen, die diese Beratung durchführen. Häufig nehme ich eine Vermittlerinnenrolle ein und vernetze verschiedene Akteure innerhalb der Stadt. Unser Landesverband verfügt über Expertise in vielen Bereichen, die es gilt, miteinander zu verbinden.
Wann haben Sie Sozialmanagement berufsbegleitend studiert und in welchem Bereich haben Sie in dieser Zeit tätig?
Daniela Radlbeck: 2014 habe ich das Studium in Sozialmanagement (M.A.) an der Paritätischen Akademie Berlin begonnen und 2018 abgeschlossen. Vor dem Studium war ich als Bereichsleiterin in einem Wohnprojekt für Frauen mit Suchterkrankungen tätig. Diese Arbeit war sehr intensiv und vielfältig. Während des Studiums habe ich Vollzeit gearbeitet, daher habe ich mir während der Masterarbeit etwas mehr Zeit genommen, um alles parallel zu bewältigen.
„Nach vielen Jahren in Leitungspositionen wollte ich mein betriebswirtschaftliches Wissen erweitern und über den Tellerrand hinausblicken. Mir war es wichtig, auch die theoretischen Grundlagen kennenzulernen und die Soziale Arbeit innovativ, wirkungsvoll und effizienter zu gestalten.“
Sie hatten also bereits Leitungsverantwortung, bevor Sie den Master in Sozialmanagement studiert haben. Wie kam es dazu?
Daniela Radlbeck: Nach meinem Studium der Sozialen Arbeit übernahm ich schnell Leitungsverantwortung. Zunächst befristet als Elternzeitvertretung. Wenn man einmal Leitungsverantwortung übernommen hat, ist es schwierig, wieder zurückzutreten. So zog sich Leitungs- und Personalverantwortung durch meine gesamte berufliche Laufbahn. Zusätzlich absolvierte ich eine dreieinhalbjährige Ausbildung zur systemischen Therapeutin, um die Perspektiven von Kindern, Jugendlichen und Eltern besser verstehen und bestehende Konflikte innerhalb der Familie besser lösen zu können.
Warum haben Sie sich dann noch für ein Masterstudium in Sozialmanagement entschieden?
Daniela Radlbeck: Nach vielen Jahren in Leitungspositionen wollte ich mein betriebswirtschaftliches Wissen erweitern und über den Tellerrand hinausblicken. Mir war es wichtig, auch die theoretischen Grundlagen kennenzulernen und die Soziale Arbeit innovativ, wirkungsvoll und effizienter zu gestalten.
Was waren die wertvollsten Dinge, die Sie im Masterstudiengang erlernt haben? Was hat Ihnen in Ihrem Berufsleben weitergeholfen?
Daniela Radlbeck: Besonders spannend fand ich den Themenbereich Organisationsentwicklung und Change Management. Ich habe stets bei freien, gemeinnützigen Trägern gearbeitet. Aufgrund von sich verändernden Rahmenbedingungen müssen Menschen in Leitungsverantwortung Veränderungen und Innovationen in der Organisation umsetzen. Man nutzt dabei meist bekannte Methoden innerhalb der eigenen Komfortzone. In der Organisationsentwicklung geht es darum, Veränderungsimpulse zu starten und mit Widerstand konstruktiv umzugehen. Hier konnte ich viel lernen.
Im Studium wurden wir durch ein Coaching begleitet, was sich als sehr hilfreich erwies. Der Austausch mit anderen Studierenden und Coaches hat meinen „Handwerkskoffer“ deutlich erweitert und mich „mutiger“ gemacht, neue Instrumente auszuprobieren und meinen Stil zu finden.
Zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit als Sozialarbeiterin hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal als Referentin bei einem Wohlfahrtsverband arbeiten würde. Ich dachte, ich würde weiter in der direkten Beratung oder in einer therapeutischen Beziehung mit Menschen arbeiten. Durch das Studium hat sich mein beruflicher Horizont erheblich erweitert.
Konnten Sie sich das Studium selbst finanzieren? Und wie haben Sie es geschafft, Arbeit und Studium zu vereinbaren?
Daniela Radlbeck: Ja, ich habe das Studium komplett selbst finanziert. Neben dem Studium hatte ich eine Vollzeitstelle und musste meine Zeit gut organisieren. Für die Präsenzzeiten konnte ich Bildungsurlaub nehmen, aber alle zusätzlichen Studienleistungen wurden nebenbei erbracht. Aus dem Grund gestaltete ich Präsentationen oder Studienleitungen so, dass mein Arbeitgeber davon profitieren konnte.
Während des Studiums hatte ich einen Unfall, der mich zu einer Pause zwang. Diese Zeit nutzte ich, um mich zu sortieren und meine Prioritäten zu überdenken. Nach dem Unfall wechselte ich zum Paritätischen Wohlfahrtsverband und arbeitete dort zunächst in Teilzeit, um meine Masterarbeit abzuschließen, der Landesverband kam mir dabei sehr entgegen.
Wenn mir etwas Spaß und Freude macht, kann ich sehr viel leisten. Das Studium hat mir größtenteils Spaß gemacht und ich hatte wunderbare Kommilitoninnen und Kommilitonen.
Haben Sie durch das Studium ein gutes Netzwerk aufgebaut?
Daniela Radlbeck: Ja. Mit einigen ehemaligen Mitstudierenden bin ich weiterhin in losem Kontakt. Beim letzten Alumni-Treffen war sogar eine kleine Gruppe von ehemaligen Kommilitonen anwesend. Mit meinen engsten Studienfreunden bin ich über eine Messenger-Gruppe verbunden und wir versuchen, uns mindestens einmal im Jahr zu treffen.
„Zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit als Sozialarbeiterin hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal als Referentin bei einem Wohlfahrtsverband arbeiten würde. Ich dachte, ich würde weiter in der direkten Beratung oder in einer therapeutischen Beziehung mit Menschen arbeiten. Durch das Studium hat sich mein beruflicher Horizont erheblich erweitert.“
Wenn Mitarbeitende den Wunsch haben, sich beispielsweise durch ein Studium weiterzubilden, welche Inhalte und Fähigkeiten würden dem Arbeitgeber Ihrer Meinung nach zugutekommen?
Daniela Radlbeck: Sowohl die Organisation als auch die Person profitieren. Die Studieninhalte sind immer projekt- oder prozessbezogen bzw. praxisbezogen. Es wird immer einen Austausch zwischen den Themen des Studiums und der Organisation geben. Ich glaube, dass es einen Benefit für beide hat. Wichtig ist, dass die Organisation diesen Austausch ermöglicht, fördert und die dann gute ausgebildete Person hält.
Die Verbindung von Theorie und Praxis ist sehr wichtig. Studierende erwerben nicht nur theoretisches Wissen, sondern sollten dieses Wissen auch in Projekten oder in Ihrem Tätigkeitsfeld umsetzen. Es ist wichtig, dass Studierende zum Beispiel nicht nur etwas über das Zuwendungsrecht lernen, sondern auch die Möglichkeit haben beim Projekt oder beim Träger die Umsetzung kennenzulernen und das gelernte Wissen in der Praxis anwenden.
Seit meinem Abschluss 2018 hat sich die Arbeitswelt stark verändert, vor allem durch Corona. Digitale Medien und künstliche Intelligenz spielen eine immer größere Rolle. Auch in der sozialen Arbeit ist es wichtig, auf dem neuesten Stand zu bleiben, innovativ zu sein aber auch weiterhin persönliche Begegnungen zu ermöglichen.
Vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns darauf, in einem weiteren Gespräch mehr über Ihren Arbeitsbereich zu erfahren.
Das Interview führten Elena Gavrisch und Julia Mann von der Paritätischen Akademie Berlin.
Weiterführende Links:
Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin: https://www.paritaet-berlin.de
Mehr Infos zum Studiengang Sozialmanagement (M.A.) hier.
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Redaktion: Julia Mann (Paritätische Akademie Berlin)
Foto im Titelbild: Daniela Radlbeck (Foto: Elena Gavrisch)
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