Maga­zin

Mai 2022 | Manage­ment

Ein Inter­view mit unse­ren Dozie­ren­den Dr. Ute Schü­rings und Ele­na Schmitz

Im letz­ten Jahr haben wir gemein­sam mit Ele­na Schmitz und Dr. Ute Schü­rings den Zer­ti­fi­kats­kurs Par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung: 4 Kern­kom­pe­ten­zen, um Ver­än­de­rungs­fä­hig­keit in Teams zu ver­an­kern ent­wi­ckelt und sehr erfolg­reich mit den ers­ten bei­den Grup­pen durch­ge­führt. Trotz COVID-19 und sehr viel Belas­tung in allen Berei­chen der Sozia­len Arbeit kamen Lei­tungs- und Füh­rungs­kräf­te gera­de auch aus KiTa- oder HzE-Ein­rich­tun­gen, um ihre

Füh­rungs­kom­pe­ten­zen zu reflek­tie­ren und wei­ter zu ent­wi­ckeln. Wir haben uns mit den bei­den dar­über unter­hal­ten, was Par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung kann – oder auch nicht kann, und war­um es sinn­voll ist, sich damit zu beschäf­ti­gen.

Frau Schmitz und Frau Schü­rings, wie wür­den Sie in Ihren eige­nen Wor­ten Ihre Schwer­punk­te in Ihrer Tätig­keit beschrei­ben?

Schmitz: Ich arbei­te seit eini­gen Jah­ren viel mit Design Thin­king und mit Grup­pen im Trai­nings- und Coa­ching­be­reich. Mei­ne Leit­fra­ge dabei ist, wie man gemein­sam neue Din­ge auf den Weg brin­gen kann, Raum für

Krea­ti­vi­tät zu geben, sie sicht­bar und frucht­bar zu machen, gera­de auch mit dem Schwer­punkt auf co-krea­ti­vem Arbei­ten. Über die­sen Weg bin ich dann letz­ten Endes auch zu Team­ent­wick­lung und zur par­ti­zi­pa­ti­ven Füh­rung gekom­men. Denn es hat sich immer mehr her­aus­kris­tal­li­siert, dass die Teams nicht nur mit der Metho­de arbei­ten wol­len, son­dern das auch als Arbeits­kul­tur ver­an­kern wol­len und sich die Fra­ge stel­len, wie sie mit vie­len Per­spek­ti­ven co-krea­tiv auf Augen­hö­he arbei­ten kön­nen und wel­che Ansät­ze es dafür gibt. So haben wir uns dann ange­se­hen, wel­che Fähig­kei­ten es dafür braucht und wel­cher Pro­zess für ein Team ent­steht, um an die­ses Ziel zu gelan­gen. So bin ich zusam­men mit Frau Schü­rings in eine sehr gute co-krea­ti­ve Zusam­men­ar­beit gekom­men, um neue For­ma­te zu ent­wi­ckeln.

Schü­rings: Ich bin vor 12 Jah­ren als Trai­ne­rin mit Schwer­punkt inter­kul­tu­rel­le Kom­mu­ni­ka­ti­on gestar­tet. Hier lag mein Schwer­punkt dar­auf, mit unter­schied­li­chen Wer­ten gut zurecht­zu­kom­men und eine Akzep­tanz für die­se Diver­si­tät zu ent­wi­ckeln. So bin ich immer mehr mit den damit ver­bun­de­nen Füh­rungs­the­men in Kon­takt gekom­men. Im Grun­de macht es kei­nen so gro­ßen Unter­schied, ob es ver­schie­de­ne Wer­te gibt, oder ob die Per­so­nen in ver­schie­de­nen Kul­tu­ren oder Län­dern leben. In jedem Team herrscht eine Diver­si­tät vor. Es geht nicht immer z.B. um Spra­chen und Kul­tu­ren, son­dern gene­rell dar­um, wie ande­re ticken und wie man die­se Diver­si­tät nutz­bar machen kann – und auch als etwas Berei­chern­des und Gutes emp­fin­den kann. So bin ich zum The­ma par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung gekom­men und habe zusam­men mit Frau Schmitz inzwi­schen meh­re­re For­ma­te ent­wi­ckelt.

Was sind so ihre Aha-Momen­te in der Arbeit mit Grup­pen?

Schü­rings: Was mich immer sehr begeis­tert ist, wenn ich ein­la­den kann zu mehr Ver­ste­hen und dadurch zu mehr Freu­de. In dem Moment, in dem man die Wer­te des ande­ren ver­steht, kann man schau­en, wel­che Hand­lung damit

ver­bun­den ist und auch bei Pro­ble­men neue Wege fin­den. Man merkt, vor­her eckt das ein biss­chen an, und dann kann man sich ent­span­nen, weil man ein­an­der bes­ser begreift und neue Lösun­gen und neue Wege fin­det.

Schmitz: Wir arbei­ten in Trai­nings viel mit dem Thin­king Envi­ron­ment von Nan­cy Klein. Wir nut­zen das sehr ger­ne, um neue Mee­ting­for­ma­te und krea­ti­ve For­ma­te in Teams zu schaf­fen. Da geht es dar­um, dass jeder etwas bei­tra­gen kann. Mit die­ser Hal­tung zu arbei­ten und dafür ein kon­kre­tes For­mat zu haben, mit dem man das aus­pro­bie­ren kann, ist sehr hilf­reich. Natür­lich stel­len sich die Teilnehmer:innen oft die Fra­ge: „Wie kann ich es denn gestal­ten, dass alle bei­tra­gen kön­nen? Die einen reden zu viel, die ande­ren reden zu wenig. Wir krie­gen gar nicht alle rich­tig gut ein­ge­bun­den.“ Wenn wir dann das Thin­king Envi­ron­ment erklä­ren, kommt ganz oft der Aha-Effekt: „Wir haben das aus­pro­biert und es hat total toll funk­tio­niert, es war eine ganz ande­re Stim­mung, es ist ganz viel raus­ge­kom­men am Ende von die­sem Mee­ting und alle waren dabei.“

War­um haben Sie das The­ma par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung auf­ge­grif­fen?

Schmitz: Ein­mal glau­be ich, weil es ein­fach wahn­sin­nig in der Luft liegt. Wir mer­ken, dass es ein ganz gro­ßes Bedürf­nis danach gibt, Arbeit anders zu orga­ni­sie­ren. Wir bekom­men oft gespie­gelt, dass man weg­kom­men muss davon, dass die Füh­rungs­kraft die gan­ze Ver­ant­wor­tung über­nimmt und dadurch auch alles regeln und über­prü­fen muss. Da ist ein gro­ßer Wunsch, Auf­ga­ben anders zu ver­tei­len, und zu über­le­gen, wie sich Leu­te bes­ser ein­brin­gen kön­nen. Wie kann es mehr Teil­ha­be geben, wie kann es auch gelin­gen, dass Mit­ar­bei­ten­de im Team selbst mehr die Ver­ant­wor­tung für sich über­neh­men? Also sich zum Bei­spiel selbst Regeln geben, dann aber auch dar­auf ach­ten, dass die­se Regeln wirk­lich gelebt wer­den, und dass nicht wie­der alles bei der Füh­rungs­kraft hängt. Gleich­zei­tig ist heut­zu­ta­ge eine ganz ande­re Schnel­lig­keit da, eine ande­re Fle­xi­bi­li­tät ist gefor­dert, das geht mit hier­ar­chi­schen oder star­ren Füh­rungs­sti­len nicht mehr so gut.

Schü­rings: Dahin­zu­ge­lan­gen und die­sen Ver­än­de­rungs­weg zu gehen, ist natür­lich auch immer ein Pro­zess. Aber wenn es gelingt, und nach und nach solch eine par­ti­zi­pa­ti­ve Kul­tur ent­steht, ist es zum einen ein viel ziel­füh­ren­de­res und freu­di­ge­res Arbei­ten. Damit ein­her geht aber auch, dass eine ande­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur ein­ge­führt wird, in der anders über Bedürf­nis­se und über Pro­ble­me gespro­chen wer­den kann. Damit man gut mit­ein­an­der im Gespräch ist, üben wir zum Bei­spiel im Kurs, wie man die eige­nen Bedürf­nis­se, Ideen, Ansät­ze äußert, und auch Kri­tik kom­mu­ni­ziert. Wenn sich alle ein­brin­gen, und wenn man ein­an­der regel­mä­ßig Feed­back gibt, muss man ler­nen, auch schwie­ri­ge Din­ge besprech­bar zu machen. Es ist gar nicht so leicht, sich das zu trau­en, und dafür einen guten Ton zu fin­den.

Zudem glau­be ich, dass es auch gesamt­ge­sell­schaft­lich hilf­reich sein wird, wenn wir einen sol­chen Umgang mehr in der Arbeits­welt eta­blie­ren. Uns ist es wich­tig, eine grö­ße­re Sen­si­bi­li­tät zu ver­mit­teln, die letzt­lich die Zusam­men­ar­beit erleich­tert und ange­neh­mer macht. Im Grun­de muss der gan­ze Mensch am Arbeits­platz will­kom­men sein. Dann kann es gelin­gen, ein viel grö­ße­res Poten­zi­al anzu­boh­ren. Wenn jeder erst­mal so okay ist, wie er oder sie ist, kann man in einem nächs­ten Schritt gemein­sam dar­über spre­chen, wo viel­leicht noch Lern­be­darf ist oder etwas ver­bes­sert wer­den könn­te.

Par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung: 4 Kern­kom­pe­ten­zen, um Ver­än­de­rungs­fä­hig­keit in Teams zu ver­an­kern

Zer­ti­fi­kats­kurs mit Ele­na Schmitz und Dr. Ute Schü­rings

Start: 21. März 2024

Wir haben noch wei­te­re Ange­bo­te rund um das The­ma Agi­li­tät und Neu­es Arbei­ten im Pro­gramm

Eine Über­sicht fin­den Sie hier:

War­um ist es in Ihren Augen jetzt beson­ders wich­tig, sich mit par­ti­zi­pa­ti­ver Füh­rung, also mit einer Füh­rung, die die Mit­ar­bei­ten­den auf Augen­hö­he ein­bin­det, aus­ein­an­der­zu­setz­ten? Was sehen Sie in der Ent­wick­lung der Arbeits­welt am Hori­zont?

Schü­rings: Durch par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung kön­nen belast­ba­re und sta­bi­le Bezie­hun­gen in der Arbeits­welt ent­ste­hen. Denn gera­de für Teams ist es ja ein gro­ßes Pro­blem, wenn sehr häu­fi­ge Wech­sel bei den Kolleg:innen statt­fin­den. Außer­dem wird das Leben immer schnel­ler. Daher ist es wich­tig, die Arbeits­welt so zu gestal­ten, dass Ver­trau­en und Bezie­hun­gen ent­ste­hen kön­nen, die ein gutes Zusam­men­ar­bei­ten erlau­ben, so dass in der Zusam­men­ar­beit genau

die Sta­bi­li­tät ent­steht, die in den Anfor­de­run­gen der Außen­welt oft fehlt. 

Schmitz: Unse­re Gesell­schaft wird immer hete­ro­ge­ner. Wir haben ganz unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven auf Din­ge, auch teil­wei­se kon­trä­re Per­spek­ti­ven. Es liegt eine gro­ße Chan­ce dar­in, die­se ein­zu­bin­den und Sachen anders zu machen, als wir sie die letz­ten 20 Jah­re gemacht haben. Gera­de auch in einer sehr „deut­schen Kul­tur“ oder einer sehr ein­sei­ti­gen Kul­tur, in einer sehr männ­li­chen Kul­tur, je nach­dem wie man hin­guckt. Der Ansatz der par­ti­zi­pa­ti­ven Füh­rung bie­tet viel mehr Schnitt­stel­len, die­se Diver­si­tät und Hete­ro­ge­ni­tät ein­zu­bin­den und nutz­bar zu machen, und dadurch neue Lösungs­mög­lich­kei­ten zu fin­den, Men­schen mit­ein­an­der in Kon­takt zu brin­gen. Dar­in liegt ein rie­si­ges Poten­zi­al. Aber es ist auch eine Hal­tung, die erst­mal gelernt wer­den muss, damit nicht gleich Angst ent­steht oder sich Men­schen ange­grif­fen füh­len. Ein par­ti­zi­pa­ti­ver Füh­rungs­stil ist ein guter Weg, das in der Arbeits­welt zu gestal­ten.

War­um soll­ten aus Ihrer Sicht Lei­tungs- und Füh­rungs­kräf­te die­sen Kurs besu­chen? Und wel­che Kom­pe­ten­zen ler­nen sie dann?

Schmitz: Wir beschäf­ti­gen uns im Kurs mit Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen und schau­en: Was pas­siert eigent­lich in Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen? Was blo­ckiert, was för­dert Ver­än­de­rung? Wie kann man alle gut mit­neh­men? Ob man will oder nicht, das ist ein The­ma, das stän­dig da ist. Das ver­mit­telt unser Kurs sehr deut­lich auf ver­schie­de­nen Ebe­nen und schafft dabei gleich­zei­tig einen Raum, sich selbst zu reflek­tie­ren als Füh­rungs­kraft. In unse­rer Fort­bil­dung kön­nen wir über einen län­ge­ren Zeit­raum schau­en, wo die eige­nen Knack­punk­te sind, was gut funk­tio­niert und was der eige­ne Weg ist, Ver­än­de­rung zu gestal­ten. Es gibt nicht die­sen einen Stan­dard­weg mit einem Metho­den­kof­fer, par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung ein­zu­füh­ren. Der Weg ist abhän­gig von der Orga­ni­sa­ti­on und vom Team, und auch von der Füh­rungs­kraft.

Schü­rings: Was wir auch immer fest­stel­len ist, dass der Aus­tausch unter­ein­an­der sehr geschätzt wird. Der Kurs ist eine Mischung aus Input, den wir geben, und aus kon­kre­ten Übun­gen und Metho­den, die man sofort anwen­den kann. Es ent­steht ein Raum, den man mit ande­ren teilt, die ganz ähn­li­che Pro­ble­ma­ti­ken und Fra­gen haben.

Wür­den Sie einen Zeit­punkt emp­feh­len, zu wann eine Füh­rungs­kraft oder Lei­tungs­kraft die­sen Kurs besu­chen soll­te? Ist es egal, ob die Per­son nur von sich aus dran Inter­es­se hät­te, und sich die Orga­ni­sa­ti­on noch gar nicht so rich­tig damit aus­ein­an­der­ge­setzt hat, ob Agi­li­tät, Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on oder Par­ti­zi­pa­ti­on inter­es­sant wäre? Oder wür­den Sie emp­feh­len, es ist immer bes­ser, wenn schon gesamt­or­ga­ni­sa­tio­nal oder

struk­tu­rell Ent­schei­dun­gen in die­se Rich­tung getrof­fen wur­den?

Schü­rings: Bei­des ist gut. Zu jedem Zeit­punkt kön­nen Teil­neh­men­de etwas mit­neh­men oder auch selbst eige­ne Ideen und Gedan­ken ent­wi­ckeln, die sie wie­der in ihre Orga­ni­sa­ti­on tra­gen. Der Moment, wo ich als Füh­rungs­kraft den­ke, da wür­de ich aber ger­ne mal mehr drü­ber wis­sen, ist ein guter Moment. Wir pro­bie­ren zudem immer, die­se Tage auch für aktu­ell bren­nen­de The­men frucht­bar zu machen, so dass ein Work­shop­tag auch der eige­nen Reflek­ti­on dient. Oft sagen die Teil­neh­men­den, sie hät­ten gera­de ziem­li­chen Stress, aber es hät­te ihnen genau das gut getan – sich frei­zu­ma­chen, einen Schritt zurück­zu­tre­ten und anders auf die Din­ge zu schau­en.

Schmitz: Par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung ist ja ein ska­lier­ba­res Model. Die Füh­rungs­kräf­te, die jetzt bei uns sind, die fan­gen auf jeden Fall erst­mal mit ihrem eige­nen Team an. Im Semi­nar ist immer der Raum da, aus­zu­pro­bie­ren und in der Grup­pe zu reflek­tie­ren, was läuft und was nicht läuft. Natür­lich ist es eine Fra­ge, wie offen ist die Orga­ni­sa­ti­on an sich? Ob man es dann auch in die Brei­te oder nach oben ska­liert bekommt, ist oft ein The­ma bei den Teil­neh­men­den.

Sie arbei­ten ja mit ganz unter­schied­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen aus der Ver­wal­tung, grö­ße­ren Kon­zer­nen oder der sog. „frei­en Wirt­schaft“ zusam­men, bei uns ja haupt­säch­lich mit Füh­rungs­kräf­ten aus dem Sozi­al­be­reich.

Wie schät­zen Sie das Poten­ti­al für neu­es Arbei­ten, Agi­li­tät und Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on in der Sozi­al­wirt­schaft ein?

Schü­rings: Ja, sehr gut (lacht). Es macht uns gro­ße Freu­de, weil bereits eine hohe Sen­si­bi­li­tät und ein star­ker Wunsch für die­ses The­ma da sind. Wir fin­den, es gibt eine brei­te Grund­la­ge im Ver­ständ­nis von Füh­rung. Die Ange­bo­te, die wir machen, wer­den mit gro­ßem Inter­es­se auf­ge­nom­men und auch umge­setzt. Es gibt ein gro­ßes Bedürf­nis, sowohl von den Füh­rungs­kräf­ten als auch von den Mit­ar­bei­ten­den, betei­ligt zu wer­den, mit­zu­den­ken, sich zu enga­gie­ren. Das Ver­bin­den­de ist der Blick auf den Men­schen, weil in der Sozi­al­wirt­schaft ja mit Men­schen gear­bei­tet wird, und es in die­ser Hin­sicht eine ganz gro­ße Fähig­keit und Wert­schät­zung gibt.

Schmitz: Zudem fin­den wir, dass sich Füh­rungs­kräf­te im Sozi­al­be­reich vie­le Gedan­ken dar­über machen, wie sie gut füh­ren kön­nen. Ein­mal, um gute Leu­te hal­ten zu kön­nen, aber eben auch um eine gute Atmo­sphä­re zu schaf­fen. Außer­dem ent­steht in den Grup­pen schnell eine wert­schät­zen­de Atmo­sphä­re, mit der man sehr gut arbei­ten kann.

Wel­che Fall­stri­cke gibt es mit dem Kon­zept par­ti­zi­pa­ti­ve Füh­rung?

Schü­rings: Wir stel­len häu­fi­ger fest, dass es eine Tren­nung zwi­schen mitt­le­rem Manage­ment und „obe­ren“ Ebe­nen gibt. Je näher man qua­si an den Klient:innen bzw. den Men­schen dran ist, des­to grö­ßer ist das Inter­es­se an Aus­tausch und einem guten Gelin­gen und Mit­ein­an­der. Oft ist das in den höhe­ren Struk­tu­ren schwie­rig, und da ent­steht Frus­tra­ti­on.

Schmitz: Und es gibt tat­säch­lich eine hohe Fluk­tua­ti­on unter Mit­ar­bei­ten­den – dass Teams häu­fig wech­seln und es dadurch erschwert wird, ein star­kes Team auf­zu­bau­en. Da ent­steht das Gefühl, man fängt immer wie­der von vor­ne an. Dann kann es einer­seits ein Weg sein, Zusam­men­ar­beit so zu struk­tu­rie­ren, dass Men­schen ger­ne blei­ben, und ande­rer­seits einen Grund­stock im Team auf­zu­bau­en, um neue Men­schen schnel­ler gut ein­zu­bin­den. Wir schau­en, wie ein kul­tu­rel­les Level gehal­ten wer­den kann, trotz hoher Fluk­tua­ti­on.

Vie­len Dank für das Gespräch!

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Das Inter­view führ­te Annet­te Loy, Bil­dungs­re­fe­ren­tin und Bereichs­lei­tung Semi­na­re an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin

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Maga­zin

März 2022 | Manage­ment

ein Gast­bei­trag von Dr. Hol­ger Well­mann

Das Betrieb­li­che Gesund­heits­ma­nage­ment (BGM) hat in den letz­ten Jah­ren in vie­len Bran­chen und Betrie­ben zuneh­mend an Akzep­tanz gewon­nen. Mehr noch: Es ist Aus­druck einer geleb­ten Unter­neh­mens­kul­tur und

wirkt sich nicht nur posi­tiv auf die Gesund­heit und Leis­tungs­fä­hig­keit der Beschäf­tig­ten aus, son­dern ist auch ein „Aus­hän­ge­schild“ für vie­le Betrie­be. Sie wer­ben z.B. mit ihrem BGM, wenn es um die Gewin­nung und Bin­dung von

Fach­kräf­ten geht.

Aller­dings ist BGM bei wei­tem noch kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Unwis­sen­heit über die Inhal­te, die kon­kre­te Umset­zung und die viel­fäl­ti­gen Wir­kun­gen des BGM spie­len dabei häu­fig eine Rol­le. Hin­zu kom­men oft feh­len­de zeit­li­che Res­sour­cen – aber auch die Fra­ge der Hal­tung, wenn es um das The­ma Gesund­heit geht: Ist sie „Pri­vat­sa­che“ – oder inwie­weit sehen es die Ent­schei­dungs­trä­ge­rIn­nen von Orga­ni­sa­tio­nen als gewinn­brin­gend an,

über den Arbeits- und Gesund­heits­schutz hin­aus in die Gesund­heits­för­de­rung der Mit­ar­bei­ten­den zu inves­tie­ren? Schließ­lich exis­tie­ren noch immer fal­sche Vor­stel­lun­gen über das BGM: Es gin­ge ins­be­son­de­re um die Umset­zung von Maß­nah­men, die um das ope­ra­ti­ve Tages­ge­schäft her­um orga­ni­siert wer­den müss­ten. Und gera­de hier liegt häu­fig ein Denk­feh­ler, denn der Kern eines qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen BGM soll­te das Her­bei­füh­ren von gesun­den Arbeits­be­din­gun­gen und die Stär­kung von Res­sour­cen bei den Beschäf­tig­ten sein.

Die her­aus­for­dern­de Arbeits­si­tua­ti­on in der Pfle­ge­bran­che ist seit lan­gem bekannt. Sie ist geprägt von hohen kör­per­li­chen und psy­chi­schen Belas­tun­gen. Die Arbeits­ver­dich­tung hat gera­de in den letz­ten zwei Jah­ren durch die Coro­na-Situa­ti­on wei­ter zuge­nom­men. Oft­mals ist die Belas­tungs­gren­ze bereits über­schrit­ten, wozu u.a. die zeit­glei­che Erle­di­gung meh­re­rer Auf­ga­ben (Mul­ti­tas­king), der Schicht­dienst und immer wie­der auch aggres­si­ve Patient:innen sowie das per­ma­nen­te Erfor­der­nis von Emo­ti­ons­ar­beit bei­tra­gen. Dies schlägt sich einer­seits nie­der in einem Krank­heits­ge­sche­hen, das vor allem durch Mus­kel- und Ske­lett­er­kran­kun­gen, aber auch durch depres­si­ve Epi­so­den und das Burn­out-Syn­drom geprägt ist. Ande­rer­seits gehen Pfle­ge­kräf­te trotz Krank­heit über­durch­schnitt­lich häu­fig trotz­dem zur Arbeit. Zudem sind die Rah­men­beding­ungen in der Pfle­ge ungüns­tig. Die Ver­ein­ba­rung der Arbeits­zei­ten mit den per­sön­li­chen Bedürf­nis­sen ist häu­fig müh­sam, die Ent­loh­nung im

Pfle­ge­be­ruf eher gering und die Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten für die per­sön­li­che Lauf­bahn­ge­stal­tung ein­ge­schränkt. Hin­zu kommt – und dies dürf­te für das Sin­nerle­ben vie­ler Pfle­ge­kräf­te neben den Arbeits­be­din­gun­gen ein ent­schei­den­der Punkt sein – die gerin­ge gesell­schaft­li­che Wert­schät­zung bzw. das Image­pro­blem des Pfle­ge­be­rufs. Es kann bei all die­sen Fak­to­ren dem­nach nicht ver­wun­dern, dass die Ver­weil­dau­er gera­de in der Alten­pfle­ge kür­zer als in vie­len ande­ren Beru­fen ist.

Und jetzt noch Coro­na! Ist die Pan­de­mie das Damo­kles­schwert für das BGM in der Pfle­ge? Sie darf es nicht sein! Als

Begrün­dung darf die Geschich­te des Holz­fäl­lers her­an­ge­zo­gen wer­den, der den Auf­trag bekommt Bäu­me zu fäl­len. Anfangs gelingt ihm dies, aber mit der Zeit wird die Säge immer stump­fer und die Arbeit daher immer beschwer­li­cher. Er schafft irgend­wann die gefor­der­te Men­ge nicht mehr – Frust und Über­stun­den häu­fen sich an. Da geben ihm vor­bei­zie­hen­de Wan­ders­leu­te einen „hei­ßen Tipp“: „Sie müs­sen mal wie­der Ihre Säge schär­fen!“ Aber der Holz­fäl­ler schüt­telt den Kopf und ant­wor­tet: „Ich habe kei­ne Zeit die Säge zu schär­fen. Ich muss doch den gan­zen Tag Bäu­me fäl­len!“

Die Ana­lo­gie ist offen­sicht­lich. Wo im Pfle­ge­all­tag bei ohne­hin schon begrenz­ten Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten Zeit für

Maß­nah­men des BGM her­neh­men? Dafür ist es wich­tig zu wis­sen, dass der Aus­gangs­punkt für sol­che Maß­nah­me natür­lich eine Bedarfs­ana­ly­se ist, um ziel­ge­rich­tet vor­zu­ge­hen. Und sicher­lich müs­sen zu Beginn auch Struk­tu­ren und Pro­zes­se des BGM in die Orga­ni­sa­ti­ons­ab­läu­fe inte­griert wer­den. Dann jedoch gilt es mög­lichst nied­rig­schwel­lig die Akti­vi­tä­ten in den Arbeits­all­tag der Beschäf­tig­ten zu inte­grie­ren. Was das hei­ßen kann, soll mit ein paar Bei­spie­len ver­deut­licht wer­den. Dabei wird eine Ori­en­tie­rung an dem soge­nann­ten „bio­psy­cho­so­zia­len

Modell von Gesund­heit und Krank­heit“ vor­ge­nom­men. Die­ses geht davon aus, dass Krank­heit als Stö­rung der Inter­ak­ti­on von kör­per­li­chen, psy­chi­schen und sozia­len Fak­to­ren ver­stan­den wer­den kann. Folg­lich wer­den bei allen gesund­heits­för­der­li­chen Maß­nah­men nicht nur bio­lo­gi­sche Fak­to­ren berück­sich­tigt, son­dern auch psy­cho­lo­gi­sche und sozio­kul­tu­rel­le Aspek­te ein­be­zo­gen.

SEMINARE MIT DR. HOLGER WELLMANN

Betrieb­li­ches Gesund­heits-manage­ment (BGM) – auf den Weg gebracht

Semi­nar

19.+ 20. Mai 2022

Gesund­heits­ori­en­tier­tes Füh­ren in der Sozi­al­wirt­schaft

Semi­nar

24. Mai 2022

Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung psy­chi­scher Belas­tung am Arbeits­platz

Semi­nar

12. Sep­tem­ber 2022

Hin­sicht­lich der kör­per­li­chen Anstren­gun­gen kann z.B. das Augen­merk dar­auf gelegt wer­den, dass die Belas­tung indi­vi­du­ell als ange­mes­sen emp­fun­den wird, ohne dass dabei immer die glei­chen Mit­ar­bei­ten­den die „schwe­ren Auf­ga­ben“ erhal­ten. Kol­le­gia­le Hin­wei­se auf ungüns­ti­ge Kör­per­hal­tun­gen sen­si­bi­li­sie­ren und ergän­zen die grund­le­gen­den Unter­wei­sun­gen, wie man mit der rich­ti­gen Hal­tung und pas­sen­den Bewe­gungs­ab­läu­fen den Kör­per scho­nen kann. Arbeits­or­ga­ni­sa­to­risch erscheint es güns­tig, dass Pau­sen auch nach dem indi­vi­du­el­len Bedarf genom­men wer­den kön­nen und tat­säch­lich im Sin­ne der Erho­lung gestal­tet wer­den. Die „Rau­cher­pau­se“ mag zwar kurz­fris­tig zum „Durch­pus­ten“ geeig­net sein, wird sich aber mit­tel- bis lang­fris­tig sicher­lich nicht auf die kör­per­li­che Fit­ness posi­tiv aus­wir­ken. Und natür­lich soll­te auch der Zeit­druck nicht der Nut­zung von Hilfs­mit­teln und Hebe­hil­fen ent­ge­gen­ste­hen.

Für das psy­chi­sche Wohl­be­fin­den ist es wich­tig, dass der ein­zel­nen Pfle­ge­kraft immer wie­der ihr Bei­trag zum gro­ßen Gan­zen bewusst (gemacht) wird. Damit ver­bun­den ist die Wert­schät­zung der Per­son durch die Kol­le­gin­nen und Vor­ge­setz­ten oder ein kon­kre­tes Lob. Ein kur­zes und ehr­lich gemein­tes „Ich dan­ke dir, dass du bei uns auf Sta­ti­on so spon­tan aus­ge­hol­fen hast!“ kann schon viel bewir­ken und zeigt, dass eine sol­che Unter­stüt­zung kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit ist. Unter­schied­lich aus­ge­prägt ist der Wunsch, immer wie­der Neu­es bei der Arbeit hin­zu­ler­nen zu kön­nen und sich ein­zel­ne Arbeits­ab­läu­fe mög­lichst selbst struk­tu­rie­ren zu kön­nen. Hier ist das Anmel­den von Wün­schen sei­tens der Pfle­ge­kräf­te und das Fin­ger­spit­zen­ge­fühl der Vor­ge­setz­ten gefragt sowie ihr Inter­es­se, sich mit den ein­zel­nen Bedürf­nis­sen und Stär­ken in ihrem Team aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die Team­mit­glie­der wer­den es ihnen dan­ken, wenn sie sich den Anfor­de­run­gen ihrer Arbeit gewach­sen füh­len.

Es ist aber nicht nur die Arbeit als sol­che, die für Moti­va­ti­on und Sinn­stif­tung sor­gen kann. Im hek­ti­schen Pfle­ge­all­tag kommt es immer wie­der zu Kon­flik­ten. Das muss nicht wei­ter schlimm sein, wenn sie unter den Kol­le­gin­nen respekt­voll und mög­lichst eigen­stän­dig oder auch mit Unter­stüt­zung ande­rer gelöst wer­den. Und natür­lich kommt es dem Betriebs­kli­ma zugu­te, wenn gegen­sei­ti­ge Hil­fe und Unter­stüt­zung stark aus­ge­prägt sind und die Bereit­schaft vor­han­den ist, Wis­sen zu tei­len. Dabei soll­te nicht ver­nach­läs­sigt wer­den, bei Pro­ble­men zuerst selbst nach Lösun­gen zu suchen, bevor ande­re um Hil­fe gebe­ten wer­den. Es gilt also bei­des mit­ein­an­der zu ver­bin­den: Das eige­ne Enga­ge­ment bei Her­aus­for­de­run­gen, aber auch die Gewiss­heit, sich auf die Kol­le­gIn­nen

ver­las­sen zu kön­nen. So wach­sen Teams zusam­men – Koope­ra­ti­on und Ver­trau­en wer­den gelebt.

Die sinn­vol­le Kom­bi­na­ti­on die­ser Aspek­te zeigt, dass BGM kein „add on“ ist – also kein Hin­zu­fü­gen von Maß­nah­men in den stres­si­gen Pfle­ge­all­tag. Viel­mehr spielt es eine gewich­ti­ge Rol­le, um den Her­aus­for­de­run­gen in der Pfle­ge zu begeg­nen und die Kran­ken­stän­de und die Fluk­tua­ti­on so gering wie mög­lich zu hal­ten. Über­le­gen Sie doch selbst ein­mal als Ver­ant­wort­li­che, wenn Sie die Wahl zwi­schen zwei grund­sätz­lich ver­gleich­ba­ren Pfle­ge­ein­rich­tun­gen

hät­ten – eine davon jedoch ein gutes BGM lebt: Für wel­che Ein­rich­tung wür­den Sie sich ent­schei­den?

Auf dem Weg zum BGM wer­den Sie nicht allein gelas­sen. So ste­hen Ihnen z.B. die Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger mit Rat und Tat zu Sei­te. Nut­zen Sie aber auch die neu­en Ange­bo­te der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin.

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Inter­view mit Mela­nie Rubach

Mela­nie Rubach stu­dier­te Kri­mi­no­lo­gie und Poli­zei­wis­sen­schaf­ten und arbei­tet der­zeit als Amts­lei­te­rin des Sozi­al­am­tes Mar­zahn-Hel­lers­dorf sowie als Dozen­tin an der HWR Lich­ten­berg. Bei uns an der Aka­de­mie lei­tet sie das Semi­nar Poli­zei­ein­sät­ze in der Jugend­hil­fe ­– wie ver­hal­te ich mich kor­rekt?.

Frau Rubach, in Ihrem Semi­nar geht es um das Auf­ein­an­der­tref­fen von Sozia­ler Arbeit und Poli­zei. Sie konn­ten pro­fes­sio­nel­le Erfah­run­gen auf bei­den Sei­ten sam­meln. Inwie­fern haben die­se Sie geprägt? Gibt es Erleb­nis­se, die Ihre Arbeit nach­hal­tig beein­flusst haben? 

Ich konn­te Erfah­run­gen als Poli­zis­tin, Sozi­al­ar­bei­te­rin und als Lei­tungs­kraft in einer sozia­len Ein­rich­tung sam­meln. Die Sozia­le Arbeit und Poli­zei­li­che Arbeit haben grund­sätz­lich die Gemein­sam­keit Men­schen zu hel­fen, vie­le per­sön­li­che Erleb­nis­se zeig­ten aber, dass dies mit unter­schied­li­chen gesetz­li­chen Auf­trä­gen, Selbst­ver­ständ­nis und unter­schied­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on erfolgt und dadurch Kon­flik­te unter den Pro­fes­sio­nen ent­ste­hen.

Wel­che Kon­flik­te sind das genau? Und ste­hen sich die Pro­fes­sio­nen wirk­lich so kon­trär gegen­über, wie vie­le den­ken?

Die Kon­flik­te ent­ste­hen aus mei­ner Sicht auf­grund der feh­len­den Trans­pa­renz und Kom­mu­ni­ka­ti­on zu den unter­schied­li­chen gesetz­li­chen Grund­la­gen, Metho­den und Anspra­chen der bei­den Pro­fes­sio­nen. Der Kern der

poli­zei­li­chen Arbeit liegt in der Gefah­ren­ab­wehr und Straf­ver­fol­gung, in der Sozia­len Arbeit hin­ge­gen, zielt die Tätig­keit auf den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt und ins­be­son­de­re auf die indi­vi­du­el­le Stär­kung des /der Ein­zel­nen ab. Im Hin­blick auf die Tätig­keits­aus­rich­tung und dem gesetz­li­chen Auf­trag ste­hen sich bei­de Pro­fes­sio­nen meist kon­trär gegen­über, auch wenn es gro­ße Über­schnei­dun­gen zu den Hand­lungs­fel­dern gibt und es sich allein des­halb lohnt, die Zusam­men­ar­beit zu ver­bes­sern und ein gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis zu ent­wi­ckeln.

Wel­che Rol­le spie­len in Ihren Augen dabei Vor­ur­tei­le gegen­über der jeweils ande­ren Pro­fes­si­on? Wie kön­nen sich dich die­se aus­räu­men las­sen?

In einer umfas­sen­den Unter­su­chung zum The­ma Selbst- und Fremd­bil­der von Sozialarbeiter:innen und Polizist:innen von Schmitt-Zim­mer­mann von 1997, nach mei­ner Mei­nung aktu­ell immer noch anwend­bar, ist fest­zu­stel­len, dass hier eine gro­ße Dis­kre­panz und Unwis­sen­heit herrscht. Durch Trans­pa­renz, gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis und die Aner­ken­nung der jewei­li­gen Pro­fes­si­on, ver­stärk­te gemein­sa­me Kom­mu­ni­ka­ti­on und abge­stimm­te Hand­lungs­leit­fä­den könn­ten Dif­fe­ren­zen und Vor­ur­tei­le abge­baut wer­den. Eine neu­tra­le Grund­hal­tung ist dabei essen­zi­ell.

Für Sozialarbeiter:innen kann der Schutz des engen Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zum/zur Klient:in auf der einen Sei­te und gesetz­li­chen Ver­pflich­tun­gen auf der ande­ren zu inne­ren Kon­flik­ten füh­ren? Was wür­den Sie

Betrof­fe­nen in einem sol­chen Fall raten?

In mei­nem Semi­nar bespre­chen wir die­se The­ma­tik sehr inten­siv, um den recht­li­chen Hand­lungs­rah­men genau zu ken­nen und wägen auch die Argu­men­te anhand ver­schie­de­ner Fall­kon­stel­la­tio­nen ab, weil die Situa­tio­nen häu­fig sehr indi­vi­du­ell zu bewer­ten sind. Das bringt im Han­deln mit der Kli­en­tel und mit der Poli­zei mehr Sicher­heit und lässt Kon­flik­te redu­zie­ren, weil gewis­se Hand­lungs­wei­sen von Beginn an trans­pa­rent gemacht wer­den kön­nen bzw. sind.

Was ist in Ihren Augen nötig, um eine gute, ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit zwi­schen Sozia­ler Arbeit, Sozi­al­be­hör­den und Poli­zei zu ermög­li­chen?

Kom­mu­ni­ka­ti­on, Ver­ständ­nis für die jewei­li­ge Pro­fes­si­on und das Wis­sen und Akzep­tie­ren über die jewei­li­gen Unter­schie­de und Gemein­sam­kei­ten, Trans­pa­ren­tes Han­deln, kla­re Anspra­chen, gemein­sa­me Bera­tun­gen, ohne die eige­ne Auf­ga­be aus den Augen zu ver­lie­ren, neu­tra­le Grund­hal­tung und Hand­lungs­leit­fä­den in den Trä­gern.

Könn­te in der Zusam­men­ar­beit der unter­schied­li­chen Pro­fes­sio­nen auch Chan­cen lie­gen? Kön­nen bei­de Sei­ten viel­leicht etwas von­ein­an­der ler­nen?

Auf jeden Fall, ins­be­son­de­re weil Poli­zei und Sozia­le Arbeit häu­fig eine gemein­sa­me Kli­en­tel haben, die Metho­den und gesetz­li­chen Grundlagen/Aufgaben aller­dings unter­schied­lich sind. Der mensch­li­che Aspekt soll­te dabei aber an kei­ner Stel­le ver­lo­ren gehen.

Wie der Titel ver­rät, geht es in Ihrem Semi­nar um das kor­rek­te Ver­hal­ten päd­ago­gi­scher Fach­kräf­te in der Jugend­hil­fe bei Poli­zei­ein­sät­zen. Mit wel­chen Inhal­ten und Metho­den ver­mit­teln Sie dies?

Ich gehe zunächst auf die unter­schied­li­chen Pro­fes­sio­nen ein und wir arbei­ten zusam­men aus, wel­che Unter­schie­de und Gemein­sam­kei­ten, aber auch wel­che Chan­cen sich dar­aus erge­ben. Wir schau­en uns gemein­sam in Grup­pen­ar­bei­ten aus Berich­ten zu Fäl­len Kon­flikt­her­de an und ana­ly­sie­ren die­se.

Da Sozia­le Arbeit häu­fig poli­zei­li­ches Vor­ge­hen nicht ver­steht und dadurch auch Kon­flik­te und Unsi­cher­hei­ten ent­ste­hen, ler­nen die Seminarteilnehmer:innen die Befug­nis­se der Poli­zei ken­nen und kön­nen dar­aus ablei­ten, wel­che Rech­te und Pflich­ten sie haben. Ins­be­son­de­re die daten­schutz­re­le­van­ten Befug­nis­se Sozia­ler Arbeit und Poli­zei­li­cher Arbeit neh­men hier einen gro­ßen Anteil ein.

Am zwei­ten Tag sam­meln wir alle Erkennt­nis­se, glei­chen die­se mit mit­ge­brach­ten Fall­kon­stel­la­tio­nen ab und ent­wi­ckeln einen mus­ter­haf­ten Leit­fa­den, wel­cher in dem jewei­li­gen sozia­len Trä­ger wei­ter­ge­führt und ange­passt wer­den kann.

Ich freue mich immer am Ende über die vie­len AHA-Effek­te und erle­be häu­fig durch spä­te­re Kon­takt­auf­nah­me, dass die Trä­ger mit den ent­stan­de­nen Kon­zep­ten gut arbei­ten kön­nen.

Vie­len Dank für das Gespräch!

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Das Gespräch führ­te Sol­vejg Hes­se, Bil­dungs­re­fe­ren­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin

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Maga­zin

Febru­ar 2022 | Manage­ment

Ein Gast­bei­trag von Mari­on Schenk und Moritz Ave­na­ri­us

„Wan­del und Inno­va­ti­on kön­nen wir nur „in den Ket­ten des Alten“ her­vor­brin­gen.“

Gün­ther Ort­mann (2016)

Wann set­zen sich Inno­va­tio­nen in Orga­ni­sa­tio­nen durch? Was för­dert den Pro­zess des Inno­vie­rens? Und ist

Inno­va­ti­on eigent­lich immer nötig und sinn­voll? Eine wich­ti­ge Leit­plan­ke ­­- neben dem Wis­sen über Inno­va­ti­ons­tech­ni­ken und ‑metho­den – sind bei der Beant­wor­tung die­ser Fra­gen die Beob­ach­tungs­fo­li­en, die uns die Sys­tem­theo­rie und ein sys­tem­theo­re­ti­sches Ver­ständ­nis von Orga­ni­sa­tio­nen lie­fern.

Es scheint, als wür­den fast alle Orga­ni­sa­tio­nen sich um Inno­va­ti­on bemü­hen. Inno­va­ti­ve Pro­duk­te müs­sen her,

inno­va­ti­ve neue Arbeits­wei­sen wer­den gesucht. Mit­hil­fe von Krea­ti­vi­täts­work­shops, Inno­va­ti­ons­be­ra­tung, Design Thin­king und ande­ren Metho­den, sowie neu­en agi­len Ein­hei­ten, die sich ganz dem The­ma wid­men, soll dem „gött­li­chen Zufall“ auf die Sprün­ge gehol­fen wer­den. Die Unver­füg­bar­keit von ech­ter Inno­va­ti­on macht sie so begeh­rens­wert.

Die Pra­xis ist oft ent­täu­schend. Ver­meint­lich Neu­es zeigt nicht immer die gewünsch­te Strahl­kraft und häu­fig ver­pufft die Auf­bruchs­dy­na­mik in nutz­lo­ser Spie­le­rei. Dann kom­men Fra­gen auf: Was ist mit „nor­ma­ler“ Wei­ter­ent­wick­lung, Anpas­sung und Adap­ti­on? Und wie gehen wir mit mög­li­chen nega­ti­ven Aspek­ten von Inno­va­tio­nen um?

 

Inno­va­tio­nen sind stets von Para­do­xien beglei­tet. Da ist der Ver­such, Neu­es aus den Ele­men­ten des Bekann­ten

her­zu­stel­len, oder das „Tan­zen in Ket­ten“ wie es Ort­mann beschreibt. Die Pro­blem­lö­sun­gen von heu­te wer­den mög­li­cher­wei­se die Pro­ble­me von mor­gen wer­den. Wie soll man aktiv den Zufall und Krea­ti­vi­tät – die ja auch unver­füg­bar ist – beschleu­ni­gen und befeu­ern?

1.   Was ist eigent­lich das Neue und wie ent­steht es?

Neu­es ent­steht aus Abwei­chun­gen. Um es prä­zi­ser in Begrif­fe zu fas­sen, hilft es den aus der Evo­lu­ti­ons­theo­rie

ent­lehn­ten Pro­zess von Varia­ti­on – Selek­ti­on – Re-Sta­bi­li­sie­rung zu nut­zen.

 

Varia­tio­nen (Abwei­chun­gen) tre­ten stän­dig auf und ver­schwin­den auch schnell wie­der, ohne dass sie zur Inno­va­ti­on wer­den. Sie sind für sich nichts Außer­ge­wöhn­li­ches. Span­nend wird es erst, wenn eine Varia­ti­on bleibt und über ihre wei­te­re Ver­wen­dung ent­schie­den wer­den muss. Nun heißt es „Top oder hopp“, denn in der Selek­ti­on kann das Neue ent­we­der gefes­tigt oder aber abge­lehnt wer­den. Bei­des hat Fol­gen für eine Orga­ni­sa­ti­on. Die­se

zei­gen sich dann in der drit­ten Pro­zess­pha­se, der sog. Re-Sta­bi­li­sie­rung. Erst hier wird eine „aus­er­wähl­te“ Varia­ti­on zum „Bewähr­ten“ – und kann doch immer noch in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Und auch eine nega­ti­ve Selek­ti­on, das

Aus­sor­tie­ren, hat mög­li­cher­wei­se uner­wünsch­te Aus­wir­kun­gen, wenn spä­ter erkannt wird, wel­che Chan­cen ver­passt wur­den. Wie auch immer: ohne Aus­dau­er kommt das Neue nicht dau­er­haft in die Welt.

Mög­li­che Fra­gen für Füh­rung, die sich hier­aus erge­ben, sind etwa:

  • Wie muss die Orga­ni­sa­ti­on auf­ge­stellt sein, um Varia­tio­nen zu erken­nen, zu för­dern und wirk­sam wer­den zu las­sen? Kann Varia­ti­on sti­mu­liert wer­den? Wel­che Metho­den sind hier­für sinn­voll?
  • Wann macht es Sinn ande­re, uner­war­te­te Selek­tio­nen zu tref­fen? Wie kann Offen­heit und Sen­si­bi­li­tät dafür geschaf­fen wer­den? Wer hat den Mut zur Abwei­chung in wert­ori­en­tier­ten Sys­te­men?
  • Wer sorgt dafür, dass sich das Neue schließ­lich dau­er­haft eta­bliert und bleibt? Und wie gehen wir mit nega­ti­ver Selek­ti­on um?

2. War­um Orga­ni­sa­tio­nen sta­bil blei­ben wol­len und was das mit Macht zu tun hat.

Jedes Unter­neh­men möch­te über­le­ben und sich selbst erhal­ten. Das ist die Grund­la­ge von Sys­te­men. Eine Fir­ma, eine sozia­le Ein­rich­tung will wach­sen und wei­ter bestehen. Alle in der Orga­ni­sa­ti­on gehen ihren Auf­ga­ben nach, bie­ten best­mög­li­che Ange­bo­te für Klient:innen an, wol­len dabei mit der Zeit gehen und sich an gesell­schaft­li­che Rah­men­beding­ungen anpas­sen. Es wer­den Ent­schei­dun­gen getrof­fen und Rou­ti­ne ent­wi­ckelt. Mus­ter eta­blie­ren sich, damit das Gan­ze sta­bil bleibt und wir auch mor­gen die Orga­ni­sa­ti­on von heu­te wie­der­erken­nen. Feh­ler sol­len

ver­mie­den wer­den, Abwei­chun­gen sind etwas nega­ti­ves und das Ein­hal­ten von Ver­ein­ba­run­gen und Vor­ge­hens­wei­sen wird posi­tiv bewer­tet.

 

Gleich­zei­tig sucht man nach Infor­ma­tio­nen in der Umwelt, um sich für die (unbe­kann­te) Zukunft zu rüs­ten. Neu­es ent­steht durch Abwei­chung, die posi­tiv bewer­tet wird. Dazu braucht es Mut und Risi­ko­freu­de. Jemand muss die­se auf­brin­gen, wenn man sich für Inno­va­ti­on ent­schei­det. Aber wer will den „schwar­zen Peter“ haben, wenn es doch nichts wird? Wer trägt das Risi­ko und ver­liert dann gege­be­nen­falls an Macht und Ein­fluss? Neu­es ver­än­dert bestehen­de Macht­ver­hält­nis­se: die Einen gewin­nen an Bedeu­tung, die Ande­re ver­lie­ren.

3. Was Orga­ni­sa­tio­nen wis­sen soll­ten, wenn sie ler­nen wol­len

Ein zen­tra­ler Start­punkt ist die Para­do­xie der Selbst­re­fe­renz. Kon­kre­ter stellt sich hier die Fra­ge, wie Ent­schei­dungs­prä­mis­sen in Orga­ni­sa­tio­nen so gestal­tet und ver­än­dert wer­den kön­nen, dass sie Inno­va­ti­on ermög­li­chen? Inno­va­ti­on tritt immer strin­gent hand­lungs­ori­en­tiert auf. Span­nend ist es dann, drauf zu ach­ten, wie

der Pro­zess des Inno­vie­rens gestal­tet wird.

 

Ent­schei­dend ist, was Tag für Tag gemacht wird, denn „Machen ist kras­ser als Wol­len“. Alle rele­van­ten Zuta­ten, also die Metho­den, Best Prac­ti­ces, Theo­rien, etc. sind hier­für bekannt, d.h. Inno­va­ti­on selbst (sowohl als ein­zel­ne Akti­vi­tät, als auch als Programm/Prozess) muss nicht neu erfun­den wer­den. Aber an wel­chen Stel­len der Orga­ni­sa­ti­on wird von wem ent­schie­den, was davon umge­setzt wird und was nicht?

 

Vor­aus­set­zung für Ler­nen in Orga­ni­sa­tio­nen ist die Fähig­keit sich selbst zu beob­ach­ten. 

  • Was tun wir eigent­lich und mit wel­chem Ergeb­nis (und wel­chen Neben­wir­kun­gen)?
  • Wo ver­stri­cken wir uns in „fal­sche Kau­sa­li­tä­ten“?
  • Was wird bei­be­hal­ten, was ver­än­dert und wo?

Bekann­te Fall­stri­cke, die auf­tre­ten kön­nen: die Orga­ni­sa­ti­on ver­hed­dert sich in der Para­do­xie von Sta­bi­li­tät und Ver­än­de­rung oder stellt Inno­va­ti­on ins Schau­fens­ter, lebt die­se aber nicht intern.

4. Aus­blick

Was hilft ist die kon­se­quen­te Beob­ach­tung und Ord­nung – auch um auf ste­ti­ge (himm­li­sche) Zufalls­er­eig­nis­se vor­be­rei­tet zu sein und die­se klug in der Struk­tur zu nut­zen. 

 

Niklas Luh­mann sagt über Inno­va­ti­on dies sei „[] eine durch­aus ent­mys­ti­fi­zier­ba­re Ange­le­gen­heit, näm­lich []die Fähig­keit zum Aus­nut­zen von Gele­gen­hei­ten; oder in ande­rer For­mu­lie­rung: []die Ver­wen­dung von Zufäl­len zum Auf­bau von Struk­tu­ren.“ Und wei­ter: „Jemand, der es wis­sen muß­te, ich glau­be es war Lou­is Pas­teur, hat gesagt: Der

Zufall begünstigt nur den vor­be­rei­te­ten Geis

t.“

 

Und es braucht Macht und Mut, um das „Etwas zu machen“ (Appell) und dies gegen Wider­stän­de und die Träg­heit in der Orga­ni­sa­ti­on durch­zu­set­zen.

 

Was das für die Pra­xis bedeu­tet, wie Orga­ni­sa­tio­nen der ver­meint­li­chen Not­wen­dig­keit von Inno­va­ti­on ganz prak­tisch begeg­nen kön­nen, dazu ler­nen Sie mehr in unse­rem Semi­nar: Inno­va­ti­on in Orga­ni­sa­tio­nen – Sys­te­mi­sches Den­ken trifft Design Thin­king am 31. März und 1. April 2022.

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Inter­view mit Unma­ni Kuch­in­sky

Unma­ni Kuch­in­sky ist Sozi­al­päd­ago­gin und Ord­nungs­exper­tin aus Köln. Der­zeit noch im ambu­lan­ten betreu­ten Woh­nen tätig, tritt sie im März 2022 eine neue Stel­le als Job­coach und Netz­werk­ko­or­di­na­ti­on bei der christ­li­chen Sozi­al­hil­fe (CSH) an. Mit unse­rer Bil­dungs­re­fe­ren­tin Dilek Yük­sel spricht sie über ihre Teil­nah­me am Zer­ti­fi­kats­kurs Mes­sie-Fach­kraft nach Vero­ni­ka Schrö­ter © und die Aus­wir­kun­gen auf ihre beruf­li­che Ent­wick­lung.

Inwie­fern hat der Kurs Ihr Berufs­lauf­bahn beein­flusst?

Nach Been­di­gung des Kur­ses, fand ich eine neue Anstel­lung im ambu­lant betreu­ten Woh­nen. Dort gibt es ver­ein­zelt auch Mes­sie-Kli­en­tel, von Wert­bei­mes­sungs­stö­rung bis zur Ver­mül­lung. Mein neu erwor­be­nes Fach­wis­sen wur­de von den Kolleg:innen sehr inter­es­siert wahr­ge­nom­men. Als Ord­nungs­exper­tin hat­te ich bereits seit vie­len Jah­ren Messie-Kund:innen mit Wert­bei­mes­sungs­stö­rung als Selbstzahler:innen. Mein gan­zer Ansatz hat sich durch die Wei­ter­bil­dung kom­plett ver­än­dert und ver­tieft und ich bie­te nun für die­se Kli­en­tel eine sehr behut­sa­me Wohn­raum­ar­beit (jen­seits von prag­ma­ti­schen Ord­nungs­kon­zep­ten), und für die Ange­hö­ri­gen zusätz­lich tele­fo­ni­sche Bera­tungs­ge­sprä­che an.

Wür­den Sie den Kurs erneut wäh­len und wenn ja, war­um?

Auch wenn es namens­tech­nisch so aus­sieht, es gibt in Deutsch­land kei­ne Alter­na­ti­ve zu Frau Vero­ni­ka Schrö­ter, die mit so unglaub­li­chem Fach­wis­sen und einer gro­ßen Sen­si­bi­li­tät und Tie­fe auf­war­ten kann. Durch ihren gestalt­the­ra­peu­ti­schen Ansatz und die Ein­be­zie­hung der per­sön­li­chen Prä­gun­gen und Mus­ter einer jeden Teil­neh­me­rin, bekommt das Mes­sie-The­ma in der eige­nen Tie­fe ganz viel Sub­stanz und Ver­ste­hen.

Wie konn­ten Sie die Inhal­te in Ihre Berufs­pra­xis ein­brin­gen?

Als Sozi­al­päd­ago­gin im ambu­lant betreu­ten Woh­nen gehe ich mit mei­nem Mes­sie-Kli­en­ten mit Wert­bei­mes­sungs­stö­rung genau­so um, wie mit der Selbst­zah­le­rin als Kun­din, näm­lich non-direk­tiv. Ich bil­de ein star­kes Ver­trau­ens­ver­hält­nis mit den Men­schen und wir ver­su­chen gemein­sam Zie­le zu set­zen, Erfol­ge schritt­wei­se zuzu­las­sen. Das kann sehr unter­schied­lich aus­se­hen. Bis­her hat­te ich als Ord­nungs­exper­tin nur einen

Men­schen mit einem Ver­mül­lungs-Syn­drom, der auf­grund von Eigen­tum und Erb­schaft durch den städ­ti­schen Fach­dienst aus finan­zi­el­len Grün­den nicht ange­nom­men wur­de. Die von ihm ange­for­der­te Auf­räum­ar­beit als Kun­de stell­te sich schon nach weni­gen Ein­sät­zen als „Sis­i­phus­ar­beit“ her­aus. Ein Fach­dienst, der unab­hän­gig von finan­zi­el­ler Bedürf­tig­keit tätig wer­den könn­te, wäre in die­sem Fall eine gro­ße Erleich­te­rung gewe­sen.

War der Kurs gut mit Ihrem Beru und Pri­vat­le­ben ver­ein­bar?

Der dama­li­ge Kurs 2019/2020 war wegen Coro­na und der dar­aus anste­hen­den Kurz­ar­beit über vie­le Mona­te die idea­le Zeit, die­se wun­der­ba­re Wei­ter­bil­dung zu machen. Eigent­lich, unter die­sen Bedin­gun­gen, ein Glücks­fall. Die­se Wei­ter­bil­dung ist kein theo­re­ti­sches Absit­zen und mit­schrei­ben, son­dern bezieht die eige­ne Bio­gra­phie mit ein. Daher soll­te ein Nach­wir­ken und nach­schwin­gen des Erleb­ten und Erfah­re­nen ein­ge­plant wer­den.

Konn­ten Sie wert­vol­le Kon­takt knüp­fen?

Ja, zu Frau Schrö­ter und wei­te­ren Teilnehmer:innen aus der ers­ten Wei­ter­bil­dungs­grup­pe. In Köln bin ich die ers­te

und ein­zi­ge Mes­sie-Fach­kraft. Der Fach­dienst (Sozi­al­amt) deckt nur finan­zi­ell schwa­che Men­schen mit Ver­mül­lungs-Syn­drom ab. Die Men­schen mit dem soge­nann­ten patho­lo­gi­schen Hor­ten kom­men nach wie vor als Selbst­zah­ler zu mir. Es wäre in vie­ler Hin­sicht inno­va­tiv, einen Fach­dienst wie es in in Ess­lin­gen bei Stutt­gart (die Wabe) gibt, auf­zu­bau­en. Dazu benö­tigt es viel mehr wei­ter­ge­bil­de­te Sozi­al­päd­ago­gen hier für Köln.

Vie­len Dank für das Gespräch!

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Maga­zin

Janu­ar 2022 | Manage­ment

Inter­view mit Emi­ly Engel­hardt

Frau Engel­hardt, Sie unter­rich­ten ab April in unse­rem neu­en Zer­ti­fi­kats­kurs Psy­cho­so­zia­le Online­be­ra­tung. Was genau kön­nen wir uns unter Psy­cho­so­zia­ler Online­be­ra­tung vor­stel­len?

Zunächst ein­mal geht es um eine sprach­li­che Abgren­zung: Der Begriff „Online­be­ra­tung“ ist nicht geschützt und taucht inzwi­schen in ganz vie­len Kon­tex­ten auf. So bie­ten z. B. auch Ver­si­che­run­gen oder Ban­ken

Online­be­ra­tung an. Psy­cho­so­zia­le Online­be­ra­tung fokus­siert auf Bera­tung (aber auch Coa­ching und Super­vi­si­on) im Zusam­men­hang mit The­men und Anlie­gen, die im Kon­text von Sozia­ler Arbeit und angren­zen­den Dis­zi­pli­nen ent­ste­hen. 

Gibt es jen­seits von Coro­na aktu­el­le Bezü­ge, die das The­ma gera­de beson­ders rele­vant machen?

Ja, denn wir befin­den uns auf dem Weg zur digi­ta­len Gesell­schaft. Gro­ße Tei­le unse­rer All­tags­kom­mu­ni­ka­ti­on fin­den inzwi­schen medi­al ver­mit­telt statt. Smart­phones und Lap­tops sind aus unse­rem Leben nicht mehr

weg­zu­den­ken. Dies hat auch enor­me Aus­wir­kun­gen auf die Bera­tung. Sowohl in Hin­blick auf The­men, die in der Bera­tung auf­tau­chen, als auch auf die Art und Wei­se, wie Bera­tungs­kon­tak­te rea­li­siert wer­den.  

Wel­che Vor­tei­le bie­tet Psy­cho­so­zia­le Online­be­ra­tung? Wel­che per­sön­li­chen Erfah­run­gen haben Sie damit bereits gemacht?

Sie stellt in ers­ter Linie eine Erwei­te­rung des vor allem auf Prä­senz­be­ra­tung kon­zen­trier­ten Ange­bots da. Für vie­le rat­su­chen­de Men­schen stellt der Besuch einer Bera­tungs­stel­le eine gro­ße Hür­de dar. Die Mög­lich­keit, sich z. B. zunächst per E‑Mail an die Stel­le zu wen­den senkt Schwel­len. Zudem kön­nen Ange­bo­te lebens­welt­ori­en­tier­ter gestal­tet wer­den. Jun­ge Men­schen errei­chen wir nicht mehr aus­schließ­lich mit Prä­sen­z­an­ge­bo­ten, sehr wohl aber

über das Smart­phone und da bevor­zugt per Mes­sen­ger.

Ich selbst bera­te seit inzwi­schen mehr als 20 Jah­ren online. In „Inter­net­jah­ren“ ist das eine gefühl­te Ewig­keit, wenn man sich ver­ge­gen­wär­tigt, wel­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­en in die­sem Zeit­raum ent­wi­ckelt wur­den. Dass inzwi­schen neben der text­ba­sier­ten Bera­tung per Chat und Mail auch Video und Sprach­nach­rich­ten genutzt wer­den kön­nen, macht die­ses Feld sehr dyna­misch. Ich habe auch selbst schon Online­be­ra­tung in Anspruch genom­men, da ich die schrift­li­che Refle­xi­on sehr schät­ze.

Gibt es auch beson­de­re Schwie­rig­kei­ten und Hemm­nis­se, die dabei zu beach­ten sind?

Es muss uns gelin­gen, pass­ge­naue Ange­bo­te zu schaf­fen. Nicht für alle Rat­su­chen­de ist jedes Medi­um geeig­net. Hier­zu ist es wich­tig, die Prä­fe­ren­zen, Res­sour­cen und Kom­pe­ten­zen der Bedarfs­grup­pen zu ana­ly­sie­ren und

auch eige­ne Vor­be­hal­te zu reflek­tie­ren. Und natür­lich gäbe es auch Wege, um Online­be­ra­tung anzu­bie­ten, die eine hohe Akzep­tanz bei den Rat­su­chen­den hät­ten, aber aus Daten­schutz­grün­den kri­tisch zu sehen sind.

Ich neh­me an, die Ein­hal­tung des Daten­schut­zes ist in die­sem Zusam­men­hang ein wich­ti­ges The­ma. Wie kann dies gelin­gen?

Es gibt bereits seit vie­len Jah­ren Soft­ware, die spe­zi­ell für die siche­re und ver­schlüs­sel­te Online­kom­mu­ni­ka­ti­on ent­wi­ckelt wur­de. Die­se kön­nen wir für die Bera­tung beden­ken­los nut­zen. Gleich­zei­tig müs­sen wir beach­ten, dass es für man­che Rat­su­chen­de eine Hür­de dar­stel­len kann, sich z. B. den siche­ren Mes­sen­ger run­ter­zu­la­den oder das ver­schlüs­sel­te Video­tool zu nut­zen. Es ist daher wich­tig, dass wir gut Bescheid wis­sen und ein­schät­zen kön­nen, wann wir es mit ver­trau­li­chen Inhal­ten zu tun haben, die wir ent­spre­chend schüt­zen müs­sen. Dazu gehört auch, Rat­su­chen­de gut zu infor­mie­ren und manch­mal auch zu über­zeu­gen.

Nun viel­leicht noch ein paar Wor­te zu unse­rem Zer­ti­fi­kats­kurs. Wie sehen die kon­kre­ten Inhal­te des Kur­ses aus?

Der Kurs deckt alle For­men der Online­be­ra­tung ab, die sich in den letz­ten Jah­ren eta­bliert haben. Wir beschäf­ti­gen uns in der Wei­ter­bil­dung mit den beson­de­ren Chan­cen der text­ba­sier­ten Bera­tungs­kom­mu­ni­ka­ti­on, die für vie­le Rat­su­chen­de manch­mal der ein­zi­ge Zugangs­weg zu einem Bera­tungs­an­ge­bot ist. Aber wir befas­sen uns natür­lich auch mit der Videobe­ratung sowie der Mög­lich­keit, mit einem Mes­sen­ger in ganz viel­fäl­ti­ger Wei­se Bera­tungs­pro­zes­se zu gestal­ten. Da kom­men dann z. B. auch Sprach­nach­rich­ten zum Ein­satz, die für bestimm­te Ziel­grup­pen einen nahe­zu bar­rie­re­frei­en Zugang zur Bera­tung bedeu­ten.

Wie genau ist der Kurs auf­ge­baut? Wie funk­tio­niert die Ver­bin­dung von Theo­rie und Selbst­re­fle­xi­on im Online­for­mat?

Der gro­ße Vor­teil am Online­for­mat: Wir ler­nen und üben in und mit dem Medi­um, um das es auch geht. So wird das theo­re­tisch Erlern­te gleich prak­tisch erfahr­bar und umsetz­bar. Zudem wird die eige­ne Online(kommunikations)kompetenz gestärkt. In den Selbst­lern­pha­sen kön­nen die Teilnehmer:innen The­men in ihrem eige­nen Arbeits­tem­po und mit den Schwer­punk­ten, die für sie beson­ders rele­vant sind, erar­bei­ten.

Wem wür­den Sie den Kurs emp­feh­len? Gibt es spe­zi­el­le Anfor­de­run­gen an die Teil­neh­men­den?

Der Kurs ist geeig­net für alle, die sich fit machen wol­len für eine Bera­tung im Zeit­al­ter der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on und der Mei­nung sind, dass wir die Bera­tung im Netz kei­nen Schar­la­ta­nen über­las­sen soll­ten.

Die Teilnehmer:innen soll­ten grund­le­gen­de Bera­tungs­kom­pe­ten­zen mit­brin­gen, wenn­gleich sie im Kurs ganz neue Kom­pe­ten­zen erler­nen wer­den und schnell fest­stel­len wer­den, dass Online­be­ra­tung etwas ganz ande­res ist, als das, was sie z. B. über Gesprächs­füh­rung wis­sen. Und Basis­kom­pe­ten­zen im Umgang mit dem Inter­net und sei­nen Medi­en sind wich­tig. Vor allem aber die Offen­heit, sich mit neu­en und ande­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men für die Bera­tung zu beschäf­ti­gen.

Wel­che Chan­ce sehen Sie dar­in, den Kurs bei uns an der Aka­de­mie anzu­bie­ten?

Die Zusam­men­ar­beit mit der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie habe ich in den letz­ten Jah­ren als sehr kon­struk­tiv und stets ver­bind­lich erlebt. Digi­ta­le The­men haben im Pro­gramm schon län­ger eine Rol­le gespielt und ich freue mich, dass wir mit dem Zer­ti­fi­kats­kurs nun eine qua­li­fi­zier­te Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­keit geschaf­fen haben.

Vie­len Dank für das Gespräch!

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Das Gespräch führ­te Sol­vejg Hes­se, Bil­dungs­re­fe­ren­tin an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin.

AUCH INTERESSANT

Maga­zin

Novem­ber 2021 | Manage­ment

Inter­view mit Tal Pery

Dr. Tal Pery ist selbst­stän­di­ger Unter­neh­mens­be­ra­ter mit Fokus auf sozi­al­wirt­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen. Er unter­rich­tet unter ande­rem Digi­tal Lea­der­ship: Füh­ren im digi­ta­len Wan­del und gemein­sam mit Joël Dunand den Zer­ti­fi­kats­kurs Digi­ta­le Füh­rung und Trans­for­ma­ti­on an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin. Mit ihm haben wir über die digi­ta­le Ent­wick­lung der Sozi­al­wirt­schaft mit Blick auf die Pan­de­mie und auch mit Blick auf die Zukunft gespro­chen. 

Hal­lo Tal. Vie­len Dank, dass du dir Zeit für ein Inter­view mit uns nimmst. Mei­ne ers­te Fra­ge bezieht sich direkt auf dei­ne Erfah­run­gen wäh­rend der Pan­de­mie. Was hat sich dei­nes Erach­tens durch die Pan­de­mie in der Sozi­al­wirt­schaft geän­dert? Hast du den Ein­druck, dass digi­ta­le Werk­zeu­ge heu­te mehr und selbst­ver­ständ­li­cher im All­tag genutzt wer­den, oder seh­nen sich die

meis­ten zurück zum Ana­lo­gen? 

Hal­lo Tobi­as, ger­ne doch. Ich glau­be, bei­des ist rich­tig. Die Pan­de­mie hat vie­len die Berüh­rungs­ängs­te gegen­über digi­ta­len Werk­zeu­gen genom­men. Alle muss­ten sich von heu­te auf mor­gen mit Video­kon­fe­ren­zen und ande­ren Werk­zeu­gen aus­ein­an­der­set­zen. Gleich­zei­tig fehlt uns natür­li­cher­wei­se das mensch­li­che Mit­ein­an­der. Die Kunst wird sein, gemein­sam zu über­le­gen, wel­che Ele­men­te des Digi­ta­len wir nach wie vor nut­zen wol­len und soll­ten, wenn wir es nicht mehr müs­sen, son­dern kön­nen. 

Was sind für dich die größ­ten Vor­tei­le einer agi­len und digi­tal unter­stütz­ten Arbeits­wei­se im All­tag? 

Die Mög­lich­keit, zeit- und orts­un­ab­hän­gig zu arbei­ten, schafft für vie­le Men­schen eine Auto­no­mie, die sich in der Moti­va­ti­on, Effi­zi­enz und Qua­li­tät der Arbeit nie­der­schlägt. Der All­tag lässt sich dadurch oft fle­xi­bler und mit ande­ren nicht-beruf­li­chen Not­wen­dig­kei­ten ver­ein­ba­ren. Zudem kön­nen wir über die Aus­wer­tung ver­schie­de­ner Daten oder der Nut­zung von Platt­for­men Bedar­fe und Ange­bo­te pass­ge­nau­er zusam­men­brin­gen. Auch eine Annä­he­rung an die Lebens­wirk­lich­keit der „Kund:innen“ wird in man­chen Berei­chen erleich­tert – Jugend­li­che arbei­ten zum Bei­spiel eher mit Mess­an­ger­diens­ten als mit einem Klemm­brett, Kit­ael­tern nut­zen lie­ber eine App als das Tele­fon zur Kom­mu­ni­ka­ti­on Und schließ­lich ein kon­kre­tes Bei­spiel aus der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie: über das Ange­bot von Online-Semi­na­re konn­ten wir plötz­lich auch neue Ziel­grup­pen teil­ha­ben las­sen: Typi­scher­wei­se eine allein­er­zie­hen­de Geschäftsführer:in, die in einer klei­nen Orga­ni­sa­ti­on ohne schnel­le Anbin­dung nach Ber­lin nicht die Mög­lich­keit hat­te, an einem Semi­nar vor Ort teil­zu­neh­men. Hier waren lan­ge An- und Abrei­se sowie kom­ple­xe Orga­ni­sa­ti­on der beruf­li­chen und pri­va­ten Abwe­sen­heit gro­ße Hemm­fak­to­ren.  

Und gibt es auch neue Her­aus­for­de­run­gen, die mit dem neu­en digi­ta­len Arbei­ten ein­her­ge­hen? 

Die gibt es auf jeden Fall. Die meis­ten von uns haben sie gese­hen, dis­ku­tiert und häu­fig auch per­sön­lich gespürt. Das Mensch­li­che Mit­ein­an­der lei­det, wenn die Tür- und Angel-Gesprä­che und sozia­le Inter­ak­ti­on in der Tee­kü­che aus­blei­ben. Es ist sehr schwie­rig, Bezie­hun­gen digi­tal auf­zu­bau­en, gera­de für die­je­ni­gen, die sonst eher nicht in der digi­ta­len Welt unter­wegs sind. Bestehen­de Bezie­hun­gen auch digi­tal zu erhal­ten, fällt uns jedoch deut­lich leich­ter.  

Wir müs­sen also das digi­ta­le Mit­ein­an­der gut orga­ni­sie­ren. Kla­re Abspra­chen müs­sen weder kom­pli­ziert noch ein­engend sein. Und das Zwi­schen­mensch­li­che nicht ver­ges­sen, das auch digi­tal mög­lich ist.  

Wo siehst du die größ­ten Ver­än­de­run­gen in den kom­men­den Jah­ren für die Sozi­al­wirt­schaft und auch für unse­re Gesell­schaft? 

Wir müs­sen uns als Gesell­schaft der Fra­ge stel­len, wie wir eine durch­gän­gi­ge digi­ta­le Teil­ha­be ermög­li­chen. Infra­struk­tur, Wis­sens­ver­mitt­lung, Zugang für alle. In der Sozi­al­wirt­schaft wird es not­wen­dig sein, digi­ta­le Kom­pe­ten­zen auf­zu­bau­en und digi­ta­le Werk­zeu­ge, wo sinn­voll, nach und nach ein­zu­set­zen. Die Her­aus­for­de­rung stellt sich dabei eher für die klei­ne­ren als für die grö­ße­ren sozi­al­wirt­schaft­li­chen Trä­ger und Orga­ni­sa­tio­nen. Hier geht es nicht nur um Finan­zie­rung, son­dern auch um Struk­tu­ren und Wis­sen in der Orga­ni­sa­ti­on, die das

digi­ta­le Arbei­ten ein­fach und sicher machen und ihnen auch ermög­li­chen am Puls der Zeit zu blei­ben.  

Die sozia­le Teil­ha­be wird mehr und mehr auch eine Fra­ge der digi­ta­len Teil­ha­be. Was wür­dest du Füh­rungs­kräf­ten und Geschäfts­füh­run­gen in der Sozi­al­wirt­schaft mit Blick auf die Zukunft raten? 

Offen­heit für die­ses wich­ti­ge The­ma ist die Grund­la­ge. Auch soll­te Wis­sen dar­über auf­ge­baut und geschaut wer­den, wo man intern oder extern Hil­fe­stel­lung und För­de­rung erhält. Und es ist sinn­voll, die Schnell­schüs­se aus der pan­de­mi­schen Zeit zu bewer­ten und ggf. nach­zu­jus­tie­ren, sowie eine nach­hal­ti­ge digi­ta­le Stra­te­gie auf­zu­bau­en – mit der Leit­fra­ge „Wo kön­nen uns digi­ta­le Werk­zeu­ge hel­fen?“ 

Hier ist ein schritt­wei­ses Vor­ge­hen in der Regel am bes­ten – eine fun­dier­te digi­ta­le Infra­struk­tur (von Lei­tun­gen, siche­ren Spei­cher­or­ten, bis hin zu Wlan-Anbin­dung und Hard­ware) ist die Basis für jeg­li­ches digi­ta­les Han­deln. Auf die­ser Infra­struk­tur auf­bau­end kön­nen dann neue digi­ta­le Arbeits­pro­zes­se und all­täg­li­che Abläu­fe eta­bliert wer­den. Das ist auch Inhalt unse­res Zer­ti­fi­kats­kur­ses Digi­ta­le Füh­rung und Trans­for­ma­ti­on und im klei­ne­ren Rah­men auch im Semi­nar Digi­tal Lea­der­ship. Und nicht zuletzt, gilt es, mit den Kri­ti­kern im Gespräch zu blei­ben, auf­zu­klä­ren, Risi­ken und Gren­zen zu dis­ku­tie­ren, zu schu­len und so Wider­stän­de und abs­trak­te Ängs­te zu ver­ste­hen und abzu­bau­en. 

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Das Gespräch führ­te Tobi­as Fit­ting, Bil­dungs­re­fe­rent für Digi­ta­li­sie­rung an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin.

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Maga­zin

August 2021 | Manage­ment

Im Gespräch mit Joël Dunand

Joël Dunand unter­stützt als Dozent im Digi­tal­fo­rum der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin Mit­glie­der des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des bei der Umset­zung der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on. Tobi­as Fit­ting ist als Bil­dungs­re­fe­rent für Digi­ta­li­sie­rung an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin tätig. Die bei­den tra­fen sich online, um sich über die Digi­ta­li­sie­rung in der Sozi­al­wirt­schaft aus­zu­tau­schen.

Lie­ber Joël, vie­len Dank, dass du Dir die Zeit für ein Inter­view nimmst. Wie siehst du denn die aktu­el­le digi­ta­le Situa­ti­on der Sozi­al­wirt­schaft?

Hal­lo Tobi­as, Dan­ke für Eure Ein­la­dung zum Gespräch. Eine ers­te Sache, die sich ver­än­dert hat, ist dass wir jetzt auch unser Inter­view ganz selbst­ver­ständ­lich online machen. Die­se Selbst­ver­ständ­lich­keit gab es bis 2020 noch nicht.

Wenn ich die Fra­gen unse­rer Work­shop-Teil­neh­mer von vor und nach der Pan­de­mie ver­glei­che, wer­den zwei gro­ße The­men deut­lich: Das ers­te ist das mobi­le Arbei­ten und die digi­ta­le Akte. Wenn man zum Bei­spiel ambu­lant tätig

ist, möch­te man orts­un­ab­hän­gig auf digi­ta­le Akten zugrei­fen kön­nen. Auch im Bereich der Ver­wal­tung, oder der Abrech­nung ist das ein ganz gro­ßes The­ma gewor­den. Das zwei­te gro­ße The­ma ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on. Sowohl im Team unter­ein­an­der als auch mit Klient:innen. Bei uns im Kin­der­schutz­ver­ein ist die Online­be­ra­tung sehr wich­tig gewor­den. Wäh­rend der Pan­de­mie war der Bedarf nach zwi­schen­mensch­li­chem Aus­tausch sehr groß. Daher woll­ten wir ein­fa­che Zugän­ge für eine gute und daten­schutz­kon­for­me Kom­mu­ni­ka­ti­on schaf­fen. Wir woll­ten, dass Mee­tings wei­ter statt­fin­den kön­nen und alle wis­sen: „Was ist gera­de los? Wel­che Fra­ge­stel­lun­gen kom­men gera­de rein und wie kön­nen wir hel­fen?“ Daher brau­chen wir digi­ta­le Zugän­ge und digi­ta­le Vor­ge­hens- und Arbeits­wei­sen. Und hier sind auch die För­de­rer der Sozi­al­wirt­schaft gefragt. Man muss immer mehr doku­men­tie­ren, eben sta­tis­tisch nach­wei­sen und auf­be­rei­ten. Das sind fak­tisch Daten, die erfasst wer­den müs­sen, für die wir moder­ne Sys­te­me brau­chen, die es in der Sozi­al­wirt­schaft noch nicht aus­rei­chend gibt.

Oft man­gelt es auch an der Infra­struk­tur, deren Bedarf erst ein­mal klar benannt und erkannt wer­den muss.

Digi­ta­li­sie­rung bedeu­tet eben nicht nur, dass neue Com­pu­ter ange­schafft wer­den, son­dern vor allem braucht es eine Infra­struk­tur, WLAN im gan­zen Gebäu­de und natür­lich gute, siche­re und ver­läss­li­che Soft­ware. Die Orga­ni­sa­tio­nen müs­sen sich mit­tel- und lang­fris­tig fra­gen: Wie arbei­ten wir zusam­men? Wie pla­nen wir gemein­sam unse­re Ter­mi­ne und wie ver­tei­len wir die ver­schie­de­nen Auf­ga­ben unter­ein­an­der?

Der Bedarf an Digi­ta­li­sie­rung exis­tiert in allen Berei­chen der Sozi­al­wirt­schaft. Sei es die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung, die ambu­lan­te oder sta­tio­nä­re Kin­der- und Jugend­hil­fe, die Sucht­prä­ven­ti­on oder Sucht­hil­fe. Alle benö­ti­gen ein­fa­che­re und schnel­le­re digi­ta­le Zugän­ge und Daten­er­fas­sung. Ein Groß­teil der Men­schen ver­bringt heu­te schon pri­vat viel Zeit mit dem Smart­phone. Daher soll­ten Ange­bo­te der Sozi­al­wirt­schaft auch unbe­dingt mobil erreich­bar sein.

In der Pri­vat­wirt­schaft gibt es ja schon Kun­den­kon­ten, Chat­bots und ver­schie­dens­te Mög­lich­kei­ten der Kon­takt­auf­nah­me.

Wenn sich die Sozi­al­wirt­schaft davon inspi­riert als Ser­vice­an­bie­ter auf­stellt, wird es ihr leich­ter fal­len, mehr Leu­te zu errei­chen. Wir müs­sen in die­ser gro­ßen digi­ta­len Welt gefun­den wer­den und auf die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se der Men­schen ein­ge­hen. Dass wir jetzt so schnell und als gan­ze Gesell­schaft gelernt haben, ver­netz­ter zu arbei­ten, der Zugang zu Hilfs­an­ge­bo­ten digi­ta­li­siert wur­de, hat uns, trotz aller Anfangs­pro­ble­me 2020, schon ein gan­zes Stück wei­ter­ge­bracht.

Und wo siehst du da kon­kre­te Hür­den?

Tat­säch­lich, dass auf Sei­ten der Kos­ten­trä­ger oft noch nicht immer die Bereit­schaft besteht, moder­ne Wege zu gehen und zu finan­zie­ren. Es wird häu­fig noch eine Ori­gi­nal­un­ter­schrift des Kli­en­ten gefor­dert, den wir nur

online gese­hen haben. Vie­les muss wei­ter­hin per Post geschickt wer­den, obwohl die zustän­di­ge Mit­ar­bei­te­rin selbst im Home Office ist. Da wün­schen wir uns, dass dort schritt­wei­se benö­tig­te Schnitt­stel­len kom­men für Fach­soft­ware und die digi­ta­le Über­tra­gung. Dann kön­nen per Knopf­druck alle Mel­dun­gen gemacht wer­den und es bleibt mehr Zeit für das mensch­li­che Mit­ein­an­der.

Da steht also die ana­lo­ge Büro­kra­tie oft vie­len digi­ta­len Pro­zes­sen im Wege? Gut ist ja, dass es jetzt ein noch­mal ver­stärk­tes Bewusst­sein für die Wich­tig­keit des digi­ta­len Wan­dels gibt. Ich glau­be, vie­le Orga­ni­sa­tio­nen möch­ten ger­ne etwas machen, wis­sen aber gar nicht, wo sie anfan­gen sol­len und wol­len kei­ne fal­schen Ent­schei­dun­gen tref­fen. Was kön­nen wir jetzt direkt ange­hen, um den digi­ta­len Wan­del wei­ter vor­an­zu­trei­ben?

Da sehe ich klar die schon erwähn­te digi­ta­le Akte. Vie­le Trä­ger haben inzwi­schen unter­schied­lichs­te Pro­jek­te, die meist alle auch unter­schied­lich abge­rech­net wer­den müs­sen. Das lässt sich nicht mehr alles in Excel-Tabel­len abbil­den und kos­tet enorm viel Arbeits­zeit. Wenn wir künf­tig ein ver­netz­tes Pro­fil von Klient:innen haben, mit Ter­mi­nen und rele­van­ten Doku­men­ten und Stamm­da­ten, wird die Arbeit enorm erleich­tert. Ein Bei­spiel wären digi­tal doku­men­tier­te All­er­gien eines Kita-Kin­des oder auch die Tele­fon­num­mer der Eltern.

Da ist dann aller­dings das The­ma Daten­schutz sehr wich­tig. Was muss denn da kon­kret bedacht wer­den?

Das ist ein sehr wich­ti­ger Aspekt. Es braucht einen kla­ren Daten­ver­ar­bei­tungs­ver­trag mit dem Anbie­ter der Soft­ware, der die DSGVO berück­sich­tigt. Das ist ein umfang­rei­ches Doku­ment in dem klar gere­gelt ist, wer auf wel­che Daten wann zugrei­fen darf und wo die Daten kon­kret gespei­chert wer­den. Ver­schlüs­selt natür­lich. Des­we­gen emp­feh­le ich immer einen euro­päi­schen oder bes­ser deut­schen Anbie­ter, des­sen Ser­ver­struk­tur in Deutsch­land oder Euro­pa steht. Die Daten müs­sen auch klar lösch­bar sein, wenn sie nicht mehr benö­tigt wer­den. Ein moder­nes Sys­tem soll­te auch nur die Daten spei­chern, die es benö­tigt und kei­ne dar­über hin­aus.

Meta­da­ten zum Bei­spiel.

Genau. Nur die wich­ti­gen Daten. Nicht alle. Das ist natür­lich auch für die ein­zel­nen Nutzer:innen, egal ob in der Sozi­al­wirt­schaft oder der Pri­vat­wirt­schaft wich­tig. Es soll­te eine Art Kun­den­kon­to geben, in dem ich ganz trans­pa­rent sehe, was über mich gespei­chert wur­de. Hier braucht es einen fach­li­chen Aus­tausch und eine Hand­lungs­richt­li­nie in der Sozi­al­wirt­schaft.

Beim Daten­schutz ist der Fak­tor Mensch oft die größ­te Schwach­stel­le. Die Tech­nik ist inzwi­schen sehr fort­ge­schrit­ten, was mir aber nichts bringt, wenn durch einen nicht erkann­ten Phis­hing-Angriff, ein Pass­wort auf einer gefälsch­ten Sei­te ein­ge­ge­ben wird. Da kön­nen die Zugriffs­rech­te noch so sehr gere­gelt sein. Daher fin­de ich es wich­tig, dass alle in einer Orga­ni­sa­ti­on siche­re Pass­wör­ter ver­wen­den und auch mög­lichst eine Zwei-Fak­tor-Authen­ti­fi­zie­rung genutzt wird, sodass man mit dem Pass­wort allein nicht an Daten kommt.

Das ist eine tech­ni­sche Umset­zung, die viel Sicher­heit bie­tet. Eine Zwei-Fak­tor-Authen­ti­fi­zie­rung bedeu­tet, dass man auch ein zwei­tes Gerät als zusätz­li­che Anmel­dung braucht. Das kennt man vom Online-Ban­king. Ganz wich­tig ist aber, dass man noch­mal über­legt, wo eigent­lich unse­re Daten heu­te gespei­chert wer­den. Also immer wie­der der Hin­weis, dass wich­ti­ge Daten nur im Ein­zel­fall auf einen ein­zel­nen Ser­ver, der nicht in einem Rechen­zen­trum steht, gehö­ren. Da geht es dann mehr um die Daten­si­cher­heit, dass also nichts ver­lo­ren geht.

Da gab es eini­ge Medi­en­be­rich­te zu Erpres­sungs­ver­su­chen, bei denen gehack­te Ser­ver ver­schlüs­selt haben.

Dar­um ist man grund­sätz­lich bei einem pro­fes­sio­nel­len Anbie­ter siche­rer, da man selbst nie eine so siche­re IT-Infra­struk­tur auf­bau­en kann. Da wird dann auch genau fest­ge­hal­ten, was alles getan wird, um eine gute Abwehr bereit­zu­stel­len und in einem Ver­trag zur Auf­trags­da­ten­ver­ar­bei­tung fest­ge­hal­ten. Es ist viel wahr­schein­li­cher, dass der eige­ne Ser­ver in irgend­ei­ner Form kom­pro­mit­tiert wird, als dass es tat­säch­lich mei­ne Daten bei einem Anbie­ter trifft.

Ich möch­te noch­mal zum The­ma Cloud kom­men. Du bie­test bei uns ein For­mat zu Micro­soft Teams und Office 365 an. Wel­che Vor- und Nach­tei­le siehst du denn bei die­sem Ser­vice, der gera­de auch in der Sozi­al­wirt­schaft immer belieb­ter wird?

Micro­soft Teams und 365 ist in aller Mun­de, da es der Sozi­al­wirt­schaft kos­ten­güns­tig oder sogar kos­ten­frei bereit­ge­stellt wird. Das war und ist daher für vie­le das pas­sen­de Mit­tel zur Wahl. Das, was man bis­her auch in E‑Mails ver­schickt hat, kann man wun­der­bar auch bei Micro­soft Teams nut­zen und spei­chern. Inwie­weit sen­si­ble Daten und Noti­zen hier fest­ge­hal­ten wer­den, muss eine Orga­ni­sa­ti­on sehr gut prü­fen. Micro­soft hat einen sehr guten Daten­schutz. Aber man kann lei­der immer noch nicht wirk­lich sagen, was mit all den Daten, gera­de den Meta­da­ten, pas­siert. Also mein Fazit: Für das Kol­la­bo­ra­ti­ve Arbei­ten, To-Do-Lis­ten, Ter­min­pla­nung und die inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on ist es sehr emp­feh­lens­wert. Par­al­lel dazu soll­te es noch eine ande­re Soft­ware für die sen­si­blen, schüt­zens­wer­ten Daten geben. Und das kann ja dann noch mit ande­ren Tools wie Miro ergänzt wer­den.

Dazu wird es bei uns auch Work­shops geben, in denen eini­ge Tools, die sich bewährt haben, vor­ge­stellt wer­den. Außer­dem wird es nächs­tes Jahr neben dei­nem Ein­füh­rungs­for­mat zu Teams und Office 365 auch ver­tie­fen­de Schu­lun­gen dazu geben.

Wenn wir noch etwas mehr in die Glas­ku­gel schau­en, wird es auch Fach­soft­ware und auch Pro­jekt­ma­nage­ment-Soft­ware geben, die eine aus­ge­klü­gel­te Ter­min- und Auf­ga­ben­ver­wal­tung hat, wo auch vie­les auto­ma­ti­siert wird und das zum Bei­spiel mit der Leis­tungs­er­fas­sung ver­knüpft wird. Da arbei­ten wir der­zeit an einer Soft­ware, die das auf ein höhe­res Level hebt und dann Auf­ga­ben klein­tei­li­ger nach Zustän­dig­kei­ten ver­teilt wer­den kön­nen.

Das ist dann noch­mal ein ganz neu­es digi­ta­les Arbei­ten. Bis dahin ist Teams sicher­lich eine sehr gute Zwi­schen­lö­sung, um über­haupt in die­ses ver­netz­te Arbei­ten zu kom­men, statt sich immer Datei­en hin und her zu mai­len. Wir haben uns auch noch ein neu­es For­mat mit dir aus­ge­dacht: „Die digi­ta­le Zukunft der Sozia­len Arbeit – Impul­se für Ihre Orga­ni­sa­ti­on“.

Das neue For­mat soll Impul­se geben. Wie fin­det man eigent­lich her­aus, wo man gera­de in der Digi­ta­li­sie­rung steht? Was ist schon tech­nisch mög­lich? Sei­en es Anmel­de­ver­fah­ren für Klient:innen, Bewer­bungs­ma­nage­ment oder

ein über­sicht­li­ches Abrech­nungs­ver­fah­ren. Das For­mat soll dabei hel­fen, die ers­ten Schrit­te zu gehen und Bedar­fe zu erken­nen. Es beant­wor­tet Fra­gen und gibt Ori­en­tie­rung zu den kon­kre­ten Bil­dungs­an­ge­bo­ten der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin.

Idea­ler­wei­se hilft das dann den Teil­neh­men­den, gezielt pas­sen­de Bil­dungs­an­ge­bo­te bei uns zu fin­den. Sei­en es For­ma­te wie „Digi­tal Lea­der­ship“ und „Digi­ta­le Füh­rung und Trans­for­ma­ti­on“, in denen es um Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gien für Orga­ni­sa­tio­nen geht, oder Schu­lun­gen für kon­kre­te Tools. Oder auch Work­shops, die hel­fen, Digi­ta­li­sie­rung, digi­ta­le Pro­zes­se oder auch das Prin­zip Cloud nach­zu­voll­zie­hen. Social Media und Open Source wer­den wir eben­falls behan­deln.

Digi­ta­li­sie­rung ist nicht das Ziel, son­dern der Weg hin zu einer effi­zi­en­te­ren und moder­nen Sozia­len Arbeit, die auch gera­de die Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen ent­las­tet. Wenn wir digi­ta­le Instru­men­te klug und weit­sich­tig ein­set­zen, kön­nen sie uns wirk­lich assis­tie­ren. Unterm Strich bleibt dann mehr Zeit für die Din­ge, für die wir in der Wohl­fahrt ja eigent­lich bren­nen: Das mensch­li­che Mit­ein­an­der und die Für­sor­ge. Und dafür ist Digi­ta­li­sie­rung ein wun­der­ba­rer Weg und bie­tet tol­le Instru­men­te. Mit dem Digi­tal­fo­rum kön­nen wir auch noch mehr in den Aus­tausch unter­ein­an­der kom­men. Denn am bes­ten wird es, wenn wir das gemein­sam machen und ein­an­der unter­stüt­zen.

Da kann ich dir nur bei­pflich­ten. Wenn wir Digi­ta­li­sie­rung nicht mehr als die gro­ße zu bewäl­ti­gen­de Her­aus­for­de­rung ver­ste­hen, son­dern bewusst die Chan­cen und Mög­lich­kei­ten erken­nen und dar­auf hin­ar­bei­ten, kann dies sehr gewinn­brin­gend für uns alle sein.

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Joël Dunand stu­dier­te Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­nage­ment an der SRH in Ber­lin und arbei­te­te von 2006 bis 2014 in Chen­nai, Kal­kut­ta und Lon­don in der Soft­ware­ent­wick­lung, im Pro­jekt­ma­nage­ment und im Busi­ness Deve­lo­p­ment. Als Geschäfts­füh­rer des Sozi­al-The­ra­peu­ti­schen Insti­tuts Ber­lin-Bran­den­burg e.V. (STIBB) führ­te er die Moder­ni­sie­rung und digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on der Orga­ni­sa­ti­on durch. Sein Stu­di­um an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin schloss er mit sei­ner Mas­ter­ar­beit zur Bedeu­tung der Digi­ta­li­sie­rung für Orga­ni­sa­tio­nen ab.

Die Jugend von Tobi­as Fit­ting war von digi­ta­len The­men geprägt, als das Inter­net für die meis­ten noch Neu­land war und Boris Becker sich mit den bekann­ten Wor­ten „Ich bin drin!“ auch erst­mals im Inter­net beweg­te. Er han­tier­te mit Com­pu­tern, lern­te die Online-Video­spiel­wel­ten ken­nen und beschäf­tig­te sich mit Linux. Tobi­as Fit­ting stu­dier­te Poli­tik­wis­sen­schaft und Film­re­gie und war meh­re­re Jah­re in der Film- und Medi­en­bran­che tätig.

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Maga­zin

Juni 2021 | Manage­ment

Im Gespräch mit Prof. Dr. Jörg Kay­ser

Seit 2019 bie­ten wir den Bache­lor Sozia­le Arbeit an, der zur saat­li­chen Aner­ken­nung als Sozialarbeiter:in führt und auch Quereinsteiger:innen für sozia­le Beru­fe aus­bil­det. Wich­ti­ger Koope­ra­ti­ons­part­ner für den Stu­di­en­gang ist die Hoch­schu­le für ange­wand­te Päd­ago­gik Ber­lin. Prä­si­dent der Hoch­schu­le ist Prof. Dr. Jörg Kay­ser. Im Gespräch mit unse­rer Stu­di­en­gangs­lei­te­rin Chris­tin Friz­sche spricht er über die Qua­li­fi­ka­ti­on von Fach­kräf­ten und die Beson­der­hei­ten von berufs­be­glei­ten­den Stu­di­en­gän­gen für Stu­die­ren­de und Arbeitgeber:innen.

Sie sind seit Sep­tem­ber 2020 Prä­si­dent der Hoch­schu­le für ange­wand­te Päd­ago­gik und haben dort eben­falls die Pro­fes­sur für das Lehr­ge­biet all­ge­mei­ne Päd­ago­gik über­nom­men. Herz­li­chen Glück­wunsch!

Vie­len Dank!

Zu unse­rer gemein­sa­men Koope­ra­ti­on, also der Koope­ra­ti­on zwi­schen der Hoch­schu­le für ange­wand­te Päd­ago­gik und der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie Ber­lin gehört unter ande­rem der berufs­be­glei­ten­de Bache­lor­stu­di­en­gang Sozia­le Arbeit. Wor­in sehen Sie die Beson­der­hei­ten und Vor­tei­le die­ser Koope­ra­ti­on für sich aber auch für unse­ren gemein­sa­men Stu­die­ren­den?

Ich glau­be, dass es immer gut ist, einen Part­ner an der Sei­te zu haben, der noch eine zusätz­li­che Per­spek­ti­ve und auch Exper­ti­se in so einem wich­ti­gen Feld wie der ziel­ge­rich­te­ten Berufs­aus­bil­dung und dem Stu­di­um ein­bringt. Der Part­ner hat eine enge Ver­bin­dung zu den Men­schen in den Ein­satz­stel­len. Das ist, glau­be ich, eine ganz wich­ti­ge Grund­la­ge, um ein Stu­di­um zu gestal­ten, wo es immer dar­auf ankommt, Bezü­ge zwi­schen Theo­rie und Pra­xis her­zu­stel­len und sich gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen.

Der Bedarf an gut aus­ge­bil­de­ten Fach­kräf­ten im Bereich der Sozia­len Arbeit in Deutsch­land, aber auch ins­be­son­de­re in Ber­lin, ist ja nach wie vor beson­ders hoch. Inwie­fern kann die­ser Stu­di­en­gang dazu bei­tra­gen, dem ent­ge­gen­zu­wir­ken?

Ich wür­de erst­mal zu noch etwas ganz Wich­ti­ges ergän­zen. Ja, der Bedarf ist hoch in den Fel­dern, die wir nor­ma­ler­wei­se schon im Blick haben: also bei­spiels­wei­se Pro­ble­me in der Schu­le oder in der Fami­lie, Kon­flik­te im Freun­des­kreis, Sucht­pro­ble­ma­tik, Umgang mit Leis­tung, Ein­sam­keit, Umgang mit Sozia­len Medi­en

in der Gesell­schaft, Kli­ma­kri­se und so wei­ter. Das Gan­ze ist schon ein Rie­sen­pa­ket bis dahin! Und jetzt haben wir auch noch die Coro­na-Kri­se. Sie hat für mich zwei, drei wich­ti­ge Aspek­te noch hin­zu­ge­bracht. Die jun­gen Men­schen, mit denen wir arbei­ten und die sich pro­fes­sio­na­li­sie­ren wol­len, set­zen sich ganz anders mit ihrer eige­nen Gesund­heit, aber auch mit der Gesund­heit ihrer Mit­men­schen aus­ein­an­der. Gleich­zei­tig hat die­se Coro­na­kri­se so eine Art Brenn­glas-Funk­ti­on gehabt und Pro­ble­me und ihre Dring­lich­keit noch ein­mal ver­schärft.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es von gro­ßer Bedeu­tung, dass die Men­schen die Sozia­le Arbeit leis­ten, mit einem hohen Grad an Qua­li­fi­ka­ti­on in die­se Arbeit hin­ein­ge­hen und dass die­se Arbeits­pro­zes­se durch Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung und Aus­tausch ver­nünf­tig beglei­tet wer­den. Nur so kön­nen ein hoher Grad an Pro­fes­sio­na­li­tät und letz­ten Endes auch pro­fes­sio­nel­ler Distanz zu den Men­schen, mit denen man arbei­tet erreicht wer­den. Zum ande­ren ist die Qua­li­fi­ka­ti­on auch für die gute Arbeit in einem Team – mög­lichst in einem mul­ti­pro­fes­sio­nel­len Team oder sogar in einem trans­pro­fes­sio­nel­len Team – von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Dabei geht es auch dar­um, Wert­schät­zung und Selbst­wirk­sam­keit zu erfah­ren. In unse­rem berufs­be­glei­ten­den Stu­di­en­gang wer­den die­se Din­ge in beson­de­rer Art und Wei­se unter­stützt, weil das Erle­ben im Han­deln einer­seits und das Reflek­tie­ren die­ser Pro­zes­se ande­rer­seits zu Grund­re­geln wer­den.

Es ist, als ob Sie die nächs­te Fra­ge schon vor­weg­ge­nom­men haben, denn da hät­te ich jetzt nach den inhalt­li­chen Schwer­punk­ten gefragt, die Sie für beson­ders rele­vant hal­ten. Vie­les habe ich gera­de schon raus­ge­hört.

Das stimmt! Wenn ich da jetzt einen zusam­men­fas­sen­den, opti­mis­ti­schen Wunsch for­mu­lie­ren dürf­te: Ich wür­de mir wün­schen, in die­sem Stu­di­um Men­schen für solch ein mul­ti- bezie­hungs­wei­se trans­pro­fes­sio­nel­les Team zu qua­li­fi­zie­ren, in dem gemein­sam mit ande­ren Pro­fes­sio­nen wie Son­der­päd­ago­gin­nen und Son­der­päd­ago­gen, Lehr­kräf­ten, Psy­cho­lo­gin­nen und Psy­cho­lo­gen sowie Schul­hel­fe­rin­nen und Schul­hel­fern, die alle ihre Rol­le und ihre Pro­fes­si­on ein­brin­gen, mit gegen­sei­ti­ger Aner­ken­nung und Wert­schät­zung, gear­bei­tet wür­de. Und das bei ange­mes­se­ner Bezah­lung! In den ein­zel­nen Fel­dern kann eine ange­mes­se­ne Bezah­lung nur über eine sehr qua­li­fi­zier­te Aus­bil­dung, also ein Stu­di­um lau­fen. Wenn in dem gemein­sa­men Wir­ken deut­lich wird, dass die Arbeit von einem Men­schen aus dem Feld der Sozia­len Arbeit, die­sel­be Qua­li­tät, die sel­be Aner­ken­nung hat, wie zum Bei­spiel die einer Lehr­kraft, wird sie eine viel höhe­re Akzep­tanz erfah­ren.

Damit wären wir schon bei der nächs­ten Fra­ge, die in Rich­tung der Ein­rich­tun­gen und Trä­ger geht: Wor­in soll­ten denn die Arbeitgeber:innen die Vor­tei­le sehen, in die Wei­ter­bil­dung ihrer Fach­kräf­te zu inves­tie­ren? Wel­che über­ge­ord­ne­ten Zie­le lie­ßen sich damit ver­bin­den?

Das Ent­schei­den­de sind hier der Theo­rie-Pra­xis-Abgleich und der zuge­hö­ri­ge Refle­xi­ons­an­teil. Die­ser hohe Refle­xi­ons­an­teil muss dazu füh­ren, dass der ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter, die ein­zel­ne Mit­ar­bei­te­rin auch an seine:ihre Ein­rich­tung zurück­spie­geln kann, wie die Arbeits­pro­zes­se lau­fen bezie­hungs­wei­se wo Opti­mie­rungs­be­darf besteht. So kann eine kri­ti­sche Hin­ter­fra­gung oder auch ein Moni­to­ring der eige­nen Arbeits­pro­zes­se und der eige­nen Ent­wick­lung in die Ein­rich­tung hin­ein­ge­bracht wer­den.

Das glei­che gilt auch in die ande­re Rich­tung. Natür­lich gehört es dazu, dass sowohl die Ein­rich­tung als auch die Hoch­schu­le unmit­tel­bar in Eva­lua­ti­ons­pro­zes­se mit­ein­be­zo­gen wer­den und auch Gegen­stand der Eva­lua­tio­nen wer­den, um dann auf die­ser Basis auch ihre eige­nen Pro­zes­se kri­tisch zu reflek­tie­ren. Die­ser dau­er­haf­te Aus­tausch spielt eine gro­ße Rol­le.

Wenn man es dann noch schafft, ein mehr­di­men­sio­na­les Super­vi­si­ons­sys­tem zu imple­men­tie­ren, kommt man ganz weit vor­an. Es muss für den Ein­zel­nen die Mög­lich­keit geben im eige­nen Arbeits­feld oder Pra­xis­feld eine Super­vi­si­on zu erfah­ren. Für die Stu­die­ren­den muss es genau­so die Mög­lich­keit geben, in der Hoch­schu­le eine Super­vi­si­on zu erfah­ren. Die­ses Zusam­men­spiel zwi­schen Trä­ger und Hoch­schu­le kann viel bewir­ken. Einer­seits kann eine gemein­sa­me Metho­de ein­ge­setzt wer­den, hier mit dem Stich­wort Super­vi­si­on. Dann kann das gan­ze theo­re­tisch reflek­tiert wer­den. Auf der ande­ren Sei­te kann die­se theo­re­ti­sche Reflek­ti­on aus den Semi­na­ren wie­der in die eige­ne Ein­rich­tung zurück­ge­spie­gelt wer­den. Also bes­ser kann man über das per­sön­li­che Wir­ken in so einem wich­ti­gen Arbeits­feld gar nicht mit­ein­an­der in eine Aus­ein­an­der­set­zung tre­ten. Das ist der gro­ße Wert von berufs­be­glei­ten­den Aus­bil­dun­gen!

Vie­len Dank für die­se Aus­füh­run­gen! Wem wür­den Sie denn zu einem Stu­di­um der Sozia­len Arbeit raten?

Jedem Men­schen, dem es wich­tig ist, mit ande­ren Men­schen gut zu arbei­ten, sie zu unter­stüt­zen und zu för­dern, dies in ers­ter Linie für die ande­ren Men­schen macht. Gleich­zei­tig soll­te er oder sie aber auch in der Lage sein,

eine pro­fes­sio­nel­le Distanz auf­zu­brin­gen.

Und wel­che Erkennt­nis­se wür­den Sie den Stu­die­ren­den wün­schen, was sie im Rah­men des Stu­di­ums errei­chen? Was liegt Ihnen da beson­ders am Her­zen?

Es ist ein unglaub­lich wert­vol­les Arbeits­feld. Ein Arbeits­feld, das iden­ti­täts­schaf­fend und bestär­kend sein kann, in dem ich aus mir selbst her­aus­ge­hen und eine eige­ne Stär­ke ent­wi­ckeln kann, die ich in das Arbeits­feld ein­brin­gen kann. Ande­rer­seits muss ich auch ganz klar Situa­tio­nen schaf­fen kön­nen, in denen ich mich von die­sen gan­zen Pro­zes­sen distan­zie­re und wie­der zu mir selbst zurück­keh­re, Kraft schöp­fe und nicht von mor­gens bis abends gedank­lich und emo­tio­nal in der Sozia­len Arbeit hän­ge.

Eine abschlie­ßen­de Fra­ge habe ich noch: Kön­nen wir als Aka­de­mie oder Sie als Leh­ren­der auch etwas von den Stu­die­ren­den ler­nen?

Ele­men­tar viel! Ich glau­be, dass die Stu­die­ren­den eine wirk­lich wich­ti­ge Auf­ga­be haben: näm­lich uns mit den The­men zu ver­sor­gen! Man kann sich Pro­blem­la­gen vor Augen füh­ren, man kann ganz vie­le Fall­ana­ly­sen machen. Doch das Wich­tigs­te ist doch, dass immer wie­der Leben in die­se Fel­der hin­ein­kommt, sowohl in den Ein­rich­tun­gen als auch in der Hoch­schu­le.

Damit sind wir eigent­lich auch wie­der bei dem The­ma vom Anfang, an dem wir im Moment nicht vor­bei­kom­men. Wer hät­te vor andert­halb Jah­ren gedacht, dass die Coro­na­kri­se die Bezie­hun­gen so ver­än­dert. Wie sol­len wir das in unse­re Arbeits­wirk­lich­keit inte­grie­ren, in unse­re Qua­li­fi­zie­rungs­an­ge­bo­te, in die Hoch­schu­len, wenn nicht die Stu­die­ren­den ganz klar zurück­spie­geln, was es eigent­lich bedeu­tet? Das glei­che gilt auch für die Zukunft bei ganz

ele­men­ta­ren Fra­gen rund um Kli­ma, um euro­päi­sche Sicher­heit, um all die­se gan­zen Din­ge. Was bedeu­ten sie für den ein­zel­nen Men­schen? Wie geht er oder sie damit um? Das krie­gen wir durch die Berich­te aus der Pra­xis, durch das eige­ne Erle­ben und durch die eige­nen Schwie­rig­kei­ten von den­je­ni­gen mit, die bei uns arbei­ten oder die sich bei uns qua­li­fi­zie­ren.

Vie­len Dank für das Gespräch!

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Maga­zin

Juni 20201| Manage­ment

in Gast­bei­trag von Anne Jeg­lin­ski

Gera­de in Pan­de­mie-Zei­ten hat sich durch ihre Prä­senz und ihre inno­va­ti­ven Ideen wie­der gezeigt, dass freie

gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen, als Teil der Zivil­ge­sell­schaft, sys­tem­re­le­vant sind und unse­re Gesell­schaft zusam­men­hal­ten. Den­noch wird die Wir­kung ihrer Arbeit gleich­zei­tig auch in Fra­ge gestellt, wenn es um aus­kömm­li­che Finan­zie­rung und um Augen­hö­he bei Ver­hand­lun­gen mit Poli­tik und Ver­wal­tung geht. Errei­chen sie

wirk­lich das bei den Ziel­grup­pen, was sie sich vor­ge­nom­men haben? Sind die Ziel­grup­pen ein­ge­bun­den? Sind die Orga­ni­sa­tio­nen fähig in der Kri­se zu agie­ren?

Dabei neh­men die gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen zu. Die gegen­wär­ti­ge Coro­na-Pan­de­mie hat die­se wie durch ein Brenn­glas sicht­bar gemacht. Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen wie Kitas, Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, Woh­nungs­lo­sen­hil­fe, Nach­bar­schafts­zen­tren, Jugend­clubs oder Hilfs­diens­te haben seit Beginn der Pan­de­mie ihr Mög­lichs­tes getan, um auch wei­ter­hin für Men­schen da sein zu kön­nen.

Gera­de jetzt müss­te sozia­le Arbeit mehr unter­stützt und finan­ziert wer­den, denn die Fol­gen der Coro­na­kri­se sind

gra­vie­rend. Die Gefahr besteht jedoch, dass es im Hin­blick auf Haus­halts­ver­hand­lun­gen ver­mehrt um finan­zi­el­le

Kür­zun­gen auch im sozia­len Bereich gehen wird.

Augen­hö­he durch wir­kungs­ori­en­tier­tes Arbei­ten erzeu­gen

Wie kön­nen gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen damit umge­hen? Wie kön­nen wir selbst dazu bei­tra­gen, dass

Dis­kus­sio­nen auf Augen­hö­he geführt wer­den? Wie kön­nen wir von einem Dis­kurs über Ein­spa­run­gen zu einem gemein­sa­men Aus­tausch über gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen und erwünsch­te Wir­kun­gen von Ange­bo­ten und Vor­ha­ben kom­men?

Der Fokus auf der Wir­kung sozia­ler Arbeit bie­tet enor­me Vor­tei­le für den Dia­log mit rele­van­ten Stake­hol­dern wie Poli­tik, Ver­wal­tung und Geld­ge­bern. Einer­seits kann die Wir­kungs­ori­en­tie­rung als Steue­rungs­hil­fe trans­pa­ren­ter auf­zei­gen, ob beab­sich­tig­te Ver­än­de­run­gen ein­ge­tre­ten sind. Ande­rer­seits ist sie hilf­reich dabei dem Trend zur exter­nen ex-post Eva­lua­ti­on etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Denn was bringt es, Leis­tun­gen auf ihre Wir­kun­gen hin zu über­prü­fen, wenn vor­her nicht wir­kungs­ori­en­tiert kon­zi­piert, geplant, umge­setzt und ana­ly­siert wur­de? Die­ses Wis­sen kann ein­ge­setzt wer­den, um Wir­kungs­dia­lo­ge mit Poli­tik, Ver­wal­tung sowie wei­te­ren Stake­hol­dern anzu­re­gen, ein­zu­for­dern und aktiv mit­zu­ge­stal­ten.

Fokus auf die Wir­kun­gen sozia­ler Arbeit set­zen

Mit­ar­bei­ten­de in gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­tio­nen haben oft ein untrüg­li­ches Gespür für die Ziel­grup­pen ihrer

Arbeit und die Wir­kun­gen, die sie erzie­len. Es gelingt aller­dings nicht immer, das für Exter­ne ver­ständ­lich und struk­tu­riert zu ana­ly­sie­ren und zu kom­mu­ni­zie­ren.

Der Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band hat sich bereits Ende 2014 auf den Weg gemacht Wir­kungs­ori­en­tie­rung für die Zivil­ge­sell­schaft zugäng­lich zu machen. Seit­dem haben wir von ver­schie­de­nen Akteu­ren im Gebiet der Wir­kungs­ori­en­tie­rung wie z.B. dem gemein­nüt­zi­gen Ana­ly­se- und Bera­tungs­haus Phi­neo gAG und vie­len ande­ren gelernt. Aus­ge­hend von die­sen Erfah­run­gen, hat der Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band Ber­lin ein eige­nes Wir­kungs­mo­dell erstellt, erprobt und für sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen nutz­bar gemacht. Es basiert auf bestehen­den Model­len, kom­bi­niert, ergänzt und ent­wi­ckelt die­se wei­ter.

Wozu wur­de das Wir­kungs­mo­dell ent­wi­ckelt?

Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen sind Seis­mo­gra­fen der Gesell­schaft und müs­sen als Kri­sen-Bewäl­ti­ge­rin­nen sozi­al-inno­va­tiv den­ken und han­deln. Dafür brau­chen sie Werk­zeu­ge und Metho­den. Dabei kann die Wir­kungs­ori­en­tie­rung und das Wir­kungs­mo­dell des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des Ber­lin unter­stüt­zen. Wir­kungs­ori­en­tiert Vor­ha­ben zu kon­zi­pie­ren, zu pla­nen, durch­zu­füh­ren, zu ana­ly­sie­ren und dar­über zu berich­ten sehen wir als Schlüs­sel zu mehr Augen­hö­he mit Poli­tik, Ver­wal­tung, Geld­ge­bern und ande­ren rele­van­ten Akteu­ren.

Ange­mes­sen dar­stel­len zu kön­nen, wozu sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen ihre Leis­tun­gen bzw. Akti­vi­tä­ten durch­füh­ren, auf wel­cher Grund­la­ge sie die­se kon­zi­piert haben und wel­che Ergeb­nis­se und Wir­kun­gen sie auf Ebe­ne der Ziel­grup­pen damit erreicht haben, ermög­licht ihnen, kon­kret und struk­tu­riert zu berich­ten.

Wir­kungs­ori­en­tie­rung als Hal­tung beför­dert das pro­zess­ori­en­tier­te ite­ra­ti­ve Arbei­ten. Das Wir­kungs­mo­dell des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrt­ver­ban­des ermög­licht es gemein­nüt­zi­gen und gemein­wohl­ori­en­tier­ten Orga­ni­sa­tio­nen Wir­kungs­ori­en­tie­rung in die Denk­wei­se von Mit­ar­bei­ten­den ein­flie­ßen zu las­sen.

Wie funk­tio­niert das Wir­kungs­mo­dell?

Das Wir­kungs­mo­dell ist eine ver­ein­fach­te Dar­stel­lung davon, wozu und wie Wir­kun­gen bei Ziel­grup­pen bzw. dar­über hin­aus in Bezug auf die Gesell­schaft erzielt wer­den. Es erleich­tert die Pla­nung und Ana­ly­se von Ergeb­nis­sen und Wir­kun­gen, indem vor Beginn der Umset­zungs­pha­se Annah­men über Zusam­men­hän­ge zwi­schen den

Inter­ven­tio­nen und den dar­aus fol­gen­den Wir­kun­gen getä­tigt wer­den.

Wir­kungs­zu­sam­men­hän­ge wer­den nach Zie­len, Inhal­ten und Metho­den hypo­the­tisch ent­wor­fen. Es ent­steht die spe­zi­fi­sche Wir­kungs­lo­gik für das Vor­ha­ben. Die Wir­kungs­zie­le glie­dern sich in Wir­kun­gen in Bezug auf die

gesell­schaft­li­che Ebe­ne (Impact) und Wir­kun­gen auf Ebe­ne der Zielgruppe(n) (Out­co­mes). Die ange­dach­ten Leis­tun­gen bzw. Akti­vi­tä­ten (Out­puts) die­nen dazu, die Zielgruppe(n) zu errei­chen, um Wir­kun­gen auf der Ebe­ne der Zielgruppe(n) zu ermög­li­chen. Die Umset­zung der Leis­tun­gen bzw. Akti­vi­tä­ten ist also essen­zi­ell, um über­haupt Wir­kung erzeu­gen zu kön­nen.

Wir­kungs­ori­en­tiert zu arbei­ten bedeu­tet, Vor­ha­ben von der Wir­kung her zu pla­nen. Es geht dar­um eine Rück­kopp­lung zu der gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­rung ein­zu­bau­en und die Rah­men­beding­ungen immer wie­der zu über­prü­fen. Es geht auch um die Ein­be­zie­hung und Par­ti­zi­pa­ti­on der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer (Ziel­grup­pen)

der Ange­bo­te, näm­lich dar­um, die Res­sour­cen die­ser Men­schen zu erken­nen, ein­zu­be­zie­hen und sich das Feed­back die­ser adres­sier­ten Ziel­grup­pen ein­zu­ho­len.

Her­aus­for­de­run­gen der Wir­kungs­ori­en­tie­rung in der sozia­len Arbeit

Selbst­ver­ständ­lich fin­det sozia­le Arbeit unter Bedin­gun­gen statt, die von wach­sen­der Kom­ple­xi­tät geprägt sind. Wir­kungs­mo­del­le sind eine Reduk­ti­on der Wirk­lich­keit. Wenn wir Wir­kun­gen ana­ly­sie­ren machen wir Aus­sa­gen über Ursa­che-Wir­kungs-Bezie­hun­gen. Kei­ne Metho­dik bil­det alle Ebe­nen sozia­ler Wir­kung ab. Wir kön­nen aber Annä­he­run­gen zwi­schen Tätig­keit und Wir­kung tref­fen. Nach­hal­ti­ge­re Wir­kun­gen sind sicher schwe­rer nach­zu­wei­sen, als Wir­kun­gen auf Ebe­ne der Ziel­grup­pen, die wir befra­gen kön­nen. Das Wir­kungs-Modell des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des Ber­lin ist aus der Pra­xis her­aus ent­stan­den. Es wur­de ent­wi­ckelt, um in der Pra­xis Men­schen und Orga­ni­sa­tio­nen der sozia­len Arbeit zu die­nen.

Wir wol­len Mut machen wir­kungs­ori­en­tiert zu arbei­ten, denn über die Beschrei­bung der inten­dier­ten Wir­kun­gen, die For­mu­lie­rung von Wir­kungs­zie­len und Wir­kungs­hy­po­the­sen kön­nen wir Aus­sa­gen über den Zusam­men­hang zwi­schen Leis­tun­gen und vor­ab ver­mu­te­ter Wir­kung tref­fen. Selbst wenn wir uns nur annä­hern, sind das doch wich­ti­ge Hin­wei­se für sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen und deren Stake­hol­der.

Wir­kungs­ori­en­tie­rung anwen­den ler­nen

Wer ler­nen möch­te wir­kungs­ori­en­tiert zu arbei­ten, fin­det dazu Kur­se an der Pari­tä­ti­schen Aka­de­mie. Inner­halb des Inno­va­ti­ons­fo­rums gibt es sowohl Ein­stei­ger­kur­se, also auch den Zer­ti­fi­kats­kurs Wir­kungs­ori­en­tie­rung.

Gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on, Insti­tu­tio­nen und Ver­bän­de, die sich außer­dem als Gan­zes auf den Weg machen möch­ten und mit dem Ansatz der Wir­kungs­ori­en­tie­rung Ver­än­de­rungs­pro­zes­se ansto­ßen möch­ten, bera­ten wir selbst­ver­ständ­lich auch indi­vi­du­ell für maß­ge­schnei­der­te Inhouse-Ange­bo­te oder beglei­ten­de Coa­chings.

Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen sind die Basis auf der unse­re Demo­kra­tie steht. Sie ste­hen für gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt, für Soli­da­ri­tät und für Mensch­lich­keit. Die Leis­tun­gen, die sie erbrin­gen und die

Wir­kun­gen, die sie mit ihrer Arbeit erzie­len gilt es noch viel deut­li­cher sicht­bar zu machen. Denn sie wir­ken.

Zur Autorin:

Anne Jeg­lin­ski ist Lei­te­rin der Geschäfts­stel­le Bezir­ke, Inno­va­ti­on und Wir­kung beim Pari­tä­ti­scher Wohl­fahrts­ver­band Ber­lin

Wir­kungs­ma­nage­ment

Zer­ti­fi­kats­kurs

Ein­füh­rung in die Wir­kungs­ori­en­tie­rung

Semi­nar

Wir­kungs­ori­en­tie­rung Pra­xis­tag: Fall­bei­spiel und Übun­gen

Semi­nar

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und indi­vi­du­el­le Bera­tung zu Inhouse Ange­bo­ten und

beglei­ten­dem Coa­ching

Annet­te Loy

Bereichs­lei­tung Semi­na­re

Pari­tä­ti­sche Aka­de­mie Ber­lin

loy@akademie.org

030 275 8282 15

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