Gemeinnützigkeit im kiez
Sie sind auch in ihrer Nachbarschaft, aber vielleicht wurden sie bisher kaum wahrgenommen: Unscheinbare Häuser in Wohngegenden, die als Zentren für Bürger*innen Freizeitgestaltung und konkrete Hilfe anbieten. Wir haben zwei Paritätische Einrichtungen in Berlin besucht.
Das Rollbergviertel in Norden von Neukölln. Prägend sind die sogenannten Mäanderbauten, ein Ensemble verschiedener relativ flacher Wohngebäude aus den 60er Jahren, an denen zuerst ihre achteckige Form auffällt. Gebaut als klassischer sozialer Wohnungsbau. Auch wenn sich hier vieles seit Jahrzehnten optisch kaum verändert hat, haben sich in der Rollbergstraße die Angebotsmieten zwischen 2009 und 2015 verdoppelt. Der Kiez ist beliebt, viele wollen zwischen dem Tempelhofer Feld und der Kneipenmeile Weserstraße wohnen. Und der Kiez wird damit immer teurer für die Alteingesessenen.
Mittendrin steht das Bürgerzentrum Neukölln, eine Paritätische Einrichtung, die sich vorwiegend, aber nicht nur an ältere Menschen richtet. Cengizhan Yüksel ist 29 Jahre alt und hier seit 2020 Geschäftsführer. In dieser Funktion ist er auch an der Paritätischen Akademie Berlin. Insgesamt ist der studierte Verwaltungswissenschaftler seit 2011 im Paritätischen Umfeld aktiv. Das Bürgerzentrum selbst ist deutlich älter als ihr Geschäftsführer. Bereits 1983 eröffnete die Einrichtung, die damals noch „Haus des älteren Bürgers“ hieß. Dr. Gabriele Schlimper, heute Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Berlin, war hier auch einmal Geschäftsführerin.
Mit der Entscheidung, dass Angebot auf breitere Schichten auszuweiten, wurde es vor einigen Jahren zum Bürgerzentrum, auch um den sich seit einigen Jahren stark verjüngenden Kiez Neuköllns abzubilden. „Der Schwerpunkt bleibt aber weiterhin die offene Senior*innenenarbeit“, erklärt Yüskel.
30.000 bis 40.000 Besucher*innen hat das Bürgerzentrum im Jahr, zumindest wenn kein Corona herrscht. Die Bandbreite geht von Senior*innen in Grundsicherung bis zu sehr vermögenden älteren Menschen. Hier ist weniger wichtig, wie hoch die Rente oder der Kontostand ist, sondern dass sich jeder die Freizeit im Bürgerzentrum leisten und die gleichen Angebote wahrnehmen kann. Das Angebot reicht von Gärtnern über Kegeln bis hin zum Tanztee, den vor Corona schonmal 200 Leute besuchten. Auch viele kreative Angebote bietet das Bürgerzentrum – alles selbstverwaltet. Das Bürgerzentrum stellt in erster Linie die Infrastruktur. Wichtig ist, dass die Besucher*innen ihre eigenen Ideen von Freizeitgestaltung entwickeln und umsetzen anstatt etwas vorgesetzt zu bekommen. Cengizhan Yüksel: „Es ist uns wichtig, dass sie Senior*innen selbstorganisiert sind und dadurch ihre Idee von Gemeinnützigkeit in die Welt tragen.“
Von Senior*innen für Senior*innen
Eine davon ist Inge Schwarzer, Jahrgang 1950. Sie ist mit 58 Jahren in Altersteilzeit gegangen und mit viel Zeit, wie sie sagt. Zunächst fing Frau Schwarzer als Lesepatin im damals noch „Haus des älteren Bürgers“ genannten Bürgerzentrum an, heute leitet sie die 14-köpfige Handarbeitsgruppe mit Damen im Alter von 54 bis 90 Jahren . „Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich die wenigste Geschicklichkeit habe“, sagt die Seniorin und lacht. Sie selbst organisiert Buchhaltung und Verkauf. Denn was in dieser Gruppe und anderen gefertigt wird, wird für den guten Zweck verkauft. Und da kommt einiges zusammen: „Wir haben am Schluss weit über 1000 Euro gespendet“, freut sich die Berlinerin. Das hat unter anderem die Automatiktüren des Bürgerzentrums mitfinanziert oder wurde für Bedarfsgegenstände für obdachlose Menschen ausgegeben.
Ortswechsel. Berlin Wedding. Hier steht die Fabrik Osloer Straße. Die Einrichtung residiert in einer der klassischen Berliner Hinterhof-Fabriken, wie man sie früher auch in Wohnvierteln gebaut hat. Der Fabrikant Albert Roller ließ hier ab 1855 Maschinen und später Zündhölzer herstellen. Als die Firma in den siebziger Jahren insolvent ging, entdeckten verschiedenste Initiativen das große und zentrale Hinterhof-Gelände, um fortan soziokulturelle Arbeit zu fabrizieren. Wären die attraktiven Fabrikgebäude nicht früh einer gemeinnützigen Kiezarbeit gewidmet worden, würden hier vielleicht wie anderorts Start Ups jetzt Apps programmieren.
Es ist bereits viel los an diesem verregneten Mittwochmorgen in der Fabrik. Freiwillige Helfer*innen bereiten ein kleines Kiezfrühstück im Eingangsbereich vor. Unzählige Vereine, Verbände und Initiativen finden seit Jahrzehnten in der Fabrik Osloer Straße ihr Zuhause. 20 davon listet die Homepage auf. Von der Schreibabyambulanz über die Druckwerkstatt bis hin zur Gewaltprävention findet sich hier fast die gesamte Bandbreite der gemeinnützigen Arbeit.
Lieber Soziale Arbeit als Wirtschaft
Ein paar Meter weiter treffe ich bereits meine Interviewpartnerin Aliye Stracke-Gönül. Die quirlige Frau ist seit Ende 2020 Geschäftsführerin der Fabrik und war zuvor bei der AWO in der Migrationsberatung. Zuvor hatte sie eine Banklehre gemacht, ein Studium im Bereich Politik und Verwaltung absolviert und einige Jahre im Ausland gearbeitet. Irgendwann, so entschied sie, wollte sie aber nicht mehr in der Wirtschaft arbeiten und wechselte in den sozialen Bereich. Damit ist Frau Stracke-Gönül auch geographisch zurück zu ihren Wurzeln gekehrt, denn zwei Straßen weiter von der Osloer Straße ist sie aufgewachsen und ihre Eltern wohnen bis heute dort. Schon früh ist sie in die Putte in der Osloer Straße gegangen, eine der wenigen Einrichtungen und Treffpunkte für Migrant*innen im Kiez. Frau Stracke-Gönül weiß also ganz genau, worauf es ankommt: „Wir wollen, dass die Menschen im Kiez wissen: Wenn ich etwas brauche, dann gehe ich in die Fabrik Osloer Straße.“
Zunächst gibt mir die Geschäftsführerin eine Führung durch den großen Gebäudekomplex der Fabrik. Halt machen wir bei Durchbruch e.V. Jugendliche, die Probleme haben und woanders keine Ausbildung absolvieren können, werden hier zu Installateuren ausgebildet. Thomas Knaak ist hier Ausbildungsleiter und erzählt, wer alles bei ihm eine Ausbildung macht: „Im Moment haben wir eine große Menge an Flüchtlingen. Ansonsten haben wir Jugendliche mit verschiedenen Problemlagen wie Alkoholkonsum, Drogen, Gewalt, psychische und schulische Probleme. Halt alles, was die Großstadt zu bieten hat.“ Durchbruch ist dabei erfolgreich. 90 Prozent der Jugendlichen schaffen hier ihren Berufsabschluss. Auch das ist Gemeinnützigkeit: Da wo der freie (Ausbildungs-)Markt nicht weiterhilft, springen gemeinnützige Vereine ein.
Wenn die Quadratmeterpreise steigen
Gentrifizierung ist die wohl derzeit größte Bedrohung für die Gemeinnützigkeit. Cengizhan Yüksel aus dem Bürgerzentrum Neukölln weiß: „Gerade in dem sich verändernden Kiez, in dem sich viel auf schön verkleidete Profitmaximierung ausrichtet, wird bezahlbarer Raum knapp. Egal wie viele Akteure unterwegs sind: Es stellt sich immer auch die Frage, wem die Liegenschaften gehören und was die Eigentümer damit machen.“ Man könne inzwischen für über 30 Euro pro Quadratmeter für ein Ladenlokal in Neukölln nehmen. Soziale Träger könnten das nicht stemmen.
Aliye Stracke-Gönül verbindet damit auch eine persönliche Geschichte: „Ich habe Berlin vor 20 Jahre verlassen und erst da ist mir das Thema aufgefallen.“ Dass der Wedding im Kommen ist, ist ein Running Gag in der Berliner Bubble. So schlimm wie in Neukölln ist es noch nicht, aber auch hier werden steigende Mieten und Verdrängung ein zunehmendes Problem. „Wir sind vergleichsweise noch gut dran“, meint Stracke-Gönül über ihren Kiez. Bezahlbare Wohnungen oder Einrichtungen sind auch hier zunehmend Mangelware, besonders für Familien, die immer öfter in der Fabrik Beratung suchen.
Die Fabrik und das Bürgerzentrum sind in ihrer Struktur unterschiedlich aufgestellt. Das Bürgerzentrum ist auch ein sogenanntes „Haus der Parität.“ Das Logo steht unübersehbar am Eingang. Und es bedeutet Sicherheit, da diese Häuser, die man in ganz Berlin findet, Liegenschaften des Landesverbandes, der Mitgliedsorganisationen oder der Stiftung sind. „Räume die wir anbieten, würde jeder Unternehmer anders verwerten. Wenn man es anders gewinnbringend vermarkten könnte, wäre hier kein Platz für Gemeinnützigkeit“, ist sich Yüksel sicher. „Damit werden wir zu einem Hafen für Ehrenamt und Gemeinnützigkeit in diesem sehr gefragten Szeneviertel.“
Nicht auf Profit aus
Etwas anders ist es im Wedding. Das Gebäude der Fabrik Osloer Straße gehört der GSE, einer gemeinnützigen GmbH, die sich der dauerhaften Sicherung von sozialen Einrichtungen verschrieben hat und Treuhänderin des Landes Berlin ist. Die Initiativen sind hier Mieter*innen und Frau Stracke-Gönül quasi ihre Vermieterin. Hier kommen ihr auch ihre Erfahrungen in der Wirtschaft zugute: „Als Verein sind wir darauf angewiesen, unsere Arbeit nicht im wirtschaftlichen Sinne zu sehen. Auch die Vermietung und Weitervermietung von Räumlichkeiten müssen sich die Organisationen leisten können.“ Denn die steigenden Gewerbemieten sind auch im Wedding ein Problem: „Wir wollen nichts verdienen, sondern den Organisationen, die sich die steigenden Mietpreise nicht mehr leisten können, einen Ort zu schaffen.“ Das zeigt sich auch in der Mitarbeiter*innen-Struktur, denn hier hat niemand eine volle Stelle. „Wir würden uns eine festere und langfristigere Finanzierung wünschen. Wir sind von Fremdfinanzierungen abhängig“, so Stracke-Gönül.
Dafür muss man aber gewisse Abstriche machen, auch an den Örtlichkeiten. Das alte Gebäude in der Osloer Straße kann nicht umfassend isoliert werden, so dass es im Sommer oft zu warm und im Winter zu kalt ist. Immerhin die Fenster entsprechen inzwischen den neuesten energetischen Standards. Auch in Neukölln könnte das ein oder andere mal erneuert werden. Der Aufzug, immens wichtig für die älteren Damen und Herren, stammt noch aus den achtziger Jahren. Seine Technik hat im Keller die Größe von zwei Schränken und sieht aus wie ein antiker Supercomputer. Hinzu kommen noch zwei beeindruckende, raumnehmende Ölwannen, die für den Betrieb des Aufzugs unerlässlich sind.
Gemeinnützige Einrichtungen wie das Bürgerzentrum Neukölln und die Fabrik Osloer Straße übernehmen fundamentale Aufgaben vor Ort, aus denen sich der Staat teilweise zurückgezogen hat. Eigentlich sollte man ihnen den roten Teppich ausrollen, aber oftmals ist das Gegenteil der Fall. Aliye Stracke-Gönül beklagt beispielsweise eine gewisse Skepsis von Seiten einiger Behörden, wenn es ums Geld geht. „Ich kann aber alle beruhigen: Wir haben jedes Jahr eine Steuerprüfung, einen Jahresabschluss, müssen Verwendungsnachweise erbringen und sind sehr offen und transparent“ sagt sie. Große Sprünge könnte man sowieso nicht machen. Hier arbeitet niemand, der oder die reich werden will. Hier geht es um die Menschen vor Ort.
Autor: Philipp Meinert
Artikel aus dem Verbandsmagazin DER PARITÄTISCHE Ausgabe 02 | 2022: Vorfahrt für Gemeinnützigkeit
Ein Familienzentrum innovativ und nachhaltig führen
Zertifikatskurs
AUCH INTERESSANT
In 100 Stunden zum/zur Ehrenamtsmanager:in
Wer sich für Menschen mit Beeinträchtigung ehrenamtlich engagieren will, ist bei der Lebenshilfe Berlin an
der richtigen Adresse. Die Möglichkeiten reichen von Einzelbetreuung, Patenschaften in Wohngruppen und Wohngemeinschaften über die Unterstützung von Leseklubs oder Eltern-Kind-Gruppen bis zu Sportpatenschaften. Hilfe und Unterstützung werden auch bei Veranstaltungen gebraucht. Grundsätzlich ist die Lebenshilfe in allen
Bereichen offen für Ideen und Vorschläge für freiwilliges Engagement. Mehr als 100 ehrenamtlich Engagierte zählt die Lebenshilfe Berlin. Die erfolgreiche Bilanz kommt nicht von ungefähr. Vor über 20 Jahren wurde das Freiwilligenmanagement in der Lebenshilfe Berlin eingeführt und von Tanja Weißlein aufgebaut. Seitdem
engagieren sich Menschen für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und Lernschwierigkeiten.
Kornelia Goldbach leitet seit 2021 das Freiwilligenmanagement in der Lebenshilfe Berlin. Obwohl sie seit
vielen Jahren in der Einrichtung arbeitet, war die Leitung des Freiwilligenmanagements für sie neu. Darum nahm sie von Oktober 2021 bis Mai 2022 am Zertifikatskurs Ehrenamtsmanagement intensiv an der Paritätischen Akademie Berlin teil.
In 100 Stunden qualifizieren sich die Teilnehmer:innen zum/zur Ehrenamtsmanager:in. In dem Kurs erwerben die
Teilnehmer*innen die notwendigen Fachkenntnisse und Methoden für die strategische Entwicklung, Gestaltung, Begleitung und Koordination von ehrenamtlich Engagierten sowie für die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen in Einrichtungen der Sozialwirtschaft. Schon nach den ersten Seminartagen war für Kornelia Goldbach klar: „Die Fortbildung ist eine ganz tolle Veranstaltung und ich freue mich sehr, daran teilnehmen zu können.“
Die Lebenshilfe Berlin ist eine von vielen Organisationen und Einrichtungen im Paritätischen Landesverband, dieWert auf ein professionelles Ehrenamts- bzw. Freiwilligenmanagement legen. Denn ehrenamtliches und freiwilliges Engagement ist keine Randerscheinung. Im Berliner Landesverband kommen zu rund 55.000 Mitarbeitenden etwa 30.000 Ehrenamtliche hinzu. Ehrenamtlich Engagierte zu gewinnen und zu halten, ist allerdings kein Selbstläufer. Der aktuelle Deutsche Freiwilligensurvey und weitere Studien verweisen auf die Aufgaben, die in der Praxis herausfordernd sind, wie beispielsweise die Abnahme zeitintensiver ehrenamtlicher Tätigkeiten, die Gewinnung junger Engagierter sowie die zeitliche und fachliche Überforderung von ehrenamtlich
Engagierten. Ehrenamtsmanagement ist eine anerkannte hauptamtliche Leitungs- und Führungsaufgabe in der Sozialwirtschaft.
Vor über 20 Jahren wurde der Kurs „Ehrenamtsmanagement intensiv“ durch Prof. Dr. Stephan Wagner an
der Paritätische Akademie Berlin ins Leben gerufen. Seitdem haben zahlreiche Verantwortliche für Engagement, Ehrenamtsmanager:innen und Freiwilligenkoordinator:innen aus den Mitgliedsorganisationen den Zertifikatskurs durchlaufen.
Im Fokus stehen drei Schwerpunkte des Ehrenamtsmanagementes: Die Ehrenamtlichen/Freiwilligen, Anforderun-gen an die Organisationsentwicklung und an die Ehrenamtsmanager:innen. Der Kurs wurde über die Jahre modifiziert und weiterentwickelt. Aktuell wird der Kurs als Blended Learning angeboten, sprich Präsenz- und Online-Seminare wechseln sich ab. So lässt sich der Kurs auch noch besser in den Arbeitsalltag integrieren. Die Teilnehmer:innen bauen sich in Peer-Group-Meetings ihr Netzwerk auf. In Praxis-Talks lernen sie andere Ehrenamtsmanager:innen und ihre Arbeit kennen. Die Dozierenden Christiane Biedermann und Beate Häring bringen ihr langjähriges Knowhow als Trainerinnen im Freiwilligenmanagement ein, der Jurist Erik Judis die rechtlichen Grundlagen im Ehrenamt.
Kornelia Goldbach, ehemalige Teilnehmerin: Was hat der Kurs konkret gebracht?
„Neben der kompetenten fachlichen Anleitung der Referentinnen, sich das Thema „Ehrenamt“ im
gesellschaftlichen Kontext zu erschließen, erlebte ich den Kurs als sehr hilfreich, um den
Managementprozess in der Freiwilligenarbeit in seiner vollkommenen Gänze zu erfassen
und in meiner praktischen Arbeit in der eigenen Organisation umzusetzen.“
Ein Familienzentrum innovativ und nachhaltig führen
Zertifikatskurs
AUCH INTERESSANT
Ist eine psychische Störung (auch) eine Beziehungsstörung?
Die Frage lässt sich mehrfach mit Ja beantworten. Ja, weil in der psychischen Entwicklung (vermutlich verstörende) Beziehungserfahrungen auf eine Art und Weise von den Betroffenen verarbeitet wurden, dass diese ihre Psyche nur eingeschränkt entwickeln konnten. Ja, weil Betroffene deshalb in ihrer eigenen intrapsychischen Kommunikation eingeschränkt sind. Ja, weil Betroffene in ihrer Beziehungs- und Interaktionsfähigkeit gestört sind. Ja, weil auch Helfer in der Interaktion mit Betroffenen in solche gestörten Beziehungsmuster hineingeraten. Die Frage mit so vielen Jas zu beantworten, ermöglicht ein vertieftes Verständnis von dem, was in Menschen mit psychischer Beeinträchtigung innerlich abläuft. Ein solches Verständnis erlaubt, den Klienten gegenüber gelassen und somit hilfreich zu sein.
Neben dem psychoanalytischen Verständnis gibt vor allem die Bindungstheorie nach John Bowlby und Mary Ainsworth verständliche Konzepte an die Hand, um den Zusammenhang von psychischer Störung und gestörter Beziehungserfahrung zu begreifen. Ein Kind wird mit der Fähigkeit, sich zu binden, geboren. Wie diese Fähigkeit im Einzelnen ausgeprägt wird, hängt von individuellen Bindungs- und Beziehungserfahrungen ab. Das indungssystem regt einerseits die Suche nach Geborgenheit, Sicherheit und das Bedürfnis, Teil der Gruppe zu sein, sowie andererseits den Forscherdrang, das Neugierde- und Risikoverhalten an. Beziehungserfahrungen werden verinnerlicht. Hierbei entsteht eine innere Bühne mit verschiedenen Darstellern, die sowohl das „Ich“ repräsentieren als auch Vorstellungen von „dem/den Anderen“.
Hat man unterstützende, wichtige Bezugspersonen erlebt, kann man z. B. in eine Prüfungssituation mit folgender
intrapsychischer Bühne gehen: ein „Ich“ mit einem guten Selbstwertgefühl, einem vermuteten Bild des Prüfers, das angemessen realitätsnah ist, einem Selbstvertrauen, das einem sagt: „Du schaffst das!“, einer Kommunikations-fähigkeit, die in der Lage ist, auch bei Aufregung nachzufragen und richtig zuzuhören, einer Handlungsfähigkeit nach innen, welche es ermöglicht, die gelernten Inhalte abrufen zu können und einer Handlungsfähigkeit nach außen, um diese Inhalte auszusprechen und zu präsentieren. Hinzu kommen intrapsychische Helferinstanzen, welche intrapsychische Befürchtungen und Erregungszustände beruhigen können und somit helfen, den Blick nach vorne zu richten.
Hat jemand eher abwertende und ungute Beziehungserfahrungen gemacht, kann die Bühne wie folgt aussehen: ein kleines Kinder-Ich, etwas verängstigt, steht gegenüber einer oder mehreren großen Autoritäten, die mit strengem Blick alles schnell abwerten. Als Helferinstanzen in der Situation gibt es Angstverstärker, die sagen; „Aufpassen!“, da ansonsten noch mehr Gefahr droht. Das Adrenalinsystem wird auf Hochtouren gepusht, weil viel Gefahr verortet wird. Die Handlungssysteme sind darauf ausgerichtet, psychische Erniedrigung zu vermeiden oder mit dieser klarzukommen.
Sicherlich sind diese beiden Bilder extrem, aber sie verdeutlichen, wie biografische Beziehungserfahrungen und psychische Störung bzw. aktuelles Verhalten miteinander zusammenhängen können. Sie bieten auch Erklärungsmuster, wie psychische Störungsmuster auf der inneren Bühne aufrechterhalten werden. Und es
wird auch verständlich, warum man als Helfer seitens des Klienten mal in die eine oder andere Rolle gedrängt wird, obwohl man sich fachlich gleich verhält.
Betrachtet man psychische Störungen unter dem Aspekt einer Folge nach innen verlagerter dysfunktionaler Beziehungsmuster, ermöglicht das Folgendes: als Helfer gewinnt man ein differenzierteres Bild, was in den Klienten vor sich geht und welche Auswirkung das auch auf das Beziehungsverhalten zum Helfer und zu seiner Umwelt
hat. Das ist natürlich ein weitaus tieferes Verständnis einer psychischen Störung als das Erlernen von Symptomen und von Regeln des Umgangs. Man kann also differenzierter, situativ angepasster und individuell effizienter mit dem Klienten umgehen. Gleichzeitig wird das eigene Kränkungspotential bzw. die Tendenz, sich im Hilfegeschehen zu verausgaben, reduziert.
Zu guter Letzt: Beziehungsarbeit schafft nicht nur Vertrauen, sondern, wenn man sich als Helfer die eigenen inneren Wahrnehmungen und Reaktionen auf den Klienten bewusst macht, gewinnt man viele Informationen über ihn. Diese kann man entweder als eine empathische Spiegelung zurückgeben oder sie ermöglichen es einem, besser zu
verstehen, warum bestimmte Verwicklungen entstehen können und wie man sich davor schützt. Das betrifft den Bereich der Übertragung und Gegenübertragung.
Unter der Übertragung versteht man die unbewusste Dynamik, dass der Klient im Helfer nicht mehr das reale Gegenüber sieht, sondern in ihn (meist) eine bekannte Beziehungsperson projiziert. Bei diesem Vorgang, der unbewusst abläuft, bleibt auch der Klient selbst nicht mehr auf Augenhöhe, sondern fällt z.B. in die „Kinderrolle“. Obwohl plötzlich ein Rückfall in den Vergangenheitsfilm stattfindet, wird es meist vom Klienten als sehr aktuell und
mit starken Gefühlen erlebt. Das Erleben des Helfers wird als Gegenübertragung definiert. Das kann unterschiedlichste Aspekte aufweisen: Fühlt sich der Helfer bei einem Klienten mit Angststörung z.B. auch stark verunsichert, gestresst, hilflos, so kann das die Gefühle des Klienten spiegeln. Man versteht mehr, wie es in dem Klienten aussieht, kann emphatisch spiegelnd reagieren. Wird der Helfer ungeduldig, ärgerlich etc. so kann dies die Reaktion bekannter Beziehungspersonen oder das eigene Über-Ich des Klienten spiegeln. Wenn ein Klient seine Angst sehr versteckt und stattdessen aggressiv nach Außen auftritt, können die Verunsicherungs- und
Befürchtungsgefühle des Helfers nicht unbedingt seine eigene reale Einschätzung der Situation spiegeln, sondern vielmehr gewinnt er so ein Bild, was im Klienten hinter der Fassade passiert. Kurzum: Wenn man als Helfer seine eigenen Reaktionen in der Beziehung mit dem Klienten nicht nur der realen Situation zuordnet, sondern auch erkennt, dass man Informationen über Innenleben und Beziehungsstrukturen des Klienten erhält, muss man nicht in jede Beziehungsfalle tappen.
Fazit: Beziehungserfahrungen werden intrapsychisch verarbeitet und bilden eine Art Programmierung, die zur Selbstregulation, Kommunikation und Handlungsfähigkeit dienen. Negative Beziehungserfahrung wirken sich destruktiv auf dieses System und die Vorstellung von einem selbst und seiner Umwelt aus. Gute Beziehungserfahrungen jedoch stärken das Ich und damit auch die Selbstwirksamkeit im Außen. In der Interaktion mit dem Klienten treten dem Helfer gegenüber Phänomene auf, die als Übertragung und Gegenübertragung bezeichnet werden.
Das Wissen um die Bedeutung von Bindung? Beziehungserfahrungen? in der Arbeit mit Menschen mit psychischer Beeinträchtigung ermöglicht ein tieferes Verständnis wovon? Dies unterstützt eine klare, für den Klienten hilfreiche
Beziehungsgestaltung. Der Helfer gewinnt Informationen über das Innenleben der Klienten sowie deren Beziehungsstrukturen. All dies sind Faktoren, die für ein aktuelles, meist dysfunktionales Verhalten bedeutsam sind.
Foto: Ilka Perc
AUCH INTERESSANT
Interview mit Benjamin Schorn
Benjamin Schorn ist Forensic Investigation Spezialist und besitzt mehrjährige Erfahrung in der Durchführung forensischer Sonderuntersuchungen in Kriminalverdachtsfällen, zuletzt bei der KPMG AG in München, wo er unter anderem an der Aufklärung des Wirecard-Skandals mitgewirkt hat. Im Rahmen seiner Tätigkeit beschäftigt er sich intensiv mit psychologischen Befragungstechniken mit Tätern, Opfern und Zeugen sowie den Motivatoren, Stressoren und der Verhaltensantizipation von unterschiedlichen Persönlichkeitsprofilen. Er ist Träger des einzigen weltweit anerkannten Titels im Bereich Forensik und Wirtschaftskriminalität und wurde 2021 als akkreditierter Experte in die Experten-Datenbank der europäischen Strafverfolgungsbehörde EUROPOL aufgenommen. Seine wissenschaftlichen Beiträge über sozial- und persönlichkeitspsychologische Erkenntnisse im Bereich Wirtschafts- kriminalität werden regelmäßig im ACFE Fraud Magazin veröffentlicht.
Im Jahr 2021 hat er das Institut für Governance & Psychologie gegründet und leitet dort ein Team aus Kriminal-psychologen und Psychotherapeuten.
Was verstehen wir unter Forensic Leadership – Persönlichkeitsprofiling als Führungsinstrument bzw. Forensic Negotiation-Persönlichkeitsprofiling als Verhandlungsinstrument?
Im Seminar Forensic Leadership werden die Erkenntnisse aus der kriminalpsychologischen Arbeit in die tägliche
Führungspraxis übertragen. Dazu gehören sowohl Gesprächstechniken, die bei Vernehmungen von Zeugen, Opfern und Beschuldigten herangezogen werden, als auch professionelle Einschätzungen unterschiedlicher Verhaltensweisen. Im Seminar Forensic Negotiation nutzen Sie dieses Wissen, um psychologisch wirkungsvoll
mit verschiedenen Persönlichkeitsstilen Ihrer Geschäftspartner:innen zu verhandeln.
Was ist besonders relevant, welche aktuellen Bezüge gibt es zu den angebotenen Inhalten?
Die Aufgabe eines Forensikers und Wirtschaftskriminologen besteht zu einem wesentlichen Teil daraus, die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge für (teilweise schädliches) Verhalten zu begreifen. Für dieses Verstehen ziehen wir wissenschaftliche Modelle aus der (Sozial-)psychologie und Kriminologie heran, deren Kenntnisse sich ebenfalls in die Führungspraxis ableiten lassen. Denn die Herausforderung einer heutigen Führungskraft besteht zunehmend darin, den Anforderungen und Ansprüchen nach einer individuellen Behandlung und Berücksichtigung der einzelnen Mitarbeiter gerecht zu werden.
Welche Vorteile bietet Persönlichkeitsprofiling, aber auch welche Schwierigkeiten/Hemmnisse? Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen?
Persönlichkeitsprofiling bietet zunächst einmal die Chance, anhand von wissenschaftlichen Parametern eine gute Einschätzung unseres Gegenübers zu erzielen. In der forensischen Arbeit hilft uns eine solche Diagnostik auf der einen Seite dabei, ein besseres Verständnis für die Motive von Straftätern zu erlangen. Auf der anderen Seite verlangt auch eine professionelle Befragung eine entsprechende Antizipation unterschiedlicher Gefühlswelten und Verhaltensweisen des Gesprächspartners. Eine professionelle Einschätzung der inneren Dynamiken von Zeugen, Opfern und Beschuldigten, verhilft uns in der Vernehmung also an aufrichtige und ehrliche Informationen
zu gelangen, die für die Fallaufklärung bedeutsam sind. Gleichzeitig besteht in der Einordnung von Verhaltensweisen die Gefahr einer vorschnellen Stigmatisierung im Sinne von „Der ist so und so eine Person.“ Hier gilt es, die eigene Hypothese hinsichtlich der Hineinkategorisierung von Persönlichkeitseigenschaften auch immer wieder reflexiv zu hinterfragen.
Wie läuft Kurs ab? Was ist konkreter Inhalt des Kurses? Wie gelingt eine Verbindung von Theorie und Selbstreflexion?
Der Kurs beschäftigt sich im Wesentlichen mit dem Begreifen von unterschiedlichen (teilweise schwierigen) Verhaltensweisen von Mitarbeiter:innen und Führungskräften sowie der dazugehörigen Verhaltensantizipation, die stets – analog zu forensischen Vernehmungen – auf Beziehungsförderung ausgerichtet ist.
Das Besondere an diesem Kurs ist, dass neben profunden Modellen aus der Wissenschaft und spannenden Praxisbeispielen aus dem forensischen Alltag, ein Schauspieler zur Verfügung steht, mit dem herausfordernde Situationen realgetreu geübt werden können.
Gibt es Voraussetzungen, die die Teilnehmenden des Seminares erfüllen müssen? Für wen ist die Veranstaltung besonders empfehlenswert?
Die Teilnehmer:innen benötigen keine Vorkenntnisse. Die Veranstaltung ist sowohl für Fachkräfte relevant, die regelmäßig in Teams zusammenarbeiten und gruppendynamischen Phänomenen ausgesetzt sind, als auch für Führungskräfte, die eigene Mitarbeiter:innen anleiten sollen.
Vielen Dank für das Gespräch!
__________________________________
Das Gespräch führte Solvejg Hesse, Bildungsreferentin an der Paritätischen Akademie Berlin
Forensic Leadership – Persönlichkeitsprofiling als Führungsinstrument
Seminar
Forensic Negotiation – Persönlichkeitsprofiling für die Verhandlungsführung
Seminar
AUCH INTERESSANT
Im Gespräch mit unserer Dozentin Sina Rohner
Neben Professorinnen und Professoren sowie wissenschaftlichen Mitarbeitenden unserer kooperierenden Hochschule dozieren auch Praktiker:innen im Studiengang Soziale Arbeit. Sina Rohner unterstützt im Modul „Arbeitsfelder und Zielgruppen“ unsere Studierenden beim Theorie Praxistransfer.
1. Frau Rohner, neben Ihrer Tätigkeit als Dozentin bei uns im Studiengangs- und Seminarbereich arbeiten Sie für die INDEPENDENT LIVING Stiftung. Welche Aufgaben haben Sie dort?
Ich bin seit 2009 für die INDEPENDENT LIVING Stiftung als Sozialpädagogin tätig. Viele Jahre arbeitete ich als BEW-Beraterin mit jungen Menschen. Ich absolvierte eine Ausbildung zur „insofern erfahrenen Fachkraft nach § 8a SGB VIII“ und somit auch eine Aufgabe als Kinderschutzfachkraft inne. Seit einigen Jahren arbeitete ich als Qualitätsbeauftragte für die Stiftung und leite das Projekt „Betreutes Einzelwohnen für Mädchen* und junge Frauen*“.
2. Was ist Ihre Motivation, zusätzlich als Dozentin zu unterrichten – sowohl im Studiengang Soziale Arbeit als auch in unserem neuen Kompaktkurs Jugendhilfe für Quereinsteiger:innen und sozialpädagogische
Fachkräfte?
Mir ist es wichtig Theorie und Praxis in Verbindung zu bringen. Durch meine alltägliche praktische Arbeit ist es mir möglich auf aktuelle Themen, Schwerpunkte und Methoden der Sozialen Arbeit einzugehen. Dies hat in der Lehre den Vorteil, dass Erfahrungen geteilt werden und im besten Falle Synergien entstehen können.
3.
Was sind inhaltlichen Schwerpunkte Ihrer Veranstaltungen? Welche Themen, Theorien bzw. Methoden lehren Sie bei uns?
Aktuell unterrichte ich im Bachelor-Studiengang das Modul „Arbeitsfelder und Zielgruppen“. Ich stelle den Studierenden verschiedene Arbeitsbereiche der Sozialen Arbeit vor und lasse hier Expert*innen ebenso zu Wort kommen, wie auch Theorien und Methoden ihre Anwendung finden.
Schwerpunkte in diesem Semester sind der HzE-Bereich mit den begleitenden Themen Kinderschutz, Partizipation, Methoden zur kollegialen Fallberatung und weiteres. Ich achte sehr darauf die Themen intersektional zu
betrachten und lade hier zum Austausch und zur Diskussion ein.
4. Die Zielgruppe im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit umfasst ja gerade auch die Qualifizierung von Neu- bzw. Quereinsteiger*innen im Sozialen Bereich. Warum ist diese Qualifizierung wichtig und welchen Beitrag leistet das Studium an der Akademie dabei?
Soziale Arbeit ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit und sollte deswegen auch wissenschaftsbasiert sein.
Will die Soziale Arbeit den Anspruch einer Profession einlösen, muss sozialarbeiterisches Handeln auf Methoden und Theorien begründet sein.
5. Haben Sie bei Ihren Vorlesungen bestimmte Lern- oder Qualifikationsziele vor Augen?
Mir ist es besonders wichtig, dass die Studierenden (Quereinsteiger*innen) den Raum bekommen, ihre eigene Fachlichkeit und ihre bisherigen Erfahrungen in der Sozialen Arbeit zu benennen, ihren Kommiliton*innen zur Verfügung zu stellen und zu diskutieren. Des Weiteren sollen sie in meinen Seminaren die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Sozialen Arbeit vermittelt bekommen, um diese in der eigenen Praxis anzuwenden.
6. Welche Erkenntnisse wünschen Sie sich für die Studierenden im Rahmen Ihres Studiums? Gibt es irgendetwas, das Ihnen da besonders am Herzen liegt?
In meinen Seminaren haben die Studierenden die Gelegenheit die diversen und mitunter auch sehr komplexen Arbeitsgebiete der Sozialen Arbeit kennenzulernen. Die Vielfältigkeit und auch die Flexibilität, mit welcher Sozialarbeitende im Arbeitsalltag umgehen müssen überrascht die Teilnehmenden immer wieder.
7. Was nehmen Sie als Dozentin auch von unseren Teilnehmenden und Studierenden mit für Ihre Praxis?
Ich erlebe die Zusammenarbeit mit den Studierenden als sehr lebendig und bereichernd. Die Seminare führen dazu, dass wir uns aus den verschiedenen Arbeitsbereichen kennenlernen und sich dadurch produktive Netzwerke bilden.
Vielen Dank für das Gespräch!
_____________________________________________
Das Interview führte Christin Fritzsche, Bildungsreferentin und Bereichsleitung Studiengänge an der Paritätischen Akademie Berlin
Weitere Informationen
zu unserem Studienangebot
Soziale Arbeit, Bachelor of Arts
finden Sie hier
Wir haben noch weitere Angebote rund um das Thema Agilität und Neues Arbeiten im Programm
Eine Übersicht finden Sie hier:
AUCH INTERESSANT
ein Gastbeitrag von Regina Schödl und Anika Göbel (Der Artikel ist ursprünglich im Paritätischen Rundbrief 2/2022 erschienen.)
Die Diskussion zum Thema Wirkung und Wirksamkeit der Eingliederungshilfe wurde durch gesetzliche Vorgaben seit dem stufenweisen Inkrafttreten des BTHG im Jahre 2017 verstärkt. Mit der durch das Bundesteilhabegesetz in Gang gesetzten Reform wird sowohl der Begriff der Wirksamkeit der Leistungserbringung (§ 128 SGB IX), als auch der Wirkungskontrolle im Einzelfall (§ 121 Abs. 2 SGB IX) explizit eingeführt. Damit gibt es zwei Instrumente, die eine Steuerung der Leistungserbringung an verschiedenen Punkten gewährleisten soll. Eine konkrete Definition der Begriffe Wirkung und Wirksamkeit sowie deren Nachweis erfolgte dabei nicht.
Die Debatte um die Wirkung und die Wirksamkeit der erbrachten Eingliederungshilfeleistung ist jedoch dringend notwendig und wird durchaus kontrovers diskutiert. Zum einen besteht die Sorge, dass die Definition von Wirkung und Wirksamkeit mit einer Ökonomisierung und Kontrolle der Leistungserbringung einhergeht, zum anderen zeigen jedoch bereits seit Längerem durchgeführte Wirkungsprojekte sehr wohl die Möglichkeit auf, Wirkungen der Sozialen Arbeit nachweisen und darstellen zu können.
Selbstbestimmung und Teilhabe sind Leitziele der Eingliederungshilfe
Vor der Einführung des BTHG betrachtete die Eingliederungshilfe anspruchsberechtigte Menschen mit Behinderung als hilfebedürftig, deren Leben in der Gemeinschaft durch entsprechende Fürsorge und Pädagogik zu
fördern sei. Mit dem Bundesteilhabegesetz strebt der Gesetzgeber einen weitreichenden Haltungswandel gegenüber Menschen mit Behinderung an. Leistungsberechtigte Menschen mit Behinderung sollen Leistungen
erhalten, die eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ermöglichen.
Benachteiligungen sollen vermieden bzw. wirkungsvoll reduziert werden. Nicht mehr der Mensch mit Behinderung muss lernen, sich seiner Umwelt anzupassen. Barrieren, die Menschen an der vollen und gleichberechtigten Teilhabe hindern und beeinträchtigen, sollen abgebaut werden. Selbstbestimmung und Teilhabe sind die Leitziele der Eingliederungshilfe und bilden damit die Grundlage für die Entwicklung von Kriterien der Wirkung und zum
Wirkungsnachweis.
Und wie soll die Wirksamkeit erfasst werden?
Die Leistungen der EGH erzeugen im besten Fall positive Veränderungen für Menschen mit Behinderung. Dies sind Wirkungen auf Ebene des Einzelfalles. Werden die Leistungen der Träger in den Blick genommen und evaluiert, gibt dies Hinweise zu deren Wirksamkeit. Diese Leistungen könne zum einen quantitativ erfasst werden, müssen aber auch einer qualitativen Betrachtung standhalten. Im Zusammenhang mit der Wirkung und der Wirksamkeit in der Eingliederungshilfe sind noch viele Fragen ungeklärt. Daher wird das Thema Wirkung und Wirksamkeit
in der Eingliederungshilfe in einem Seminar an der Paritätischen Akademie am 26. August 2022 thematisiert. Das halbtägige Seminar gibt einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der fachlichen Diskussion rund um das Thema Wirkung und Wirksamkeit. Es zeigt auf, wie Wirkungsorientierung sowie Evaluation in der praktischen Arbeit gefasst werden können und hilft bei der Einordnung des Konzeptes in der Eingliederungshilfe.
Das Paritätische Eingliederungshilfeforum
Ein interdisziplinäres Fachinformations- und Weiterbildungsangebot des Paritätischen Wohlfahrtsverbands LV Berlin e.V. und der Paritätischen Akademie
AUCH INTERESSANT
ein Gastbeitrag von Anna Zagidullin (M.A.), Referentin Hilfen zur Erziehung und Jugendarbeit
Paritätischer LV Berlin e.V.
Die Jugendhilfe gehört zu den Arbeitsfeldern, die signifikant von gesellschaftlichen Veränderungen beeinflusst
werden. Dies lässt sich an der kontinuierlich steigenden Fallzahlenentwicklung in der letzten zehn Jahren ablesen, die insbesondere auf weiter steigende und verdichtende Armutsrisiken, den Zuwachs an alleinerziehenden Haushalten, das erhöhte Migrationsgeschehen und die Folgen der Flucht, die Zunahme an psychischen und
seelischen Erkrankungen, den Anstieg der Kindeswohlgefährdung, den Bevölkerungszuwachs in Großstädten usw. zurückzuführen ist.
Diese gesellschaftlichen Entwicklungen sind bundesweit zu verzeichnen und erhöhen die Nachfrage nach sozialpädagogischen Fachkräften in der Jugendhilfe deutlich. Der Anstieg der Beschäftigtenzahlen in der Jugendhilfe gibt diese Entwicklung gut wieder. Laut Bundesamt für Statistik ist die Zahl der Beschäftigten in der Kinder- und Jugendhilfe (ohne Kindertagesbetreuung) im Jahr 2020 bundesweit erneut angestiegen, nämlich um 4,2 % gegenüber dem Jahr 2018. Fast jede dritte Person des pädagogischen und Verwaltungspersonals war im Jahr 2020 in der Heimerziehung tätig, gefolgt von der öffentlichen Jugendhilfe (zum Beispiel Verwaltung und Jugendämter) und der offenen Jugendarbeit.
Des Weiteren verschärfen die fachlichen und strukturellen Anpassungsanforderungen unter anderem im Zusammenhang mit der jüngsten Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes den Bedarf an sozialpädagogischen Fachkräften, zum Beispiel durch die hohe Bedeutung des Kinderschutzes und den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung, durch die weitere Stärkung von Kinderrechten und den Ausbau von Partizipation, Selbstvertretung und Beteiligung junger Menschen, durch die inklusive Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe usw.
Zudem befinden sich die freien Träger der Jugendhilfe in einem starken Wettbewerb um die sozialpädagogischen Fachkräfte mit den Kindertagesstätten, der außerschulischen Kinderbetreuung, der Eingliederungshilfe usw. Diese Arbeitsfelder wachsen aktuell ebenfalls rasant und haben einen hohen Bedarf am Personal.
Wir haben uns im Landesverband in Gremien mit zahlreichen Geschäftsführungen der freien Träger der Jugendhilfe gefragt, wie die Jugendhilfe in Berlin im Fort- und Weiterbildungsbereich so gestärkt werden kann, dass sie den wachsenden fachlichen Anforderungen standhalten und durch attraktive Fort- und Weiterbildungsangebote im Wettbewerb mit anderen sozialpädagogischen Arbeitsfeldern möglicherweise gestärkt werden kann.
Wir wissen, dass die Hauptaltersgruppe der Beschäftigten in der Berliner Jugendhilfe beispielsweise in den stationären Einrichtungen eine eher jüngere Personengruppe mit mehrjähriger Berufserfahrung ist. Laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg sind es im Jahr 2020 die 20–30-Jährigen (29,35 %), gefolgt von 30–40-Jährigen (27,74 %), 50–60-Jährigen (18,38 %) und 40–50-Jährigen (17,48 %).
Kompaktkurs Jugendhilfe für Quereinsteiger:innen und sozialpädagogische Fachkräfte
Zertifikatskurs

Wir möchten diese Personengruppe mit attraktiven, familienfreundlichen und berufsbegleitenden
Fort- und Weiterbildungsmodellen ansprechen, um sie vom Arbeitsfeld Jugendhilfe zu überzeugen, berufliche Entwicklungswege aufzuzeigen und möglicherweise auch einen beruflichen Wechsel innerhalb der unterschiedlichen sozialpädagogischen Arbeitsfelder zu ermöglichen.
Dabei haben wir festgestellt, dass wir auf diesem Gebiet aus unterschiedlichen Gründen einen Nachholbedarf haben. Es müssen mehr flexible und berufsbegleitende Weiterbildungsmodelle entwickelt werden, die die gesetzlichen und fachlichen Inhalte breit aufstellen und nicht nur theoretisch, sondern auch mit einem hohen Praxisbezug vermitteln. Eine zielgruppenadäquate und lebensweltbezogene Organisation von Weiterbildungsformaten ist dabei entscheidend. Auch die stärkere Einbeziehung und Ansprache von Quereinsteigenden wird uns künftig immer mehr beschäftigen.
In diesem Jahr erprobt die Paritätische Akademie Berlin ein innovatives, modular aufgebautes Weiterbildungsangebot, welches den aktuellen Anpassungsanforderungen in der Jugendhilfe weitreichend Rechnung trägt. Dieses Angebot wurde in Zusammenarbeit mit dem Paritätischen LV Berlin, der Einrichtungsaufsicht der Senatsverwaltung, Bildung, Jugend und Familie sowie der Universität für Weiterbildung Krems entwickelt.
Der neue Kompakt- und Zertifikatskurs Jugendhilfe erhöht die Mobilität der sozialpädagogischen Fachkräfte in der Jugendhilfe, indem er breit angelegte Felder abdeckt, wie zum Beispiel Hilfen zur Erziehung, Jugendsozialarbeit, Familienförderung, Jugendberufshilfe. Nach Vorabsprache mit der Einrichtungsaufsicht kann bei Quereinsteigenden aus Berlin der erfolgreiche Kursabschluss und/oder je nach individuellem Qualifikationsbedarf die erfolgreiche Teilnahme an ausgewählten Kursmodulen auf den Fachkräfteschlüssel angerechnet werden.
Das Alleinstellungsmerkmal dieses Angebotes ist der hohe Praxistransfer. Der Kompakt- und Zertifikatskurs wird von vielen erfahrenen Führungs- und Leitungskräften aus den paritätischen Mitgliedsorganisationen und
Dozierenden mit langjähriger Expertise und entsprechendem Renommee im SGB VIII-Feld aktiv mitgestaltet. Damit möchten wir sicherstellen, dass die Inhalte dieses Zertifikatskurses stets aktuell bleiben.
Die Entwicklung dieses neuen Weiterbildungsangebotes geht auf die herausragende Zusammenarbeit aller Beteiligten zurück, die sich in den Inhalten deutlich erkennen lässt. Wir sind sehr gespannt auf die Rückmeldungen aus dem ersten Durchgang und sind bei der Implementierung und Erweiterung der Gruppe von Fortbildungsinteressierten offen. Denkbar sind zum Beispiel Anpassungsweiterbildungen für (sozial-)pädagogisch qualifizierte Geflüchtete.
Weiterführende Informationen über den Kompakt- und Zertifikatskurs Jugendhilfe finden Sie auf der Internetseite des Paritätischen Jugendhilfeforums: www.paritaetisches-jugendhilfeforum.de
AUCH INTERESSANT
Jutta Overmann und Christa Janßen unterrichten mit Schwerpunkt Entrepreneurship im Master Sozialmanagement an der Paritätischen Akademie Berlin. Im Interview sprechen sie über die steigende
Relevanz des Themas und den Weg von der ersten Gründungsidee bis zur Umsetzung.
Wo und in welcher Position arbeiten Sie derzeit, wenn Sie nicht gerade bei uns an der Akademie unterrichten?
Janßen: Ich bin als Gastdozentin im Bereich Gründerlehre an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) tätig.
Overmann: So wie meine Kollegin bin auch ich derzeit an einer Hochschule aktiv. Aktuell bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt ASHEXIST an der Alice-Salomon-Hochschule, bei dem wir den Gründer:innengeist wecken und stärken wollen. Zudem arbeite ich als Beraterin im Gründungsbereich.
Was ist Ihre Motivation zusätzlich als Dozentinnen im Studiengang Sozialmanagement tätig zu sein?
Janßen: Social Entrepreneurship war mir schon immer ein besonderes Anliegen. Der Austausch und die kritischen Fragen und Anmerkung der Studierenden sind mir sehr wichtig.
Overmann: Ich glaube auch hier haben wir beide etwas gemeinsam: soziale Verantwortung mit unternehmerischem Denken zu verbinden, hat mich schon lange sehr interessiert. Solche Themen lassen sich in diesem Studiengang wunderbar aufgreifen und mit den Studierenden diskutieren.
Unser Master Sozialmanagement richtet sich an Menschen mit Berufserfahrung, die sich noch weiterentwickeln und perspektivisch auch Führungsverantwortung übernehmen möchten. Welchen Einfluss hat das Studium auf die berufliche Entwicklung der Studierenden?
Overmann: Aus den Gesprächen mit den Studierenden habe ich mitgenommen, dass es bei vielen eine Motivation war, neue berufliche Herausforderungen zu suchen und auch Führungsverantwortung zu übernehmen. Da bieten die Managementthemen in diesem Studiengang viele wichtige Aspekte und Inhalte, die sie dann für den nächsten beruflichen Entwicklungsschritt direkt nutzen können. Zudem berichten die Studierenden aus ihrer Berufspraxis, dass die Anforderungen und Aufgaben immer komplexer werden und BWL-Wissen, Kostenrechnung, Finanzen aber auch Führungsthemen immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Janßen: Nach meinen Beobachtungen kann ich das nur bestätigen. Nicht selten wird der nächste Karriereschritt schon während des Studiums gemacht. Die einzelnen Module des Studiengangs sind eine sehr gute und
umfassende Vorbereitung auf anspruchsvolle Fach- und Führungsaufgaben.
Der Studiengang ist bei uns als Fernstudium mit Präsenzwochen in Berlin aufgebaut. Welche Vorteile sehen Sie in diesem Modell und vielleicht im berufsbegleitenden Studieren allgemein?
Overmann: Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Studierende berufliche Anforderungen, familiäre Aufgaben und das Studium miteinander vereinbaren. Allerdings schaffen sie das oft nur, da sie durch dieses Modell eine zeitliche Flexibilität haben und die Präsenzwochen als Block stattfinden. Von Teilnehmenden, die nicht aus Berlin kommen, hören wir oft, wie toll die Zeit in Berlin ist. Hier lernen sich die Gruppen noch besser kennen und nutzen natürlich auch gern die Angebote der Stadt.
Janßen: Lernen soll neue Perspektiven eröffnen. In einer inspirierenden Stadt wie Berlin lässt sich das berufliche Netzwerk in den Präsenzzeiten gut erweitern. Auch der Erfahrungsaustausch ist leichter möglich als bei einem reinen Fernstudium.
Sozialmanagement, Master of Arts
Berufsbegleitender Studiengang in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin

Sie sind beide Teil eines größeren Teams von Dozierenden. Welchen Themenschwerpunkt lehren Sie bei uns?
Janßen: Mein Herzensthema ist Entrepreneurship – und das auch schon, als diese Thematik in der Sozialwirtschaft eher verpönt war. In den letzten Semestern ist dann das wissenschaftliche Arbeiten dazugekommen.
Overmann: Mein Fokus liegt auf dem Thema „Gründen im sozialen Bereich“ und das verstehe ich tatsächlich sehr umfassend. Da können Social Start-Ups dabei sein, aber auch klassische Gründungen wie die Arbeit als Berufsbetreuer:in oder eine Selbständigkeit im pädagogischen Bereich. Dabei schaue ich mir den Markt für solche
Angebote gern genauer an und wie sich aus einer ersten Idee, dann tatsächlich eine Geschäftsidee entwickelt.
Ist das Thema Entrepreneurship aktuell für die Sozialwirtschaft besonders relevant? Wenn ja, warum?
Janßen: Auf Tagungen und Konferenzen bemerke ich ein großes Interesse von Seiten der großen Player im Markt und zugleich beobachte ich viele Gründungsabsichten von neuen Marktteilnehmern.
Overmann: Das Thema gewinnt auf jeden Fall an Bedeutung. Das erlebe ich auch in meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Wir haben an einem Barcamp zum Thema „Social Entrepreneurship macht Hochschule“ aktiv teilgenommen, bei dem viele Hochschulen und Organisationen beteiligt waren. In Berlin gibt es aktuell das Projekt Social Economy Berlin, bei dem Initiativen und soziale Unternehmen kostenfreie Beratungen in Anspruch nehmen können.
Haben Sie bereits Erfahrungen mit Unternehmensgründungen durch Absolvent:innen gemacht?
Overmann: Tatsächlich hatte ich schon einige Masterarbeiten zu betreuen, in denen Businesspläne erstellt wurden. Dabei waren oftmals die Gründungen für einen späteren Zeitpunkt geplant. Als Beraterin war ich dann in die Umsetzungsphase nicht mehr involviert. Das kann jetzt anders sein, da wir weiterführende Unterstützungsangebote im Rahmen des ASHEXIST-Projektes anbieten. Insbesondere für gründungsinteressierte Studierende aus Berlin kann das interessant sein, da wir im Juni 2022 unser Gründer*innenzentrum eröffnen. Ergänzend bieten wir aber auch viele interessante Veranstaltungen online an. (Mehr dazu findet man hier.)
Gibt es dabei besondere Kompetenzen, die besonders wichtig sind?
Janßen: Jede Gründung ist anders, aber Entschlossenheit Entscheidungsstärke und Freude am Netzwerken sind ein guter Ausgangspunkt. Bei größeren, komplexen Vorhaben sollte auf eine gute Teamzusammenstellung geachtet werden, bei der unterschiedliche Kenntnisse und Stärken kombiniert werden.
Overmann: Gerade der Teamgedanke spielt eine wichtige Rolle. Die Herausforderungen bei Gründungsvorhaben sind oftmals so komplex, dass eine Person allein das gar nicht bewältigen kann. Daher ist es sehr hilfreich, wenn man seine eigenen Stärken kennt und bereit ist, sich Unterstützung zu holen, wenn diese benötigt wird.
Eine besondere Herausforderung ist sicherlich der Weg von der ersten Gründungsidee zur tatsächlichen Umsetzung. Wie kann dieser wichtige erste Schritt gelingen?
Janßen: Es empfiehlt sich nach Gründungsunterstützung Ausschau zu halten. Es gibt tatsächlich vielfältigen Rat und Coaching für Gründung allgemein aber auch speziell für Gründungen im sozialen Bereich.
Overmann: Bevor man sich nach der Förderung umschaut, macht es sicher Sinn, sich den Markt und die Akteur:innen anzuschauen. Wer bietet schon etwas Vergleichbares an?
Sie beide betreuen oftmals Masterarbeiten – Wie beurteilen Sie die Möglichkeit, die Masterarbeit als Vorarbeit für eine Gründung zum Beispiel als Businessplan zu nutzen?
Janßen: Das ist in der Tat eine gute Möglichkeit, sich auf eine Gründung vorzubereiten, indem man ausgewählte Aspekte im Rahmen einer Masterthesis vertiefend bearbeitet.
Overmann: Aus meiner Sicht lässt sich in einer Masterarbeit ein Thema intensiv bearbeiten, dabei werden theoretische Hintergründe ausgeführt und die Relevanz für die Praxis wird erläutert. Ein Gründungsvorhaben
kann als praktisches Umsetzungsbeispiel in Form eines Businessplans beschrieben werden. So konnte ich als Teil einer Masterarbeit beispielsweise die Gründung einer Pflegeeinrichtung oder die eines Trägers begutachten.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei einer Neugründung in der Sozialwirtschaft heutzutage?
Overmann: Aus der Perspektive von Studierenden höre ich verstärkt, dass ihnen Nachhaltigkeit und sinnstiftendes Arbeiten wichtig sind. Bei Gründungs- und Projektideen sollen dann auch entsprechende Kriterien berücksichtigt werden und ressourcenschonende Angebote, wiederverwendbare Arbeitsmaterialien oder der Einsatz von Recyclingmaterial realisiert werden.
Vielen Dank für das Gespräch!
________________________________________
Das Gespräch führte Johanna Brömer, Bildungsreferentin an der Paritätischen Akademie Berlin
AUCH INTERESSANT
Interview mit Gabriele Girke und Michael Völker, Dozent:innen und
fachliche Leitung im Zertifikatskurs Systemische Organisationsentwicklung und ‑beratung
Michael Völker, Sie sind seit 12 Jahren als Dozent und Co-Leitung im Zertifikatskurs „Systemische Organisationsentwicklung und ‑beratung“ für die Paritätische Akademie tätig. Es ist inzwischen der 15. Kurs, der in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt wurde. Was kann man sich darunter vorstellen,
wofür braucht man eine solche Qualifikation?
Völker: Organisationen, ob Vereine, Netzwerke, Unternehmen oder Behörden verändern sich oft, weil äußere oder innere Impulse dafür sorgen. Man kann es dann wild laufen lassen und nur reagieren, wenn es unerwünschte Konflikte zwischen den Beteiligten gibt. Man kann auch irgendwas anschieben und hoffen, dass die Nebenwirkungen nicht zu schlimm werden. Oder man kümmert sich überhaupt nicht um das „Ganze“, sondern sorgt für den eigenen Nutzen. Beliebt sind auch Haltungen, wie „das haben wir immer schon so gemacht“ oder „das geht sowieso nicht“. Oder die Angst vor Fehlern führt dazu, Schwachstellen eher zu verstecken und man begnügt sich aus Angst darüber, dass etwas Unabsehbares bei Veränderungen herauskommen könnte, mit dem unerfreulichen Ist-Zustand. Wir sind nicht ganz so veränderungsfreudig in Organisationen, wie das nötig und möglich wäre angesichts der vielen Impulse wie z.B. Digitalisierung, gesetzliche und konzeptionelle Änderungen, neue Generationen und Werte, soziale Spannungen und knappe Ressourcen.
Kurz gesagt spüren viele angehende oder bereits tätige Führungskräfte, dass der souveräne und professionelle Umgang mit Veränderungen zum entscheidenden Erfolgsfaktor von Organisationen geworden ist. Das Management muss dabei einen Spagat schaffen, für ein möglichst „reibungsloses Alltagsgeschäft“ zu sorgen
und gleichzeitig Innovationen einzuführen – Impulse zu geben, Stärken auszubauen, Potentiale zu mobilisieren. Dafür sind manchmal kleine überlegte Schritte ausreichend, meist geht es jedoch um komplexere Veränderungen. Dabei müssen Führungskräfte gleichzeitig Abläufe und Strukturen anpassen, Verantwortungsbereiche und Koordination klären, Mitarbeitende führen, Strategien und Prinzipien genauso im Auge behalten, wie die Ausstattung und die Kultur der Unternehmung.
Diese Veränderungsprozesse müssen trotz – oder wegen – der Komplexität mit teils unvorhersehbaren Wirkungen professionell gestaltet werden und das kann man lernen: mit sicheren Erkenntnissen über die Entwicklungsmuster von Organisationen, mit geübten Instrumenten, die Veränderungen nachhaltig steuern und mit reflektierten praktischen Erfahrungen.
Zu diesem Thema gibt es zahlreiche Studiengänge und Fortbildungen, was ist das Besondere an diesem Kurs an der Paritätischen Akademie Berlin?
Girke: Hier treffen sich vor allem (Nachwuchs-)Führungskräfte, die sich auf die Übernahme einer anspruchsvollen Führungsaufgabe vorbereiten wollen oder diese Tätigkeit schon ausüben und einfach sicherer und besser werden und sich breiter aufstellen wollen. Oder die sich auf eine künftige Beratungstätigkeit vorbereiten, also aus dem Management in eine externe Beratungsrolle wechseln. Auf jeden Fall wollen sie wissenschaftlich gesicherte Grundlagen, praktisch erprobte Methoden und Instrumente handhaben lernen – letzteres besonders. Das soll schon während des Kurses in der eigenen Organisation in einem ohnehin stattfindenden Veränderungsprojekt angewendet und reflektiert werden. In kleinen selbst gewählten Lerngruppen unterstützen sich die Teilnehmenden außerdem gegenseitig und das ist insgesamt ein Markenzeichen dieses Kurses zwischen den Lehr-Modulen.
Michael Völker, Sie sind selbst ein langjähriger und viel gefragter Organisationsberater, haben den Kurs zu der heutigen Form mit entwickelt: hätten Sie einen solchen Kurs gern selbst gehabt zu Beginn Ihrer Karriere?
Völker: Ja, das ist wohl so. Ich habe mehrere Studiengänge und viele Ausbildungen absolviert und aus meinen und den Erfahrungen von Kolleg:innen gelernt. Die Supervisions- und Coachingausbildungen habe ich Stück für Stück mit Erkenntnissen zur Organisationsentwicklung und Konfliktmanagement verbunden, weil das die Praxis so erforderte. Auch meine eigene Führungstätigkeit in einem Verein und einer Stiftung haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, dabei die Organisations-Brille aufzusetzen, organisationale Wechselwirkungen im Auge zu behalten, „blinde
Flecken“ zu kennen, aus dem Scheitern zu lernen, nicht allen Moden nachzurennen, aber neugierig zu bleiben auf neue Erklärungsmuster oder Methoden, möglichst ganzheitlich zu arbeiten und das Machbare zu unterstützen. Deshalb verfolgt dieser Kurs auch konsequent den systemischen Ansatz.
Gabriele Girke, Sie haben kleine und große Unternehmen und Vereine geleitet, waren als Fortbildnerin und Hochschullehrerin tätig und arbeiten seit einigen Jahren in der Co-Leitung dieses Kurses – was ist nach Ihrer Erfahrung das Erfolgsrezept?
Girke: Das kann ich ganz genau sagen, auch aus dem Unterschied zu meinen anderen beruflichen Erfahrungen heraus und zumal wir es immer wieder erleben und zum Abschluss eines Kurses von den Teilnehmenden hören:
Zum einen werden sie unterstützt, bereits während des Bildungsgangs Stärken und Veränderungsbedarfe in der eigenen Organisation professionell zu analysieren, Veränderungsvorhaben zu initialisieren und zu konzipieren und das eigene Führungsverhalten zu qualifizieren. Also: kein Wissen reinstopfen und hoffen, dass man es wiederfindet, wenn es gebraucht wird. Nicht nur Theorien „über“, sondern Methoden im Führungs- oder Beratungshandeln. Dabei profitieren Sie von Wissen, ausgewiesenen Erfahrungen und Unterstützung durch langjährig erfolgreiche Berater:innen und Dozent:innen.
Zum anderen: Der Weiterbildungsgang ist so angelegt, dass die Teilnehmenden
Veränderungsvorhaben sowohl aus interner Verantwortung nachhaltig und verantwortlich gestalten, als auch Organisationsentwicklung als (externe) Beratung lernen können. Dieser Perspektivwechsel ist keine Verunsicherung, sondern vertieft und verbreitert die Qualifikation.
Und weil aller guten Dinge drei sind stellen wir didaktisch die Praxis und Erfahrungen der Teilnehmenden in den Mittelpunkt – das ist nicht nur belebend und abwechslungsreich, sondern hat einen eigenständigen Lernwert, der immer wieder hervorgehoben wird in den Rückmeldungen und den wir im Laufe des Kurses auch besonders fördern.
Systemische Organisationsentwicklung und ‑beratung
Zertifikatskurs mit Dr. Gabriele Girke, Michael Völker (u.a.)

Auch an Sie die Frage: hätten Sie einen solchen Kurs gern selbst gehabt zu Beginn Ihrer Karriere als Führungskraft?
Girke: Oh, ja! Aber es ist, wie es ist, so sehen es auch viele Teilnehmende: „jetzt weiß ich endlich, warum das nicht geklappt hat“, hören wir immer wieder. Ich selbst habe oft genug durch „Aua“ gelernt und es dann später verstanden durch die Beschäftigung mit Organisationsentwicklung. Aber da hat sich in den letzten Jahren ohnehin viel getan, Forschung und reflektierte Erfahrungen haben Erkenntnisse gebracht, die ich in den ersten Jahren meiner Tätigkeit als Führungskraft nicht zur Verfügung hatte. Das war nicht katastrophal, aber manches hätte besser laufen können für mich und andere. Und es kommt etwas hinzu: die digitale und soziale Welt hat sich so verändert, dass man heute mit einfachen Rezepten nicht zurechtkommt; die Zusammenhänge sind komplexer geworden, so dass man mit Unvorhersehbarem, Gleichzeitigkeit und schnellem Wandel gut umgehen können muss. Darauf ist die Weiterbildung ausgerichtet. Sie ist anwendungsorientiert und entspricht zugleich hochschulischen Kriterien (mit
anerkannten Credit-Points).
Herr Völker, alle Dozent:innen sind wie Sie selbst erfahrene Organisationsberater:innen, die wissen, was man braucht, um Veränderungen kompetent zu managen. Worin besteht genau eine solche Veränderungskompetenz?
Völker: Man braucht einen ganzheitlichen Blick auf dieses merkwürdige vielgestaltige „Lebewesen Organisation“ und zugleich die Fähigkeit, die wesentlichen Aspekte von Veränderungsprozessen im Blick zu behalten. Instrumente für zielgerichtete Interventionen und die Fähigkeit, sie situativ angemessen einzusetzen, das ist ein weiteres
Merkmal. Außerdem muss man Konzepte kennen, um Veränderungsprozesse in geeigneter Weise in Gang zu setzen und diese auch in Krisen- und Konfliktsituationen kompetent zu begleiten. Das braucht vor allem ein Verständnis für soziale (Gruppen)Prozesse und muss die Möglichkeiten und Grenzen der Steuerung von Organisationen einkalkulieren. Letztlich braucht man für ein erfolgreiches Veränderungsmanagement die Fähigkeit, das eigene Handeln in Veränderungen und die eigene Rolle zu reflektieren, um so die Qualität des Managements und der Führung stetig zu erhöhen.
Und das alles kann man im Kurs lernen?
Völker: Ja, und dabei haben die Teilnehmenden einen jeweils unterschiedlichen Erfahrungshintergrund, Lernformen und eigene Ziele – davon hängt ab, welche Kompetenzen sie individuell im Verlauf des Kurses entwickeln wollen.
Sicher ist – das wissen wir aus den Abschlussreflexionen und aus den z.T. langjährig stattfindenden Follow up‘s – dass sie in ihrer Führungs- oder Beratungstätigkeit deutlich zielsicherer und methodisch flexibler werden. Weil
das für die davon „Betroffenen“ auch deutlich positiv spürbar ist, belegen einige von ihren Kolleg:innen dann auch den nächsten Kurs, denn das wollen sie dann auch können. Und deshalb treffen wir auch oft Absolvent:innen aus Studiengängen hier wieder.
Frau Girke, noch eine letzte Frage zum Inhalt des Kurses: wie sieht der inhaltliche Aufbau ganz konkret aus?
Girke: Der Inhalt ist modulhaft aufgebaut, beginnt mit Konzepten, Erfolgsfaktoren und Maßnahmen der Organisationsentwicklung. Es werden Modelle und Instrumente erarbeitet und geübt, um Stärken und Entwicklungsbedarfe zu erkennen. Weitere Themen sind Wertesysteme bei Personen und Organisationen sowie erprobte Methoden der Organisationsberatung. Entlang eigener Entwicklungsprozesse wird geübt, wie
Veränderungen initialisiert, kommuniziert und Beteiligung organisiert werden muss. Führen in Veränderungen sowie der Umgang mit Widerständen und Konfliktmanagement nehmen einen wichtigen Raum ein. In jedem Kurs wird ein Vertiefungsseminar zu einem ausgewählten Thema angeboten, z.B. agile Methoden, erfolgreiches Verhandeln, Selbstmanagement o.ä. Zum Abschluss werden alle gelernten Methoden zusammengeführt, sortiert, ergänzt um Maßnahmenplanung und Stabilisierung von Veränderungsprozessen und in einer komplexen Fallstudie
zusammenfassend angewendet.
Das ist ein anspruchsvolles Pensum, wodurch werden die Teilnehmenden unterstützt?
Sie haben die Möglichkeit, in der Weiterbildung Problemstellungen, Konzepte und Vorgehensweisen aus der eigenen Führungs- oder Beratungspraxis zu bearbeiten und profitieren durch die professionelle Bearbeitung und Reflexion auch von den jeweils anderen. Dadurch wird eine besonders intensive Verarbeitung der fachlichen Inputs der Dozent:innen gewährleistet. Durch diese vielfältigen Fallbesprechungen können die Teilnehmenden Muster und
Lösungsmöglichkeiten erkennen, die ihnen durch den eigenen Management-Alltag oft verborgen bleiben.
Vielen Dank für das Gespräch!
_____________________________________________
Das Interview führte Susanne Steinmetz, Bildungsreferentin an der Paritätischen Akademie Berlin
AUCH INTERESSANT
Absolventin Julia Günster über das Masterstudium Sozialmanagement an der Paritätischen Akademie Berlin und ihren Weg von der Privatwirtschaft über die Jugendhilfe zum eigenen Sozialunternehmen
Frau Günster, mit ihrem Sozialunternehmen Thumbs and Hearts fördern Sie die digitale Medienkompetenz Jugendlicher. Was genau bieten Sie an?
Wir bieten Themen-Workshops rund um digitale Medienkompetenz für Jugendliche und für pädagogische Fachkräfte an. Darin geht es um Werbung und Influencer:innen, um Fake News und Recherche, um Selbstdarstellung und Selbstwahrnehmung und um Toleranz und Vielfalt in Social Media. Unser Ziel ist, Jugendliche zu befähigen, ein Bewusstsein für die konsumierten Inhalte zu entwickeln, sie einzuordnen und zu hinterfragen.
Wie kamen Sie auf die Idee?
Mit Thumbs and Hearts möchte ich das Wissen aus mehreren Branchen verbinden. Ich bin ursprünglich PR-Beraterin und habe selbst Social Media Kampagnen für Unternehmen geplant und umgesetzt. Die Idee zu Thumbs and Hearts entstand gemeinsam mit einer ehemaligen Kollegin. Jugendliche sind mehrere Stunden täglich in Social-Media-Netzwerken unterwegs, die in erster Linie wirtschaftliche Interessen verfolgen. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung der Creator Economy. Die Werbebotschaften der Influencer:innen sind zum Teil geschickt verpackt, die Kennzeichnungspflicht nicht eindeutig geregelt. Uns ist es ein Anliegen, die digitale Medienkompetenz der Jugendlichen so zu stärken, dass sie souverän Influencer-Content, Werbung, PR und Meinungen einordnen können, Fakten von Fake News unterscheiden, und ein Bewusstsein entwickeln für den Einfluss vom Algorithmus der Netzwerke und ihrer Filter-Bubble.
Ihr beruflicher Weg führt von der Privatwirtschaft über die Jugendhilfe zum eigenen Sozialunternehmen. Inwiefern hat das Masterstudium Sozialwirtschaft Ihre Berufslaufbahn beeinflusst?
Als Quereinsteigerin in der Sozialwirtschaft wollte ich das Studium nutzen, um mich in der Branche zu professionalisieren. Neben dem Beruf zu studieren ist herausfordernd, für mich war es aber auch unglaublich
empowernd und hat mich motiviert, mich in der Sozialwirtschaft weiterzuentwickeln.
Wie konnten Sie die Inhalte des Studiums in Ihre Berufspraxis einbringen?
Ich habe damals als Newbie in der Branche bei einem Jugendhilfeträger mit vielen unterschiedlichen Angeboten und Einrichtungen gearbeitet. Das Studium hat mir viel Hintergrundwissen vermittelt, um die wirtschaftlichen Zusammenhänge besser zu verstehen: wie sieht dieser Markt in Deutschland eigentlich aus, wie funktioniert er und welche unterschiedlichen Finanzierungsmodelle gibt es? In meinem Job danach als Projektmanagerin für ein
Förderprogramm des Bundes war das Wissen um Zusammenhänge neben der Kenntnis der Praxis ebenfalls entscheidend, um unterschiedliche Fördervorhaben gezielt zu beraten. Bei der Gründung meines eigenen Sozialunternehmens hat mir vor allem das Vorwissen zu rechtlichen und steuerlichen Aspekten enorm geholfen. Und viele ganz konkrete Studieninhalte von Rechnungswesen bis Unternehmensstrategie spielen aktuell eine große Rolle in meinem Arbeitsalltag.
Gibt es für Sie ein persönliches Highlight aus Ihrer Studienzeit?
Das Highlight des Studiums war für mich unsere tolle Studiengruppe! Wir sind sehr zusammengewachsen, vor allem durch die Präsenzwochen. Durch meine Kommiliton:innen habe ich viele Insights aus unterschiedlichsten Branchen der Sozialwirtschaft erhalten. Das war unglaublich bereichernd.
Von den Veranstaltungen besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Rhetorikseminar bei Pater Thomas. Ich hatte im Laufe meiner Berufslaufbahn schon mehrere Kommunikations-Workshops besucht, aber so intensiv, so ehrlich, so charismatisch wurde mir das Thema davor nie vermittelt.
Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Kommiliton:innen?
Ja, wir sind noch in Kontakt. Ich hoffe, dass wir es schaffen, bald wieder ein Reunion-Gruppentreffen zu machen, das war seit Pandemiebeginn etwas schwierig. Ich habe mich während meiner Gründung mit einem Kommilitonen ausgetauscht, der Erfahrung mit der Ausgründung einer gemeinnützigen GmbH hat und mir wertvolle Tipps geben konnte.
Vielen Dank für das Gespräch!
________________________________________
Das Gespräch führte Johanna Brömer, Bildungsreferentin an der Paritätischen Akademie Berlin
Mehr Infos zur Thumbs and Hearts gGmbH finden sie unter www.thumbsandhearts.com
Sozialmanagement, Master of Arts
Berufsbegleitender Studiengang in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin

AUCH INTERESSANT